Planet History

Author Archive for Georgios Chatzoudis

„Das Archiv als ‚Tatort‘ historischer Forschung“

Interview mit Francisca Loetz über Film als Medium der Geschichtswissenschaft

Am Anfang jeder historischen Arbeit steht das Quellenstudium. Das Suchen, Lesen, Auswerten und Einordnen von Quellen ist die Grundlage jeder historischen Forschung. Dieser Arbeitsprozess ist für die Öffentlichkeit, die das historische Buch als Endprodukt des Forschungsprojekts in der Hand hält, meist unsichtbar. Die Historikerin Prof. Dr. Francisca Loetz von der Universität Zürich wollte genau diesen Prozess für eine beite Öffentlichkeit sichtbar machen und hat sich für dieses Anliegen für das Medium Film entschieden. Das Video mit dem Titel Tatort Archiv: Einem Gotteslästerer auf der Spur, das bei L.I.S.A. in einer deutsch- und in einer englischsprachigen Fassung vorliegt, ist das Ergebnis dieses Vorhabens. Welche Konzeption und Erzählung hinter diesem Film steckt, dazu haben wir Professor Loetz unsere Fragen gestellt.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 3 – Der Wiederaufbau des Harishankara Tempels

Der 1706 gestiftete Tempel des Harishankara auf dem Durbar Square in Patan ist infolge des Erdbebens von 2015 bis auf den Sockel eingestürzt. Bei der Begutachtung der Schäden wird das Ausmaß des Schadens deutlich: sogar die Fundamentschäden weisen Brüche und Risse auf, zahlreiches schmückendes Beiwerk in Form von Figuren und Ornamenten ist zerstört. Was übrig geblieben ist, wird akribisch dokumentiert und gelagert. Für das aber, was unwiederbringlich verloren ist, stellt sich für die Forscher, Architekten, Restauratoren und Handwerker nun die entscheidende Frage: Wie viel an modernen Eingriffen in die historische Bauweise ist erlaubt? Was darf wie wiederhergestellt werden? Dürfen beispielsweise zerstörte und für immer verlorene Holzfiguren neu geschnitzt werden und den Platz der alten Figur einnehmen? Westliche Vorstellungen und Konzepte zur Denkmalpflege prallen hier auf Traditionen der Einheimischen. 

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 3 – Der Wiederaufbau des Harishankara Tempels

Der 1706 gestiftete Tempel des Harishankara auf dem Durbar Square in Patan ist infolge des Erdbebens von 2015 bis auf den Sockel eingestürzt. Bei der Begutachtung der Schäden wird das Ausmaß des Schadens deutlich: sogar die Fundamentschäden weisen Brüche und Risse auf, zahlreiches schmückendes Beiwerk in Form von Figuren und Ornamenten ist zerstört. Was übrig geblieben ist, wird akribisch dokumentiert und gelagert. Für das aber, was unwiederbringlich verloren ist, stellt sich für die Forscher, Architekten, Restauratoren und Handwerker nun die entscheidende Frage: Wie viel an modernen Eingriffen in die historische Bauweise ist erlaubt? Was darf wie wiederhergestellt werden? Dürfen beispielsweise zerstörte und für immer verlorene Holzfiguren neu geschnitzt werden und den Platz der alten Figur einnehmen? Westliche Vorstellungen und Konzepte zur Denkmalpflege prallen hier auf Traditionen der Einheimischen. 

„Anpassung an kranke gesellschaftliche Verhältnisse“

Interview mit Hans-Joachim Maaz über das Phänomen der Normopathie

Von Menschen, die nicht gerade als Eremiten leben, sondern Teil einer Gruppe sein möchten, wird erwartet, dass sie sich an die Gruppe anpassen und gewisse Regeln des Zusammenlebens befolgen. Wer das tut, erntet die Anerkennung der Gruppe und erfährt ihren Schutz und ihre Solidarität. Das wiederum kann zu dem Gedanken verführen, dass besonders viel Anpassung und ein besonders folgsames Verhalten zu besonders viel Lob, Belohnung und persönlichem Glück führen könnte. Diese Rechnung geht aber nicht auf, behauptet der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Hans-Jürgen Maaz. Im Gegenteil, wer nach diesen Prinzipien lebe, sich übermäßig anpasse und überkonform verhalte, lebe ein falsches Leben und ist ein Normopath. Schuld daran ist aber nicht nur der derart narzisstisch veranlagte Einzelne, sondern die Gesellschaft insgesamt, die einen hohen Anpassungsdruck auf ihre Mitglieder ausübe. Wie das genau zu verstehen ist, dazu haben wir dem Autor des Buches „Das falsche Leben“ unsere Fragen gestellt.

Über Revolution und Reformation in der Musik

Salon Sophie Charlotte 2017

Beim Thema Revolution und Reformation in der Musik schwingen zwei Deutungsebenen mit, auf denen sich jeweils aus unterschiedlicher Perspektive über das Thema diskutieren lässt: die Musik selbst, bei der Instrumente, Theorien und Arrangements revolutionäre und reformatorische Veränderungen haben, oder die Musik als Resonanzkörper für politische Revolutionen und gesellschaftliche Reformen. Der Sprach- und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Osterkamp diskutiert beide Aspekte mit der Dramaturgin Nike Wagner und dem Musikritiker Gerhard R. Koch.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 2 – Ritual bestimmt das Leben

Die nepalesische Gesellschaft ist vor allem eine Ritualgesellschaft. So beginnt für die Newars, die größte Ethnie im Kathmandutal, jeder Tag mit der Verehrung der Götter der Nachbarschaft und der Besänftigung von Geistern. Die Versorgung der Ahnen mit Nahrung und Wasser gehört dabei zu einem ihrer wichtigsten Rituale. Auch beim Wiederaufbaufbau der durch das Erdbeben im Kathmandutal zerstörten Tempel kommt Ritualen eine wesentliche Rolle zu. Unter anderem werden die Werkzeuge, die bei den Restaurierungsmaßnahmen zum Einsatz kommen sollen, mit dem Blut einer geopferten Ziege geweiht. Die Weihung der Werkzeuge und im Anschluss daran auch der Handwerker ist eingebunden in ein großes Volksfest.

