Planet History

Author Archive for Georgios Chatzoudis

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 4 – La cripta del vescovo e la tomba del musulmano (quarta puntata)

Tombe possono essere fonti molto informative per gli archeologi. Pertanto, gli scavi gestite dal Prof. Lukas Clemens focalizzavano sugli analisi di diverse tombe vicino a due chiese diverse all’interno della ex sede del vescovo di Tertiveri. Attraverso questi scavi poteva essere provato la certa sicurezza che Tertiveri tempo fa rappresentava una sede vescovile e che anche musulmani furono sepolti dignitosamente. La collaborazione tra archeologi, storici e antropologi dimostra gradualmente un’immagine della convivenza delle culture nella Capitanata.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 4 – La cripta del vescovo e la tomba del musulmano (quarta puntata)

Tombe possono essere fonti molto informative per gli archeologi. Pertanto, gli scavi gestite dal Prof. Lukas Clemens focalizzavano sugli analisi di diverse tombe vicino a due chiese diverse all’interno della ex sede del vescovo di Tertiveri. Attraverso questi scavi poteva essere provato la certa sicurezza che Tertiveri tempo fa rappresentava una sede vescovile e che anche musulmani furono sepolti dignitosamente. La collaborazione tra archeologi, storici e antropologi dimostra gradualmente un’immagine della convivenza delle culture nella Capitanata.

Der Umsturz von 1989/90: eine Revolution?

Salon Sophie Charlotte 2017

Der britische Historiker Timothy Garton Ash bezeichnete die Ereignisse in Deutschland der Jahre 1989/90 einige Zeit später nicht als Revolution sondern als Refolution. Das Kunstwort drückte in seinem Verständnis genau das aus, was sich in der Wendezeit ereignet hatte: eine eigenwillige Mischung aus Revolution, Evolution und Reform. Wie blickt man heute auf das damalige Geschehen, bei dem eine Weltordnung zusammenbrach, vieles aber erhalten blieb und sich einiges neu fügte? Wie erklärt man 1989/90 aus der gegenwärtigen Perspektive? Auf diese Fragen versuchen unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die aus der ersten Reihe das Gespräch verfolgt, vier ehemalige DDR-Bürger sowie ein Bundesbürger Antworten zu finden: Marianne Birthler, Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Prof. Dr. Joachim Sauer und Prof. Dr. Richard Schröder sowie Prof. Dr. Jürgen Kocka. Moderiert wird das Gespräch von Wlodzimierz Borodziej.

Antike Nomaden von Mangystau: Episode 1 – Tausend Winterlager

Wo heute nur Geröll, kahle Felsen und karge Erde zu sehen sind, lebte einst eine eigene Kultur – die Kultur von Mangystau. Gelegen im Südwesten Kasachstans und entlang des östlichen Ufers des Kaspischen Meeres haben Nomaden in der Spätantike dort ihre Zelte aufgeschlagen und sind sesshaft geworden. Damals herrschten in dieser Region noch andere klimatische Verhältnisse. Aus geologischen Untersuchungen und historischen Quellen weiß man, dass in diesem Land früher Wasser floss, es fruchtbar war und von Handelskarawanen besucht wurde. Davon zeugt heute kaum noch etwas. Ein russisch-kasachisches Forscherteam aus der Archäologie um Dr. Evgeniy Bogdanov macht sich auf die Suche nach Überresten dieser untergegangenen Kultur.

„In den USA wartet ziemlich genau niemand auf Ratschläge aus Deutschland“

Interview mit Christoph Bieber und Klaus Kamps über die Vereinigten Staaten nach Obama

Mit Donald Trump als dem gegenwärtigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat man sich vielerorts nach wie vor nicht abgefunden. Im Gegenteil: Medienberichte in Presse, Funk und Fernsehen sowie in den Sozialen Netzwerke sind nahezu täglich gespickt mit Kritik und teilweise auch offen geäußerter Empörung über den US-Präsidenten. Zuletzt kulminierte die Erregung über Donald Trumps politischem Handeln und seinen öffentlichen Auftritten in der vielfach ausgesprochenen Erwartung, ihn des Amtes zu entheben. So viel Ablehnung ist einem Präsidenten der USA bisher noch nicht entgegengeschlagen. Sein Vorgänger Barack Obama erscheint in dieser Konstellation beinahe wie das komplette Gegenbild, wie eine Sehnsucht – die Vereinigten Staaten in der Hand eines vertrauenswürdigen und verantwortungsvollen Politikers. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen und der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Kamps von der Hochschule der Medien in Stuttgart haben in ihrem gemeinsamen Buch „Nach Obama. Amerika auf der Suche nach den Vereinigten Staaten“ diese Gegenüberstellung zum Anlass genommen, die noch kurze Präsidentschaft Donald Trumps einer Analyse zu unterziehen.

