Planet History

Author Archive for Hans Luneborch

Deutsche Freimaurerliteratur in Harvard – eine Problemanzeige

Im Zuge der Provenienzforschung ist in Bibliotheken Freimaurerliteratur als NS-Raubgut identifiziert und in manchen Fällen auch restituiert worden, so etwa der Rest der Bibliothek der Münchner Loge Zum aufgehenden Licht an der Isar.

In den UsA gibt es erstaunlich reichhaltige Bestände zur deutschen Freimaurerei in zwei Universitäten: Cornell und Harvard. Während der Bestand in Cornell auf die Sammlung des deutschstämmigen New Yorker Rechtsanwalts Benno Loewy (gest. 1919) zurückgeht, liegt die Lage in Harvard anders. Die Bände wurden zwischen 1965 und 1970 vereinnahmt und stammen offensichtlich aus dem internationalen Handel. Eine willkürliche Stichprobe von 20 digitalisierten Werken, die über HOLLIS und HATHTRUST zugänglich sind, ergibt: fast alle stammen aus dem einstigen Bestand deutscher Logen.
Bei 15 von 20 ist die Provenienz eindeutig durch Besitzstempel nachweisbar: 4 x Loge “3 Cedern“ in Stuttgart, 3 Johannesloge zu den Ehernen Säulen in Dresden, 2 Loge zum Goldenen Apfel in Dresden, 2 Loge zum Goldenen Kreuz in Dresden , 2 Große Landesloge Sachsen, 1 Loge zur Biederen BVereinigung, Glogau, 1 (ein Band von 1178) Loge Archimedes zu den drei Reißbrettern Altenburg und 1 aus dem Archiv der Großen Landesloge von Deutschland. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass da noch mehr ist, und nur zu hoffen, dass Harvard das auch erkennt. Es wäre interessant, ob es Zugangslisten mit dem Verkäufer gibt – vermutlich ein staatliches Antiquariat der DDR?

Deutsche Freimaurerliteratur in Harvard – eine Problemanzeige

Im Zuge der Provenienzforschung ist in Bibliotheken Freimaurerliteratur als NS-Raubgut identifiziert und in manchen Fällen auch restituiert worden, so etwa der Rest der Bibliothek der Münchner Loge Zum aufgehenden Licht an der Isar.

In den UsA gibt es erstaunlich reichhaltige Bestände zur deutschen Freimaurerei in zwei Universitäten: Cornell und Harvard. Während der Bestand in Cornell auf die Sammlung des deutschstämmigen New Yorker Rechtsanwalts Benno Loewy (gest. 1919) zurückgeht, liegt die Lage in Harvard anders. Die Bände wurden zwischen 1965 und 1970 vereinnahmt und stammen offensichtlich aus dem internationalen Handel. Eine willkürliche Stichprobe von 20 digitalisierten Werken, die über HOLLIS und HATHTRUST zugänglich sind, ergibt: fast alle stammen aus dem einstigen Bestand deutscher Logen.
Bei 15 von 20 ist die Provenienz eindeutig durch Besitzstempel nachweisbar: 4 x Loge “3 Cedern“ in Stuttgart, 3 Johannesloge zu den Ehernen Säulen in Dresden, 2 Loge zum Goldenen Apfel in Dresden, 2 Loge zum Goldenen Kreuz in Dresden , 2 Große Landesloge Sachsen, 1 Loge zur Biederen BVereinigung, Glogau, 1 (ein Band von 1178) Loge Archimedes zu den drei Reißbrettern Altenburg und 1 aus dem Archiv der Großen Landesloge von Deutschland. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass da noch mehr ist, und nur zu hoffen, dass Harvard das auch erkennt. Es wäre interessant, ob es Zugangslisten mit dem Verkäufer gibt – vermutlich ein staatliches Antiquariat der DDR?

Luther in Schlettstadt

James Hirstein, Latein-Dozent in Straßburg und Forscher zu Beatus Rhenanus, hat wie jetzt bekannt wurde, in der Humanistenbibliothek Schlettstadt, ein Exemplar der Erstausgabe von Martin Luthers „De libertate Christiana“ (Von der Freiheit eines Christenmenschen) entdeckt , das von Luther selbst mit ca. 50 Anmerkungen und Änderungen als Vorbereitung für die zweite Auflage versehen wurde, die 1521 in Basel erschien. Leider keinerlei Hinweis auf mögliche Digitalisierung…

Zur Bibliothek in Schlettstadt auf Archivalia siehe archiv.twoday.net/stories/714913786/

Dublette?

Was man nicht alles findet: Das GBS-Digitalisat von Herman von Petersdorff: “Kleist-Retzow: ein Lebensbild.“ Stuttgart und Berlin: Cotta 1907 https://books.google.com/books?id=iqQNAAAAIAAJ
bereitgestellt von der Stanford University, stammte laut Exlibris aus der “von Arnim-Kröchlendorffsche[n] Bibliothek“ und hat einen handschriftlichen Bezitzvermerk von “M.[alwine] Arnim, geb. Bismarck“, der Schwester Otto von Bismarcks. Wohl nach 1945 war das Buch in die heutige Stadt- und Landesbibliothek Potsdam gekommen (“In den Jahren 1947 bis 1950 übernahm die Bibliothek in großem Umfang sichergestelltes Bibliotheksgut unterschiedlichster Herkunft aus dem damaligen Land Brandenburg. Ca. 45 Prozent der angelieferten Literatur stammte auf Grund der Bodenreform aus ehemaligen Schloß- und Gutsbibliotheken.“ Fabian) und wurde von ihr zu einem unbekannten Zeitpunkt (vor 1969?) als “Dublette“ ausgeschieden und gegen Devisen verscherbelt. Ein weiteres Beispiel dafür, “Warum es bei Altbeständen keine Dubletten gibt“