„Visuelle Auseinandersetzung mit Grenzverschiebungen“

Interview mit Kerstin Borchhardt über Mischwesen und Monster in der Kunst

Kentauren, Satyrn und Sirenen, alles Mischwesen aus Mensch und Tier, bevölkerten die Vorstellungswelt der Menschen in der Antike. Heute würde man an diese Hybridwesen wahrscheinlich als Monster bezeichnen, ohne dass das zwangsläufig pejorativ gemeint wäre. Denn auch in Sujets der Moderne und Postmoderne taucht das Motiv des Anthropomorphen in den verschiedenensten Ausprägungen wieder auf. Die Kunsthistorikerin Dr. Kerstin Borchhardt hat im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit den Umgang mit exzentrische Mischwesen im Werk des Schweizer Malers Arnold Böcklin erforscht. Wie hat der Künstler des 19. Jahrhunderts Tritone, Pane und andere „Monster“ motivgeschichtlich verarbeitet und die Diskurse seiner Zeit darin ausgedrückt? Diese und weitere Fragen haben wir ihr zu ihrem Buch „Böcklins Bestiarium“ gestellt.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 1 – Das Erdbeben von 2015

Das Nepal-Erdbeben im April 2015 kam nicht überraschend. Entsprechend wurden Vorsorgungen getroffen, aber die Präventionsmaßnahmen reichten am Ende nicht aus. Was überraschte, war die verheerende Intensität der Erdstöße, so dass es zu einer Katastrophe mit vielen Opfern und gewaltigen Zerstörungen kam. Betroffen von den Zerstörungen waren nicht zuletzt die bedeutenen Tempel des Landes. Mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung werden einige der historischen Heiligtümer nun wieder aufgebaut und restauriert, darunter beispielsweise der Harishankara-Tempel in Patan. Die Rekonstruktionsarbeiten finden in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne statt. Was gilt es zu erhalten und was muss mit neuen Methoden dauerhaft gesichert werden? Die einheimischen Architekten sehen westliche Kulturerhaltskonzepte kritisch und berufen sich auf ihre Bautraditionen.

Wankende Weltbilder? Revolutionen in den Wissenschaften

Salon Sophie Charlotte 2017

Unblutig und unpolitisch, aber genauso umwälzend – so könnte man Revolutionen in den Wissenschaften kurz und knapp beschreiben, insbesondere in den Naturwissenschaften. Die Kopernikanische Wende gehört ebenso dazu wie die Entdeckung der Quantenphysik oder die gegenwärtig alles umfassende Digitalisierung. Welche naturwissenschaftlchen Neuerungen lassen sich noch als wissenschaftliche Revolutionen bezeichnen? Woran erkennt man sie und welche Bedingungen müssen vorherrschen, damit sie möglich werden? Über diese und weitere Fragen diskutieren der Mathematiker Prof. Dr. Jochen Brüning, die Medizinerin Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, der Chemiker Prof. Dr. Helmut Schwarz und der Astrophysiker Prof. Dr. Matthias Steinmetz. Moderiert wird das Gespräch vom Journalisten Manuel J.Hartung.

„Nahezu alle Sportarten galten als ‚Kampf‘-Sport“

Interview mit Marcus Coesfeld über Jiu-Jitsu, Judo und Boxen im Nationalsozialismus

Befürworter von Kampfsportarten mussten in der Zeit in der Zeit des Nationalsozialismus um die Akzeptanz ihrer Disziplinen ringen. Selbst eine so klassische Kampfsportart wie das Boxen stieß nicht auf Anhieb auf die Zustimmung der nationalsozialistischen Führung. Asiatische Nahkampftechniken wie Jiu-Jitsu und Judo hatten es sogar noch schwerer, akzeptiert und in den Kanon des NS-Sports aufgenommen zu werden. Der Historiker Marcus Coesfeld forscht derzeit im Rahmen seines Dissertationsprojekts zur Kampfsportgeschichte im Deutschen Reich. Für den Sammelband „Sport und Nationalsozialismus“ hat er einen Aufsatz über Kampfdisziplinen im „Dritten Reich“ unter besonderen Berücksichtigung von Jiu-Jutsi veröffentlicht. Wir haben im dazu unsere Fragen gestellt.

„Die Angst vor Anerkennungsentzug“

Interview mit Christian Baron über tradierte und sich wandelnde politische Identitäten

Die Frage, warum Wähler, die ehemals politischen Parteien aus dem linken Spektrum ihre Stimme gegeben haben, sich nun massiv einer eher rechten Politik zuwenden, beschäftigt nun schon seit einiger Zeit unter anderen politische Beobachter und Wahlforscher. Zuletzt kochte die Frage hoch, nachdem Donald Trump zur Überraschung vieler die Wahl zum US-Präsidenten für sich entscheiden konnte und dabei vor allem in der traditionellen Wählerschaft der Demokratischen Partei punktete. Auch im Zuge der vielen Besprechungen der Autobiographie des französischen Soziologen Didier Eribon „Rückkehr nach Reims“ füllten diverse Erklärungen Zeitungsspalten und Stunden in Podiumsdiskussionen. In diese Zeit fällt auch das Buch von Christian Baron, in dem er fragt provokativ fragt: Warum verachten die Linken die Arbeiter? Das Buch ist während seines soziologischen Dissertationsvorhabens entstanden, das derzeit noch den Arbeitstitel „Die Kulturalisierung des Klassenkampfes. Eine kritische Analyse des massenmedialen Sozialstaatsdiskurses in Deutschland“ trägt. Wir haben ihm zu seinem Buch und zu seiner Forschung unsere Fragen gestellt.