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni, 9.30 Uhr

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Die Erkundung der Welt – Abenteurer und Entdecker auf See

Symposium „Über das Meer“ | Einführungsvortrag von Jürgen Sarnowsky

Die Meere werden von den Menschen seit Jahrtausenden als Reise- und Handelswege sowie als Nahrungsquelle genutzt. In Europa beschränkte sich die Seefahrt bin ins 13. Jahrhundert hinein vor allem auf das Mittelmeer und die Küstenstreifen entlang des Atlantiks. Neue politische Herausforderungen und Konstellationen in Europa, insbesondere das Vordringen des Osmannischen Reiches, sowie technische Entwicklungen, vor allem im Schiffsbau und in der Navigation, ermutigten die führenden europäischen Mächte des ausgehenden Mittelalters gewohnte Routen zu verlassen und neue Seewege zu erkunden. Der Mittelalterhistoriker Prof. Dr. Jürgen Sarnowsky von der Universität Hamburg zeichnet in seinem Vortrag die Seefahrt im sogenannten Zeitlalter der Entdecker anhand von ausgewählten zeitgenössischen Reiseberichten nach. Dabei unterzieht er seine Quellen einer kritischen Betrachtung. Was sagen die Reiseberichte über die Begegnung mit dem Fremden aus, was aber auch über die Verfasser und deren Kosmos?

Die Sklaven von Lagos: Episode 6 – Das Generalinterview mit Maria Teresa Ferreira

Aus schriftlichen Quellen ist in Portugal die Geschichte der Sklaverei bereits relativ gut erschlossen. Durch den Zufallsfund von 158 menschlichen Skeletten, die sich nach aufwändigen bioarchäologischen Untersuchungen als Überreste früher Sklaven erwiesen haben, konnte Dr. Maria Teresa Ferreira in einem europaweit einzigartigen Projekt wichtige noch offene Fragen beantworten. In unserem Generalinterview erläutert sie ausführlich vor welchen Herausforderungen ihre Arbeit stand, welche erweiternden Erkenntnisse über die Geschichte der Sklaverei gewonnen werden konnten und welche Fragen sich nun neu stellen.

„Eine wirklich globale Elite existiert nirgends“

Interview mit Michael Hartmann über Sein und Nichtsein einer globalen Wirtschaftselite

Kapitalflucht und die Abwanderung der besten Köpfe sind der Alptraum einer jeden nationalen Regierung. Um das zu verhindern, müssen Bedingungen geschaffen werden, um die Wirtschaftseliten, die sich längst aus nationalen Zusammenhängen gelöst haben und sich unter ihresgleichen am wohlsten fühlen, zum Verbleib zu motivieren, so das sich regelmäßig wiederholende Argument in der sogenannten Standortdebatte. Gibt man das Stichwort Standortdebatte in Suchmaschinen ein, erscheinen zig Medienbeiträge, in denen vor der Verlagerung von Kapital, Eliten und Produktion ins Ausland gewarnt wird. Wirtschaftseliten seien nämlich äußerst mobil und operierten am liebsten global. Der Soziologe und Eliteforscher Prof. Dr. Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt hält dagegen: Die Existenz einer globalen Elite ist eine Legende, so die These in seinem neuesten Buch. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 2 – I vescovi della Capitanata (secunda puntata)

L’interesse di ricerca primario del Prof. Lukas Clemens è incentrato sul contesto storico generale: Anche dopo la morte di Federico II nel XIII secolo una consistente comunita‘ di musulmani viveva ancora nelle città della Puglia. Tracce d’influenze saracene si trovano in vari edifici e persino nell’ex vescovado di Tertiveri. La domanda alla quale il Prof. Clemens si impegna a dare una risposta, principalmente nella fase introduttiva degli scavi programmati, e‘ quanto effettivamente la cultura musulmana si sia intrecciata e quindi abbia influenzato la cultura cristiana e viceversa in questa specifica area della penisola italiana.

„Die Massen aufgerufen, die Partei zu kritisieren“

Interview mit Daniel Leese über verschiedene Lesarten der Kulturrevolution

Daniel Leese ist Professor der Sinologie an der Universität Freiburg. Im Mittelpunkt seiner Lehre und Forschung steht die Geschichte und Politik des Modernen China. Zu seinen zahlreichen Werken zählen Mao Cult: Rhetoric And Ritual In China’s Cultural Revolution (Cambridge University Press 2013) und Die chinesische Kulturrevolution: 1966-1976 (München: Verlag C.H. Beck 2016).
Verena Klein und Felicia Lee Nölle studieren beide Sinologie und Japanologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie konzipierten, führten und transkribierten das Interview.

