Planet History

Daily Archives: 2. Oktober 2017

Neuerscheinung zur Geschichte der Berliner Secession

Die Berliner Secession, als deren wesentlichen Exponenten Max Liebermann, Walter Leistikow, Lovis Corinth und Max Slevogt, gelten, spaltete sich 1913. Über ihr Wirken danach ist bislang wenig bekannt. Diese Lücke schließt die soeben im Schweizer Nimbus Verlag erschienene Studie von Anke Matelowski auf eindrucksvolle Art. Mit einer großen Zahl weitgehend unbekannter Quellen beleuchtet sie detailliert … Neuerscheinung zur Geschichte der Berliner Secession weiterlesen

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Interview mit dem Experimentalarchäologen Marcus Junkelmann: Von Junk-Living-History und Billig-Reenactment

Marcus Junkelmann zählt zweifellos zu den bedeutendsten und bekanntesten Pionieren der Experimentellen Archäologie. 1985 erregte der praktizierende und darstellende Militärhistoriker zum ersten Mal größeres Aufsehen, als er zusammen mit acht Gefährten in römischer Legionärsausrüstung von Italien nach Deutschland marschierte; Vierundzwanzig Tage dauerte dieser von großem Medieninteresse begleitete Alpenmarsch. Wenige Jahre später wiederholte Junkelmann das Experiment, nun allerdings in Form eines dreißigtägigen Ritts entlang des obergermanisch-raetischen Limes; selbstverständlich wieder in historisch möglichst korrekter ‚Adjustierung‘, deren Praxistauglichkeit man ausgiebig testete. Die Ergebnisse wurden in populären, immer wieder neu aufgelegten Büchern veröffentlicht. Zu nennen sind hier beispielsweise Die Reiter Roms (4 Auflagen), Panis Militaris (3 Auflagen), Die Legionen des Augustus (15 Auflagen!).
Mit allgemein verständlichen, gut illustrierten Publikationen wie diesen, befeuerte Junkelmann besonders im deutschen Sprachraum das, was heute gemeinhin als „Reenactment“ oder „Living History“ bezeichnet wird; also das praktische Nachempfinden vergangener Lebenswelten auf Grundlage möglichst harter wissenschaftlicher Fakten.
Doch es ist längst nicht alles Gold, was da glänzt. So attestiert Marcus Junkelmann beispielsweise in der jüngsten Auflage seines Buchs Die Legionen des Augustus dem Römer-Reenactment einen qualitativen Verfall. Darüber sowie über einiges mehr – wie etwa Frauen in Rüstung, peinliche Schlachten-Reenactments und museumsdidaktische Kasperltheater – wird es in folgendem Interview gehen.


Lieber Herr Junkelmann, Ihr vor über dreißig Jahren durchgeführter Marsch über die Alpen verursachte Kosten von rund dreihunderttausend Mark. Sie mussten sogar eine kleine Eigentumswohnung verkaufen, um die Finanzierung der teuren Ausrüstung stemmen zu können. Nun hat sich seit damals einiges geändert; der von Ihnen mitausgelöste Living-History- bzw. Reenactment-Boom bewog zahlreiche Handwerker dazu, sich als Zulieferer der neu entstandenen Szene zu betätigen, was wiederum zu einem Sinken der Preise führte. Günstig ist beispielsweise eine hochwertige Legionärsausrüstung trotzdem nicht. Manch Einsteiger bedient sich daher bei Billigherstellern wie der indischen Firma Deepeeka. 
Was konkret stört Sie daran? Man könnte ja argumentieren, dass der Unterschied für die meisten Menschen rein optisch ohnehin nicht erkennbar ist und nur Insider bzw. Fachleute unhistorische Edelstähle usw. identifizieren können. Oder läuft hier mehr falsch?