„Ein imperialer Wissensspeicher“

Interview mit Jonas Kreienbaum über Konzentrationslager im südlichen Afrika

Die ersten Konzentrationslager, in denen militärische und politische Gegner konzentriert und massenhaft gefangen gehalten wurden, enstanden im Zuge des sogenannten Zweiten Burenkriegs (1899-1902). Die britische Kolonialarmee richtete sogenannte concentration camps für inhaftierte Buren und später auch für die afrikanische Bevölkerung ein. Ähnlich verfuhren die deutschen Kolonialherren im Verlauf des Herero- und Nama-Austands von 1904. Tausende Gefangene wurden in eigens dafür eingerichteten Lagern zusammengepfercht. Aber waren Gefangenenlager im Zusammenhang mit kriegerischen Konflikten tatsächlich etwas Neues? Der Historiker Dr. Jonas Kreienbaum von der Universität Rostock hat die Konzentrationslager im südlichen Afrika erforscht und miteinander verglichen. Seine Ergebnisse hat er im Rahmen seines Dissertationprojekts veröffentlicht. Wir haben ihm zu seinem Buch, das mit dem Preis für Übersetzungsförderung 2017 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden ist, unsere Fragen gestellt.

Lieder der Hoffnung und des Widerstands gesungen von Hanna Schygulla

Salon Sophie Charlotte 2017

Hanna Schygullas Auftritt kommt einem Streifzug durch die Geschichte des revolutionären Liedguts gleich. Angefangen mit der Hymne der Pariser Kommune von 1871 – Le Temps des Cerises – geht es weiter zu den antifaschistischen Widerstandliedern Bella Ciao und ¡Ay Carmela!, bis zu Bertolt Brechts und Hanns Eislers Wiegenlied und Ein Pferd klagt an. Im zweiten Teil führt Hanna Schygulla das Publikum zurück in die Zeit der Achtundsechziger: I can’t get no satisfaction (The Rolling stones), Blowing in the wind (Bob Dylan), Imagine (John Lennon), Here comes the sun (The Beatles), Born to be wild (Steppenwolf) und Me and Bobby McGee (Janis Joplin). Begleitet am Flügel wird Hanna Schygulla von Stephan Kanyar.

„Ich ziehe es vor, Archive zu besuchen“

Interview mit Markwart Herzog zur „Gleichschaltung“ des Fußballs im NS

Das nationalsozialistische Regime versuchte von seinen Anfängen an den Sport mit dessen Strukturen, Vereinen und Funktionären nicht nur zu kontrollieren, sondern mit dem faschistischen System gleichzuschalten. So wurden unter anderem über sogenannte Arierparagrafen Sportler und Vereinsmitglieder jüdischer Herkunft ausgeschlossen, Sportvereinen dezidiert politische Funktionen zugewiesen und kleinere sportliche Vereinigungen zu Fusionen mit anderen oder größeren Vereinen gezwungen. Im Sammelband „Die ‚Gleichschaltung‘ des Fußballsports im nationalsozialistischen Deutschland“ widmen sich die Autoren der unterschiedlichen Gleichschaltungsmaßnahmen und fragen, inwiefern diese Maßnahmen gegriffen haben. Wir haben dem Herausgeber und Sporthistoriker Dr. Markwart Herzog sowohl zum Band insgesamt als auch zu seinen Aufsätzen über den Umgang des FC Bayern München mit dessen jüdischen Mitgliedern und über die Fusionsbemühungen von Vereinen in der Pfalz unsere Fragen gestellt.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 6 – La fine dei musulmani (sesta puntata)

La situazione sociale dei musulmani peggiorava con la crescente perdita di potere degli Staufi nella Capitanata. Dopo la morte di Federico II Carlo I d’Angiò sconfiggeva il suo successore e assediava il castello di Lucera. Che cosa è successo in seguito con gli abitanti musulmani della Capitanata e al Cavaliere di Tertiveri? Quali nuove circostanze sociale derivano dall’immigrazione di nuovi popolazioni sotto Carlo I ed il suo figlio? Prof. Lukas Clemens si è dedicato a queste domande in loco.

Der Mönch und das Rhinozeros. 1517 – ein Jahr der Weltrevolution?

Salon Sophie Charlotte 2017

Das Jahr 1517 ist das Luther-Jahr schlechthin, so die Rezeption im westlichen Europa und vor allem in Deutschland nicht erst im Jubiläumsjahr. Luther habe mit seinem revolutionären Thesenanschlag zu Wittenberg die Welt verändert, lautet dabei die gängige Erzählung. Der Neuzeithistoriker Prof. Dr. Heinz Schilling bestreitet die Bedeutung Martin Luthers für die Weltgeschichte nicht, kritisiert aber diese Fokussierung auf den Reformator als euro- bzw. germanozentrische Nabelschau. Sein Ansatz ist ein globalgeschichtlicher. Das Jahr 1517 sei vielmehr in eine Epochenschwelle mit einer Reihe von weltbedeutenden Ereignissen eingebettet. Stellvertretend für das Neue und Exotische jener Zeit steht im Vortrag von Heinz Schilling das Rhinozeros von Lissabon, das 1515 von Indien nach Portugal verschifft worden war und von Albrecht Dürer in seinem berühmten Holzschnitt festgehalten wurde. Weitere weltgeschichtliche Entwicklungen folgen. Es begrüßen zu Beginn die Ethnologin Prof. Dr. Carola Lentz sowie die Zivilrechtlerin Prof. Dr. Christine Windbichler.

Antike Nomaden von Mangystau: Episode 3 – Goldfieber

Die Freilegung und Säuberung der Steinnanlage in der kasachischen Steppe bleibt mühsam. Doch sie lohnt sich. Die Archäologen stoßen bei ihren kleinteiligen Grabungen nach und nach auf Funde, die viele neue Fragen aufwerfen: Welche Bedeutung haben die Stapel aus Schafsknochen? Woher kommen die vielen Steine, aus denen einst die Mauern gebaut wurden? Welche Rückschlüsse über die frühere Beschaffenheit dieser lebensfeindlichen Landschaft lassen sich aus den Versteinerungen von Wassertieren ziehen? Während die Archäologen diese Funde sichern, fallen ihnen am Rande des Mauerwerks Hinweise auf eine Grube auf, die es in sich hat.

