Planet History

Daily Archives: 7. September 2017

Neues Denkmal erinnert an Patientenmorde im belarussischen Novinki

Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion traf das Territorium der damaligen Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (seit 1991: Republik Belarus) besonders hart. Infolge der Durchführung zahlloser Massenmorde sank die Bevölkerungszahl Belarus‘ um 1,7 Millionen Menschen; mehrere Hunderttausende Juden wurden gezielt durch Mitglieder der Einsatzgruppen erschossen, dazu kamen noch Morde an Roma und Kriegsgefangenen sowie ein Hungerplan, der gezielt die Menschen in den Städten dem Hungertod aussetzte, um Lebensmittel nach Deutschland bringen zu können.

 

Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern waren unter diesen Umständen nahezu ohne Chancen, den Krieg zu überleben. Nicht nur litten sie besonders unter dem von den Besatzern bewusst herbeigeführtem Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten, sondern sie wurden Ziel von Mordaktionen. Dies betraf beinahe alle Gebiete der besetzten Sowjetunion, wo im Rücken der Wehrmacht Einsatzgruppen Behinderte und psychisch Kranke erschossen und vergasten. Eine besondere Bedeutung nahmen dabei die Morde in Belarus ein, da sie zu den ersten koordinierten Aktionen gehörten, anhand derer zahlreiche Fragen berührt werden, die die Genese des Patientenmordes und damit verbunden des Holocaust sowie die Querverbindungen zur Aktion T4 im Altreich betreffen. Darauf kann hier nicht detailliert eingegangen werden, verwiesen sei auf einen Artikel von Gerrit Hohendorf und anderen im Gedenkstättenrundbrief 152.

 

In Minsk bestand eine psychiatrische Klinik in Novinki vor den Toren der Stadt, die auf dem Gelände einer Kolchose lag. Heinrich Himmler besuchte im Rahmen eines Besuches bei den Einsatzgruppen diesen Ort und gab dabei Artur Nebe die Weisung, die Kranken zu töten. Nebe war Führer der Einsatzgruppe B und als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes schon in die „Euthanasie“-Verbrechen involviert gewesen, da dieses Amt für die Lieferung u.a. der Gasflaschen an die T4-Tötungsanstalten zuständig war. Dass „Geisteskranke“ zu töten waren, scheint an der Ostfront allgemein akzeptiert gewesen zu sein. So notierte der Generalstabschef des Heeres, Franz Halder im September 1941 in seinem Kriegstagebuch:

Russen sehen Geistesschwache als heilig an. Trotzdem Tötung nötig.((zitiert nach Christian Gerlach, Kalkulierte Morde, Hamburg 1999, S. 1072)))

 

Artur Nebe wandte sich an Albert Widmann, einem im Krimialtechnischen Institut arbeitenden und bereits in der Aktion T4 versierten Chemiker mit der Bitte um Unterstützung. Widmann fuhr darauf hin nach Minsk, und nahm 400 Kilogramm Sprengstoff sowie zwei Metallschläuche mit. Mit dem Sprengstoff wurden Patienten des Krankenhauses Nowinki in einem Wald bei Minsk getötet; dies erwies sich aber als eine nicht effiziente Tötungsmethode. Mit Hilfe der Metallschläuche wurde am 18. September 1941 ein Badehaus des Krankenhauses mit Gas geflutet, um über 100 Kranke zu ermorden. Einige Tage später wurden die jüdischen Patienten von Nowinki erschossen. Später, am 6. und 7. Dezember, wurden auch noch 200 Patienten der psychiatrischen Abteilung des 2. Zivilkrankenhauses von Minsk erschossen.

 

 

Diese Verbrechen kamen bei zahlreichen Prozessen zur Sprache, unter anderem bei den Prozessen gegen Mitglieder und Führer von Einsatzgruppen wie Dr. Bradfisch in München, Georg Heuser in Koblenz und Karl Frenzl in Karl-Marx-Stadt. Auch in Minsk selbst kam es zu Verfahren, doch erst über 70 Jahre nach den Verbrechen rückten die Opfer der Verbrechen in den Fokus der Erinnerungskultur. Dank einer von der Stiftung EVZ geförderten Ausstellung in Minsk (Bericht hier), an der das einzige unabhängige Hochschulinstitut in Belarus, das European College of Liberal Arts mit ihrem Zentrum für Public History beteiligt war, kam es zu Kontakten zum psychiatrischen Krankenhaus. Alexej Bratochkin und Oleg Aizberg legten die Grundlagen, damit am 5. September 2017 ein Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Er wurde von Igor Zosimovich entworfen und enthält die Inschrift

