Planet History

Daily Archives: 15. Juni 2017

PDFs: Helme, Helme, Helme!

Der keltische Waffenfund von Förk in Kärnten | Markus Egg | Academia.edu

Die ältesten Helme der Hallstattzeit | Markus Egg | Academia.edu

Ein hallstattzeitliches Grab mit Schüsselhelm aus Budinjak in Kroatien | Markus Egg | Academia.edu

Zum hallstattzeitlichen Helmfragment von Magdalenska gora | Markus Egg | Academia.edu

Die Waffen (Helme, Schwerter,…) der „Lepontier“ | Markus Egg | Academia.edu

Ein antiker Bronzehelm vom Ufer des Sempachersees | Markus Egg | Academia.edu

Ein Helmhut mit zusammengesetzter Kalotte | Markus Egg | Academia.edu

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Stelle im Bereich „Computerlinguistische Textanalyse“ zu besetzen (E13 TV-L)

Am Institut für Informatik/Göttingen Centre for Digital Humanities (GCDH) an der Georg-August-Universität Göttingen und der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) Göttingen ist zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Stelle einer/eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin/wissenschaftlichen Mitarbeiters im Bereich „Computerlinguistische Textanalyse“ mit 75% der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (zzt. 29,85 Stunden/Woche) befristet für die Dauer von 36 Monaten zu besetzen. Eine Aufstockung […]

ArchivbauWiki (Kathrin Baas) – Vorschau: Offene Archive 2.3 (12)

Abstract zum Vortrag von Kathrin Baas In der Transferarbeit aus dem 50. Wissenschaftlichen Kurs der Archivschule Marburg wird ein Konzept für ein Wiki zum Zweck der fachlichen Vernetzung im Bereich Archivbau entwickelt – das ArchivbauWiki. Basierend auf dem neuesten Stand der Fachdiskussion stellt Kathrin Baas eine erste denkbare Strukturierung und Kategorisierung der Social Media-Plattform vor. Weiterhin wird anhand gängiger Methoden aus dem Projektmanagement ein Projektplan entworfen, der in die drei Phasen der Planung, Pilotierung und des Rollouts gegliedert ist. Neben den technischen und rechtlichen … ArchivbauWiki (Kathrin Baas) – Vorschau: Offene Archive 2.3 (12) weiterlesen

Neues Sammlungsportal der Uni Jena

http://sammlungen.uni-jena.de/ Bilder liegen bei den einzelnen Sammlungen in sehr unterschiedlichem Ausmaß vor. Nach meinen Kriterien beurteilt: AUFLÖSUNG gut, kein Wasserzeichen. PERMALINKS jein Die Permalinks sind nur in URMEL sichtbar. Und dort sind sie bekanntlich zum Abgewöhnen. http://digicult2.thulb.uni-jena.de/digicult/rsc/viewer/digicult_derivate_00238845/0012.1.tif?x=-555.9940808222495&y=295.2108755673871&scale=0.2692102413715317&rotation=0&layout=singlePageLayout NACHNUTZUNG nein Bei … Weiterlesen

Neues Sammlungsportal der Uni Jena

http://sammlungen.uni-jena.de/ Bilder liegen bei den einzelnen Sammlungen in sehr unterschiedlichem Ausmaß vor. Nach meinen Kriterien beurteilt: AUFLÖSUNG gut, kein Wasserzeichen. PERMALINKS jein Die Permalinks sind nur in URMEL sichtbar. Und dort sind sie bekanntlich zum Abgewöhnen. http://digicult2.thulb.uni-jena.de/digicult/rsc/viewer/digicult_derivate_00238845/0012.1.tif?x=-555.9940808222495&y=295.2108755673871&scale=0.2692102413715317&rotation=0&layout=singlePageLayout NACHNUTZUNG nein Bei … Weiterlesen

Stellenausschreibung: Wissenschaftliche Mitarbeiterin/Mitarbeiter (EG 13 TV-L), FH Potsdam, DFG gefördertes Forschungsprojekt „RDMO“ (Research Data Management Organizer)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, an der FH Potsdam ist zum 01.10.2017 die Stelle einer/eines wissenschaftlichen Mitarbeiterin/Mitarbeiters (EG 13 TV-L) in Vollzeit (z.Zt. 40 Wochenstunden) befristet bis Ende 31.03.2020 zu besetzen. Die Stelle ist innerhalb des DFG geförderten Forschungsprojekts „RDMO“ (Research Data Management Organizer) angesiedelt und ist grundsätzlich teilzeitgeeignet. Nähere Informationen entnehmen Sie bitte der Stellenausschreibung […]

Heraldry in the royal palace of Sintra: ‘In the Service of the Crown’ project on TV in Portugal

The show Visita Guiada (‘Guided Visit’) by Portuguese journalist Paula Moura Pinheiro is currently the most popular program of Portugal’s public broadcasting channel RTP 2. Every week, a Portuguese monument of cultural importance is presented by a specialist, generally a historian. Last week, the chosen monument was the royal palace in Sintra and its sala dos brasões (‘hall of coats of arms’). It was presented by Miguel Metelo de…

Vorstellung des Dissertationsprojekts von Mari Yamasaki: „Concepts of Seascapes and Marine Fauna in the Eastern Mediterranean Bronze Age“

Ein Beitrag von Katharina Zartner.
 
