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Daily Archives: 13. Mai 2017

Mitteilungen der VÖB 70 (2017) 1 online veröffentlicht!

Heute wurde die Ausgabe 1 des 70. Jahrgangs der Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare online veröffentlicht (https://ojs.univie.ac.at/index.php/voebm/issue/view/175). Die Druckausgabe erscheint dann im Laufe der nächsten Wochen. Inhaltsverzeichnis Editorial „Mitteilungen der Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare“ in SHERPA/RoMEO („This … Weiterlesen

Digitale Schriftkunde

Digitale Schriftkunde Ein Lesezeichen wert: Digitale Schriftkunde mit Beispielen vom 8. bis zum 20. Jahrhundert aus Akten, Amtsbüchern, Urkunden und privatem Schriftgut http://www.gda.bayern.de/DigitaleSchriftkunde/index.html Ähnliche BeiträgeDemminer Findbuch – Innungen Fotografieren im Landesarchiv nun dauerhaft erlaubt Das Demminer Findbuch

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Die Pommerschen Leute Sommer 2017

Die Pommerschen Leute Sommer 2017 Die neueste Ausgabe der „Die Pommerschen Leute“ Sommer 2017 ist erschienen. Der Leitartikel stammt von unserem Mitglied David Krüger : „Mein Vorfahre, eine Selbstmörder?“ über Christian David Hess aus Katzow. * Abonnement über http://www.pomeranianews.com/pomeranian_subscription.html Ähnliche BeiträgeDer … Weiterlesen

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Decken Einsturz im Stettiner Schloss

Stettin – Schloss der pommerschen Herzöge Die Decken im Stettiner Schloss sind teilweise eingestürzt. http://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/Stettiner-Schloss-teilweise-eingestuerzt,stettinerschloss100.html und http://www.burgerbe.de/2017/05/12/stettiner-schloss-zum-teil-eingestuertzt/ https://twitter.com/PiotrTuzimek/status/862621225079771136/photo/1 weitere Fotos http://www.gs24.pl/tag/zamek-szczecin Ähnliche BeiträgeDer Untergang der Amazone Die Familie von Götz George Familienforschung am Stettiner Haff – Züssow 2016

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Planung eines Projekts zur mittelalterlichen Eisenverhüttung im Höllbachtal bei Brennberg

Erstes Sondierungstreffen im Gelände zur Planung eines kleinen Leader-Projekts zur mittelalterlichen Eisenverhüttung im schönen Höllbachtal bei Brennberg im Landkreis Regensburg, das wir fachlich und wissenschaftlich betreuen und konzeptionell mitgestalten werden.

Hier stehen die örtlichen Initiatoren und Mitstreiter am Standort eines neuzeitlichen Kohlemeilers in der Flur “Kohlstatt”.
Wir freuen uns sehr auf […]

Falsche Zuordnung bei Ancestry

Falsche Zuordnung bei Ancestry (kostenpflichtig): Kirchenbuch Groß Zicker Rügen 1762-1783 ab Bild Nr. 258 Kirchenbuch Gorkow Kreis Pasewalk 1605-1715 ab Bild Nr. 299 versteckt in Deutschland, ausgewählte ev. KB 1518-1921 -> OstPreussen -> Darkehmen, Gorkow u Groß Zicker -> Taufen, … Weiterlesen

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Standesamt Stralsund

Standesamt Stralsund Ein bisschen versteckt, aber sehr hilfreich: Das Stadtarchiv Stralsund hat Namenregister zu Standesamtsunterlagen online gestellt: Sterberegister 1874 bis 1882 und Heiratsregister 1874-1883 nach Jahren geordnet, Geburtsregister 1874-1883 in einem Paket, aber nach Buchstaben sortiert. Am schnellsten zu finden … Weiterlesen

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Stettin 1831

Stettin 1831 Ein Gruß zum Abend mit dieser Stadtansicht von Stettin 1831 Quelle: Der Berliner Stadt- und Landbote für das Königreich Preussen. Heft 17 aus dem 2. Jahrgang 1831 URL: https://digital.zlb.de/viewer/image/16147913_1831/161/ Ähnliche BeiträgeErinnerungen an die Familie des jüdischen Schuhmachers Paul … Weiterlesen

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Matricula

Matricula Das Portal Matricula, in dem man Kirchenbücher aus Österreich, Deutschland und Polen findet, hat eine neue Benutzeroberfläche bekommen. In der neuen Version gibt es: zusätzliche Bestände (katholische deutsche Kirchenbücher Bistum Hildesheim und Passau), schnellere Ladezeiten, sprechende Links, Landkartensuche, zusätzliche Filtermöglichkeiten … Weiterlesen

