Kein Jahresrückblick

Das hier ist kein Jahresrückblick, sondern einfach nur der Versuch vier verschiedene Themen und Gedanken in einen Beitrag zu quetschen. Ein Jahresrückblick müsste umfangreicher sein, detaillierter und mehr Themen aufgreifen – daher hier nur drei Dinge, die mir im Rückblick auf 2012 aufgefallen sind:

Zum einen ist 2012 mit der deutschen Ausgabe der Hypotheses ein recht dynamisches Blogportal entstanden, das diverse Wissenschaftler zum Bloggen gebracht hat. Selten sind so viele neue Blogs in der wissenschaftlichen Blogosphäre entstanden. Hier ist zu hoffen, dass diese Entwicklung sich 2013 noch weiter beschleunigt und dass wir weitere interessante Wissenschaftsblogs bekommen. Gerade im Bereich der themenbezogenen Gruppenblogs ist noch sehr, sehr viel Platz und so langsam scheint sich dieser Leerraum auch zu füllen. Wie üblich preschen die Mediaevisten und die Frühneuzeitler vor, irgendwann werden auch die Zeitgeschichtler die Blogs entdecken.

2012 war auch das Jahr, in dem Blogs trotz aller Unkenrufe gezeigt haben, welch mächtige Werkzeuge sie sind. Unsere Bundesbildungsministerin wird den Jahreswechsel sicherlich mit einem bangen Blick begehen, was vor allem an den zuerst von einem Blog geäußerten Plagiatsvorwürfen gegen sie liegt. Ebenfalls keine entspannten Weihnachtstage wird die ehemalige Leiterin des Stralsunder Stadtarchives verbracht haben, nachdem auf Archivalia bemerkt wurde, dass die im Archiv gelagerte Gymnasialbibliothek illegal verkauft wurde. Das Jahr 2013 wird weitere Fälle bringen und soziale Medien werden für die Bundestagswahl sehr wichtig.

2012 war auch das Jahr, in dem die großen Internetgiganten ihre Muskeln spielen ließen und kräftig austeilten. Facebook ging an die Börse und steht jetzt unter verstärktem Druck, möglichst viel Geld zu verdienen. Twitter ging stark gegen API-Nutzer und Programme von Dritten vor. Veränderte Nutzungsbedingungen führten etwa dazu, dass IFTTT seinen Twitter-Channel schließen musste, diverse Apps aufgaben und Instagram seine Fotoeinbindung kickte. Die großen Internetgiganten schließen die Tore zu ihren Walled Gardens zunehmend und deren Plattformen werden immer stärker reguliert. So ist YouTube „dank“ immer besserer Copyright-Verfolgung streckenweise unbenutzbar geworden, Facebook sperrt gerne und fleißig Accounts und auch Twitters API-Restriktionen weisen in eine falsche Richtung. Völlig zurecht haben diverse Personen der Internetszene dazu aufgerufen, sich das Netz zurückzuerobern. Zuerst war es Sascha Lobo, kürzlich Johnny Häusler. Das eigene Blog auf einem eigenen Server ist da ein guter Anfang, denn so ist man nicht vom Goodwill eines einzelnen Anbieters abhängig. Archivalia erlebte etwa letztens einen längeren Ausfall, bei dem der Support von Twoday nicht zu erreichen war. Es wird Zeit, dass wir nicht nur auf Twitter rumhängen oder bei Facebook lustige Katzenvideos schauen, sondern etwas wirklich eigenes schaffen. Blogs sind dafür ein guter Einstieg, aber man sollte auch andere Formen der eigenen Internetpräsenz nicht vergessen. Ich experimentiere hier etwa seit einiger Zeit versteckt mit einem privaten Wiki, in dem ich diverse Themen versammle, die mich interessieren. Diese Form des digitalen, (noch nicht) öffentlichen Zettelkastens funktioniert sehr gut. Auch andere Formen jenseits des Blogs sind eine Überlegung wert. Eines der größten Probleme der sozialen Netzwerke ist ja, dass sie einen in eine bestimmte Form quetschen („Nur 140 Zeichen“, „Ab sofort gibt’s die neue Timeline!“). Genauso muss man sich nicht vom üblichen WordPress-Blogformat einschränken lassen.

Zum Schluss noch einige Leseempfehlungen für das neue Jahr. Die üblichen bekannten Blogs muss man ja nicht mehr empfehlen, aber es gibt auch einige kleine Projekte, die durchaus lesenswert sind.

Erbloggtes.wordpress.com
Mit enormer Energie widmet sich der anonyme Autor (oder die anonyme Autorin) vor allem den diversen Plagiatsfällen, greift aber auch diverse andere Themen rund um die Geisteswissenschaften auf.

illicit-cultural-property.blogspot.de
Es ist leider so, dass Kulturgüter geklaut werden, gehandelt werden, geschmuggelt werden und dass viele Beteiligte wegschauen. Dieses Blog nicht, es schaut genau hin und wirft einen Blick auf den legalen und illegalen Handel mit Kulturgütern.

fuckyeahbrutalism.tumblr.com
Brutalismus, dieser Baustil, der auf nackten Beton setzt, hat mittlerweile einen schlechten Ruf. Die Bauwerke gelten als Bausünden und verfallen langsam vor sich hin. Das Tumblr-Blog Fuck Yeah Brutalism sammelt alte Bilder dieser faszinierenden Bauwerke und rückt diesen Architekturstil in ein völlig anderes Licht.

augengeradeaus.net
Augen geradeaus des Journalisten Thomas Wiegold ist gewissermaßen das Musterkind der Blogs. Es hat ein konkretes Thema (die Bundeswehr), Wiegold postet regelmäßig und ausführlich, er veröffentlicht Redetexte, Stellungnahmen etc. im Originaltext und schafft es auch, so komplexe und in den Medien erstaunlich unterberichtete Themen wie den Afghanistan-Einsatz, die Piratenjagd am Horn von Afrika oder die Einsätze im Kosovo, Sparmaßnahmen, Anschaffungen und Personal. Kombiniert mit den zahlreichen Kommentaren ergibt sich eine umfassende Berichterstattung zur Bundeswehr, die so kein anderes Medium bietet. Sowas hätte ich gerne auch zu anderen Institutionen.

/r/AskHistorians
Kein Blog, aber das Subreddit AskHistorians hat sich in der letzten Zeit zum wohl besten Forum zu Geschichtsthemen gemausert. Nutzer stellen diverse Fragen zu geschichtlichen Themen und häufig genug antworten andere Nutzer, die wirkliche Experten in ihrem Themengebiet sind.

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4 Kommentare zu Kein Jahresrückblick

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