Planet History

Author Archive for Rainer Schreg

Vermessung unter Tage: aktuelle Geländearbeit um Caričin Grad

Die laufenden Untersuchungen zur spätantiken Stadt Caričin Grad, die das RGZM mit dem Archäologischen Institut in Belgrad und vielen weiteren Partnern durchführt, versuchen, die Lebensgrundlagen der Stadt zu erforschen. Dazu schauen wir auch in das Umland und fragen nach den wirtschaftlichen Grundlagen der Stadt. Dabei sind auch Relikte alten Bergbaus in den umliegenden Bergen ins Blickfeld geraten. Bereits im vorigen Jahr haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Bergbaumuseum in Bochum einige Geländerelikte des Bergbaus inspiziert. Dabei gab es neben mittelalterlichen und römischen Bergbauspuren auch Hinweise auf prähistorischen Bergbau. Im Mai dieses Jahres sind wir nun zurück gekommen, um ein einzelnes Bergwerk exemplarisch genauer zu dokumentieren und möglichst zu datieren.

Römische Mine bei Lece
(Foto: R. Schreg)

Der Stollen bei Lece liegt auf dem Gelände einer Minengesellschaft, die mit 450 Beschäftigten in Serbien einen Betrieb mittlerer Größe darstellt. Die Mine gilt als die goldreichste in Europa, doch werden vor allem Blei und Silber abgebaut.  Mit tatkräftiger Mithilfe der Minengesellschaft – sie sorgte für Sicherheit im Stollen und unterstützte die Vermessungsarbeiten – war es möglich, das Bergwerk mit moderner Technologie zu dokumentieren. Wir konnten dazu auf ein neu entwickeltes Gerät, einen 3D-Pilot der DMT-Group aus Bochum zurückgreifen. Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Hochschule Mainz wird aus den erhobenen Daten ein digitales 3D-Modell erarbeitet. 

Holzrutsche in einem Bergwerk bei Lece
(Foto: R. Schreg)
Der Stollen des Zugangsbereichs den zeigt klassischen Querschnitt römischer Bergwerke, während die Fortführung in das Mittelalter gehören dürfte. Unterlagen der Minengesellschaft zeigen, dass hier noch im 20. Jahrhundert gearbeitet wurde. Wir dokumentieren die vermutlich älteren Bereiche, zumal weitere Stockwerke aus Sicherheitsgründen nicht zugänglich sind.
Ergänzend wurde mit einer Drohne die umliegende Topographie aufgenommen, wo sich oberhalb des Stollens weitere Bergbauspuren zeigen. Auch hier überlagern sich Aktivitäten verschiedener Zeiten, Nur wenig entfernt, an einer anderen Seite des Berges konnten wir im vorigen Jahr auch Spuren wohl vorgeschichtlichen Bergbaus erfassen.
Mit unseren aktuellen Untersuchungen lässt sich die für unser Projekt entscheidende Frage, nämlich ob hier auch im 6. Jahrhundert Erze abgebaut wurden und ein Teil der Lebensgrundlage der nur 10 km entfernten Stadt Caričin Grad/ Justiniana Prima, waren, wohl nicht klären. Zwar konnten wir einige hölzerne Reste in den Stollen für eine Datierung mittels Dendrochronologie bzw. Radiocarbonmethode beproben, doch rechnen wir hier eher damit, dass sie in deutlich jüngere Perioden fallen. An einer zweiten Mine bei Tulare allerdings konnten wir ein Grubenholz bergen, das nach derzeitiger Einschätzung bessere Chancen hat, noch in die Antike zu datieren.

Die Bergbauregion hat auf serbischer Seite bisher kaum Aufmerksamkeit gefunden – etwas besser sieht es jenseits der Grenze des Kosovo aus, wo sich ein anderes Team des Bergbaumuseums in Bochum sich seit einigen Jahren für die Bergbauspuren um Ulpiana/ Justiana Secunda interessiert. Ein wesentliches Ziel unserer jetzigen Aktivitäten ist es nicht zuletzt, die Grundlagen für ein Forschungskonzept zu entwickeln, mit dem sich Drittmittel einwerben lassen und intensivere Forschungen aufgenommen werden können. Eine effektive Dokumentation, wie sie der getestete 3D-Pilot verspricht, wird dabei grundlegend sein.

Links

Eine Zukunft in Aleppo?!

Mamoun Fansa /  Carola Simon / Lena Wimmer (Hrsg.)

Strategies to rebuild Aleppo
Mainz: Nünnerich-Asmus-Verlag 2017

120 Seiten, 74 Abbildungen, Broschur
englisch

ISBN: 978-3-945751-96-1

€ 17,90 (D) / sFr 17,90 / € 18,40 (A)

Im Frühjahr 2017 ist die Belagerung Aleppos durch die Regime-Truppen zu Ende gegangen, die Kämpfe in der Stadt haben erst Mal aufgehört. Aber die einst prächtige Stadt ist zerstört, viele der Bewohner sind geflohen.
Aleppo im Dezember 2016
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium/
Министерство обороны Российской Федерации
[CC BY 4.0] via WikimediaCommons)
Aleppo im Dezember 2016
(Foto: Russ. Verteidigungsministerium/
Министерство обороны Российской Федерации
[CC BY 4.0] via WikimediaCommons)
Zahlreiche aktuelle Bilder aus der Stadt zeigen das Ausmaß der Zerstörung, die kaum Wohnraum oder städtische Infrastrukturen zurück gelassen hat. Ein Wiederaufbau ist hier dringend von Nöten, doch da der Konflikt noch nicht beendet ist, ist das ein schwieriges Unterfangen. In Aleppo hat derzeit das syrische Regime den Sieg davon getragen, das zu unterstützen der Westen nicht bereit ist. 
Schon im April 2016 hat in Berlin am Deutschen Architekturzentrum (DAZ) eine Tagung stattgefunden, die sich mit den Möglichkeiten eines Wiederaufbaus befasst hat.

Vor dem Krieg war Aleppo ein Musterbeispiel einer Stadtsanierung unter Beteiligung der Einwohnerr. In den 1980er Jahren war die Altstadt von Aleppo von einer massiven Abwanderung betroffen. Die Anerkennung der Altstadt von Aleppo als UNESCO-Weltkulturerbe konnte diesen Prozess nur bedingt aufhalten. Seit den 1990er Jahren bis 2010 wurden etwa 90% der Altstadt saniert. Dabei wurden gezielt die Einwohner eingebunden. Darüber berichtet der einleitende Beitrag von Franziska Laue, „Aleppo Archive in Exile“ (S. 22ff.). Als Aleppo Archive wird das Urban Historical Archive and Documentation Center ( UHADC) bezeichnet, das als Abteilung der Stadtverwaltung von Alt-Aleppo die Sanierungsarbeiten, Forschungen und Stadtentwicklung koordiniert hat. Der Beitrag stellt auch dar, wie seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges die Arbeiten eingestellt wurden, zugleich aber von Deutschland aus versucht wurde, das Netzwerk zu erhalten und auszubauen. Den umfangreichen digitalen Datenbestand des Aleppo Archive hat 2016 das Deutsche Archäologische Institut in seine Obhut genommen.

Die jetzige Initiative baut auf den Arbeiten des UHADC auf, dessen Daten wichtige Grundlagen für die künftigen Planungen sein werden. Die langfristigen Ziele sind (S. 14):

  • Eine Wiederherstellung der Altstadt nach dem Krieg. Dabei soll die Stadt als Ganzes betrachtet werden, also auch die Neustadt in die Überlegungen und Maßnahmen einbezogen werden.
  • Ene Rekonstruktion der Altstadt. Alte und neue Strategien, aber auch die historischen Quellen sollen die Grundlage dafür sein.
  • Ein Wiederuafbau der Neuustadt, der auf die Altstadt bezogen werden soll.
  • Eine Einbeziehung der Archäologie in den Planungsprozess und Durchführung von Ausgrabungen, um Kenntnisse über die älteren Stadtepochen zu erhalten. 
  • Die Beteiligung der Einwohner der Altstadt, für die zunächst provisorische Wohnungen auf Freiflächen außerhalb der alten Stadtbefestigung errichtet werden sollen.
  • Wiederbelebung des traditionellen Handwerks, das sowohl für den Wiederaufbau als auch für die Identität der Menschen von Bedeutung ist
  • Werbung für eine Berücksichtigung des Kulturerbes und der Identität der Altstadt

In mehreren Interviews („Discussing Aleppo“)  kommen verschiedene Architekten und Archäologen zu Wort, die ihre persönliche Sicht erläutern.

Das Bändchen – eher eine Hochglanzbroschüre – ist ein wichtiges Signal der Hoffnung für die Menschen in Aleppo. Es wirbt dafür, den Wiederaufbau wohl durchdacht und unter Betiligung der Bevölkerung vozunehmen. Bislang ist es nur eine Hoffnung, dass dies bald geschehen kann. Zwar laufen erste Wiederaufbaumaßnahmen bereits an, doch erfolgen diese unter dem Assad-Regime,, mit dem vom Westen keine Kooperation gewollt ist (die Altertumsbehörde macht da eine bemerkenswerte Ausnahme). So bleibt die Ungewissheit, ob es die politischen Voraussetzungen geben wird, um die Ideen und Ergebnisse vor Ort tatsächlich rechtzeitig einzubringen.

Inhaltsverzeichnis

  • Introduction
  • Welcome
  • Manifesto & Purpose
  • Who should participate in the reconstruction of Aleppo?
  • How should we start to reconstruct / rebuild / redevelop Aleppo?
  • Aleppo Archive in Exile (Franzsika Laue)
  • Summary of the panel discussions
  • Open discussion (Interviews)
  • Discussing Aleppo
  • Biographies
  • Past / present / future of Aleppo – an exhibition
  • Abbreviations
  • Participants of the conference
  • Acknowledgments
  • Imprint

 

    Links

    Die Wächter des Erbes – Initiativen zum Schutz des Kulturerbes in Libyen

    Eine Doku auf ARTE schildertt die freiwilligen Wachen in der Ruinenstadt Leptis Magna:, die aus der ortsansässigen Bevölkerung gestellt werden:

    Ein 5 min Beitrag über die Situation in Libyen mit speziellem Augenmerk auf dem Kulturgut – via  der US Botschaft in Libya auf facebook: 

    Die ICOM Rote Liste für Libyen soll insbesondere des Zollbehörden helfen, potentielle Raubgrabungsgüter aus Libyen zu identifizieren.:

    Sabratha in der Hand von Daesh

    GESUCHT: Mittelalterliche Textamulette

    ein Beitrag von Konrad Knauber

     – for an English version see here

    Seit Herbst 2015 gibt es am Heidelberger Sonderforschungsbereich 933 „Materiale Textkulturen“ ein Projekt, das sich mit „Magischer Schriftlichkeit und ihrer Deponierung in mittelalterlichen Gräbern“ beschäftigt. Das Ziel ist die Sammlung und Kontextualisierung physisch erhaltener Textträger aus archäologischem Befund, die in den Bereich der Magie und Volksreligion des christlichen Mittelalters gehören. Bereits nach kurzer Zeit ist hierbei eine Gruppe von Objekten in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, die bislang wenig erforscht ist und doch in großen Teilen Europas verbreitet gewesen sein dürfte. Es handelt sich um christlich geprägte Textamulette, die mit Bibelzitaten, Gebeten, Segenssprüchen oder Beschwörungen beschriftet und z. T. deutlich individualisiert wurden. Bestandteile dieser Formeln finden sich in einer großen Zahl vor allem medizinischer Handschriften, die in klösterlichen Skriptorien zirkulierten und als Vorlagen für die Anfertigung schutzbringender Artefakte gegen Krankheiten, dämonische Einflüsse und Unheil aller Art dienten.

    Abb. 1  Noch zusammengefaltetes Amulett von der Burg Drevic (CZ), die unbeschriftete Außenseite fehlt (links im Fundzustand). Erkennbar sind die Passagen callidi diaboli (Z. 2: „…des listigen Teufels…“), Adiuro albis (Z. 4: „Ich beschwöre dich, ‚Elf‘…“) und et spiritum sanc[tum] (Z. 5: „und [beim] heiligen Geist…“). Romanische Minuskelschrift des 11./12. Jh.; zusammengefaltete Größe ca. 3,5 x 4,2 cm. (Fotos: Z. Šámal / D. Blažek)
    Auch wenn andere Schreibmaterialien (vor allem Pergament, s. Abb. 3) vorkamen und in bestimmten Regionen deutlich verbreiteter gewesen sein dürften, sind beschriftete Bleibleche aufgrund ihrer Dauerhaftigkeit und des Einsatzes von Metallsonden doch die Fundgruppe, bei der der größte Zuwachs zu erwarten ist. 2013 erschien eine erste Monographie von Arnold Muhl und Mirko Gutjahr, die acht Bleiamulette aus dem Untersuchungsgebiet Sachsen-Anhalt  beinhaltet und weitere 80 verwandte Objekte in ganz Europa –von der Spätantike bis zum Ausgang des Mittelalters- auflistet. Darunter sind sowohl am Körper getragene Amulette als auch andere Stücke, die nach Form, Größe und Textinhalt dazu gedacht waren, Häuser, Gräber oder andere Orte zu beschützen. Dabei zeigen sich neben regionalen Besonderheiten auch deutliche Lücken in der Verbreitung (v.a. Westeuropa und der alpine Raum, wo es aber durchaus entsprechende Texte in Manuskripten gibt), deren Zustandekommen momentan ebensogut mit der Verwendung vergänglicher Materialien wie mit der desolaten Forschungssituation erklärt werden kann, da das Thema exakt zwischen Archäologie, Epigraphik und Manuskriptforschung liegt und die Objekte im Fundzustand meist klein zusammengefaltet sind und unscheinbar bzw. unbeschriftet  wirken. Auf gezielte Nachforschung hin tauchen kontinuierlich entweder neu gefundene oder erst im Nachhinein erkannte bzw. bislang unbearbeitete Textamulette auf, sodass beispielsweise ein erster Fund in Tschechien (s. Abb. 1) demnächst publiziert wird und in Sachsen-Anhalt die Zahl binnen vier Jahren auf ca. 20 bekannte Stücke angewachsen ist (s. Abb. 2).

    Abb. 2

    Detail eines entfalteten Bleitäfelchens aus der Wüstung Seelschen bei Ummendorf (Lkr. Börde) unter polarisiertem Licht: Erkennbar sind die Worte ar/chang(e)los (Z. 1), m(arty)res (Z. 2), fa/mule d(e)i hazzg[a] (Z. 3.: „der Dienerin Gottes Hazzga“). Die Buchstabenhöhe beträgt ca. 1,5 mm; am Ende der Inschrift steht die Jahreszahl „1070“.
    (Foto K. Knauber)
    Im Hinblick auf die laufende Promotion würde ich mich freuen, möglichst viele noch un- oder wenig bekannte Amulette erfassen zu können. Einzelne Sammlungen und auch ehrenamtliche Sondengänger wurden von mir und hilfsbereiten Kollegen bereits sensibilisiert; flächendeckend und europaweit ist das aber in der Projektlaufzeit nicht zu leisten. Daher wäre ich für die Verbreitung dieses Aufrufs sehr dankbar und nehme Rückfragen und Rückmeldungen gerne unter der folgenden Mailadresse entgegen:
    • konrad.knauber [at] zaw.uni-heidelberg.de

    Weitere Informationen finden Sie auch in der Projektbeschreibung (englisch/deutsch) und in einem einführenden Artikel (deutsch), der im Herbst 2016 im SPEKTRUM Sonderheft „Die Magie der Schrift“ erschienen ist und den ich Nicht-Academia-Mitgliedern auch gerne als .pdf zuschicke.

    Abb. 3
    Pergamentamulett der „Dobrozlava“ (14. Jh.) gegen das Viertagesfieber (Malaria?), gefunden bei Renovierungsarbeiten in der Georgsbasilika in Prag um 1900.

    (nach V. J. Nováček, Amulet ƶe XIV. století, naleƶený v chrámu sv. Jiří na Hradě Praƶ̌ském, Český lid 10,/5, 1901, 353-354)

    Links

    Literatur

    • Katerina Blažková / Zdenek Šámal / Daniela Urbanová / Konrad Knauber / Dalibor Havel, Stredoveký olovený amulet z hradište Drevíc (k. ú. Kozojedy, o. Rakovník) / A medieval lead amulet from the Drevíc hillfort in Central Bohemia. Archeologické rozhledy 69, 121-142 (im Druck).
    • Klaus Düwel, Mittelalterliche Amulette aus Holz und Blei mit lateinischen und runischen Inschriften, in: Volker Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig 15, Neumünster 2001.
    • Arnold Muhl / Mirko Gutjahr, Magische Beschwörungen in Blei. Inschriftentäfelchen des Mittelalters aus Sachsen-Anhalt (Halle [Saale] 2013).
    • Monika Schulz, Beschwörungen im Mittelalter. Einführung und Überblick (Heidelberg 2003).
    • Don Skemer, Binding Words. Textual Amulets in the Middle Ages (University Park 2006).


