Planet History

Daily Archives: 18. Juni 2017

Jungneolitischer Ahnenbaum?

Helmut Schlichtherle deutet so Wandmalereien aus steinzeitlichen Pfahlbauten: http://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/nbdpfbw/article/viewFile/28560/22771 (2016) Siehe auch http://www.konstanz.alm-bw.de/de/vorgeschichte-3.html So frühe Zeugnisse zur genealogischen Kultur?

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni, 9.30 Uhr

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Pfusch am Bau in der Antike: Der römische Ingenieur Nonius Datus und ein (fast) misslungener Aquädukt-Tunnel

An der Küste Algeriens lag in römischer Zeit die Stadt Saldae. Dort war im 2. Jh. n. Chr. von den lokalen Autoritäten der Bau einer Fernwasserleitung beschlossen worden. Aus einem 17 Kilometer (Luftlinie) entfernten Quellgebiet sollte Trinkwasser herangeführt werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde beim Militär um die Entsendung eines geeigneten Bauingenieurs angesucht (was darauf hindeutet, dass derlei Profis vor allem dort, und nicht im zivilen Umfeld zu finden waren). Der Bitte wurde entsprochen und man schickte einen Ingenieur namens Nonius Datus. Dieser begann die Arbeiten zwar, zog sich aber zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder zurück. Wer ihm nachfolgte ist nicht bekannt, doch traten nach einiger Zeit beim Bau eines Tunnels gröbere Probleme auf. Selbst ein Abbruch sämtlicher Bauarbeiten wurde deshalb schon in Betracht gezogen. Und obwohl seit dem Beginn des Aquäduktbaus ca. 15 – 20 Jahre vergangen waren, erinnerte man sich noch an jenen Mann, der ursprünglich Planung und Arbeiten geleitet hatte: Nonius Datus. Der mittlerweile in den Ruhestand getretene Veteran sollte den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen. Darüber berichtet er auf seinem Grabmonument in einer ausführlichen Inschrift, die unter anderem auch den Brief eines römischen Statthalters beinhaltet, wie aus nachfolgender Übersetzung hervorgeht.
Brief des Procurators (Statthalters) Varius Clemens an den Legionslegaten Valerius Etruscus: Sowohl die herrlichste Stadt Saldae als auch ich mit den Salditanern bitten Dich, Herr, dass Du Nonius Datus, Feldmesser und Veteran der Legio III Augusta, aufforderst, nach Saldae zu kommen, um von seinem Werk fertig zu stellen, was noch aussteht.

Nonius Datus: Ich habe mich aufgemacht und bin auf dem Wege unter Räuber geraten; ausgeraubt und verwundet bin ich mit den meinen entronnen; ich bin nach Saldae gekommen und habe den Procurator Clemens aufgesucht. Er hat mich zu dem Berg geführt, wo man über den misslungenen Tunnelbau klagte; man glaubte, ihn aufgeben zu müssen, weil der Vortrieb der beiden Stollen bereits länger ausgeführt war, als der Berg breit war. Es war offensichtlich, dass man mit den Vortrieben von der Trasse abgekommen war; so wie der obere Teil des Tunnels nach rechts, also nach Süden abwich, so ist in ähnlicher Weise der untere Teil ebenfalls nach rechts, also nach Norden abgewichen; beide Baulose haben also die Richtung verfehlt, weil man der Trasse nicht gefolgt war. Die exakte Trassenlinie war aber mit Pfählen von Ost nach West über den Berg abgesteckt worden. Damit aber beim Leser kein Missverständnis bezüglich der Stollen entsteht, wenn es hier ‚oberer‘ und ‚unterer‘ heißt, so ist das so zu verstehen: Mit ‚oberer‘ ist der Teil gemeint, in dem der Tunnel das Wasser aufnimmt, mit ‚unterer‘ der Teil, wo das Wasser wieder herauskommt. Als ich die Arbeiten zuteilte, damit sich jeder darüber im Klaren war, welche Strecken des Vertriebs er aufzufahren hatte, habe ich die Flottensoldaten und die Soldaten aus gallischen Hilfstruppen um die Wette arbeiten lassen (von beiden Seiten her), und so haben sie sich beim Durchstich des Berges getroffen. Ich also war es, der zuerst das Nivellement gemacht und den Bau der Wasserleitung organisiert und in die Wege geleitet hatte nach den Plänen, die ich dem Procurator Petronius Celer gegeben hatte. Das vollendete Bauwerk hat der Procurator Varius Clemens durch die Einleitung des Wassers seiner Bestimmung übergeben. [Die Transportleistung des Aquäduktes beträgt ?] Fünf Scheffel. Damit mein Bemühen um diesen Aquädukt von Saldae deutlicher erscheint, habe ich einige Briefe angefügt […]. 

(CIL 8,1 2728 | Übers.: Klaus Grewe)

Die für die heutige Forschung hochinteressante Grabinschrift deutet darauf hin, dass Nonius Datus sehr daran gelegen war, der Nachwelt nicht als Verantwortlicher für die Schwierigkeiten beim Tunnelbau des Aquädukts von Saldae in Erinnerung zu bleiben. Vielmehr präsentiert er sich – wohl zurecht – als Problemlöser. Da die beiden Bautrupps des im Gegenort-Verfahren geplanten Tunnels aneinander vorbeigegraben hatten (siehe Grafik), ließ Nonius Datus neue Vermessungen vornehmen und eine Querverbindung zwischen den beiden Teilstücken herstellen.
Nach ihrer Fertigstellung war die Fernwasserleitung 21 km lang und transportierte pro Tag ca. 10000 Kubikmeter Wasser. Jener Tunnel, der so ungemein viele Schwierigkeiten bereitet hatte, war 428 Meter lang und lag bis zu 86 Meter unter der Erde.

Misslungener Tunnelbau im Gegenort-Verfahren. Beide Bautrupps wichen unbeabsichtigt vom geplanten Trassenverlauf des unterirdischen Aquädukts von Saldae ab und verfehlten sich.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die für ihre Bauten auch heute noch berühmten Römer keinesfalls Wunderwuzzis waren, denen keine gröberen Fehler unterliefen. Im Gegenteil, die Bauforschung kennt längst etliche ähnlich gravierende Missgeschicke.

—————–


Weiterführende Literatur:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog: