Planet History

Hiltibold

Hiltibold verabschiedet sich in den Urlaub

Das Blog pausiert für vier Wochen. Ich werde die Zeit für alles mögliche nutzen: Zum einen ist etwas in ottonischer Ausstaffierung geplant, zum anderen möchte ich endlich den Retro-Spiele-PC ausgiebig ausprobieren, den ich mir kürzlich aus ca 15 Jahre alter Hardware zusammengebaut habe. Return to Castle Wolfenstein, diverse Teile von Command & Conquer, Star Trek Voyager Elite Force und ein paar weitere Klassiker liegen schon bereit. Zuerst wird allerdings verreist.

Voraussichtlich am 03. September geht es hier wieder weiter. Bis dahin wünsche ich allen Lesern noch einen angenehmen Sommer!

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PS: Kommentare sind auch während meiner Pause willkommen – das Freischalten kann mitunter aber mehrere Tage dauern, da ich nur selten Online sein werde. Selbiges gilt für das Beantworten von E-Mails.

Wie kamen die Juden ins antike Rom?


Bereits im frühen 1. Jh. nach Christus sollen in Rom mindestens 30.000 Juden gelebt haben. Das waren gut 4 Prozent der städtischen Bevölkerung, die für die Regierungszeit von Augustus/Tiberius auf insgesamt 700.000 Personen geschätzt wird. 
Philo von Alexandria, der 40 n. Chr. als Gesandter Rom besuchte, berichtet, dass quasi der ganze Stadtteil Trastevere (Transtiber-Distrikt) fest in jüdischer Hand gewesen sei. Auch zwischen der Porta Collina und der Porta Esquilina sowie vor der Porta Capena sollen viele Juden gelebt haben – die überwiegend das römische Bürgerrecht besaßen, untereinander aber wohl nicht Latein, Hebräisch, oder Aramäisch sprachen, sondern Griechisch, da ihre Wurzeln zumeist in den stark hellenisierten Gebieten der östlichen Mittelmeeerküste lagen.

Der Krieg als der Vater aller Dinge

Die meisten stadtrömischen Juden dürften entweder Sklaven oder Ex-Sklaven – sogenannte Freigelassene – gewesen sein. Womit sie keine Ausnahme darstellten, denn es wird angenommen, dass im frühkaiserzeitlichen Rom bis zu 80 Prozent der Einwohner einer dieser beiden beiden Gruppen angehörten.
Grund: Die zahlreichen siegreich geführten Kriege Roms sorgten für einen beständigen Strom an neuem Menschenmaterial. Jene Kriegsgefangenen, die nicht zu kräftezehrender Landarbeit verdonnert wurden, landeten in z.T. nicht weniger ungesunden Handwerksbetrieben oder, mit etwas Glück, in einem städtischen Haushalt der römischen Oberschicht. 
Das Schicksal der kriegsbedingten Sklaverei traf auch viele Juden, da ihre Heimat ein krisengeschüttelter Unruheherd war. Zog man nicht gegen äußere Feinde, dann bekämpften sich die unterschiedlichen Fraktionen gegenseitig. Schon in der Zeit der späten Republik dürften etliche jüdische Kriegsgefangene nach Rom verschleppt worden sein – nämlich als der große General Pompeius Jerusalem eroberte; genaue Zahlen sind aber nicht bekannt. Hingegen heißt es, dass wenige Jahre später Gabinius – ein weiterer römischer Polit-Militär, der sich im Nahen Osten herumtrieb – 30.000 unbotmäßige Juden als Sklaven verkauft haben soll; manch einer von ihnen dürften in der Hauptstadt des Imperiums gelandet sein.
Während des zweiten Triumvirats belagerte der aus altem jüdischem Adel stammende Herodes der Große – unterstützt von Soldaten, die Marcus Antonius entsandt hatte – Jerusalem, um sich seines Konkurrenten Antigonos zu entledigen. Bei der Erstürmung der Stadt kam es zu schweren Gräultaten an der Zivilbevölkerung. Beteiligt an den Übergriffen waren nicht nur die Belagerer, sondern auch die jüdischen Herodes-Sympathisanten, welche innerhalb der Mauern Jerusalem lebten und nun den Moment gekommen sahen, an ihren Landsleuten Rache zu nehmen. Die Machtübernahme des Herodes dürfte eine Flüchtlingswelle in Richtung Rom ausgelöst haben, wo Octavian – der Konkurrent des Herodes-Verbündeten Antonius – herrschte (interessante Randnotiz: In den Streitkräften des Juden Herodes sollen sich laut Flavius Josephus germanische Söldner befunden haben. Ob man das in den 1930er-Jahren in Deutschland gewusst hat?).
Herodes, der für lange Zeit als Klientelkönig von Roms Gnaden regieren durfte, starb im Jahre 4 v. Chr.; daraufhin brachen in seinem Herrschaftsgebiet schwere Unruhen aus. Der damalige syrische Statthalter Varus – welcher einige Jahre später durch seine desaströse Niederlage gegen Arminius in die Geschichte eingehen sollte – griff mit harter Hand durch: 2000 aufständische Juden wurden ans Kreuz geschlagen und eine unbekannte Anzahl eingekerkert. Überdies wurde die Zerstörung der Stadt Sepphoris angeordnet; sämtliche Einwohner versklavte man. Und so fanden wieder einmal etliche jüdische Kriegsgefangene ihren Weg nach Rom.
Einen besonders großen Schub erhielt die jüdische Gemeinde Roms, als in den 60er-Jahren des 1. Jahrhunderts der sogenannte Jüdische Krieg ausbrach. Flavius Josephus spricht von 97.000 Gefangenen, die nach der Eroberung von Jerusalem durch den späteren Kaiser Titus gemacht wurden. Doch schon in den Jahren unmittelbar davor wurden etliche Juden in die Sklaverei geführt; auch abseits des eigentlichen Kriegsschauplatzes in Judäa. So kam es beispielsweise im ägyptischen Alexandria, wo eine besonders stattliche jüdische Gemeinde lebte, zu massiven Ausschreitungen zwischen den sich notorisch feindlich gesinnten Juden und Griechen. Nachdem die Reibereien darin gipfelten, dass ein jüdischer Mob damit drohte, das mit Griechen gefüllte Amphitheater der Stadt anzuzünden, setzte der Statthalter Tiberius Alexander die Armee ein, um die Ordnung wieder herzustellen. Es kam in Folge zu einem regelrechten Blutbad, an dem sich nicht nur römische Soldaten, sondern auch die zutiefst erbitterte nichtjüdische Bevölkerung Alexandrias beteiligte: 50.000 Juden, vom Säugling bis zum Greis, sollen in Folge umgekommen sein. Darüber hinaus kann auch in diesem Fall davon ausgegangen werden, dass etliche der überlebenden Juden versklavt wurden – sofern sie nicht das römische Bürgerrecht besaßen. Nach diesen blutigen Ereignissen werden aber wohl auch viele Juden freiwillig Alexandria den Rücken gekehrt haben, so wie übrigens auch zahlreiche Einwohner Jerusalems ihre Stadt vor der Belagerung durch Titus verließen, um sich auf die Seite Roms zu schlagen

Exkurs: Die Schwarz-Weiß-Darstellung, es habe sich beim Jüdischen Krieg um einen Unabhängigeitskampf gegen das übermächtige Rom gehandelt, widerspricht den historischen Überlieferungen; vielmehr war es vor allem ein innerjüdischer Konflikt, in den Rom als Besatzungsmacht hineingezogen wurde. Trotzdem trug sich in der Nacht des 14. Mai 1948 Bemerkenswertes zu: Unter dem antiken Titusbogen in Rom – der unter anderem an den Triumph über die Juden erinnern soll – versammelten sich Mitglieder der jüdischen Gemeinde und riefen aus Anlass der Gründung des Staates Israel: „Rom ist vergangen, Israel gibt es immer noch!“ Darüberhinaus wurde der Titusbogen in jüngerer Vergangenheit mehrmals mit hebräischen Graffiti beschmiert und Reliefs mutwillig beschädigt.  

Gekommen um zu bleiben

Noch recht lange ließe sich die obige Aufzählung von all den kriegerischen Ereignissen fortsetzen, die dazu führten, dass die jüdische Gemeinde Roms im Laufe der Zeit immer mehr anwuchs. Bemerkenswert daran ist freilich, dass dieser demographische Aufwärtstrend selbst dann anhielt, wenn gegen die stadtrömische Juden harte Zwangsmaßnahmen erlassen wurden.
Zwar genossen die im Römischen Reich lebenden Juden seit Gaius Julius Caesar eine relativ gesicherte Rechtsstellung (es waren nämlich Juden unter Herodes‘ Vater Antipater, die Caesar 48 v. Chr. in Alexandria aus einer brenzligen Situation retteten) – doch galten sie Zeitgenossen, nicht zuletzt aufgrund ihrer monotheistischen Vorstellungen, nie als völlig in die römische Gesellschaft integriert; man hielt sie vielmehr für eigenbrötlerisch und nur mäßig assimilierungsfreudig. Beispielsweise meinte Philostratos noch im späten 2. Jahrhundert:

Die Juden sind uns in ihrem Wesen ferner als Susa, Baktra (Anm.: beides liegt in Persien) und die Inder. Denn sie teilen unser Leben nicht und teilen mit anderen Menschen weder Mahlzeiten noch Verträge, weder Gebete noch Opfer.
Philostratos, Vita Ap. 5,33

