Digital Humanities als Generationenkonflikt

Das Thema Generationengerechtigkeit steht momentan wieder auf der politischen Agenda. Vor dem Hintergrund einer grassierenden Jugendarbeitslosigkeit in Europa mit unreal klingenden 59 Prozent in Griechenland, 55 Prozent in Spanien und 38 Prozent in Italien und Portugal stellt sich die Frage nach der Zukunft der jungen Generation. Wer als junger Mensch nicht in stabile Arbeitsverhältnisse kommt, wird niemals den Lebensstandard seiner Eltern erreichen. Hinter diesen nackten Zahlen stecken persönliche Katastrophen, Menschen ohne Zukunft und Schicksale, die eigentlich mehr Protest auslösen müssten. Die Selbstmordrate in den entsprechenden Ländern zeigt auch steil nach oben.

In Deutschland ist diese Debatte aufgrund der anderen wirtschaftlichen Bedingungen bislang nur abgeschwächt angekommen, aber auch hier herrscht durchaus Krisenstimmung. Auch wenn hier die Jugendarbeitslosigkeit nicht so gravierend ist, die Zukunft erscheint manchmal auch recht grau: Befristete Zeitverträge, steigende Beiträge und Kosten, Klimaerwärmung, Verschuldung, ständiger Ortswechsel und Terrorhysterie sind Teil der Lebensrealität junger Menschen. Anita Blasberg attackierte in der ZEIT die Generation der Babyboomer in einer lesenswert gemeinen Polemik:

Wann habe ich eigentlich angefangen, mich zu wundern?

War es im März, als der Altpunker Campino (50) für den wichtigsten deutschen Musikpreis Echo nominiert wurde, gemeinsam mit den Altrockern Bruce Springsteen (63), Joe Cocker (68) und Peter Maffay (63)?

War es im Winter, als die Altpolitiker Peer Steinbrück (66) und Rainer Brüderle (67) zu Hoffnungsträgern ihrer Parteien gekürt wurden?

Oder war es nach der Wahl in Italien, wo seither ein 87-jähriger Staatspräsident und ein 76-jähriger korrupter Milliardär um die Macht rangeln, gemeinsam mit einem 70-jährigen ehemaligen Investmentbanker, einem 64-jährigen Komiker und einem 61-jährigen Sozialdemokraten?

Vielleicht war es auch während einer dieser Talkrunden, in denen der 44-jährige Markus Lanz als „junger Mann“ bezeichnet wurde.

Sie macht ein Ungleichgewicht in der Zusammensetzung der Altershohorten für dieses Phänomen verantwortlich:

In fast allen Industrieländern setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein gigantischer Babyboom ein – in Deutschland begann er erst einige Jahre später, aber auch hierzulande gilt: Nie zuvor und nie danach wurden so viele Kinder geboren wie zwischen 1946 und 1965. Die sogenannten Babyboomer sind die größte und wohlhabendste Alterskohorte aller Zeiten. […]

Die Babyboomer sind und waren immer: die Mehrheit. Sie sind es gewohnt, dass das, was sie beschäftigt, auch die ganze Gesellschaft beschäftigt. Jetzt, in ihren besten Jahren, sitzen sie an den Schaltstellen des Landes: Die Kanzlerin ist eine Babyboomerin, genau wie die meisten deutschen Ministerpräsidenten. Die Gruppe der über 48-Jährigen stellt die große Mehrheit der Konzernvorstände sowie die einflussreichsten Publizisten.

Etwas später knüpfte die Piraten-Vorstand Katharina Nocun in ihrem Blog an diesen Artikel an und beschrieb das Lebensgefühl der „Generation Praktikum“:

Das ist mittlerweile vollkommen normal. Aber was sie dann erwartet sind nicht selten befristete Arbeitsverträge. Und das jahrelang. Viele meiner Freunde wurden nach der Ausbildung nicht übernommen. Die Arbeitslosigkeit ist gering, aber was sind das für Jobs die uns erwarten? Viele gut ausgebildete junge Leute hangeln sich von einem Zeitvertrag und Honorarjob zum nächsten. Ich habe Freunde die von Zeitarbeitsfirmen systematisch ausgebeutet werden und das über Jahre hinweg. Überhaupt gab es noch nie so viele junge Menschen, die aufgrund psychischer oder psychosomatischer Beschwerden krank geschrieben werden, wie heute. Neben dem Hamsterrad aus durchstrukturierter Bildungslaufbahn, Praktika und Jobs auf Probe bleibt für viele wenig Zeit für Politik. Obwohl die Politik in weiten Teilen Verantwortung für diese Situation trägt. In Italien nennt man meine Generation die 1000-Euro Generation. In Griechenland heißt sie die 700-Euro Generation. Hier werden wir einfach nur Generation Praktikum genannt.

