Planet History

Author Archive for Eva-Maria

„Du Spießer!“ Geschichte und Wandel einer beständigen Sozialfigur – Verfasst von Kaleb Erdmann

„Wenn ich groß bin, will ich Spießer werden!“ (Werbespot LBS, 2007) Der bekannte Werbespot der Versicherung LBS aus dem Jahr 2007 wirbt für das Abschließen eines Bausparvertrages und zeigt in der panischen Reaktion der Aussteigerfigur auf das Liebäugeln der eigenen Tochter mit der Spießigkeit unmissverständlich, dass keiner…

Interview mit Prof. Dr. Holger Lengfeld zu Abstiegsängsten der Mittelschicht, grenzüberschreitender Solidarität und den ultimativen Oma-Test

Ist unsere Gesellschaft, wie einige namhafte Soziolog*innen konstatieren, von zunehmenden Abstiegsängsten geprägt, die die Menschen in die Arme von PEGIDA, AfD und Co. treiben? Vorsicht! Mit diesem „Mythos“ räumt Holger Lengfeld, Professor für Soziologie an der Universität Leipzig, im Interview mit dem Soziologiemagazin auf dem DGS-Kongress 2016…

Polizei zwischen Hilfsbereitschaft und Misstrauen. Empathische und rechtspopulistische Argumentationsstrukturen in Interviews mit österreichischen Polizeibeamten

verfasst von Jana Berg Immer wieder wird Rassismus in der österreichischen Polizei kritisiert (vgl. Amnesty International 2009) und die tendenzielle Zunahme von Rassismus und Antisemitismus in Europa (vgl. European Union Agency for Fundamental Rights 2013) und speziell Österreich (vgl. Kantor Center 2015: 6, 73) festgestellt, was sich…

Vom sozialen zum kommunikativen Konstruktivismus: Der Begriffsdschungel der Kommunikationsgesellschaft.

Hubert Knoblauchs „Die kommunikative Konstruktion der Wirklichkeit“ (2017) rezensiert von Carolin Neubert Man kann die Imaginationen nicht leugnen, die Knoblauchs Titel in der sozialwissenschaftlich einigermaßen gebildeten Leserin hervorruft: Peter L. Berger und Thomas Luckmanns Jahrhundertwerk (2003) und gleichsam Gründungsbuch der Wissenssoziologie scheint überholungsbedürftig. Und tatsächlich arbeitet sich…

Prof. Dr. Hartmut Rosa über Worte, Geschichten, Gitarren und ein bisschen Resonanz

Mit seiner neuesten Publikation „Resonanz: Eine Soziologie der Weltbeziehung“ folgt Prof. Dr. Hartmut Rosa von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena einem in der Soziologie traditionell gewordenem Problem: Was könnte die Antwort auf Entfremdung sein? Im Interview erklärt uns einer der sichtbarsten Soziologen im deutschsprachigen Raum, was es mit…

Interview mit Prof. Dr. Matthias Groß zu aktuellen umweltsoziologischen Fragestellungen, Ulrich Becks Risikogesellschaft im Lichte von Tschernobyl und Niklas Luhmanns Theorie der „ökologischen Kommunikation“

geführt von Stella Berglund Umweltsoziologie ist eine der jüngsten Sektionen der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. Im Vordergrund der Sektionsarbeit stehen insbesondere die Weiterentwicklung und Bündelung der sozialwissenschaftlichen Expertise in Umweltfragen. Auf einer eher theoretischen Ebene geht es dabei um die Auseinandersetzung mit der Trias Gesellschaft – Umwelt…

„Du isst, was Du bist“ – Ein soziologischer Kommentar zum Essen als Gegenstand sozialer Differenzierung am Beispiel der Fernsehserie „Das Perfekte Dinner“

 Verfasst von Kristina Greißl Er ist wohl den meisten von uns schon einmal begegnet, der „Brutzelterror auf allen Kanälen“ (Berr 2010), der seit Jahren bundesweit die Fernseher ‚zum Kochen bringt‘. Mit zu den bekanntesten Formaten dieser Sparte zählt ohne Frage die Serie Das Perfekte Dinner, die der…

Soziologie als Beruf? Interview mit Lena Meyer über ihr Projekt „MehrAlsTaxifahren.de“

geführt von Andreas Schulz Eine Frage, die man als Soziologie Studierende_r oft hört: „Und was macht man später damit?“ Um mögliche Klischees aufzubrechen und Bewusstsein zu schaffen, wie Soziolog_innen sich am Arbeitsmarkt positionieren können, hast du die Blogreihe „MehrAlsTaxifahren.de“ gestartet. Eine Frage zum Einstieg, wie ist es…

Interview mit Prof. Dr. Georg Vobruba zu Public Sociology und utopischen Potentialen von Politik und Wissenschaft

Prof. Dr. Georg Vobruba ist emeritierter Professor für Soziologie. Er hat bis zu seiner Pensionierung an der Universität Leipzig gelehrt und führt diese Tätigkeit seitdem fort. Darüber hinaus ist er seit 2007 im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) tätig, Herausgeber der Zeitschrift SOZIOLOGIE der DGS…

Karl Polanyi am Beginn des 21. Jahrhunderts – Die Konferenz im Zeichen des großen Theoretikers

Verfasst von Tobias Enck, Michael Fürthaller und Ines Wiesinger „A Great Transformation? Global Perspectives on Contemporary Capitalism“ unter diesem sehr umfassenden Titel fanden sich vom 9. bis 13. Januar rund 300 Wissenschaftler_innen aus aller Welt an der oberösterreichischen Johannes Kepler Universität Linz ein. Ausgehend vom Hauptwerk des…

