„Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg

Es ist Lutherjahr und zum 500. Jahrestag der Reformation (bzw. zum 500. Jahrestag von Luthers nie stattgefundenem Thesenanschlag) kann man Martin Luther kaum entkommen. Positiv ist, dass wir alle dieses Jahr einen extra Feiertag bekommen. Negativ ist, dass wir alle viel zu viele schlechte Artikel zu lesen bekommen und Reden hören müssen über das, was Luther uns heute zu sagen hat („Interpretiert im heutigen Kontext, kann [die Reformation] unser Leitfaden, unser inspirierendes GPS, unser globales Positionierungssystem für die nächsten 500 Jahre werden.“ [1] )

Zusätzlich gibt es so viele Sonderausstellungen zum Thema, dass man sie gar nicht alle anschauen kann. Gleich drei aufeinander Bezug nehmende nationale Sonderausstellungen in Berlin, Wittenberg und Eisenach widmen sich dem Reformator und dazu kommen dann noch unzählige weitere Ausstellungen in lokalen Museen, an Luther-Orten und touristische Initiativen, welche diese Orte etwa mit Wander- oder Fahrradwegen vernetzen wollen. Es luthert also gewaltig.

Die Ausstellung auf der Wartburg in Eisenach widmet sich dem Thema „Luther und die Deutschen“, also der Rezeption Luthers über die Jahrhunderte. Sie quetscht sich etwas ungünstig in die alten Gemäuer der Burg und wird immer wieder von der Burg selbst unterbrochen.

Der blaue Kasten gehört zur Ausstellung und ist blau

Denn die Wartburg ist auch ohne Luther-Ausstellung immer einen Besuch wert und so springt der Besucher immer wieder von der Ausstellung zu den einzelnen Räumen der Burg. So spektakuläre Werke des Historismus wie der Festsaal ließen sich nicht mit Luther-Bezug in die Ausstellung integrieren und stehen wie ein Bruch in der Ausstellung. Ist man gerade bei einem Reformationsthema, steht man dann plötzlich in einem Raum, der nicht zur Ausstellung gehört, aber auch Geschichte hat. Ein anderer Ort für die Ausstellung hätte hier wohl der Ausstellung an sich gut getan, aber der Ort selbst zieht natürlich die Besucher an.

Die Ausstellung ist in Ordnung, aber sicherlich keine lange Anreise wert. Wer bereits etwas Ahnung von der Reformation und Luther hat oder vielleicht mal einen Artikel zur Luther-Rezeption gelesen hat, wird hier wenig Neues finden. Dann findet sich das Highlight der Ausstellung bereits in den ersten Räumen: Es werden beeindruckende Bücherschätze ausgestellt. Zu sehen gibt es u.a. Luther-Bibeln in Erstausgabe, die Wartburg-Bibel mit eigenhändiger Widmung Luthers oder ein originales Redemanuskript Luthers für den Wormser Reichstag. Das sieht man selten und das macht richtig Spaß. Der weitere Verlauf ist dann eher weniger spektakulär und bringt weniger Erkenntnisse.

Wirklich unterhaltsam wird es dann aber wieder am Ende im Museumsshop. Es gibt nicht nur die üblichen Bücher, die üblichen Holzschwerter für Kinder und die üblichen Stifte und Postkarten. Im Lutherjahr geht der moderne Kapitalismus All In und verluthert so ziemlich alles. Die Fülle an Luther-Merchandising ist es daher mehr als wert, hier einmal dokumentiert zu werden.

Martin Luther Plätzchenausstecher

Luther Energy Drinks

Martin Luther Badeenten, im Hintergrund ein Stapel Playmobil Luther-Figuren

Das Reformations-Skat

Luther Schnaps und Luther Schnapsgläser

„Luther’s gewürzte Äpfel“ und „Luthers Wein-Punschkonzentrat“

Luther Wein Marke „Eine feste Burg – Luthers guter Niersteiner“ und Luther Büsten

„Lutherol – Breitband-Theologicum für Geist & Seele mit 4-fach-Wirkformel Sola Gratia, Sola Fide, Solus Christus, Sola Scriptura“

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4 Kommentare zu „Luther und die Deutschen“ auf der Wartburg

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