„Die Zukunft der Psychoanalyse liegt in der Vergangenheit“

Interview mit Andreas Mayer über Sigmund Freud aus heutiger Perspektive

Jede Generation liest die Klassiker aus Literatur und Wissenschaft neu. Sigmund Freud gehört zum Genre „Klassiker“ – für die einen aus literarischer, für andere aus wissenschaftlicher Perspektive. Der Historiker und Soziologe Dr. Andreas Mayer vom Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS) in Paris hat den berühmten Psychoanalytiker vor allem aus kulturhistorischer und wissenschaftsgeschichtlicher Sicht gelesen und daraus eine aktuelle Lesart von Freuds zentralen Werken verfasst. Wir haben ihm zu seinem Buch unsere Fragen gestellt.

Aby Warburgs „Serendipity“: von Zufall und Weisheit im Labyrinth der Bibliothek

Vortrag von Andreas Beyer anlässlich des Sommerfests der Gerda Henkel Stiftung

Die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg in London gehört heute zu den Zentren der internationalen Humanismusforschung sowie der Forschung zum Nachleben der Antike. Entstanden war sie nach dem Ersten Weltkrieg aus der Liebe ihres Gründers Aby Warburg für das Buch. Schon als Jugendlicher hatte der erstgeborene Sohn der Bankiersfamilie Warburg seine Leidenschaft fürs Lesen entdeckt, der er sich ein Leben lang verschreiben sollte. Der Ort, an dem Buch und Lesen genuin zusammentrafen, war damals die Bibliothek, die fortan Warburgs Wirken bestimmte. Ihm schwebte dabei der Aufbau einer Bibliothek vor, deren Struktur sich vom Prinzip der Serendipität (Serendipity) leiten ließ: dem glücklichen Zufall, genauer: dem gelenkten Zufall. Wie diese Paradoxie zu verstehen ist, davon handelt der Vortrag des Kunsthistorikers Prof. Dr. Andreas Beyer, den er anlässlich des Sommerfests der Gerda Henkel Stiftung gehalten hat. Begrüßt und vorgestellt wird er von Dr. Michael Hanssler, dem Vorsitzenden des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 5 – Il pezzo chiave – il pastorale (quinta puntata)

La scoperta più importante degli archeologi è esposta nel Museo Diocesano di Lucera: Il pastorale del Vescovo di Tertiveri e gli oggetti del suo corredo funebre. Una tale scoperta sensazionale significa allo stesso tempo ricompensa e motivazione per i ricercatori. Il corredo fornisce informazioni sulla vita del Vescovo e le ossa, analizzate con i metodi antropologici più moderni, parlano della sua persona.

Antike Nomaden von Mangystau: Episode 2 – Rettungsaktion in der Steppe

Retten, was noch zu retten ist – das ist das Motto des kasachisch-russischen Archäologenteams. Die trockene und staubige kasachische Steppe, in der einst Menschen siedelten, ist bereits von zahllosen Raubgrabungen heimgesucht worden. Die Plünderung der Gräber ist das eine, mindestens genauso schlimm ist aber auch die Zerstörung der Anlagen selbst, die als Quelle zur Erforschung früherer Lebensweisen dadurch für immer verloren gehen. Es gibt aber auch Überreste vergangener menschlicher Lebensformen, die von Grabräubern gar nicht erst entdeckt worden sind. Luftbildaufnahmen lassen Siedlungsstrukturen unterhalb der trockenen und harten Erdschicht der Steppe erkennen. Für die Archäologinnen und Archäologen bedeutet das den Griff zum Spaten und danach graben. Was sie zu Tage fördern, ist erstaunlich. Wind, Wasser und Gold spielen dabei eine Rolle.

„Die Welt in kritischer Absicht erfassen“

Interview mit Jörg Später über Siegfried Kracauers Leben, Denken und Wirken

Siegfried Kracauers Leben war ein Leben voller Zweifel, Fragen, Brüche und schicksalhaften Wendungen. Seine soziale und geistige Umgebung prägten vor allem von drei Weggefährten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ähnliche Lebenswirklichkeiten erfuhren: Ernst Bloch, Walter Benjamin und Theodor Adorno. Gemeinsam bildeten sie das Philosophische Quartett der 1920er und 1930er Jahre – eine Gruppe von freidenkenden Außenseitern jüdischer Herkunft, die sich zunehmend einem feindseligen Umfeld gegenübersahen. Der nationalsozialistische Terror sprengte diese Gruppe, die Schicksale der vier Intellektuellen nahmen unterschiedliche Verläufe und Ausgänge an. Der Historiker Dr. Jörg Später von der Universität Freiburg hat sich einen der vier Denker ausgesucht und über das Leben, Denken und Wirken Siegfried Kracauers ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Wir haben ihm zu seiner Kracauer-Biographie unsere Fragen gestellt.