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Frühneuzeitliche Supplikationspraxis

Einige Aufsätze in den Beiträgen zur Rechtsgeschichte Österreichs 2015/2: http://hw.oeaw.ac.at/7867-5inhalt?frames=yes (Open Access) Siehe auch: https://archivalia.hypotheses.org/62955 Suppliken „sind in den letzten beiden Jahrzehnten von der Forschung vermehrt für Fragestellungen der Alltags- und Sozialgeschichte, aber auch der Verwaltungs-, Verfassungs- und Gesetzgebungs-Geschichte herangezogen … Weiterlesen

Jedem das Seine

„Abgeleitet von der Devise des preußischen Schwarzen Adlerordens ist Suum cuique das Motto der Feldjägertruppe der deutschen Bundeswehr […]. In Gerichtsverfahren gegen einen Mann, der auch Mitglied der rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei ist, urteilten im Dezember 2015 das Amtsgericht Oranienburg, im … Weiterlesen

Die Oxforder Wolsey-Lektionarien virtuell wiedervereint

Zwei Oxforder Institutionen bewahren zwei prachtvolle liturgische Manuskripte des 1530 gestorbenen englischen Kardinals Wolsey, die nun in sehr guter Auflösung gemeinsam im Netz besichtigt werden können: http://www.wolseymanuscripts.ac.uk/ Siehe auch http://web.archive.org/web/20150911173215/http://www.chch.ox.ac.uk/sites/default/files/Newsletter-Hil08.pdf http://www.magd.ox.ac.uk/libraries-and-archives/treasure-of-the-month/news/wolsey-lectionary/ #fnzhss

Mysteriöse Erdställe als Klangräume und Orte der Heilung? – Ein Interview mit der Forscherin Birgit Symader

Erdställe sind ein archäologisches Phänomen, das erst seit wenigen Jahren in den Fokus einer etwas breiteren Öffentlichkeit geraten ist – obschon die Forschungsgeschichte bis mindestens in das 19. Jahrhundert zurückreicht. 
Der von der modernen Wissenschaft verwendete Begriff „Erdstall“ führt freilich ein wenig in die Irre, denn hier ist keineswegs von einem unterirdischen (Tier-)Stall die Rede. Nein, vielmehr ist damit eine Stelle unter der Erde gemeint; genauer gesagt eine Ansammlung von miteinander verbundenen Hohlräumen, deren tatsächlicher Sinn und Zweck bis dato Rätsel aufgibt.
Auch bei der Datierung dieser Anlagen herrscht unter den Erdstallforschern keine Einstimmigkeit. Einige sprechen von einer möglichen Errichtung im Mittelalter, andere wiederum verorten zumindest einzelne Bauten im Magdalénien (ausgehende Altsteinzeit). Möglicherweise ist beides richtig, denn mit der Bezeichnung „Erdstall“ könnte die Forschung unwissentlich zeitlich weit auseinanderliegende Anlagen unter einem Oberbegriff zusammengefasst haben.
Über die Erdstallforschung in der Steiermark wurde hier bereits mehrmals berichtet (Links dazu finden sich am Ende des Beitrages). Doch auch in Bayern gibt es engagierte Forscher, die sich dieses spannenden Themas annehmen. Eine von ihnen ist Birgit Symader, die den Arbeitskreis für Erdstallforschung e.V. leitet. In folgendem Gespräch wird sie Einblick in ihre wissenschaftliche Tätigkeit geben.


Liebe Frau Symader, wie sind Sie dazu gekommen, sich intensiv mit Erdställen zu beschäftigen?
Mein Hobby ist seit etwa 25 Jahren die Höhlenforschung und Archäologie. Gerade bei der Höhlenforschung stolpert man immer über andere unterirdische Anlagen, wie Bergbau, Wassergänge oder eben auch Erdställe. Durch eine örtliche Veränderung in die Oberpfalz wurde das Thema, aufgrund der räumlichen Nähe zu den Erdställen, ein größeres Anliegen für mich – bzw. fast schon mein zweiter Job.   


Wie viele Erdställe konnten bisher in Bayern dokumentiert werden? 

Die Mitglieder in unserem Verein haben bisher gut 50 Anlagen dokumentiert und weiteren 580 Anlagen Aufgrund von Hinweisen oder Überlieferungen in eine Datenbank aufgenommen. Die Dokumentationen enthalten meistens eine detaillierte Gangbeschreibung, Pläne und Bilder. 


