Geschichtspolitik: Türkei droht mit Ausschluß australischer Parlamentarier von Gallipoli-Feiern

Geschichtspolitik ist das gezielte Instrumentalisieren und Interpretieren von Geschichte durch die Politik. Es ist hochspannend, mit welchen Mitteln dies betrieben wird. Im Inland ist es vergleichsweise einfach: Per Gesetz wird eine bestimmte Interpretation der Geschichte festgeschrieben und anderslautende Äußerungen oder Forschungen der Geschichtswissenschaft, welche diese Interpretation in Frage stellt, unter Strafe gestellt. Damit hat man dann einen perfekten Weg, um Kritiker ruhig zu stellen.

Das funktioniert allerdings nicht im Ausland. Dort hat der entsprechende Staat nur indirekte Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen. Bestes Beispiel ist hier der schon seit längerem köchelnde Streit zwischen der Türkei und Armenien um den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkrieges. Während es in der Türkei selbst unter Strafe steht, „das Türkentum“ zu beleidigen und der Begriff Genozid untersagt ist, versuchen Armenier, im Ausland ihre Sicht auf die Geschichte festzuschreiben. Dabei sind sie erstaunlich erfolgreich – diverse Parlamente haben den Völkermord offiziell anerkannt. Die Türkei reagiert darauf mit scharfen Tönen und diplomatischem Druck.

In einem neuen Schlagabtausch legt sich die Türkei nun mit Australien an. In einem Muster, wie wir es etwa auch in Frankreich beobachten konnten, hat das lokale Parlament von New South Wales den Völkermord offiziell als Völkermord anerkannt. Als Folge droht nun die türkische Regierung damit, australische Politiker von den Gedenkfeiern zur Schlacht von Gallipoli auszuschließen. Die v.a. von australischen Soldaten geführte Invasion auf der Halbinsel nimmt im sowohl im kollektiven Gedächnis des Kontinents als auch der Türkei eine zentrale Rolle ein. Entsprechend wichtig werden die Feierlichkeiten anlässlich des 100. Jahrestages im Jahr 1915.

“These persons who try to damage the spirit of Canakkale/Gallipoli will also not have their place in the Canakkale ceremonies where we commemorate our sons lying side by side in our soil,“ Turkish foreign minister Ahmet Davutoglu said. “We announce to the public that we will not forgive those who are behind these decisions and that we don’t want to see them in Canakkale anymore.”

Man darf diese Entwicklung weiter beobachten.

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3 Kommentare zu Geschichtspolitik: Türkei droht mit Ausschluß australischer Parlamentarier von Gallipoli-Feiern

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