Kentucky Fried Hitler

Dieses Bild dreht gerade seine Runden durch das Internet: Es zeigt einen Imbiss in Thailand, der ein, nun ja, recht kreatives Logo besitzt:

So eine Geschichte hat natürlich einen gewissen Kuriositätsfaktor und da können nicht nur Twitter, sondern auch diverse andere Zeitungen nicht widerstehen. Mit den Fakten scheinen sie es dabei nicht so genau zu nehmen: So zitiert die britische Daily Mail einen Touristen, der dort vor kurzem gegessen haben will, andere Zeitungen berichten davon, dass dieser Laden „kürzlich“ eröffnet habe. Die Bangkog Times zerpflückt diesen schlechten Journalismus und deckt auf, dass der Laden im Prinzip ein alter Hut ist: Das Restaurant heißt bereits seit 2011 „H-ler“ und firmiert mit einem anderen Slogan.

Es ist lohnenswert, den Weg dieses Bildes einmal zu rekonstruieren: Unter einem Artikel der Süddeutschen erklärt ein Kommentator die Ursprünge:

Die Geschichte zu diesem Bild: Dieses Foto ist mehrer Jahre alt und wurde von einem langjährigem Freund (einem Franzosen der in Thailand lebt) geschossen. Mit seinem Einverständnis habe ich das Foto an die Webseite „Amusing Thailand“ gesendet. Dort hat es nach mehreren Jahre wohl eine Presseagentur entdeckt und jetzt wandert es durch die Weltpresse, schon kurios, oder? Das aufgenommene Lokal befindet oder befand sich auch nicht, wie behauptet in Bangkok!

Dort taucht das Bild am 12. März 2012 auf. Es war aber keine Presseagentur, sondern der Blogger Andrew Spooner, welcher das Bild am 28. Mai 2013 per Twitter verbreitete. Ohne Quellenangabe und auf Twitpic gespiegelt. Dort verbreitete es sich (Spooner bekam immerhin 119 Retweets) und anscheinend wurde die Daily Mail dort irgendwie auf das Bild aufmerksam. Am 5. Juli 2013 – also über ein Jahr nach entstehen des Bildes – veröffentlichte sie ihren Artikel, recherchierte nicht ordentlich und übersah, dass das Restaurant zum einen nicht in Bangkok und zum anderen schon lange umbenannt war. Die Medienmacht der britischen Boulevardzeitung verbreitete die Geschichte dann weltweit: Sie sammelte über 21000 Shares und Likes. Die ebenfalls britische Sun brachte dann die journalistische Glanzleistung zustande, einen Leser in das nicht mehr existierende Restaurant in der falschen Stadt zu schicken. Die amerikanische Huffington Post hingegen betrieb immerhin etwas Journalismus-Placebo und schrieb Kentucky Fried Chicken immerhin eine E-Mail. Das Resultat war absehbar:

„We find it extremely distasteful and are considering legal action since it is an infringement of our brand trademark and has nothing to do with us,“ a spokesman for KFC parent Yum! told The Huffington Post in an email.

Das eigentliche Bild hingegen ist noch älter und kursiert seit mindestens 2010 im Internet. Der Restaurantbetreiber scheint es dort gefunden und für eine gute Idee gehalten haben. Damit bleibt ein mehrfaches Desaster übrig: Ein nicht mehr zu ermittelnder Mensch hatte die wunderbare Idee, dass ein Photoshop zum Thema „Hitler Fried Jews“ eine gute Idee wäre. Andere verbreiteten das Bild im Internet, weil sie es lustig fanden. Ein thailändischer Restaurantbesitzer hielt es für eine gute Idee, dieses Bild für sein Restaurant zu nehmen. Andrew Spooner hat einen zu laxen Umgang mit Quellenangaben. Und diverse Zeitungen weltweit haben bewiesen, dass sie schlecht recherchieren. Gewinner ist hier die Süddeutsche: Sie hat es lobenswerterweise getan.

Und da wir in einer globalisierten Welt lebt, kann man das mittlerweile umbenannte Restaurant auch bei Facebook liken.

Bonusmaterial: Der Unfug, den das Internet mit Hitler anstellt und den ich auf meinem alten Blog Klio Surft gesammelt habe.

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