Am 01. Juni 2017 hat unsere Kollegin Mari Yamasaki ihr im letzten Herbst begonnenes Dissertationsprojekt mit dem Titel „Evolving concepts of seascapes and marine fauna in the Eastern Mediterranean during the Bronze Age“ im Rahmen der Plenumssitzung des Graduiertenkollegs vorgestellt. Sowohl den Professor*innen des Trägerkreises als auch den anderen Kollegiat*innen gewährte sie dabei interessante Einblicke in den aktuellen Stand ihrer Arbeit, ihre Methodik sowie in das weitere geplante Vorgehen und die Ziele des Dissertationsvorhabens.
 

Fragestellungen und Zielsetzung

Direkt zu Beginn ihres Vortrages nahm Mari Yamasaki eine mögliche kritische Frage vorweg: Warum ist es überhaupt gerechtfertigt, noch einmal zu „seascapes“ zu arbeiten, wurde das Thema doch in letzter Zeit in zahlreichen Untersuchungen bearbeitet? Doch gerade die Beschäftigung mit diesen neueren Abhandlungen macht nicht nur deutlich, welche Fortschritte in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, sondern auch, dass noch Lücken innerhalb dieses Forschungsfeldes bestehen. Daher wirft Mari Yamasaki in ihrem Dissertationsprojekt teils grundlegende und bisher unbeantwortete, teils weiterführende und teils gänzliche neue Fragen auf, so zum Beispiel:
 
Was ist überhaupt eine Küste? Diese Frage ist bei weitem nicht so simpel zu beantworten, wie es im ersten Moment vielleicht scheinen mag. Zunächst müssen Kriterien herausgearbeitet werden, die entsprechend der antiken Weltsicht charakteristisch für eine Küste sind und an denen sich somit ein entsprechendes zugrunde liegendes Konzept festmachen lässt. Um solche Kriterien zu definieren, muss die Frage gestellt werden, wie die Landschaft entlang der Küste und das Meer selbst von den Menschen, die dort lebten, wahrgenommen wurden und wie diese mit und in ihrer Umwelt (inter-)agierten. Besonders das Eingreifen in die maritime Landschaft sowie die Nutzung und Ausbeutung von Ressourcen und lokaler Fauna stehen dabei im Fokus. Der geographische Rahmen dieser Untersuchung wird durch jene Staaten und Gesellschaften abgesteckt, die während der Bronzezeit (ca. 2500–1000 v. Chr., mit Fokus auf dem 2. Jt. v. Chr.) direkt am Handel im östlichen Mittelmeerraum beteiligt waren: Ägypten, das Reich von Hatti, der mykenische Kulturkreis sowie die Stadtstaaten entlang der Levante-Küste. In den Blick genommen werden dabei insbesondere die Küstensiedlungen, die eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieses (Handels-)Netzwerkes spielten. Welche Beziehungen bestanden zwischen diesen Siedlungen untereinander, welche Art von Austausch fand zwischen ihnen statt und inwiefern fungierten sie als Vermittler gegenüber dem Landesinneren? Schließlich stellt sich natürlich die wohl wichtigste Frage: Wie lässt sich all das im archäologischen Befund fassen?

 

Ein rätselhafter Fisch – Die Materialgrundlage

Die zuletzt gestellte Frage leitet direkt über zur Materialgrundlage: Welche Quellen können zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen herangezogen werden? Mari Yamasaki wertet für ihre Untersuchung verschiedene Materialgruppen aus: zooarchäologisches Material, Importgüter, bildliche Darstellungen sowie Schriftquellen. Im aktuellen Stadium der Arbeit setzt sie sich verstärkt mit den ersten beiden Gattungen auseinander, während die beiden letztgenannten zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet werden sollen.
 
Das zooarchäologische Material, d.h. die in archäologischen Kontexten erhaltenen Überreste der antiken Fauna, setzt sich im Bereich der Küstensiedlungen v.a. aus Fischknochen, Muscheln und Überresten der sog. Murex-Schnecken, aus deren Sekret man in der Antike Purpur als Färbemittel gewann, zusammen. Die systematische Erfassung dieser Daten (biologische Klasse/Familie/Spezies, Menge, Fundort, Fundkontext usw.) anhand von publizierten Ausgrabungsberichten ist eine kleinteilige Arbeit, die sich jedoch schließlich auszahlt. Bei den vergleichenden Auswertungen des gesammelten Datenmaterials lassen sich beispielsweise Aussagen über die Verbreitung bestimmter Arten treffen. Als eindrückliches Beispiel lässt sich der rätselhafte Fall des Lates niloticus anführen, des sog. Viktoriabarsches aus der Familie der Riesenbarsche. Knochen dieser auch bei uns heute beliebten Speisefischart finden sich an zahlreichen der untersuchten Küstenfundorte. Doch warum sind Fischknochen am Meer ein so ungewöhnlicher Fund? Ein anderer Name für diese Fischart liefert einen Hinweis: Nilbarsch. Denn es handelt sich beim Lates niloticus keineswegs um eine im Mittelmeer heimische Art, sondern um einen Süßwasserfisch, der in Flüssen, bspw. im Nil in Ägypten, beheimatet ist. Da die Fischknochen in solch auffälliger Quantität gefunden wurden, kann davon ausgegangen werden, dass diese spezielle Art in größeren Mengen importiert wurde. Warum ein derartiger Aufwand für die Beschaffung einer bestimmten Fischart betrieben wurde, obwohl das Mittelmeer doch ausreichend Möglichkeiten zum Fischfang bot, ist eine der vielen interessanten weiterführenden Fragen, die sich bei der Betrachtung des Materials ergeben und auf die es Antworten zu finden gilt. Einen Hinweis liefert möglicherweise ein in Hala Sultan Teke (Zypern) gefundener Krater, der die Darstellung von mehreren Fischen zeigt. Noch ist die abgebildete Art nicht eindeutig identifiziert, doch könnte es sich dabei ebenfalls um Nilbarsche handeln.