Wie hoch ist ungefähr der Anteil jener bayerischen Erdstall-Anlagen, die archäologisch sorgfältig erforscht werden konnten? Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass bei der überwiegenden Anzahl aus Kostengründen nur ein eine rudimentäre Dokumentation stattfindet, oder?

Archäologisch wurden bisher nur wenige Anlagen untersucht. Und zwar die Anlage in 🔼Mitterschneidhart (Lkr. Kelheim), Prof. Rind / Kaulich; 🔼Höcherlmühle (Lkr. Schwandorf), Schaller; 🔼Grasfilzing (Lkr. Cham), Symader; 🔼Aumbach (Lkr. Cham), Symader; 🔼Sierning (Oberösterreich) Traxler (Landesmuseum) in Zusammenarbeit mit AK-Erdstallforschung. 
Die archäologische Dokumentation ist für Laien eine Herausforderung. Die Vorgaben für die ehrenamtlichen Helfer sind exakt die gleichen wie für Grabungsfirmen. Viele Ehrenamtler schrecken vor dieser ungemein wichtigen Arbeit zurück. Nicht die Kosten, sondern das Know-How und die Zeit sind das Problem. Nur wenige Mitwirkende in unserem Arbeitskreis nehmen dies auf sich.

Es gibt verschiedene Arten von Erdställen: Gemauerte (Trockenmauer-Bauweise) und in den Fels oder in loses Gestein/Erdreich gegrabene. Dominiert eine bestimmte Bauform in Bayern? Und ist es überhaupt wahrscheinlich, dass beide Bauformen zur selben Zeit ‚en vogue‘ waren? Können nicht relativ lange Zeiträume zwischen dem Entstehen von gemauerten und gegrabenen Erdställen liegen? Werden hier mitunter gar Dinge in einen Topf geworfen, die keinen besonders engen Bezug zueinander haben, außer dass es sich um unterirdische Gänge handelt?

In Bayern sind die Anlagen aus dem anstehenden Fels geschlagen. Trockenmauern sind ganz selten. Die Datierung der Arbeitspuren ist nach jetzigem Stand nicht möglich, es ist lediglich anhand der Bearbeitungsspuren das Arbeitsgerät zu eruieren und dies ist zeitlich einzuordnen.
Ich persönlich würde unterschiedliche Zeitstellungen auf keinen Fall ausschließen. Wir konnten wenige Spuren von unterschiedlichen Bauphase belegen, aber warum sollten die Anlagen nicht auch in unterschiedlichen Epochen genutzt worden sein …


Sind die Erdställe Ihrer Meinung nach für einen längeren Aufenthalt geeignet? Bei künstlichen Höhlen ist ja speziell die Belüftung häufig ein Problem. Und gibt es bezüglich des Raumklimas bei den verschiedenen Erdstall-Bauformen spürbare Unterschiede? 

Ich denke nicht, dass die Erdställe für einen längeren Aufenthalt gebaut wurden. Der Mensch ist bequem und hätte es sich sicher für längere Zeit auch gemütlich gemacht. Es gibt aber keine Befunde, die auf einen längeren Aufenthalt des Menschen oder anderer Lebewesen hindeuten.
Für kürzere Aufenthalte, als Versteck, sicher eine gutes Plätzchen. Ich habe bei meinen vielen längeren Aufenthalten in Erdställen, aufgrund von Grabungen und Dokumentationen, den Ort immer als angenehm empfunden. Die Belüftung war nur bei stark gestörten Anlagen, durch äußerliche Eingriffe,  ein Problem. 


Sie vertreten die Meinung, dass sich Erdställe – entgegen einer immer wieder geäußerten These – nicht gut als Verstecke vor Räubern oder ähnlich bösen Gesellen geeignet haben. Als Grund führen Sie unter anderem an, dass die in Erdställen oft vorhandenen Schlupfe (siehe obiges Bild) zu eng für dicke Menschen oder Schwangere sind; und das obwohl Frauen in den vergangenen Jahrhunderten – verglichen mit heute – relativ häufig schwanger waren. 
Auch gibt es bisher keine eindeutigen Belege, die eine religiöse Verwendung der unterirdischen Gangsysteme beweist. Als Vorratsräume seien sie ebenfalls nur sehr bedingt geeignet, heißt es.
Stattdessen könnte Ihrer Meinung nach manch Erdstall eventuell zum Kurieren von Krankheiten verwendet worden sein, was sehr spannend klingt. Hat diese Überlegung etwas mit Ihren Versuchen zu tun, das Verhalten von Schwingungen/Resonanzen in Erdställen zu beobachten? Vielleicht können Sie davon Einzelheiten berichten?

