"Auch Terroristen sind Menschen, sie totzuschießen, will geübt und gelernt sein"

Ich musste eben bei der Lektüre dieses alten Spiegel-Artikels aus dem Jahr 1972 doch etwas schlucken. Er beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Ausländern und Deutschen nach dem Olympia-Attentat und den innenpolitischen Folgen, die zu sehr an die Zeit nach dem 11. September 2001 erinnern: Ausländer stehen plötzlich unter Generalverdacht und die Aktivitäten einzelner politischer Gruppierungen werden als repräsentativ für alle Landsleute gesehen. Gleichzeitig kommen diverse Scharfmacher  aus ihren Löchern und verbreiten fremdenfeindlichen und rassistischen Müll.  Der gesamte Artikel ist lesenswert und führt in eine Welt der Anfeindungen, dem Ruf nach einem stärkeren Staat zwischen real existierenden politischen Gruppierungen von Migranten aller Ausprägungen und Heimatländern, welche zum Großteil Diktaturen sind und aktiv auf hier lebende Migranten einwirkten.
Die Zitate, welche der Spiegel bringt, haben mich aber wirklich aus den Socken gehauen. Was dort auch höhere Politiker so von sich geben, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr. Hier ist die Sammlung: 

"Raus mit allen Menschen dieser Länder, raus aus Deutschland."

Karl Becker (Landtagsabgeortneter Schleswig-Holstein, SPD)

"Wir haben uns das Otterngezücht selbst an der ,liberalen‘ Brust großgezogen."

Gerhard Stoltenberg (Ministerpräsident Schleswig-Holstein, CDU)

"Bürger aus Ländern, die Terror dulden und unterstützen, können in unserem Lande weder arbeiten noch studieren."

Hans-Jürgen Wischnewski (MdB, SPD)

"Auch Terroristen sind Menschen, sie totzuschießen, will geübt und gelernt sein."

Hanns-Heinz Bielefeld (Innenminister Hessens, FDP)

"Der Araber, schlechthin — dem ist nicht zu trauen"

Gustav Stogel (Kripo-Direktor München)

"Die Tschechen und die Polen, die haben in etwa doch noch unsere Mentalität und unsere Moralbegriffe. Aber die Araber, die sind einfach anders als wir. In den Abendstunden getrauen sich unsere Frauen nicht mehr ohne männliche Begleitung auf die Straße. Unsere Ärzte klagen über das ungebührliche Auftreten der Araber in den Praxen. Das geht so weit, daß sie kategorisch die bevorzugte Behandlung vor den einheimischen Kranken verlangen."

Virgilio Röschlein (Bürgermeister in Zirndorf/Franken, SPD. 1984 fiel er weiterhin durch diese Aktion unangenehm auf.)

Interessant sind auch die geistigen Wurzeln der damals nach dem Olympiaattentat eingerichteten GSG 9:

Was die Terroristen-Bekämpfer alles können sollen, malte sich ein hoher Verfassungsschützer aus. Sie "müssen von drei Meter Höhe springen können, ohne sich zu verletzen, aus allen Lagen mit allen Handfeuerwaffen schießen und mit Handkantenschlag töten können". Sie müssen "instinktiv reagieren" und "unmittelbaren Verantwortungsbezug zum Vorgesetzten" haben; sie müssen sich auf den Kameraden verlassen können und "Elitebewußtsein entwickeln"; sie müssen "mit dem Willen kämpfen, den Gegner zu vernichten": "Kampfunfähig schießen ist Quatsch."

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42842884.html

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