Auch dürfte der Umstand, dass die Juden vom Militärdienst befreit waren – bei ihrer gleichzeitigen Einbindung in die staatliche Getreideversorgung – zusätzliche Animositäten auf Seiten der römischen Mehrheitsbevölkerung hervorgerufen haben.
Unter Tiberius scheint es dann zum ersten Mal in der Stadt Rom ‚geknallt‘ zu haben. Im Jahr 19 n. Chr. ging er gegen die Anhänger ägyptischer Kulte und gegen das Judentum vor: Es wurde die Anordnung erlassen, Kultgegenstände und Priestergewänder der entsprechenden Religionen zu verbrennen. Außerdem verurteilte man eine große Anzahl jüngerer Juden zum Kriegsdienst in wenig angenehmen Provinzen. Der große Rest der jüdischen Gemeinde wurde kollektiv aus Rom verbannt. Wobei davon ausgegangen werden kann, dass diese Verbannung von vielen entweder nicht oder nur vorübergehend befolgt wurde. Anderenfalls hätte sich Kaiser Claudius gut zwei Jahrzehnte später nicht veranlasst gesehen, kurz nach seinem Herrschaftsantritt ein Versammlungsverbot über die stadtrömischen Juden  zu verhängen, die noch wegen gewissen Anordnungen von Claudius‘ Vorgänger Caligula verärgert waren.
Rund 8 Jahre später gab die jüdischen Gemeinde Roms erneut Anlass zum Einschreiten der Staatsmacht, als nämlich zum ersten Mal Christen bzw. Judenchristen in Erscheinung traten und wohl auch innerhalb von Synagogen für ihre Glaubensvorstellungen – die noch sehr stark jüdisch geprägt waren – (über)eifrig warben. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Synagogenvorsteher diese Umtriebe beim Kaiser bzw. seinen Beamten anzeigten. Der Grund hierfür: Claudius hatte – wie seine Vorgänger im Herrscheramt – den Juden zwar die freie Religionsausübung gewährt, allerdings nur unter der ausdrücklichen Auflage, dass sie sich mit ihren althergebrachten Rechten und ihrer bisherigen Lebensweise zufrieden geben. Anderenfalls wolle er sie „wie eine Krankheit bekämpfen“. Im Angesicht dessen könnten traditionelle Juden der Meinung gewesen sein, Judenchristen (ein moderner Begriff) würden mit ihren revolutionären Vorstellungen vom staatlich vorgegebenen Pfad der Tugend abweichen, sodass sie Anzuschwärzen nicht schaden könne. Claudius ließ daraufhin tatsächlich den harten Kern der problematischen jüdischen Elemente aus der Stadt werfen.
Diese Ausweisungen des Claudius dürften die traditionelle jüdische Gemeinde nicht wesentlich geschwächt haben. Anders wird sich die Situation aber bei den Judenchristen dargestellt haben. Aufgrund des Aderlasses stellten nun bald jene Anhänger der christlichen Lehrer die Mehrheit, welche ihre Wurzeln nicht im Judentum hatten, sondern in anderen antiken Religionen. Für die weitere Entwicklung des Christentums ist das von immenser Bedeutung, da der Graben zum Judentum dadurch deutlich vertieft wurde. Aus einer jüdischen Sekte entwickelte sich jetzt eine eigenständige Religion.

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Quellen / Weiterführende Literatur:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Wo bleiben die Merowinger?

Wer sich so wie ich fragt, wo denn der dritte Teil der Merowinger-Reihe des Zeughaus Verlages nach zig Verschiebungen bleibt, hier ein kleines Update: Ich habe kürzlich nachgefragt und die Antwort erhalten, dass der Text des Buches fertig ist bzw. gerade beim Lektor liegt. Allerdings benötigt der Grafiker deutlich länger als erwartet. Man hofft nun, dass sich die Veröffentlichung trotzdem noch bis zum Jahresende ausgehen wird. 
Das hoffe ich auch, denn die Bücher dieser Reihe sind sehr gut – meiner Meinung nach besser als die vergleichbaren von Osprey – und gehören eigentlich in die Bibliothek eines jeden Living-History-Darstellers, der im Frühmittelalter unterwegs ist.
Ebenfalls sehnsüchtig erwarte ich schon lange die Veröffentlichung der Übersetzung von „Zehn Bücher Geschichten“ (Gregor von Tours). Vielleicht sollte man hier auch einmal nachfragen. wann das Buch endlich in den Handel kommt …
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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Kulturgutschutzgesetz — Rebecca Gable — Game of Thrones — Münzfälscher — Lausige Buchgestaltung — usw.

Ein Jahr Kulturgutschutzgesetz – Ausnahmeregelungen verhindern die Wirksamkeit | Spieldauer 24 Minuten | DF/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Das Mittelalter als Bestseller – Ein Interview mit der Autorin Rebecca Gable | Spieldauer 24 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Wie viel Mittelalter steckt in Game of Thrones? | Spieldauer 24 Minuten | WDR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Anm: Mir zu wenig, um auch nur eine Minute Lebenszeit dafür zu vertrödeln. Lieber studiere ich die Maserung der hölzernen Deckenverkleidung in meinem Arbeitszimmer. 

Hofrat Carl Wilhelm Becker – Fälscher antiker Münzen | Spieldauer 4 Minuten | BR/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Archäologische Kostbarkeiten im Braunkohletagebau | Spieldauer 5 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel – Gute Geschäfte und ein „Halleluja“ | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
(OFF-Topic) Die schönsten deutschen Bücher | Spieldauer 6 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Zitat: Ein Buch sei dann schön, wenn es in der Gestaltung und in der Verarbeitung das transportiere, was der Inhalt dem Leser oder dem Betrachter vermitteln möchte, sagte Katharina Hesse von der Stiftung Buchkunst im Dlf. Dem Leser falle das oft gar nicht auf. Der merkte es nur, „wenn es einfach schlecht gemacht ist“.
Das predige ich ja schon lange und erwähne es teilweise auch in meinen Rezensionen. Ein Buch mit lausigem Layout – vor allem aber mit schlechtem Cover – bremst den Verkauf. Das begreift aber nicht jeder Verleger, wie unzählige Bücher anschaulich zeigen.
Überdies ist es ärgerlich, wenn schlechte Materialien verwendet werden. Siehe z.B. meine Rezension von Im Paradies des Alphabets oder jene Cornwell-Romane, bei denen die Goldschrift des Covers abging.
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Buch: Im Paradies des Alphabets – Die Entwicklung der lateinischen Schrift

Vorweg: Nach Klaus Grewes Aquädukte – Wasser für Roms Städte wird hier nun zum zweiten Mal ein Buch besprochen, dessen Autor/Herausgeber dem wissenschaftlichen Beirat der medial belobhudelten Mittelalterbaustelle Campus Galli (pro forma) angehört. 
Im Paradies des Alphabetes – Die Entwicklung der Lateinischen Schrift wurde von Cornel Dora – Stiftsbibliothekar des Klosters St. Gallen – herausgegeben. Es handelt sich hierbei um eine Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2017.
In verschiedenen Kapiteln wird anhand von handschriftlichen Beispielen aus der umfangreichen Stiftsbibliothek des Schweizer Klosters St. Gallen die Entwicklung der lateinischen Schrift von der Spätantike bis zum Spätmittelalter veranschaulicht (4.-15. Jh.). Man beginnt mit der sogenannten Capitalis quadrata und arbeitet sich bis zur Humanistischen Kursive vor. Darüber hinaus werden auch Sonderformen wie die eher verwirrend wirkende Ogham-Schrift und das angelsächsische Runen-Alphabet behandelt. Weiters enthält das Buch großformatige Musteralphabete, die vor allem für jene interessant sein dürften, die sich selbst in der Praxis mit Kalligraphie auseinandersetzen wollen.
Der Titel ist leider etwas überoptimistisch bzw. irreführend. Die Entwicklung der lateinischen Schrift beginnt nämlich nicht erst im 4. Jahrhundert. Über das Davor erfährt man hier aber kaum etwas. 
Der Einband dieses fadengebundenen, schön gestalteten Buchs ist aus einem Karton mit einer rauen, empfindlichen Oberfläche. Wenig überraschend musste ich bereits beim Auspacken an der rechten unteren Ecke eine Beschädigung feststellen (siehe Bild). Hier hat man nach meinem Dafürhalten an der falschen Stelle geknausert. Ein folierter Karton hätte, wenn überhaupt, nur ein paar Cent mehr gekostet. 
Fazit: Inhaltlich handelt es sich um ein weitestgehend gelungenes Buch, das besonders in Bezug auf die verschiedenen Varianten der lateinischen Schriften des Mittelalters einen anschaulichen und allgemein verständlichen Überblick bietet. Der Kaufpreis beträgt 25 Euronen.
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Zur Einführung: Schreiben im Mittelalter
Antike und Spätantike
Vorkarolingische Vielfalt
Insulare Schriften
Karolingische Minuskel
Gotische Schriften nördlich der Alpen
Italienische Schriften in Spätmittelalter und Renaissance 
Skriptorium und Bibliothek auf dem St. Galler Klosterplan
Initiallkunst
Die Schriften der Urkunden
Musteralphabete 
Ogham
Anhang
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Weiterführende Informationen: 

Videos: Verborgener antiker Text — Rätsel um Cheops-Kartusche

Verborgener antiker Text in altem Buch entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Weitere Infos finden sich auch in diesem deutschsprachigen Artikel (danke für den Hinweis)
Das Rätsel um die Cheops-Kartusche – Echt oder Fälschung? | Spieldauer 87 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wer mit ungewöhnlichen geschichtswissenschaftlichen Thesen eher wenig am Hut hat, bitte nicht anschauen 😊
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Krimskrams: Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli — Spannende Facebook-Vorschläge

Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli 

Die in Baden-Württemberg beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli ist ein beständiger Quell des unfreiwillig Komischen. Siehe etwa den folgenden Wortwechsel, der sich kürzlich unter einem Beitrag über den Bau einer eher sinnfreien Obstgartenmauer des Möchtegern-Klosters entspann (zum Vergrößern auf das Bild klicken).
Zum Vergrößern auf das Bild klicken | Quelle: Campus-Galli.de
Hinter dem Pseudonym „Campus Galli“ verbirgt sich Hannes Napierala, der Geschäftsführer des Projekts, wie ein kurzer Blick in den Quelltext der Seite zeigt (comment byuser comment-author-hannes). Diese überempfindliche Mimose erschnüffelt im obigen Kommentar also (Mikro-)Aggressionen …
Aber mehr noch: Wie ein Zwölfjähriger reibt er der Kommentatorin einen winzigen Tippfehler unter die Nase, um sie öffentlich bloßzustellen. Peinlich!
Den Vogel schießt Herr Napierala freilich ab, indem er selbst umgehend einen Fehler produziert – und zwar ausgerechnet in jenem letzten Satz, in dem er über die Rechtschreibung seines Gegenüber herzieht. Das Anredepronomen „Ihrer“ wird nämlich groß – und nicht etwa klein – geschrieben. 😊

Irgendetwas von „Versteinerung der Architektur veranschaulichen“ blubbert der selbsternannte Rechtschreibguru dann noch. Versteinert ist allerhöchstens sein Oberstübchen, wenn er ernsthaft glaubt, dieses hohle Sprachartistik würde nicht umgehend durchschaut werden. Aber Hannes Napierala kann es eben nicht lassen: Anstatt kurz und offen einzugestehen, dass beim Campus Galli das momentane Handwerkerangebot nicht mit den vorhandenen Fähigkeiten, Geldmitteln und Plänen konform geht, fühlt sich dieser notorische Dampfplauderer bemüßigt, zusätzlich eine pseudowissenschaftliche Rechtfertigung nachzuschieben.
Um die „Beschaffung der Rohmaterialien“ ginge es beim Bau der Obstgartenmauer, behauptet er – und erweckt gezielt den Eindruck, als handle es sich um ein ausgetüfteltes, vielgliedriges wissenschaftliches Experiment. Lachhaft, werden die verbauten Steine doch gar nicht von den Mitarbeitern des Projekts aus ihren Lagerstätten gebrochen, sondern einfach per LKW aus einem benachbarten Steinbruch angeliefert!
Im Übrigen konnte man beim Campus Galli bereits mit dem Fundament der Holzkirche und dem dazugehörenden Altar ausgiebig Erfahrungen im Steinbau sammeln. Auch das hat dieser auf Halbwahrheiten spezialisierte Schmähtandler wohlweislich verschwiegen.
Und überhaupt: Was wäre wohl aus dem – im Gegensatz zum Campus Galli – finanziell erfolgreichen Burgbau-Projekt Guédelon geworden, wenn sich die Verantwortlichen dort selbst nach rund fünf Jahren (so lange existiert der Campus Galli schon) noch immer nicht die nötigen Kenntnisse im Bauen mit Steinen erarbeitet hätten?

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Spannende Facebook-Vorschläge: „Personen, die du kennen könntest“

Schön wärs 😄

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Zeitschrift "Bayerische Archäologie": Der Schatz von Bernstorf und ein interessantes römisches Kettenhemd

Viermal jährlich erscheint im Verlag Friedrich Pustet die Zeitschrift Bayerische Archäologie. Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedliche Schwerpunkte, enthalten daneben aber auch noch Artikel zu weiteren Themen. 
Im aktuellen Heft mit dem Titel Von den Römern zu den Bajuwaren widmet man sich unter anderem dem „Bernstorf-Drama“; gemeint ist hier der immer wieder durch die Medien geisternde bronzezeitliche Goldschatz, über dessen Echtheit große Uneinigkeit herrscht. Jene Fachleute, welche den Schatz für authentisch befinden, veröffentlichten kürzlich ein Buch (ISBN 978-3-927806-43-6), in dem sie ihre Ansichten verteidigen. Der Artikelautor von Bayerische Archäologie neigt nach der Lektüre eben dieses Buches dazu, den Bernstorf-Verteidigern zuzustimmen und erläutert im Detail und allgemein verständlich seine Gründe dafür. Nun wäre allerdings abzuwarten, wie die Gegenseite auf die oben erwähnte Bernstorf-Publikation reagieren wird.
Abseits der Frage, ob der Schatz echt oder eine Fälschung ist, wird überdies auf Aspekte zum Fundort hingewiesen, die bei der mitunter recht aufgeregten Diskussion zumeist unter den Tisch fallen: Große Teile der bronzezeitlichen Anlage in Bernstorf wurden zwecks Erschließung eines Kiesvorkommens undokumentiert weggebaggert, wobei Bauarbeiter mehrfach nun verschollene Bronzeartefakte beobachteten. Das Bayerische Amt für Denkmalpflege habe die Bedeutung der Fundstätte lange Zeit völlig unterschätzt und soll überdies engagierten Laien vor Ort, die sich für Erhalt sowie Erforschung des Bodendenkmals stark machten, Steine in den Weg gelegt haben. Weiter heißt es:
Dass Laien, wenn sie bedeutende Funde machen, häufig von professionellen Archäologen misstrauisch beäugt werden, und dabei auch Neid gegen die nicht vom Fach Seienden eine Rolle spielt (besonders wenn es eine starke mediale Aufmerksamkeit gibt), ist ein wohl nicht abzustreitendes Phänomen.

Der Autor eines anderen Beitrages beschäftigt sich mit der Geschichte des Legionslagers der 3. Italischen Legion in Regensburg (Castra Regina). Ziemlich interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Rekonstruktionszeichnung eines römischen Soldaten aus der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus, der u.a. mit Funden aus Regensburg und Eining ausgerüstet ist. Zuerst dachte ich, der Mann trägt eine karierte Tunika; erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es ein Kettenhemd ist, dessen rechteckige Grundmodule aus Eisen/Stahl mit Bronzeringen zusammengeheftet wurden. Diese außergewöhnliche Bauform habe ich bisher glaube ich noch nirgendwo sonst gesehen. 

Ins Grübeln brachte mich die Ankündigung zu einer Lehrgrabung im kommenden August in Altenerding. Mindestdauer eine Woche, Kosten 100 € (NICHT inkludiert sind hier Übernachtung und Essen). 
Bezahlen für einen mitunter körperlich anstrengenden Hiwi-Job? Sollten die Verantwortlichen nicht stattdessen jedem die Füße küssen, der seinen Sommerurlaub opfert und seine Arbeitskraft kostenlos in den Dienst der Wissenschaft stellt? 
Das Thema hatte übrigens auch schon ein Leser unter meinem Interview mit dem Archäologen Raimund Karl recht kritisch angesprochen.
Fazit: Überwiegend interessanter, abwechslungsreicher Lesestoff. Der Kaufpreis beträgt knapp 9 Euro.
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Weiterführende Informationen:
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Videos: Archäologische Ausgrabungen in Nürnberg ärgern Anwohner — Papyri — Historischer Fechter — usw.

Archäologische Ausgrabungen ärgern Anwohner | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info
Archäologen beklagen sich zwar gerne darüber, dass sie ihrer Arbeit z.T. unter nahezu prekären Verhältnissen nachkommen müssen, aber dass ihr Verdienst nicht einmal mehr für einen ordentlichen Hut reicht, kann ich mir nicht vorstellen 😆
Sehr gut ist auch der Auftritt der alten Frau bei 00:36 Min 😂

Campus TALKS: Wie Papyri zeigen können, was Griechen und Römer uns nicht wissen ließen | Spieldauer 14 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Carsten Belz: Historischer Fechter | Spieldauer 4 Minuten | RB | Stream & Info
Man bewegt sich im 16. Jahrhundert, die legendäre Schamkapsel darf da natürlich nicht fehlen!
Martina Egler: Das alte Leben fürs Mittelalter aufgegeben | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info
So oder so ähnlich hat es im Mittelalter ausgesehen, meint die Stimme aus dem Off zu den gezeigten Bildern. Nein, weder so noch so ähnlich.
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Hörbares: Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz — Denkmalschutz in Hessen läuft Amok — Indiana Jones und Archäologen im Film — Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte — Römische Töpferwerkstätten


Streit um Grabungsstopp im UNESCO-Welterbe Grube Messel | Spieldauer 5 Minuten | DF | Direkter Download
Der präpotente Beamtenapparat des hessischen Landesamts für Denkmalpflege läuft, besoffen von seinen Machtbefugnissen, gerade Amok und sperrt unzählige Fossiliensucher und Wissenschaftler quasi von einem Tag auf den anderen aus der stillgelegten Ölschiefergrube Messel aus; zum Schaden des Wissenschaftstandorts Deutschland. Blödheit hat viele Erscheinungsformen, das ist eine davon.

„Unverantwortlich, gar unmoralisch?“ – Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte von der Alb | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Ausgrabungen in der Eifel: Römische Töpferwerkstätten | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Indiana Jones wird 75: Archäologen im Film | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Ein nicht uninteressantes Thema. Kürzlich bin ich nämlich zufällig über eine deutsche Seifenoper gestolpert (wie die heißt, habe ich vergessen) in der es am Rande irgendwie auch um Archäologie geht. Allerdings musste ich schon schmunzeln, wie da die Schauspieler hölzern ein bisschen Archäologenvokabular austauschten. Immerhin, man scheint jemanden vom Fach als Berater eingestellt zu haben.