Perfekte Authentizität bis hin zu den Materialien und Herstellungsweisen wird sich aus Zeit- und Fínanzierungsgründen gewiss nur in Ausnahmefällen erzielen lassen. Es kommt ja auch immer darauf an, ob ein Experiment mehr handwerklich-herstellungstechnischer oder einsatz-verwendungs-technischer Natur ist. In letzterem Falle ist es unwesentlich, ob ein Helm aus modernem Messingsblech getrieben worden ist oder ob man die Legierung selbst mit historisch korrekten Methoden hergestellt hat. Es geht hier nur um Form, Gewicht, Funktionsweise, da darf es keine Kompromisse geben, sonst werden optischer Eindruck und praktische Ergebnisse verfälscht. Unverständlich ist für mich, warum so viele Stücke „made in India“ in der Form und in den Proportionen falsch sind. Es richtig zu machen, wäre nicht teurer gewesen. Wenn solche Produkte dann museumsdidaktisch eingesetzt werden, dann ist das unseriös und geschieht auf Kosten der ernsthaften Handwerker und Darsteller.
Hier müsste von Museen und ähnlichen Institutionen mehr Qualitätsbewußtsein und Solidarität erwartet werden. Statt dessen glaubt man, auf diesem Gebiet nach dem Motto „Merkt ja niemand“ mogeln und Geld sparen zu können. Das zeigt, dass in Deutschland häufig experimentelle Archäologie und die lebendige Präsentation nach wie vor von vielen Museumsleuten als didaktisches Kasperletheater aufgefasst und nicht wirklich ernst genommen werden. Für irgendwelche modischen Mätzchen von Ausstellungsarchitekten werden dagegen horrende Summen herausgeworfen. Im Grunde stellt das Betrug am Publikum dar, denn die meisten Leute erwarten größtmögliche Authentizität, auch wenn nur eine – mittlerweile gar nicht so kleine –Minderheit es beurteilen kann. Man präsentiert den Leuten in den Vitrinen ja auch keine Fälschungen im Vertrauen darauf, dass es keiner merkt. Das ist eine Frage der Ehrlichkeit.


Was waren rückblickend die bedeutendsten Erkenntnisse, die Sie mit Limesritt und Alpenmarsch gewinnen konnten? In welchem Ausmaß war seinerzeit die Fachwelt überhaupt bereit, sich auf diese relativ neue Methode der Geschichtsforschung einzulassen? Und wie ist die Situation heute?
Problematisch scheint mir nämlich zu sein, dass der Begriff ‚Experimentelle Archäologie‘ in den letzten Jahren zunehmend verwässert wurde. Selbst das Binden eines Reisigbesens, das Färben von Wolle oder das Töpfern einer Schale wird von vielen Freilichtmuseen – und sogar Universitäten – bereits als Experimentelle Archäologie angepriesen. Setzt dieses permanente Trivialisieren die Leistungen von praxisbezogenen Forschern wie Ihnen nicht herab?

Es würde zu weit führen, hier die bei den diversen Experimenten gewonnenen Erkenntnisse zu diskutieren, zumal ich das in meinen beiden Büchern ausführlich getan habe. Erwähnen möchte ich hier nur die Erfahrungen mit dem steigbügellosen Reiten, dem römischen Hörnchensattel und dem Nachweis, dass sowohl die Maskenhelme des Militärs – zumindest die frühen Typen – , als auch die Gladiatorenhelme, wie sie durch die ausgegrabenen Originalstücke dokumentiert sind, keine reinen Paradewaffen waren, sondern durchaus im scharfen Einsatz verwendet werden konnten.
Grundsätzliche Vorbehalte von Fachseite hat es gegenüber meinen Unternehmungen überraschend wenige gegeben. Es überwogen von Seiten der Historiker und Archäologen ganz entschieden die Zustimmung und die Kooperationsbereitschaft. Da könnte ich sehr viele Namen im In- und Ausland nennen. Dass der Begriff „Experimentelle Archäologie“ inzwischen reichlich inflationär benutzt wird, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Oft handelt es sich um banale Selbstverständlichkeiten oder um das Nachäffen bereits geleisteter Experimente, meist mit unzureichenden Mitteln, aber mit vollmundigen Ansprüchen. Hochstapelei und geistiger Diebstahl sind gang und gäbe und werden oft von den Museen aus Gleichgültigkeit oder Knauserei gedeckt. Natürlich gefährdet das auch das Image der seriösen Gruppen.

Freilichtmuseen verfügen häufig über einen sogenannten wissenschaftlichen Beirat, der mit Fachleuten aus dem Geschichtsbetrieb besetzt wird. Und doch ist eine solche Einrichtung kein Garant für Qualität, wie manch Beispiel belegt. Auch TV-Dokumentationen, die seit einigen Jahren geradezu inflationär mit aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdigen Spielszenen aufgehübscht werden, sind problematisch, wie Sie beispielsweise in Ihrem Buch Hollywoods Traum von Rom kritisieren.
Ist es nicht unethisch, wenn Historiker und Archäologen ihren guten Namen schludrig umgesetzten Projekten zur Verfügung stellen – Stichwort „argumentum ad verecundiam“  – und diesen dadurch eine gewisse Legitimation verschaffen?
Die Sucht, Dokumentarfilme in Spielfilme mit unzureichenden Mitteln zu verwandeln, ist zu einer regelrechten Pest geworden. Leider lassen sich da viele Fachleute unkritisch und widerstandslos vereinnahmen, was teils mit mangelndem Interesse und Verständnis gegenüber dem Medium Film zusammenhängt. Das Verhalten der Filmemacher selber ist sehr unterschiedlich. Manche sind durchaus gutwillig und berücksichtigen Einwände und Vorschläge, manche aber – vor allem unter den Produzenten – sind völlig uneinsichtig und reiten auf einer kontraproduktiven künstlerischen Autonomie herum, bei der es sich meist um die ewige Wiederholerei abgedroschener Klischees handelt und um den Irrtum, Authentizität sei notwendigerweise langweilig.
Man kommt da in ein echtes Dilemma – kann ich mich aus Frustration vor der Verantwortung drücken und den Krempel hinwerfen, oder gefährde ich durch erzwungene Kompromisse die Vertretbarkeit des Ergebnisses und meinen guten Namen, um wenigstens das Schlimmst zu verhüten? Nicht umsonst habe ich das einschlägige Kapitel meines Buches „Die Leiden des historischen Beraters“ genannt.
Man fragt sich auch oft, welche Rolle die „wissenschaftlichen Beiräte“ beispielsweise bei der Gestaltung der Museumsshops spielen. Denn da wird vielfach ein peinlicher Mist angeboten, als bestünde das Publikum nur aus Kindern und kindischen Erwachsenen. Dass es auch anders geht, kann man in den angelsächsischen Ländern sehen.
Den langjährigen Lesern dieses Blogs dürfte einer dieser schrägen Museumsshops – nämlich jener der baden-württembergischen Mittelalterbaustelle Campus Galli – noch gut in Erinnerung sein 😉. Es handelt sich dabei sozusagen um ein Paradebeispiel, das Ihre Kritik aufs Anschaulichste bestätigt.


In den vergangenen Jahren wurde gelegentlich von Journalisten und Historikern Schlachten-Reenactment kritisiert: Da würde von ein paar kostümierten Hanseln zum Gaudium der Massen der Krieg verherrlicht, hieß es.
Ist das zutreffend? Oder ist Schlachten-Reenactment aus anderen Gründen problematisch – etwa weil dem Publikum aus Mangel an Darstellern fast nie die tatsächliche Dimension einer militärischen Auseinandersetzung vermittelt werden kann?

Schlachten-Reenactments sind in der Tat ausgesprochen problematisch. Gerade wenn Hunderte oder gar Tausende bei einem Großreenactment auftreten, entsteht der Eindruck realistischer Dimensionen, obwohl niemals mehr als ein kleiner Bruchteil der damals tatsächlich anwesenden Massen vertreten ist. Es entsteht so eine Art riesiges Zinnfigurendiorama, bei dem gleichfalls Bataillone von 500 Mann von 30-Mann-Trupps dargestellt werden. Dieser vorgegaukelte Realismus wirkt unweigerlich verniedlichend. Besonders peinlich wird es, wenn ein paar Leute umfallen und Leichen simulieren, um ein paar Minuten später wieder aufzustehen. Da degeneriert die „blutige“ Schlacht schnell zum Kasperletheater, zumal wenn sich das Spektakel auf einer Art Fußballfeld unter Volksfestcharakter abspielt. Man sollte bei ausreichender Masse lieber kleinere Formationen 1:1 darstellen, Kompanien, Bataillone, Eskadrons statt Dutzende von Zwergeinheiten mit viel zu vielen Fahnen, Offizieren und Spielleuten herumturnen zu lassen. Und es sollte alles exerzier- oder manövermäßig ablaufen, aber niemals realen Kampf zu suggerieren versuchen. Mit Feuerwaffen würde es noch halbwegs gehen, aber mit Blankwaffen ist es hoffnungslos. Stellen Sie mal eine Kavallerieattacke realistisch nach mit Einbruch, Einhauen und allem! Man denke nur an das alberne Rumgeschiebe der Infanterie mit senkrecht gehaltenen Spießen oder Bajonetten.

Was halten Sie von Frauen in Männerkleidung bzw. Kampfausrüstung, wie sie beispielsweise im Vorjahr vermehrt beim ‚1066‘-Reenactment in Hastings zu sehen waren? Es erscheint mir nämlich äußerst widersprüchlich, wenn Darsteller einerseits akribisch an ihrer Austattung feilen, andererseits aber historische Rollenbilder grob missachten. Könnte sich daraus nicht ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem für die lebendige Geschichtsdarstellung ergeben? 

Frauen in Rüstungen und Uniformen sind schlicht lächerlich. Man erkennt die Fälschung in aller Regel schon auf 20 Meter. Besonders bizarr sind in letzter Zeit die überall aus dem Boden schießenden weiblichen Gladiatoren. Gewiss, es hat hat sie ganz vereinzelt gegeben – gerade eine einzige bildliche Darstellung mit zwei Namen unter Tausenden von Männern ist dokumentiert. Man sollte nicht ausgerechnet krasse Ausnahmefälle in Szene setzen und so ein ganz schiefes Bild vermitteln. Und vor „oben ohne“ scheut man dann doch zurück (Gott sei Dank!). Generell ist zu beachten, dass die Physiognomie und ganz besonders auch die Haar- und Barttracht, Make-up, Brillen Tätowierungen u.ä. organischer Teil des gesamten Erscheinungsbildes sind und nicht ausgeblendet werden dürfen – wie dies von einigen Stilbruchfanatikern sogar gefordert wird. Das zerstört alles. Auch wenn es politisch inkorrekt ist – es kann nicht jede(r) alles darstellen, ohne eine Farce zu veranstalten.

Glaubt man den Statistiken, dann steigt in Westeuropa das Bildungsniveau/die Akademikerquote beständig an. Ist dieser Umstand, wie manche Leute meinen, tatsächlich dafür mitverantwortlich, dass sich immer mehr Menschen mit Lebendiger Geschichte beschäftigen? 
Böse Zungen behaupten nämlich, das Mehr an Akademikern erkaufe man sich mit einem drastischen Absenken der Bildungsstandards. Viele geisteswissenschaftliche Unis seien daher längst zu Titelmühlen für Kompetenz-Attrappen herabgesunken.

Das angeblich steigende Bildungsniveau halte ich in der Tat vornehmlich für eine Verdrängung der Qualität durch Quantität, wie das ja von vielen Bildungspolitikern unverblümt eingefordert wird. Was wir mit dem akademischen Schrott anfangen sollen, der da in wachsender Menge produziert wird, ist mir schleierhaft.

Marcus Junkelmann vor rund drei Jahrzehnten als
römischer Centurio zur Zeit des Augustus.

Man beachte die auffälligsten Kennzeichen dieses
Ranges: Quergestellter Helmbusch (crista transversa),
Rebenstock (vitis), versilberten Beinschienen (ocrea)
 und das im Gegensatz zu normalen Soldaten nicht
rechts sondern links getragene Kurzschwert (gladius).
Aus dem Buch: „Die Legionen des Augustus“
Herbert Utz Verlag 2015 | (C) Marcus Junkelmann

Nach über 30 Jahren Living History und Reenactment hängen Sie dieser Tage Ihre caligae an den Nagel. Viele werden das sicher bedauern.