Ja, es würde wenig Sinn machen ein Versteck für eine bestimme Zielgruppe zu bauen. Auch als Lager ist es für unser heutiges Verständnis gar nicht gut geeignet, würde man meinen. Leider hat sich bisher niemand wissenschaftlich mit der Theorie Lagerhaltung/Verstecke auseinandergesetzt. Sei es um diese zu belegen oder auszuschließen. Das wäre die normale Vorgehensweise.
Es gibt aktuell eine Wissenschaftlerin, die sich speziell mit dem Thema Lagerhaltung bzw. welches Lagergut zu dem Erdstall passen würde, auseinandersetzt. Wir können jetzt schon auf die Publikation gespannt sein. Allerdings wird dabei immer davon ausgegangen dass wir uns im Mittelalter befinden.  Lebensmittel des Mittelalters, Lebensumstände etc.
Es gibt zwar einige Befunde für das Mittelalter, diese weisen aber auf eine Zeit hin in der die Erdställe nicht mehr für den ursprünglichen Zweck genutzt worden sind. Stattdessen hat man sie als Abfallgruben zweckentfremdet. Meiner Meinung nach sollte man den zeitlichen Rahmen nicht einengen, sondern fragen „wie war es vor 1000 n. Chr.“.
Aber für was ist der Raum Erdstall noch geeignet? Man kennt z.B. aus Ägypten Klangräume. Eine Frage die ich gerne klären möchte: Welche Frequenzen werden im Erdstall aufgebaut, wenn dort z.B. ein Ton eines Instruments abgesetzt wird? Und wie reagiert der menschliche Organismus darauf? In der Elektrotherapie wird mit verschiedenen Frequenzen geheilt, selbst das Schnurren einer Katze hat heilende Wirkung. Diese Tests lassen sich sehr einfach durchführen, sofern man das Equipment und Know-How hat.
Weitere medizinische Aspekte: Der Raum Erstall weist ähnliche Merkmale wie eine Naturhöhle auf, z.B. bei der Luftfeuchtigkeit. Also ein idealer Platz für einen Asthmatiker. Und wie verhalten sich Vierenstämme unter diesen Bedingungen? Welche Krankheiten lassen sich hier besonders gut ausheilen? Alles Fragen mit denen sich bisher noch niemand beschäftigt hat. Es liegt noch viel Forschungsarbeit vor uns. 

In alten österreichischen Kirchendokumenten tauchen Hinweise auf Erdställe („Schratteln“) auf. Wie sieht es bezüglich schriftlichen Überlieferungen in Bayern aus? 
Schlecht. Ein Schriftstück aus dem Bistum Passau soll vorhanden sein, erst letztes Jahr wurde um Einsicht gebeten. 
Lokale Sagen handeln oft von Wesen (z.B. Zwergen), die in Höhlen unter der Erde hausen, woraus bis zu einem gewissen Grad auch ein Zusammenhang mit tatsächlich vorhandenen Erdställen abgeleitet werden kann. Wie stark beziehen Sie solche Informationen bei Ihrer Forschung mit ein? 

Sehr. Wenn es eine Geschichte gibt, ist auch irgendetwas Unterirdisches zu finden – allerdings nicht immer ein Erdstall. Die Geschichte der Schrazeln, Zwerge, Erdweibl, Erdmannli gibt es überall wo es unterirdische Anlagen gibt. Es war für die Menschen ja auch eine gute Erklärung, denn wer sonst soll dort gelebt haben? In Arnschwang in der Oberpfalz gab es im letzten Jahrhundert jemanden, der den „Schrazn“ noch etwas zum Essen und sogar Kleidung hingelegt hat.
Fakt ist, die kleinen Wesen sind in den Erzählungen allesamt nett zum Menschen. Dann macht der Mensch einen Fehler und sie verschwinden. 

Ein kritischer Punkt ist die Datierung. Manch Forscher meint, die Erdställe stammen allesamt aus dem Mittelalter. Als ‚Beweis‘ führt man einige wenige Holzkohlereste aus Erdställen an, die mittels C14-Methode untersucht bzw. datiert wurden. Äußerst Problematisch hierbei ist freilich, dass diese Holzkohlestückchen genauso gut im Zuge einer Sekundärnutzung der Anlagen eingebracht worden sein könnten, die ja bei nicht wenigen Erdställen tatsächlich dokumentiert ist. Die verlässliche Absolut-Datierung eines Erdstalls ist mir dieser Methode daher nicht möglich, oder?