Die Sklaven von Lagos: Episode 5 – Ein Stück Geschichte für die Namenlosen

Der nächste Schritt bei der wissenschaftlichen Erforschung der Skelettfunde aus der portugiesischen Hafenstadt Lagos ist die digitale Erfassung. Jeder Knochen wird digitalisiert und in eine entsprechend große Datenbank aufgenommen. Moderne 3D-Technik erlaubt dabei die Untersuchung der menschlichen Überreste noch genauer vorzunehmen. Der zweite Effekt: Digitalisiert stehen die Knochen über das Internet auch Forscherinnen und Forschern aus anderen Teilen der Welt zur Verfügung. So spannt sich ein Netz aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die jeweils ihre speziellen Kompetenzen einbringen können. Die Geschichte der bislang namenlosen Skelette bekommt so allmählich Konturen, aus denen sich ein neues Gesamtbild fügt.

L.I.S.A.video. Die Filmproduktionen der Gerda Henkel Stiftung

Wissen schaffen – ein Trailer

L.I.S.A.video gehört zu L.I.S.A. wie das A zum Alphabet. Seit dem Start des Portals vor mehr als sieben Jahren ist die Rubrik L.I.S.A.video fester Bestandteil unserer Wissenschaftsplattform. Hier dokumentieren wir in engster Abstimmung mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die von der Gerda Henkel Stiftung gefördert werden, deren Forschungsprojekte. Wichtig ist uns dabei auch die Zusammenarbeit mit den Filmproduzenten, die mit viel Sachverstand und einem sicheren Gefühl für die Bedürfnisse der Wissenschaft unsere L.I.S.A.videos erstellen. Peter Prestel und Gisela Graichen sowie deren Mitarbeitern haben sich hierbei über Jahre als vertrauenswürdige, zuverlässige und kompetente Partner des Portals erwiesen. Dieser Trailer, der von ihnen jüngst produziert wurde, ist in seinen Zahlen zwar jetzt schon wieder überholt – Woche für Woche veröffentlichen wir neue Episoden der Reihe L.I.S.A.video. Aber das Gesamtprojekt gibt dieses kurze Video aus unserer Sicht sehr treffend wieder.

Die Sklaven von Lagos: Episode 4 – Sprechende Zähne

Die Zähne eines jeden Menschen sind ebenso einzigartig wie seine Fingerabdrücke. Darüber hinaus lassen sich aus der Untersuchung von Zähnen, Rückschlüsse auf das Leben der Menschen ziehen. Die Bioarchäologinnen des Forensischen Instituts der Universität Coimbra entnehmen ihnen und den dazugehörigen Kieferknochen Informationen über Krankheiten und deren Ursache. Karies und Parodontose deuten möglichweise daraufhin, dass die Ernährung mangelhaft und einseitig war. Die Zähne der menschlichen Überreste von Lagos weisen aber noch ein weiteres auffälliges Merkmal auf. Viele sind geschliffen bzw. abgefeilt. Wie lässt sich das erklären? Welche Informationen verbergen sich hinter dieser Entdeckung?

„Das panoptische Schema breitet sich aus“

Interview mit Carolin Wiedemann über kritische Kollektivität in Zeiten von Facebook und Co.

Das Kapital von privatwirtschaftlich betriebenen Sozialen Netzwerken wie Facebook ist eine möglichst große Übereinstimmung der realen mit der virtuellen Identität ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Klarnamen, Wohnort, Telefonnummer, Interessen, politische Gesinnung, Konfessionszugehörigkeit, Hobbies, favorisierte Filme und Musik und Likes für Konsumartikel und andere Produkte – das sind Daten, die für Unternehmen von großem Wert sind und zielgerichtetes Product Placement erlauben. Aber nicht nur Privatunternehmen interessieren sich für solche Informationen, auch staatliche Behören und Institutionen sammeln diese fleißig und streben nach Eindeutigkeit und Nachvollziehbarkeit von virtuellen Profilen, um beispielsweise subversives Verhalten frühzeitig nach seinem Gefahrenpotential abschätzen zu können. Kommodifizierung und Kontrolle gehen hierbei gemeinsame Wege. Ist das Nutzen des Netzes so gesehen vor allem eine große Datenerhebungsmaschine, der wir uns für frei- und gutwillig unterwerfen? Ist kritisches und nonkonformes Verhalten im Netz überhaupt noch möglich, wenn wir mit Klarnamen agieren? In welche Raster fällt man, falls man es doch tut? Welche Bedeutung kommt dabei Anonymität zu? Die Soziologin Dr. Carolin Wiedemann hat sich in Ihrer Dissertationsarbeit dieser Fragen angenommen. Wir haben ihr unsere Fragen gestellt.