Ich hänge die caligae an den Nagel, weil meine Freunde und ich einfach durch die Billigkonkurrenz verdrängt und kaum mehr engagiert werden. Es ist bitter, an Orten, wo man selbst vor Jahrzehnten das Ganze in die Wege geleitet hat, die Plagiatoren sich wichtigtuerisch in Szene setzen zu sehen und mehr schlecht als recht das vorführen, wofür ich in vieljähriger, aufwendiger Arbeit die Recherche geleistet und die Prototypen geschaffen habe. Eine besonders fragwürdige Tendenz ist es, ausgerechnet die römische Gladiatur zur Kinderbespaßung zu missbrauchen und nach Art der leidigen Ritterturniere auf Mittelaltermärkten ablaufen zu lassen  – einschließlich Herz- und Schmerz-Handlung.
Ich bin nun viele Jahre lang vor den Plagiatoren von einem Thema zum anderen geflohen – Legionäre, Küche, Kavallerie, Gladiatoren, stets wurde ich, nachdem ich die Ergebnisse – ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Gruppen – ausführlich publiziert hatte, eingeholt und habe jetzt allmählich von der Römerei genug. Für wirklich qualitätvolle Projekte bin ich nach wie vor zu haben, wenn ich auch fürchten muss, das mangels Einsätzen sich meine Gruppe allmählich auflöst!


Das wäre sehr schade! Doch zumindest als Autor bleiben Sie uns sicher auch weiterhin erhalten. Vielleicht können Sie abschließend einen kleinen Ausblick auf geplante Bücher und andere Projekte geben?

Ich versuche nun, in der Schlossanlage Schleißheim eine schöne, facettenreiche Barockveranstaltung zu etablieren, die enorm ausbaufähig ist. An einschlägigen Büchern bereite ich vor allem in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum eine völlig überarbeitete und erweiterte, um einen beiliegenden DVD-Film bereicherte Auflage meines seit langem vergriffenen Buches „Galdiatoren. Das Spiel mit dem Tod“ vor, das in einem Jahr unter dem Titel „Die Söhne der Nemesis“ im Nünnerich-Asmus-Verlag erscheinen wird. Für den Pustet Verlag soll ich ein Büchlein genau zu unserem Thema schreiben: Römisches Reenactment. Da muss ich eigentlich nur noch die Bebilderung zusammenstellen. Für den Zauberfeder-Verlag arbeite ich an einem Buch zur römischen Zivilkleidung. Und der Beck-Verlag hat ein großes Handbuch zur römischen Militärgeschichte 750v.Chr. – 450 n.Chr. in Auftrag gegeben, das mit 750 Seiten veranschlagt ist. Das wird noch etwas dauern.

Auf diese Bücher freue ich mich schon sehr! Und vielen lieben Dank, Herr Junkelmann, dass Sie uns so ausführlich Auskunft gegeben haben.



UPDATE: Auf die vereinzelt im Kommentarbereich geäußerte Gegenkritik antwortet Herr Junkelammann in folgendem Beitrag ausführlich.


Weitere Informationen zum Gesprächspartner:
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Im September 1857 ermordete eine Mormonen-Miliz mehr als 120 Siedler eines Wagenzugs

http://derstandard.at/2000062274235-1317/Die-Unheiligen-der-Letzten-Tage https://en.wikipedia.org/wiki/Mountain_Meadows_massacre By T.B.H. Stenhouse – Stenhouse, T.B.H. (1873), The Rocky Mountain Saints: a Full and Complete History of the Mormons, from the First Vision of Joseph Smith to the Last Courtship of Brigham Young, New York: D. Appleton, ID=LCC … Weiterlesen

Politische Kommunikation und algorithmische Öffentlichkeit

Im Wintersemester 2017/18 biete ich am Institut für Soziologie der Philipps-Universität Marburg ein Blockseminar zum Thema „Wahlen in der Mediengesellschaft: Wahlkämpfe im Zeitalter von Web 2.0“ an (hier auch die formalen Angaben aus dem Vorlesungsverzeichnis). In drei eintägigen Blöcken findet eine Auseinandersetzung sowohl mit einschlägiger Forschungsliteratur als auch vielen Beispielen aus aktuellen Wahlkämpfen statt. Inputs […]

Kulturgut in Syrien und Irak (September 2017)

Die Aufmerksamkeit für die Situation in Syrien udn Irak lässt deutlich nach. Mit dem weitgehenden Zurückdrängen des Daesh und einer Stabilisierung des Assad-Regimes hat sich das mediale Interesse anderen Brennpunkten des Wahnsinns zugewandt.
Gleichwohl scheint nun eine wichtige Phase der Schadensbegrenzung. Obgleich keineswegs Frieden herrscht, beginnt vielerorts der Wiederaufbau und die Bestandsaufnahme.