Nein, das denke ich nicht. Wir können davon ausgehen dass die Erdställe etwa ab dem 12. – 13. Jhd. nicht mehr zu dem ursprünglichen Zweck genutzt wurden. Eingebrachte Funde belegen dies, und diese sind in der Regel aus dem 11-14 Jahrhundert. Die letzte Datierung aus dem Erdstall Grasfilzing belegte sehr gut eine mögliche Nutzung bis in das 13. Jhd. Eine eingebrachte Pflanzenschicht die direkt auf dem Boden auflag ist mir der Nutzungszeit in Verbindung zu bringen.
Eine Datierung zur Entstehung gibt es im Ansatz nur bei dem Erdstall Höcherlmühle bzw. einem dort befindlichen Bauschacht (um 1000 n. Chr.) – sofern man davon ausgeht, das letzerer direkt im Anschluss an seine Fertigstellung verschlossen wurde. Aber bei lediglich einem gegrabenen Bauschacht ist es nicht sinnvoll, die Befunde auf alle Erdställe umzulegen. Wenn wir 20 archäologisch untersuchte Bauschächte haben, könnte man sicher eine Aussage treffen, doch jetzt ist so etwas eigentlich noch nicht möglich. 


Im Falle einer intensiven Sekundärnutzung der Erdställe kann von der Möglichkeit ausgegangen werden, dass älteres Material im Zuge von Reinigungsarbeiten entfernt wurde. Selbiges könnte bei späteren Erweiterungen der Anlagen – die in einigen Fällen nachweisbar sind – geschehen sein. Erschweren diese Unwägbarkeiten verlässliche Aussagen zum Alter einzelner oder gar aller Erdställe nicht ungemein?

Ja natürlich. Bei den meisten bestehenden Anlagen ist es schwierig noch Befunde zu rekonstruieren Es wurde auch meistens bei den ersten Begehungen davon ausgegangen dass die Funde nicht zur Nutzzeit gehören und somit nicht wichtig sind. Das ist schade, denn auch diese Funde wären wichtig gewesen. Daher kommt übrigens auch die allgemeine Aussage „Erdställe sind fundleer“. Sie sind definitiv nicht fundleer, 


Erdstallforscher in der Steiermark erklären, dass sie mittels der sogenannten TCN-Methode (Terrestrial Cosmogenic Nuklides), die seit einigen Jahren in der Archäologie angewendet wird, in der Lage sind, unter bestimmten Umständen das bearbeitete Gestein von Erdställen direkt zu datieren. Und zwar dann, wenn diese in Trockenmauer-Bauweise errichtet wurden. Sie kommen hierbei auf ein Alter, das einen Entstehungszeitpunkt nahelegt, der etliche Jahrtausende vor der Zeitendwende angesiedelt ist. Wie sehen Sie die Sache? Wäre TCN eine (zugegebenermaßen nicht gerade billige) Untersuchungsmethode, die zukünftig auch für Ihre Forschung in Bayern eine Option darstellen könnte?

Für die Datierung mit der TCN-Methode sind unserer Erdställe nicht gut geeignet. Es bedarf eingebauter Steine/Platten, die an der Oberfläche gebrochen wurden. Wir haben z.B. lediglich eingebrachte Mühlsteine, die sicherlich an der Oberfläche gefertigt wurden. Es fehlen aber die Referenz-Steinbrüche dazu.
Außerdem muss ich gestehen, fehlt es uns am Know-How, die Proben zu entnehmen und für mich wäre eine Interpretation das noch größere Problem. Meiner Meinung nach kann ich nicht davon ausgehen – nehmen wir das Beispiel mit dem Mühlstein – dass dieser mit der Bauzeit unmittelbar in Verbindung steht. Er kann ja auch schon Jahrhunderte lang anderweitig benutzt worden sein.

In der Steiermark (Raum Vorau) wurden von Heinrich Kusch sogenannte Lochsteine in Zusammenhang mit Erdställen gebracht. Hat man in Bayern ähnliches beobachtet oder sind Lochsteine bei Ihnen nicht weit genug verbreitet, um solche Schlüsse zu ziehen?