    Konrad Knauber ist Mitarbeiter im SFB 933 „Materiale Textkulturen“ am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Heidelberg und promoviert dort im Teilprojekt A03 „Materialität und Präsenz magischer Zeichen zwischen Antike und Mittelalter“ zum Thema „Magische Schriftlichkeit und ihre Deponierung in mittelalterlichen Gräbern“.

    WANTED: Medieval textual amulets

    by Konrad Knauber

    In autumn of 2015 a new project at the CRC 933 ‘Material Text Cultures’ (Heidelberg University) was started, dealing with ‘magical inscriptions and their deposition in mediaeval graves’. It aims at collecting and contextualizing text-carrying artefacts from the archaeological record connected to the sphere of magic and folk religion of the Christian Middle Ages. Since the initial project phase the main focus turned to an as-yet under-researched group of objects that were nonetheless probably quite common in wide parts of Europe: textual amulets with Christian influence, containing quotes from the Bible, prayers, blessings and incantations, sometimes appearing in very personalized versions. Elements of these textual formulas can be found in a great number of mostly medicinal manuscripts, which circulated throughout the monastic scriptoria and served as blueprints for the fabrication of protective artefacts against diseases, demonic influence and various other calamities.

    fig. 1
    Folded amulet from Drevic hillfort (CZ) with missing uninscribed outer face (finding situation on the left). Recognizable passages are callidi diaboli (line 2: ‘…of the cunning devil…’), Adiuro albis (line 4: ‘I conjure you, “elf”…’) and et spiritum sanc[tum] (line 5: ‘and [through] the Holy Spirit…’). Romanic minuscule of the 11th/12th cent. AD; folded size approx. 3,5 x 4,2 cm.

    (photos by Z. Šámal / D. Blažek)
    Although there were other writing materials (mostly parchment, see figure 3) in use and possible more common in certain regions, inscribed sheets of lead seem to be the find group with the most promise for a rise in numbers, since they are durable and reactive to metal detecting. In 2013, Arnold Muhl and Mirko Gutjahr wrote a first monography on the subject focusing on eight lead amulets from the federal state of Saxony-Anhalt (Germany), enlisting also 80 more comparable objects from all across Europe, dating from Late Antiquity to the end of the Middle Ages. Among them are amulets worn on the body as well as other pieces which, guessing from form, size or textual content, were rather meant to be protecting houses, graves or other fixed locations. The overview does not only show some regional distinctions, but also massive gaps in the general distribution (mainly western Europe and the Alps, though there are corresponding manuscript sources from these areas). For the moment, those might be explained with the use of organic writing materials just as well as with the poor general state of research, as the subject is placed in between archaeology, epigraphy and codicology, and the objects are mostly folded down to a small size in their finding state and often appear inconspicuous or uninscribed. Specific investigation regularly brings up newly found or unrecognized/unedited amulets: a new find from Czechia (fig. 1) will be published in the next months and, within four years, the number of known amulets from Saxony-Anhalt has risen to about 20 examples (fig. 2).
    fig. 2

    Detail of an unfolded lead tablet from the abandoned settlement of Seelschen near Ummendorf (Börde district, Germany) under polarized light: Recognizable words are ar/chang(e)los (line 1), m(arty)res (line 2), fa/mule d(e)i hazzg[a] (line 3: ‘the servant of God Hazzga’). Letter size is approx.. 1,5 mm; at the end of the inscription the year ‘1070’ is given.
    (photo by K. Knauber)

    With my ongoing dissertation in mind, I would be happy to include as many new or lesser known amulets as possible. With the help of some interested colleagues, several institutions as well as honorary field workers have been sensibilized towards the subject, but the same cannot be achieved by myself in the wider field of Europe in the remaining time for the project. Therefore I would be very grateful if you share this ‘call for finds’ with anyone interested and would gladly receive your any ideas and questions via the following email address:
    • konrad.knauber [at] zaw.uni-heidelberg.de

    You can find more information in my project description (English/German) and in an introductory article (German), which appeared last autumn in the German journal SPEKTRUM, special issue “Die Magie der Schrift”. If you don’t have access to academia.edu, please contact me and I will send you a pdf.

    fig. 3
    Parchment amulet for ‘Dobrozlava’ (14. Jh.) against the four days fever (malaria?), found during renovation work at St. George’s basilica in Prague around 1900.
    (after
    V. J. Nováček, Amulet ƶe XIV. století, naleƶený v chrámu sv. Jiří na Hradě Praƶ̌ském, Český lid 10,/5, 1901, 353-354)

    Links

    German version of this post:

    Further reading

    • Katerina Blažková / Zdenek Šámal / Daniela Urbanová / Konrad Knauber / Dalibor Havel, Stredoveký olovený amulet z hradište Drevíc (k. ú. Kozojedy, o. Rakovník) / A medieval lead amulet from the Drevíc hillfort in Central Bohemia. Archeologické rozhledy 69, 121-142 (in print).
    • Klaus Düwel, Mittelalterliche Amulette aus Holz und Blei mit lateinischen und runischen Inschriften, in: Volker Vogel (Hg.), Ausgrabungen in Schleswig 15, Neumünster 2001.
    • Arnold Muhl / Mirko Gutjahr, Magische Beschwörungen in Blei. Inschriftentäfelchen des Mittelalters aus Sachsen-Anhalt (Halle [Saale] 2013).
    • Monika Schulz, Beschwörungen im Mittelalter. Einführung und Überblick (Heidelberg 2003).
    • Don Skemer, Binding Words. Textual Amulets in the Middle Ages (University Park 2006).


    Konrad Knauber is a PhD candidate at Heidelberg University. Within the SFB 933 „Materiale Textkulturen“ his research deals with magic signs and text deposited in medieval burials.

    Klimawandel und Nahrungsmittelpreise – ein interdisziplinärer Blick zurück


    J. Esper/ U. Büntgen/ S. Denzer/ P.J. Krusic/ R. Schäfer/ R. Schreg/ J. Werner: Environmental drivers of historical grain price variations in Europe.
    Climate Research 72, 2017, 39–52

    In der Diskussion um die Bedeutung des Klimas für die Geschichte werden sehr oft und pauschal Zusammenhänge postuliert, indem etwa „Klimaverschlechterung“ für wirtschaftliche Schwierigkeiten verantwortlich gemacht wird. Tatsächlich ist dies viel zu simpel. Die Zusammenhänge von Klima und Geschichte sind höchst komplex, da Gesellschaften unterschiedlich vulnerabel oder resilient gegen Krisen sein können. Was für die einen schlecht ist, kann für andere eher vorteilhaft sein. So sind beispielsweise die Anlage und Verteilung der Felder, aber auch Systeme der Vorratshaltung oder der Solidarität historisch-kulturell bedingte Rahmenbedingungen, die die Folgen des Klimawandels in einem gewissen Rahmen puffern können.  Problematsch sind das Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren sowie die Auswirkungen von Schwellenwerten aber auch die handlungsleitenden Weltbilder der Menschen. Reaktionen auf Klimawandel sind – wie heute die Trump-Administration demonstriert – nicht immer rational und möglicherweise sogar eher kontraproduktiv.
    Um die Zusammenhänge zwischen Klima und Geschichte zu erfassen, bedarf es also einer Überprüfung, wie Klimawandel und historische Entwicklungen konkret zusammenhängen. Ein wichtiger Mittler dazu können Nahrungsmittelpreise sein, da sie prinzipiell Ernteschwankungen abbilden können. Solche Überlegungen waren der Anlass, für eine Studie auf Preisreihen zurück zu greifen, wie sie die Wirtschaftsgeschichte schon seit langem zusammen gestellt hat.

    Roggen
    (Foto: Alupus [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)

    Schwankungen der Getreidepreise waren ein Charakteristikum der europäischen Wirtschaftsgeschichte. Schon lange hat die Forschung daher Preisangaben für Gerste, Roggen und Weizen gesammelt. Trotzdem fehlt es an einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge zwischen der Preisentwicklung und klimatischen oder umweltbedingten Faktoren. Immer wieder war von Historikern gewarnt worden, solche Preisserien als Ausdruck genereller Konjunkturen heranzuiziehen, da sie oft lokalen politischen Einflüssen unterworfen waren und so hochgradig regional beeinflusst sein können. Mit der Betrachtung der Preise erfassen wir dennoch einen Faktor, der sehr direkt von den Ernteerträgen und der jährlichen Witterung abhängt. Die Notwendigkeit, regionale politische Faktoren auszufiltern und langfristige Trends im Vergleich mit den klimatischen Entwicklungen zu erfassen, führt zu einer primär statistischen Analyse der Datenserie.

    Korrelation historischer Getreidepreise und klimatischen Entwicklungen

    Jahrringe spiegeln die klimatische Entwicklung
    (Foto: R. Schreg)

    Ausgangspunkt war also das Problem, die beobachtbaren Korrelationen von Umweltfaktoren und langfristigen sozialen Prozesse enger aufeinander zu beziehen. Getreidepreise erweisen sich hier als guter Proxy. Der neu erschienene Artikel nutzt historische Preisreihen aus 19 Städten aus Mittel- und Südeuropa aus dem Zeitraum vom 14. bis zum 18. Jahrhundert.  Wir haben dazu alte Sammlungen spätmittelalterlicher und frühneuzeitlicher Getreidepreise digitalisiert und mit den dendrologisch gewonnenen Klimakurven abgeglichen. Mittels GIS lassen sich regionale, politisch bedingte „Anomalien“ ausfiltern.

    Die darin auf einer zeitlichen Auflösung von einem Jahr bis zu mehreren Jahrzehnten erkennbare räumliche Variabilität wurde mit der Rekonstruktion der Sommertemperatur und hydroklimatischen Bedingungen verglichen, wie sie sich anhand dendrologischer Untersuchungen in Finnland ergeben. Diese Serie spiegelt sehr gut die Großwetterlagen in West-, Mittel- und Südeuropa wieder.
     

    Kriege überlagern Umweltfaktoren

    Direkte Korrelationen zwischen historischen Getreidepreisen und rekonstruierten Trockenheitsindices sind zwar gering; konzentriert man sich aber auf Extremereignisse ergeben sich deutliche Hinweise auf eine klimatische Beeinflussung großer Preisschwankungen. Unter Normalbedingungen sind also in der Tat politische Entwicklungen wichtiger als klimatische Einflüsse. Während ausgeprägter Trockenperioden erweisen sich Getreidepreise aber als extrem hoch und während Feuchtphasen extrem niedrig.  Die Getreidepreise in Europa sind eng mit Hungersnöten und Ernährungsengpässen verbunden, die zudem mit regionalen Sommerdürren zusammen.  Der normale Witterungsverlauf zeigt hingegen kaum eine Korrelation mit Preisen, nur größere Witterungsevents wirken sich auf Ernten und Getreidepreise aus. Zudem zeigt sich aber, dass Schwankungen der Getreidepreise durch mittelfristige Temperaturtrends beeinflusst werden.

    Ein Ergebnis, das in dem Artikel besonders hervorgehoben wird: In Kriegszeiten schaft sich der Mensch so viel eigene Probleme, dass diese dann den klimabedingten Stress überlagern. Der Einfluß der Sommertemperaturen ist nach dem 30jährigen Krieg im Zeitraum von 1650 bis 1750 besonders stark. Während Kriegsperioden sind die Korrelationen zwischen den verschiedenen Regionen relativ gering, während sie danach immer wieder zunimmt. Während der Unruheperioden werden klimatische Faktoren von soziokulturellen zurück gedrängt und zeigen größere regionale Variabilität.
    So zeigt sich gesellschaftlich/politische Faktoren und Umweltfaktoren komplex ineinandergreifen. In Friedenszeiten kommen Umweltfaktoren stärker zum Tragen als während Kriegen.
     

    Archäologie als Mittler zwischen Historikern und Geowissenschaftlern

    Auf den ersten (und wohl auch auf den zweiten) Blick hat das wenig mit Archäologie zu tun. Und dennoch war hier die Archäologie hier als Mittler zwischen Klimaforschern und Historikern ganz grundlegend. Letztlich war es nicht möglich, wie ursprünglich beabsichtigt, einen archäologischen Datensatz zur Siedlungsentwicklung mit der nötigen chronologischen Auflösung in die Überlegungen mit einzubeziehen, aber die traditionell engen Beziehungen der Archäologie sowohl zu den Natur- wie zu den Geschichtswissenschaften waren für die interdisziplinäre Verständigung außerordentlich hilfreich.
    Der verfolgte methodische Ansatz hat weitere vertiefende Forschungspotentiale. Man wird nicht nur den Datensatz durch die Aufnahme weiterre Preisreihen noch ausbauen und regional differenzieren können, sondern auch versuchen können, weitere Faktoren ins Spiel zu bringen. Sind die Preisschwankungen in primär auf Getreidebau orientierten Landschaften anders als in Regionen mit stärkerer Viehwirtschaft? Lässt sich vielleicht eine Resilienz bestimmter Anbaupraktiken und Siedlungssysteme nachweisen? 
    Hier kommen die historische Geographie sowie die Archäologie wieder stärker ins Spiel. Aufgrund der relativ schlechten chronologischen Auflösung, die man beispielsweise für die Datierung für Wüstungen erreichen kann, dürfte hier den räumlichen Korrelationen eine größere Bedeutung zukommen als den chronologischen.
    Kurz: Schon allein das Nachdenken über Zeitreihen und langfristige Prozesse, wie es sich aus der Landschafts- und Umweltarchäologie ergibt, hat insofern einen Mehrwert, als es auch über das Fach hinaus Forschung anregen kann.

    Links

    US-Innenministerium stellt den Schutz archäologischer Monumente zur Disposition

    Per Dekret hat POTUS D. Trump die Liste der nationalen Denkmäler zur Disposition gestellt. In einer Anhörung soll die Öffentlickeit über den weiteren Schutz abstimmen: Sachargumente haben dabei nur noch untergeordnete Bedeutung.  Argumentiert wird von Seiten der Republikaner unter anderem damit, dass der Bund damit Land besetze und beschlagnahme, was jedoch eine Verdrehung der Tatsache darstellt, dass der 1906 eingeführte Antiquities Act, um den es hier geht, prinzipiell nur für ohnehin schon in Staatsbesitz befindliches Land gilt. Auf Privatbesitz ist damit kein Schutz möglich.
    Anasazi-Fundstelle „House on Fire Ruin“ im upper Mule Canyon,
    Teil des neuen Bears Ears Nationaldenkmals
    (Foto:  snowpeak   [CC BY 2.0] via  Wikimedia Commons)

    Explizit werden wirtschaftlche Interessen als möglicher Grund für eine Streichung der Monumente angeführt. Insbesondere stehen die seit 1996 ausgewiesenen Monumente auf dem Prüfstand.  21 Monumente, darunter Bears Ears werden explizit genannt.

    Hier scheint es wichtig, dass bei der öffentlichen Anhörung sich auch die Wissenschaft einbringt!
    Ab 12. Mai sollte die Anhörung unter https://www.regulations.gov/searchResults?rpp=25&po=0&s=DOI-2017-0002&fp=true&ns=true zugänglich sein.

    Links

    Interne Links

      Lebenslänglich für Raubgräber und Antikenhehler

      Ägypten setzt die Strafen auf Raubgrabungen und illegalen Antikenhandel hoch:

      Das Gesetz muss noch vom Parlament gebilligt werden.

      Der Artikel verweist explizit auf den Fall  der deutschen „Hobbyforscher“, die 2013 eine Kartusche in der  Cheopspyramide ohne Genehmigung „beprobt“ und beschädigt haben sollen.

      Fünf Jahre Syrienberichte

      Der Bürgerkrieg in Syrien dauert bereits mehr als 6 Jahre an. Im April 2011 setzte das Regime Truppen gegen Demonstranden ein. Erstmals wurde der Konflikt im Mai 2012 ein Thema auf Archaeologik, als syrische Truppen die Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers beschädigten. Waren dies noch Kollateralschäden der Kampfhandlungen so kam mit dem Erstarken des Daesh/IS bald die systematische Kulturgutzerstörung hinzu. Wie fast überall, wo die staatliche Autorität zerbricht, nahmen Plünderungen ein dramatisches Ausmaß an. gemessen an den zahllosen Raubgrabungslöchern, die aus Luftbildern und Berichten bekannt geworden sind, ist bisher relativ wenig auf dem Markt aufgetaucht. Wahrscheinlich sind viele Objekte noch zwischengelagert, ehe sie, ggf. auch restauriert und mit Fake-Papieren mit Gewinnsteigerung auf den Markt geworfen werden. Allerdings ist in den USA auch seit 2011 anhand der Statistiken des Zolls eine deutliche Steigerung der Einfuhr von Antiken aus dem Nahen Osten zu beobachten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich in diesen Lieferungen sehr viele Raubgrabungsfunde der letzten Jahre befinden. Selbst wenn – wonach es immer noch nicht aussieht – der Bürgerkrieg rasch beendet und Daesh geschlagen sein sollte, werden die Plünderungen noch lange auf der Tagesordnung bleiben müssen. Die Schäden für die Erkenntnis der Vergangenheit sind jetzt schon irreparabel: Verlorenes Wissen, noch bevor es gewonnen werden konnte.
      Beim ersten Blogpost hätte ich nie gedacht, dass mich das Thema so lange und so regelmäßig auf Archaeologik beschäftigen würde – zumal ich als Mittelalterarchäologe davon in meiner Arbeit nur randlich davon betroffen bin. Nach wie vor finde ich es bedauerlich, dass letztlich doch nur relativ wenige Kollegen, die sehr viel mehr mit den betroffenen Regionen befasst sind und sich dort auch wesentlich besser auskennen als ich, diese Kulturgutzerstörung thematisieren.