Daten aus erster Hand: Archäologische Feldforschung

Mari Yamasaki verwendet für ihre Studie nicht nur bereits veröffentliche Daten, sondern hat außerdem die einzigartige Möglichkeit, Forschungsdaten aus erster Hand einfließen zu lassen. Bereits seit mehreren Jahren ist sie Teil eines internationalen Teams, das im Rahmen des Moni Pyrgos Pentakomo Monagroulli Survey Projektes (kurz: MPM) der Universität Chieti-Pescara (Italien) auf Zypern archäologische Untersuchungen der Küstenlandschaft mittels Surveys/geo-archäologischer Prospektion an Land und unter Wasser durchführt: Ziel des Projektes ist es zum einen festzustellen, inwiefern sich die Nutzung und Ausbeutung der maritimen bzw. der Küstenlandschaft über die Jahrtausende hinweg veränderten, denn Spuren menschlicher Aktivitäten lassen sich in diesem Bereich bereits für das Neolithikum nachweisen. Welches Potential der Nutzung bestand überhaupt zu welcher Zeit und wie wurde mit den bestehenden Ressourcen umgegangen? (Im Blog-Beitrag vom 05.06.2017 berichtet Mari Yamasaki von ihrem Aufenthalt auf Zypern im Mai, von den jüngsten Ergebnissen des Projektes, inwiefern menschliches Eingreifen in die Küstenlandschaften auch ein ganz aktuelles Thema ist und wie dies die Arbeit der Archäolog*innen vor Ort beeinflusst.) Die Untersuchungen ergaben, dass sich der Verlauf der Küstenlinie im Laufe der Zeit stark verändert hat. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass im untersuchten Gebiet ein Fluss direkt ins Mittelmeer mündet, was der antiken Bevölkerung zusätzliche Möglichkeiten der ökonomischen Nutzung bot.
Für Mari Yamasaki ergibt sich durch die Mitarbeit in diesem innovativen und engagierten Projekt die Möglichkeit, wichtige Erkenntnisse über die Rezeption der maritimen Umwelt im Küstenbereich zu gewinnen und diese auch vor Ort selbst nachzuvollziehen. Die Ergebnisse der landschaftsarchäologischen Untersuchungen bilden einen wichtigen Baustein für das Dissertationsprojekt, der in der Zusammenschau mit den anderen untersuchten Quellen (zooarchäologisches Material, Importgüter, ikonographische sowie textliche Belege) schließlich ein Gesamtbild der antiken Konzeption von und der Interaktion mit den „seascapes“ bieten wird.

Vorstellung des Dissertationsprojekts von Mari Yamasaki: „Concepts of Seascapes and Marine Fauna in the Eastern Mediterranean Bronze Age“

Ein Beitrag von Katharina Zartner.
 
Am 01. Juni 2017 hat unsere Kollegin Mari Yamasaki ihr im letzten Herbst begonnenes Dissertationsprojekt mit dem Titel „Evolving concepts of seascapes and marine fauna in the Eastern Mediterranean during the Bronze Age“ im Rahmen der Plenumssitzung des Graduiertenkollegs vorgestellt. Sowohl den Professor*innen des Trägerkreises als auch den anderen Kollegiat*innen gewährte sie dabei interessante Einblicke in den aktuellen Stand ihrer Arbeit, ihre Methodik sowie in das weitere geplante Vorgehen und die Ziele des Dissertationsvorhabens.
 

Fragestellungen und Zielsetzung

Direkt zu Beginn ihres Vortrages nahm Mari Yamasaki eine mögliche kritische Frage vorweg: Warum ist es überhaupt gerechtfertigt, noch einmal zu „seascapes“ zu arbeiten, wurde das Thema doch in letzter Zeit in zahlreichen Untersuchungen bearbeitet? Doch gerade die Beschäftigung mit diesen neueren Abhandlungen macht nicht nur deutlich, welche Fortschritte in den letzten Jahrzehnten erzielt wurden, sondern auch, dass noch Lücken innerhalb dieses Forschungsfeldes bestehen. Daher wirft Mari Yamasaki in ihrem Dissertationsprojekt teils grundlegende und bisher unbeantwortete, teils weiterführende und teils gänzliche neue Fragen auf, so zum Beispiel:
 