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Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli — ‚Kugelsichere‘ Westen in der Antike

Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli 
Schüler bastelten im Unterricht zusammen mit ihrer Religionslehrerin ein Modell des auf dem sogenannten St. Galler Klosterplan dargestellten Klosters und übergaben es dem Töpfer der Mittelalterbaustelle Campus Galli, berichtet der Südkurier: Klick mich
So weit, so langweilig. Interessanter sind da schon die Auskünfte, die besagter Töpfer den Schülern bei ihrem Besucht erteilt haben soll. Der Klosterplan von St. Gallen, der ja mehr oder weniger als Vorlage für den Campus Galli dient, sei ein „Idealplan“ gewesen, der auf genau diese Weise nie umgesetzt wurde.
Ein Idealplan, ach wirklich? Und warum schreibt dann ausgerechnet der ‚Hüter‘ besagten Plans, der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora – welcher übrigens im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli sitzt – in seiner Publikation Im Paradies des Alphabetes folgendes?
Bis heute bleibt offen, ob der Plan tatsächlich als Bauzeichnung gedacht war oder doch eher nur ein Konzept oder gar nur als eine Art Spiel […]. Klar ist hingegen, dass er nicht die Kopie eines Idealplans war. Dafür sind zu viele Korrekturen und direkte Bezüge zu St. Gallen sichtbar. Es handelt sich um eine spezifisch für St. Gallen angefertigte Architekturzeichnung mit Konzeptcharakter.
Dora gibt übrigens als Quelle für seine Aussage eine Publikation von Barbara Schedl aus dem Jahr 2014 an. Lustigerweise sitzt auch Frau Schedl im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli. Demnach darf eigentlich zwingend davon ausgegangen werden, dass den Verantwortlichen bekannt ist, dass der St. Galler Klosterplan nach aktuellem Forschungsstand ausdrücklich nicht mehr als Idealplan betrachtet wird.
Die offensichtliche Unwissenheit des Campus-Galli-Töpfers ist daher mehr als nur befremdlich. Noch dazu handelt es sich bei dem Herren um einen gelernten Mittelalterarchäologen. Was für ein Armutszeugnis also, dass ausgerechnet er den kindlichen Besuchern grob falsche bzw. überholte Informationen vorsetzt. Dieses Beispiel verdeutlicht freilich zum wiederholten Mal, wie prekär es um die Museumspädagogik dieses schludrig umgesetzten Projekts nach wie vor bestellt ist. 
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‚Kugelsichere‘ Westen in der Antike – oder: Der erstaunliche Brustpanzer des Demetrios Poliorketes


Demetrios Poliorketes – was soviel wie „Demetrios der Städtebelagerer“ heißt (vielleicht eine Anspielung auf Zeus, der als Beschützer der Städte galt) war sicher einer der interessantesten Diadochen-Herrscher. Zeit seines Lebens führte er mit wechselndem Erfolg Krieg und eroberte sich nicht zuletzt wegen seinen gewaltigen Kriegsmaschinen einen Platz in der Geschichte.
Weniger bekannt, aber mindestens ebenso interessant ist eine Überlieferung Plutarchs, wonach Demetrios einen erstaunlichen Brustpanzer besessen haben soll, der quasi das antike Äquivalent zu einer modernen kugelsicheren Weste darstellte:
Für diesen Krieg (Anm.: gegen Rhodos) wurden ihm zwei eiserne Panzer aus Kypros geschickt, jeder vierzig Minen schwer (Anm.: rund 17 kg). Um Stärke und Festigkeit zu beweisen, ließ der Hersteller Zoilos aus 20 Metern Entfernung einen Katapultpfeil auf den Panzer abschießen, der dabei unverletzt blieb, von einer leichten Schramme abgesehen, wie von einem Schreibgriffel.
Diesen Panzer trug Demetrios selbst, den anderen der Epirot Alkimos, einer der stärksten und waffentüchtigsten seiner Leute, der alleine eine zwei Talente schwere Rüstung trug (Anm.: ca. 52 kg), während die aller anderen ein Talent wog.
Plutarch, Demetrios 21

Es handelt sich hier wohl um Glockenpanzer (Harnisch, Brustpanzer), die mittels spezieller Wärmebehandlung gehärtet worden waren. Dass Plutarch die Widerstandskraft dieser Rüstung eine Erwähnung wert ist, deutet darauf hin, dass es sich hierbei um etwas ganz besonderes handelte. Der Hersteller könnte demnach seiner Zeit schmiedetechnisch deutlich voraus gewesen sein.

Mir persönlich sind Brustpanzer aus dem 16. Jh. bekannt, die tatsächlich in der Lage waren, eine Musketenkugel aufzuhalten; das Plattner-Handerwerk hatte zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erreicht. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit eine Musketenkugel mit einem „Katapultpfeil“ (Bolzen aus einem Torsionsgeschütz?) vergleichbar ist. Die Angaben von Plutarch sind hier einfach zu dürftig. 

Hörbares: Löwenmenschen und Mammutflöten — Höhlenmalerei in Altamira — Christoph Kolumbus — Phönix, Einhorn und Co

Kunst und Musik im Aurignacien – Von Löwenmenschen und Mammutflöten | Spieldauer 23 Minuten | BR | Direkter Download
Zeichen aus der Steinzeit – Höhlenmalerei in Altamira | Spieldauer 23 Minuten | BR | Direkter Download
Christoph Kolumbus – Eine Seefahrt verändert die Welt | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download
Phönix, Einhorn und Co. – Vom Leben der Fabeltiere | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download
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Ab urbe condita, 29. Buch: Der 2. Punische Krieg geht in seine Endphase

Der antike Autor Titus Livius schildert in den Büchern 21 bis 30 den 2. Punischen Krieg (218 – 201 v. Chr.) zwischen Rom und Karthago. Das vorliegende 29. Buch umfasst den Zeitraum von 204 – 205 v. Chr. Zu den zentralen Geschehnissen zählen hier u.a. die Vorbereitungen des Scipio Africanus für seine Invasion des karthagischen Kernlandes in Nordafrika, die skandalösen Vorgänge in der zu Rom übergelaufenen Stadt Locri, die Überfahrt des Scipio Africanus nach Afrika mit einer großen Flotte sowie seine ersten militärischen Aktionen gegen die Stadt Karthago und ihre Verbündeten.
Hannibal hat seinen Zenit längst überschritten und es wird deutlich, dass er sich in der nun eintretenden Endphase des Krieges zunehmend gezwungen sieht, auf die Schachzüge Roms zu reagieren, anstatt selbst die Initiative ergreifen zu können. 
Wie man es von Livius kennt, neigt er dazu, die römische Sichtweise zu vertreten, allerdings scheut er auch nicht davor zurück, seinesgleichen scharf zu kritisieren; etwa im Fall des Legaten Pleminius, der in Locri (Calabrien) mit äußerster Brutalität gegen die eigentlich romfreundlichen Einwohner vorging – was nicht nur zu einem Aufstand unter einigen seiner Offiziere und Soldaten führte, sondern auch in Rom selbst politischen Ärger heraufbeschwor, da der direkte Vorgesetzte des Pleminius, Scipio Africanus, durch seine relative Untätigkeit in Bezug auf diesen Skandal politischen Gegnern eine Möglichkeit gab, gegen ihn selbst vorzugehen (siehe meinen Blogbeitrag dazu). Es hat scheinbar nicht viel gefehlt, und der begabte Militär Scipio wäre seines Kommandos enthoben worden, was den weiteren Verlauf des Krieges sehr zu Ungunsten Roms hätte beeinflussen können. Doch es kam nicht dazu und Hannibal wurde in der Schlacht bei Zama von Scipio besiegt. Diese Ereignisse werden jedoch erst im 30. Buch geschildert, das mittlerweile auch schon erhältlich ist.
Die Übersetzung stammt von Ursula Blank-Sangmeister, welche es sehr gut versteht, den alten lateinischen Text in ein allgemein verständliches und angenehm zu lesendes Deutsch zu übertragen. Neben dem modernen Schreibstil sind auch die unzähligen erklärenden Endnoten positiv hervorzuheben. Besonders nützlich erscheint mir außerdem die Inhaltsübersicht, in der die wichtigsten Ereignisse chronologisch bzw. nach Kapiteln geordnet zu finden sind. 

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

PDF: Germanische Kriegerinnen? Leider nein.

Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an den Versuch seitens neofeministisch angehauchter Archäologen und Innen, einige germanische/bajuwarische Bestattungen in Richtung eines weiblichen Kriegertums im merowingerzeitlichen Mittelalter zu interpretieren. Eine der Vertreterinnen dieser These hat mittlerweile eingeräumt, dass dem doch nicht so ist (ich habe darauf bereits in meinem Beitrag Feministische Archäologie: In Östrogen gegossenes Wunschdenken hingewiesen). 
Nun hat mich ein Leser freundlicherweise auf eine aktuelle Arbeit aufmerksam gemacht, in der das Thema von den angeblichen germanischen Kriegerinnen ebenfalls behandelt wird; auch hier bestätigt sich, dass ein regelrechtes weibliches Kriegertum im Frühmittelalter nicht belegt werden kann: Klick mich

Zitat:

Normalerweise wurden Individuen im frühen Mittelalter mit geschlechtsspezifischen Beigaben bestattet, so werden Männer und Jungen häufig mit Waffenbeigaben, Frauen und Mädchen meist mit Schmuckbeigaben bestattet (BRATHER, 2008, GÄRTNER, 2013). In der Regel können die Bestatteten dabei auch über ihre Beigaben relativ sicher geschlechtsbestimmt werden (Anm.: Eine Tatsache, mit der manch Neofeministin absolut keine Freude hat – siehe mein Beitrag zur feministischen Archäologie). In dieser Beigabensitte ist wohl auch die klassische Rollenverteilung der beiden Geschlechter im Frühmittelalter widergespiegelt. Während Männer physisch anstrengende Arbeiten verrichteten, Handel trieben, Krieg führten und politische sowie Rechtsgeschäfte tätigten, war es Frauen vorbehalten, zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich um Haus, Hof und die Familie zu kümmern (BITEL, 2002). Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen sich die archäologische und die anthropologische Geschlechtsbestimmung widersprechen (GÄRTNER, 2013, GÄRTNER ET AL., 2014, HAAS-GEBHARD, 2013). In vielen Fällen handelt es sich dabei um Frauen, die mit Waffenausrüstung bestattet wurden und damit Anlass zur Postulierung frühmittelalterlicher „Amazonen“ gegeben haben (z. B. GÄRTNER, 2012, SCHNEIDER, 2008). Ein Absatz der Lex Baiuvariorum, der das Strafmaß für den Angriff auf eine Frau verringert, wenn diese selbst zur Waffe greift, wird häufig auch dahingehend gewertet, dass (bajuwarische) Frauen durchaus als „Kriegerinnen“ fungiert haben könnten, wenngleich vermutlich nur in Familienfehden und nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen (HAAS-GEBHARD, 2013). Befeuert wurde diese Diskussion zusätzlich durch eine mittlerweile widerlegte molekulare Geschlechtsbestimmung einer vermeintlichen Frau, die in Niederstotzingen zusammen mit 2 Männern in Rüstung begraben wurde (WAHL ET AL., 2014, ZELLER, 2000). 

[…] In der vorliegenden Arbeit wurden Bestattungsphänomene, die regelmäßig auf frühmittelalterlichen Reihengräberfeldern angetroffen werden können, aus einer molekularbiologischen Sicht untersucht und beurteilt. Zu diesen Phänomenen zählen neben den sogenannten „Amazonen“, also Frauen, die in Waffenausrüstung bestattet wurden, auch Mehrfachbestattungen in allen denkbaren Variationen. […]. Durch die erneute Untersuchung von Frauen in Waffen konnte gezeigt werden, dass es diese Art der Bestattung nicht gab, wie auch die übrigen Bestattungen, deren Geschlechtszuweisung von anthropologischer und archäologischer Seite widersprüchlich war (IMMLER, 2013, GÄRTNER ET AL., 2014). […]. Vor allem vermeintlich spektakuläre Ergebnisse bedürfen hier immer einer unabhängigen Reproduktion, Anwendung verschiedener Verfahren und kritischen Betrachtung, wie der ursprüngliche Fall einer vermeintlichen Amazone aus Niederstotzingen (WAHL ET AL., 2014, ZELLER, 2000) zeigt.  

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Römisches Landgut zu verkaufen

Es erscheint uns heute ja schon ein wenig verwunderlich, dass der Grundbesitz der römischen Oberschicht oft außerordentlich weit verstreut lag. Beispielsweise ist bekannt, dass Cicero über Landgüter bei Arpinum, Tusculum, Pompeji, Cumae usw. verfügte. Wollte er nach dem Rechten sehen, musste er oft tage- oder gar wochenlange Reisen in Kauf nehmen, um von einer Villa rustica zur nächsten zu gelangen. Warum also konzentrierten Cicero und viele seiner wohlhabenden Standesgenossen ihren Besitz nicht nach Möglichkeit an ein bis zwei zentralen Orten? 
Eine Antwort auf diese Frage liefert Plinius der Jüngere. In einem aufschlussreichen Brief an seinen Jugendfreund und ‚Finanzberater‘ Calvisius Rufus berichtet er von der Möglichkeit, für drei Millionen Sesterzen ein stattliches Landgut zu erwerben, das sich in direkter Nachbarschaft zu seinem eigenen befindet. Doch er ist unsicher, ob ein Kauf klug wäre:

[…] An ihm (Anm.: dem zum Verkauf stehenden Landgut) reizt mich vieles; anderes – und zwar nicht weniger Wichtiges – schreckt mich ab.
Es reizt das schöne Gefühl, meine Ländereien abzurunden; dann – was ebenso nützlich wie angenehm ist – beide mit der selben Mühe und demselben Reisegeld zu besuchen, beide unter demselben Oberaufseher und beinahe demselben Verwalter zu haben, das eine Landhaus zu bewohnen und auszuschmücken, das andere nur zu unterhalten.
In dieser Rechnung sind auch die Kosten für das Geschirr, für Hausmeister, Gärtner, Handwerker und auch für das Jagdgerät; es kommt sehr darauf an, ob man dies alles an einem Ort beisammen hat oder auf verschiedene verteilt.
Andererseits fürchte ich, es könnte unbesonnen sein, einen so großen Besitz denselben Witterungsbedingungen und Zufällen auszusetzen; es erscheint sicherer, der Unbeständigkeit des Schicksals durch unterschiedliche Örtlichkeiten der Güter zu begegnen.
Auch ein Wechsel von Landschaft und Klima sowie gerade das Hin- und Herreisen zwischen den eigenen Gütern ist mit viel Annehmlichkeiten verbunden. […]. Plinius, Epiustulae, 3. Buch, 19. Brief)

Fassen wir abschließend kurz zusammen, was nach Ansicht des Plinius für bzw. gegen die Konzentration von Landbesitz spricht.

Pro: 

  • Weniger Reisekosten und Mühen (geringerer Zeitaufwand beim Inspizieren der Besitzungen)
  • Ersparnisse in Form geringerer Unterhaltskosten für Gebäude, Personal und Gerätschaften
Kontra:

  • Dieselben Witterungsbedinugungen und somit fehlende Risikostreuung. Selbst nur lokal auftretende Unwetter oder Trockenheiten konnten sich vergleichsweise stark auf die Gesamteinnahmen auswirken, wenn Landbesitz allzu stark an nur wenigen Orten konzentriert wurde (auch Kriege oder Sklavenaufstände zählten selbstverständlich zu den Risiken – vor allem zur Zeit der späten Republik)
  • Wer (z.B. beruflich) viel in Italien umherreisen musste, konnte nicht die Annehmlichkeiten nutzen, die eigene weit verstreute Güter boten; man war in diesem Fall auf wanzenverseuchte Herbergen angewiesen. Bestenfalls bestand noch die Möglichkeit, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen (Stichwort hospitium) – wobei auch hier gilt: Je verstreuter deren Besitzungen waren, umso eher bekam man die Gelegenheit, sie als Nachtquartier zu nutzen.
  • Keine der jeweiligen Jahreszeit (oder sonstigen Bedürfnissen) entsprechende Auswahl an geeigneten Örtlichkeiten zum Urlauben und Entspannen. Viele wohlhabenden Römer zogen nämlich im Sommer in die Berge (wie auch heute noch der Papst), während man im Frühjahr und Herbst gerne Zeit am Meer verbrachte; besonders beliebt war hierbei der Golf von Neapel mit den Orten Baiae, Herculaneum, Pompeji, Oplontis usw.
Übrigens: Ob Plinius der Jüngere das besagte Landgut schlussendlich gekauft hat, ist leider nicht überliefert.
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Weiterführende Literatur:


Weitere interessante Themen:

Krimskrams: Danke Kunsthaus Graz — Ausgefallene Hobbys hellenistischer Herrscher– usw.

Die ausgefallenen Hobbys hellenistischer Herrscher

Plutarch gibt in seiner Biographie des Diadochen Demetrios Poliorketes – der als Konstrukteur/Auftraggeber gewaltiger Kriegsmaschinen wie der Helepolis (Stadtnehmerin) in die Geschichte einging – einen interessanten Einblick in die Freizeitgestaltung hellenistischer Herrscher. Offensichtlich gaben sich nicht alle primär der Jagd und Gelagen hin, wie man vorschnell annehmen könnte:

Denn wohlbegabt und erfinderisch, wie Demetrios war, verwendete er seinen Sinn für das Technische – nicht auf Spielereien und nutzlosen Zeitvertreib wie andere Könige, die Flöte spielten malten oder sich mit getriebenen Arbeiten beschäftigten. Der Makedone Aeropas machte nämlich meistens, wenn er nichts zu tun hatte, kleine Tische und Leuchter; Attalos Philometor zog in seinem Garten Arzneipflanzen, nicht nur Bilsenkraut und Nieswurz, sondern auch Schierling, Fingerhut und Doryknion; er säte und pflanzte sie selbst im königlichen Palast und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Früchte und Säfte zu kennen und zur rechten Zeit zu gewinnen. 
Plutarch, Demetrios 20

Übrigens, Demetrios Poliorketes soll auch einen bemerkenswerten Brustpanzer besessen haben. Dazu nächste Woche mehr.

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Danke Kunsthaus Graz!