Lochstein-Reihen, wie sie das Vorauer Gebiet durchziehen, haben wir in Bayern nicht. Erst kürzlich bin ich aber über einen „gestolpert“. Und zwar im Gebiet Untergriesbach bei Passau. Dort wurde ich für eine Expertise zu einem unterirdischen Gang gerufen. Vorab waren einige interessante Indizien bekannt:
🔼 Unmittelbar nördlich ein ehemaliger Burgstall aus dem Hochmittelalter.
🔼 800 Meter südwestlich ein ehemaliger Herrensitz.
🔼 Ein unterirdischer Gang soll lt. Überlieferung die beiden Anwesen verbinden.
Die Fakten waren:
🔼 Ein Gang existierte etwas südlich des Burgstalls.
🔼 Es handelte sich um einen Bergbaustollen aus dem Mittelalter und der Verlauf ging in Richtung des Herrensitzes, war aber nach 70m verschüttet.
🔼Im Ort stand ein Lochstein. Dieser Lochstein stand ursprünglich am ehemaligen Herrensitz mit noch zwei weiteren.
Jetzt könnte man natürlich spekulieren. Ich bin jedenfalls sehr froh, durch Dr. Kusch auf Lochsteine sensibel zur reagieren. Sie werden auch immer eingemessen und in den Berichten mit beschrieben. Wer weiß, wann diese Information von Nutzen sein wird.

Immer wieder stößt man bei Bauarbeiten auf Erdställe; oder Bauern brechen mit ihren Traktoren in diese Hohlräume ein. Manch Entdecker wird sie einfach verfüllen, ohne den Denkmalschutz zu informieren. Und das wohl nicht nur aus Unwissenheit, denn dem Grundstückseigentümer drohen in Bayern bei einer Meldung erhebliche Kosten, die ihm für die fachgerechte Dokumentation eines solchen Bodendenkmals aufgebrummt werden können. Doch hier springen nun Sie und Ihr gemeinnütziger Verein helfend ein und erledigen die anfallende archäologische Arbeit quasi kostenlos. Sind Ihnen deshalb die kommerziellen Grabungsfirmen, die so um Aufträge umfallen, ein bisschen böse? Oder besteht hier keine direkte Konkurrenz?

Dies kann ich jetzt nicht so einfach beantworten. Üblicherweise wird bei einem Bodendenkmal, das z.B. bei Erschließung eines Baugebiets gefunden wird, eine Grabung durchgeführt. Das Bodendenkmal wird dabei zerstört, somit muss es entsprechenden den Vorgaben dokumentiert werden. Die Kosten übernimmt in diesem Fall der Eigentümer. Dies kann bei einer Grabung schon in die Tausende gehen. Die Entscheidung was gegraben wird und was nicht, trifft das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) oder die Kreisarchäologie. Die Erdställe, die bisher einer Baustelle gewichen sind, wurden leider nicht gemeldet, sie waren dann halt einfach mal weg. Es wurden keine archäologischen Dokumentationen durchgeführt.
Sehr schade, denn wir als Verein würden so etwas für den Eigentümer übernehmen. Die Zerstörung eines Erdstalles ist leider per Gesetz nur eine Ordnungswidrigkeit und kostet nicht besonders viel Strafe.
Es ist traurig wie viele Erdställe die letzten 30 Jahre schon weichen mussten und nicht mehr dokumentiert werden konnten. Dies ist eine große Aufgabe, die der Arbeitskreis zusammen mit dem BLfD stemmen möchte. Es gab schon Gespräch mit den Zuständigen der Bodendenkmalpflege und ein Konzept für die Erdställe wird die nächsten Jahre umgesetzt werden. Das beinhaltet unter anderem die Erdställe in die „Vorgaben zur Dokumentation“ speziell mit einzubinden, damit sichergestellt ist, Erdställe vor Raubgräbereien zu bewahren. Diese Dokumentationen könnten dann natürlich auch Grabungsfirmen durchführen.
Bisher, bei all meinen Erdstall Sicherungen und archäologischen Dokumentationen, wurde der Eigentümer nicht belastet (Im Detail nachzulesen in unseren Jahresschriften 41 und 42). Die Gelder wurden von uns vom Bezirk, Gemeinde oder vom BLfD beantragt. Die Arbeiten wurden vom AK geleistet. Ich hoffe sehr, dass es uns so gelingt weitere Zerstörungen der Erdställe zu verhindern.
Tja, und ob uns die Grabungsfirmen böse sind, weiß ich nicht. Ich arbeite ja selbst in einer und ich kann nur sagen, viele meiner Kollegen haben mit dem Thema Erdstall noch „Berührungsprobleme“. Trotz meiner Aufklärungsarbeit ist eben ein neolithisches Gräberfeld interessanter 😊


Das Thema Erdstall dem Ottonormalbürger zu vermitteln, ist eine Aufgabe, die Ihr Verein ebenfalls in Angriff genommen hat. Neben einigen für die Öffentlichkeit begehbaren Anlagen ist mittlerweile sogar ein europäisches Erdstall-Forschungszentrum in Planung. Was hat es damit auf sich?

