Planet History

Daily Archives: 11. September 2017

Schreiben und abschreiben – Gedanken über einen besonderen Lutherbrief

Ein Gastbeitrag von Karsten Uhde (Marburg) Im Lutherjahr haben Lutherbriefe Konjunktur. Das Erfurter Augustinerkloster bietet die Faksimiles zweier „Trostbriefe“ Luthers samt Transkription für erschwingliche zwei Euro zum Kauf und im Februar 2017 wurde ein Lutherbrief bei einer Auktion für 100 000 Euro angeboten. Allerorten werden Ausstellungen mit Originalschreiben des Reformators gezeigt und kaum eine Archivzeitschrift kommt ohne einen Artikel über Archivalien mit Lutherbezug aus1. Warum also eine weitere Abhandlung über Luther, noch dazu über eine Abschrift eines Lutherbriefes und nicht über dessen Original, das … Schreiben und abschreiben – Gedanken über einen besonderen Lutherbrief weiterlesen

Workshopbericht: Daten- und Metadatenformate und Import in das DARIAH-DE Repository

Die DARIAH-DE Forschungsdaten-Föderationsarchitektur stellt verschiedene Dienste und Anwendungen mit dem Ziel der komfortablen Aggregation und Nachnutzung von geisteswissenschaftlichen Forschungsdaten zur Verfügung. Eine zentrale Rolle spielt dabei das DARIAH-DE Repository. Wie aber gelangen Forschungsdaten in das Repository? Wie werden sie erschlossen? Wie verfügbar gemacht, vernetzt oder erweitert? Diesen und anderen Fragen widmete sich ein DARIAH-DE Workshop am […]

Neu bei ANNO 2017/3

Seit dem letz­ten Über­blick Neu bei ANNO 2017/2 wur­den die fol­gen­den Zeitungen und Zeitschriften im ANNO-Portal online gestellt: 31. August 2017 Unione nazionale 1913-1914 ist online. Vorwärts. Organ der Gewerkschaft Druck und Papier 1867-1877 ist online. Die Neuigkeiten 1854-1857 sind online. 31. Juli 2017 Der Lavanttaler Bote 1901-1938 … Weiterlesen

„Nimm den Ausdruck, den Du in guter Mundsprache verwenden würdest.“ Forderungen zur Amtssprache des Beamtentums im Nationalsozialismus

Auch wenn Hitlers Abneigung gegen jedwede Bürokratie, sein außerhalb jeder Verwaltungsroutine liegender Regierungsstil und wohl nicht zuletzt das Agitieren der Nationalsozialisten gegen ein vermeintliches „Parteibuchbeamtentum“ seit den zwanziger Jahren den staatlichen Verwaltungseliten ein überaus schlechtes Image bescherten: Das Beamtentum war ein elitärer Berufsstand, der in seiner traditionell staatstragenden Funktion, mit der Expertise und seiner berufsständischen

Einfache Antworten auf schwierige Fragen? Populismus heute und gestern

Geisteswissenschaften im Dialog am 20. Juni 2017 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaft

Rechtspopulistische Parteien und Bewegungen haben sich heute fast europaweit etabliert. Die Kampagne der eurokritischen Partei UKIP zum Brexit ist nur ein Beispiel dafür. In Deutschland sitzt mit der AfD eine rechtspopulistische Partei in elf Landtagen und in Polen ist die Partei „Recht und Gerechtigkeit“ an der Regierung. Anfang 2017 trafen sich Europas führende Rechtspopulisten, um vereint gegen Europas Vereinigung zu agieren. Populistische Bewegungen sind hingegen nichts Neues in Europa. Schon seit den 1970er Jahren hat sich in Frankreich mit dem Front National eine rechtspopulistische Partei entwickelt. Inwieweit sich auch auf der Linken populistische Bewegungen entwickelt haben, hängt weitgehend vom angewandten Kriterienkatalog ab. So unterscheiden sich z.B. die nationalen Einschätzungen erheblich, was die Zuordnung von Parteien wie Podemos oder Syriza angeht.Einfache Antworten auf schwierige Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens scheinen aktuell überall Konjunktur zu haben. Wann werden populistische Bewegungen besonders stark, wann schaffen populistische Politiker den Sprung in die Regierungsverantwortung? Gibt es eine populistische Versuchung auch für etablierte Parteien und ihre Politiker? Welche Mechanismen spielen eine Rolle bei der Bildung „öffentlicher Meinung“? Hat sich diese mit den Sozialen Medien verändert? Wie kann eine gesamtgesellschaftliche Debattenkultur ohne Populismus aussehen, die gleichzeitig die Kritik aus der Gesellschaft ernst nimmt und sich nicht durch die Beschwörung von Populismus als einem Menetekel dagegen abzuschotten versucht?