Ein paar Tage später überarbeitete sie ihren Artikel ebenfalls für die ZEIT:

Wenn wir nicht bald das notwendige Update für die Sozialsysteme einspielen, wird meiner Generation damit faktisch die Kündigung des Generationenvertrags ausgesprochen. Ich fühle mich manchmal als ob unsere Eltern eine Party gefeiert hätten und wir müssten nun aufräumen und zahlen.

Der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher attackierte die Generation der Babyboomer bereits Anfang letzten Jahres heftig. Schaut man in die USA, dann ist der „boomer backlash“ dort seit Jahren ein Thema, ein Blick in manche Kommentare zeigt, dass dort einiger Hass vorhanden ist. Diese Thesen haben natürlich einige abwehrende Antworten provoziert und natürlich stellt sich die Frage, ob man wirklich eine ganze Generation so über einen Kamm scheren kann. Die Grundfeststellung, dass die Babyboomer Zeit ihres Lebens immer in der Mehrheit waren, ist allerdings wichtig. Wir leben in einer Demokratie und in dieser bestimmt nunmal die Mehrheit. Wenn diese Mehrheit sich langsam auf ihre Rente einstellt, sehen gesellschaftliche Prioritäten eben anders aus als wenn eine Mehrheit in die Bildungsinstitutionen strebt. Die Mehrheit ist da, wo man Wahlen gewinnt.

Aber was hat das jetzt mit den Digital Humanities zu tun? Es ist die angesprochene Generation der Babyboomer, welche niemals ganz ihren Frieden mit den Computern und dem Internet gemacht hat. Es wird von einem Teil genutzt, aber auch häufig eher widerstrebend. Das Digitale blieb immer ein fremdes Land, in das man notgedrungen ein paar Ausflüge macht, aber wirklich zuhause ist man in der analogen Welt. Telefonbuch und Straßenkarten bleiben griffbereit im Regal stehen und werden fleißig genutzt.

Diese digitale Spaltung lässt sich auch in den deutschlandweiten Internetnutzungsstatistiken ablesen. So sind von den jüngeren praktisch alle Online und mit steigendem Alter sinkt die Nutzung. Die Nutzung alleine sagt allerdings noch nichts über die Nutzungskompetenz aus. Jeder Professor und Wissenschaftler mit einem Mailaccount ist laut Definition online, die Digital Humanities verlangen aber deutlich mehr Fähigkeiten. Wer seinen Mailaccount, Google und die Seite der lokalen Universitätsbibliothek bedienen kann, kann noch lange nicht „die Wunderwelt der digitalen Bibliotheken“ erkunden oder gar Forschungsprojekte durchführen. Auch eine Literaturverwaltungssoftware macht noch keinen digitalen Historiker.

Nehmen wir etwa die Web 2.0-Nutzung nach Geschlecht und Alter, ermittelt von der ARD/ZDF-Onlinestudie 2012:


Wenn etwa nur 49 Prozent der über 60jährigen die Wikipedia nutzen, ist die Bedeutung von freien Lizenzen und freiem Wissen schwerer zu vermitteln. Die Probleme unseres Urheberrechtes sind jedem YouTube-Nutzer dank GEMA und Content-ID geläufig, wer hingegen lieber Fernsehen schaut, stößt seltener auf diese Themen. Das gilt auch für Blogs und Twitter – selbst bei den Jungen werden sie vergleichsweise weniger genutzt, aber die Ü60 lassen die für die Digital Humanities zentralen Dienste einfach links liegen. (Natürlich differenzieren sich diese Nutzungsstatistiken nach dem Bildungsabschluss – wer gebildeter ist, nutzt häufiger das Internet. Die Tendenz bleibt aber bestehen.)