Was ist überhaupt eine Küste? Diese Frage ist bei weitem nicht so simpel zu beantworten, wie es im ersten Moment vielleicht scheinen mag. Zunächst müssen Kriterien herausgearbeitet werden, die entsprechend der antiken Weltsicht charakteristisch für eine Küste sind und an denen sich somit ein entsprechendes zugrunde liegendes Konzept festmachen lässt. Um solche Kriterien zu definieren, muss die Frage gestellt werden, wie die Landschaft entlang der Küste und das Meer selbst von den Menschen, die dort lebten, wahrgenommen wurden und wie diese mit und in ihrer Umwelt (inter-)agierten. Besonders das Eingreifen in die maritime Landschaft sowie die Nutzung und Ausbeutung von Ressourcen und lokaler Fauna stehen dabei im Fokus. Der geographische Rahmen dieser Untersuchung wird durch jene Staaten und Gesellschaften abgesteckt, die während der Bronzezeit (ca. 2500–1000 v. Chr., mit Fokus auf dem 2. Jt. v. Chr.) direkt am Handel im östlichen Mittelmeerraum beteiligt waren: Ägypten, das Reich von Hatti, der mykenische Kulturkreis sowie die Stadtstaaten entlang der Levante-Küste. In den Blick genommen werden dabei insbesondere die Küstensiedlungen, die eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieses (Handels-)Netzwerkes spielten. Welche Beziehungen bestanden zwischen diesen Siedlungen untereinander, welche Art von Austausch fand zwischen ihnen statt und inwiefern fungierten sie als Vermittler gegenüber dem Landesinneren? Schließlich stellt sich natürlich die wohl wichtigste Frage: Wie lässt sich all das im archäologischen Befund fassen?

 

Ein rätselhafter Fisch – Die Materialgrundlage

Die zuletzt gestellte Frage leitet direkt über zur Materialgrundlage: Welche Quellen können zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen herangezogen werden? Mari Yamasaki wertet für ihre Untersuchung verschiedene Materialgruppen aus: zooarchäologisches Material, Importgüter, bildliche Darstellungen sowie Schriftquellen. Im aktuellen Stadium der Arbeit setzt sie sich verstärkt mit den ersten beiden Gattungen auseinander, während die beiden letztgenannten zu einem späteren Zeitpunkt ausgewertet werden sollen.
 
Das zooarchäologische Material, d.h. die in archäologischen Kontexten erhaltenen Überreste der antiken Fauna, setzt sich im Bereich der Küstensiedlungen v.a. aus Fischknochen, Muscheln und Überresten der sog. Murex-Schnecken, aus deren Sekret man in der Antike Purpur als Färbemittel gewann, zusammen. Die systematische Erfassung dieser Daten (biologische Klasse/Familie/Spezies, Menge, Fundort, Fundkontext usw.) anhand von publizierten Ausgrabungsberichten ist eine kleinteilige Arbeit, die sich jedoch schließlich auszahlt. Bei den vergleichenden Auswertungen des gesammelten Datenmaterials lassen sich beispielsweise Aussagen über die Verbreitung bestimmter Arten treffen. Als eindrückliches Beispiel lässt sich der rätselhafte Fall des Lates niloticus anführen, des sog. Viktoriabarsches aus der Familie der Riesenbarsche. Knochen dieser auch bei uns heute beliebten Speisefischart finden sich an zahlreichen der untersuchten Küstenfundorte. Doch warum sind Fischknochen am Meer ein so ungewöhnlicher Fund? Ein anderer Name für diese Fischart liefert einen Hinweis: Nilbarsch. Denn es handelt sich beim Lates niloticus keineswegs um eine im Mittelmeer heimische Art, sondern um einen Süßwasserfisch, der in Flüssen, bspw. im Nil in Ägypten, beheimatet ist. Da die Fischknochen in solch auffälliger Quantität gefunden wurden, kann davon ausgegangen werden, dass diese spezielle Art in größeren Mengen importiert wurde. Warum ein derartiger Aufwand für die Beschaffung einer bestimmten Fischart betrieben wurde, obwohl das Mittelmeer doch ausreichend Möglichkeiten zum Fischfang bot, ist eine der vielen interessanten weiterführenden Fragen, die sich bei der Betrachtung des Materials ergeben und auf die es Antworten zu finden gilt. Einen Hinweis liefert möglicherweise ein in Hala Sultan Teke (Zypern) gefundener Krater, der die Darstellung von mehreren Fischen zeigt. Noch ist die abgebildete Art nicht eindeutig identifiziert, doch könnte es sich dabei ebenfalls um Nilbarsche handeln.