„Die Welt in kritischer Absicht erfassen“

Interview mit Jörg Später über Siegfried Kracauers Leben, Denken und Wirken

Siegfried Kracauers Leben war ein Leben voller Zweifel, Fragen, Brüche und schicksalhaften Wendungen. Seine soziale und geistige Umgebung prägten vor allem von drei Weggefährten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ähnliche Lebenswirklichkeiten erfuhren: Ernst Bloch, Walter Benjamin und Theodor Adorno. Gemeinsam bildeten sie das Philosophische Quartett der 1920er und 1930er Jahre – eine Gruppe von freidenkenden Außenseitern jüdischer Herkunft, die sich zunehmend einem feindseligen Umfeld gegenübersahen. Der nationalsozialistische Terror sprengte diese Gruppe, die Schicksale der vier Intellektuellen nahmen unterschiedliche Verläufe und Ausgänge an. Der Historiker Dr. Jörg Später von der Universität Freiburg hat sich einen der vier Denker ausgesucht und über das Leben, Denken und Wirken Siegfried Kracauers ein außergewöhnliches Buch geschrieben. Wir haben ihm zu seiner Kracauer-Biographie unsere Fragen gestellt.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 4 – La cripta del vescovo e la tomba del musulmano (quarta puntata)

Tombe possono essere fonti molto informative per gli archeologi. Pertanto, gli scavi gestite dal Prof. Lukas Clemens focalizzavano sugli analisi di diverse tombe vicino a due chiese diverse all’interno della ex sede del vescovo di Tertiveri. Attraverso questi scavi poteva essere provato la certa sicurezza che Tertiveri tempo fa rappresentava una sede vescovile e che anche musulmani furono sepolti dignitosamente. La collaborazione tra archeologi, storici e antropologi dimostra gradualmente un’immagine della convivenza delle culture nella Capitanata.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 4 – La cripta del vescovo e la tomba del musulmano (quarta puntata)

Tombe possono essere fonti molto informative per gli archeologi. Pertanto, gli scavi gestite dal Prof. Lukas Clemens focalizzavano sugli analisi di diverse tombe vicino a due chiese diverse all’interno della ex sede del vescovo di Tertiveri. Attraverso questi scavi poteva essere provato la certa sicurezza che Tertiveri tempo fa rappresentava una sede vescovile e che anche musulmani furono sepolti dignitosamente. La collaborazione tra archeologi, storici e antropologi dimostra gradualmente un’immagine della convivenza delle culture nella Capitanata.

Der Umsturz von 1989/90: eine Revolution?

Salon Sophie Charlotte 2017

Der britische Historiker Timothy Garton Ash bezeichnete die Ereignisse in Deutschland der Jahre 1989/90 einige Zeit später nicht als Revolution sondern als Refolution. Das Kunstwort drückte in seinem Verständnis genau das aus, was sich in der Wendezeit ereignet hatte: eine eigenwillige Mischung aus Revolution, Evolution und Reform. Wie blickt man heute auf das damalige Geschehen, bei dem eine Weltordnung zusammenbrach, vieles aber erhalten blieb und sich einiges neu fügte? Wie erklärt man 1989/90 aus der gegenwärtigen Perspektive? Auf diese Fragen versuchen unter den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die aus der ersten Reihe das Gespräch verfolgt, vier ehemalige DDR-Bürger sowie ein Bundesbürger Antworten zu finden: Marianne Birthler, Prof. Dr. Dagmar Schipanski, Prof. Dr. Joachim Sauer und Prof. Dr. Richard Schröder sowie Prof. Dr. Jürgen Kocka. Moderiert wird das Gespräch von Wlodzimierz Borodziej.

Antike Nomaden von Mangystau: Episode 1 – Tausend Winterlager

Wo heute nur Geröll, kahle Felsen und karge Erde zu sehen sind, lebte einst eine eigene Kultur – die Kultur von Mangystau. Gelegen im Südwesten Kasachstans und entlang des östlichen Ufers des Kaspischen Meeres haben Nomaden in der Spätantike dort ihre Zelte aufgeschlagen und sind sesshaft geworden. Damals herrschten in dieser Region noch andere klimatische Verhältnisse. Aus geologischen Untersuchungen und historischen Quellen weiß man, dass in diesem Land früher Wasser floss, es fruchtbar war und von Handelskarawanen besucht wurde. Davon zeugt heute kaum noch etwas. Ein russisch-kasachisches Forscherteam aus der Archäologie um Dr. Evgeniy Bogdanov macht sich auf die Suche nach Überresten dieser untergegangenen Kultur.

„In den USA wartet ziemlich genau niemand auf Ratschläge aus Deutschland“

Interview mit Christoph Bieber und Klaus Kamps über die Vereinigten Staaten nach Obama

Mit Donald Trump als dem gegenwärtigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat man sich vielerorts nach wie vor nicht abgefunden. Im Gegenteil: Medienberichte in Presse, Funk und Fernsehen sowie in den Sozialen Netzwerke sind nahezu täglich gespickt mit Kritik und teilweise auch offen geäußerter Empörung über den US-Präsidenten. Zuletzt kulminierte die Erregung über Donald Trumps politischem Handeln und seinen öffentlichen Auftritten in der vielfach ausgesprochenen Erwartung, ihn des Amtes zu entheben. So viel Ablehnung ist einem Präsidenten der USA bisher noch nicht entgegengeschlagen. Sein Vorgänger Barack Obama erscheint in dieser Konstellation beinahe wie das komplette Gegenbild, wie eine Sehnsucht – die Vereinigten Staaten in der Hand eines vertrauenswürdigen und verantwortungsvollen Politikers. Der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Bieber von der Universität Duisburg-Essen und der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Klaus Kamps von der Hochschule der Medien in Stuttgart haben in ihrem gemeinsamen Buch „Nach Obama. Amerika auf der Suche nach den Vereinigten Staaten“ diese Gegenüberstellung zum Anlass genommen, die noch kurze Präsidentschaft Donald Trumps einer Analyse zu unterziehen.

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni, 9.30 Uhr

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Livestream: “From Lucy to you: Reclaiming African History” | 20. Juni

Podiumsdiskussion der Deutschen Welle und der Gerda Henkel Stiftung zum Auftakt des Projekts „African Roots“

Als die Kolonialmächte Afrika eroberten, schrieben ihre Chronisten eine Geschichte Afrikas aus dem Blickwinkel der Europäer; die Folgen sind bis heute spürbar. Wie sollte die Geschichte Afrikas stattdessen erzählt werden? Welchen Beitrag können Historiker in Afrika leisten? Wie lässt sich dort Geschichtsvermittlung neu gestalten? Unter dem Titel “From Lucy to you: Reclaiming African History” sprechen Prof. Dr. Edward Kirumira (Makerere University, Uganda), Ndina Kioko (Filmemacherin und Autorin, Kenia) und Enoh Meyomesse (Autor, Historiker und politischer Aktivist, Kamerun) im Rahmen des Global Media Forum 2017 in Bonn über Geschichte und Identität. Die Konferenz, zu der insgesamt mehr als 2.000 Teilnehmer erwartet werden, folgt dem übergreifenden Thema „Identity and Diversity“. Die Podiumsdiskussion ist offizieller Auftakt des Projekts „African Roots“ der Afrika-Programme der Deutschen Welle, gefördert von der Gerda Henkel Stiftung. Es begrüßt Claus Stäcker, Leiter der Hauptabteilung Afrika der Deutschen Welle. Die Moderation hat Wanjiku Mwaura, ebenfalls Deutsche Welle.