Syrien

    Berichte aus einzelnen Orten

    Aleppo

    Palmyra

    Im deutschen Fernsehen gleich zwei Dokumentationen auf zdf und arte, die freilich auf gemeinsamem Material aufbauen. Vorgestellt werden das Projekt ILLICID; bemerkenswert auch die Hinweise auf Raubgrabungslöcher im Bereich der von Daesh zerstörten Tempel.

     

    Idlib

    Das Museum in Idlib macht Bestandsaufnahme des geplünderten Kulturguts, um künftig Rückgabeforderungen gerichtlich durchzusetzen:

    Raqqa

    kurze Notiz mit Bildern zum Museum

    Hama

    Bulldozer-Zerstörungen nicht durch IS, sondern durch die Turkistan Islamic Party in Syria (TIP).

    Tell Quarqur: Blick von dem überplanierten kleineren Nordhügel
    auff den größeren  südlichen Hügel
    (Foto: User:PongoPygmaeus 2007 [PD]
    via WikimediaCommons)

    Tell Quarqur / Karkar besteht aus zwei Tells mit Besiedlungsresten aus verschiedenen Perioden, Vor 2010 fanden hier Forschungen der American School of Oriental Research statt (dt. wikipedia; engl. wikipedia). Nach den Bildern wurde quer über den kleineren nördlichen Hügel ein Weg planiert. 

    Nimrud

    Maßnahmen gegen Kulturgutverlust

    British Army stellt eine Einheit Monuments Men auf:

    Daesh-Kulturzerstörer sollen zu Verantwortung gezogen werden.

    UN-Sicherheitsrat Resolution 2379/2017zeilt darauf ab, die Verbrechen des Daesh zu verfolgen, darunter auch die Zerstörungen von Kulturgut. Eine Ermittlergruppe der UN wurde eingesetzt.

      als sei alles ganz normal in Syrien…

      Ungarisches Projekt am Krak des Chevaliers

      DGAM bei Blue Shield-Konferenz in Wien

        Links

        frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

        Dank an diverse Kollegen für Hinweise.

        Das Tier im Text und im Buch – Arbeit mit mittelalterlichen Originalcodizes beim 6. Alfried-Krupp-Sommerkurs für Handschriftenkultur an der Universitätsbibliothek Leipzig vom 17.09. bis 23.09.2017

        Ein Beitrag von Sandra Hofert.
         
        Jeder Codex ist ein unikales historisches Objekt und gibt Auskunft über den zeitgenössischen Umgang mit den verschiedenen Texten. Daher ist bei der Beschäftigung mit mittelalterlichen Texten die Arbeit an den Originalquellen ein zentraler Bestandteil, denn viele Informationen lassen sich nur durch eine Handschriftenautopsie gewinnen (vgl. Abb. 1).

         
        Abb. 1: Mittelalterliche Codizes ganz nah.
         
        So ist auch die Arbeit mit mittelalterlichen Handschriften ein wichtiger Bestandteil meines Promotionsprojekts und ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Gelegenheit bekommen habe, meine Kompetenzen in diesem Bereich weiter auszubauen, und Mitte September 2017 am 6. Alfried-Krupp-Sommerkurs für Handschriftenkultur an der Universitätsbibliothek Leipzig teilnehmen konnte. Gefördert durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung sowie durch den Mediävistenverband e.V. bekamen 21 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus ganz unterschiedlichen Fachrichtungen die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und mit-, aber natürlich auch voneinander zu lernen.
         
        Der Kurs war interdisziplinär ausgerichtet: Aus der ganzen Welt kamen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler verschiedener Fachbereiche wie Philosophie und Philologie, aber auch Geschichts-, Kunst- und Kulturwissenschaft zusammen, um sich mit mittelalterlichen Handschriften als Objekten zu beschäftigen.
         