Als ein Andenken und im Respekt vor der menschlichen Würde der von den Nazi-Okkupanten ermordeten Patienten des psychiatrischen Krankenhauses und der Arbeitskolonie Novinki

 

Für deutsche Ohren mag diese Wortwahl ungewohnt klingen, vielleicht sogar als antiquiert erscheinen. Betrachtet man aber den belarussischen Kontext, so ist dieses Denkmal als durchaus würdevoll und angemessen zu bezeichnen; es wirkt angesichts der etwa im Museum des Großen Vaterländischen Krieges aufgefahrenen Gigantomanie wohltuend bescheiden und zurückhaltend. Was nun noch zu wünschen wäre, ist, dass es auch in Belarus gelingen möge, den Opfern wieder einen Namen zu geben. Dazu sind aber noch umfangreiche Studien notwendig, und wohl auch ein weiterer Mentalitätswandel in der Erinnerungskultur Belarus‘.  Jedenfalls ist dieser Gedenkstein auch als ein Beispiel besonders gelungener Förderpolitik der Stiftung EVZ anzusprechen: Durch die finanzielle Unterstützung der Ausstellung in Minsk wurde letztlich nicht nur das Denkmal in Novinki ermöglicht, sondern es gelang auch, vielfältige und fruchtbare Arbeitsbeziehung zwischen Interessierten in Deutschland und Belarus herzustellen.

 

[gallery ids="14168,14167,14166,14159"]

Neues Denkmal erinnert an Patientenmorde im belarussischen Novinki

Der nationalsozialistische Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion traf das Territorium der damaligen Belarussischen Sozialistischen Sowjetrepublik (seit 1991: Republik Belarus) besonders hart. Infolge der Durchführung zahlloser Massenmorde sank die Bevölkerungszahl Belarus‘ um 1,7 Millionen Menschen; mehrere Hunderttausende Juden wurden gezielt durch Mitglieder der Einsatzgruppen erschossen, dazu kamen noch Morde an Roma und Kriegsgefangenen sowie ein Hungerplan, der gezielt die Menschen in den Städten dem Hungertod aussetzte, um Lebensmittel nach Deutschland bringen zu können.

 

Patienten in psychiatrischen Krankenhäusern waren unter diesen Umständen nahezu ohne Chancen, den Krieg zu überleben. Nicht nur litten sie besonders unter dem von den Besatzern bewusst herbeigeführtem Mangel an Nahrungsmitteln und Medikamenten, sondern sie wurden Ziel von Mordaktionen. Dies betraf beinahe alle Gebiete der besetzten Sowjetunion, wo im Rücken der Wehrmacht Einsatzgruppen Behinderte und psychisch Kranke erschossen und vergasten. Eine besondere Bedeutung nahmen dabei die Morde in Belarus ein, da sie zu den ersten koordinierten Aktionen gehörten, anhand derer zahlreiche Fragen berührt werden, die die Genese des Patientenmordes und damit verbunden des Holocaust sowie die Querverbindungen zur Aktion T4 im Altreich betreffen. Darauf kann hier nicht detailliert eingegangen werden, verwiesen sei auf einen Artikel von Gerrit Hohendorf und anderen im Gedenkstättenrundbrief 152.

 

In Minsk bestand eine psychiatrische Klinik in Novinki vor den Toren der Stadt, die auf dem Gelände einer Kolchose lag. Heinrich Himmler besuchte im Rahmen eines Besuches bei den Einsatzgruppen diesen Ort und gab dabei Artur Nebe die Weisung, die Kranken zu töten. Nebe war Führer der Einsatzgruppe B und als Chef des Reichskriminalpolizeiamtes schon in die „Euthanasie“-Verbrechen involviert gewesen, da dieses Amt für die Lieferung u.a. der Gasflaschen an die T4-Tötungsanstalten zuständig war. Dass „Geisteskranke“ zu töten waren, scheint an der Ostfront allgemein akzeptiert gewesen zu sein. So notierte der Generalstabschef des Heeres, Franz Halder im September 1941 in seinem Kriegstagebuch:

Russen sehen Geistesschwache als heilig an. Trotzdem Tötung nötig.((zitiert nach Christian Gerlach, Kalkulierte Morde, Hamburg 1999, S. 1072)))

 

Artur Nebe wandte sich an Albert Widmann, einem im Krimialtechnischen Institut arbeitenden und bereits in der Aktion T4 versierten Chemiker mit der Bitte um Unterstützung. Widmann fuhr darauf hin nach Minsk, und nahm 400 Kilogramm Sprengstoff sowie zwei Metallschläuche mit. Mit dem Sprengstoff wurden Patienten des Krankenhauses Nowinki in einem Wald bei Minsk getötet; dies erwies sich aber als eine nicht effiziente Tötungsmethode. Mit Hilfe der Metallschläuche wurde am 18. September 1941 ein Badehaus des Krankenhauses mit Gas geflutet, um über 100 Kranke zu ermorden. Einige Tage später wurden die jüdischen Patienten von Nowinki erschossen. Später, am 6. und 7. Dezember, wurden auch noch 200 Patienten der psychiatrischen Abteilung des 2. Zivilkrankenhauses von Minsk erschossen.

 

 

Diese Verbrechen kamen bei zahlreichen Prozessen zur Sprache, unter anderem bei den Prozessen gegen Mitglieder und Führer von Einsatzgruppen wie Dr. Bradfisch in München, Georg Heuser in Koblenz und Karl Frenzl in Karl-Marx-Stadt. Auch in Minsk selbst kam es zu Verfahren, doch erst über 70 Jahre nach den Verbrechen rückten die Opfer der Verbrechen in den Fokus der Erinnerungskultur. Dank einer von der Stiftung EVZ geförderten Ausstellung in Minsk (Bericht hier), an der das einzige unabhängige Hochschulinstitut in Belarus, das European College of Liberal Arts mit ihrem Zentrum für Public History beteiligt war, kam es zu Kontakten zum psychiatrischen Krankenhaus. Alexej Bratochkin und Oleg Aizberg legten die Grundlagen, damit am 5. September 2017 ein Gedenkstein der Öffentlichkeit übergeben werden konnte. Er wurde von Igor Zosimovich entworfen und enthält die Inschrift

Als ein Andenken und im Respekt vor der menschlichen Würde der von den Nazi-Okkupanten ermordeten Patienten des psychiatrischen Krankenhauses und der Arbeitskolonie Novinki

 

Für deutsche Ohren mag diese Wortwahl ungewohnt klingen, vielleicht sogar als antiquiert erscheinen. Betrachtet man aber den belarussischen Kontext, so ist dieses Denkmal als durchaus würdevoll und angemessen zu bezeichnen; es wirkt angesichts der etwa im Museum des Großen Vaterländischen Krieges aufgefahrenen Gigantomanie wohltuend bescheiden und zurückhaltend. Was nun noch zu wünschen wäre, ist, dass es auch in Belarus gelingen möge, den Opfern wieder einen Namen zu geben. Dazu sind aber noch umfangreiche Studien notwendig, und wohl auch ein weiterer Mentalitätswandel in der Erinnerungskultur Belarus‘.  Jedenfalls ist dieser Gedenkstein auch als ein Beispiel besonders gelungener Förderpolitik der Stiftung EVZ anzusprechen: Durch die finanzielle Unterstützung der Ausstellung in Minsk wurde letztlich nicht nur das Denkmal in Novinki ermöglicht, sondern es gelang auch, vielfältige und fruchtbare Arbeitsbeziehung zwischen Interessierten in Deutschland und Belarus herzustellen.