Diese Haltung ist verständlich: Immerhin sind es die digitalen Technologien, welche als Störfaktor in die bestehende Wissenschaftskultur eingreifen. Das gedruckte Buch und die gedruckte Zeitschrift brauchen keine Legitimation – das Blog muss aber einen klaren Mehrwert bieten. Und wieso sollte man auch per Twitter mit wildfremden Leuten in 140 Zeichen interagieren, wenn man sein wissenschaftliches Netzwerk auch offline hat und man sich fleißig auf diversen Tagungen austauschen kann?

Schaut man sich etwas um, stößt man daher beim Nachwuchs  auf viel Frust. Etwa in den Kommentaren zu Sabine Scherz „Warum sollte ich als Wissenschaftler/in bloggen?„:

„Für Geisteswissenschaftler gilt noch mehr: Social-Media-Kompetenz ist nur dann ein Pluspunkt in der Eigenwerbung, wenn die Mehrheit der relevanten Entscheider es für einen Pluspunkt hält. Dass das heute so ist, bezweifle ich; das müsste man aber mal empirisch überprüfen und nach verschiedenen Sektoren aufschlüsseln.“
erbloggtes

„Aber hallo. In bestimmten Zirkeln ist alles an Internetnutzung, was über Emailversand hinausgeht, unverständlich.“
– Robert Parzer

„Der Knackpunkt sind eben die Entscheider und hier gibt es wohl mittelfristig keinen echten Durchbruch, weil in der Wissenschaft Professoren (= Gutachter) eben ein Flaschenhals sind (für JEDE Art von Bewerbung/Stipendium). Solange an diesen Schaltstellen technikaverse Personen sitzen hilft nur die Etablierung eigener Strukturen, um in diesen seine Fähigkeiten zu vermarkten. Wenn Blogs noch in 20 Jahren existieren (wovon man nicht umbedingt ausgehen muss), wird die Sachlage sicher anders aussehen. Bis dahinter ist es wohl sinnvolle eigene Projekte innerhalb einer DH Community zu pushen als seinen Professor vom Bloggen zu überzeugen…“
– Patrick Deinzer

Diesen Frust merkt man auch anderen Beiträgen an. Philipp Nordmeyer schreibt folgendes:

Es besteht keine wissenschaftliche Notwendigkeit zu bloggen, aber sehr wohl in klassischen Formaten zu veröffentlichen. Sie sind eine Grundbedingung für wissenschaftliches Ansehen und ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis. Die meisten erfahreneren Kollegen haben stabile Netzwerke, die jedoch bis auf E-Mails offline funktionieren. Auf Tagungen tauschen sie Informationen aus, ihre Texte sind in Buchform zu finden und was von den Studenten zu lernen ist, bestimmen sie.

Auch Christof Schön beklagt die institutionelle Behäbigkeit:

Klar wird auf jeden Fall, dass die Entwicklung in der Forschungspraxis nicht haltmacht, während die kulturellen und institutionellen Gegebenheiten nur langsam reagieren.

Klaus Graf ist 55, Peter Haber starb im Alter von 49 Jahren viel zu jung. Der überwiegende Teil der digitalen Geisteswissenschaftler ist jedoch deutlich jünger und steht meistens noch am Anfang der häufig prekären wissenschaftlichen Karriere. Die Gatekeeper, Stipendiengeber, Berufungskommissionen, Doktorväter & Co hingegen denken analog und nutzen analoge Kriterien für die Auswahl. Und da zählt ein Blog eben weniger als eine wissenschaftliche Veröffentlichung und herkömmliche Forschungsprojekte sind leichter zu vermitteln.

Auch bei der durch das Bologna-System erzwungenen Neukonzeption der Studiengänge wurde flächendeckend die Chance vertan, digitale Inhalte endlich in das Curriculum zu integrieren. Der Gipfel der Gefühle sind an den meisten Universitäten Tutorien mit Datenbankschulungen oder einer Kurzeinführung für Citavi, wirkliche Digital Humanities-Kompetenzen werden selten vermittelt. Bei der Konzeption der Studiengänge wurden auch die klassischen alten Regeln verwendet, die häufig entsprechenden Projekten im Weg stehen: Wenn in der Prüfungsarbeit steht, dass eine Abschlussarbeit einen bestimmten Seitenumfang haben soll, dann ist dies ein Problem etwa für ein Projekt im Stile von Mapping the Republic of Letters. Der/Die Studierende darf dann nicht nur einen skeptischen Professor überzeugen, sondern muss sich auch noch mit der Unibürokratie herumschlagen – kein Wunder, dass entsprechende Projekte selten sind. Die meisten Masterstudiengänge verlangen weiterhin etwa zwei moderne Fremdsprachen plus Latein – Programmiersprachen zählen aber nicht. Damit kippen dann die Leute, die in der Schule Informatik statt Französich gewählt haben, raus. Entsprechend selektieren sich auch die Studierenden. Moritz Hoffmann stellt zurecht fest, dass die wirklich Technikbegeisterten selten Geschichte studieren:

Aus meinem relativ kleinen 2010er-Jahrgang des Bachelor Geschichte in Bonn war ich zum Zeitpunkt des Abschlusses der einzige (oder einer von sehr wenigen), der schon ein Smartphone hatte. Das Konzept eines VPN-Clients, mit dem man sich zuhause in Uninetz einwählen kann um lizenzierte Datenbanken aufzurufen, musste ich noch während des letzten Semesters KommilitonInnen erklären. Von 10 Lehrveranstaltungen in Bonn hatten (grob überschlagen) 8 einen Semesterordner mit Kopievorlagen und zwei bis drei einen eLearning-Kurs, in dem man die Vorlagen als PDF-Dateien herunterladen konnte. Während sich das Verhältnis in Heidelberg ungefähr umgekehrt hat, verbleibt es doch in den meisten Fällen bei einem reinen Transport der analogen Technologie ins Netz – Links, Visualisierungen, Daten als Quelle bleiben meist außen vor. Nun geht dies meist von der DozentInnengeneration aus, es wird aber von den StudentInnen auch nicht nachgefragt – das Maximum der Beschäftigung mit digitalen Quellen besteht in vielen Fällen daraus, für eine Hausarbeit die Medien SPIEGEL, ZEIT und FAZ abzugrasen, die im Volltext im Netz durchsuchbar sind. Wirklich “netzaffine” Personen finden sich nun mal in erster Linie in anderen Studiengängen.
Geschichte bleibt weiterhin ein Fach, dass die Monographie über den Aufsatz stellt, das Papier über das PDF, das Verlagshaus über den offenen Zugang. Ausnahmen gibt es immer und immer häufiger, für einen Strukturwandel braucht es noch Zeit.

Ein Fazit fällt daher schwer: Zum einen will ich diesen Beitrag nicht als eine wütende Sturmrede gegen eine Generation von innovationshemmenden Dinosauriern, welche dem Fortschritt im Wege stehen, verstanden wissen. Es gibt zum einen gute Gründe für die etablierte und bewährte „analoge Geschichtswissenschaft“ und zum anderen hat die technische Entwicklung viele Menschen einfach überfahren. Google wird im September 15 Jahre jung und dürfte noch kein Bier in der Kneipe trinken. Es sind auch gerade 14 Jahre her, dass ein ehemaliger Tennisspieler mit dem Slogan „Bin ich schon drin, oder was?“ für einen Internetprovider Werbung für ISDN-Dialup machte. Die deutsche Wikipedia darf erst seit März Filme ab 12 im Kino sehen. Twitter, Facebook & Co sind noch deutlich jünger. Es ist keine Bösartigkeit, wenn jemand von dieser Entwicklung überfordert ist und lieber auf die altbekannten, seit Jahrzehnten bewährten Arbeitsprozesse zurückgreift. An dieser Stelle schlagen natürlich auch die bekannten Probleme der Hochschulfinanzierung zu: Wenn Lehrstuhlinhaber eher Wissenschaftsmanager denn Forscher sind und ihre Zeit mit Bürokratie, Drittmitteleinwerbung und Förderungsanträgen verbringen müssen und dazu noch dank Sparmaßnahmen vor riesigen Seminaren stehen und ihre Karriere mit ständigen Publikationen vorantreiben müssen, fehlt schon die Zeit für klassiche Forschung. Für etwas gänzlich Neues fehlt diese dann komplett.

Was kann man also tun? Ich weiß es nicht – einfach wie Max Planck darauf zu hoffen, dass die „Wahrheit“ sich durchsetzen wird, ist zu pessimistisch.

„Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, daß ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, daß ihre Gegner allmählich aussterben und daß die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.“

Außerdem reproduzieren die heutigen Studiengänge eben die analoge Geschichtswissenschaft. Überzeugungsarbeit ist wichtig, ich sehe aber sehe auch keine Chance, dass ein größerer Teil der heutigen Historiker plötzlich zu begeisterten Bloggern, Twitterern oder gar Programmierern werden. Oder ist es der richtige Weg, eigene Strukturen zu schaffen? Hypotheses.org macht dies momentan vorbildlich, es ist aber fraglich, ob und wie dies in größerem Rahmen geschehen kann. Wichtig ist hingegen, dass man das Thema Generation in diesem Kontext etwas genauer beleuchtet und darüber diskutiert. Ohne die Gatekeeper geht es nämlich auch nicht – und die sind meist über 55 Jahre alt und gehören zu den internetskeptischen Babyboomern.

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24 Kommentare zu Digital Humanities als Generationenkonflikt

  1. Digital Humanities als Generationenkonflikt http://t.co/PRS7fQu6hb

  2. Nesselsetzer sagt:

    Max Planck hatte völlig recht. Ich gehöre zu den wenigen Menschen in meinem (und Klaus Grafs) Alter, die zudem als Nichtakademiker in der Umgebung ständig gefragt werden, wieso ich meine Zeit online verplempere und was mir das denn bringen würde. Wozu schreibe ich ein Blog und wozu braucht man überhaupt das Internet, ausgenommen um mal bei Wikipedia nachzuschauen.
    Es ist tatsächlich so, dass ältere Menschen nicht mehr zu neuen Dingen zu bewegen sind. Für meinen etwas älteren Bruder bspw. ist „Online“ mit Vorbereitung und Zelebration verbunden, da muss erst einmal Zeit dafür da sein, dann der Computer hochgefahren werden und dann dauert das ja alles viel zu lange, bis etwas gefunden wird. Insofern kann man sich nur mal Sonntags an den Computer setzen – falls nichts dazwischen kommt.
    Dass diese Generation nichts oder höchstens nur vereinzelt zum Fortschritt beiträgt kann man sich an den fünf Fingern abzählen. Und wenn ich mir den demografischen Wandel zu einem höheren Lebensalter anschaue, dann wird sich das Problem der Innovationsbremsen zukünftig eher verschlimmern als verbessern, denn auch die nächste Generation wird im Alter wieder die gleichen Probleme haben. Insofern kann der Schlüssel zu einem schnelleren Entwicklung im Prinzip nur darin liegen, dass den Älteren bspw. ab einem Lebensalter von 50 jegliche Entscheidungsbefugnis entzogen wird. Dann könnten die Jüngeren sich schneller weiterentwickeln und dennoch auf die Erfahrungen der Älteren zurückgreifen. Aber ich denke, dass das eher eine Illusion ist.

  3. Pingback: blogthek - Generationenkonflikt

  4. RT @JW_Fr: Der @mschfr hat sehr lesenswert über den Generationskonflikt Internetnutzung unter Wissenschaftlern gebloggt http://t.co/4L4e7rppiQ

  5. RT @cogries: Lesenswert: „Digital Humanities als Generationenkonflikt“ von Michael Schmalenstroer http://t.co/JH9O0XZWFF #gd_dig

  6. RT @cogries: Lesenswert: „Digital Humanities als Generationenkonflikt“ von Michael Schmalenstroer #kukon http://t.co/Mo19c2LAHY

  7. Erbloggtes sagt:

    Ohne die Gatekeeper geht es nämlich auch nicht? (In der ersten Fassung war der Satz noch etwas anders formuliert.)
    Für das Internet ist das eine steile These. Für Historiker hingegen eine typische. Gatekeeper sind in der Geschichtswissenschaft eine so selbstverständliche Erscheinung, dass man sich eigentlich wundern sollte, dass Kafkas Türhüterparabel nicht „Vor dem Archiv“ überschrieben ist.
    Die Schaffung von parallelen Strukturen funktioniert ohne Gatekeeper. Hypotheses hat ziemlich niedrige Zugangsschwellen, würde ich meinen. Man kann vieles machen. Aber die Gatekeeper bleiben natürlich da, wo sie sind: Sie hüten die Türen zum Allerheiligsten, zum Seminar. Und zur wirtschaftlichen Grundlage professioneller wissenschaftlicher Arbeit: Geld.
    Deshalb macht die Schaffung von parallelen Strukturen keinen Sinn, wenn man keine finanzielle Basis mitbringt (Geldgeber, die das fördern), und wenn man damit trotzdem (a) die akademische Geschichtswissenschaft verändern will und (b) Geld verdienen will.
    Andererseits gab es schon immer so viel Hobbygeschichte (Geschichtsvereine des 19. Jahrhunderts, Geschichtswerkstätten der 1970er, Mittelalterszene der 1990er u.v.a.), dass es gar nicht verwunderlich wäre, wenn Digital Humanities sich zur parallelen Struktur mit nur punktuellen Verbindungen zur akademischen Geschichtswissenschaft entwickeln würde. Der Vorteil von Digital Humanities ist nämlich ihr geringer Geldbedarf – abgesehen vom Personal.