        Das Kursprogramm war äußerst vielfältig: An den Vormittagen hielten etablierte Experten verschiedener Bereiche zahlreiche Überblicksvorlesungen zu ganz unterschiedlichen Themen der Handschriftenkunde: So führten beispielsweise Prof. Dr. David Ganz (Cambridge) und Dr. Christine Glaßner (Wien) in die Paläographie ein, das Team des Leipziger Handschriftenzentrums stellte die Grundlagen der Kodikologie vor, PD Dr. Wolfgang Beck (Jena) gab einen Einstieg in die Schreibsprachenbestimmung und Prof. Dr. Martina Backes (Freiburg), Dr. Falk Eisermann (Berlin) und Dr. Christoph Mackert (Leipzig) führten in das Thema Büchersammlungen und Bibliotheken ein.
         
        Prof. Dr. Kathrin Müller (Berlin) gab anhand verschiedener Beispiele von Beatus-Vir-Psaltern einen Einblick in die Vielfältigkeit des Buchschmucks. So zeigte sie beispielsweise die große Schmuckinitiale, die am Beginn des Beatus vir im Psalter von St. Albans aus dem frühen 12. Jahrhundert zu finden ist (Albani Psalter, Hildesheim, St. Godehard, Cod. 1, S. 72). Das große B, das mehr als ein Drittel der Seite einnimmt, zeigt eine gängige Komposition: Die Initiale wird von König David „bewohnt“, der ein Buch und eine Harfe in Händen hält, während ihm ein großer Vogel als Symbol für die göttliche Inspiration die Psalmen direkt ins Ohr eingibt (s. Abb. 2).
         
         
        Abb. 2: Der Vogel der göttlichen Inspiration.
        Nach den jeweiligen Vorträgen gab es Gelegenheit für Fragen und Diskussionen, wobei sich hier besonders die verschiedenen fachlichen Hintergründe der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer als fruchtbar erwiesen haben und es zu lebendigen Diskussionen kam.
         
        Am Mittwoch gab es darüber hinaus noch einen ganz besonderen Abendvortrag, bei dem Dr. Agnieszka Budzinska-Bennett (Basel) nicht nur einen Einblick in die Entstehung und Entwicklung der Notenschrift gab, sondern auch verschiedene Beispiele früher Notation mit musikalischem Leben erfüllt hat, indem sie zusammen mit einer Kollegin die mittelalterliche Notenschrift gesanglich interpretierte (s. Abb. 3).
         

        

        Abb. 3: Musiknotation wird zum Leben erweckt.
         
        Außer am Donnerstag, wo eine Exkursion zur Domstiftsbibliothek in Merseburg stattfand und dort u. a. die Merseburger Zaubersprüche bewundert werden konnten, waren die Nachmittage dazu da, sich in kleinen Gruppen intensiv mit je einer Handschrift zu beschäftigen. Dabei wurden dem Kurs verschiedene Handschriften und Fragmente aus dem Bestand der Leipziger Universitätsbibliothek zur Verfügung gestellt, meist lateinische medizinische und/oder philosophische Sammelhandschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.
         
        Abb. 4: Beispiel: Leipzig, UB, Ms. 1150 1r.
         
        Am Ende der Woche konnten schließlich alle Gruppen ihre jeweiligen Ergebnisse vorstellen und im Plenum über ihre Arbeit diskutieren.
         
        Es war eine Woche, in der den Teilnehmerinnen und Teilnehmern nicht nur ein vertiefender Einblick in zahlreiche kodikologische Fragestellungen gegeben, sondern v. a. die Arbeit an einem sehr breiten Bestand von Originalobjekten ermöglicht wurde. Ob Pergamentseiten oder Seiten aus Papier, ob ein Wasserzeichen in Form eines Ochsenkopfes oder eines Einhorns, ob ein einfacher Holzeinband oder ein Bezug aus Schweinsleder – eine mittelalterliche Handschrift ist ein unikales historisches Objekt, bei dem Medialität und Inhalt ineinander übergehen. Das konnten die Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler in dieser Woche hautnah erleben.
         

