Wien

Was soll man eigentlich über Wien schreiben? Vielleicht bietet sich eine Trennung in das touristische Wien und ein etwas versteckteres Wien an. Das touristische Wien findet man in jedem Reiseführer, man kann diverse Bustouren machen, die einen zielgenau jeweils eine halbe Stunde zu den Highlights der Stadt bringen und am Ende weiß man mehr über Kaiserin Sisi als man jemals wissen wollte und sollte. Im Zweifelsfall ist es am Besten, wenn man sich etwas von den Touristenmassen fern hält. Das schont auch die Geldbörse – Wien ist als Stadt durchaus bezahlbar, aber die Eintritte in den Touristenzielen sind gesalzen.

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Die sogenannte Ottonenkrone und die habsburgische Schatzkammer gehören natürlich zum Pflichtprogramm. Die Ottonenkrone ist in Echt übrigens deutlich beeindruckender als auf Fotos oder historischen Gemälden. Dies gilt übrigens auch für einen Großteil der dort ausgestellten Schätze.

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Wer zuhause seine Bücher in Ivar-Regalen lagern muss, der wird in der Nationalbibliothek garantiert neidisch. Definitiv eine der schönsten Bibliotheken der Welt, deren Besuch nur dadurch geschmälert wird, dass man nicht an die Bücher in den Regalen darf. Aus konservatorischen Gesichtspunkten ist das natürlich verständlich, den Historiker juckt es trotzdem in den Fingern.

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Der Stefansdom ist innen zwar beeindruckend ausgestattet, aber gleichzeitig furchtbar überlaufen, die Wiener verlangen schon Eintritt um einmal durch die Mitte der Kirche gehen zu dürfen und die Touristenmassen stauen sich an jeder Ecke. Anschauen, aber weiteren Kontakt vermeiden ist hier die Devise.

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Die Wiener Secession ist eine kleine Enttäuschung. Sie ist in wohl jeder Bilderstrecke über Wien zu sehen, auf der österreichischen 50 Cent-Münze abgebildet und in der Realität nicht nur mit zwei großen Werbeplakaten behangen, sondern der direkt vor ihr liegende Busparkplatz und die Hauptverkehrsstraße verhindern effektiv, dass man das Gebäude überhaupt vernünftig sehen kann. Als Bauwerk ist sie in ihrer künstlerischen Gestaltung bemerkenswert, die moderne Umgebung hingegen macht keinen Spaß – der Besucher sollte dann doch lieber auf den direkt nebenan liegenden Naschmarkt gehen und sich mit unzähligen Spezialitäten und Köstlichkeiten vollstopfen.

Das größte Problem des touristischen Wiens ist aber die Fixierung auf Sisi, welche geradezu groteske Züge annimmt. Abgesehen davon, dass die lange Geschichte der Habsburger fast vollkommen auf Sisi reduziert wird, auf einigen Werbeplakaten für die Ausstellungen ist sogar neben dem Bild der echten Sisi ein Bild von Romy Schneider in Sisi-Montur zu sehen. Neben dem touristischen Wien mit den Hauptsehenswürdigkeiten gibt es aber auch einiges andere zu entdecken. Die Zeit reicht leider nie aus, um alles zu sehen, aber einige Dinge kann man auch in wenigen Tagen abseits der großen Touristenströme mitnehmen.

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Na, was war im Februar 1934?

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Eines der persönlichen Highlights des Heeresgeschichtlichen Museums im Arsenal. Das hier ist das älteste militärisch genutzte Luftfahrzeug der Weltgeschichte. Am 3. September 1796 besiegten die Österreicher die französische Revolutionsarmee und erbeuteten dabei diesen Ballon, der zur Luftaufklärung eingesetzt wurde.

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Ein etwas makabres Ausstellungsstück, ebenfalls im heeresgeschichtlichen Museum: Der Wagen, in dem Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Im gleichen Raum liegt übrigens noch die blutverschmierte Uniform, in der er erschossen wurde – inklusive Pfeil auf die Einschussstelle. Wer dann noch nicht genug von derartigen Dingen hat, kann sich auch noch die Bank anschauen, auf der Dollfuß starb.

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Ebenfalls im Heeresgeschichtlichen Museum.

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Eine Frage, die wir uns alle schon einmal gestellt haben.

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Wer in Freiburg Geschichte studiert, kennt die Statue vor dem KGIV, beachtet sie aber eigentlich nicht weiter. Umso größer ist die spontane Überraschung, wenn man genau die gleiche Statue plötzlich mitten in Wien auf dem Platz vor der Albertina am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus findet. Und da Reisen bildet, weiß ich jetzt, dass es sich um den Marsyas I von Alfred Hrdlicka handelt.

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Das rote Wien ist mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten, dabei war Wien eine der Hochburgen der sozialistischen und sozialdemokratischen Arbeiterschaft in Europa und eine der Städte, in denen der Kampf zwischen den linken, kommunistischen Arbeitern und rechten, völkischen Gruppierungen (den österreichischen Heimwehren) am Heftigsten tobte. In der Stadt manifestiert sich diese Zeit vor allem durch die unter sozialdemokratischer Führung angelegten Wohnanlagen, von denen der hier abgebildete Karl Marx-Hof die größte ist.

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Die Flaktürme haben mich ernsthaft fasziniert. Während des Zweiten Weltkrieges bauten die Nazis gigantische Betonkonstruktionen mitten in die Stadt. Heute stehen sie immer noch mitten im Stadtbild, werden zum Teil anders genutzt oder stehen leer, aber ein Abriss ist praktisch unmöglich.

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Und zum Schluss bietet sich das Museumsquartier ideal dazu an, um nach einem anstrengenden Tag am Abend gemütlich eine Pause zu machen, zu entspannen und riesige Frauenskulpturen ohne Arme, Beine oder Kopf zu bewundern.

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