      Die Archaeologik-Beiträge zu Syrien und Irak 

      Als Überblick seien hier erneut die Beiträge zum Krieg in Syrien und  Irak, die auf Archaeologik seit 2012 bzw. 2014 erschienen sind, aufgelistet.

      2017

      2016

      2015

      2014

      Säulenstraße in Apameia (2008)
      (Foto: von Effi Schweizer [Public domain], Wikimedia Commons)

      2013

      2012

      Links

        Kulturgut in Syrien und Irak im April 2017

        Rückeroberung von Hatra im Irak

        Im Frühjahr 2015 war die antike Stadt Hatra im Irak in die Hände des Daesh gefallen, der bald darauf ähnlich wie in Palmyra propagandistisch Zerstörungen in Szene gesetzt hat (vergl. IS-Zerstörungen in Hatra – ein neues Propaganda-Video. Archaeologik (4.4.2015).

         Das Museum in Mosul

        Entsetzliche Bilder aus dem Museum von Mosul, in dem Daesh eine seiner ersten Kulturgutzerstörungen inszeniert hatte.

        Wiederaufbau

        Aleppo: Wiederaufbau

        Aus Aleppo gibt es erste Meldungen über Wiederherstellungsmaßnahmen. Dabei geht es selbstverständlich noch nicht um denkmalpflegerische Maßnahmen, sondern um die Sicherung notwendiger Infrastrukturen.

          Nimrud

          Damaskus: Nationalmuseum unter Beschuß

          Wie sich im Vormonat angedeutet hat, gerät Damaskus stärker ins Kriegsgeschehen. Die bisher als sicher erachtete Lage des Nationalmuseums geriet am 5. April erstmals unter Beschuss, wobei zunächst keine Schäden entstanden sind.

          Raubgrabungen bei Hama

          weitere Schadensmeldungen

          Maßnahmen

          Ausstellung in Damaskus über die Arbeit der syrischen Altertumsbehörde DGAM

          Restaurierungsarbeiten

          Im Gegensatz den oben genannten Wiederaufbauplänen in Aleppo und Mossul laufen an verschiedenen Orten bereits Restaurierungsarbeiten. Das zeigen mehrere Anfang April auf YouTube eingestellte Videos der Tourismusbehörde.

          Die Türkei finanziert den Wiederaufbau von Moscheen – von denkmalpflegerischen Aspekten ist hier nicht die Rede.

            Erklärung der G7-Kulturminister

            Sonstige Berichte/ Interviews

                Links

                frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                      Zwischen staatlicher Fürsorge und privater Vorsorge – ein neues archäologisches Forschungsprojekt

                      Von den Veränderungen der Spätantike waren auch die fundamentalen Lebensbedingungen in vielfältiger Weise betroffen. Die Unsicherheit wuchs, die staatlichen Strukturen wurden geschwächt.
                      In den Städten frühbyzantinischer Zeit war eine “Ruralisierung“, oft verbunden mit einer Verlagerung oder Auflösung des Stadtkerns, wobei vielerorts kleine Häuschen in frühere öffentliche Gebäude oder gar deren Ruinen gesetzt wurden.
                      Ganz grundlegend war für die Menschen jedoch die Sicherung der Nahrungsversorgung. Spielte bis dato die staatliche Getreideversorgung eine zentrale Rolle, so musste nun selbst Vorsorge getrofffen werden.
                      Welche Auswirkungen hatte das auf die Familien? Wie veränderte dies die Ernährungsgewohnheiten, wie die landwirtschaftliche Produktion?  Wie reagierten die Menschen auf die veränderten Lebensumstände, welche Maßnahmen ergriffen sie zur Sicherung der Nahrungsmittelgrundlage? Diesem Fragenkomplex – oder vielmehr einer konkreten Fallstudie am Beispiel der Versorgung der spätantiken Stadt Caričin Grad widmet sich ab Sommer ein neues Forschungsprojekt: „Zwischen staatlicher Fürsorge und privater Vorsorge: Eine interdisziplinäre Studie zur Versorgungssicherung im 6. Jahrhundert anhand des Getreidespeichers von Caričin Grad„. Die Finanzierung dazu hat die Fritz-Thyssen-Stiftung bewilligt. Die Stadt Caričin Grad bietet eine perfekte Ausgangsbasis, um nach Antworten zu forschen. Sie wurde um 530 n. Chr. von Kaiser Justinian als Verwaltungsmittelpunkt gegründet, jedoch um 615 n. Chr., nach noch nicht einmal drei Generationen, wieder verlassen.
                      Aus dem aktuell auslaufenden Projekt „Das kurze Leben einer Kaiserstadt – Alltag, Umwelt und Untergang des frühbyzantinischen Caričin Grad (Iustiniana Prima?)“ wissen wir um Vorräte in verschiedenen Häusern, aber auch um die Aufbereitung von Getreide für die lokale Verarbeitung. Jetzt stehen im Rahmen einer serbisch-französichen Kooperation Ausgrabungen in dem Horreum der Stadt an, die das neu bewilligte Projekt nutzen will, um diesen Privaten Versorgungsstrategien mit der staatlichen Getreideversorgung der sog. Annona zu vergleichen.

                      Das Horreum in der nördlichen Oberstadt von Caricin Grad ist Gegenstand neuer Forschungen.
                      (Foto: Archäologisches Institut Belgrad – Pressebild)

                      Im Kern des Projektes, das das RZM (meine Wenigkeit [Rainer Schreg]) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Prof. Wiebke Kirleis) gemeinsam beantragt haben, stehen archäobotanische Untersuchungen, die Dipl.-Prähistorikerin Anna E. Reuter durchführen wird. Ergänzt werden diese Untersuchungen durch bodenkundliche Analysen, die nicht nur von erheblicher Bedeutung sind, wenn es darum geht, die Fundablagerungen einzuschätzen, sondern auch einen Betrag leisten, die Geschichte des Horreums und die dortigen Arbeitsabläufe zu verstehen. In dessen jüngster Phase sind dort eben solche kleine Einbauten entstanden, wie sie in der Sptantike vielfach zu beobachten sind.
                      Während der Ausgrabungen im Sommer werden systematisch Proben gesammelt, die dann in Mainz und Kiel ausgewertet werden. Die bodenkundliche Expertise liegt bei den Projektpartner vom Geographischen Institut der Johannes-Gutenberg Universität  (Prof. Sabine Fiedler, Dr. Jago Birk).

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                      "Die Wissenschaft darf nicht schweigen." – #BlogsforScience

                      Tausende Wissenschaftler haben am Earth Day weltweit dafür demonstriert, dass Fakten und Forschung weiterhin ernst genommen werden und politische Entscheidungen nicht aus dem Bauch raus getroffen werdn.

                      Entsprechende Veranstaltungen gab es weltweit.

                      In Panama ist der Caminata por la Ciencia vergleichsweise klein ausgefallen – mit geschätzt über 300 Teilnehmern ist das jedoch für ein Land, das eher mit Kanal, Tigerente, Briefkastenfirmen und Bananen gleichgesetzt wird, beachtlich.
                      „Ciencia no silencia“ skandierten die Marschierer – frei übersetzt: Die Wissenschaft darf nicht schweigen.

                      Caminata por la Ciencia, Panama 22. April 2017
                      (Foto: R. Schreg)

                      Der Protest hatte hier auch deutlich eine soziale Komponente – Forderungen nach mehr Frauen in der Wissenschaft oder der Hinweis auf die Rolle für Bildung und Entwicklung waren zu lesen.  In dem zuletzt von Korruptionsskandalen gebeutelten Land fehlt es an Investitionen in das Bildungswesen.
                      Auffallend war aber auch: das Engagement von Firmen wie esri, denen man gerne unterstellen mag, dass es natürlich auch um wirtschaftliche Interessen geht.

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                      US-Kongress: Forschungsförderung nicht mehr nach wissenschaftlichem Wert, sondern nach politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit – #MarchforScience

                      Die US-amerikanische National Science Foundation gibt nur 5% ihres Budgets für Sozialwissenschaften aus. 0,12% entfallen auf die Archäologie. Dennoch ist das dem Kongressabgeordneten und Vorsitzenden des Wissenschaftsausschuß Lamar Smith zu viel. Er will Mittelvergabe nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern nach deren politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit. Schon 2014 war Smith aufgefallen, dass ihm die Freiheit der Forschung und die Bedeutung der Sozialwissenschaften unverständlich ist.
                       

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                      US-Kongress: Forschungsförderung nicht mehr nach wissenschaftlichem Wert, sondern nach politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit – #MarchforScience

                      Die US-amerikanische National Science Foundation gibt nur 5% ihres Budgets für Sozialwissenschaften aus. 0,12% entfallen auf die Archäologie. Dennoch ist das dem Kongressabgeordneten und Vorsitzenden des Wissenschaftsausschuß Lamar Smith zu viel. Er will Mittelvergabe nicht nach wissenschaftlichen Kriterien, sondern nach deren politischer und wirtschaftlicher Wertigkeit. Schon 2014 war Smith aufgefallen, dass ihm die Freiheit der Forschung und die Bedeutung der Sozialwissenschaften unverständlich ist.
                       

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                      Erklärung der G7-Kulturminister

                      Vom 20-21. 3. trafen sich die Kulturminister der G7-Staaten in Florenz. Dabei wurde eine Erklärung zum Kulturerbe beschlossen:

                      Die Erklärung konstatiert, dass Kulturerbe aus drei Gründen wichtig sei und zwar als:

                      1. Identitätsstiftung
                      2. Wirtschaftsfaktor 
                      3. Faktor und Thema der Technologie.
                      Ich halte diese Liste für probematisch, denn Identitätsstiftung bedeutet immer auch Ausgrenzung. Archäologie und Geschichte haben da in der Forschungsgeschichte schon einige negative Erfahrungen gemacht. Sicher schafft Kulturerbe Identität, aber das ist durchaus nicht immer positiv besetzt. Auch die Terroristen, die Kulturgüter zerstören – der zentrale Thema der Erklärung – schaffen sich ihre Identität aus der Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe, indem sie es zerstören.
                      Kulturerbe kann und ist duchaus ein Wirtschaftsfaktor, aber es vor allem unter diesem Faktor zu betrachten ist gefährlich, denn das geht schnell an die Substanz der Quellen und zu Lasten einer seriösen Auseinandersetzung. 
                      Kulturerbe als Faktor und Thema der Technologie dürfte alle Freunde der Digital Humanities freuen, denn genauer heisst es in der Erklärung, dass das Kulturerbe einen Kontext bietet, die Potentiale und Möglichkeiten auszuloten, die sich im digitalen Zeitalter ergeben („context for measuring the potentials and opportunities generated by the digital era“). Das ist m.E. richtig, aber sicher kein zentraler Punkt in der generellen Bedeutung des kulturellen Erbes.

                      Das Wichtigste, was Kulturerbe für die Gesellschaft leistet, fehlt hier, wie so oft: 
                      1. Reflektions- und Orientierungswissen  zur Einschätzung unserer Gegenwart durch die Chance auf eine fundierte, (selbst)kritische Auseinandersetzung mit menschlichen Gesellschaften und ihren Mythen
                      2. eine zukunftsgerichtete Sensibilisierung für die langfristigen Folgen menschlichen Handelns 
                      3. ein Gespür für die Verantwortung in der Zeit.

                      Aufstand gegen alternative Fakten – #BlogsforScience

                      „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts.
                      (Logo: Julia
                      Uraji mit freepix.com via Wissenschaft kommuniziert)

                      ein immer noch aktueller Überblick zur Situation in den USA:

                      Interner Link

                      Mittelalterarchäologie im Mittelalterblog

                      ein Beitrag von Maxi Maria Platz

                      Interdisziplinarität ist das Schlagwort in allen Wissenschaften, da sich alle auf die Fahnen schreiben, die sich als Forschende verstehen. Ohne interdisziplinäre Kooperationen kommt so gut wie kein drittmittelfinanziertes Forschungsprojekt mehr auf den Weg und wer hat schon was gegen die spannende Zusammenarbeit mit Kolleg*innen benachbarter oder auch scheinbar nicht verwandter Fächer?

                      Die Mittelalterarchäologie musste in den 1970er und 80er Jahren ihre Daseinsberechtigung als Fach vor allem gegenüber der mittelalterlichen Geschichte erst beweisen. Laut waren die Vorbehalte zu Methoden, die man für vorgeschichtliche Zeiträume kannte und für historische Epochen als unnötig betrachtete.

                      Günter Fehring widmete in seiner Einführung in die Mittelalterarchäologie ein ganzes Kapitel der Abgrenzung des Fachs gegenüber seiner Nachbardisziplinen (Fehring 2003, 13-17). In einem kürzlich von Barbara Scholkmann, Hauke Kenzler und Rainer Schreg herausgegebenen Handbuch dagegenfehlt ein solches Kapitel (Scholkmann – Kenzler – Schreg 2016). Das kann man als Manko betrachten, ist aber auch ein Zeichendafür, dass eine Rechtfertigung der Mittelalterarchäologie nicht mehr von Nöten ist. Sie hat sich zu einem vollständig anerkannten Mitglied der mediävistischen Fächerfamilie entwickelt.

                      (Foto: M.M. Platz)
                      Für ernsthaft arbeitende Historiker ist die Kommunikation mit Archäologen selbstverständlich geworden. Gelegentlich wünscht man sich zwar, dass archäologische Beiträge insbesondere in historischen Sammelbänden nicht ganz so isoliert wirken, doch hat sich das Verhältnis in den letzten Jahren deutlich positiv entwickelt.

                      Für viele Fragestellungen in der mittelalterlichen Geschichte ist das Heranziehen von materiellen Quellen nicht immer notwendig, der Umgang mit Schriftquellen ist für den Archäologen jedoch unabdingbar. In der deutschsprachigen mittelalterarchäologischen Forschung werden von manchen Fachkollegen nach wie vor schriftliche Überlieferungen und deren Interpretation teilweise als Konkurrenz zu den „eigentlichen“ Quellen der Archäologie ‒ nämlich die Artefakte und ihre Stratigrafie ‒ betrachtet, wohingegen die englischsprachige Forschung das Verhältnis seit den 1970er Jahren eher entspannt kontextuell sieht. Ein Umstand, der sich langsam ändert, aber noch immer zu beobachten ist (Schreg 2007, 12-13; s.a. Scholkmann 2003).

                      Das interdisziplinär publizierende Mittelalterblog ist eine der wenigen Plattformen in der wissenschaftlichen Online-Landschaft, das alle mediävistischen Disziplinen, insbesondere Geschichte, Historische Hilfswissenschaften, Sprach- und Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte, Theologie und Religionswissenschaften, Skandinavistik und Theaterwissenschaften zusammenbringt. Die Redaktion ist mit Fachwissenschaftlern besetzt, welche die Beiträge betreuen, im Vorfeld prüfen und damit die Qualität der Blogposts sichern.

                      Die Artikel erscheinen exklusiv online im Open Access, sind zitierbar und können als Online-Publikationen bei der VG-Wort angemeldet werden. Wissenschaftliche Artikel im engen Sinne (Miszellen, Aufsätze, Editionen) werden in den Regesta Imperii Opac (RI-Opac) aufgenommen.

                      Gerade in der Mittelalterarchäologie sind Online-Beiträge noch keine Selbstverständlichkeit, obwohl die Vorteile für sich sprechen: Hohe Sichtbarkeit bei Fachkollegen der eigenen und der Nachbarwissenschaften, konstruktiver Austausch in der moderierten Kommentarfunktion und sehr zeitnahe Publikation. Dabei versteht sich das Blog nicht als Werbeplattform für neu erschienene Monographien und Sammelbände, sondern als vollwertige Alternative zu Printmedien.

                      Die Mittelalterarchäologie, mit ihrer Offenheit gegenüber interdisziplinären Ansätzen von klassischer Arbeit mit Schriftquellen, Bauforschung, naturwissenschaftlichen Prospektions- und Datierungsmethoden bis hin zur Archäoinformatik, soll nun stärker in den Fokus der breiten Leserschaft des Mittelalterblogs rücken.