 

[gallery ids="14168,14167,14166,14159"]

Bürgerbeteiligung bei Bewertung: Schweiz geht voran

https://www.bar.admin.ch/bar/de/home/informationsmanagement/archivwuerdigkeit/diskutieren-sie-mit-.html (Via Joachim Kemper) „Sie interessieren sich für Politik und Verwaltung in der Schweiz? Sie haben einen Bezug zu Tätigkeiten des Bundes? Dann unterstützen Sie das Bundesarchiv dabei, die relevanten Informationen für die Archivierung auszuwählen. Geben Sie Rückmeldung auf einzelne … Weiterlesen

Baden-Württemberg: LfDI erwägt, die bisherige strikte Ablehnung der Nutzung sozialer Medien durch öffentliche Stellen zu überdenken

https://www.datenschutz.de/landesbeauftragter-begruesst-offenlegung-der-ueberlegungen-des-bundesverfas-sungsgerichts-zur-nutzung-sozialer-medien/ Anlass sind Überlegungen des Bundesverfassungsgerichts. „Dem praktischen Bedürfnis nach einer offenen, an der Lebenswirklichkeit der Bürger orientierten Information und Kommunikation öffentlicher-Stellen kann mit einer umsichtigen, (selbst-)kritischen Nutzung sozialer Plattformen wohl besser Rechnung getragen werden als durch das bisherige strikte … Weiterlesen

Bücherschätze aus der Bibliothek im Gymnasium Ernestinum zu Rinteln

Schwedt, Georg Bücherschätze aus der Bibliothek im Gymnasium Ernestinum zu Rinteln Paperback, 120 Seiten. Verlag: Books on Demand Erscheinungsdatum: 13.03.2017 ISBN-13: 978-3-7431-4183-4 Erhältlich als Buch € 5,99 und als E-book € 3,99. Verlagsinformation: Aus der ehemaligen Universität Rinteln (1621-1809) sind aus dem 16. und 18. Jahrhundert noch etwa 300 Werke als Teil der Kreisergänzungsbibliothek im 1817 eröffneten Gymnasium Ernestinum erhalten geblieben. 40 Werke, u.a. Luther-Schriften und eine frühe Lutherbibel werden ausführlich vorgestellt.

Stralsunder Bücherschätze

Kunkel, Burkhard Stralsunder Bücherschätze Harrassowitz-Verlag Erscheinungsdatum: 11.10.2017 39,80 Eur[D] / 41,00 Eur[A] ISBN 978-3-447-10834-8 Aus der Verlagsankündigung: […] eine für die Region bedeutende Bibliothek[…], deren Bestände auf frühe Kirchenbibliotheken, die alte Ratsbibliothek und die seit 1560 bestehende Bibliothek des Stralsunder Gymnasiums zurückgehen. Die Bestände dieser letztgenannten Bibliothek, seltene und eindrucksvollen Handschriften und Frühdrucke, sind jedoch bis heute zu Unrecht weitgehend verborgen geblieben. Der Band Stralsunder Bücherschätze möchte dem entgegenwirken und einem geneigten, möglichst großen Publikum eine Auswahl der kostbarsten, schönsten und inhaltlich interessantesten Werke aus … Stralsunder Bücherschätze weiterlesen

Öffentliche Sitzung der Kommission für Sacherschließung (KofSE) am 12.09.2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir möchten Sie zur öffentlichen Sitzung der KofSE an die Johannes Kepler Universität in Linz einladen. Programmschwerpunkt: Automationsunterstützte inhaltliche Erschließung Zeit: Di 12. Sept. 2017 von 15:00-16:30 Ort: Uni-Center, 1. Stock, Besprechungsraum 4 http://www.jku.at/VAM/content/e7096/e7019/e6998/e6979/e6976/uni_center_gr_ger.png Im Rahmen … Weiterlesen

Zur Digitalisierung der Materialität mittelalterlicher Objekte. Ein Bericht aus der wissenschaftsgeschichtlichen Werkstatt

Michael Schonhardt, Zur Digitalisierung der Materialität mittelalterlicher Objekte. Ein Bericht aus der wissenschaftsgeschichtlichen Werkstatt, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 7. September 2017, http://mittelalter.hypotheses.org/10930 „Egal, für welche digitale Lösung man sich entscheidet, das vielfältige und häufig kostenfreie digitale Angebot ermöglicht … Weiterlesen

Zukünftige Rolle der VÖB-Kommission für Formalerschließung: Diskutieren Sie mit!