„Really, really stupid“

Mehrere britische Medien, darunter die BBC , berichten über den Fall der anglikanischen Kirchengemeinde Cheltenham, die ein ihr 1949 gestiftetes Madonnen-Gemälde des deutschen Malers Franz Ittenbach (1813-1879) ohne kirchenaufsichtliche Genehmigung zur Auktion einlieferte. Das Gemälde passte der gegenwärtigen Gemeinde aus theologischen und ästhetischen Gründen nicht, und war kurz davor, in den Müll geworfen zu werden. Auf der Auktion erlöste es 20.000 Britische Pfund (ca. 25.677 Euro). Der Bericht der kirchenaufsichtlich zuständigen Kanzlerin des Bistums Gloucester, der online zugänglich ist eine profunde Rüge an die Verantwortlichen, auch wenn sie aus nachvollziehabren Gründen eine nachträgliche Genehmigung erteilte, sowie eine Mahnung an Gemeinden und Kunsthandel, dass es ohne kirchenaufsichtliche Genehmigung keinen rechtmässigen Erwerb von Kunstwerken aus Kirchenbesitz gibt.

Scherenschnitte im Staatsarchiv

Wie kommt ein Bestand von ca. 1000 Scherenschnitten – Porträts, Gruppen, Menschen, Tiere – in ein Staatsarchiv? Nun, dank der verwickelten Geschichte des 20. Jahrhunderts verwahrt das Estnische Nationalarchiv, Abt. Staatsarchiv, in Tallinn diesen Bestand, der auf die deutsch-baltische Silhouetteurin Eveline von Maydell (1890-1962) zurückgeht. Sie hatte ihn bei der Evakuierung aus Tallinn 1940 als Depositum in der Obhut des Kunstmuseums zurückgelassen. Das Museum gab die Kunstwerke, zuammen mit Fotos und Dokumenten, 1946 an das Archiv ab, wo sie sicher verwahrt wurden, aber bisher nie öffentlich zu sehen waren. In einer Gemeinschaftsausstellung erinnern Archiv und Museum noch bis zum 7. September 2014 an das ungewöhnliche Leben (geboren in Teheran, gestorben in Portugal) der baltischen Baronin und ihre heute fast vergessene Kunst, die ihr im Exil in den USA ein Einkommen sicherte. Das Archiv hat einen Teil der Werke und Fotos online zugänglich gemacht.

Scherenschnitte im Staatsarchiv

Resourcen

Ich erhielt eine Zusendung eines deutschen Landesarchivs. Der Service war prima, und ich bekam, was ich brauchte. Jedoch: Für die Zusendung von 11 gescanten Seiten mit insgesamt unter 2 MB wurden verbraucht:<br />
* 1 CD, mit spezifischem Label<br />
* 1 Überweisungsformular<br />
* 1 Mediapac<br />
* 3 Seiten DIN A4<br />
* 3,45 Euro Porto<br />
* und vermutlich etlich Zeit das ganze herzustellen und für den Versand vorzubereiten<br />
Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass im Jahre 2014 ein elektronischer Versand nicht möglich ist und immer noch solch ein Aufwand getrieben werden muss. Auf Nachfrage wurde mir mitgeteilt, es ginge aus "aus technischen Gründen nicht (unserem Server fehlt die entsprechende Leistungsfähigkeit)". Hm.

Henry Chadwicks Bibliothek und Nachlass jetzt in Kalifornien

Nach dem Tod des britischen Patristikers und Träger des Ordens Pour le Mérite Sir Henry Chadwick im Juni 2008 blieb dessen umfangreiche Priavtbibliothek von etwa 15.000 Bänden sowie sein wissenschaftlicher Nachlass von etwa 30 Archivboxen zunächst im Familienbesitz. Dann wurde beides durch “Loome Theological Booksellers“ als Ganzes angeboten:
https://www.loomebooks.com/Loome.cfm?PageID=6000
Jetzt wurde bekannt, dass beides durch die konservative Mäzenin Roberta Ahmanson für die Prämonstratenser-Abtei St. Michael in Orange County, Kalifonien erworben wurde.
http://chairofpeter.org/?p=62

Benediktbeuern: Altbestand bleibt

Der BR meldet: Mit rund 350.000 Büchern war die Benediktbeurer Klosterbibliothek zuletzt die größte Bibliothek Bayerns in katholischer Trägerschaft. Nun geht der Großteil des Bestandes an die Philosophisch-theologische Hochschule Benedikt XVI. im niederösterreichischen Heiligenkreuz. „Es ist ein dramatischer Verlust“ (Dr. Philipp Gahn) In Benediktbeuern bleibt neben Büchern, die den Salesianern direkt zuzuordnen sind, lediglich der sogenannte Altbestand des Klosters. Das sind etwa 4.500 Bücher und Handschriften, die vor 1850 erschienen sind, darunter auch eine wertvolle Gebetbuchsammlung aus dem 15. Jahrhundert.

(update zu http://archiv.twoday.net/stories/444869379/)