                      Somit ist dieser Beitrag als Aufforderung zu verstehen, Artikel zu laufenden Forschungsprojekten, Dissertationen und auch Grabungen mit außergewöhnlich guten mittelalterlichen Befunden und Funden im Mittelalterblog zu veröffentlichen. Es lohnt sich!

                      Social Media-Präsenzen

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                      Literaturhinweise

                      Fehring 2003
                      G. P. Fehring, Die Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Eine Einführung (Darmstadt³ 2003).
                      Scholkmann 2003
                      B. Scholkmann, Tyrannei der Schriftquellen? Überlegungen zum Verhältnis materieller und schriftlicher Überlieferung in der Mittelalterarchäologie, in: M. Heinz/ M.K. Eggert/ U. Veit (Hrsg.), Zwischen Erklären und Verstehen? Tübinger Archäologisches Taschenbuch 2 (Münster/ NewYork/ Berlin/ München 2003) 239-257.
                      Scholkmann – Kenzler – Schreg 2016
                      B. Scholkmann/ H. Kenzler/ R. Schreg, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Grundwissen (Darmstadt 2016).
                      Schreg 2007
                      R. Schreg, Archäologie der frühen Neuzeit. Der Beitrag der Archäologie angesichts zunehmender Schriftquellen, in: Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit 18, 2007, 9-20


                      Maxi Maria Platz ist Mittelalterarchäologin und lebt mit ihrem Mann in Duisburg. In ihrer im Februar an der Universität Bamberg angenommene Dissertation beschäftigte sie sich Ausgrabungen im Umfeld der Elisabethkirche in Marburg.

                      Angriff auf die Wissenschaft in Ungarn

                      Die ungarische Regierung – und die Parlamentsmehrheit  – erzwingen mit einem neuen Hochschulgesetz die Schließung der Central European University (CEU), einer in Budapest ansässigen amerikanischen-ungarischen Kooperation, die internationale Studienabschlüsse anbietet. Die Univsersität ist stark geisteswissenschaftlich ausgerichtet und mit ihrer internationalen Ausricht der nationalkonservativen Regierung Orbán ein Dorn im Auge. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen sind gezielt gegen die CEU gerichtet, die von einer Stiftung getragen wird, die sich Demokratie und Liberalität auf die Fahnen geschrieben hat.

                      (CEU)
                      Der Gründer der CEU, der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros (wikipedia), ein Überlebender des Holocaust hatte nach der Wende einen Großteil seines Gelds für den Aufbau demokratischer, liberaler und offener Gesellschaften in Osteuropa gespendet und dabei Anfang der 1990er Jahre auch die CEU gegründet, deren Ziel die Ausbildung einer neuen demokratischen Elite für die Region war.
                      In einer Rede vor dem Europaparlamemt kritisiert Bundespräsident Frank-Walter Stenmeier die ungarische Regierung. „Wenn wir ein Leuchtturm sein wollen für Rechtsstaat und Menschenrechte in der Welt, dann darf es uns nicht egal sein, wenn dieses Fundament im Inneren Europas wackelt.“ Mit Blick auf die CEU sagte er, Europa dürfe nicht schweigen, wenn einer Universität in Budapest „die Luft zum Atmen genommen werden soll“.
                      Orbán, der einmal selbst von einem der Stipendien profitiert hat, wirft Soros vor, hinter der Flüchtlingswelle zu stecken und einen Austausch der Bevölkerung in Europa  anzustreben – Rassismus und Verschwörungstheorien feiern Auferstehung.

                      Medienberichte

                      Seite der CEU

                      Stellungnahme der Association of Hungarian Archaeologists (MRSZ) betont die Bedeutung der CEU für das Fach

                      nicht sonderlich engagiertes Statement der US-Regierung

                      Unterschreiben!

                      Petition

                        Links: Orbán und die Archäologie

                        Angriff auf die Wissenschaft in Ungarn

                        Die ungarische Regierung – und die Parlamentsmehrheit  – erzwingen mit einem neuen Hochschulgesetz die Schließung der Central European University (CEU), einer in Budapest ansässigen amerikanischen-ungarischen Kooperation, die internationale Studienabschlüsse anbietet. Die Univsersität ist stark geisteswissenschaftlich ausgerichtet und mit ihrer internationalen Ausricht der nationalkonservativen Regierung Orbán ein Dorn im Auge. Die neuen gesetzlichen Bestimmungen sind gezielt gegen die CEU gerichtet, die von einer Stiftung getragen wird, die sich Demokratie und Liberalität auf die Fahnen geschrieben hat.

                        (CEU)
                        Der Gründer der CEU, der ungarischstämmige US-Milliardär George Soros (wikipedia), ein Überlebender des Holocaust hatte nach der Wende einen Großteil seines Gelds für den Aufbau demokratischer, liberaler und offener Gesellschaften in Osteuropa gespendet und dabei Anfang der 1990er Jahre auch die CEU gegründet, deren Ziel die Ausbildung einer neuen demokratischen Elite für die Region war.
                        In einer Rede vor dem Europaparlamemt kritisiert Bundespräsident Frank-Walter Stenmeier die ungarische Regierung. „Wenn wir ein Leuchtturm sein wollen für Rechtsstaat und Menschenrechte in der Welt, dann darf es uns nicht egal sein, wenn dieses Fundament im Inneren Europas wackelt.“ Mit Blick auf die CEU sagte er, Europa dürfe nicht schweigen, wenn einer Universität in Budapest „die Luft zum Atmen genommen werden soll“.
                        Orbán, der einmal selbst von einem der Stipendien profitiert hat, wirft Soros vor, hinter der Flüchtlingswelle zu stecken und einen Austausch der Bevölkerung in Europa  anzustreben – Rassismus und Verschwörungstheorien feiern Auferstehung.

                        Medienberichte

                        Seite der CEU

                        Stellungnahme der Association of Hungarian Archaeologists (MRSZ) betont die Bedeutung der CEU für das Fach

                        nicht sonderlich engagiertes Statement der US-Regierung

                        Unterschreiben!

                        Petition

                          Links: Orbán und die Archäologie

                          Der Bock als Gärtner

                          #BlogsforScience

                          Ausgerechnet der Vorsitzende des amerikanischen Wissenschaftsausschuss bezweifelt die Objektivität und Seriosität der Zeitschrift „Science“. Ein weiteres Beispiel, dass sich die Wissenschaften positionieren müssen.

                          Links

                          Der Bock als Gärtner

                          #BlogsforScience

                          Ausgerechnet der Vorsitzende des amerikanischen Wissenschaftsausschuss bezweifelt die Objektivität und Seriosität der Zeitschrift „Science“. Ein weiteres Beispiel, dass sich die Wissenschaften positionieren müssen.

                          Links

                          Kulturgut in Syrien und Irak, März 2017

                          Daesh/IS gerät immer stärker in Bedrängnis, nach den Kämpfen um Aleppo, Palmyra sind nun die Städte von Idlib, Mosul und auch Stadtteile im Osten von Damaskus, wo es vorher relativ ruhig geblieben ist. Damaskus war auch der Ort, an dem viele Objekte aus Syrien „in Sicherheit“ gebracht worden sind. (Die Internetseite der syrischen Altertumsbehörde war am 30.3.2017 nicht mehr zuverlässig zu erreichen – deshalb laufen einige der unten angegebenen Links möglicherweise ins Leere).

                          Einige der  bislang verwendeten Quellen sind in den letzten Monaten weggebrochen, so z.B. die facebook-Seite Le patrimoine archéologique syrien en danger – https://www.facebook.com/Archeologie.syrienne/  oder

                          Auch die facebook-Seite des Nationalmuseums in Damaskus, die bis Mitte 2015 immer wieder – bisweilen durchaus propagandistische – Posts abgesetzt hat, ist seit langem still. Aktiv ist noch die facebook-Gruppe Archaeology in Syria – An eye over the WHL, wobei deren Website ebenfalls seit etwa einem Jahr auch keine Aktivitäten mehr zeigt. 

                          Eine Dokumentation der Maßnahmen und des internationalen Engagements zum Schutz des Kulturerbes bieten die Berichte Heritage for Peace. Der nun vorgelegte vierte Bericht bezieht sich auf den Zeitraum Oktober 2015 bis Dezember 2016. Hier ist unter den Reports und Databases auch Archaeologik aufgeführt.

                          Palmyra

                          1.3.2017
                          Erneutes Vordringen des russich-syrischen Militärs. Eingenommen wurde die Zitadelle und Gebiete im Westen der Stadt. Es bleibt zunächst unklar, ob das Ruinengelände bereits „befreit“ ist.

                          Die russische Sicht:

                          Die inzwischen von Daesh zerstörte Bühne des Theaters von Palmyra
                          (Foto: M. Scholz, 1993)

                          2.3.2017
                          Die syrisch-russischen Kräfte haben Palmyra angeblich vollständig eingenommen. Daesh soll in der ganzen Stadt Minen deponiert haben.

                          3./4.3.2017

                          Erste Bilder aus der wieder befreiten antiken Stadt, aus der sich Daesh zwar zurückgezogen hat, deren Besetzung aber wegen Sprengfallen und Minen nur vorsichtig Schritt für Schritt erfolgt:

                                  Auf YouTube finden sich von RUPTLY mehrere Videos, die das Vordringen der syrischen Truppen zeigen:

                                  Russische Medien stellen die Rolle Russlands bei der Rückeroberung heraus:

                                  5.3.2017
                                  In Palmyra wird zu einem Pressetermin geladen.  Dabei entstehen Bilder mit Musikantinnen vor der zerstörten Bühnenwand des Theaters. Palmyra and Aleppo News Updates kommentiert auf facebook: „It is hard to dislike the photos of the musicians and surely the west will equal the absence of hijab with freedom and democracy but appearances are deceptive.“ Ein anderer Kommentar weißt darauf hin, dass die Berichte den Eindruck erweckten, Palmyra bestünde nur aus Archäologie und Sand, nicht aus Mesnchen.

                                  In einem Kommentar in The National, einer Zeitung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird die aktivere Rolle der USA bei der Rückeroberung herausgestellt:

                                  ab 6.3.

                                  „We were afraid and we expected the worst scenarios; luckily, the terrorists did not have enough time to carry out more crimes against the human heritage. Where we have not spotted any new damage so far in the Tomb of the Three Brothers, Temple of Bel, Temple of Nebo, Camp of Diocletian, the Straight Street, Agora and other monuments.“

                                  Ein Militärführer von Daesh, Anführer Abu Hamid al-Sukhni wurde bei Kämpfen getötet. Er soll für die Zerstörungen in Palmyra verantwortlich gewesen sein.

                                          Mosul

                                          DIe irakischen Truppen dringen im Häuserkampf in den Westen von Mosul vor.
                                          Unter dem von Daesh 2014 zerstörten Jonas-Schrein wurden die Reste eines assyrischen Palastes entdeckt. Entgegen der Medienberichte war die Fundstelle durchaus schon bekannt, doch war auf Ausgrabungen an der Stelle des Schreines verzichtet wurde. Als die irakischen Streitkräfte die Region östlich von Mosul zurück erobert haben, wurden zahlreiche Stollen entdeckt, mit denen Daesh den Palast hat plündern lassen. Es ist schwer zu bestimmen, was geraubt wurde und wie dramatisch die Zerstörungen der bislang weitgehend unbekannten Anlage sind.

                                          Das Museum von Mosul wurde von irakischen Streitkräften eingenommen. Es seien nur noch Trümmer vorhanden.

                                          „Zuvor hatten die irakischen Behörden mitgeteilt, dass einige der vernichteten Artefakte Reproduktionen gewesen seien. Man habe einige Originale nach Bagdad evakuieren können. … Es wurde auch bekannt, dass die Terroristen einige Kunstgegenstände auf dem Schwarzmarkt verkauften.“ /RT today)

                                          Die Universität Mosul

                                          Verwiesen sei auf die facebook-Gruppe Monuments of Mosul in Danger,  die immer wieder Berichte aus der Stadt liefert.

                                            Zerstörungen

                                            Bakhira, 2010
                                            (Foto: Jim Gordon [CC BY 2.0] via WikimediaCommons)

                                            Idlib und das nordsyrische Kalksteinmassiv

                                            Die syrische Altertumsbehörde postet Bilder, die Raubgrabungen und Steinraub in Bakhira, einer der toten Städte im nordsyrischen Kalksteinmassiv und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zeigen.
                                            Die Region Idlib ist in den Händen der Oppositionskräfte. Nach dem Fall von Aleppo und Palmyra scheinen sich die Kämpfe dort nun zu verschlimmern.
                                            Für Idlib ist die facebook-Präsenz des Idleb Antiquites Center [sic!] zu nennen 

                                            Aleppo

                                            In Aleppo gibt es erste Bestandsaufnahmen der Zerstörung. Zu nennen sind v.a. Posts der facebook-Gruppe Aleppo Archaeology und Berichte der DGAM.

                                              Anschlags- und Morddrohungen gegen  Kulturprogramm in Babylon

                                              Im Irak drohen radikale Gruppen den Verantwortlichen der Stätte Babylon mit Anschlägen und Mord, wenn dort weiterhin ein Kulturprogramm angeboten werde.

                                              Terrorfinanzierung

                                              Die Diskussion, inwiefern die Raubgrabungen und der Antikenhandel mit Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht werden kann (und soll), hat erneut an Heftigkeit gewonnen. Ein Bericht über die Finanzierungslage des Daesh hatte im Februar festgestellt, dass keine Zahlen benannt werden können (Archaeologik 1.2.2017). Schon vor Jahren haben Stimmen gewarnt, die Verbindungen mit dem Terror zu stark herauszustellen, da sie natürlich nicht wirklich mit Beweisen hinterfüttert werden können und so die Glaubwürdigkeit leiden könnte. Anti-Terrormaßnahmen müssten auch nicht unbedingt den Interessen des Kulturgüterchutzes entsprechen (Archaeologik 9.8.2014, vergl. Der Beweis des Unbewieseneen. Archaeologik 28.11.2015).

                                              Eine Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 24.3.2017 betont hingegen die Rolle des Kulturgüterschutzes für den Kampf gegen den Terrorismus. Erstmals kam die UNESCO in diesem UN-Gremium direkt zu Wort. Außerdem gab es ein Statement der italienischen Carrabinieri, nachdem allein im letzten Jahr in Italien im Kampf gegen illegalen Kulturgüterhandel 800.000 Objekte sicher gestellt worden seine. 

                                              Sehr gut zum Thema Raubgrabungen und Terrorfinanzierung:

                                                  Maßnahmen

                                                  Die Schaffung eines internationalen Fonds

                                                  Auf der UNESCO-Tagung  „Safe-guarding Endangered Cultural Heritage“ in Abu Dhabi im Dezember 2016 war beschlossen worden, einen Fond für den Schutz bedrohten kulturellen Erbes einzurichten. Dafür sollen 100 Mio. US-$ zur Verfügung gestellt werden, wovon Frankreich alleine 30 Mio zugesagt hat. Mit dem Fond sollen  die weltweite Initiative „Unite for Heritage“ und die Bemühungen der UNESCO zum Schutz von Kulturgut im bewaffneten Konflikt unterstützt werden (siehe http://archaeologik.blogspot.de/2017/01/morden-und-restaurieren-in-aleppo.html).  Jetzt fand in Paris ein Nachfolgetreffen statt, bei dem es darum ging, die Geldgeber zusammen zu bekommen.

                                                   

                                                  UN-Resolution

                                                  Im Kontext der oben genannten Sitzung des UN-Sicherheitsrates wurde Resolution Nr. 2347 verabschiedet, die Kulturgutzerstörung als Kriegsverbrechen einstuft. Dabei wird explizit auf das Urteil des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag um Zerstörungen von Weltkulturerbe in Timbuktu verwiesen (http://archaeologik.blogspot.de/2016/08/groere-aufmerksamkeit-fur-das.html)

                                                  Die Resolution wendet sich explizit auch gegen Plünderung und Schmuggel von Kulturgüterm.

                                                  Deplores and condemnsthe unlawful destruction of cultural heritage, inter alia destruction of religious sites and artefacts, as well as the looting and smuggling of cultural property from archaeological sites, museums, libraries,archives, and other sites, in the context of armed conflicts, notably by terrorist groups.

                                                    Exil und Weiterbildung

                                                    Das Beispiel des syrischen Archäologen Mohamad Fakhro, früher Vizedirektor des Nationalmuseums in Aleppo und Grabungsleiter in Tell Halaf, jetzt an der Universität Tübingen

                                                    Artefaktmarker

                                                    Internationales

                                                      online-Ausstellung des Gettys:

                                                      dazu eine Kritik

                                                      Palmyra-Ausstellung in Hannover

                                                      Bel-Heiligtum in Palmyra
                                                      von Louis-François Cassas (1756-1827)
                                                       (Wallraf-Richartz-Museum, Köln,
                                                      Inv.-Nr. Hittorff-Nachlass, Ba. 011)
                                                      (gemeinfrei, via WikimediaCommons)

                                                      Jetzt im Kestner-Museum. 2016 war die Ausstellung in Köln zu sehen (vergl. http://archaeologik.blogspot.de/2016/04/die-befreiung-von-palmyra-syrienirak-im.html).