Nepal – Zerbrechliches Erbe

Das Projekt Zwei schwere Erdbeben trafen Nepal am 25. April und 12. Mai 2015. Tausende Menschen kamen ums Leben. Viele historisch bedeutende Tempel, Klöster und Palastanlagen wurden ganz oder teilweise zerstört. Unmittelbar danach schlossen sich das Auswärtige Amt und die Gerda Henkel Stiftung zu einer gemeinsamen Initiative zusammen, um den Erhalt bzw. Wiederaufbau des Kulturerbes in Nepal zu unterstützen. Ein Jahr nach den Erdbeben haben die Kooperationspartner und Gäste heute auf Einladung der Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf eine erste Bilanz gezogen: In einem Pressegespräch informierten sie über die Initiative, blickten auf die Situation in Nepal heute und boten einen Einblick in aktuelle Wiederaufbau-Projekte.
„Für die geförderten Projekte sind zwei Elemente wichtig“, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Lehner, Mitglied des Kuratoriums der Gerda Henkel Stiftung und Mitglied des Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA. „Sie werden gemeinsam mit Partnern in Nepal entwickelt und schließen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte und junge Wissenschaftler ein.“ Auf das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts ging Heidrun Tempel, Beauftragte für Außenwissenschafts-, Außenbildungs- und Außenforschungspolitik und Auswärtige Kulturpolitik des Auswärtigen Amts ein: „Einer der zentralen Schwerpunkte unserer Kulturarbeit im Ausland ist die Bewahrung des kulturellen Erbes in aller Welt sowie der Schutz und die Pflege der kulturellen Identität und ihrer Vielfalt. Auch bei Naturkatastrophen ist Kulturerhalt ein wichtiges Zeichen, dass Deutschland sich gemeinsam mit seinen Partnern der Zivilgesellschaft für den Erhalt kulturellen Erbes der Menschheit einsetzt. Wir danken der Gerda Henkel Stiftung für die Initiative und Unterstützung bei den Wiederaufbaumaßnahmen in Nepal.“
Darauf, dass die Situation in Nepal nach wie vor schwierig ist, verwies der Honorargeneralkonsul der Demokratischen Bundesrepublik Nepal für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, Ram Pratap Thapa. Doch seien Verbesserungen, auch durch ein weltweites Engagement vieler Institutionen, spürbar: „Internationale NGOs, staatliche Einrichtungen, Stiftungen und Einzelpersonen leisten hierzu einen großen Beitrag.“ Auf den Kenntnisreichtum der einheimischen Zimmerleute und Maurer vor Ort verwies in diesem Zusammenhang der Architekt, Denkmalpfleger und Bauhistoriker Prof. Dr. Niels Gutschow. „Die Handwerker bilden das eigentliche, nicht hoch genug einzuschätzende Potential jeglicher Wiederaufbauarbeit. Sie stellen das wieder her, was ihre Urahnen, ebenfalls Zimmerleute und Maurer, vor zwei- bis vierhundert Jahren geschaffen haben.
Die Gerda Henkel Stiftung hat für den Kulturerhalt in Nepal eine Million Euro bereitgestellt, das Auswärtige Amt 250.000 Euro. Die Dr. Martin Herrenknecht Verwaltungs GmbH unterstützt die Initiative mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 25.000 Euro.
Der Förderschwerpunkt Patrimonies der Gerda Henkel StiftungInnerhalb des Förderschwerpunktes Patrimonies finden Projekte Berücksichtigung, die sich auf die Bewahrung historischen Kulturerbes vorrangig in Krisenregionen konzentrieren und wissenschaftliches Arbeiten im Bereich von Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte in vielen Fällen überhaupt erst ermöglichen. Im Rahmen des Schwerpunkts werden Maßnahmen gefördert, die einen Beitrag zur Erhaltung von Kulturgütern, zur Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur, zur Ausbildung von Nachwuchskräften sowie zum Aufbau von Netzwerken in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in den Zielländern leisten. Das Programm wird nicht ausgeschrieben, sondern in Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern Schritt für Schritt entwickelt. Insbesondere durch die Aus- und Weiterbildung von Wissenschaftlern und Fachkräften möchte sich die Stiftung für eine Stärkung regionaler und wissenschaftlicher Strukturen einsetzen. Die zur Verfügung gestellten Mittel sollen vorwiegend in den Zielregionen wirksam werden.
Das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen AmtsSeit 1981 unterstützt Deutschland im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik mit dem Kulturerhalt-Programm die Bewahrung des kulturellen Erbes in aller Welt, um das Bewusstsein für die eigene Identität im Partnerland zu stärken und einen partnerschaftlichen Kulturdialog zu fördern. Das Programm ist ein wirkungsvolles Instrument der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Gerade der Beitrag von Kulturerhalt-Vorhaben zur Stabilisierung in Krisenstaaten und als Krisenprävention hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Von 1981 bis 2015 wurden mehr als 2.700 Projekte in 144 Ländern mit rd. 65 Mio Euro gefördert. Die Bereiche, in denen das Auswärtige Amt mit dem Kulturerhalt-Programm aktiv ist, sind weit gefächert und reichen von der Restaurierung von Wandmalereien in Tempelanlagen, Sicherung und Sanierung von bedeutsamen Gebäuden über die Digitalisierung von Handschriften, Filmen, Klangarchiven und Publikationen zur Darstellung kulturellen Erbes. Wo möglich, werden Fachleute und die lokale Bevölkerung des Partnerlandes an der Durchführung beteiligt sowie die Projekte um eine Ausbildungskomponente vor Ort ergänzt.