Daten aus erster Hand: Archäologische Feldforschung

Mari Yamasaki verwendet für ihre Studie nicht nur bereits veröffentliche Daten, sondern hat außerdem die einzigartige Möglichkeit, Forschungsdaten aus erster Hand einfließen zu lassen. Bereits seit mehreren Jahren ist sie Teil eines internationalen Teams, das im Rahmen des Moni Pyrgos Pentakomo Monagroulli Survey Projektes (kurz: MPM) der Universität Chieti-Pescara (Italien) auf Zypern archäologische Untersuchungen der Küstenlandschaft mittels Surveys/geo-archäologischer Prospektion an Land und unter Wasser durchführt: Ziel des Projektes ist es zum einen festzustellen, inwiefern sich die Nutzung und Ausbeutung der maritimen bzw. der Küstenlandschaft über die Jahrtausende hinweg veränderten, denn Spuren menschlicher Aktivitäten lassen sich in diesem Bereich bereits für das Neolithikum nachweisen. Welches Potential der Nutzung bestand überhaupt zu welcher Zeit und wie wurde mit den bestehenden Ressourcen umgegangen? (Im Blog-Beitrag vom 05.06.2017 berichtet Mari Yamasaki von ihrem Aufenthalt auf Zypern im Mai, von den jüngsten Ergebnissen des Projektes, inwiefern menschliches Eingreifen in die Küstenlandschaften auch ein ganz aktuelles Thema ist und wie dies die Arbeit der Archäolog*innen vor Ort beeinflusst.) Die Untersuchungen ergaben, dass sich der Verlauf der Küstenlinie im Laufe der Zeit stark verändert hat. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass im untersuchten Gebiet ein Fluss direkt ins Mittelmeer mündet, was der antiken Bevölkerung zusätzliche Möglichkeiten der ökonomischen Nutzung bot.
Für Mari Yamasaki ergibt sich durch die Mitarbeit in diesem innovativen und engagierten Projekt die Möglichkeit, wichtige Erkenntnisse über die Rezeption der maritimen Umwelt im Küstenbereich zu gewinnen und diese auch vor Ort selbst nachzuvollziehen. Die Ergebnisse der landschaftsarchäologischen Untersuchungen bilden einen wichtigen Baustein für das Dissertationsprojekt, der in der Zusammenschau mit den anderen untersuchten Quellen (zooarchäologisches Material, Importgüter, ikonographische sowie textliche Belege) schließlich ein Gesamtbild der antiken Konzeption von und der Interaktion mit den „seascapes“ bieten wird.

Familiengeschichte mit doppeltem Boden – Barbara Stellbrink-Kesy und ihre Großtante Irmgard Heiss

Barbara Stellbrink-Kesy (Jg. 1952) ist Vorstandsmitglied im Förderkreis Gedenkort T4 e.V. und arbeitet als Kunsttherapeutin und Heilpraktikerin für Psychotherapie in Berlin. Ihren beruflichen Schwerpunkt bildet seit 2003 die transkulturelle bzw. interkulturelle Kunsttherapie sowie die Kunsttherapie mit Kindern und Jugendlichen und speziell mit Frauen. Bei einem Umzug nach dem Tod ihres Vaters offenbarte sich ihr – buchstäblich – die Doppelbödigkeit der eigenen Familiengeschichte und eine umfangreiche Spurensuche begann.

 

[caption id="attachment_14082" align="aligncenter" width="478"] Zwei mutige Frauen: Barbara Stellbrink-Kesy und Irmgard Heiss (1897-1944).[/caption]

 

 

Julia Frick: Wann hast Du begonnen, über das Schicksal Deiner Großtante nachzuforschen? Kannst Du dich an einen Moment erinnern, der ausschlaggebend für den Beginn Deiner Recherchen war?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Zum ersten Mal sprachen meine Eltern Mitte der 90er Jahre in meiner Gegenwart über Irmgard Heiss. Ich war schon über 40 Jahre alt, sieben Jahre nach ihrem Tod geboren und in ihrem Elternhaus aufgewachsen. Mein Vater vermutete, Irmgard, die Schwester seiner Mutter, könne ein Opfer der Krankenmorde geworden sein, er wisse aber nichts Genaues. Es schockierte mich, dass ein Mitglied der Familie jahrelang einfach verschwiegen worden und unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen war. Gegenüber uns ‚Kindern‘ war das Familiengeheimnis offensichtlich streng gewahrt worden. Einige Zeit nach diesem Gespräch gab mir mein Vater eine Fotografie und einen handgeschriebenen Brief seiner Tante. Das waren meine ersten Anhaltspunkte.

 

Als ich dann nach dem Tod meines Vaters einen Schrank von einem Raum in einen anderen transportierte, fiel darin etwas polternd zur Seite, was sich als eingebauter doppelter Boden herausstellte. Darunter fanden sich Irmgards letzte Briefe aus den Jahren 1939 – 42 an die Familie…

 

 

Julia Frick: Was waren danach Deine ersten Schritte und Anlaufstellen?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Niemand in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hatte bis dahin von einem ähnlichen Fall berichtet. Ich selbst war seit meiner Jugend  politisch interessiert und keineswegs uninformiert – doch dieses Thema stellte offenbar ein Tabu dar. Es war schwer, mit einer Geschichte umzugehen, für die es an Worten und Bildern fehlte. Ich versuchte zunächst, die in Sütterlin eng beschriebenen Briefe zu entziffern. Dazu wandte ich mich an diejenigen in der Familie, die noch direkt mit Irmgards Lebensgeschichte zu tun gehabt haben konnten. Die Nichte Irmgards half mir bei der Transkription der Briefe. Ihr Vater Karl-Friedrich Stellbrink war Irmgards Bruder gewesen, Pfarrer in Lübeck.

 

Ich rätselte damals noch, was es mit den Absender-Adressen der Anstalten ‚Lengerich‘ und ‚Weilmünster‘ auf sich hatte. Als ich dann 2003 einen Vortrag zum Thema „Psychiatrie im Nationalsozialismus“ hörte, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl: Was in unserer Familie geschehen war, stand in einem größeren Zusammenhang, es ist wichtig. Anschließend sprach ich den Vortragenden aufgeregt an um herauszufinden, welche Anstalten hinter diesen Adressen stehen mochten.