                                                      Wiederaufbauplanungen für Aleppo

                                                      G7-Kulturgipfel in Florenz

                                                        Sonstiges

                                                          Links

                                                          frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                                                          Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                                                          Kulturgut in Syrien und Irak, März 2017

                                                          Daesh/IS gerät immer stärker in Bedrängnis, nach den Kämpfen um Aleppo, Palmyra sind nun die Städte von Idlib, Mosul und auch Stadtteile im Osten von Damaskus, wo es vorher relativ ruhig geblieben ist. Damaskus war auch der Ort, an dem viele Objekte aus Syrien „in Sicherheit“ gebracht worden sind. (Die Internetseite der syrischen Altertumsbehörde war am 30.3.2017 nicht mehr zuverlässig zu erreichen – deshalb laufen einige der unten angegebenen Links möglicherweise ins Leere).

                                                          Einige der  bislang verwendeten Quellen sind in den letzten Monaten weggebrochen, so z.B. die facebook-Seite Le patrimoine archéologique syrien en danger – https://www.facebook.com/Archeologie.syrienne/  oder

                                                          Auch die facebook-Seite des Nationalmuseums in Damaskus, die bis Mitte 2015 immer wieder – bisweilen durchaus propagandistische – Posts abgesetzt hat, ist seit langem still. Aktiv ist noch die facebook-Gruppe Archaeology in Syria – An eye over the WHL, wobei deren Website ebenfalls seit etwa einem Jahr auch keine Aktivitäten mehr zeigt. 

                                                          Eine Dokumentation der Maßnahmen und des internationalen Engagements zum Schutz des Kulturerbes bieten die Berichte Heritage for Peace. Der nun vorgelegte vierte Bericht bezieht sich auf den Zeitraum Oktober 2015 bis Dezember 2016. Hier ist unter den Reports und Databases auch Archaeologik aufgeführt.

                                                          Palmyra

                                                          1.3.2017
                                                          Erneutes Vordringen des russich-syrischen Militärs. Eingenommen wurde die Zitadelle und Gebiete im Westen der Stadt. Es bleibt zunächst unklar, ob das Ruinengelände bereits „befreit“ ist.

                                                          Die russische Sicht:

                                                          Die inzwischen von Daesh zerstörte Bühne des Theaters von Palmyra
                                                          (Foto: M. Scholz, 1993)

                                                          2.3.2017
                                                          Die syrisch-russischen Kräfte haben Palmyra angeblich vollständig eingenommen. Daesh soll in der ganzen Stadt Minen deponiert haben.

                                                          3./4.3.2017

                                                          Erste Bilder aus der wieder befreiten antiken Stadt, aus der sich Daesh zwar zurückgezogen hat, deren Besetzung aber wegen Sprengfallen und Minen nur vorsichtig Schritt für Schritt erfolgt:

                                                                  Auf YouTube finden sich von RUPTLY mehrere Videos, die das Vordringen der syrischen Truppen zeigen:

                                                                  Russische Medien stellen die Rolle Russlands bei der Rückeroberung heraus:

                                                                  5.3.2017
                                                                  In Palmyra wird zu einem Pressetermin geladen.  Dabei entstehen Bilder mit Musikantinnen vor der zerstörten Bühnenwand des Theaters. Palmyra and Aleppo News Updates kommentiert auf facebook: „It is hard to dislike the photos of the musicians and surely the west will equal the absence of hijab with freedom and democracy but appearances are deceptive.“ Ein anderer Kommentar weißt darauf hin, dass die Berichte den Eindruck erweckten, Palmyra bestünde nur aus Archäologie und Sand, nicht aus Mesnchen.

                                                                  In einem Kommentar in The National, einer Zeitung aus den Vereinigten Arabischen Emiraten wird die aktivere Rolle der USA bei der Rückeroberung herausgestellt:

                                                                  ab 6.3.

                                                                  „We were afraid and we expected the worst scenarios; luckily, the terrorists did not have enough time to carry out more crimes against the human heritage. Where we have not spotted any new damage so far in the Tomb of the Three Brothers, Temple of Bel, Temple of Nebo, Camp of Diocletian, the Straight Street, Agora and other monuments.“

                                                                  Ein Militärführer von Daesh, Anführer Abu Hamid al-Sukhni wurde bei Kämpfen getötet. Er soll für die Zerstörungen in Palmyra verantwortlich gewesen sein.

                                                                          Mosul

                                                                          DIe irakischen Truppen dringen im Häuserkampf in den Westen von Mosul vor.
                                                                          Unter dem von Daesh 2014 zerstörten Jonas-Schrein wurden die Reste eines assyrischen Palastes entdeckt. Entgegen der Medienberichte war die Fundstelle durchaus schon bekannt, doch war auf Ausgrabungen an der Stelle des Schreines verzichtet wurde. Als die irakischen Streitkräfte die Region östlich von Mosul zurück erobert haben, wurden zahlreiche Stollen entdeckt, mit denen Daesh den Palast hat plündern lassen. Es ist schwer zu bestimmen, was geraubt wurde und wie dramatisch die Zerstörungen der bislang weitgehend unbekannten Anlage sind.

                                                                          Das Museum von Mosul wurde von irakischen Streitkräften eingenommen. Es seien nur noch Trümmer vorhanden.

                                                                          „Zuvor hatten die irakischen Behörden mitgeteilt, dass einige der vernichteten Artefakte Reproduktionen gewesen seien. Man habe einige Originale nach Bagdad evakuieren können. … Es wurde auch bekannt, dass die Terroristen einige Kunstgegenstände auf dem Schwarzmarkt verkauften.“ /RT today)

                                                                          Die Universität Mosul

                                                                          Verwiesen sei auf die facebook-Gruppe Monuments of Mosul in Danger,  die immer wieder Berichte aus der Stadt liefert.

                                                                            Zerstörungen

                                                                            Bakhira, 2010
                                                                            (Foto: Jim Gordon [CC BY 2.0] via WikimediaCommons)

                                                                            Idlib und das nordsyrische Kalksteinmassiv

                                                                            Die syrische Altertumsbehörde postet Bilder, die Raubgrabungen und Steinraub in Bakhira, einer der toten Städte im nordsyrischen Kalksteinmassiv und Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zeigen.
                                                                            Die Region Idlib ist in den Händen der Oppositionskräfte. Nach dem Fall von Aleppo und Palmyra scheinen sich die Kämpfe dort nun zu verschlimmern.
                                                                            Für Idlib ist die facebook-Präsenz des Idleb Antiquites Center [sic!] zu nennen 

                                                                            Aleppo

                                                                            In Aleppo gibt es erste Bestandsaufnahmen der Zerstörung. Zu nennen sind v.a. Posts der facebook-Gruppe Aleppo Archaeology und Berichte der DGAM.

                                                                              Anschlags- und Morddrohungen gegen  Kulturprogramm in Babylon

                                                                              Im Irak drohen radikale Gruppen den Verantwortlichen der Stätte Babylon mit Anschlägen und Mord, wenn dort weiterhin ein Kulturprogramm angeboten werde.

                                                                              Terrorfinanzierung

                                                                              Die Diskussion, inwiefern die Raubgrabungen und der Antikenhandel mit Terrorfinanzierung in Verbindung gebracht werden kann (und soll), hat erneut an Heftigkeit gewonnen. Ein Bericht über die Finanzierungslage des Daesh hatte im Februar festgestellt, dass keine Zahlen benannt werden können (Archaeologik 1.2.2017). Schon vor Jahren haben Stimmen gewarnt, die Verbindungen mit dem Terror zu stark herauszustellen, da sie natürlich nicht wirklich mit Beweisen hinterfüttert werden können und so die Glaubwürdigkeit leiden könnte. Anti-Terrormaßnahmen müssten auch nicht unbedingt den Interessen des Kulturgüterchutzes entsprechen (Archaeologik 9.8.2014, vergl. Der Beweis des Unbewieseneen. Archaeologik 28.11.2015).

                                                                              Eine Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 24.3.2017 betont hingegen die Rolle des Kulturgüterschutzes für den Kampf gegen den Terrorismus. Erstmals kam die UNESCO in diesem UN-Gremium direkt zu Wort. Außerdem gab es ein Statement der italienischen Carrabinieri, nachdem allein im letzten Jahr in Italien im Kampf gegen illegalen Kulturgüterhandel 800.000 Objekte sicher gestellt worden seine. 

                                                                              Sehr gut zum Thema Raubgrabungen und Terrorfinanzierung:

                                                                                  Maßnahmen

                                                                                  Die Schaffung eines internationalen Fonds

                                                                                  Auf der UNESCO-Tagung  „Safe-guarding Endangered Cultural Heritage“ in Abu Dhabi im Dezember 2016 war beschlossen worden, einen Fond für den Schutz bedrohten kulturellen Erbes einzurichten. Dafür sollen 100 Mio. US-$ zur Verfügung gestellt werden, wovon Frankreich alleine 30 Mio zugesagt hat. Mit dem Fond sollen  die weltweite Initiative „Unite for Heritage“ und die Bemühungen der UNESCO zum Schutz von Kulturgut im bewaffneten Konflikt unterstützt werden (siehe http://archaeologik.blogspot.de/2017/01/morden-und-restaurieren-in-aleppo.html).  Jetzt fand in Paris ein Nachfolgetreffen statt, bei dem es darum ging, die Geldgeber zusammen zu bekommen.

                                                                                   

                                                                                  UN-Resolution

                                                                                  Im Kontext der oben genannten Sitzung des UN-Sicherheitsrates wurde Resolution Nr. 2347 verabschiedet, die Kulturgutzerstörung als Kriegsverbrechen einstuft. Dabei wird explizit auf das Urteil des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag um Zerstörungen von Weltkulturerbe in Timbuktu verwiesen (http://archaeologik.blogspot.de/2016/08/groere-aufmerksamkeit-fur-das.html)

                                                                                  Die Resolution wendet sich explizit auch gegen Plünderung und Schmuggel von Kulturgüterm.

                                                                                  Deplores and condemnsthe unlawful destruction of cultural heritage, inter alia destruction of religious sites and artefacts, as well as the looting and smuggling of cultural property from archaeological sites, museums, libraries,archives, and other sites, in the context of armed conflicts, notably by terrorist groups.

                                                                                    Exil und Weiterbildung

                                                                                    Das Beispiel des syrischen Archäologen Mohamad Fakhro, früher Vizedirektor des Nationalmuseums in Aleppo und Grabungsleiter in Tell Halaf, jetzt an der Universität Tübingen

                                                                                    Artefaktmarker

                                                                                    Internationales

                                                                                      online-Ausstellung des Gettys:

                                                                                      dazu eine Kritik

                                                                                      Palmyra-Ausstellung in Hannover

                                                                                      Bel-Heiligtum in Palmyra
                                                                                      von Louis-François Cassas (1756-1827)
                                                                                       (Wallraf-Richartz-Museum, Köln,
                                                                                      Inv.-Nr. Hittorff-Nachlass, Ba. 011)
                                                                                      (gemeinfrei, via WikimediaCommons)

                                                                                      Jetzt im Kestner-Museum. 2016 war die Ausstellung in Köln zu sehen (vergl. http://archaeologik.blogspot.de/2016/04/die-befreiung-von-palmyra-syrienirak-im.html).

                                                                                      Wiederaufbauplanungen für Aleppo

                                                                                      G7-Kulturgipfel in Florenz

                                                                                        Sonstiges

                                                                                          Links

                                                                                          frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                                                                                          Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                                                                                          Fake-Archäologie und ihr schiefes Menschenbild

                                                                                          Der populäre Artikel analysiert ausgehend vom Programm einer Lehrveranstaltung von Gayle Fritz und David Freidel am Department of Anthropology der Washington University in St. Louis das Menschenbild und Geschichtsverständnis hinter den Vorstellungen von Ancient Aliens und anderer populärer Mythen über Archäologie.
                                                                                          Cahokia: Die großen Mounds am Mississippi wurden lieber einer
                                                                                          unbekannten Rasse als den indigenen Stämmen zugeschrieben.
                                                                                          (Foto: R. Schreg)
                                                                                          Ein wiederkehrendes Muster ist es, dass den Menschen der Vergangenheit und indigenen Völkern keine eigenen Kulturleistungen zugetraut werden und so entweder Ancient Aliens oder Abenteurer aus der Alten Welt Kultur gebracht haben, egal ob nach Amerika oder nach China. Dahinter steckt für gewöhnlich schlicht die Idee, dass Nicht-Europäern keine Kulturleistungen zuzutrauen sind. Das ist letztlich aber nichts anderes als Rassismus.
                                                                                          Ein weitere Punkt ist die Unfähigkeit, sich langfristigen gesellschaftlichen Wandel vorzustellen. So werden lieber Extremereignisse – die Sintflut oder der Untergang von Atlantis – oder eben äußere Einflüsse dafür verantwortlich gemacht. Das ist nebenbei bemerkt auch ein Phänomen der professionellen Wissenschaft, wo auch Kulturkontakte und die Identifikation von historischen Ereignissen eine große Faszination ausüben, weil sie vordergründig als bestimmend für die Geschichte erscheinen.
                                                                                          Diese modernen Mythen stehen konträr den Potentialen und Aufgaben einer modernen Archäologie gegenüber: Den Menschen und die zeitliche Dimension seiner Kulturleistungen zu verstehen. 
                                                                                          „Our work has the potential to contribute to modern day problems, like climate change and agriculture, and our work shows that human societies and human beings are intelligent and creative, with or without outside influence from the most famous centers of civilization.“ (G. Fritz)

                                                                                          “The past really is a guide to the future. This is true in everything that we do in field research and science; everything we know is a result of observing what has happened already. We can only predict what’s going to happen. So knowing the past is the basic survival kit for surviving into the future. Knowing about the past means you’re going to be better able to anticipate what’s going to happen next. … Projecting fantasy onto the past is just an excuse for projecting it onto the future, and projecting dystopia onto the future, catastrophic future, is no help any either.“ (D. Freidel)

                                                                                          Fake-Archäologie und ihr schiefes Menschenbild

                                                                                          Der populäre Artikel analysiert ausgehend vom Programm einer Lehrveranstaltung von Gayle Fritz und David Freidel am Department of Anthropology der Washington University in St. Louis das Menschenbild und Geschichtsverständnis hinter den Vorstellungen von Ancient Aliens und anderer populärer Mythen über Archäologie.
                                                                                          Cahokia: Die großen Mounds am Mississippi wurden lieber einer
                                                                                          unbekannten Rasse als den indigenen Stämmen zugeschrieben.
                                                                                          (Foto: R. Schreg)
                                                                                          Ein wiederkehrendes Muster ist es, dass den Menschen der Vergangenheit und indigenen Völkern keine eigenen Kulturleistungen zugetraut werden und so entweder Ancient Aliens oder Abenteurer aus der Alten Welt Kultur gebracht haben, egal ob nach Amerika oder nach China. Dahinter steckt für gewöhnlich schlicht die Idee, dass Nicht-Europäern keine Kulturleistungen zuzutrauen sind. Das ist letztlich aber nichts anderes als Rassismus.
                                                                                          Ein weitere Punkt ist die Unfähigkeit, sich langfristigen gesellschaftlichen Wandel vorzustellen. So werden lieber Extremereignisse – die Sintflut oder der Untergang von Atlantis – oder eben äußere Einflüsse dafür verantwortlich gemacht. Das ist nebenbei bemerkt auch ein Phänomen der professionellen Wissenschaft, wo auch Kulturkontakte und die Identifikation von historischen Ereignissen eine große Faszination ausüben, weil sie vordergründig als bestimmend für die Geschichte erscheinen.
                                                                                          Diese modernen Mythen stehen konträr den Potentialen und Aufgaben einer modernen Archäologie gegenüber: Den Menschen und die zeitliche Dimension seiner Kulturleistungen zu verstehen. 
                                                                                          „Our work has the potential to contribute to modern day problems, like climate change and agriculture, and our work shows that human societies and human beings are intelligent and creative, with or without outside influence from the most famous centers of civilization.“ (G. Fritz)

                                                                                          “The past really is a guide to the future. This is true in everything that we do in field research and science; everything we know is a result of observing what has happened already. We can only predict what’s going to happen. So knowing the past is the basic survival kit for surviving into the future. Knowing about the past means you’re going to be better able to anticipate what’s going to happen next. … Projecting fantasy onto the past is just an excuse for projecting it onto the future, and projecting dystopia onto the future, catastrophic future, is no help any either.“ (D. Freidel)

                                                                                          Marsch für die Wissenschaft – #BlogsforScience

                                                                                          Die Politik präsentiert uns derzeit schamlos alternative Fakten, betreibt eine Agenda gegen jede Vernunft und schlägt wissenschaftliche Erkenntnisse in den Wind. Der Öffentlichkeit wird dies gerade vor allem durch die Klimaleugnern in der US-Regierung deutlich vor Augen geführt. Aber auch historische Fakten werden nach Belieben zurecht gestutzt, als politisches Eskalationsinstrument wie beispielsweise die Nazi-Vergleiche des türkischen Präsidenten Erdogan, die nichts mit historischen Fakten mehr zu tun haben. Oder sie werden wieder einmal zur Überhöhung der eigenen Nation selektiv oder parawissenschaftlich gedeutet.
                                                                                          Der amerikanische Klimaforscher Jonathan Foley stellt in einem Blogbeitrag zur Website des Scientific American dar, weshalb seiner Meinung nach ein Krieg gegen Fakten ein Krieg gegen die Demokratie darstellt.