Liebe KollegInnen, im Zusammenhang mit der im 4. Quartal 2016 durchgeführten Umfrage der VÖB-Kommission für Formalerschließung (damals noch VÖB-Kommission für Nominalkatalogisierung) zur Lage des Arbeitsbereichs, deren Ergebnisse am 5. Mai dieses Jahres veröffentlicht wurden (abrufbar unter https://doi.org/10.5281/zenodo.571457) darf ich daran erinnern, dass es im Rahmen … Weiterlesen

#MyEscape

Ein Dokumentarfilm zeigt Bilder der Flucht, die in den Medien nicht vorkommen * Von Hans-Ulrich Wagner * September 2017
Deutschland im Sommer 2015: Die Auseinandersetzung mit der sogenannten „Flüchtlingskrise“ findet auch und gerade in den Massenmedien mit ihren vielfältigen journalistischen Angeboten statt. Gegen die JournalistInnen werden bald heftige Vorwürfe erhoben. Sie würden zu unkritisch über die MigrantInnen berichten und über der „Willkommenskultur“ die gesellschaftspolitischen Probleme und Herausforderungen vernachlässigen. Ein weiterer Vorwurf lautet, zu häufig würden Printmedien über MigrantInnen berichten und zu selten würden sie ihnen selbst eine Stimme geben. In der digitalen Gesellschaft eröffnen die sozialen Medien den Betroffenen eine Möglichkeit, sich zu artikulieren.

Übernahme des Archivs des Verbandes Deutscher Schullandheime in das Archiv der BBF

Um Akten und Bildmaterial des Verbandes Deutscher Schullandheime e. V. (VDS) vorzuordnen und für den Transport nach Berlin sicher zu verpacken, waren im Juni 2017 drei Mitarbeiterinnen des Archivs der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung (BBF) des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) nach Hamburg gereist. Das Bundesarchiv war zuvor zugunsten der BBF von einem bereits geschlossenen Vertrag zurückgetreten, um die Überlieferung im bildungshistorischen Kontext zu ermöglichen. Jetzt hat das BBF-Archiv die zeitintensive Sichtung des Bestandes in einem Umfang von 64 Umzugskartons abgeschlossen. Dabei … Übernahme des Archivs des Verbandes Deutscher Schullandheime in das Archiv der BBF weiterlesen

Krimskrams: Der Pileus Pannonicus des Campus-Galli-Drechslers — Doppelstandards bei Microsoft

Der Pileus Pannonicus des Campus-Galli-Drechslers

Ein Leser wies mich auf ein schönes Video mit aktuellen Eindrücken von der Mittelalterbaustelle Campus Galli hin. Interessant ist unter anderem der bei 0:20 auftauchende Drechsler des Projekts – siehe oben. Er trägt nämlich eine Art Pileus Pannonicus – also eine in der Spätantike gebräuchliche Kopfbedeckung, die schwerlich in die späte Karolingerzeit passt, in welcher der Campus Galli angesiedelt ist.
Ausnahmsweise habe ich unter dem Video einen Kommentar hinterlassen, in dem ich augenzwinkernd auf dieses Malheur hinwies. Dadurch wurde folgende Diskussion angestoßen, die sich phasenweise wie der Besuch in einer Klapsmühle oder Krabbelstube anfühlt 😊.
Nachdem ich keine Lust mehr hatte, meine Zeit mit dieser fruchtlosen Diskussion zu vertrödeln, schaltete sich unverhofft ein paar Tage später jener Leser ein, der mich ursprünglich auf das Video aufmerksam machte.

Die langjährige Erfahrung zeigt, dass der Campus Galli solche Schwachmaten geradezu magisch anzieht: Null facheinschlägige Kenntnisse (kann zweifellos eine Phrygische Mütze nicht von einer Pudelmütze unterscheiden), bis ins Mark ignorant, wehleidig, aber mit genügend Freizeit ausgestattet, um sich ohne Unterlass in haarsträubenden Sophismen zu ergehen.
Interessant wäre freilich, ob dieser Mensch gar in irgendeiner Weise direkt mit dem Campus Galli verbunden ist. Eventuell als Angestellter oder als Mitglied des Freundeskreises. Der sonst so gerne anonym in Erscheinung tretende Geschäftsführer ist es jedenfalls nicht, denn selbst dem – obwohl normalerweise um kaum eine Ausrede verlegen – wären die hier dargebrachten Kindereien zu peinlich …

