Googles Art Project ist ein Street View für Museen

Als die Debatte über Googles Street View-Dienst hierzulande tobte, machte ein kleines satirisches Video die Runde: Ein Kamerateam des ZDF klingelte bei nichts ahnenden Bürgern und stellte sich als Google Home View vor. Man würde gerne das Wohnzimmer filmen und der Welt zeigen.

Auf satirische Weise wurde so der Versuch Googles, immer weiter in die Intimsphäre der Menschen einzudringen, auf’s Korn genommen. Dass die Street View-Technologie sich allerdings auch ernsthaft für die Darstellung der Innereien von Gebäuden eignet, zeigt jetzt der neue Dienst Google Art Project. Hier wurden nicht die heimischen Wohnzimmer aufgenommen, sondern die bekanntesten Museen dieser Welt. Vom Louvre über die britische National Gallery bis zur Alten Nationalgalerie in Berlin sind wirklich hochkarätige Häuser vertreten. Diese lassen sich auf zwei Weisen durchstöbern: Zum einen kann man virtuell über die Flure der Museen spazieren und sich die dort hängenden Bilder anschauen – dies macht v.a. in architektonisch herausragenden Häusern Spaß. So ist der virtuelle Bummel durch das Schloss von Versailles eine wahre Freude angesichts der opulent ausgestatteten Räume. Da achtet man gar nicht mehr auf einzelne Kunstwerke. Leider ist auch hier wie bei Street View die Bedienung etwas sperrig. Selbst wenn man die Pfeiltasten zur Navigation benutzt, verzerrt sich die Ansicht häufig und es ist nicht immer einfach, die einzelnen Bilder anzusteuern. Den Besuch im Museum ersetzt der Dienst also nicht, dafür erspart er einem den üblichen Touristenrummel – der Spiegelsaal in Versailles ist in leer einfach beeindruckender als voller fotografierender und krakelender Touristen mit schreienden kleinen Kindern.

Die zweite Ebene des Dienstes sind extrem hochaufgelöste Bilder, welche sich separat anschauen lassen. Die große Auflösung ermöglicht einen völlig anderen Kunstgenuss als die sonst üblichen kleinen Bilder. Mit der Zoomfunktion kommt man an Details heran, die man sonst nicht erkennen würde, die nicht auffallen würden. Gerade alte Bilder sind häufig voller Details und Kleinigkeiten. So enthält das Bild “The Ambassadors” von Hans Holbein dem Jüngeren schier unglaubliche Darstellungen.

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Googles Art Project ermöglicht den Zoom auf Kleinigkeiten – so ist der oben nur klein zu erkennende Globus ein richtiger Globus, auf dem die Länder und Regionen feinsäuberlich eingezeichnet sind. Ebenfalls sind alle dargestellten wissenschaftlichen Instrumente beschriftet, das Tuch besitzt eine Textur und im Notenbuch sind natürlich echte Noten abgebildet. In zu kleinen Auflösungen gehen diese Details verloren.

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Selbst in großformatigen Kunstbüchern finden sich diese Details nicht. Dazu kommen ausführliche Textbeschreibungen. Um es kurz zusammenzufassen: Das Art Project ist großartig und definitiv einen Besuch wert. Außerdem brauchen wir dringend mehr hochauflösende Bilder im Web.

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