                                                                                          «the War on Facts is a War on Democracy.»

                                                                                          Die moderne Gesellschaft baut auf Wissen und Wissenschaft auf. Unser ganzer Lebensstil, unser ganzes Wertesystem beruht auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Natur und mit menschlichen Gesellschaften. Fakten, eine gebildete, informierte Bürgerschaft, der freie wissenschaftliche Austausch sind grundlegend für eine demokratische Gesellschaft. 

                                                                                          Wissenschaftler müssen aufstehen und laut aufschreien. Wenn wir auch normalerweise politische Debatten meiden, sollten Wissenschaftler immer für die Fakten einstehen, für Objektivität und die Freiheit der Wissenschaften. das nicht zu tun wäre unmoralisch“
                                                                                          «Scientists need to stand up and call it out. While we generally avoid political conversations, scientists should always stand up for facts, objectivity, and the independence of science itself. Not doing so would be almost unethical. »

                                                                                          Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich,  formuliert in einem Beitrag der NZZ ähnlich:

                                                                                          „[Die Wissenschaften] sorgen erstens für die Förderung von Gesundheit, Wohlstand und allgemein einer Erleichterung des Lebens. Sie stehen zweitens für kritisches Denken, skeptische Distanz gegenüber den eigenen Forschungsergebnissen und eine nicht-doktrinäre Haltung, die zu Autoritäten ein eher sportliches Verhältnis hat. Die Demokratie profitiert vom kritischen Denken insofern, als es gegen Mystifizierungen und Simplifizierungen wappnet und damit eine zentrale Komponente für die Erziehung zu mündigen, verantwortungsvollen Bürgerinnen und Bürgern ausmacht.“

                                                                                          Das Problem ist kein spezifisch amerikanisches. Wir haben es längst auch in Europa, wo Politiker, beispielsweise in Ungarn, Wissenschaften, die ihnen nicht ins Konzept passen, klein sparen – und schon lange in vielen Fragen sich als relativ beratungsresistent zeigen und lieber den Argumenten einer Wirtschaftslobby oder nationalistischer Pseudowissenschaftler folgen. 

                                                                                          Blogger erheben die Hände gegen Faktenfeindlichkeit und rufen auf zum „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts. (Logo: Julia Uraji mit freepix.com via Wissenschaft kommuniziert)
                                                                                          In den USA ist die Idee eine „march for science“ entstanden, der am 22. April stattfinden soll. Auch in Deutschland soll in 14 Städten (Berlin, Bonn/Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart, Tübingen) wie auch in Österreich (Wien) demonstriert werden. Die Demonstration wird von vielen Wissenschaftsorganisationen, wie zum Beispiel der Leibniz-Gemeinschaft, aber auch der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) unterstützt.

                                                                                          Demonstriert wird für eine Gesellschaft, in der Fakten die Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, nicht nur als Meinungen angesehen werden. Es geht gegen „alternative Fakten“, „Fake News“ und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation.

                                                                                          Der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ ruft alle an Demokratie Interessierten auf, sich zu beteiligen. Er hat eine große Blogger-Gemeinschaftsaktion „Blogger for Science&Facts“, die den Marsch für die Wissenschaft unterstützen soll.

                                                                                          Links

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                                                                                          Die Politik präsentiert uns derzeit schamlos alternative Fakten, betreibt eine Agenda gegen jede Vernunft und schlägt wissenschaftliche Erkenntnisse in den Wind. Der Öffentlichkeit wird dies gerade vor allem durch die Klimaleugnern in der US-Regierung deutlich vor Augen geführt. Aber auch historische Fakten werden nach Belieben zurecht gestutzt, als politisches Eskalationsinstrument wie beispielsweise die Nazi-Vergleiche des türkischen Präsidenten Erdogan, die nichts mit historischen Fakten mehr zu tun haben. Oder sie werden wieder einmal zur Überhöhung der eigenen Nation selektiv oder parawissenschaftlich gedeutet.
                                                                                          Der amerikanische Klimaforscher Jonathan Foley stellt in einem Blogbeitrag zur Website des Scientific American dar, weshalb seiner Meinung nach ein Krieg gegen Fakten ein Krieg gegen die Demokratie darstellt.

                                                                                          «the War on Facts is a War on Democracy.»

                                                                                          Die moderne Gesellschaft baut auf Wissen und Wissenschaft auf. Unser ganzer Lebensstil, unser ganzes Wertesystem beruht auf einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Natur und mit menschlichen Gesellschaften. Fakten, eine gebildete, informierte Bürgerschaft, der freie wissenschaftliche Austausch sind grundlegend für eine demokratische Gesellschaft. 

                                                                                          Wissenschaftler müssen aufstehen und laut aufschreien. Wenn wir auch normalerweise politische Debatten meiden, sollten Wissenschaftler immer für die Fakten einstehen, für Objektivität und die Freiheit der Wissenschaften. das nicht zu tun wäre unmoralisch“
                                                                                          «Scientists need to stand up and call it out. While we generally avoid political conversations, scientists should always stand up for facts, objectivity, and the independence of science itself. Not doing so would be almost unethical. »

                                                                                          Michael Hagner, Professor für Wissenschaftsforschung an der ETH Zürich,  formuliert in einem Beitrag der NZZ ähnlich:

                                                                                          „[Die Wissenschaften] sorgen erstens für die Förderung von Gesundheit, Wohlstand und allgemein einer Erleichterung des Lebens. Sie stehen zweitens für kritisches Denken, skeptische Distanz gegenüber den eigenen Forschungsergebnissen und eine nicht-doktrinäre Haltung, die zu Autoritäten ein eher sportliches Verhältnis hat. Die Demokratie profitiert vom kritischen Denken insofern, als es gegen Mystifizierungen und Simplifizierungen wappnet und damit eine zentrale Komponente für die Erziehung zu mündigen, verantwortungsvollen Bürgerinnen und Bürgern ausmacht.“

                                                                                          Das Problem ist kein spezifisch amerikanisches. Wir haben es längst auch in Europa, wo Politiker, beispielsweise in Ungarn, Wissenschaften, die ihnen nicht ins Konzept passen, klein sparen – und schon lange in vielen Fragen sich als relativ beratungsresistent zeigen und lieber den Argumenten einer Wirtschaftslobby oder nationalistischer Pseudowissenschaftler folgen. 

                                                                                          Blogger erheben die Hände gegen Faktenfeindlichkeit und rufen auf zum „Marsch für die Wissenschaft“ am 22. April: Blogger for Science&Facts. (Logo: Julia Uraji mit freepix.com via Wissenschaft kommuniziert)
                                                                                          In den USA ist die Idee eine „march for science“ entstanden, der am 22. April stattfinden soll. Auch in Deutschland soll in 14 Städten (Berlin, Bonn/Köln, Dresden, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Greifswald, Hamburg, Heidelberg, Jena, Leipzig, München, Stuttgart, Tübingen) wie auch in Österreich (Wien) demonstriert werden. Die Demonstration wird von vielen Wissenschaftsorganisationen, wie zum Beispiel der Leibniz-Gemeinschaft, aber auch der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte (DGUF) unterstützt.

                                                                                          Demonstriert wird für eine Gesellschaft, in der Fakten die Basis des konstruktiven Dialogs und demokratischer Entscheidungen sind, nicht nur als Meinungen angesehen werden. Es geht gegen „alternative Fakten“, „Fake News“ und gegen Befindlichkeiten als Grundlage gesellschaftlicher Kommunikation.

                                                                                          Der Blog „Wissenschaft kommuniziert“ ruft alle an Demokratie Interessierten auf, sich zu beteiligen. Er hat eine große Blogger-Gemeinschaftsaktion „Blogger for Science&Facts“, die den Marsch für die Wissenschaft unterstützen soll.

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                                                                                          von Detlef Gronenborn

                                                                                          Resilienz ist, auch im deutschsprachigen Raum, ein Modewort geworden. Noch ist es – anders als ‚Nachhaltigkeit‘ – nicht in der Alltagssprache angekommen. Die Statistiken von Google Books zeigen jedoch, wie der Gebrauch des Begriffs in der Literatur stetig zunimmt.

                                                                                          Resilienz meint die Fähigkeit von biologischen Systemen, stabile Zustände unter internem oder externem Druck erfolgreich aufrecht zu erhalten oder diese Stabilität nach einer Krisenphase wieder zu erreichen. Dies gilt für Einzelindividuen, seit den 1970er Jahren von der Psychologie erforscht, bis zu post-modernen Megacities (Science 2016).

                                                                                          Interessant ist, dass die Faszination für dieses Thema in eine Zeit, ja eine Epoche, fällt, die von zunehmender Unsicherheit, von Ängsten, von globalem Verlust bestehender Machtsphären, und natürlich auch in eine Zeit zunehmenden Bewusstseins des aktiven, bereits jetzt regional verheerenden globalen Klimawandels fällt. Kein Abschnitt der bisherigen Menscheitsgeschichte war jemals zuvor durch derartige, gewaltige Herausforderungen gekennzeichnet – so wird die Periode auch als „Great Acceleration“, als die große beschleunigung bezeichnet (Steffen u.a. 2015a; 2015b). Seit den 1970er Jahren wächst die bewusste oder auch unbewusste Furcht vor dem Zusteuern auf einen globalen tipping point, auf eine Umkehr des Wachstums und den Ausbruch von Chaos und Zerstörung – eine weltweite complexity cascade. Daher nimmt es nicht wunder, wenn nun überall nach Lösungen gesucht wird und die Mechanismen des eigentlich vagen Phänomens Resilienz in vielen Wissenschaftsdisziplinen aber auch der breiten Öffentlichkeit und der Politik untersucht werden – dies tatsächlich schon seit etlichen Jahren.
                                                                                          In den Archäologien – mittlerweile auch aufmerksam geworden und angesichts enger werdender Budgets im Rechtfertigungsdruck um Aktualismus bemüht – ist die Erforschung der Resilienz vielfach eng verknüpft mit dem der Adaptiven Zyklen. Dieses komplexe Denkschema sieht einen regelhaften Wandel in der Wirkkraft von Resilienz in Verbindung mit anderen Parametern und geht zurück auf antike und mittelalterliche Konzepte wiederkehrender historischer Abläufe (Gunderson/ Holling 2002; Gronenborn u.a. im Druck).

                                                                                          Archäologie – Retter in der Not oder romantisierende Flucht?!

                                                                                          Einst aus der Umweltwissenschaft übernommen, werden die Konzepte Resilienz und Adaptive Zyklen mit der üblichen 5 bis 10-jährigen Verzögerung zwischen englischem und deutschem Sprachraum mittlerweile auch in Mitteleuropa eingesetzt. Sie entsprechen damit dem Bedürfnis vieler Vertreter des Faches, nicht nur gegenwartsbezogen, sondern gar gesellschaftlich notwendig zu erscheinen. Umweltgeschichtliche Diskurse finden Gehör in unserer Zeit, in der die Auswirkungen der Globalen Erwärmung zunehmend für alle spürbar werden und wir uns fragen, wie wohl alles hat kommen können. Zudem lassen romantisierende Vorstellungen von vergangenem Leben hoffen, dass vielleicht in der Tiefe der Zeit Antworten gefunden werden können, wie den zukünftigen Umwelt- und Klimakatastrophen denn begegnet werden kann. Solche Ansätze sind allerdings – wenn unreflektiert vorgetragen – problematisch, verkennen sie doch die Skalenunterschiede zwischen etwa der Umweltbilanz antiker Städte und dem modernen New York. Auch die schöne Idee, dass vergangene Gesellschaften weitgehend nachhaltig gewirtschaftet hätten, wird relativiert. Die Populationszyklen ab dem Beginn der Landwirtschaft zeigen recht deutlich, dass die Bevölkerungen unter günstigen Umständen rasch stark ansteigen konnten, dann aber bei Erreichen bestimmter Schwellenwerte ebenso rasch wieder zusammenbrachen (Boquet-Appel 2011; Gronenborn u.a. 2014; im Druck). Offensichtlich neigte der Mensch auch in weit zurückliegenden Perioden dazu, bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen. Die hochgelobte „Nachhaltigkeit“ vergangener Zeiten wird somit zur banalen Zwangsstrategie, die dem technischen Mangel zuzuschreiben war.

                                                                                          Viel mehr als allgemeine Erkenntnisse zur erheblichen zeitlichen Tiefe nachteiliger menschlicher Handlungen und deren je nach Datenlage mehr oder weniger detaillierten Quantifizierung sind mithin von der Vergangenheit nicht zu erwarten. Auch wird uns das Wissen etwa um den rapiden Meeresspiegelanstieg nach dem Ende der letzten Eiszeit weder Lösungen noch Trost geben, wenn die Herausforderungen für die heute vielfach völlig übersiedelten und bebauten Küstenlandschaften angegangen werden müssen. Dennoch, die Romantisierung der Vergangenheit mag auch eine Resilienzstrategie sein, besonders wenn die Zukunft düster scheint. Dies ist das hübsche Gesicht.

                                                                                          Im abendländischen Denken gibt es seit der Antike eine Strömung – den Degenerationismus – in dem die weit zurückliegende Vergangenheit als ideale Epoche beschworen wird: Das goldene Zeitalter. Verbunden ist dies mit der christlichen Paradieskonzeption.
                                                                                          Lucas Cranach d.Ä. „Das goldene Zeitalter“, um 1530
                                                                                          (Nasjonalgalleriet Oslo [PD] via WikimediaCommons)

                                                                                          Resilienz kennt keine Ethik

                                                                                          Resilienz und ihre Erforschung hat aber noch eine andere Komponente: Resilienz beschreibt auch die Reaktion von Gemeinschaften auf jegliche Art geglaubter Bedrohung. So spielt sie eine erhebliche Bedeutung in der Militärpsychologie, die Ursprünge liegen gar in diesem Bereich als nach dem Ende des Ersten Weltkrieg die Gründe für die posttraumatischen Störungen (Beispiel Kriegszitterer) untersucht wurden. Es ist dies das Feld der sozialen Resilienz (Keck / Sakdapolrak 2013). Zu solchen sozialen Resilienzstrategien gehören daher auch etwa Abschottungsprozesse gegenüber geglaubter Überfremdung. Die erschütternde Zunahme rechtspopulistischer Parteien und Verbände auf globaler Ebene nutzen tief in unserem Verhalten angelegte Resilienzstrategien mit denen bereits im Paläolithikum und Neolithikum auf geglaubte oder reale Bedrohung reagiert wurde. Typisches Zeichen sind die möglicherweise zyklischen Ausbrüche interpersoneller Gewalt (englisch warring), welche sich seit dem Spätpläolithikum immer wieder nachweisen lassen. So erklärt sich auch die globale mediale Faszination für Massaker, die vielleicht 7000 Jahre zurückliegen, und bei der lediglich einige Dutzend Individuen hingemetzelt wurden (Meyer u.a. 2015). Ähnliches passiert in den modernen failed states permanent, ohne dass es in den Medien noch erwähnt würde. Aber auch hier greifen wir – unbewusst – zurück und suchen in der zeitlichen Tiefe nach vergleichbaren Verhaltensmustern. Gezielte Tötung Fremder – ethnic cleansing – sind Strategien um einer geglaubten Gefahr außerhalb der eigenen Gruppe zu begegnen. Solche Ausbrüche häufen sich in gesellschaftlichen Umbruchsphasen, in denen altbewährte Regelwerke nicht mehr greifen. Sie sind begleitet von der Entstehung von Renegaten, warlords, vom Aufbrechen alter Ordnungen. Oftmals werden in solchen Zeiten auch geglaubte ‚alte‘ Werte wieder beschworen. „Make America great again!“ Die Vergangenheit wird idealisiert, umgedeutet und somit instrumentalisiert. Insofern sind dies auch Resilienzstrategien, denn die Gemeinschaften versuchen neue Ordnungssyteme aus alten Vorbildern zu entwickeln und diese durchzusetzen, nur kommt jetzt vielfach das hässliche Gesicht von Resilienz aus dem Dunkel hervor.

