Wenn Algorithmen Amok laufen

Diese Geschichte ist einfach großartig: Michael Eisen, Evolutionsbiologe in Bereley, wollte eigentlich nur eine Kopie des Buches “The Making of a Fly” von Peter Lawrence kaufen, doch der Preis für gebrauchte Bücher bei Amazon war dann doch etwas zu hoch:

Ein Fehler? Nein! Wie BWL-Studenten und FDP-Wähler wissen, können Märkte niemals versagen und gerade naturwissenschaftliche Textbücher sind ja auch extrem teuer. Und da solche Schnäppchen natürlich die Käufer anziehen und das Angebot begrenzt ist, mussten die Preise zwangsläufig weiter steigen. Wer dachte, dass man auf dem Aktienmarkt, mit Rohstoffspekulation oder Bankraub schnell viel Geld verdienen könne, der kennt nicht die Gewinnspannen im antiquarischen Buchhandel. Diese staubigen, verwinkelten Läden sind nämlich nur Tarnung, denn wer zum Schnäppchenpreis von 1,7 Millionen Dollar zugeschlagen hätte, der konnte bereits nach wenigen Tagen das Buch für 18 Millionen Dollar wieder verkaufen!

Doch was ist wirklich passiert? Beide Händler nutzen eine Software, um ihre Preise an die der Konkurrenz anzupassen und diese Algorithmen sind Amok gelaufen – zum einen haben hier zwei Softwares den Preis automatisch unter sich ausgehandelt und zum anderen veranstaltet der Verkäufer bordeebook ein etwas merkwürdiges Spiel: Er hat seine Software so eingestellt, dass sie automatisch den niedrigsten Preis nimmt und ihn um 1.270589 höher setzt (warum er dies tut, ist unklar). Dummerweise setzte der andere Verkäufer eine Software ein, die den Preis auf 99,83% von bordeebooks Angebot setzte. Und so schaukelten sich beide Anbieter in schwindelerregende Höhen hoch.

Die Preissetzung durch Konkurrenzbeobachtung scheint ein weit verbreitetes Phänomenen zu sein. Schaut man mal bei Amazon, findet man einige Bücher mit geradezu absurden Preisen. Das teuerste Buch dieser Welt ist momentan “Streams in the Desert” von einer Chas E. Cowman, welches als gebrauchtes Buch nur 600 Millionen Dollar kostet. Zum Glück gibt es die Kindle-Edition auch für 5.85$, das Paperback für 4.99$ und das Hardcover für 9.97$. Da greift man doch gerne zum Gebrauchtbuch, der Umwelt zuliebe!

Auf YCombinator finden sich in den Kommentaren zu dieser Geschichte andere Beispiele von derartig verwirrten Preisbots und auch einige Wortmeldungen von Amazon-Händlern, welche berichten, dass derartige Software der einzige Weg seien, um konkurrenzfähig zu bleiben, den Gewinn zu maximieren und überhaupt die Preise für eine riesige Menge gebrauchter Bücher festzustellen. Interessant sind auch die Verkäufer, welche die angebotenen Bücher gar nicht besitzen, sie aber trotzdem anbieten und erst nach dem Kauf versuchen, sie günstiger einzukaufen.

Ich frage mich jetzt aber: Diese automatischen Systeme müssten sich recht einfach austricksen lassen. So könnte man z.B. den Preis teurer, aber wenig nachgefragter Bücher durch ein eigenes Angebot drücken. Ebenso könnte man durch Preismanipulation ein Buch praktisch vom Buchmarkt entfernen – 23 Millionen Dollar sind zwar etwas übertrieben, aber es wird auch keiner 500 Dollar für ein gebrauchtes Buch über Fliegenvermehrung bezahlen wollen und wenn der Preis einmal recht stabil ist, wird er vorerst nicht mehr sinken. Das Dumme an der Sache ist, dass sie gerade in Echt passiert. Sie würde nämlich ein großartiges Thema für einen Science Fiction-Roman hergeben.

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