 

Im Jahr 2008 half mir ein Historiker dabei, die Krankenakte der Patientin Irmgard Heiss im westfälischen Landesarchiv zu finden. Die Akte des ‚Lindenhauses‘ erwies sich als vollständig über den Zeitraum von 1925 – 1944. Doch die Eintragungen stellten sich mir zunächst als verwirrende Fülle von Einzelinformationen dar. Viele Dokumente waren erschreckend in Wortwahl und Duktus. Da war von „Parasitismus Sozialis“ die Rede, sowie von „Minderwertigkeit“, „moralischem Schwachsinn“und „Asozialität“. Von solchen ‚Diagnosen‘ hatte ich noch nie gehört. Widersprüchliche Informationen gaben mir Rätsel auf: Warum wollen die Psychiater Irmgard Heiss 1925 nach ihrer Aufnahme gleich wieder entlassen, bezeichnen sie als „nicht irrenanstaltspflegebedürftig“? Und warum machten sie die Ankündigung dann doch nicht wahr? Warum wurde Irmgard stattdessen in die Anstalt Gütersloh verlegt, und warum schrieb der dortige Direktor Simon in ihrem Fall derartig menschenverachtende Briefe an den Landeshauptmann in Münster? War sie denn nun krank gewesen oder nicht?

 

Ich besuchte Tagungen, studierte die Literatur, sprach Fachleute an, und ein mühsamer Prozess begann. Viel Unterstützung bekam ich zwar ehrlich gesagt nicht, aber immerhin waren weitere Schritte in der Recherche möglich.

 

 

Julia Frick: Wie hat Deine Familie bzw. Dein Umfeld auf Dein Engagement reagiert?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Meine enge Familie war interessiert, andere hielten sich bedeckt. Auch jene Nichte, die mir beim Entziffern der Briefe geholfen hatte, war erschüttert, als ihr klar wurde, wie wenig sie über dieses Familienmitglied wusste. Mit dem Auffinden der Krankenakte wuchsen bei ihr Befürchtungen, es könne nun erneut ein Schatten auf das Andenken ihres Vaters fallen. Das Stigma schien durch die Generationenfolge hindurch seine Wirkung nicht verloren zu haben.

 

Nach und nach fand ich mit ihr gemeinsam heraus, worum es in ihren Befürchtungen genau ging: Würde jemand Karl-Friedrich Stellbrink nun rückwirkend vorwerfen, dass er seine Schwester nicht selbst aus der Anstalt abgeholt und gerettet hatte? Würde die nunmehr nachgewiesene Existenz einer Schwester, die Psychiatriepatientin war, als Indiz für eine angebliche Persönlichkeitsstörung Stellbrinks gewertet werden, wie sie nach seiner Verurteilung – und bis weit in die Nachkriegszeit hinein – gelegentlich behauptet worden war?* Musste nicht zwangsläufig ein schlechtes Licht auf Hildegard Stellbrink fallen, weil auch sie die Schwägerin und enge Freundin nicht gerettet hatte?

 

Einerseits wollte ich nun für Irmgard einen Stolperstein vor ihrem Elternhaus verlegen lassen, ein kleines Familienritual ermöglichen, um ihr ihren Platz im Familiengedächtnis zurückzugeben. Ihr Leben und Sterben weiterhin zu verschweigen, erschien mir als ein untergründiges Weiterwirken der Rassenhygiene und des nationalsozialistischen Denkens. Ich fand es schwer erträglich, dass das Andenken des einen Opfers gegen dasjenige des anderen aufgerechnet werden sollte.

 

Andererseits wollte ich keine Schritte gegen den Willen meiner Tante unternehmen, das war für mich ein Gebot des Respekts. Aber je mehr Einblick ich in die Zusammenhänge gewann, umso eher konnte ich ihre Befürchtungen entkräften. So kam es, dass nach zehn Jahren intensiver Auseinandersetzung die letzte noch lebende betroffene Angehörige dieser Generation ihre Einstellung veränderte. Seit 2011 liegt ein Stolperstein vor dem Elternhaus Irmgards in Detmold, der bislang Einzige in der Stadt. Meine Tante, bis ins hohe Alter geistig rege, die viel für das ehrende Andenken an ihren Vater getan hatte, war mir im Verlauf dieser Zeit zu einer wichtigen Zeugin und Vertrauten in der Aufarbeitung geworden. Als sich die Möglichkeit einer Kurzdarstellung der verschlungenen Lebenswege der Geschwister Irmgard Heiss und Karl-Friedrich Stellbrink im Rahmen der Ausstellung „Erfasst – Verfolgt – Vernichtet“ der DGPPN bot, war ich froh über ihre Zustimmung für eine Veröffentlichung.

 

* Mehr über Karl-Friedrich Stellbrink und die ‚Lübecker Märtyrer‘ finden Sie hier

 

 

Julia Frick: Was konntest Du letztlich über Deine Großtante herausfinden?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Irmgard ist in ihrer Jugend sehr musikalisch gewesen, sie tanzte und sang und wäre gern Künstlerin geworden, was von der pietistischen Familie jedoch missbilligt wurde. Später heiratete sie dann auch noch ‚unter ihrem Stand‘, nämlich einen Bergmann. Sie erlebte häusliche Gewalt, wollte sich scheiden lassen, geriet in Not. Als sich ihr Mann in Untersuchungshaft befand, plante sie mit ihren kleinen Söhnen die beschwerliche Schiffsreise nach Brasilien zu Bruder und Schwägerin, die dort deutschsprachige Kolonisten seelsorgerisch betreuten. Doch eine erneute Schwangerschaft zerstörte die Hoffnung auf einen Neubeginn. Irmgard gab die Kinder schweren Herzens in Pflegefamilien und brachte im Krankenhaus ein gesundes Mädchen zur Welt. Doch als sie sich dort gegen die Reglementierungen mit vorgeschriebenen Stillzeiten wehrt, wird sie von Baby Meta, zweieinhalb Monate alt, getrennt und als ‚geisteskrank‘ in die Psychiatrie eingewiesen.