Rezension zu Florian Esser et. al (Hrsg.) „Reconceptualising Agency and Childhood. New Perspectives in Childhood Studies“ (2016) von Thomas Witas

Reconceptualising Childhood Studies Das vorgestellte Buch versteht sich als Beitrag zur aktuellen Debatte über das Verständnis von Agency im Kontext der sozialwissenschaftlichen Kinder- und Kindheitsforschung. Die HerausgeberInnen sowie auch der Großteil der 18 publizierten Beiträge stammen größtenteils aus soziologischen und erziehungswissenschaftlichen Bereichen europäischer, vor allem deutscher Universitäten,…

Symbolische Gewaltexzesse? Erziehung und Aufwachsen im Zeitalter von Sichtbarkeitszwängen – von Lukas Schildknecht

Diesem Beitrag liegt die These zu Grunde, dass Erziehungsverhältnisse a priori Machtverhältnisse sind, die in Gewalt ausarten können. Im Laufe der Moderne sind diese Verhältnisse nicht verschwunden. Allerdings macht das Versprechen der Moderne, die Zukunft sei nicht determiniert, ebenjene Macht thematisierbar. Diese Problematisierung soll dabei exemplarisch an…

Zum Verhältnis von Demokratie und Kapitalismus. Rezension zur Neuauflage von „Gekaufte Zeit“ von Wolfgang Streeck (2015)- verfasst von Peter Schadt und Claudio Gattarie

Das Buch „Gekaufte Zeit“ von Wolfgang Streeck erschien bereits 2013 zum ersten Mal. Es basiert auf Streecks Adorno-Vorlesung aus dem Jahr 2012, die mit Adorno aber wenig zu tun hat (vgl. Streeck 2015: 49). Er analysiert in diesem Werk die gegenwärtige – nach wie vor hochaktuelle –…

Wer Gewalt hegt. Zivilisierungs- und modernisierungstheoretische Überlegungen zu einem sozialwissenschaftlich diffusen Phänomen – von Ole Karnatz

Der Begriff der Gewalt hat eine umfangreiche Karriere in den Sozialwissenschaften durchgemacht. Er gilt als einer der Schwierigsten, unter anderem, weil er mit denen von Macht, Konflikt usw. verwandt ist. Doch nicht immer ist klar wovon genau eigentlich gesprochen wird (vgl. Imbusch 2002). In diesem Beitrag wird…

Die Sprachliche Gewalt der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) – von Mathias Lipp

Mit dem Artikel „Schlachtfeld Sprache“ beschreibt der Philosoph Dr. Hakan Gürses die sprachliche Situation in der österreichischen Gesellschaft. „Wir schaffen das“ oder „Das Boot ist voll“ sind Ausdrücke, die seit Sommer 2015 die österreichischen Titelblätter diverser Zeitungen schmücken. Unter anderem ist das Wort „Flüchtlingskrise“ eines der meist…

Unsere 14. Ausgabe des Soziologiemagazins „Gewalt, Macht, Herrschaft“ ist erschienen

Liebe Leser_innen, Soziale Beziehungen werden beeinflusst, geprägt oder gar bestimmt von Asymmetrien. Die thematische Trias des aktuellen SoziologieMagazins beschäftigt sich mit eben diesen gesellschaftlich-strukturellen Reibungspunkten und ihren Formen: Gewalt, Macht, Herrschaft. Soziale Teilhabe und der Zugang zu Ressourcen als Grundkonstanten menschlicher Existenz werden durch Gewalt, Macht und…

A Great Transformation? Global Perspectives on Contemporary Capitalisms. Internationale Polanyi-Konferenz (Januar 2017/Linz)

Contemporary Capitalisms and Karl Polanyi’s The Great Transformation Ever since the global economic area opened up in the 1990s – and most recently, in the wake of the 2008 financial crisis – Karl Polanyi’s economic and cultural history of capitalism, published as The Great Transformation in 1944,…

Doing ritual? Zur Bedeutung von Körperlichkeit in der Ritualforschung. Rezension zu „Körper und Ritual“ von Robert Gugutzer und Michael Staack (2015) – verfasst von Carolin Neubert

Weshalb eine weitere Abhandlung zu dem theoretisch schwerbeladenen Begriff des Rituals? Sieht man sich die wissenschaftlichen Abhandlungen der Ritualforschung an, kommt man ins Grübeln, welches Phänomen nicht als Ritual gefasst werden kann. Diverse Disziplinen beschäftigen sich mittlerweile mit ritualisierten oder ritualisierenden Aspekten der sozialen Wirklichkeit. Hervorstechend sind…

Émile Durkheims Begriff der sozialen Gesundheit als soziologische Dystopie – von Marco Hohmann

Émile Durkheim bildet historisch wie aktuell einen weitgehend unhinterfragten methodologischen Grundpfeiler der empirischen und strukturalistischen Soziologie. In seinen Regeln der soziologischen Methode entwirft er das Konzept der sozialen Gesundheit als einen gesellschaftlichen Idealzustand. Die Aufgabe der Soziologie ist es ihm zufolge, eine Anweisung an die soziale Praxis…

Wider Utopie und Realität aus marxistischer Perspektive – von Peter Schadt

„Vielleicht wird die wahre Gesellschaft der Entfaltung überdrüssig und läßt aus Freiheit Möglichkeiten ungenützt, anstatt unter irrem Zwang auf fremde Sterne einzustürmen“ (Adorno – Minima Moralia). Gegen die Versuche einer positiven Ausmalung einer anderen Welt schrieb Adorno bereits in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts in seinem…