                                                                                          Die zunehmende Militarisierung von Gesellschaften kann auch Bestandteil sich wandelnder  Resilienzstrategien sein.
                                                                                          Parade der Reichswehr 1930
                                                                                          (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10887 [CC-BY-SA 3.0]  via WikimediaCommons)

                                                                                          Resilienz und ihre Erforschung hat mithin keine ethische und moralische Rechtfertigung. Resilienzstrategien sind lediglich dazu angelegt, individuelle oder gesellschaftliche Komfortzonen zu bewahren oder wiederherzustellen. Ob das auf Kosten anderer geht, die nicht der eigenen Gruppe oder Gesellschaft zugehören, war in der Vergangenheit unerheblich. Eine emphatische, altruistische Komponente gilt nur für die Effektivität der eigenen Gruppe und letztlich des Individuums darin.

                                                                                          Jenseits gruppengebundener Resilienz

                                                                                          Erst wenn die Menschheit sich als globales Eins begreifen wird, wird ein umfassender altruistischer kooperativer Mechanismus einsetzen. Aus der Vergangenheit betrachtet scheinen wir jedoch in unserem Verhalten dazu nicht programmiert zu sein, auch wenn immer wieder die Kooperationsfähigkeit des Menschen beschworen wird (Tomasello/ Vaish 2013; Turchin 2015). Wenngleich es uns so gelungen ist, immer komplexere Systeme zu erstellen, so werden die Phasen der Koorperation doch – sicher nachweisbar seit dem frühen Neolithikum (Downey u.a. 2016; Gronenborn u.a. im Druck) – regelhaft von Phasen der Desorganisation abgelöst. Und so mag der gegenwärtige Wandel in sozialen Resilienzstrategien im Zusteuern auf einen zu befürchtenden globalen tipping point letztlich aus unserem langfristigen kulturellen und verhaltenssoziologischen Erbe mit seinen Wurzeln im Paläolithikum zu erklären sein.

                                                                                          Diese Verhaltensmuster zu überwinden, ist die wahre Herausforderung auf allen gesellschaftlichen Skalenebenen, von der Familie und Kleinstgruppe, über Städte und Nationen bis zur gesamten Menschheit. Die Archäologien wie auch die Geschichtswissenschaften könnten die Wurzeln des Verhaltens aber auch den langfristigen Entwicklungsprozess bis zur Gegenwart aufzeigen.

                                                                                          Literaturhinweise

                                                                                          Bocquet-Appel, Jean-Pierre (2011): When the World’s Population Took Off: The Springboard of the Neolithic Demographic Transition. In: Science 333/6042, 2011, 560-561. – DOI: 10.1126/science.1208880 .

                                                                                          Downey, Sean S.; Haas, W. Randall; Shennan, Stephen J. (2016): European Neolithic societies showed early warning signals of population collapse. In: Proc Natl Acad Sci USA 113 (35), S. 9751–9756. – DOI: 10.1073/pnas.1602504113.

                                                                                          Gronenborn, Detlef; Strien, Hans-Christoph; Lemmen, Carsten (2017): Population dynamics, social resilience strategies, and Adaptive Cycles in early farming societies of SW Central Europe. In: Quaternary International. – DOI: 10.1016/j.quaint.2017.01.018.

                                                                                          Gunderson, L.H., Holling, C.S. (Eds.), 2002. Panarchy: Understanding Transformations
                                                                                          in Human and Natural Systems. Island Press, Washington.

                                                                                          Keck, M., Sakdapolrak, P., 2013. What is social resilience? Lessons learned and ways forward. Erdkunde 67 (1), 5e19.

                                                                                          Meyer, Christian; Lohr, Christian; Gronenborn, Detlef; Alt, Kurt W. (2015): The massacre mass grave of Schöneck-Kilianstädten reveals new insights into collective violence in Early Neolithic Central Europe. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 112 (36), S. 11217–11222. – DOI: 10.1073/pnas.1504365112.

                                                                                          Steffen, Will; Richardson, Katherine; Rockstrom, Johan; Cornell, Sarah E.; Fetzer, Ingo; Bennett, Elena M. et al. (2015): Sustainability. Planetary boundaries: guiding human development on a changing planet. In: Science (New York, N.Y.) 347 (6223), S. 1259855. DOI: 10.1126/science.1259855.

                                                                                          Steffen, Will; Broadgate, Wendy; Deutsch, Lisa; Gaffney, Owen; Ludwig, Cornelia (2015): The trajectory of the Anthropocene. The Great Acceleration. In: The Anthropocene Review 2 (1), S. 81–98.-  DOI: 10.1177/2053019614564785.

                                                                                          Science 352/6288, 2016, Special Issue URBAN PLANET
                                                                                          http://science.sciencemag.org/content/352/6288

                                                                                          Tomasello, Michael; Vaish, Amrisha (2013): Origins of human cooperation and morality. In: Annual review of psychology 64, S. 231–255. – DOI: 10.1146/annurev-psych-113011-143812.

                                                                                          Turchin, Peter (2015): Ultrasociety. How 10,000 Years of War Made Humans the Greatest Cooperators on Earth: Beresta Books.

                                                                                          Walker, B., Holling, C.S., Carpenter, S.R., Kinzig, A.P., 2004. Resilience, adaptability
                                                                                          and transformability in socialeecological systems. Ecology and Society 9 (2), 5.
                                                                                          http://www.ecologyandsociety.org/vol9/iss2/art5.

                                                                                          Resilienz – Das hübsche und das hässliche Gesicht

                                                                                          von Detlef Gronenborn

                                                                                          Resilienz ist, auch im deutschsprachigen Raum, ein Modewort geworden. Noch ist es – anders als ‚Nachhaltigkeit‘ – nicht in der Alltagssprache angekommen. Die Statistiken von Google Books zeigen jedoch, wie der Gebrauch des Begriffs in der Literatur stetig zunimmt.

                                                                                          Resilienz meint die Fähigkeit von biologischen Systemen, stabile Zustände unter internem oder externem Druck erfolgreich aufrecht zu erhalten oder diese Stabilität nach einer Krisenphase wieder zu erreichen. Dies gilt für Einzelindividuen, seit den 1970er Jahren von der Psychologie erforscht, bis zu post-modernen Megacities (Science 2016).

                                                                                          Interessant ist, dass die Faszination für dieses Thema in eine Zeit, ja eine Epoche, fällt, die von zunehmender Unsicherheit, von Ängsten, von globalem Verlust bestehender Machtsphären, und natürlich auch in eine Zeit zunehmenden Bewusstseins des aktiven, bereits jetzt regional verheerenden globalen Klimawandels fällt. Kein Abschnitt der bisherigen Menscheitsgeschichte war jemals zuvor durch derartige, gewaltige Herausforderungen gekennzeichnet – so wird die Periode auch als „Great Acceleration“, als die große beschleunigung bezeichnet (Steffen u.a. 2015a; 2015b). Seit den 1970er Jahren wächst die bewusste oder auch unbewusste Furcht vor dem Zusteuern auf einen globalen tipping point, auf eine Umkehr des Wachstums und den Ausbruch von Chaos und Zerstörung – eine weltweite complexity cascade. Daher nimmt es nicht wunder, wenn nun überall nach Lösungen gesucht wird und die Mechanismen des eigentlich vagen Phänomens Resilienz in vielen Wissenschaftsdisziplinen aber auch der breiten Öffentlichkeit und der Politik untersucht werden – dies tatsächlich schon seit etlichen Jahren.
                                                                                          In den Archäologien – mittlerweile auch aufmerksam geworden und angesichts enger werdender Budgets im Rechtfertigungsdruck um Aktualismus bemüht – ist die Erforschung der Resilienz vielfach eng verknüpft mit dem der Adaptiven Zyklen. Dieses komplexe Denkschema sieht einen regelhaften Wandel in der Wirkkraft von Resilienz in Verbindung mit anderen Parametern und geht zurück auf antike und mittelalterliche Konzepte wiederkehrender historischer Abläufe (Gunderson/ Holling 2002; Gronenborn u.a. im Druck).

                                                                                          Archäologie – Retter in der Not oder romantisierende Flucht?!

                                                                                          Einst aus der Umweltwissenschaft übernommen, werden die Konzepte Resilienz und Adaptive Zyklen mit der üblichen 5 bis 10-jährigen Verzögerung zwischen englischem und deutschem Sprachraum mittlerweile auch in Mitteleuropa eingesetzt. Sie entsprechen damit dem Bedürfnis vieler Vertreter des Faches, nicht nur gegenwartsbezogen, sondern gar gesellschaftlich notwendig zu erscheinen. Umweltgeschichtliche Diskurse finden Gehör in unserer Zeit, in der die Auswirkungen der Globalen Erwärmung zunehmend für alle spürbar werden und wir uns fragen, wie wohl alles hat kommen können. Zudem lassen romantisierende Vorstellungen von vergangenem Leben hoffen, dass vielleicht in der Tiefe der Zeit Antworten gefunden werden können, wie den zukünftigen Umwelt- und Klimakatastrophen denn begegnet werden kann. Solche Ansätze sind allerdings – wenn unreflektiert vorgetragen – problematisch, verkennen sie doch die Skalenunterschiede zwischen etwa der Umweltbilanz antiker Städte und dem modernen New York. Auch die schöne Idee, dass vergangene Gesellschaften weitgehend nachhaltig gewirtschaftet hätten, wird relativiert. Die Populationszyklen ab dem Beginn der Landwirtschaft zeigen recht deutlich, dass die Bevölkerungen unter günstigen Umständen rasch stark ansteigen konnten, dann aber bei Erreichen bestimmter Schwellenwerte ebenso rasch wieder zusammenbrachen (Boquet-Appel 2011; Gronenborn u.a. 2014; im Druck). Offensichtlich neigte der Mensch auch in weit zurückliegenden Perioden dazu, bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen. Die hochgelobte „Nachhaltigkeit“ vergangener Zeiten wird somit zur banalen Zwangsstrategie, die dem technischen Mangel zuzuschreiben war.

                                                                                          Viel mehr als allgemeine Erkenntnisse zur erheblichen zeitlichen Tiefe nachteiliger menschlicher Handlungen und deren je nach Datenlage mehr oder weniger detaillierten Quantifizierung sind mithin von der Vergangenheit nicht zu erwarten. Auch wird uns das Wissen etwa um den rapiden Meeresspiegelanstieg nach dem Ende der letzten Eiszeit weder Lösungen noch Trost geben, wenn die Herausforderungen für die heute vielfach völlig übersiedelten und bebauten Küstenlandschaften angegangen werden müssen. Dennoch, die Romantisierung der Vergangenheit mag auch eine Resilienzstrategie sein, besonders wenn die Zukunft düster scheint. Dies ist das hübsche Gesicht.

                                                                                          Im abendländischen Denken gibt es seit der Antike eine Strömung – den Degenerationismus – in dem die weit zurückliegende Vergangenheit als ideale Epoche beschworen wird: Das goldene Zeitalter. Verbunden ist dies mit der christlichen Paradieskonzeption.
                                                                                          Lucas Cranach d.Ä. „Das goldene Zeitalter“, um 1530
                                                                                          (Nasjonalgalleriet Oslo [PD] via WikimediaCommons)

                                                                                          Resilienz kennt keine Ethik

                                                                                          Resilienz und ihre Erforschung hat aber noch eine andere Komponente: Resilienz beschreibt auch die Reaktion von Gemeinschaften auf jegliche Art geglaubter Bedrohung. So spielt sie eine erhebliche Bedeutung in der Militärpsychologie, die Ursprünge liegen gar in diesem Bereich als nach dem Ende des Ersten Weltkrieg die Gründe für die posttraumatischen Störungen (Beispiel Kriegszitterer) untersucht wurden. Es ist dies das Feld der sozialen Resilienz (Keck / Sakdapolrak 2013). Zu solchen sozialen Resilienzstrategien gehören daher auch etwa Abschottungsprozesse gegenüber geglaubter Überfremdung. Die erschütternde Zunahme rechtspopulistischer Parteien und Verbände auf globaler Ebene nutzen tief in unserem Verhalten angelegte Resilienzstrategien mit denen bereits im Paläolithikum und Neolithikum auf geglaubte oder reale Bedrohung reagiert wurde. Typisches Zeichen sind die möglicherweise zyklischen Ausbrüche interpersoneller Gewalt (englisch warring), welche sich seit dem Spätpläolithikum immer wieder nachweisen lassen. So erklärt sich auch die globale mediale Faszination für Massaker, die vielleicht 7000 Jahre zurückliegen, und bei der lediglich einige Dutzend Individuen hingemetzelt wurden (Meyer u.a. 2015). Ähnliches passiert in den modernen failed states permanent, ohne dass es in den Medien noch erwähnt würde. Aber auch hier greifen wir – unbewusst – zurück und suchen in der zeitlichen Tiefe nach vergleichbaren Verhaltensmustern. Gezielte Tötung Fremder – ethnic cleansing – sind Strategien um einer geglaubten Gefahr außerhalb der eigenen Gruppe zu begegnen. Solche Ausbrüche häufen sich in gesellschaftlichen Umbruchsphasen, in denen altbewährte Regelwerke nicht mehr greifen. Sie sind begleitet von der Entstehung von Renegaten, warlords, vom Aufbrechen alter Ordnungen. Oftmals werden in solchen Zeiten auch geglaubte ‚alte‘ Werte wieder beschworen. „Make America great again!“ Die Vergangenheit wird idealisiert, umgedeutet und somit instrumentalisiert. Insofern sind dies auch Resilienzstrategien, denn die Gemeinschaften versuchen neue Ordnungssyteme aus alten Vorbildern zu entwickeln und diese durchzusetzen, nur kommt jetzt vielfach das hässliche Gesicht von Resilienz aus dem Dunkel hervor.

                                                                                          Die zunehmende Militarisierung von Gesellschaften kann auch Bestandteil sich wandelnder  Resilienzstrategien sein.
                                                                                          Parade der Reichswehr 1930
                                                                                          (Foto: Bundesarchiv, Bild 102-10887 [CC-BY-SA 3.0]  via WikimediaCommons)

                                                                                          Resilienz und ihre Erforschung hat mithin keine ethische und moralische Rechtfertigung. Resilienzstrategien sind lediglich dazu angelegt, individuelle oder gesellschaftliche Komfortzonen zu bewahren oder wiederherzustellen. Ob das auf Kosten anderer geht, die nicht der eigenen Gruppe oder Gesellschaft zugehören, war in der Vergangenheit unerheblich. Eine emphatische, altruistische Komponente gilt nur für die Effektivität der eigenen Gruppe und letztlich des Individuums darin.

                                                                                          Jenseits gruppengebundener Resilienz

                                                                                          Erst wenn die Menschheit sich als globales Eins begreifen wird, wird ein umfassender altruistischer kooperativer Mechanismus einsetzen. Aus der Vergangenheit betrachtet scheinen wir jedoch in unserem Verhalten dazu nicht programmiert zu sein, auch wenn immer wieder die Kooperationsfähigkeit des Menschen beschworen wird (Tomasello/ Vaish 2013; Turchin 2015). Wenngleich es uns so gelungen ist, immer komplexere Systeme zu erstellen, so werden die Phasen der Koorperation doch – sicher nachweisbar seit dem frühen Neolithikum (Downey u.a. 2016; Gronenborn u.a. im Druck) – regelhaft von Phasen der Desorganisation abgelöst. Und so mag der gegenwärtige Wandel in sozialen Resilienzstrategien im Zusteuern auf einen zu befürchtenden globalen tipping point letztlich aus unserem langfristigen kulturellen und verhaltenssoziologischen Erbe mit seinen Wurzeln im Paläolithikum zu erklären sein.

                                                                                          Diese Verhaltensmuster zu überwinden, ist die wahre Herausforderung auf allen gesellschaftlichen Skalenebenen, von der Familie und Kleinstgruppe, über Städte und Nationen bis zur gesamten Menschheit. Die Archäologien wie auch die Geschichtswissenschaften könnten die Wurzeln des Verhaltens aber auch den langfristigen Entwicklungsprozess bis zur Gegenwart aufzeigen.

                                                                                          Literaturhinweise

                                                                                          Bocquet-Appel, Jean-Pierre (2011): When the World’s Population Took Off: The Springboard of the Neolithic Demographic Transition. In: Science 333/6042, 2011, 560-561. – DOI: 10.1126/science.1208880 .

                                                                                          Downey, Sean S.; Haas, W. Randall; Shennan, Stephen J. (2016): European Neolithic societies showed early warning signals of population collapse. In: Proc Natl Acad Sci USA 113 (35), S. 9751–9756. – DOI: 10.1073/pnas.1602504113.

                                                                                          Gronenborn, Detlef; Strien, Hans-Christoph; Lemmen, Carsten (2017): Population dynamics, social resilience strategies, and Adaptive Cycles in early farming societies of SW Central Europe. In: Quaternary International. – DOI: 10.1016/j.quaint.2017.01.018.