 

Diese Diagnose zweifeln die Psychiater an und wollen sie entlassen. Doch wohin? Ihre Eltern wollen sie nicht unterstützen, die Ehe will sie unter keinen Umständen fortsetzen. Die Ärzte können sich damals nicht vorstellen, dass diese Frau ohne Aufsicht und strenge Führung eines Mannes leben kann. Ein sozialhygienisch orientierter Amtsarzt schreibt 1926, er sehe sich wegen ihrer „Haltlosigkeit und Triebhaftigkeit“ gezwungen, diese Frau aus der Gesellschaft auszuschließen. Sie müsse „in Anstalten gehalten“ werden, denn andernfalls bestehe die Gefahr, dass sie erneut „belastete Kinder“ in die Welt setze. Als Irmgard  im Sommer 1926 dann doch entlassen wird, ist Baby Meta im Waisenhaus von Bethel an Diphterie gestorben und die Scheidungsklage abgewiesen.

 

Am Tag nach der Entlassung beantragen ihre Eltern, in ihrer Familienehre schwer angeschlagen, mit Unterstützung des Amtsarztes Irmgards Entmündigung. Diese taucht unter,  hält sich mit Fabrikarbeit über Wasser. 1928 wird sie mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus von Münster aufgenommen. Dort will sie auf ihrer Station  in suizidaler Absicht den Medikamentenschrank aufbrechen. „Weil ich überflüssig bin, auf der Welt“, sagt sie. Es folgt erneut die Überführung in die Psychiatrie. Sie erhält nun die Diagnose Schizophrenie und wird letztlich entmündigt. Auch die Ehe wird jetzt, unter anderen Vorzeichen, geschieden. Ihr Bruder Karl Friedrich und seine Frau Hildegard, gerade vom anstrengenden Auslandspfarramt aus Brasilien zurückgekehrt, erklären sich auf Bitten der Großeltern bereit, Irmgards Söhne Ewald und Hugo aufzunehmen. Sie erwägen, auch Irmgard zu sich zu holen, doch die Ärzte raten ihnen ab. Irmgard Heiss ist nun Patientin in Lengerich und wird dort die nächsten zehn Jahre verbringen.

 

Am 7. August 1941 dann reist Karl-Friedrich Stellbrink beunruhigt und völlig überlastet von Lübeck nach Detmold, um seine Schwestern vor den unmittelbar drohenden Verlegungen von Patienten aus Westfalen und Schleswig-Holstein in die sogenannten Mordanstalten zu warnen. Hitler hatte gerade den Stopp der Vergasungen verfügt, unter anderem wegen der berühmten Predigten des Bischofs Clemens August Graf von Galen, die auch die vier Lübecker Geistlichen heimlich verbreitet hatten. Statt in der Tötungsanstalt Hadamar zu enden, wie vorgesehen, strandete darum bald darauf der letzte Transport aus Lengerich in der ‚Zwischenanstalt‘ Weilmünster. Unter den westfälischen Patienten war auch Irmgard Heiss. Ein Besuchsverbot für Verwandte war angeordnet, und es gab für die verlegten Patienten kaum mehr Versorgung, denn das Morden wurde nun mit anderen Mitteln weitergeführt. Der zuständige Anstaltsdezernent Bernotat, wird als ein besonders eifriger Überzeugungstäter beschrieben.

 

 

Jedes rekonstruierte Leben schließt einen bis dahin ausgegrenzten Menschen wieder in die Erinnerung ein und bietet Möglichkeiten, die Dinge besser im Zusammenhang zu begreifen.

 

 

Julia Frick: Wie würdest Du den Einfluss beschreiben, den Deine Recherchen auf Dich selbst hatten und haben?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Ich schreibe seit einiger Zeit an Irmgards Biografie, das hat natürlich mein Leben verändert. Die Quellen, die ich zur Verfügung habe, die Briefe an meine Urgroßeltern nach Brasilien, schildern das Geschehen aus ihrer Sicht. Karl-Friedrichs und Irmgards beeindruckende Briefe ordnen sich allmählich wie von selbst zu einem Gesamtbild – eine Erzählung entsteht. Da diese Quellen so viele Zusammenhänge aufzeigen, ist es eine sehr herausfordernde Aufgabe, die Zeit und Sorgfalt benötigt. In einem eigenen Teil des entstehenden Buchs erkläre ich die Hintergründe, z.B. die Frage nach der damaligen Psychopathiediagnose. Die Veröffentlichungen anderer Angehöriger von Opfern der Krankenmorde waren für mich inspirierend und ermutigend. Jedes rekonstruierte Leben schließt einen bis dahin ausgegrenzten Menschen wieder in die Erinnerung ein und bietet Möglichkeiten, die Dinge besser im Zusammenhang zu begreifen.