Ja, es wird ein Europäisches Erdstallforschungszentrum mit archäologischer Dokumentation – wie der offizielle Titel lautet – geben.
Mitten in der Oberpfalz – in Neukirchen-Balbini – hat die Gemeinde ein denkmalgeschütztes Haus, mit einem Erdstall im Keller, erworben, das ab 2019 als Museum vorgesehen ist. Die Forschungsergebnisse unseres deutsch–österreichischen Vereins und der europäischen Schwestergesellschaften werden zusammengeführt und bilden somit die Grundlage für die weiterführende Erdstallforschung in Europa. Das Museum dient damit als Basis-Station für die Mitglieder des Arbeitskreises e.V. und als Informationsquelle für die zuständigen Ämter, für Universitäten, Schulen und heimatgeschichtlich interessierte Privatpersonen. Es werden archäologische Funde ausgestellt und ein Periskop gibt einen Blick in die Endkammer des Erdstalls. Die Themen werden von den Sagenwelten bis zu der Erbauung eines Erdstalles das Komplette Spektrum abdecken. Im Haus sind auch unser Archiv und eine Bibliothek untergebracht, die wir dem Fachpublikum zur Verfügung stellen.
Derzeit beschäftigen wir uns noch mit dem Konzept, das wir zusammen mit der Firma archaeotext ausarbeiten. Bis zur Museumseröffnung 2019 werden steht uns noch viel Arbeit bevor.


Was sind, neben dem Erdstall-Forschungszentrum Ihre Pläne für die Zukunft? Gibt es etwas, das Sie besonders gerne näher erforschen würden?
Derzeit arbeite ich meine letzte Erdstall-Grabung auf. Dabei werde ich versuchen, einen Abdruck der Bearbeitungsspuren zu machen. Es geht mir darum, eine größere Fläche des Felsens mit einer Abformmasse abzubilden. Dieses könnte z.B. in Gips gegossen ein prima Ausstellungsstück für unser Museum abgeben. In der Anlage sind auch schöne Kienspanlöcher, die abzuformen mir hoffentlich ebenfalls gelingt.
Außerdem möchte ich gerne weitere Resonanz-Tests durchführen. Leider ist mein bisheriger Partner für dieses Experiment plötzlich verstorben, somit musste ich es erst mal auf Eis legen. Es wird sich hoffentlich noch jemand finden.
Mir ist sehr daran gelegen, die Erdställe in den nächsten Jahren als ernstzunehmendes Forschungsobjekt zu etablieren. Es gibt noch viel zu erforschen.
Dann werde ich weiter daran arbeiten, dass die Erdstallbesitzer mit uns und den BLfD kooperieren, um weiter Zerstörungen der Erdställe zu verhindern. Es wäre schön, wenn sich mehr Menschen für das Thema begeistern könnten und uns im Arbeitskreis unterstützen. 

Diesem Wunsch schließe ich mich an. Und vielen lieben Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, das interessante Thema Erdstall hier näher zu erörtern. 

Weiterführende Informationen:
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„… ein Tür- und Augenöffner!“

Forschungsorientiert studieren im a.r.t.e.s. Research Master

Mit dem a.r.t.e.s. Research Master hält die a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne ein besonderes Zusatzangebot für forschungsinteressierte Masterstudierende der Philosophischen Fakultät der Universität zu Köln bereit. Das reguläre Lehrangebot wird dabei ergänzt durch das a.r.t.e.s.-Modul, das sich aus Veranstaltungen der Juniorprofessoren und Postdocs des a.r.t.e.s. Research Lab und einem intensiven Beratungsangebot zusammensetzt. Dies ermöglicht den Studierenden schon während ihrer Masterphase einen unmittelbaren Forschungsbezug und einen Einblick in innovative und interdisziplinäre Forschungsdesigns in den Geisteswissenschaften. Das Research Master-Programm fördert die Entwicklung eigener Forschungsprojekte in einem multidisziplinären Kontext und stärkt potentiell anschließende Promotionsvorhaben. Dafür stellt a.r.t.e.s. auch Mittel für Forschungs- und Archivreisen sowie erste Konferenzteilnahmen zur Verfügung.
Seit dem Wintersemester 2016/17 studiert bereits der dritte Jahrgang im a.r.t.e.s. Research Master. Thorsten Leyens (Musikwissenschaften) und Alina Wehrmeister (Germanistik/Skandinavistik) haben ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen im vergangenen Jahr als offizielle Sprecherin und Sprecher des Programms vertreten. Ein Gespräch über Horizonte, Grenzen und den Wert der Interdisziplinarität.