Nepal – Zerbrechliches Erbe

Das Projekt Zwei schwere Erdbeben trafen Nepal am 25. April und 12. Mai 2015. Tausende Menschen kamen ums Leben. Viele historisch bedeutende Tempel, Klöster und Palastanlagen wurden ganz oder teilweise zerstört. Unmittelbar danach schlossen sich das Auswärtige Amt und die Gerda Henkel Stiftung zu einer gemeinsamen Initiative zusammen, um den Erhalt bzw. Wiederaufbau des Kulturerbes in Nepal zu unterstützen. Ein Jahr nach den Erdbeben haben die Kooperationspartner und Gäste heute auf Einladung der Gerda Henkel Stiftung in Düsseldorf eine erste Bilanz gezogen: In einem Pressegespräch informierten sie über die Initiative, blickten auf die Situation in Nepal heute und boten einen Einblick in aktuelle Wiederaufbau-Projekte.
„Für die geförderten Projekte sind zwei Elemente wichtig“, erläuterte Prof. Dr. Ulrich Lehner, Mitglied des Kuratoriums der Gerda Henkel Stiftung und Mitglied des Gesellschafterausschusses der Henkel AG & Co. KGaA. „Sie werden gemeinsam mit Partnern in Nepal entwickelt und schließen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte und junge Wissenschaftler ein.“ Auf das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts ging Heidrun Tempel, Beauftragte für Außenwissenschafts-, Außenbildungs- und Außenforschungspolitik und Auswärtige Kulturpolitik des Auswärtigen Amts ein: „Einer der zentralen Schwerpunkte unserer Kulturarbeit im Ausland ist die Bewahrung des kulturellen Erbes in aller Welt sowie der Schutz und die Pflege der kulturellen Identität und ihrer Vielfalt. Auch bei Naturkatastrophen ist Kulturerhalt ein wichtiges Zeichen, dass Deutschland sich gemeinsam mit seinen Partnern der Zivilgesellschaft für den Erhalt kulturellen Erbes der Menschheit einsetzt. Wir danken der Gerda Henkel Stiftung für die Initiative und Unterstützung bei den Wiederaufbaumaßnahmen in Nepal.“
Darauf, dass die Situation in Nepal nach wie vor schwierig ist, verwies der Honorargeneralkonsul der Demokratischen Bundesrepublik Nepal für Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen, Ram Pratap Thapa. Doch seien Verbesserungen, auch durch ein weltweites Engagement vieler Institutionen, spürbar: „Internationale NGOs, staatliche Einrichtungen, Stiftungen und Einzelpersonen leisten hierzu einen großen Beitrag.“ Auf den Kenntnisreichtum der einheimischen Zimmerleute und Maurer vor Ort verwies in diesem Zusammenhang der Architekt, Denkmalpfleger und Bauhistoriker Prof. Dr. Niels Gutschow. „Die Handwerker bilden das eigentliche, nicht hoch genug einzuschätzende Potential jeglicher Wiederaufbauarbeit. Sie stellen das wieder her, was ihre Urahnen, ebenfalls Zimmerleute und Maurer, vor zwei- bis vierhundert Jahren geschaffen haben.
Die Gerda Henkel Stiftung hat für den Kulturerhalt in Nepal eine Million Euro bereitgestellt, das Auswärtige Amt 250.000 Euro. Die Dr. Martin Herrenknecht Verwaltungs GmbH unterstützt die Initiative mit zusätzlichen Mitteln in Höhe von 25.000 Euro.
Der Förderschwerpunkt Patrimonies der Gerda Henkel StiftungInnerhalb des Förderschwerpunktes Patrimonies finden Projekte Berücksichtigung, die sich auf die Bewahrung historischen Kulturerbes vorrangig in Krisenregionen konzentrieren und wissenschaftliches Arbeiten im Bereich von Geschichte, Archäologie und Kunstgeschichte in vielen Fällen überhaupt erst ermöglichen. Im Rahmen des Schwerpunkts werden Maßnahmen gefördert, die einen Beitrag zur Erhaltung von Kulturgütern, zur Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur, zur Ausbildung von Nachwuchskräften sowie zum Aufbau von Netzwerken in Wissenschaft, Politik und Gesellschaft in den Zielländern leisten. Das Programm wird nicht ausgeschrieben, sondern in Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern Schritt für Schritt entwickelt. Insbesondere durch die Aus- und Weiterbildung von Wissenschaftlern und Fachkräften möchte sich die Stiftung für eine Stärkung regionaler und wissenschaftlicher Strukturen einsetzen. Die zur Verfügung gestellten Mittel sollen vorwiegend in den Zielregionen wirksam werden.
Das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen AmtsSeit 1981 unterstützt Deutschland im Rahmen der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik mit dem Kulturerhalt-Programm die Bewahrung des kulturellen Erbes in aller Welt, um das Bewusstsein für die eigene Identität im Partnerland zu stärken und einen partnerschaftlichen Kulturdialog zu fördern. Das Programm ist ein wirkungsvolles Instrument der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Gerade der Beitrag von Kulturerhalt-Vorhaben zur Stabilisierung in Krisenstaaten und als Krisenprävention hat in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Von 1981 bis 2015 wurden mehr als 2.700 Projekte in 144 Ländern mit rd. 65 Mio Euro gefördert. Die Bereiche, in denen das Auswärtige Amt mit dem Kulturerhalt-Programm aktiv ist, sind weit gefächert und reichen von der Restaurierung von Wandmalereien in Tempelanlagen, Sicherung und Sanierung von bedeutsamen Gebäuden über die Digitalisierung von Handschriften, Filmen, Klangarchiven und Publikationen zur Darstellung kulturellen Erbes. Wo möglich, werden Fachleute und die lokale Bevölkerung des Partnerlandes an der Durchführung beteiligt sowie die Projekte um eine Ausbildungskomponente vor Ort ergänzt.