        Stellenausschreibung UB Wien

        An der Universitätsbibliothek Wien –  Arbeitsbereich Team Integrierte Medienbearbeitung Fachbereichsbibliotheken  ist die Stelle eines/einer Angestellten des gehobenen Bibliotheksdienstes zu besetzen. Beschäftigungsausmaß: 20 WStd. KV-Einstufung: IIIa Beschäftigungsdauer: unbefristet Ende der Bewerbungsfrist: 21.10.2017 Aufgaben: Ihr Aufgabenbereich umfasst die integrierte Medienbearbeitung der Bestände … Weiterlesen

        Fundstücke KW 39

        Auf Sylt wurde ein gewaltiger Silberschatz aus der WIkingerzeit entdeckt. Die Meldung findet sich u.a. beim Standard, im Abendblatt und beim Spiegel. Tolkien, Mittelerde und die Merowinger – über diese unerwartete Kombination schreibt Karl Banghard im Blog des AFM Oerlinghausen. … Weiterlesen

        Die Einführung der Landkreise vor 200 Jahren – Beispiel Neuwied

        Vortrag von Joachim Brauß, Neuwied Auf dem Wiener Kongress 1815 wurden die Rheinlande Preußen zugeteilt. Man traute nur diesem militärisch straff organisierten Staat zu, Schutz gegen erneute französische Aggressionen zu bieten. Diese Entschädigung für die Anstrengungen der Befreiungskriege 1813-1815 und für Gebietsverluste im Osten kam Preußen aber nicht gelegen: Die „Wacht am Rhein“ war keine Mehr »

        Landschaften der Macht. Córdoba und die Besitzungen der Umayyaden (8.-11. Jh.)

        Erstes internationales Kolloquium von ingesamt dreien zum Thema “Las fincas de las élites en el Occidente musulmán y Sicilia: poder, producción y placer” – Aus dem Ankündigungstext der Veranstalter: „El encuentro, que se estructurará en torno a 16 ponencias, contará con especialistas que desde una perspectiva multidisciplinar abordarán el estudio de las fincas de época … „Landschaften der Macht. Córdoba und die Besitzungen der Umayyaden (8.-11. Jh.)“ weiterlesen

        Die Mumien vom Johannisfriedhof

        Am 19. Juni 1811 machten Arbeiter auf dem Johannisfriedhof eine aufsehenerregende Entdeckung. Aus Anlass einer Reparatur in der Johanniskirche wurde das Starck’sche Begräbnis geöffnet, und zum Vorschein kamen zwei guterhaltene Mumien. Die Fundstücke wurden der Öffentlichkeit präsentiert, und gleich zwei gedruckte Nachrichtenblätter wurden hierüber veröffentlicht: eine Beschreibung mit Abbildung von Friedrich Campe (unten) und der links gezeigte, mit ausführlichen Erläuterungen versehene Kupferstich von Christoph Wilhelm Bock. Wer aber waren die beiden aufgefundenen Mumien? Leider widersprechen sich die beiden Berichte in dieser Frage. Einig sind sie sich in der Person der guterhaltenen männlichen Mumie: Es handelt sich um Johann Jakob Stark von und […]

        VÖBBLOG TOP 20 im September 2017

        Die beliebtesten 20 direkt – und nicht via Einstiegsseite – angesteuerten Posts (ohne Stellenanzeigen) im September 2017 waren Fragment einer bisher unbekannten Gutenberg-Bibel in Augsburg aufgefunden Gastkommentar von Thomas Winkelbauer in „Die Presse“: Österreichs Staatsarchiv auf dem Scheideweg Deutschlandfunk Kultur: Die Zukunft … Weiterlesen

        Hörbares: Improvisation mit Alter Musik — Ken Follets "Das Fundament der Ewigkeit" — Zur Arbeit von Archäologen — Kulturgeschichte der Toilette — Antike Kirchen in Syrien — Unterwäsche im Wandel der Zeit



        Improvisation mit Alter Musik – wie vor Jahrhunderten | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info 

        „Müll ist für uns lebenswichtig“: Zur Arbeit von Archäologen | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

        Ken Follet: „Das Fundament der Ewigkeit“ – die Geschichte des ersten Geheimdienstes im 16. Jahrhundert | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

        Kulturgeschichte der Toilette – Von der Latrine zum Washlet | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
        Türkisch-syrisches Kampfgebiet – Christen wollen ihre antiken Kirchen retten | Spieldauer 22 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

        Unterwäsche – Hautnahes im Wandel der Zeit | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
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