Brothers in Arms

Ich wurde von Moritz mit etwas bedacht, was man so um 2007 herum „Blog-Stöckchen“ genannt hat. Und wenn dann noch die Europeana involviert ist, dann muss ich einfach mitmachen.

Kurz zusammengefasst: Es geht um dieses Bild aus dem Fundus der Europeana und die „Aufgabe“ ist ein freies Assoziieren zum Bild.


John Heywood; John Heywood. Victoria and Albert Museum. CC BY.

Der erste Eindruck, den das Bild hervorruft, ist ein „das hätte es bei uns früher nicht gegeben“. Wir sind zwar als Kinder auch mit Fahrrädern durch die Nachbarschaft gefahren, aber Spielzeugpistolen waren in diesen vielleicht speziell westdeutschen 80er und frühen 90er Jahren meiner Kindheit ein ewiger Streitpunkt zwischen meinen Eltern und mir. Ich fand die als kleiner Steppke total toll, meine Eltern fanden das jedoch deutlich weniger gut. Derartig große Spielzeugwaffen hätten sie mir mit Sicherheit weggenommen. Gleichzeitig zeigt dieses Bild auch, was sich allgemein geändert hat – die Spielzeugwaffen auf dem Bild sehen nämlich doch recht echt aus. So werden Spielzeugwaffen gar nicht mehr hergestellt, weil es eine Verwechselungsgefahr mit echten Waffen gibt und die Polizei auf solche entsprechend schießwütig reagiert. Eine Gesellschaft, in der Kinder mit solchen Spielzeugwaffen auf dem Fahrrad rumcruisen können, ist also auch eine Gesellschaft, in der keiner auf die Idee kommt, dass diese Kinder gerade mit echten Waffen herumlaufen und die Polizei rufen. Eine Gesellschaft ohne Schulamokläufe und ja, auch ohne Terrorismus. Bzw. mit einem anderen Terrorismus, denn das England der 80er Jahre war mit Lockerbie und IRA kein Hort des Friedens.

Recherchiert man dem Bild etwas hinterher, zeigt es sich schön und schnell, warum ich die Plattform Europeana als Blogger so selten nutze und welche Probleme sie hat. Zum einen ist der Autor falsch verknüpft. Klickt man auf den Autoren John Heywood, dann wird ein buntes Sammelsurium von Treffern von Leuten mit diesem Namen angezeigt. Laut Europeana hat dieser im 16. Jahrhundert mehrere Bücher geschrieben, über die im 19. Jhd weitere Bücher geschrieben wurden und dann hat der gleiche Autor angeblich in den 1980er Jahren das Alltagsleben in England fotografiert. Weiterhin werden auch Treffer angezeigt, bei denen nur der Nachname identisch ist. Das ist ärgerlich, weil anscheinend bei der Erstellung der Plattform nicht auf eine saubere Zuordnung von Personendaten geachtet wurde.

Ein größeres Problem ergibt sich aus den angegebenen Bildlizenzen. Europeana gibt eine CC-BY-SA 4.0 als Lizenz an:

Klickt man aber auf den Quelllink zum Victoria & Albert Museum, steht dort

Und jetzt stehe ich hier als armer Blogger, der keine Lust auf einen großen Rechtsstreit mit einem britischen Museum hat: Welche Lizenz ist denn jetzt richtig? Urheberrecht braucht Eindeutigkeit – ansonsten werden die Inhalte nicht genutzt, weil jede noch so grobe Lizenzprüfung scheitert. Ich gönne mir jetzt die Einbindung oben, aber ich kann auch jeden Verlagslektor verstehen, der eine entsprechende Bildnutzung ablehnt.

Weiterhin erweist sich das Interface der Europeana einfach als etwas konfus. Direkt beim V&A browsen sich die tollen Bilder von John Heywood deutlich besser.

 

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5 Kommentare zu Brothers in Arms

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  3. Genauere Angaben wären ja überhaupt hübsch. Ich hab‘ mal über einen John Heywood etwas geschrieben, und zwar den aus dem 16. Jahrhundert, einen Stückeschreiber und Hofnarren Heinrichs VIII. (Neinnein, ist nicht online, die Publikation – ich war gerade am Regal – war 1994, ein Sammelband, es ging um den „Alleinunterhalter“, den Entertainer, einen sehr britischen Beruf.) Der Fotograf aus den 1980ern hätte dem Narren des 16. Jh.s gefallen, der ging ähnlich mit seiner Gegenwart um.

    Überdies ist zu ergänzen, dass diese Plastikwaffen, die der Wirklichkeit so ähnlich sahen, in D noch bis weit in die 1990er Jahre bei den Junghähnchen beliebt waren. Ich erinnere mich an den Fall von einigen von allen ihren guten Geistern verlassenen Abiturienten, die es lustig fanden, mit derlei Spielzeug in der benachbarten Sparkasse herumzufuchteln, was diese ebensowenig lustig fand wie die Polizei, was wiederum, von den mit erheblichen Kosten für obrigkeitliche Einsätze belasteten Eltern mal abgesehen, eine der ersten Infragestellungen des sogenannten „Reifezeugnisses“ ins Gerede brachte. Wär auch etwas für John Heywood gewesen, welchen von beiden auch immer.

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