Fundstücke KW 36

Es war die Meldung der Woche auf skandinavischen und englischsprachigen Seiten: Neue Untersuchungen an einem Wikingerkrieger, der im 8. Jahrhundert in Birka bestattet worden war, scheinen „zweifelsfrei“ ergeben zu haben, dass es sich bei „dem“ Bestatteten um eine Bestattete handelt. … Weiterlesen

Studierende als „Außerirdische“ im Archiv, Projekt des Staatsarchivs Basel-Stadt

„E.T. – Exploratores tabularii“ Ein Projekt des Staatsarchivs Basel-Stadt mit drei Studierenden der Geschichte, September bis Dezember 2017. Link Das Grundproblem ist sicherlich in vielen Archiven bekannt: „Berührungsängste“ von Student*innen gegenüber Archiven (vielleicht auch manchmal umgekehrt), Archivarbeit spielt im Studium kaum eine Rolle etc. Ziel des Projekts, das über verschiedene Social Media-Kanäle verbreitet wird (es fehlt übrigens Instagram, warum?) : Um zu verstehen und um zu vermitteln. Archive sind  – wie Bibliotheken – unverzichtbare Ressourcen für Geschichtsforschende. Anders als mit Bibliotheken kommt man im … Studierende als „Außerirdische“ im Archiv, Projekt des Staatsarchivs Basel-Stadt weiterlesen

Toletum – VIII Workshop, 26. – 28. Oktober 2017

TOLETUM lädt ein: der 8. Workshop vom 26. bis zum 28. Oktober 2017 im Hamburger Warburg-Haus steht ganz im Zeichen der Frage Städte verbinden? Kommunikationswege auf der Iberischen Halbinsel. Natürlich gibt es auch dieses Jahr wieder die Gelegenheit, allgemein aktuelle Forschungsvorhaben vorzustellen – seien sie nun aus der Zeit der Republik, der Kaiserzeit oder der … „Toletum – VIII Workshop, 26. – 28. Oktober 2017“ weiterlesen

Genderlock(ed)? Eine Betrachtung des Diskurses über das (Selbst)Bild von Spielerinnen anhand des Beispiels AskReddit – Alexander Brand

Anlässlich des diesjährigen Studentischen Soziologiekonkgress in Chemnitz stellten wir uns die Frage, wer eigentlich hinter den markanten Vortragstiteln steckt. Wie kamen die Vortragenden zu ihren Themen und zur Soziologie? Was bewegt sie und was wollen sie bewegen? Was treibt sie an und was treibt sie um? Und…

Videos: Spannende Experimentalarchäologie auf dem Geiseltalsee — Pfusch am Fachwerkhaus — Primitive Sandalen im Eigenbau

Spannende Experimentalarchäologie auf dem Geiseltalsee | Spieldauer 10 Minuten | Youtube | Stream & Info

Ich verfolge die von Dominique Görlitz unternommenen experimentalarchäologischen Projekte zur prähistorischen Hochseefahrt schon seit Jahren mit Interesse. Sein als nächstes geplantes Abenteuer ist wieder besonders spannend und besitzt großes Potential, viele Menschen für diese Thematik zu begeistern.

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Primitive Sandalen im Eigenbau | Spieldauer 6 Minuten | Youtube/Primitive Technology | Stream & Info

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Totalschaden am Fachwerkhaus nach 20 Jahren Renovierung | Spieldauer 7 Minuten | Youtube | Stream & Info

Was für ein großer Schaden durch unsachgemäße Renovierung an einem alten Fachwerkhaus verursacht werden kann, wird in diesem Video gezeigt. Bemerkenswert daran ist auch, dass in einem Land, das für seine Regulierungswut berüchtigt ist, sich allem Anschein nach niemand für die ordnungsgemäße Instandhaltung historischer Bausubstanz wie der gezeigten zuständig fühlt. Da darf wohl gepfuscht werden, bis eines Tages der vielzitierte Arzt – in Form der Abrissbirne – kommt …

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 Mehr Videos

Die Archäologie hat die Marktkrankheit. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen und werfen die Geschichte weg.

Ende 2016 berichtete der Stockholmer Archäologe Johan Runer in der schwedischen Zeitschrift Populär Arkeologi über die in Schweden bei kommerziellen Grabungsfirmen gängige Praxis, Funde, die aufgrund der engen Finanzkalkulation nicht restauriert werden können, wegzuwerfen oder zu schreddern.
Runer benannte konkret zwei Ausgrabungen in Lund und  Molnby, bei denen Funde wie Kupfermünzen, Knöpfe, Beschläge, ein Messer, ein Blech mit Ornamenten sowie mehrere unidentifizierte Gegenstände weggeworfen worden sein sollen.
Ausgrabungen in Schweden 2013
(Foto: Västgöten [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
Rettungsgrabungen werden in Schweden – wie in manchen deutschen Bundesländern – mit privaten Gabungsfirmen vorgenommen, die sich mit einem entsprechenden Angebot für den Auftrag bewerben. Je weniger Funde zur Restaurierung vorgesehen sind, um so günstiger lässt sich das Auftragsangebot kalkulieren. 
Allerdings gibt es entsprechende Direktiven, die Funde auszudünnen, bereits von den staatlichen Auftraggebern. Runer schreibt:

„Oft, besonders bei kleineren Untersuchungen, lautet die Anweisung der Landesregierung, so wenig Funde wie möglich aufzuheben. Formulierungen wie „Es werden keine Funde aufgehoben“ oder „Die Fundeinsammlung wird äußerst restriktiv sein“ sind eher die Regel in den Direktiven. Auch bei den größeren Untersuchungen wird wesentlich mehr weggeworfen als früher.“ (Übersetzung: unzensuriert.at)

Das Vorgehen ist unverantwortlich, wenn es auch Situationen gibt, in denen Funde aus praktischen Gründen kassiert werden müssen. Es gibr Situationen auf Grabungen, bei denen Funde in so großer Zahl anfallen, dass letztendlich nicht alles geborgen, gelagert und restauriert werden kann. Das gilt beispielsweise für Dachziegel, bisweulen auch für Nägel oder Grobkeramik. Aber auch dann ist sicherzustellen, dass die Quelleninformationen gesichert werden, etwa durch gezielte Stichproben oder durch eine Kurzaufnahme vor Ort, die in Zeiten der Digitalkamera auch eine rasche fotographische Dokumentation umfassen kann.  Das Problem ist weniger das Wegwerfen als vielmehr das finanzielle Auswahlkriterium. In jedem Fall müssen die Funde in der Grabungsdokumentation erfasst werden, so dass zumindest Kartierungen möglich sind. Nicht jeder Ziegel kann beispielsweise archiviert werden, zumal seine Aussagen eher in der Fundkartierung liegt, die dann wichtige Hinweise auf die Rekonstruktion des Dachs eines Hauses geben kann.
Entscheidend  dürfen letztlich nur wissenschaftliche Fragestellungen sein, eine verantwortungsbewusste Entscheidung ist durch den Grabungsleiter oder erfahrene Wissenschaftler zu treffen, nicht, wie das in Schweden Praxis zu sein scheint, schon am Befund durch die betreffenden, meist eher weniger erfahrenen  Ausgräber.
Auch scheint nach Runers Artikel in den Berichten nicht immer klar kommuniziert zu werden, was denn nun entsorgt worden ist. Immerhin listet der von Runer zitierte Bericht einer Grabung in Lund die weggeworfenen Objekte kurz auf. Insgesamt erinnert die Praxis mehr an ein Vertuschen als an Wissenschaft, die eben situativ reagieren muss und nicht mit standardisierten Abläufen zu leisten ist.
Gegenüber dem Svenska Dagblatt kommentiert Johan Runer:

Wir werfen unsere Geschichte weg! […] Es ist völlig verrückt, aber diese Branche hat die Marktkrankheit bekommen. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen.

Das ist ein Skandal, aber gleichzeitig zeigt der Artikel von Runer, dass die wissenschaftliche Selbstkontrolle prinzipiell funktioniert. Allerdings müssen dann jetzt auch rasch Konsequenzen gezogen werden und die betreffende Praxis abgestellt werden. Dass Runers Artikel kaum Resonanz gefunden hat, ist allerdings bedenklich. In einer Stellungnahme betont das Riksantikvarieämbetet die Priorität der wissenschaftlichen Kriterien. Bei dem zitierten Fall aus Lund seien moderne Gegensände ausgesondert worden (spätes 18. Jahrhundert und jünger [was seinerseits in der Tat noch viel zu wenig diskutierte Fragen nach dem Umgang mit der Neuzeitarchäologie aufwirft]). Inzwischen seien die Verfahren insofern geändert, als die Konservierungskosten bei den Preisangeboten für die Grabungen herausgenommen wurden. Das Problem liegt auch hier in der Nachfinanzierung der Grabungen, die bei einem Verursacherprinzip oft die Auswerungs-, Restaurierungs- und Lagerkosten außer Acht lässt. 

Wasser auf die Mühlen rechter Verschwörungstheoretiker

Natürlich  nutzen einige Kreise diese Nachrichten um gegen professionelle Archäologie Stimmung zu machen. In der European Union Times, einem rechten Propagandaorgan wird der Vorgang als Teil einer Verschwörung dargestellt: „The struggle to erase Swedish history, break down Swedish culture and force the Swedes to assimilate into the multicultural globalist phenomenon is going according to plan.“ Als Quelle wird ein Verweise auf The Daily Westerner News gesetzt, das die Geschichte mit einem Symbolbild mit antisemitischer Symbolik verknüpft.

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