Die Sklaven von Lagos: Episode 3 – Historische CSI-Arbeit

Die Knochenarbeit im Labor für Forensische Anthropologie der Universität Coimbra geht weiter. Nach der Bestimmung von Geschlecht und Alter der Menschen, zu denen die Knochen einst gehörten, untersucht das Team um die Anthropologin Dr. Maria Teresa Ferreira das Material nach Spuren von Krankheiten, Abnutzungs- und Mangelerscheinungen sowie nach Hinweisen auf Verletzungen ab. Die ersten Befunde deuten auf ein hartes und entbehrungsreiches Leben hin – das Leben von Sklaven. Eine C14-Untersuchung der Knochen soll letzte Gewissheit geben. Stammen die menschlichen Überreste aus der Zeit, in der das Königreich Portugal unter Heinrich dem Seefahrer zur überseeischen Handelsmacht aufstieg?

„Herstellung von rassisch anders konnotierten Körpern“

Interview mit Björn A. Schmidt über die Darstellung chinesischer Migranten im US-Spielfilm

Im vergangenen Jahr brandete im Zusammenhang mit der Darstellung eines afrikanischen Menschen in einer Fernsehunterhaltungssendung eine Debatte rund um das sogenannte Blackface auf. In einem L.I.S.A.Interview haben wir die Diskussion damals aufgenommen. Auch die stereotype und orientalistische Darstellung von asiatischen Menschen hat in der Fernseh- und Filmbranche lange Tradition, vor allem das Yellowface – auch hier werden Menschen anderer Herkunft nicht von ihnen selbst dargestellt, sondern von „Weißen“, die sich als vermeintlich typische Chinesen schminken und verkleiden. Der Historiker Dr. Björn A. Schmidt hat sich in seinem Dissertationsprojekt dem Yellowface und der Darstellung von chinesischen Migrantinnen und Migranten angenommen und US-Spielfilme nicht nur nach dem Umgang mit dieser Praxis untersucht, sondern darüber hinaus die daraus entstehenden gesamtgesellschaftlichen Diskurse über Identität und die Konstruktion von Andersheit herausgearbeitet. Wir haben ihm zu seinem Buch „Visualizing Orientalness. Chinese Immigration and Race in U.S. Motion Pictures, 1910s-1930s“ unsere Fragen gestellt.

Die Sklaven von Lagos: Episode 2 – „Knochenarbeit“ Bioarchäologie

Zurück in ihrer Heimatuniversität Coimbra untersucht die Anthropologin Dr. Maria Teresa Ferreira mit ihrem Team die vielen Knochen, die zufällig bei Bauarbeiten in Lagos gefunden wurden. Erster Schritt ist dabei die Säuberung der menschlichen Überreste von Schmutz und anderem Fremdmaterial. Anschließend müssen Tausende von Knochen vermessen und katalogisiert werden. Erst dann geht es an die eigentliche Puzzlearbeit: Welche Knochen gehören zusammen? Was sagen Sie aus über Geschlecht, Alter, aber auch über Herkunft und Lebensumstände der Menschen? Deuten Krankheitsspuren und Fehlbildungen auf harte Arbeit hin? Handelt es sich bei dem Fund um die Überreste von Sklaven? Das besondere Material liefert viele Daten und Indizien mehr, als auf dem ersten Blick zu vermuten ist.

„Sie thront wie eine Sphinx über Österreich“

Interview mit Thomas Lau über die Habsburgerkaiserin Maria Theresia damals und heute

Der 300. Geburtstag der einzigen Frau auf dem Habsburger-Thron ist in Österreich ein besonderes nationales Ereignis. An die einstige Kaiserin Maria Theresia erinnern seit einer Woche staatliche und andere Institutionen in zahlreichen Festakten und Veranstaltungen. Die Tochter von Kaiser Karl VI. und seiner Gemahlin Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel, die 1740 nach dem Tod ihres Vaters die Regierungsgeschäfte der Habsburgermonarchie übernahm, wird von der Republik Österreich bis heute als Gründerin, Reformerin und Landesmutter gefeiert. Woran liegt es, dass eine Monarchin aus der Zeit des Absolutismus zur Symbolfigur einer Republik werden konnte? Wer war die einzige Frau an der Spitze der Habsburger? Der Historiker Prof. Dr. Thomas Lau von der Université de Fribourg hat eine neue Biographie über Maria Theresia verfasst. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

Die Externalisierungsgesellschaft

Interview mit Stephan Lessenich über Folgen des globalen Kapitalismus

Wir leben auf Kosten der anderen, so lautet zugespitzt die These des Soziologen Prof. Dr. Stephan Lessenich von der Ludwigs-Maximilian-Universität München. Ausgeführt hat er diese These in seiner jüngsten Publikation „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“. Demnach ist das Weltgefüge politisch, ökonomisch, sozial und ökologisch schief, unsere Lebensweise im Norden bzw. im Westen eine Belastung für den Rest der Menschheit. Diese Erkenntnisse seien nicht neu, so Stephan Lessenich, doch obwohl wir darum wüssten, ändere sich nichts. Woran liegt das? Diese und andere Fragen haben wir ihm in unserer Videogesprächsreihe „Zu Gast bei L.I.S.A. Wortwechsel im Stiftungshaus“ gestellt.

