Planet History

Daily Archives: 2. Mai 2017

Gebohrte Löcher im Kopf – Schädelchirurgie im Amberg des 14. Jahrhunderts

Aus medizinhistorischer Sicht sehr spannend ist ein Befund am Schädel einer jungen Ambergerin in Grab 226/228, die während des 14. Jahrhunderts verstarb und zeitgleich mit einem Kleinkind beigesetzt wurde. Die Grablege lässt eine enge Bindung beider vermuten, so dass hier möglicherweise eine junge Mutter mit ihrem(?) zeitgleich verstorbenen Kind beigesetzt […]

Rezension: „24 Wochen“

von Stana Schenck

 

Auf der Berlinale 2016 lief der Film „24 Wochen“ als einziger deutscher Wettbewerbsbeitrag. Der offizielle Text zum Film beschreibt die Handlung so:

„Astrid und Markus stehen mit beiden Beinen fest im Leben. Astrid lebt und liebt ihren Beruf als Kabarettistin, ihr Mann und Manager Markus unterstützt sie besonnen und liebevoll. Doch als die beiden ihr zweites Kind erwarten, wird ihr Leben aus der Bahn geworfen: Bei einer Routineuntersuchung erfahren sie, dass das Baby schwer krank ist. Die Diagnose trifft sie wie das blinde Schicksal, das sie auf sich nehmen müssen. Gemeinsam wollen sie lernen, damit umzugehen. Doch während Heilungspläne, Ratschläge und Prognosen auf sie niederprasseln, stößt ihre Beziehung an ihre Grenzen. Die Suche nach der richtigen Antwort stellt alles in Frage: die Beziehung, den Wunsch nach einem Kind, ein Leben nach Plan. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer erkennen sie, dass nichts und niemand ihnen die Entscheidung abnehmen kann, die eine Entscheidung über Tod und Leben ist.“

 

Am 28. April 2017 erhielt der Film die Silberne Lola. „24 Wochen“ ist damit offiziell der zweitbeste deutsche Film der Saison und wird bald zur besten Sendezeit im ZDF laufen.

 

Im Programmhefter der Berlinale wurde das Ende des Films nicht verraten: wird Astrid, die ein Kind mit Down Syndrom erwartet, dieses Kind abtreiben, oder nicht? Und so hatte ich große Hoffnungen. Dass es gut ausgeht. Dass die Filmfamilie es schafft, dieses Kind zu bekommen. „24 Wochen“ will aber authentisch und realistisch sein. Es kommt daher anders, als ich es mir wünschen würde.

 

[caption id="attachment_14020" align="aligncenter" width="300"] Film Still 24 Wochen[/caption]

 

 

Zunächst habe ich mich dagegen entschieden, den Film anzusehen. Und dann plötzlich, begegnete mir „24 Wochen“ dort, wo ich es am wenigsten erwartet hätte: in meiner slowakischen Heimatstadt. Ein einzelnes Poster, das ich zufällig entdeckt habe, wies auf das Filmfestival  B2C hin. Unter den vertretenen Filmen aus Cannes und der Berlinale 2016 war auch „24 Wochen“, der an genau dem kalten Herbsttag gezeigt wurde. Das war kein Zufall. Mein Mann und ich sollten reingehen.

 

Wir wussten während meiner Schwangerschaft nicht, ob unser Kind eine Behinderung haben würde oder nicht. Wir wissen also nicht, wie sich ein Entscheidungsprozess wie in „24 Wochen“ anfühlt. Was wir aber wissen, ist, wie sich das Leben mit unserem bald 18-jährigen Sohn mit Down Syndrom anfühlt. Wir leben unser Leben mit einem besonderen Mehrwert. Es ist ein sehr erfülltes Leben. Dank unserer Kinder, die, jedes für sich, besondere Menschen sind. Wir fühlen uns sehr reich, sehr stolz und sehr glücklich.

 

Nun sahen wir uns gemeinsam „24 Wochen“ an und sahen ein Elternpaar, das bereits in der Schwangerschaft erfährt, dass ihr Ungeborenes das Down Syndrom hat. Diese Information wurde von den Ärzten im Film ungefragt an den Hinweis gekoppelt, dass sie das Kind bis in die späte Schwangerschaft hinein abtreiben könnten. Und so fangen Astrid und Markus an abzuwägen. Ab sofort ist das Leben ihres ungeborenen Kindes in Frage gestellt. Sie wollen möglichst viel wissen, gehen zu Fachleuten, besuchen einen Chor von Menschen mit Down Syndrom.