Ach wie schön, das Kunsthaus Graz (💩) hat es nach Jahren relativer Ruhe wieder einmal (unfreiwillig) geschafft, meine Geburtsstadt einem großen, internationalen Publikum bekannt zu machen. Und zwar dank eines aktuellen Videos mit dem schönen Titel: Why Modern Architecture Sucks: Zum Video
(danke auch für den Hinweis)

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Den Löffel abgegeben

Der Monitor meines Desktop-PCs hat urplötzlich den Geist aufgegeben. Er ließ sich einfach nicht mehr einschalten. Wahrscheinlich hat das interne Netzteil versagt, denn es knistert nicht einmal mehr, wenn ich das Stromkabel in die Buchse am Monitor stecke. 
Naja, mit über 6 Jahren hat das Gerät eh schon einige Jahre auf dem Buckel gehabt und insgesamt zwei PCs überlebt. Der neue Bildschirm, der noch am selben Tag bestellt wurde (nachdem ich mich stundenlang durch Monitor-Reviews gelesen habe), wird in den kommenden Tagen geliefert. Bis dahin arbeite und blogge ich mit meinem Surface-Tablett von Winzigweich, dessen Kauf sich jetzt zum ersten Mal richtig bezahlt macht …

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Buch: Kleine Einführung in die Altertumswissenschaft

„Kleine Einführung in die Antike Altertums-wissenschaft“ (Verlag J. B. Metzler) lautet der Titel des neben abgebildeten Buchs von Mary Beard und John Henderson. 
Darin wollen die beiden Autoren anhand des in Griechenland liegenden Apollontempels von Bassai (Bassae) einen möglichst repräsentativen bzw. anschaulichen Einblick in die Altertumswissenschaft geben: Wo liegen Ihre Ursprünge? Was bewog und bewegt Menschen, sich mit der Antike zu beschäftigen? Welchen Einfluss hat die Altertumswissenschaft auf unser Weltbild – und umgekehrt? Usw. usf.
Hervorzuheben ist, dass hier dem Leser ein recht guter Eindruck bezüglich der (Un-)Verlässlichkeit alter Schriftquellen vermittelt wird (Stichwort Quellenkritik). So stellen beispielsweise die vom antiken Reiseschriftsteller Pausanias verfassten Beschreibungen des Apollontempels von Bassai nach aktuellem Forschungsstand eine Mischung aus interessanten Tatsachen und blühender Fantasie dar: Von Iktinos, jenem Architekten, der auch für den berühmten Parthenon in Athen verantwortlich war, sei er einst gebaut worden. Das weckte bei den Gelehrten des frühen 19. Jahrhunderts hohe Erwartungen, die z.T. bitter enttäuscht wurden, nachdem man zum ersten Mal den nach London verschifften Tempelfries zu Gesicht bekam.
Womit ich auch schon beim ersten Punkt angelangt wäre, der mir hier weniger gut gefällt: Das Buch liest sich zwar recht angenehm, doch mit der Strukturierung des Inhalts habe ich so meine Probleme. Man hüpft mal dahin, mal dorthin – und kaum wird es spannend, lässt man das entsprechende Thema auch schon wieder fallen. Wie etwa wenn es um das ‚Plündern‘ antiker Tempel-Überreste im frühen 19. Jahrhundert durch intellektuelle Abenteurer aus Europa geht.
Außerdem empfand ich es als ein wenig ermüdend, dass auf dem nicht gerade aufregenden Thema Antikenrezeption relativ ausführlich herumgeritten wurde. Hier hätte ich mir eine etwas andere Gewichtung gewünscht.
Und was mag sich die Übersetzerin bei Formulierungen wie „Was der Begriff Demokratie eigentlich genau meint […]“ gedacht haben? Um gutes Deutsch handelt es sich hierbei kaum (freilich, mein Deutsch ist in diesem Blog auch nicht immer perfekt, aber ich werde dafür ja auch nicht bezahlt 😉).


Fazit: Kein schlechtes Buch, aber auch keines, das mich vom Hocker gehaut hat. Der Preis von knapp 17 Euro ist jedoch angemessen.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Museum für Stauferkaiser Friedrich II — Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur — usw.

Museum für Stauferkaiser Friedrich II. – Im Dauer-Clinch mit der Kirche | Spieldauer 7 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel – Gute Geschäfte und ein „Halleluja“ | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Georg Philippp Telemann – Der Vielschreiber | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Tafelmusik | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ich bin ein Kopist – Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur | Spieldauer 54 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Zitat aus der Sendung: „Was wir heute noch von Antiken Autoren kennen, ist dem Abschreiben (in Klöstern) zu verdanken. Wobei nicht alles gleichermaßen beachtet wurde. Ingenieurstechnik interessierte die Mönche offenbar nur wenig. Wie sonst konnte das römische Verfahren zur Betonherstellung einfach in Vergessenheit geraten.“

Nein, mit Verlaub, so unglaublich dämlich können die Sendungsmacher doch nicht sein. Oder glauben sie diesen pauschalisierenden Blödsinn, den sie da verzapfen, tatsächlich? Was ist denn z.B. mit den Werken von Vitruv (De architectura libri decem) und Faventinus (Artis architectonicae privatis usibus adbreviatus liber)? Dort wird die Herstellung des römischen ‚Betons‘ nämlich erläutert. 
Aus Sicht der kopierenden Mönche handelte es sich dabei auch keinesfalls um überflüssiges Wissen; das belegt der Umstand, dass mehrere Abschriften der obigen Bücher überliefert wurden. Außerdem war antikes Ingenieurswissen auch im Mittelalter für den Bau von großen Kirchen und Klöstern unerlässlich. 
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Buch: Die ersten Christen in Rom

Im Buch Die ersten Christen Roms (Palm Verlag) schildert der Theologe Bernd Kollmann die bescheidenen Ursprünge und den steinigen Aufstieg der christlichen Gemeinde im antiken Rom. Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich hierbei hauptsächlich von der Herrschaft des Kaisers Tiberius bis zum Pontifikat Leos des Großen im 5. Jahrhundert n. Chr.
Bereits zu Beginn der Ausführungen wird deutlich, dass die Geschichte der allerersten Christen Roms untrennbar mit jener der dort lebenden Juden verbunden ist. Lange wurde nämlich zwischen diesen beiden Gruppen von der römischen Staatsgewalt keine Unterscheidung gemacht; vielmehr galten die Christen in den Augen der Kaiser Tiberius, Caligula und Claudius lediglich als eine weitere jüdische Splittergruppe. Die moderne Forschung spricht hier zurecht von Judenchristen, da diese überwiegend dem Judentum entstammten und sich dessen religiösen Gebräuchen noch sehr stark verpflichtet fühlten; man ließ beispielsweise die Söhne beschneiden und besuchte z.T. weiterhin die Synagoge. Doch nicht zuletzt wegen den mehrfach befohlenen Ausweisungen zigtausender Juden aus Rom – zu denen eben auch Judenchristen gezählt wurden – verschob sich die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde zusehends hin zu solchen Christen, die ihre Wurzeln nicht im Judentum, sondern in anderen Religionen, wie etwa dem römischen Staatskult, hatten. Dadurch verloren jüdische Gebräuche – z.B. die Beschneidung – innerhalb des Christentums rasch an Bedeutung. 
Die ersten Christen Roms waren – wie der Autor sehr anschaulich schildert – nicht zentral organisiert, sondern in Hausgemeinden, die oft nur aus wenigen Mitgliedern bestanden und untereinander einen eher lockeren Kontakt pflegten; Gottesdienste wurden vor allem in diesen kleinen, überschaubaren Kreisen gefeiert. Manch interessante Information dazu findet sich im Römerbrief des Paulus, wo sogar die Bezeichnungen mehrerer dieser Hausgemeinden genannt werden.
Neben Paulus, der mit großer Wahrscheinlichkeit selbst Rom besucht hatte, zählt Petrus zu den bedeutendsten Personen des frühen Christentums. An der Frage, ob auch er in Rom war, scheiden sich aber bis heute die Geister. Der (evangelische) Buchautor kommt jedoch aufgrund mehrer Indizien zu dem Schluss, dass die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht unwahrscheinlich ist – was wiederum die historische Legitimation der Päpste rettet, da sich diese als Bischöfe Roms in der direkten Nachfolge des Apostels Petrus sehen. 
Die frühen Christen hatten an Problemen keinen Mangel. Neben den Querelen mit ihren jüdischen Konkurrenten wandte sich unter Kaiser Nero plötzlich auch die römische Staatsmacht gezielt gegen sie. Nach dem Brand von Rom, den man ihnen in die Schuhe schob, kam es zu den ersten großangelegten Christenverfolgungen in der Geschichte. Diese endeten mit der Hinrichtung von Tausenden. Zwar erließ Nero interessanterweise kein gezielt gegen Christen gerichtetes Gesetz, allerdings hatte er mit den von ihm angeordneten Hinrichtungen einen bösen Präzedenzfall geschaffen, der noch bis ins frühe 4. Jahrhundert unzählige Male Nachahmung finden sollte.
Neben äußeren Feinden waren es zusehends interne Auseinandersetzungen, welche die Christen Roms auf die Probe stellten. Immer wieder wurden Gegenkirchen gegründet, die zum Teil einen immensen Zulauf hatten. Mehrere der abweichlerischen Kirchengründer, die recht unterschiedliche Vorstellungen vom einzig wahren Christentum hatten, werden vom Buchautor näher unter die Lupe genommen. Darunter Markion, Donatus, Arius, Nestor, Eutyches usw. Spannend fand ich dabei, wie auch die Vertreter der noch schwachen Mainstream-Kirche (eine ‚Amtskirche‘ gab es damals noch nicht) ihre Ansichten in Streitfragen immer wieder änderten. Das frühe Christentum, das wird dem Leser klar, war eine vergleichsweise pluralistische Religion, in der erst lange und mühsam um eine einheitliche Lehrmeinung gerungen werden musste. Und wer weiß, wohin sich all das hätte entwickeln können, wenn nicht die römische Staatsmacht ab dem 4. Jahrhundert das Christentum zunehmend vereinnahmt hätte.