Die Externalisierungsgesellschaft

Interview mit Stephan Lessenich über Folgen des globalen Kapitalismus

Wir leben auf Kosten der anderen, so lautet zugespitzt die These des Soziologen Prof. Dr. Stephan Lessenich von der Ludwigs-Maximilian-Universität München. Ausgeführt hat er diese These in seiner jüngsten Publikation „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“. Demnach ist das Weltgefüge politisch, ökonomisch, sozial und ökologisch schief, unsere Lebensweise im Norden bzw. im Westen eine Belastung für den Rest der Menschheit. Diese Erkenntnisse seien nicht neu, so Stephan Lessenich, doch obwohl wir darum wüssten, ändere sich nichts. Woran liegt das? Diese und andere Fragen haben wir ihm in unserer Videogesprächsreihe „Zu Gast bei L.I.S.A. Wortwechsel im Stiftungshaus“ gestellt.

Die Sklaven von Lagos: Episode 1 – Skelette an der Algarve

Die portugiesische Hafenstadt Lagos an der Algarveküste zieht heute vor allem Touristen an. In der gut erhaltenen Altstadt betreten Besucher irgendwann auch den historischen Sklavenmarkt (Mercado de Escravos), war Lagos im ausgehenden Mittelalter vor allem ein Umschlagplatz für Sklaven aus Afrika. Zeugnis davon legt nicht zuletzt ein grausiger Fund ab, der im Zuge des Baus eines neuen Parkhauses zufällig gemacht wurde: zahlreiche Menschen-Skelette, die das Bild einer menschlichen Müllkippe abgeben. Die Anthropologin Dr. Maria Teresa Ferreira von der Universität Coimbra vermutet, dass es sich hierbei um die Überreste von Sklaven handelt. Wer aber waren diese Menschen? Welches Schicksal haben sie erlitten? Was lässt sich aus der Erforschung dieser Skelette Neues über die Geschichte der Sklaverei sagen?

„Kulturerhalt erfolgt in jeder Gesellschaft“

Interview mit Marie Huber über die Geschichte des Weltkulturerbes in Äthiopien

Infolge der jüngeren Zerstörungen von historischen Stätten im Zusammenhang mit Kriegen ist das Thema Kulturerbeerhalt wieder in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Raubgrabungen im Irak und mutwillige Zerstörungen in Afghanistan und Syrien haben dazu geführt, dass in den Überlegungen für eine Nachkriegsordnung der Restaurierung und dem dauerhaften Erhalt von Weltkulturerbe eine inzwischen gewichtige Bedeutung zukommt. Dabei sind der Schutz und die Bewahrung von bedeutenden Überresten aus der Geschichte der Menschheit alles andere als neu. Die Historikerin Marie Huber untersucht derzeit in ihrem von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Dissertationsprojekt die Geschichte des Kulturerhalts in Äthiopien. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

„Die Kunst auf den Barrikaden!“ Ikonische Dynamik von der Reformation bis zur Revolution

Salon Sophie Charlotte 2017

Mit entblößtem Busen und der Trikolore in der Hand führt die Freiheit in Gestalt einer Frau das sich erhebende Volk an. Eugène Delacroix‘ Gemälde, das kurz nach der Julirevolution von 1830 entstanden ist, zählt zu den berühmtesten Ikonen, die Revolution, Rebellion und Aufstand bildlich thematisieren. Bis heute rekurrieren Protestformen auf dieses Bild der Frau mit nackter Brust, beispielsweise in der sogenannten Femen-Bewegung, bei der Aktivistinnen oben ohne demonstrieren. Die Kunsthistoriker Prof. Dr. Andreas Beyer von der Universität Basel und Prof. Dr. Michael Diers von der Humboldt-Universität Berlin diskutieren in ihrem Gespräch dieses und andere Bilder aus der Kunstgeschichte seit der Reformation, die Revolutionen und andere politische Umbrüche begleitet und vielleicht sogar ausgelöst haben.