 

Und sie entscheiden sich zunächst für das Kind. An dieser Stelle bin ich ganz froh über die Zwischenbotschaft des Films. Wo aber „24 Wochen“ komplett versagt, ist, Menschen mit Down Syndrom als Persönlichkeiten abzubilden. Die Regisseurin Anne Zohra Berrached hat keine Idee von der Vielfältigkeit und der Lebenslust dieser Menschen. Wir lernen in ihrem Film keinen Menschen mit Down Syndrom näher kennen. Sie bleiben eine Momentaufnahme, festgehalten durch die Filmszene im Chor, sie sind für den Zuschauer nicht greifbar. Eine vertane Chance angesichts des weiteren Verlaufs der Geschichte.

 

„24 Wochen“ hat einen starken Fokus auf die Mutter. Die Rolle ist vielschichtig, Astrid wird in ihrer Komplexität durch Julia Jentsch, sicher zurecht gelobt, in allen ihren Facetten als Mutter eines 4-jähriges Kindes mit einem interessanten Beruf, als Ehefrau und Tochter hervorragend dargestellt.  Ihre Zerrissenheit, das Wechselbad der Gefühle ist glaubwürdig. Dennoch nimmt Astrid immer mehr Abstand zu der, mit ihrem Mann Markus gemeinsam getroffenen Entscheidung, das Kind bekommen zu wollen. Als die Eltern erfahren, dass das Kind auch noch einen schweren Herzfehler hat, rückt die Mutter ganz von der Möglichkeit ab, ihr Kind auszutragen. Anne  Zohra Berrached will unbedingt glaubhaft machen, dass die Entscheidung alleine die Mutter treffen kann und darf. Nur worauf begründet sich diese Entscheidung? Da der Zuschauer zuvor keinen ebenso vielschichtigen Menschen mit Down Syndrom kennenlernen durfte, keine Familie mit einem Kind mit Behinderung zur Sicht bekam, den Hauptfiguren keine Eltern von Kindern mit Down Syndrom und einem Herzfehler begegneten, bleibt die Meinung der Ärzte und damit die medizinische Sicht auf das Leben omnipräsent.

 

Mich erschreckt die Szene sehr, in der Astrid und Markus zwei Herzspezialisten gegenüber sitzen. Die Experten werden von echten Ärzten gespielt. Es gibt kein Drehbuch zu ihren Texten. Sie sprechen das, was sie in solchen Situationen immer sagen. „Sie müssen wissen, dass sie mit dieser Belastung ihr ganzes Leben lang zu tun haben werden“ – sagt einer der Ärzte.

Nein!“– geht mir durch den Kopf. So manipulativ darf ein Arzt nicht sprechen! Er muss sachlich aufklären, erläutern, welche Eingriffe, Operationen geplant sind. Er darf aber das Kind NICHT als Belastung werten, er darf nicht das Leben mit einem Kind mit Behinderung für die Eltern vorverurteilen!

 

Ob es der Herzfehler, das Down Syndrom oder beides war, weshalb Astrid letztlich abgetrieben hat, bleibt, nach ihrer ursprünglichen Entscheidung, ein Kind mit DS bekommen zu wollen, unklar. In der Realität ist ein Herzfehler als Grund für Abtreibung kaum Gegenstand des Diskurses zur Pränataldiagnostik. Das Down Syndrom dagegen steht im Mittelpunkt. In 95 von 100 Fällen, in denen in der Schwangerschaft das Down Syndrom beim Kind festgestellt wird, wird eine Abtreibung vorgenommen.

 

Eigentlich wäre für mich der Film an der Stelle zu Ende, als Astrid ihre Koffer packte und in die Klinik fuhr. Wir wurden aber mitgenommen, sind mit Astrid gemeinsam den Weg bis in den Kreissaal hinein gegangen. Wir sahen die Kaliumspritze, die für das kleine Herz bestimmt war und wir sahen den Wehen zu, die das tote Baby durch den Geburtskanal leiteten. Wir nahmen Abschied von dem Bündel, das Astrid nach der Totgeburt auf den Arm nahm. Wir sahen sie traurig zuhause aufwachen ohne Bauch und ohne Kind. Da liefen mir längst schon die Tränen und ich dachte an unseren Sohn, der so ein wunderbarer Mensch ist.