Fazit: Die ersten Christen in Rom ist ein aus meiner Sicht erstaunlich kurzweiliges Buch. Ein potentiell zähes religiöses Thema wurde hier vom Theologen Bernd Kollmann in abwechslungsreicher, sachlicher, leicht verständlicher und gut strukturierter Form aufbereitet. Man muss kein gläubiger Christ sein, um den reichhaltig illustrierten Schilderungen mit Interesse folgen zu können. 

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Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Hiltibolds Kampfstation — Wikipedia-Kritik — Sensation oder Super-Schwindel?

Hiltibolds Kampfstation


Jemand hat mich vor ein paar Tagen in einer E-Mail gelobt, dass ich von meiner „Kampfstation am Schreibtisch aus unermüdlich windige Experimentalarchäologie“ und „drittklassiges Reenactment“ kritisiere.
Ob „unermüdlich“ weiß ich nicht. Es könnte durchaus sein, dass mir beispielsweise die Sache mit dem Campus Galli irgendwann zu blöd wird. Nichtsdestotrotz – über den Zuspruch freue ich mich natürlich. Aber: Wie eine „Kampfstation“ sieht mein Schreibtisch eigentlich nicht aus (siehe Bild). Freilich, eine (leider nicht funktionsfähige) Strahlenpistole liegt immer griffbereit und an der Wand hängen zwei (stumpfe) Rapiere, aber davor braucht sich niemand bedroht fühlen 😊

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Relevanzkriterien und neue Autoren oder: steckt die Wikipedia in einer Sackgasse?

Unter obiger Überschrift erschien im Wiki-Watch-Blog ein Beitrag, in dem es darum geht, warum Wikipedia nicht in der Lage ist, den seit Jahren anhaltenden Autoren-Schwund aufzuhalten: Klick mich

Meine persönliche Erklärung zu diesem Umstand: Die wollen den Autorenschwund eigentlich gar nicht wirksam bekämpfen, sondern sind mit ihrer weltanschaulich ziemlich homogenen Blase, in der sie agieren können, ganz zufrieden. Damit ähneln sie sehr den typischen Mainstreamjournalisten, die, das passt eigentlich perfekt, sich dieser Tage besonders gerne bei Wikipedia informieren; währen umgekehrt die typischen Wikipediahanseln vorzugsweise solche Journalisten/Medien als Quellen heranziehen, deren Weltanschauung sie teilen. So schließt sich der Kreis bzw. kommt zusammen, was zusammenpasst.

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Sensation oder Super-Schwindel?

Die sogenannten Nazca-Linien in Peru wurden einer breiten Öffentlichkeit vor allem aufgrund der Bücher und TV-Dokumentation des Erich von Däniken bekannt. Er und einige seiner Prä-Astronautik Kollegen sehen darin Botschaften an außerirdische Besucher (vereinfacht ausgedrückt). Die arrivierte Wissenschaft teilt diese Meinung nicht.

Nun tut sich in unmittelbarer Nähe der Nazca-Linien wieder etwas in Bezug auf angeblich Außerirdische. Aber unweigerlich stellt sich hier die Frage: Sensation, archäologische Kuriosität oder äußerst aufwendig inszenierter Super-Schwindel? Jeder bilde sich sein eigenes vorläufiges Urteil. Hier ein differenzierter Artikel zu den Entdeckungen (inkl. Videos):  Klick mich

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Video: Mehrere nachgebaute antike Torsionsgeschütze in der Obersteiermark getestet

Video: Mehrere nachgebaute antike Torsionsgeschütze in der Obersteiermark getestet | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info
Wie viele dieser römischen Geschütze müssen im Sinne der Wissenschaft eigentlich noch rekonstruiert und getestet werden? Pro Jahr kommen mir solche Meldungen nämlich mehrmals auf den Tisch.
Mich erinnert das ein bisschen an den Campus Galli und seine vermeintliche Experimentalarchäologie, die hauptsächlich daraus besteht, das Rad jedesmal neu zu erfinden. Aber vielleicht ist im obigen Fall ja alles anders und lediglich der ORF hat vergessen, von den bahnbrechenden neuen Erkenntnissen zu berichten, die hier gewonnen wurden …
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Einmaliges Schnäppchen: Gewaltiges Pompeji-Buch stark verbilligt zu haben

Aus speziellen Gründen, die ebenso kompliziert wie absurd sind, besitze ich das gewaltige 5-kg-Buch Houses and monuments of Pompeii doppelt. Eines davon biete ich daher stark verbilligt zum Kauf an.
– Der Neupreis beträgt 150 Euro (siehe Amazon). 
Ich gebe ein neuwertiges Exemplar (Abmessungen: 8,9 x 40,6 x 48,3 cm! – inklusive Originalkarton) für lediglich 105 Euro ab. 
Miteingerechnet sind hier bereits die nicht unerheblichen Versandkosten. Ein echtes Schnäppchen also 😊
– Bei Interesse schicke man einfach eine E-Mail an HILTIBOLD [at] gmail.com
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
– Meine reichhaltig bebilderte Rezension zum Buch findet sich übrigens hier

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Anmerkung: Der Beitrag bleibt solange stehen, bis das Buch einen Käufer gefunden hat. Danach wird er gelöscht.

Hörbares: Die Illuminaten — Fährtenleser helfen Archäologie — Steinzeit und Eiszeit — usw

Die Illuminaten – Eine bayerische Geheimgesellschaft | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Im Interview: Robert Darga vom Naturkundemuseum Siegsdorf über Steinzeit und Eiszeit | Spieldauer 82 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Fußspuren aus der Vergangenheit: Fährtenleser helfen Archäologen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Im Interview mit dem BR: Kreisheimatpflegerin für Archäologie Monika Weigl | Spieldauer 71 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
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"… so wird ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist." – Über den Mythos der marmorweißen Antike

Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt …

Nein, die in der Hauptüberschrift des Blogbeitrages zitierten Worte stammen nicht vom Ku-Klux-Klan 😉, sondern vom Begründer der wissenschaftlichen Archäologie: Dem Kunstschriftsteller Johann Joachim Winckelmann (Bild). Das vollständige Zitat lautet:

„Da nun die weiße Farbe diejenige ist, welche die mehresten Lichtstrahlen zurückschicket, … so wird ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist.“
Ganz in der Tradition von Renaissance-Künstlern wie Michelangelo erklärt der im 18. Jh. lebende Winckelmann Weiß bzw. den weißen Marmor zum bildhauerischen und architektonischen Schönheitsideal schlechthin. Damit beeinflusste er nicht nur den damals gerade aufkommenden Klassizismus, sondern auch die Altertumsforschung, welche aufgrund Winckelmanns fachlicher Autorität lange Zeit den Umstand ignorierte, dass Skulpturen und Reliefs in der Antike überwiegend bemalt waren. Dieses Ausblenden von Fakten – aufgrund subjektiven ästhetischen Empfindens – wirkt bis heute in den Köpfen vieler Menschen nach. Abzulesen etwa daran, dass in Sach- und Schulbücher zeichnerisch rekonstruierte Tempel der Antike zumeist unbemalt bleiben. Auch in Spielfilmen huldigt man dergestalt dem überholen und unwissenschaftlichen Ideal des Klassizismus.

Gegenbeweise in antiken Schriftquellen

Archäologische Belege für die Vielfarbigkeit (Polychromie) antiker Bildhauerwerke gibt es etliche. Einiges davon war natürlich auch Winckelmann bekannt und wurde von ihm sogar genau beschrieben, wie etwa eine 1760 in Pompeji entdeckte Statue der Göttin Artemis. Trotzdem redete er sich – zumindest öffentlich – gerne darauf hinaus, dass solche Funde lediglich „barbarisch“ anmutende Ausnahmen seien, die beispielsweise aus der Frühzeit stammen oder den Etruskern zugerechnet werden könnten. Dieser Realitätsverweigerung widersprachen freilich antike Schriftquellen: Z.B. ist von Plinius d. Ä. eine Anekdote über den berühmten griechischen Bildhauer Praxiteles überliefert, der einst auf die Frage, welche seiner marmornen Statuen ihm am besten gefallen, geantwortet haben soll:

„Diejenigen, an die Nikias (ein berühmter Maler) Hand angelegt hat.“ 

Auch der Philosoph Platon spricht in seiner Politeia klar von bemalten Statuen:

„Wie, wenn nun jemand, indem wir [eine Statue] bemalten, herzutreten würde und uns tadelte, dass wir den schönsten Teilen des Körpers nicht auch die schönsten Farben auflegten, weil die Augen, als das Schönste, doch nicht mit Purpur bestrichen wären, sondern mit Schwärze, [wie] wir glauben würden, uns ganz angemessen gegen diesen zu verteidigen, wenn wir sagten: Du Wunderlicher, verlange nur nicht, dass wir so schöne Augen bemalen sollen, dass sie gar nicht mehr als Augen erscheinen, und so auch die anderen Glieder; sondern sieh nur darauf, ob wir bei jedem das Gehörige anbringen und so das Ganze schön machen.“

Und in der Tragödie „Helena“ des Dramatiker Euripides heißt es:

„Mein Leben und mein Schicksal sind ein Grauen. Daran trägt […] meine Schönheit Schuld. Könnt ich die nur vertauschen gegen hässliche Gestalt; so hässlich wie ein Marmorbild mit abgewischten Farben.“