Filmvorführung und Podiumsgespräch zu „Wołyń“

Donnerstag, 18. Mai 2017, 17.00 Uhr im Monopol-Kino, München

Der polnische Film »Wołyń« (Trailer) des bekannten Regisseurs Wojciech Smarzowski löste sowohl in Polen als auch in der Ukraine im Herbst 2016 hitzige Diskussionen aus. Der in Polen mehrfach ausgezeichnete Film hatte seine Premiere im Oktober 2016 und handelt von den Ereignissen in Wolhynien im Jahr 1943, als die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) einen Massenmord an der polnischen Bevölkerung verübte.
Im Juli 2016 ist dieses historische Geschehen auf politischer Ebene in Form eines Beschlusses des polnischen Parlaments aufgegriffen worden, wonach die damals ermordeten Polen als »Opfer eines Genozids« zu bezeichnen seien. Dies führte zu einer Emotionalisierung der Debatte. So wurde der Film kaum noch als künstlerisches Werk betrachtet, sondern seine Darstellung des historischen Geschehens unter dem Eindruck der aktuellen politischen Ereignisse und Beziehungen diskutiert und oftmals heftig kritisiert. Der Spielfilm entfaltete damit eine ungewöhnlich starke Wirkung auf beiden Seiten der polnisch-ukrainischen Grenze.
Im Rahmen der Veranstaltung wird der Film (OmeU, 150 Minuten) zum ersten Mal in Deutschland gezeigt und anschließend ein Podiumsgespräch mit dem Regisseur Wojciech Smarzowski, dem polnischen Historiker Grzegorz Motyka und dem ukrainischen Historiker Jurij Shapoval darüber geführt. So besteht außerhalb Polens erstmals die Gelegenheit, sich selbst einen Eindruck von dem Film zu verschaffen. In dem polnisch / ukrainischen Gespräch (mit konsekutiver Übersetzung) werden Fragen zum Film, zu seiner Wirkung und den Kontroversen näher beleuchtet.
Termin: 18. Mai 2017, 17:00 Uhr – ca. 21:00 Uhr
Ort: Monopol-Kino, Saal 1 (München, Schleißheimerstr. 127)
Bitte beachten Sie: Die Karten für die Veranstaltung sind leider ausverkauft. Eine Aufzeichnung der Podiumsdiskussion wird nach der Veranstaltung verfügbar sein. Wenn Sie darüber informiert werden möchten, wann und wo das Video online zu sehen sein wird, bitten wir Sie um eine Nachricht mit dem Betreff „Bitte um Information“ an wolyn@lrz.uni-muenchen.de.
Besuchen Sie auch gerne den Blog „Erinnerungskulturen“ der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien (https://erinnerung.hypotheses.org/), auf dem es einen Veranstaltungsbericht geben wird.
Podiumsteilnehmer

Prof. Grzegorz Motyka, polnischer Historiker und Experte für polnisch-ukrainische Beziehungen; in den Entstehungsprozess des Filmes eingebunden; Mitglied des polnisch-ukrainischen Historikerforums; Mitarbeiter der Polnischen Akademie der Wissenschaften
Prof. Jurij Shapoval, ukrainischer Historiker und Experte für ukrainisch-polnische Beziehungen; Mitglied des ukrainisch-polnischen Historikerforums; Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften der Ukraine; Mitglied der Deutsch-Ukrainischen Historikerkommission
Wojciech Smarzowski, Regisseur des Films und weiterer preisgekrönter Filme wie „Róża“, „Drogówka“ und „Dom Zły“

Moderation: Dr. Martin Sander (Deutschlandradio Kultur)

Veranstalter

Deutsch-Ukrainische Historikerkommission (DUHK)
Promotionskolleg Polen und Deutschland im modernen Europa (PDME)
Abteilung für Geschichte Ost- und Südosteuropas der Ludwig-Maximilians-Universität München
in Kooperation mit der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien

Weiterführende Links

Wolyn_Trailer
Wolyn_Ankündigungsplakat(374 KByte)

Spiegel online: Sensationsfund im Kloster [Admont] – Bibliothekar entdeckt 1200 Jahre altes Dokument in deutscher Sprache

Ein österreichischer Bibliothekar wühlte in längst vergessenen Schnipseln und stieß auf zwei Pergamente, die mindestens 1200 Jahre alt sind. Fand er ein Wörterbuch Karls des Großen? … Siehe http://www.spiegel.de/spiegel/kloster-admont-1200-jahre-altes-dokument-in-deutscher-sprache-entdeckt-a-1147396.html Der Standard dazu: Womöglich älteste deutsche Schriftstücke im Stift Admont entdeckt –  … Weiterlesen