 

Ich habe daher auch viel über meine Geschichte erfahren. Mir ist z.B. klar geworden, wie sehr mein Vater Ängste auf mich projiziert hatte, ich könne seiner Tante ähnlich sein. Als Kind spürte ich diese Ängste, das Geheimnis und die buchstäbliche ‚Doppelbödigkeit‘ der Familienerinnerung. Die Recherche förderte zutage, dass ich allen Grund hatte, meiner Wahrnehmung zu vertrauen.

 

Auch schaue ich jetzt genauer auf die heutigen Entwicklungen im Gesundheitswesen, die ja unter Vorzeichen der Ökonomisierung stehen, ähnlich wie in der Weimarer Zeit. Was mich aktuell sehr beschäftigt ist z.B. die Frage, warum die Gesellschaft den damaligen Psychiatern so viel unhinterfragte Macht übertragen hat. Die Geschichte konsequent aus Irmgards Sicht zu erzählen, auf der Grundlage der Dokumente und eingebettet in die Literatur, heißt für mich auch, die Deutungsmacht  dieser damaligen Psychiater zu brechen und den Machtmissbrauch, den Verrat an den Patienten sichtbar zu machen. Und der begann in diesem Fall schon 1925. Oft genug wird mir diese Feststellung als Anmaßung ausgelegt, ich muss also auch sehr widerständig sein, wie meine Großtante Irmgard. Wer weiß, vielleicht hätte ich 1925 auch eine „Psychopathiediagnose“ bekommen?

 

 

Julia Frick: Was treibt dich und Deine Arbeit an?

 

Barbara Stellbrink-Kesy: Unangepasste Frauen, als „asozial“ abgestempelt, sind bis heute als Opfer des Nationalsozialismus nicht anerkannt. Irmgards Lebensgeschichte kann als beispielhaft für Frauen betrachtet werden, die in jener Zeit gegen moralische Normen verstießen. Viele von ihnen landeten statt in den Psychiatrien später in KZs oder wurden zwangssterilisiert. Das Stigma von ihnen zu nehmen, ihre Einzelschicksale in die Erinnerungskultur einzuschließen und in ihrem widerständigen Handeln auch Keimformen kommender Veränderungen zu erkennen, das ist mir wichtig.

 

Motivation war mir auch meine Arbeit als Kunsttherapeutin mit Heilpraktikererlaubnis im Bereich der Psychotherapie. Die Erkenntnis: Wer seine eigene Vergangenheit nicht beachtet, wird auch die entscheidenden Themen in den Biografien anderer Menschen nicht auffinden.

 

Zum Schluss möchte ich das Wort an Irmgard übergeben. 1940 schrieb sie als Randbemerkung an den letzten Brief, den sie aus der Anstalt Lengerich an ihren Sohn Ewald schickte:

 

„Ich weiß gar nicht, ob ich schon richtig gelebt habe? Bewusst jedenfalls nicht, darauf warte ich noch. Nur krank stellenweise und gehemmt. Und frei, aber verpönt.“

 

 

 

 

 

Hier können Sie die vollständige Biografie von Irmgard Heiss nachlesen:

http://www.gedenkort-t4.eu/de/vergangenheit/heiss-irmgard

 

 

Mehr über Barbara Stellbrink-Kesy und ihre Arbeit finden Sie hier:

http://www.spielraum-fuer-kunst.de

 

 

 

 

Science Sips zum Thema Biodiversität im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane

Berlin | Museum für Naturkunde Berlin

Schon einmal Beifanggerichte probiert oder beim Algencocktail über biologische Vielfalt diskutiert? Die dritte Science Sips Veranstaltung der Reihe „Ein Geschmack der Zukunft der Meere“ im Museum für Naturkunde findet am 21. Juni um 19:00 Uhr (Einlass 18:30 Uhr) mit Kurzvorträgen und interaktiver Diskussion zu den Themen Biodiversität statt. Bei dieser Science Sips Veranstaltung werden außerdem die Gewinner des Rezeptwettbewerbs „Klug gefischt“ ausgezeichnet. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane hat gemeinsam mit EDEKA und dem WWF deutschlandweit nach den besten Rezepten mit nachhaltig gefangenem Fisch gesucht. Wir würden uns freuen, Sie zur Preisverleihung mit Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und den anschließenden Vorträgen der Science Sips-Veranstaltungsreihe begrüßen zu können: Die kulinarischen Partner Küstlichkeiten und Bone.Berlin servieren dabei Streetfood-Leckerbissen aus nachhaltigen Meeresprodukten. Eintritt: 5,-€, der Eintritt beinhaltet Streetfood-Häppchen 21.Juni 2017, Einlass 18.30 Uhr, Beginn 19.00 Uhr Anmeldung erbeten unter: besucherservice@mfn-berlin.de oder 030 2093 8550 Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.naturkundemuseum.berlin/gz Ein Projekt des Ecologic Instituts und des Museums für Naturkunde Berlin.

Karl Steinbuch: Von der Kybernetik zur Politik

Vor 100 Jahren, am 15. Juni 1917, wurde in Stuttgart Karl Steinbuch geboren. In den Fünfzigern entwickelte er den ersten deutschen Transistorrechner, das Informatik-System Quelle, und ein frühes neuronales Netz, die Lernmatrix. Ab 1958 lehrte Steinbuch in Karlsruhe. Er betrieb auch Zukunftsforschung und schrieb 1968 den Besteller „Falsch programmiert“. Später wurde er ein radikaler Konservativer….