„Eine Persönlichkeit, viele Identitäten“

Interview mit Alfred Grosser über seine und andere Identitäten

Mit sich selbst eins sein ist der Zustand, der als Identität begriffen wird. Aber ist das als Mensch überhaupt möglich? Können wir Zustände einfrieren? Sind wir als 20-jährige diejenigen, die wir auch als 50-jährige sind? Identität und Wandel wären so gesehen zwei sich ausschließende Konzepte. Der Historiker Prof. Dr. Alfred Grosser, selbst Hausherr mehrerer Identitäten, hat sich der aktuellen Frage, was die Identität eines Menschen überhaupt ausmacht, in einem neuen Buch angenommen. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

„Widerhall faschistoider Ästhetik ist nahezu omnipräsent“

Interview mit Jelena Jazo über Post-Nazismus und Populär-Kultur

Das Zeigen von nazistischer Emblematik, wie beispielsweise von Hakenkreuzen oder SS-Runen, ist im politischen Raum Deutschlands verboten. In der Populär-Kultur sind die Grenzen indes nicht so eindeutig abgesteckt. Im Gegenteil: Dort ist bildhafte NS-Symbolik nahezu omnipräsent, so die These der Kulturwissenschaftlerin Dr. Jelena Jazo. In ihrem Dissertationsprojekt hat sie das Nachleben faschistoider Ästhetik in Bildern der Gegenwart untersucht. Eines ihrer Ergebnisse: NS-Symbolik verliert im Post-Nazismus nach und nach ihren historischen Gehalt und entwickelt dabei zahlreiche neue Chiffren, mit vielfachen Anschlussmöglichkeiten an die sogenannte Populär-Kultur. Wie das genau zu verstehen ist, dazu haben wir unsere Fragen gestellt.

„Sport mit pseudoaristokratischem Ethos“

Interview mit Helen Roche zur Sporterziehung in den Napolas

Die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten, kurz Napola oder auch NPEA, waren die Eliteschulen des Nationalsozialismus. Hier sollten die sogenannten Jungmannen zu treuen und tüchtigen Nationalsozialisten, die für höhere Aufgaben bestimmt waren, erzogen werden. Dabei spielte die körperliche Ertüchtigung eine entscheidende Rolle. Die Historikerin Dr. Helen Roche von der University of Cambridge forscht über die Geschichte der Napolas und hat für den Band „Sport und Nationalsozialismus“ untersucht, welche Bedeutung die Sporterziehung in diese Eliteanstalten hatte und wie sie sich von anderen Schulen unterschied. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

„Eine neo-feudale und neo-dienerliche Gegentendenz“

Interview mit Christoph Bartmann über Diener, Dienen und Dienstleistung damals und heute

Der Aufstieg des tertiären Sektors beziehungsweise der sogenannten Dienstleistungsbranche setzte in den westlichen Volkswirtschaften bereits in den 1970er Jahren an. Der Prozess der Umwandlung von primär industriell verfassten Ökonomien zu Dienstleistungsgesellschaften ist dabei auch mit einer Veränderung von gesellschaftlichen Normen und Werten verbunden. Eine Folge dieses sozioökonomischen Wandels ist möglicherweise die Rückkehr der Diener in westlich geprägten Privathaushalten. Man verfügt wieder über Personal. So lautet die These des Historikers Dr. Christoph Bartmann – seit 2016 Direktor des Goethe-Instituts in Warschau – in seinem neuen Buch. Wir wollten von ihm wissen, was er genau unter Diener und Dienen mit Blick auf Geschichte und Gegenwart versteht, wer heute warum Diener in Anspruch nimmt und was das für das Konzept von Arbeit in der Zukunft bedeutet.

Revolutionen im 20. Jahrhundert – und was kommt dann?

Salon Sophie Charlotte 2017

Hat sich das Programm der Revolution heute erschöpft? Liegt es an Vorstellungen über Gewaltakte, die mit Revolutionen untrennbar verbunden zu sein scheinen, dass diese inzwischen eher negativ konnotiert sind? Wie blutig aber waren Revolutionen des 20. Jahrhunderts tatsächlich? Sind es eher zwischenstaatliche Kriege und Bürgerkriege, die infolge revolutionärer Umstürze zu großem Blutvergießen geführt haben? Darüber diskutieren der Osteuropa-Historiker Prof. Dr. Manfred Hildermeier von der Universität Göttingen, der Lateinamerika-Historiker Prof. Dr. Stefan Rinke von der Freien Universität Berlin sowie der Sinologe Prof. Dr. Rudolf G. Wagner von der Universität Heidelberg. Sie vergleichen dabei vor allem Revolutionen in Europa mit denen in Lateinamerika und Asien. Moderiert wird das Gespräch von der Historikerin und Direktorin des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung Prof. Dr. Ute Frevert.

