Storify macht dicht und löscht alles

Auch tot: Dinosaurier

Genauso tot wie Storify: Dinosaurier

Storify ist/war ein nettes Tool, mit dem man Beiträge aus Sozialen Medien sammeln und mit ihnen eine Geschichte erzählen konnte. Gerne genutzt wurde es zum Beispiel, um die Tweets zu einer Konferenz oder Tagung zu sammeln. So konnte man einen Rückblick anbieten und auch nicht twitternden Teilnehmern einen guten Eindruck der Online-Debatte vermitteln.

Doch damit ist jetzt Schluss: Storify macht dicht. Am 16. Mai 2018 wird alles abgeschaltet und gelöscht. Nutzer können bis dahin Ihre Inhalte exportieren. Es ist aber abzusehen, dass dies nicht alle Nutzer machen. Selbst wenn sie es machen und die Daten als HTML-Datei auf der eigenen Festplatte speichern, werden diese wohl nur noch selten wieder ins Internet gestellt werden.

Selbst wenn das Archiveteam angekündigt hat, dass sie die Inhalte retten wollen, zeigt dieser Vorgang mal wieder die Fragilität von Onlinediensten. Storify war immerhin 7 Jahre online. Andere Dienste haben nicht diese Lebensdauer erreicht, aber irgendwann erwischt es wohl jeden Dienst. Nach und nach hat es jeden von Historikern gerne und viel genutzten Dienst erwischt. Der Social-Bookmarking Dienst Del.icio.us, welcher für viele User die erste Begegnung mit dem Web 2.0 bedeutete, wurde mehrfach verkauft und ist mittlerweile gut, aber abgeschaltet in den Händen von Pinboard gelandet. Flickr ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Bei Blogspot wartet man eigentlich nur noch darauf, dass Google es abschaltet. Das Interesse daran hat der Konzern schon lange verloren. Yahoo hat Pipes und natürlich auch Geocities abgeschaltet. TwitPic ist tot und damit alle Bilder in euren frühen Tweets. Und wenn wir ehrlich sind, riecht Twitter auch schon etwas komisch.

Wer also seine Inhalte nicht nach einer Weile verlieren will, sollte sich überlegen, ob er nicht seine Inhalte selbst hosten will. Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!

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15 Kommentare zu Storify macht dicht und löscht alles

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  4. Seb sagt:

    Gute und wichtige Gedanken. Dem Fazit kann ich mich nur anschließen.

    Es scheint aber ein generelles Phänomen zu sein, dass man an allen Stellen noch alle möglichen Abstraktionsstufen einbaut. Wo es mir persönlich ständig begegnet, ist die Abstraktion weg vom Dateisystem (im Sinne von „C:/User/Desktop/Ordner/“). Früher (ja ja, damals war alles besser), da hat man mit Dateien gearbeitet. Der höchste Abstand vom Dateisystem war der Desktop – der war halt da, und hatte keinen sofort ersichtlichen Pfad. Zum Organisieren hat man dann Ordner und Unterordner und Unterunterordner und … so weiter angelegt.

    Ich bin jetzt kein Android-Programmierer, aber da scheinen ja schon die Apps teilweise nicht mehr aufs Dateisystem zuzugreifen. Wenn ich ein Foto bearbeiten will, muss die Fotobearbeitungs-App über die dann schnell inline zu öffnende Galerie-App (die in der Darstellung auch vom Dateisystem abhebt) irgendwie an das Foto kommen. Gäbe es da nicht einen direkteren Weg?

    Jetzt kann man die selbst geschossenen Fotos unter Android, wenn man will, schon noch im Dateisystem finden. Wenn man dann aber weiter geht und eine erweiterte Galerie mit tollen Zusatz-Features benutzt um, sagen wir, manche Fotos zu verstecken oder mit einem Passwort zu schützen, wird es richtig abenteuerlich. Und deinstalliert man diese App dann in einem unbedachten Moment, sind die „App-Daten“ – hier versteckte Fotos – gleich mit weg, weil für den Benutzer komplett vom Dateisystem entkoppelt. Oder der Entwickler beschließt, die App für die nächste Android-Version nicht mehr zu aktualisieren, oder sie wird halt eingestellt – wie Storify. Und dann schaut man blöd aus der Wäsche.

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass man das nicht so tun müsste, und ich fühle mich bei allem deutlich besser, wenn ich im Zweifel (Gerät defekt oder so) über den externen Zugriff aufs Dateisystem alles wiederfinden kann, was ich meine dort abgelegt zu haben. Nichts anderes gilt für solche Dienste wie Storify.

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  7. Atari-Frosch sagt:

    Wobei dann der Hinweis nicht fehlen darf, daß man die Tweets vollständig einbinden sollte (embed) und nicht nur mit dem URL, wie das zum Beispiel in WordPress geht, denn wenn Twitter abschaltet, sieht das dann etwas nackig aus. ;-)

  8. Dhvhg sagt:

    Die Kontrolle über seine Inhalte gibt jeder ab, sobald sie im Internet stehen.

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