Die Kowloon Walled City

Es gibt manchmal Dinge im realen Leben, die auch direkt aus einem Science Fiction-Film stammen könnten und die gerade deshalb so begeistern. Jedes Kind, das früher mit unhandlichen und langsamen 5 1/4"-Disketten hantieren musste und immer neidisch auf die Datenkristalle aus Star Trek schaute, freut sich jedes mal klammheimlich, wenn es einen USB-Stick benutzen darf. Ähnliches gilt für bestimmte Smartphone Anwendungen – sie fühlen sich an, wie etwas aus der Zukunft. Das gilt auch für die Kowloon Walled City, welche diesen Science Fiction-Hauch hat und auch aus einem Werk von William Gibson (Neuromancer) stammen könnte. Oder umgekehrt – vielleicht hat die reale Stadt Gibson zu seiner Vision des Sprawls inspiriert.

Die KWC befand sich bis 1993 auf dem Gebiet eines ehemaligen chinesischen Fotrs mitten in der britischen Kronkolonie Hongkong. Ihr völkerrechtlicher Status war umstritten und so wurde das Gebiet zu einem Niemandsland, das weder von China noch von Großbritannien verwaltet und kontrolliert wurde. Schnell siedelten sich auf dem kleinen Gebiet Menschen an, die sich staatlicher Kontrolle entziehen wollten oder mussten. Die Triaden wurden zur de facto-Regierung und übernahmen die Macht in der KWC. Flüchtlinge, Ausgestoßene, Verfolgte und Kriminelle siedelten sich an. Die Bevölkerungszahl stieg an, die Häuser schossen ungeplant und ohne Infrastruktur in die Höhe und so entstand die wohl unglaublichste Stadt dieser Erde: Auf 0,025 qkm lebten 33000 Menschen und so war die Bevölkerungsdichte mit Abstand die höchste weltweit – irrsinnige 1,3 Millionen pro Quadratkilometer! Der Bauplatz wurde maximal ausgenutzt und die Gebäude wuchsen bis zu 15 Stockwerke – mitten im Nichts. Wasser und Strom wurden illegal beschafft. In die Straßen am Boden fiel kein Tageslicht mehr, dafür lief Wasser von den Wänden. Und mitten drin schlugen sich die Bewohner mit mehr oder weniger illegalen Beschäftigungen durch.

Das deutsche Fernsehen strahlte 1989 folgende faszinierende Dokumentation über die Stadt und ihre Bewohner aus, die ich hier einfach zeigen muss. In ihr durchstreift ein Kamerateam die Stadt, stellt diverse Bewohner und ihre Beschäftigung vor und schafft es, einen lebendigen Eindruck vom Leben in dieser absurden Stadt zu vermitteln. Auch wenn die Triadenbosse nicht auftauchen.

Rechtsfreie Räume halten sich allerdings nicht auf Dauer – 1993 wurde die KWC komplett abgerissen und zu einem Park umgestaltet. Was aus ihren Bewohnern wurde, ist unbekannt.

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3 Kommentare zu Die Kowloon Walled City

  1. Rudolf sagt:

    Eine Ahnung von welchem Sender die Dokumentation stammt?

  2. admin sagt:

    Genau weiß ich es leider auch nicht, aber der Abspann gibt einen Hugo Portisch als „Buch und Text“ an:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Portisch
    Spontane Vermutung ist daher, dass diese Doku vom ORF stammt, was vielleicht auch das fehlende Senderlogo erklären würde.

  3. Tom sagt:

    Diese Frage stellte ich mir auch gerade, denn es wäre schön, die Doku in besser Qualität zu finden. Außer den diversen Youtube-Uploads und Seiten, die darauf verweisen, habe ich aber leider nichts gefunden.

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