„Die NS-Zeit wurde stets ausgeblendet“

Interview mit Agnes Meisinger zum Wiener Eislauf-Verein im Nationalsozialismus

Bald nach dem sogenannten Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich erfolgte 1938 auch dort der Ausschluss jüdischer Mitglieder aus Sportvereinen des Landes. Exemplarisch für diese Praxis hat die Historikerin Dr. Agnes Meisinger vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien die NS-Geschichte des Wiener Eislauf-Vereins untersucht. Noch bis zuletzt hatte der bürgerliche Verein seine Verstrickung in den Nationalsozialismus verschwiegen. Ihre Ergebnisse hat Agnes Meisinger im Band „Sport im Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

„Die NS-Zeit wurde stets ausgeblendet“

Interview mit Agnes Meisinger zum Wiener Eislauf-Verein im Nationalsozialismus

Bald nach dem sogenannten Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich erfolgte 1938 auch dort der Ausschluss jüdischer Mitglieder aus Sportvereinen des Landes. Exemplarisch für diese Praxis hat die Historikerin Dr. Agnes Meisinger vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien die NS-Geschichte des Wiener Eislauf-Vereins untersucht. Noch bis zuletzt hatte der bürgerliche Verein seine Verstrickung in den Nationalsozialismus verschwiegen. Ihre Ergebnisse hat Agnes Meisinger im Band „Sport im Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

„Personelle und ideologische Kontinuitäten“

Interview mit Helena Gand zur Kooperation zwischen Turnerschaft und Nationalsozialisten

Die Deutsche Turnerschaft organisierte bereits seit 1860 im Fünfjahresrhythmus das Deutsche Turnfest. Jenseits der vordergründigen sportlichen Funktion als Veranstaltung von Turnern und für Turner, waren diese Feste vor allem nationalpolitisch aufgeladen. Sie standen für nationale Einheit und Freiheit, Gemeinschaftssinn und körperlicher Wehrertüchtigung. Insofern lag es für die Nationalsozialisten ideologisch nah, noch lange vor der Machtergreifung 1933 die Nähe zur Deutschen Turnerschaft zu suchen. Die Historikerin und Sozial- und Kulturathropololgin Helena Gand vom Stadtmuseum Stuttgart hat die Turnerschaft untersucht und dabei vor allem das erste Turnfest unter nationalsozialistischer Herrschaft in den Blick genommen. Ihre Ergebnisse hat sie im Sammelband „Sport und Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

Wie revolutionär ist die Reformation?

Salon Sophie Charlotte 2017

Die Frage, ob es sich bei der Reformation vor 500 Jahren um eine Revolution gehandelt hat, ist nicht neu. Schon im Umfeld der Französischen Revolution wurde darüber debattiert, ob die Reformation revolutionär gewesen sei? Wollte Luther tatsächlich eine Revolution? Ging es ihm um den politisch-sozialen Umbruch einer Ordnung oder eher um spirtuelle Erneuerung? Kann man im Mittelalter überhaupt revolutionär sein oder ist der Begriff der Revolution untrennbar mit der Moderne verbunden? Über diese und anschließende Fragen diskutieren die Historikerin Prof. Dr. Barbara Stollberg-Rilinger von der Universität Münster, der Theologe Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Graf von der Universität München sowie der Journalist und Luther-Biograph Willi Winkler. Moderiert wird das Gespräch vom Theologen und Kirchenhistoriker Prof. Dr. Christoph Markschies.

„Breitensport mit Unterhaltungscharakter“

Interview mit Julia Timpe über Betriebssport in der NS-Organisation „Kraft durch Freude“

Die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) hatte für die NS-Führung eine zentrale Funktion: das Freizeitverhalten der Bevölkerung zu gestalten und darüber das Gefühl einer „Volksgemeinschaft“ zu befördern. Der Betriebssport bot dabei einen direkten Zugriff auf die Aktivitäten und Köpfe der Werktätigen nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch am Feierabend. Die Historikern Dr. Julia Timpe von der Universität Bremen hat den Komplex KdF, Betriebssport und Freizeit untersucht und ihre Ergebnisse im Band „Sport und Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

„Breitensport mit Unterhaltungscharakter“

Interview mit Julia Timpe über Betriebssport in der NS-Organisation „Kraft durch Freude“

Die nationalsozialistische Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ (KdF) hatte für die NS-Führung eine zentrale Funktion: das Freizeitverhalten der Bevölkerung zu gestalten und darüber das Gefühl einer „Volksgemeinschaft“ zu befördern. Der Betriebssport bot dabei einen direkten Zugriff auf die Aktivitäten und Köpfe der Werktätigen nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch am Feierabend. Die Historikern Dr. Julia Timpe von der Jacobs University Bremen hat den Komplex KdF, Betriebssport und Freizeit untersucht und ihre Ergebnisse im Band „Sport und Nationalsozialismus“ veröffentlicht. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