                                                                                          Gunderson, L.H., Holling, C.S. (Eds.), 2002. Panarchy: Understanding Transformations
                                                                                          in Human and Natural Systems. Island Press, Washington.

                                                                                          Keck, M., Sakdapolrak, P., 2013. What is social resilience? Lessons learned and ways forward. Erdkunde 67 (1), 5e19.

                                                                                          Meyer, Christian; Lohr, Christian; Gronenborn, Detlef; Alt, Kurt W. (2015): The massacre mass grave of Schöneck-Kilianstädten reveals new insights into collective violence in Early Neolithic Central Europe. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America 112 (36), S. 11217–11222. – DOI: 10.1073/pnas.1504365112.

                                                                                          Steffen, Will; Richardson, Katherine; Rockstrom, Johan; Cornell, Sarah E.; Fetzer, Ingo; Bennett, Elena M. et al. (2015): Sustainability. Planetary boundaries: guiding human development on a changing planet. In: Science (New York, N.Y.) 347 (6223), S. 1259855. DOI: 10.1126/science.1259855.

                                                                                          Steffen, Will; Broadgate, Wendy; Deutsch, Lisa; Gaffney, Owen; Ludwig, Cornelia (2015): The trajectory of the Anthropocene. The Great Acceleration. In: The Anthropocene Review 2 (1), S. 81–98.-  DOI: 10.1177/2053019614564785.

                                                                                          Science 352/6288, 2016, Special Issue URBAN PLANET
                                                                                          http://science.sciencemag.org/content/352/6288

                                                                                          Tomasello, Michael; Vaish, Amrisha (2013): Origins of human cooperation and morality. In: Annual review of psychology 64, S. 231–255. – DOI: 10.1146/annurev-psych-113011-143812.

                                                                                          Turchin, Peter (2015): Ultrasociety. How 10,000 Years of War Made Humans the Greatest Cooperators on Earth: Beresta Books.

                                                                                          Walker, B., Holling, C.S., Carpenter, S.R., Kinzig, A.P., 2004. Resilience, adaptability
                                                                                          and transformability in socialeecological systems. Ecology and Society 9 (2), 5.
                                                                                          http://www.ecologyandsociety.org/vol9/iss2/art5.

                                                                                          Eine Pfahlbausiedlung und ihre Umwelt

                                                                                          Das städtische Hochbaudepartement und die ihm angegliederte Archäologie hat eine Visualisierung der Pfahlbausiedlung am Parkhaus Opéra vorgestellt. Grabungen hatten hier 2010/2011 stattgefunden. Dabei wurde eine Fläche von 3000 Quadratmetern dokumentiert. Erfasst wurden die Schichten von insgesamt acht Siedlungen, die im Zeitraum zwischen 3234 und 2727 v. Chr. nacheinander errichtet wurden. In der näheren Umgebung war es schon früher zu bedeutenden Ausgrabungen gekommen, so dass sich nun ein Bild animieren lässt, dass nicht nur die ausgegrabene Siedlung, sondern auch ihr Umland einbezieht. 

                                                                                          Das Video in 360°-Animation:

                                                                                            Bemerkenswert sind an der Rekonstruktion zwei Dinge: Zum einen die Rückkehr zu einer Rekonstruktion der Pfahlbauten auf einer fast durchgehenden Plattform, zum anderen die ausführliche Darstellung der Landnutzung im Umland der Siedlung.
                                                                                            Zürich, Archäologische Ausgrabung Parkhaus Opéra, 2010
                                                                                            (Foto: Roland zh [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

                                                                                            Eine Pfahlbausiedlung und ihre Umwelt

                                                                                            Das städtische Hochbaudepartement und die ihm angegliederte Archäologie hat eine Visualisierung der Pfahlbausiedlung am Parkhaus Opéra vorgestellt. Grabungen hatten hier 2010/2011 stattgefunden. Dabei wurde eine Fläche von 3000 Quadratmetern dokumentiert. Erfasst wurden die Schichten von insgesamt acht Siedlungen, die im Zeitraum zwischen 3234 und 2727 v. Chr. nacheinander errichtet wurden. In der näheren Umgebung war es schon früher zu bedeutenden Ausgrabungen gekommen, so dass sich nun ein Bild animieren lässt, dass nicht nur die ausgegrabene Siedlung, sondern auch ihr Umland einbezieht. 

                                                                                            Das Video in 360°-Animation:

                                                                                              Bemerkenswert sind an der Rekonstruktion zwei Dinge: Zum einen die Rückkehr zu einer Rekonstruktion der Pfahlbauten auf einer fast durchgehenden Plattform, zum anderen die ausführliche Darstellung der Landnutzung im Umland der Siedlung.
                                                                                              Zürich, Archäologische Ausgrabung Parkhaus Opéra, 2010
                                                                                              (Foto: Roland zh [CC BY SA 3.0] via Wikimedia Commons)

                                                                                              Die Wüstung Oberwürzbach – ein Symposium

                                                                                              Symposium 17. & 18. Juni 2017 in Bad Teinach-Zavelstein:

                                                                                              Die Wüstung Oberwürzbach
                                                                                              Wiederentdeckung und Erforschung eines vergessenen mittelalterlichen Dorfes im Nordschwarzwald

                                                                                              Geschützt und verborgen durch den Wald haben die Überreste der mittelalterlichen Siedlung Oberwürzbach mehr als 500 Jahre bis in heutige Zeit überdauert.
                                                                                              Seit 2003 wird die Siedlung von der Universität Tübingen aus erforscht und archäologisch untersucht. Die vergleichsweise sehr gute Erhaltung der Überreste des Siedlungs- und Wirtschaftsbereichs bietet zahlreiche Möglichkeiten, neue Einblicke in das Leben und Wirtschaften der damaligen Zeit zu gewinnen.
                                                                                              Wir freuen uns, Ihnen im Rahmen des Symposiums die Ergebnisse der Forschungen der letzten Jahre vorzustellen und Ihnen zusätzlich noch ein letztes Mal die Möglichkeit zu einem Besuch der Ausgrabungsstellen zu bieten, bevor diese aus konservatorischen und sicherheitstechnischen Gründen wieder verfüllt werden.

                                                                                              Programm

                                                                                              Würzbach: Grabungen 2015
                                                                                              (Foto: K. Thode)

                                                                                              Samstag, 17. Juni 2017
                                                                                              Konsul Niethammer (KoNi) Kulturzentrum, Schulstraße 67, 75385 Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              10:00 Begrüßung – Bürgermeister Markus Wendel, Stadt Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              10:15 Einführung – Katja Thode, Universität Tübingen

                                                                                              10:30 Der Nordschwarzwald als Kulturlandschaft. – Dr. Folke Damminger, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

                                                                                              Geoarchäologische Sondage 2010
                                                                                              (Foto: R. Schreg)

                                                                                              11:10 Kaffeepause

                                                                                              11:30 „Wie alles anfing …“ – Die Wiederentdeckung der Wüstung Oberwürzbach – Robert Roller, Revierleiter Forstrevier Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              12:15 Mittagspause (Catering: Gasthaus Krone, Altbulach)

                                                                                              13:15 Mit Kelle, Säge und Gartenschere in die Vergangenheit – Die archäologische Erforschung der Wüstung Oberwürzbach 2003-2016 – Katja Thode, Universität Tübingen

                                                                                              Bodenproben
                                                                                              (Foto R. Schreg)

                                                                                              14:00 Von Bannwäldern, Weinstraßen und Alten Kernen – Eine historisch-geographische Rekonstruktion des Aufbaus und der Entwicklung der Siedlung Oberwürzbach – Christian Haag, Universität Tübingen

                                                                                              14:45 Die Wüstung Oberwürzbach und ihre Wasserversorgung – ein Rekonstruktionsversuch – Stefanie Mayer, Universität Tübingen

                                                                                              15:30 Kaffeepause

                                                                                              Georadar 2003
                                                                                              (Foto: R. Schreg)

                                                                                              16:00 Die Leute aus dem Wald: Die Wüstung Oberwürzbach und die Besiedlungsgeschichte des Mittelalters – PD Dr. Rainer Schreg, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

                                                                                              Sonntag, 18. Juni 2017
                                                                                              Exkursion zu den Grabungsstellen mit Führungen vor Ort: „Brunnenwiese“, „Igelslocher Brunnen“, „Alter Kern“

                                                                                               
                                                                                              Teilnahme
                                                                                              Anmeldeschluss: Freitag, 02. Juni 2017 über untenstehende Adresse

                                                                                              Vortragsreihe (Sa., 17. Juni 2017)
                                                                                              Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Pausenverpflegung, Mittagessen)
                                                                                              Exkursion (So., 18. Juni 2017)
                                                                                              Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Busshuttle, Mittagessen)

                                                                                              Veranstalter:
                                                                                              Stadt Bad Teinach-Zavelstein
                                                                                              Kontakt für Rückfragen:
                                                                                              Robert Roller
                                                                                              Tel.: 0175/2227581

                                                                                              Kontakt für die Anmeldung:
                                                                                              Teinachtal-Touristik
                                                                                              Rathausstraße 5
                                                                                              75385 Bad Teinach-Zavelstein
                                                                                              Tel.: 07053-9205040
                                                                                              Fax: 07053/9205044
                                                                                              E-Mail: info@teinachtal.de
                                                                                              Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9-12 Uhr und 14-17 Uhr

                                                                                              Flyer

                                                                                              Die Forschungen in der Wüstung Würzbach wurden seit 2002 auf Anregung von Robert Roller von der Universität Tübingen und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg durchfegührt. Zuletzt hat Katja Thode im Rahmen einer am SFB 1070 angesiedelten Dissertation über die Wüstung gearbeitet. Das Symposium richtet sich vor allem an ein regionales Publikum, aber auch an alle, die an diesem Kapitel der Landesgeschichte interessiert sind.

                                                                                              Interne Links

                                                                                               

                                                                                              Die Wüstung Oberwürzbach – ein Symposium

                                                                                              Symposium 17. & 18. Juni 2017 in Bad Teinach-Zavelstein:

                                                                                              Die Wüstung Oberwürzbach
                                                                                              Wiederentdeckung und Erforschung eines vergessenen mittelalterlichen Dorfes im Nordschwarzwald

                                                                                              Geschützt und verborgen durch den Wald haben die Überreste der mittelalterlichen Siedlung Oberwürzbach mehr als 500 Jahre bis in heutige Zeit überdauert.
                                                                                              Seit 2003 wird die Siedlung von der Universität Tübingen aus erforscht und archäologisch untersucht. Die vergleichsweise sehr gute Erhaltung der Überreste des Siedlungs- und Wirtschaftsbereichs bietet zahlreiche Möglichkeiten, neue Einblicke in das Leben und Wirtschaften der damaligen Zeit zu gewinnen.
                                                                                              Wir freuen uns, Ihnen im Rahmen des Symposiums die Ergebnisse der Forschungen der letzten Jahre vorzustellen und Ihnen zusätzlich noch ein letztes Mal die Möglichkeit zu einem Besuch der Ausgrabungsstellen zu bieten, bevor diese aus konservatorischen und sicherheitstechnischen Gründen wieder verfüllt werden.

                                                                                              Programm

                                                                                              Würzbach: Grabungen 2015
                                                                                              (Foto: K. Thode)

                                                                                              Samstag, 17. Juni 2017
                                                                                              Konsul Niethammer (KoNi) Kulturzentrum, Schulstraße 67, 75385 Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              10:00 Begrüßung – Bürgermeister Markus Wendel, Stadt Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              10:15 Einführung – Katja Thode, Universität Tübingen

                                                                                              10:30 Der Nordschwarzwald als Kulturlandschaft. – Dr. Folke Damminger, Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg

                                                                                              Geoarchäologische Sondage 2010
                                                                                              (Foto: R. Schreg)

                                                                                              11:10 Kaffeepause

                                                                                              11:30 „Wie alles anfing …“ – Die Wiederentdeckung der Wüstung Oberwürzbach – Robert Roller, Revierleiter Forstrevier Bad Teinach-Zavelstein

                                                                                              12:15 Mittagspause (Catering: Gasthaus Krone, Altbulach)

                                                                                              13:15 Mit Kelle, Säge und Gartenschere in die Vergangenheit – Die archäologische Erforschung der Wüstung Oberwürzbach 2003-2016 – Katja Thode, Universität Tübingen

                                                                                              Bodenproben
                                                                                              (Foto R. Schreg)

                                                                                              14:00 Von Bannwäldern, Weinstraßen und Alten Kernen – Eine historisch-geographische Rekonstruktion des Aufbaus und der Entwicklung der Siedlung Oberwürzbach – Christian Haag, Universität Tübingen

                                                                                              14:45 Die Wüstung Oberwürzbach und ihre Wasserversorgung – ein Rekonstruktionsversuch – Stefanie Mayer, Universität Tübingen

                                                                                              15:30 Kaffeepause

                                                                                              Georadar 2003
                                                                                              (Foto: R. Schreg)

                                                                                              16:00 Die Leute aus dem Wald: Die Wüstung Oberwürzbach und die Besiedlungsgeschichte des Mittelalters – PD Dr. Rainer Schreg, Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz

                                                                                              Sonntag, 18. Juni 2017
                                                                                              Exkursion zu den Grabungsstellen mit Führungen vor Ort: „Brunnenwiese“, „Igelslocher Brunnen“, „Alter Kern“

                                                                                               
                                                                                              Teilnahme
                                                                                              Anmeldeschluss: Freitag, 02. Juni 2017 über untenstehende Adresse

                                                                                              Vortragsreihe (Sa., 17. Juni 2017)
                                                                                              Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Pausenverpflegung, Mittagessen)
                                                                                              Exkursion (So., 18. Juni 2017)
                                                                                              Kosten: 15 Euro pro Person (inkl. Busshuttle, Mittagessen)

                                                                                              Veranstalter:
                                                                                              Stadt Bad Teinach-Zavelstein
                                                                                              Kontakt für Rückfragen:
                                                                                              Robert Roller
                                                                                              Tel.: 0175/2227581

                                                                                              Kontakt für die Anmeldung:
                                                                                              Teinachtal-Touristik
                                                                                              Rathausstraße 5
                                                                                              75385 Bad Teinach-Zavelstein
                                                                                              Tel.: 07053-9205040
                                                                                              Fax: 07053/9205044
                                                                                              E-Mail: info@teinachtal.de
                                                                                              Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9-12 Uhr und 14-17 Uhr

                                                                                              Flyer

                                                                                              Die Forschungen in der Wüstung Würzbach wurden seit 2002 auf Anregung von Robert Roller von der Universität Tübingen und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz in Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg durchfegührt. Zuletzt hat Katja Thode im Rahmen einer am SFB 1070 angesiedelten Dissertation über die Wüstung gearbeitet. Das Symposium richtet sich vor allem an ein regionales Publikum, aber auch an alle, die an diesem Kapitel der Landesgeschichte interessiert sind.

                                                                                              Interne Links

                                                                                               

                                                                                              Raubgrabung 1846

                                                                                              Von Archäologie-Skeptikern wird häufig der Begriff der Raubgrabung kritisiert, da dies doch gar kein Straftatbestand sei.
                                                                                              Die Argumentation verkennt zweierlei:

                                                                                              1.) Die Umgangssprache stützt sich nicht immer auf Juristendeutsch. Der Begriff „Raubgrabung“ wird meines Wissens 1846 erstmals greifbar, als Raubgrabungen in Süditalien als ein Problem der althistorischen Forschung erkannt wurden.

                                                                                                

                                                                                              2.) Gibt es in zahlreichen Denkmalschutzgesetzen durchaus einen Passus, der illegale Grabungen beschreibt, die man unter Vermeidung komplizierter juristischer Formulierungen beruhend auf dieser Begriffsgeschichte durchaus als Raubgrabungen bezeichnen kann.

                                                                                              Davon unberührt bleibt die Frage, wie sinnvoll der Begriff in der aktuellen Diskussion tatsächlich ist.

                                                                                              Link

                                                                                              zur Problematik:

                                                                                              Raubgrabung 1846

                                                                                              Von Archäologie-Skeptikern wird häufig der Begriff der Raubgrabung kritisiert, da dies doch gar kein Straftatbestand sei.
                                                                                              Die Argumentation verkennt zweierlei:

                                                                                              1.) Die Umgangssprache stützt sich nicht immer auf Juristendeutsch. Der Begriff „Raubgrabung“ wird meines Wissens 1846 erstmals greifbar, als Raubgrabungen in Süditalien als ein Problem der althistorischen Forschung erkannt wurden.

                                                                                                

                                                                                              2.) Gibt es in zahlreichen Denkmalschutzgesetzen durchaus einen Passus, der illegale Grabungen beschreibt, die man unter Vermeidung komplizierter juristischer Formulierungen beruhend auf dieser Begriffsgeschichte durchaus als Raubgrabungen bezeichnen kann.

                                                                                              Davon unberührt bleibt die Frage, wie sinnvoll der Begriff in der aktuellen Diskussion tatsächlich ist.

                                                                                              Link

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