Augmented Reality und Geschichte

Das Museum of London hat eine sehr interessante iPhone-App veröffentlicht. Die Idee ist großartig – historische Bilder aus London wurden mit Geotags versehen, so dass sie auf einer Karte an ihrem jeweiligen Entstehungsort angezeigt werden. Weiterhin gibt es eine Augmented Reality-Funktion, bei der sie direkt in die heutige Umgebung projiziert werden. Wie so häufig sagt ein Bild hier mehr als tausend Worte: Die App bringt also Bilder zurück an ihren Entstehungsort und bringt das Vergangene wieder zurück in die Gegenwart. Außerdem lädt so eine Software natürlich zum Entdecken der Geschichte der eigenen Stadt ein und zeigt, wie eine Stadt sich im Laufe der Jahrhunderte verändert. Wie die wirkliche Umsetzung ist, kann man von außen schwer beurteilen – um die App zu testen, müsste ich mir ein iPhone kaufen und nach London fahren, was schlicht und einfach zu teuer ist.

Etwas praxistauglicher ist da schon Historypin, eine Seite, die historische Fotos in Googles Street View anzeigt. Die Seite krankt allerdings leider momentan noch an einer sehr geringen Auswahl an Bildern. Die „Befreiung“ der Bilder aus dem Museum ist ein großartige Idee und Augmented Reality wird sicherlich in Zukunft in Museen eine große Rolle spielen. Nicht nur wie hier, um die Vergangenheit in der jetzigen Umgebung greifbar zu machen, sondern wohl vor allem an Orten, an denen vieles der historischen Substanz verloren gegangen ist. Die Abtei von Cluny ist wohl das beste Beispiel dafür: Früher die größte Kirche der Christenheit und bis zum Bau des Petersdomes das größte Gebäude der Welt, ist mittlerweile durch die Wirren der Jahrhunderte (bzw. wohl eher Steinhändler, die die Kirche als Baumaterial verkauften) nur noch ein kleiner Teil übrig. Das ist zwar immer noch sehr beeindruckend, ist aber leider nur noch einen Bruchteil des damaligen Baus. Mittlerweile wird in Cluny versucht, durch moderne Computertechnik die Vergangenheit wiederzubeleben. Besucher bekommen einen 3D-Film zu sehen, in dem mittels einer digitalen Rekonstrution die Kirche aufersteht. Und im ehemaligen Kirchenschiff stehen drehbare Monitore, die die Umgebung so zeigen, wie sie früher einmal „war“. Dem Besucher gefällt’s, die Technik dahinter ist faszinierend und die Museumsführer müssen nicht mehr abgewetzte Fotokopien herumzeigen. Diese Technik ist natürlich kein Allheilmittel – zum einen ist sie extrem teuer, vor allem wenn man 3D-Rekonstruktionen anfertigen muss. Und zum anderen gibt es natürlich auch Orte, bei denen eine Rekonstruktion ethische Probleme aufwirft: Wer will schon ein Konzentrationslager in 3D durchschreiten?

Update: Näher als die britische Hauptstadt ist dann doch Berlin, wo man mittlerweile die Berliner Mauer virtuell wieder aufbaut.

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