Der Mythos Paul Klee

Interview mit Manfred Clemenz über Paul Klee als Künstler seiner Zeit

Paul Klee wird von seinen Bewunderern als eine Lichtgestalt verehrt, als ein Genie, das seiner Zeit enthoben und der Welt entrückt war. Diese nahezu abgöttische Verehrung eines Künstlers ist an sich nichts besonderes, hätte nicht der Künstler selbst bereits zu Lebzeiten an dieser Verehrung einen wesentlichen Anteil gehabt. Paul Klee selbst hatte zeitlebens an seinem eigenen Mythos intensiv mitgearbeitet, so die These des Soziologen und Kunsthistorikers Prof. Dr. Manfred Clemenz. Diesen Mythos biographisch und kulturgeschichtlich zu dekonstruieren und Paul Klee als einen Menschen mit Höhen und Tiefen darzustellen, ist das Ziel seines Buchs „Der Mythos Paul Klee“. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

Der Mythos Paul Klee

Interview mit Manfred Clemenz über Paul Klee als Künstler seiner Zeit

Paul Klee wird von seinen Bewunderern als eine Lichtgestalt verehrt, als ein Genie, das seiner Zeit enthoben und der Welt entrückt war. Diese nahezu abgöttische Verehrung eines Künstlers ist an sich nichts besonderes, hätte nicht der Künstler selbst bereits zu Lebzeiten an dieser Verehrung einen wesentlichen Anteil gehabt. Paul Klee selbst hatte zeitlebens an seinem eigenen Mythos intensiv mitgearbeitet, so die These des Soziologen und Kunsthistorikers Prof. Dr. Manfred Clemenz. Diesen Mythos biographisch und kulturgeschichtlich zu dekonstruieren und Paul Klee als einen Menschen mit Höhen und Tiefen darzustellen, ist das Ziel seines Buchs „Der Mythos Paul Klee“. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

Die Sklaven von Lagos

Das Forschungsprojekt Der Hafen der portugiesischen Stadt Lagos war im 15. Jahrhundert Anlaufpunkt für Sklavenschiffe aus Afrika, und von dort aus wurden die Menschen in Portugal und Europa weiter verteilt. Bei einer Notgrabung auf einem für den Bau eines unterirdischen Parkhauses vorgesehenen Gebiet im außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern gelegenen Ortsteil Valle da Gafaria entdeckten Archäologen im Jahr 2009 zwei menschliche Begräbnisstätten: eine gehörte zu einem Leprosorium, eine zweite war vermischt mit einer sechs Meter dicken Schicht städtischen Abfalls aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Sie enthielt 158 menschliche Skelette, darunter 107 Erwachsene, 49 Heranwachsende und zwei Personen unbestimmbaren Alters. Zahlreiche Hinweise sprachen dafür, dass die hier Bestatteten afrikanische Sklaven waren: Die Menschen waren teilweise gefesselt, viele trugen Gegenstände afrikanischer Herkunft wie Ringe und Halsketten und hatten absichtlich veränderte Zähne. Alle Personen waren ohne Bestattungsriten in einer Abfallgrube beerdigt worden. Erste morphometrische und genetische Analysen belegten die afrikanische Abstammung der in Valle da Gafaria bestatteten Personen. Eine AMS C14-Untersuchung datierte den Beginn der Bestattungen auf die Zeit zwischen 1420 und 1480 – und somit zeitgleich zu den ersten historischen Verweisen auf die Ankunft von Schiffen mit afrikanischen Sklaven in Lagos.
Innerhalb Portugals ist der Fund von Valle da Gafaria einzigartig, und auch weltweit sind nur wenige Sklavenfriedhöfe bekannt, die noch dazu alle in der Neuen Welt angesiedelt sind und deutlich später angelegt wurden. Ziel eines Forschungsvorhabens von Dr. Maria Teresa Ferreira ist es, die in Lagos aufgefundenen Skelette umfassend mit den Methoden der Bioarchäologie zu untersuchen und das Leben und Sterben der in Valle da Gafaria beerdigten Menschen zu dokumentieren. Leitfragen beziehen sich zum einen auf die Bestimmung des jeweiligen biologischen Profils (Alter, Geschlecht, Herkunft, Gestalt), die Erhebung der Paläodemographie des gesamten Fundes und auf die Untersuchung von Migrationsbewegungen sowie Wachstums- und Entwicklungsfaktoren. Paläopathologische Analysen sollen Hinweise auf Krankheiten und somit auch auf Ernährung, Aktivitätsmuster, Lebensbedingungen und durch Gewalt und Misshandlungen vor und nach dem Tod entstandene Traumata geben. Die Sammlung von Lagos bietet die Gelegenheit, über die zur Verfügung stehenden historischen Quellen hinaus mehr über die früheste Phase des transatlantischen Handels mit Sklaven in der Frühen Neuzeit zu erfahren. Die Ergebnisse des Forschungsprojekts sollen zum einen in Fachzeitschriften veröffentlicht und zum anderen bei nationalen und internationalen wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt werden.