  8. Digital Humanities als Generationenkonflikt: http://t.co/3FyfpWiCz6 @mschfr lässt auch echte Experten zu Wort kommen. 😉

  9. RT @cogries: Lesenswert: „Digital Humanities als Generationenkonflikt“ von Michael Schmalenstroer #kukon http://t.co/Mo19c2LAHY

  10. @fahrenkrog sagt:

    RT @FrikeS: Lesenswert: #DigitalHumanities als #Generationenkonflikt | http://t.co/R3RRXGHHHb http://t.co/x6zEXVBTWQ

  11. RT @FrikeS: Lesenswert: #DigitalHumanities als #Generationenkonflikt | http://t.co/R3RRXGHHHb http://t.co/x6zEXVBTWQ

  12. Mal wieder ein sehr lesenswerter Blogpost von @MschFr: Digital Humanities als Generationenkonflikt http://t.co/rZLzpDqVDB

  13. @re_plug sagt:

    „Digital Humanities als Generationenkonflikt“ von Michael Schmalenstroer http://t.co/enS7LxDDPC

  14. Ich finde es auf jeden Fall richtig mit Artikeln wie diesem, immer wieder aufs Wehe draufzudrücken und deutlich zu sagen, wo es klemmt!

  15. @annetteless sagt:

    RT @ankrjoe: Auf die Leseliste RT @MschFr Gebloggt: Digital Humanities als Generationenkonflikt http://t.co/0WnqIygvAj #dhiha5

  16. Pingback: #dhiha5 Panel II: Training for the Digital Humanities – what skills are necessary, how can they be transmitted? | Digital Humanities à l'IHA

  17. Digital Humanities as Generational Conflict from @MschFr http://t.co/GPxasxbyRP (in German, meat of piece is in 2nd half).

  18. @kramermj sagt:

    Rt @jtheibault: DH as Generational Conflict from @MschFr http://t.co/N1eCXu81e6 (in German, meat of piece is in 2nd half). #nudhl

  19. Guter Artikel. vor allem weil er die DH interne Debatte und die Frage nach der Anerkennung in einen weiteren Kontext stellt. Nur wird dadurch das Bild nicht unbedingt schöner. Das wissenschaftsinterne Problem wird sich wohl lösen, wenn in 20 Jahren eine neue Generationen von Doktoren ihre Habilitation beenden. Immerhin ist heute die Kultur- und die Sozialgeschichte nicht mehr wegzudenken. Ihre Vertreter haben die begehrten Plätze erobert. Die Zeit regelt hier so manches. Vor allem, wenn wir uns als Historiker ins Gedächtnis rufen, dass vor ~ 20 Jahren (1993) für 99% der Menschen das Internet noch unbekanntes Terrain waren. Heute reden wir darüber, ob die E-Books und E-Journal das Buch ersetzen und deine Beispiele über die digitalen Jungspunde sind noch besser. Natürlich halten Leute an ihren Pfründen fest, aber sie halten den Wandel nicht auf (wie immer bei Konservativen). Wichtiger ist, wie kommen möglichst viele in einer Transformationsphase zu ihrem Ziel.

    Deshalb sehe ich ein anderes Problem, welches du im ersten Teil deiner Betrachtungen ansprichst: Die Generationenfrage und die Unsicherheit heutiger Lebensläufe. Wenn ein Professor sagt, dass 8 von 10 Doktoranden nicht in der Wissenschaft ihr Geld verdienen, dann hat das (auch ohne Babyboomer Generation) etwas mit einer Inflation der Abschlüsse zu tun. In diesem Sinne (ganz nach der Selbstverwertungs/-ausbeutungslogik des Marktes) kann man immerhin auf seine erworbenen „digitale skills“ setzen. Ob das dann aber in einer wissenschaftlichen Karriere mündet, sei dahingestellt.

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