Die Erkundung der Welt – Abenteurer und Entdecker auf See

Symposium „Über das Meer“ | Einführungsvortrag von Jürgen Sarnowsky

Die Meere werden von den Menschen seit Jahrtausenden als Reise- und Handelswege sowie als Nahrungsquelle genutzt. In Europa beschränkte sich die Seefahrt bin ins 13. Jahrhundert hinein vor allem auf das Mittelmeer und die Küstenstreifen entlang des Atlantiks. Neue politische Herausforderungen und Konstellationen in Europa, insbesondere das Vordringen des Osmannischen Reiches, sowie technische Entwicklungen, vor allem im Schiffsbau und in der Navigation, ermutigten die führenden europäischen Mächte des ausgehenden Mittelalters gewohnte Routen zu verlassen und neue Seewege zu erkunden. Der Mittelalterhistoriker Prof. Dr. Jürgen Sarnowsky von der Universität Hamburg zeichnet in seinem Vortrag die Seefahrt im sogenannten Zeitlalter der Entdecker anhand von ausgewählten zeitgenössischen Reiseberichten nach. Dabei unterzieht er seine Quellen einer kritischen Betrachtung. Was sagen die Reiseberichte über die Begegnung mit dem Fremden aus, was aber auch über die Verfasser und deren Kosmos?

Die Sklaven von Lagos: Episode 6 – Das Generalinterview mit Maria Teresa Ferreira

Aus schriftlichen Quellen ist in Portugal die Geschichte der Sklaverei bereits relativ gut erschlossen. Durch den Zufallsfund von 158 menschlichen Skeletten, die sich nach aufwändigen bioarchäologischen Untersuchungen als Überreste früher Sklaven erwiesen haben, konnte Dr. Maria Teresa Ferreira in einem europaweit einzigartigen Projekt wichtige noch offene Fragen beantworten. In unserem Generalinterview erläutert sie ausführlich vor welchen Herausforderungen ihre Arbeit stand, welche erweiternden Erkenntnisse über die Geschichte der Sklaverei gewonnen werden konnten und welche Fragen sich nun neu stellen.

„Eine wirklich globale Elite existiert nirgends“

Interview mit Michael Hartmann über Sein und Nichtsein einer globalen Wirtschaftselite

Kapitalflucht und die Abwanderung der besten Köpfe sind der Alptraum einer jeden nationalen Regierung. Um das zu verhindern, müssen Bedingungen geschaffen werden, um die Wirtschaftseliten, die sich längst aus nationalen Zusammenhängen gelöst haben und sich unter ihresgleichen am wohlsten fühlen, zum Verbleib zu motivieren, so das sich regelmäßig wiederholende Argument in der sogenannten Standortdebatte. Gibt man das Stichwort Standortdebatte in Suchmaschinen ein, erscheinen zig Medienbeiträge, in denen vor der Verlagerung von Kapital, Eliten und Produktion ins Ausland gewarnt wird. Wirtschaftseliten seien nämlich äußerst mobil und operierten am liebsten global. Der Soziologe und Eliteforscher Prof. Dr. Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt hält dagegen: Die Existenz einer globalen Elite ist eine Legende, so die These in seinem neuesten Buch. Wir haben ihm dazu unsere Fragen gestellt.

Cristiani e musulmani nella Capitanata: Episode 2 – I vescovi della Capitanata (secunda puntata)

L’interesse di ricerca primario del Prof. Lukas Clemens è incentrato sul contesto storico generale: Anche dopo la morte di Federico II nel XIII secolo una consistente comunita‘ di musulmani viveva ancora nelle città della Puglia. Tracce d’influenze saracene si trovano in vari edifici e persino nell’ex vescovado di Tertiveri. La domanda alla quale il Prof. Clemens si impegna a dare una risposta, principalmente nella fase introduttiva degli scavi programmati, e‘ quanto effettivamente la cultura musulmana si sia intrecciata e quindi abbia influenzato la cultura cristiana e viceversa in questa specifica area della penisola italiana.

„Die Massen aufgerufen, die Partei zu kritisieren“

Interview mit Daniel Leese über verschiedene Lesarten der Kulturrevolution

Daniel Leese ist Professor der Sinologie an der Universität Freiburg. Im Mittelpunkt seiner Lehre und Forschung steht die Geschichte und Politik des Modernen China. Zu seinen zahlreichen Werken zählen Mao Cult: Rhetoric And Ritual In China’s Cultural Revolution (Cambridge University Press 2013) und Die chinesische Kulturrevolution: 1966-1976 (München: Verlag C.H. Beck 2016).
Verena Klein und Felicia Lee Nölle studieren beide Sinologie und Japanologie an der Ruhr-Universität Bochum. Sie konzipierten, führten und transkribierten das Interview.

Die Sklaven von Lagos: Episode 5 – Ein Stück Geschichte für die Namenlosen

Der nächste Schritt bei der wissenschaftlichen Erforschung der Skelettfunde aus der portugiesischen Hafenstadt Lagos ist die digitale Erfassung. Jeder Knochen wird digitalisiert und in eine entsprechend große Datenbank aufgenommen. Moderne 3D-Technik erlaubt dabei die Untersuchung der menschlichen Überreste noch genauer vorzunehmen. Der zweite Effekt: Digitalisiert stehen die Knochen über das Internet auch Forscherinnen und Forschern aus anderen Teilen der Welt zur Verfügung. So spannt sich ein Netz aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die jeweils ihre speziellen Kompetenzen einbringen können. Die Geschichte der bislang namenlosen Skelette bekommt so allmählich Konturen, aus denen sich ein neues Gesamtbild fügt.