—————–

Doppelstandards bei Microsoft

Der Stift meines Surface Tabletts hatte im Urlaub plötzlich den Geist aufgegeben. Möglicherweise war ich daran nicht ganz unschuldig – allerdings bin ich mir diesbezüglich auch nicht sicher. Auf jeden Fall habe ich umgehend den Support von Microsoft angerufen und frech gefragt, ob sie mir einen Ersatz schicken – kostenlos versteht sich (das Ding schlägt normalerweise mit über 60 Euro zu Buche). 
Nach dem üblichen, eher sinnlosen Hin und Her („haben Sie wohl die aktuellsten Treiber installiert, bla bla bla“) erklärte man sich zum Austausch bereit. Allerdings müsse ich den defekten Stift vorher einschicken.
In den Anweisungen für diesen Vorgang stand dann der Warnhinweis, unbedingt eine feste (steife) Kartonverpackung zu verwenden – ein Kuvert mit Luftpolstern ginge hingegen gar nicht, denn da wäre die Gefahr einer Beschädigung zu groß. Zwar war der Stift eh schon kaputt, aber wenn Microsoft kein Luftpolsterkuvert möchte, dann halte ich mich natürlich auch dran. 
Nach exakt einer Woche kam dann der nagelneune Ersatzstift von Microsoft mit UPS. Und wie war dieser verpackt? Genau, in einem schnöden Kuvert mit Luftpolstern ^^

—————–


Wahre Worte

Kürzlich habe ich einen schönen Satz gelesen, der immer öfter die Medien-Erfahrungen vieler Menschen widerspiegeln dürfte:
Ich fühle mich von den Journalisten seit jeher umfassend und wahrheitsgemäß informiert – außer auf dem Gebiet, wo ich mich auskenne.
  😄

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Das Kanzler-Duell: Wie nach dem TV-Duell mit Umfragen Politik gemacht wurde

Wer sich für Politik und aus professionellen Gründen auch für Umfragen interessiert, reibt sich nach dem sogenannten TV-Duell vom vergangenen Sonntag verwundert die Augen. In den Medien werden Umfragewerte verbreitet, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. In der ARD wurden während (!) und unmittelbar nach der Sendung Ergebnisse von Infratest bekanntgegeben: Merkel liege insgesamt mit 55% vor Schulz (35%). Beim /ZDF (Forschungsgruppe Wahlen) sehen die Ergebnisse dramatisch anders aus: 32% für Merkel, 29% für Schulz. 39% der noch unentschiedenen Wähler sehen keinen nennenswerten Unterschied. Beide Befragungen beanspruchen Repräsentativität, wobei allerdings die Forschungsgruppe Wahlen einräumt, dass ihre Ergebnisse nur repräsentativ für Politbarometer-Zuschauer sind, die zuvor angegeben haben, sich das TV-Duell anzuschauen, also überdurchschnittlich politisch interessiert sind. Objektiv betrachtet haben wir es also mit zwei unterschiedlichen Erhebungen zu tun.

Technik, die vor 100 Jahren begeisterte

Vor etwa 100 Jahren ging es in den Schreibstuben größerer Firmen, in Rathäusern und anderen Einrichtungen mit viel Schriftverkehr noch gemächlich bis beschwerlich zu. Teils an Schreibpulten mit Feder und Tinte oder aber auch schon an Tischen mit Schreibmaschinen mit so klangvollen Namen wie Excelsior, Olympia oder Gisela, wurde Adresse um Adresse geschrieben oder getippt. […]

L.I.S.A.live: „Wahlkämpfe als Geschichtskämpfe? Politik historisch“

Der Geschichtstalk im Super7000 | Do, 14.09. | 20.00 Uhr

In einer Woche diskutiere ich bei der Premiere des neuen Formats „Der Geschichtstalk im Super7000“ hier bei L.I.S.A. mit Prof. Dr. Antje Flüchter (Bielefeld), Prof. Dr. Eva Schlotheuber (Düsseldorf) und Prof. Dr. Marko Demantowsky (Basel) das Thema: „Wahlkämpfe als Geschichtskämpfe? Politik historisch“. Dabei wird es weniger um die historische Einzelbetrachtung vergangener Wahlkämpfe gehen, sondern vielmehr um die Frage, welche Vorstellungen von Geschichte sich insbesondere im gegenwärtigen Wahlkampf erkennen lassen. Wie verorten die Parteien welche Vorstellung von Geschichte in ihren Kampagnen? Auf welche Geschichtsbilder wird dabei zurückgegriffen? Mit welchen Dimensionen von Zeit kokettieren die Wahlkämpfer?