 

Ja, es war mutig, die Spätabtreibung fast dokumentarisch in einen Spielfilm einzubauen. Aber spätestens jetzt wäre es gut gewesen, einen Schlusspunkt zu setzen und die Zuschauer damit alleinzulassen, was da gerade geschah. Es wäre besser gewesen, wenn „24 Wochen“ keine Position bezogen hätte. Leider wollte Anne Zohra Berrached uns unbedingt ihre Wertung unterschieben, indem sie ihre Astrid (die als öffentliche Person kurz nach der Spätabtreibung ein Interview gibt) klar, selbstbewusst und sogar leicht lächelnd in die Kamera sagen lässt: „ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht war, es war von allem etwas“. Diese Ambivalenz tut weh, sie ist für mich kaum auszuhalten. Der letzte Satz ist ein Statement und er nimmt den Zuschauern das eigene Urteil vorweg ohne eine reale und authentische Vorstellung vom Leben mit Behinderung mitzuliefern.

 

„24 Wochen“ ist trotz seines heftigen, aufwühlenden Inhalts ein Verstärker von Vorurteilen den Menschen mit Behinderung gegenüber.  „24 Wochen“ wird gefeiert. Ich feiere nicht mit.

 

 

Stana Schenck arbeitet seit 2010 in der AG Gedenkort-T4.eu mit. Sie war für die Durchführung des Wettbewerbs „andersartig gedenken on stage“ verantwortlich. Sie ist gebürtige Slowakin und lebt mit ihrem Mann Stefan und ihren fünf Kindern, darunter einem Jungen mit Down Syndrom, in Berlin.

 

„Widerhall faschistoider Ästhetik ist nahezu omnipräsent“

Interview mit Jelena Jazo über Post-Nazismus und Populär-Kultur

Das Zeigen von nazistischer Emblematik, wie beispielsweise von Hakenkreuzen oder SS-Runen, ist im politischen Raum Deutschlands verboten. In der Populär-Kultur sind die Grenzen indes nicht so eindeutig abgesteckt. Im Gegenteil: Dort ist bildhafte NS-Symbolik nahezu omnipräsent, so die These der Kulturwissenschaftlerin Dr. Jelena Jazo. In ihrem Dissertationsprojekt hat sie das Nachleben faschistoider Ästhetik in Bildern der Gegenwart untersucht. Eines ihrer Ergebnisse: NS-Symbolik verliert im Post-Nazismus nach und nach ihren historischen Gehalt und entwickelt dabei zahlreiche neue Chiffren, mit vielfachen Anschlussmöglichkeiten an die sogenannte Populär-Kultur. Wie das genau zu verstehen ist, dazu haben wir unsere Fragen gestellt.

2-year Postdoctoral Fellowships (any discipline represented at the University of Konstanz) (Salary Scale 13 TV-L)

(any discipline represented at the University of Konstanz) (Salary Scale 13 TV-L)

The University of Konstanz, with its „Institutional Strategy to Promote Top-Level Research“, has been receiving continuous funding since 2007 within the framework of the Excellence Initiative by the German Federal and State Governments. The Zukunftskolleg is a central scientific institution of the University of Konstanz for the promotion of young researchers in the natural sciences, humanities and social sciences, and is an integral component of the institutional strategy “Model Konstanz — Towards a Culture of Creativity.” The Zukunftskolleg forms a platform for interdisciplinary discourse between distinguished researchers in Germany and abroad, and provides them with resources for obtaining extramural funding. The Zukunftskolleg of the University of Konstanz offers three
2-year Postdoctoral Fellowships (any discipline represented at the University of Konstanz) (Salary Scale 13 TV-L)
to develop and implement individual research projects. The Postdoctoral Fellowship is available to researchers regardless of their nationality and field of research. The Fellowship will begin on December 1, 2017, and end on November 30, 2019. The Zukunftskolleg provides a professional infrastructure and an appropriate workplace for conducting research. Fellows have the opportunity to benefit from a variety of career development measures, including the University of Konstanz’s Academic Staff Development and Research Support offices. Fellows may nominate recognized experts in their field of research as Senior Fellows, who will be invited to Konstanz for a research stay of one to nine months. Each Postdoctoral Fellow receives a research allowance. A pool is available for funding cooperative projects, research assistants, travel, and equipment purchases. Each Fellow is a member of both a university department and the Zukunftskolleg. The target group consists of excellent researchers at the postdoctoral level, with leadership abilities and a capacity for teamwork, so that they can reasonably be expected to take up leading roles in academia. Applicant Requirements for this Fellowship include:

Candidates must be in possession of a doctoral degree by September 1, 2017 and have acquired two years of postdoctoral research experience at most.
Candidates must not hold an academic permanent position, a professorship, or have a habilitation or equivalent (Venia legendi). Candidates with their own position funded by another program, which can be transferred to Konstanz, are also eligible.
Applicants must propose a research project that ties in with a discipline represented at the University of Konstanz. Applicants should contact potential mentors (Local Hosts) among the researchers at the University of Konstanz in order to ensure appropriate affiliation. Support from the department strengthens the application.

Fellows have an opportunity to teach. They are expected to participate actively in the regular weekly meetings of the Zukunftskolleg and to have their place of residence in Konstanz or surroundings. Fellows are selected on the basis of their academic excellence, the quality and topicality of their research project outline, personal aptitude with regard to leadership and team skills. International experience in teaching or research, and a strong interest in interdisciplinary topics are desirable. Applications are evaluated in a two-stage process: 1. Eligibility check and pre-selection based on the written application; 2. Further selection based on independent peer reviews. Candidates will be informed about the decision around the middle of October 2017. More information on the Zukunftskolleg and current Fellows, as well as a special section devoted to the application and selection process (application forms, guidelines on eligibility, evaluation criteria, the timeline and the stages of the selection process) are available on our website at: https://www.uni-konstanz.de/zukunftskolleg/ . The University of Konstanz encourages applications from people with a disability. They will be given preference if appropriately qualified (contact +497531/88–4016). The University of Konstanz is an equal opportunity employer that tries to increase the number of women in research and teaching. The University of Konstanz is committed to further the compatibility of work and family life. The University of Konstanz offers a „Dual Career Couples Program“. Information can be obtained from: http://www.uni-konstanz.de/dcc . All applications and supporting materials must be submitted in English via the Online Application Platform including reference number 2017/053 at: www.zukunftskolleg.uni-konstanz.de/online-application . The required documents include a completed application form, a letter of motivation, research proposal, curriculum vitae, a writing sample, and two letters of reference. The deadline for applications is June 13, 2017, 11:00 am (Konstanz time). Contact: Anda Lohan, e-mail: a.lohan@uni-konstanz.de , Management Team, e-mail: zukunftskolleg-application@uni-konstanz.de

Ein „Rheinländer und Weltdeutscher“

Mit „Der Weltdeutsche. Eine Biographie Alfons Paquets“ will Oliver M. Piecha den Rheinländer Alfons Paquet aus seinem „Fußnotendasein“ (S. 11) befreien. Alfons Paquet, geboren in Wiesbaden, war Journalist, Schriftsteller und ein intellektueller Zeitzeuge des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und der NS-Diktatur. Diese Biographie beschreibt aber auch einen Schwarzfahrer der Transsibirischen Eisenbahn, einen Chinaexperten, den Knallzeugen Mehr »

LIBER-Webinar „A Data Citation Roadmap for Scholarly Data Repositories“ (May 15, 2017)

Join a LIBER Webinar on May 15, 2017 at 1500 CET forlooking at a practical roadmap to help scholarly data repositories implement data citation in accordance with the Joint Declaration of Data Citation Principles. https://www.eventbrite.com/e/liber-webinar-a-data-citation-roadmap-for-scholarly-data-repositories-tickets-34025453046 The roadmap makes 11 specific … Weiterlesen

Mensch gegen Maschine

Seit der Frühzeit der Elektronenrechner werden Schachprogramme verfasst. In den 1960er-Jahren erreichten die Computer das Niveau guter Amateure. 1996 kämpfte der IBM-Spezialrechner Deep Blue gegen Garri Kasparow, den besten Spieler der Welt; Kasparow gewann. Am 3. Mai 1997 begann in New York ein neues Turnier. Nach sechs Partien musste sich Kasparow dem Computer geschlagen geben….