Die Lebenslüge des Klassizismus beginnt zu bröckeln

Spätestens im frühen 19. Jahrhundert ließ sich Winckelmanns wackelige Argumentation von den angeblichen „Ausnahmefällen“ nicht mehr rechtfertigen (auch er selbst dürfte davon in seinen späten Jahren schon nicht mehr restlos überzeugt gewesen sein, wie u.a. private Notizen belegen). Damals kaufte der Kunstagent Johann Martin von Wagner für den bayerischen König Ludwig I. diverse Giebelfiguren des Aphaia-Tempels von Ägina an und entdeckte darauf etliche Farbanhaftungen. Er schrieb darüber:

„Wir wundern uns über diesen scheinbar bizarren Geschmack und beurteilen ihn als eine barbarische Sitte […]. Hätten wir vorerst unsere Augen rein und Vorurteilsfrey, und das Glück zugleich, einen dieser griechischen Tempel in seiner ursprünglichen Vollkommenheit zu sehen, ich wette, wir würden unsere Vorurteile gerne wieder zurücknehmen.“

Damit war sozusagen aus klassizistischer Sicht die Büchse der Pandora geöffnet worden. Von nun an war es kein ‚Tabu‘ mehr, die Polychromie antiker Plastiken gezielt zu erforschen und ausgiebig darüber zu diskutieren. Im Jahr 1830 erschien das erste Werk, das sich explizit mit dieser Thematik beschäftigte – sein Titel: „De l’architecture polychrome chez les grecs“, vom deutsch-französischen Architekten Jacob Ignaz Hittorff. Auch der berühmte Architekt Gottfried Semper verfasste, nachdem er für längere Zeit Griechenland bereist hatte, zwei einschlägige Publikationen: „Vorläufige Bemerkungen über die bemalte Architektur und Plastik bei den Alten“ (1834; Onlineausgabe) und „Über die Anwendung der Farben in der Architektur und Plastik“  (1836).
Doch es dauerte geraume Zeit, bis sich zumindest in Gelehrten- und Künstler-Kreisen die Ansicht endgültig durchsetzte, dass antike Architektur und Bildhauerei nicht monochrom sondern polychrom war. Selbst noch 1868, als in Prima Porta die berühmte gleichnamige Statue des Augustus ausgegraben wurde, reagierte der anwesende Maler Arnold Böcklin regelrecht geschockt, nachdem er feststellte, dass das Kaiserbildnis Spuren von Farbe aufwies. Er soll damals gesagt haben: 

„Der Klassizismus, wie ich ihn kennengelernt habe, ist falsch und unzutreffend.“

Und trotzdem änderte sich in der Praxis wenig. Auch weiterhin wurde in der klassizistischen Architektur zumeist auf Farbe verzichtet. Das Bild von der vermeintlich marmorweißen Ästhetik der Antike hatte sich bereits viel zu sehr in den Köpfen der Intelligenzia festgesetzt.
Freilich, es gab Ausnahmen. So thematisierte beispielsweise der britisch-niederländische Maler Sir Lawrence Alma-Tadema in einigen seiner Gemälde sehr zutreffend die Buntheit der Antike – siehe etwa das nachfolgende Bild.

Wie viel Farbe vertrug die Antike? 

Nachdem für die meisten Gelehrten zweifelsfrei feststand, dass in der gesamten antiken Kunst und Architektur die Vielfarbigkeit einen festen Platz hatte – also auch abseits der ohnehin schon lange bekannten Wandmalereien – begann sich die Debatte zunehmend um die Frage zu drehen, in welchem Ausmaß koloriert wurde (dazu trugen wohl auch Textstellen wie jene von Platon bei, die bereits oben zitiert wurde). Aufgrund des sehr beschränkten naturwissenschaftlichen Methodenapparats des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war das keinesfalls leicht zu beantworten. Ja selbst in heutiger Zeit fällt es mitunter schwer. Ein gutes Beispiel dafür ist der (in ein riesiges Zelt verpackte) griechische Apollontempel bei Bassae (Bassai). Einige Forscher vertreten die Meinung, die Platten des Frieses wären ursprünglich komplett in leuchtenden Farben bemalt gewesen. Andere glauben, Farbe sei vor allem zur Hervorhebung wichtiger Details verwendet worden. Und eine dritte Gruppe spricht gar davon, dass nur der Hintergrund mit einer zarten Tünche überzogen war, um die Figuren des Reliefs deutlicher hervortreten zu lassen. Die bisherigen Untersuchungen lassen jedenfalls – wie es heißt – noch keinen eindeutigen Schluss zu. Und das trotz all der modernen technischen Möglichkeiten, mit deren Hilfe Farbanhaftungen auf antiken Objekten bereits in vielen anderen Fällen entdeckt und analysiert wurden.

Wissenschaftliche Methoden der Farbanalyse

➤ Von einiger Bedeutung für die Ermittlung der einstigen Bemalung sind Verwitterungsreliefs. Farben die weniger haltbar sind – wie Ocker – geben relativ frühzeitig den blanken Stein frei, während z.B. Blau und Zinnoberrot besonders lange schützend anhaften. Mittels Streiflicht kann die darauf zurückzuführende unterschiedlich starke Verwitterung der Oberfläche sichtbar gemacht werde. Aus den daraus erlangten Ergebnissen lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die ursprünglich verwendeten Farben/Pigmente ziehen (mineralische Farbstoffe sind zumeist beständiger als pflanzliche).
➤ Der Einsatz eines Auflicht-Stereo-Mikroskops dient dem Aufspüren von winzigen Überresten der einstigen Bemalung
➤ Die Zusammensetzung von Farbreste kann unter bestimmten Voraussetzungen mithilfe der Infrarotspektroskopie oder Röntgendiffraktometrie bestimmt werden
➤ Bei Verwendung der sogenannten UV/VIS-Reflexionsspektralphotometrie ist eine Bestimmung der Pigmente und Farbwerte ohne die Entnahme von Proben möglich. Wegweisend auf diesem Gebiet waren entsprechende Untersuchungen, die in den 1960er-Jahren bei Objekten der Münchner Glyptothek durchgeführt wurden

Restbestände klassizistischer Ignoranz

Im Angesicht der aktuellen technischen Möglichkeiten, den eindeutigen Hinweisen in antiken Schriftquellen und der langen Forschungsgeschichte ist es ärgerlich, dass bei der ikonographischen Deutung antiker Werke ihre einstige Bemalung immer noch kaum Berücksichtigung findet.
Auch werden Museumsbesucher nur in Ausnahmefällen darauf hingewiesen, dass manch ausgestelltes Objekte aufgrund des Fehlens jedweder Farbe uns heute einen völlig anderen optischen Eindruck vermittelt als den Menschen der Antike.

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Weiterführende Literatur / Quellen: 

  • Ritchie Pogorzelski | Der Triumph. Siegesfeiern im antiken Rum und ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe | Nünnerich-Asmus | 2016 | Infos bei Amazon
  • Mary Beard | Kleine Einführung in die Altertumswissenschaft |  J.B. Metzler | 2015 | Infos bei Amazon


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Bücher, Bücher, Bücher! — Prinzipienreiterei — Fund in den Logfiles

Bücher, Bücher, Bücher!
Ich möchte an dieser Stelle auf meine Buchrubrik hinweisen, in der alle Rezensionen aufgelistet sind; vergangene sowie zukünftige (d.h. die bis Jahresende geplanten): Klick mich
Wie man sieht: Da kommt einiges! Was bis zu einem gewissen Grad daran liegt, dass ich vermehrt Angebote für Rezensionsexemplare erhalte. Außerdem habe auch ich damit begonnen, selten aber doch nach diesem oder jenem Buch zu fragen.
Freilich, ich schreibe hier sicher nicht lauter 5-Sterne-Lobhudeleien, um mir die Verlage auf Teufel komm raus gewogen zu stimmen. Die meisten Fach- und Sachbücher die von mir besprochen werden bekommen zwar immer noch recht gute vier Sterne, aber das war auch schon so, bevor Rezensionsexemplare für mich auf dem Radar erschienen sind. Der Grund: Viel falsch machen kann man bei dieser Art Literatur nicht, außerdem achte ich im Vorhinein darauf, was ich lese.
Es gibt, das lehrt langjährige Erfahrung, Verlage wie Theiss oder Friedrich Pustet – und Autoren wie den Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber – die für Qualität stehen. Deshalb sind in solchen Fällen böse Überraschungen kaum denkbar. 
Selbst ein Verlag wie Marix (Verlagshaus Römerweg) – der mir früher mit seinen Reprints von Uraltübersetzungen antiker Texte eher weniger gut aufgefallen ist (z.B. Herodots Historien) – hat sich mittlerweile zu einem echten Geheimtipps entwickelt, nachdem dort Fachleute wie der Althistoriker Kai Brodersen moderne, gut leserliche Neuübersetzungen erstellen, die man sonst nirgendwo zu bezahlbaren Preisen erhält (Klick mich).
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Prinzipienreiterei

Der Online-Standard berichtet von einer spanischen Galleone, die 1708 vor der Küste Kolumbiens in einem Gefecht auf den Meeresgrund befördert wurde. Was freilich keine Absicht der gegnerischen Royal Navy gewesen sein dürfte, denn an Bord befanden sich laut Allwissender Müllhalde 344 Tonnen Gold- und Silbermünzen sowie 116 Kisten mit Smaragden (das hätte eine saftige Prise abgegeben). Der heutige Wert: Mehrere Milliarden (!) Euro. Dass sich die Regierung Kolumbiens über diesen gewaltigen Schatz vor der eigenen Haustür freut, dürfte wenig überraschend sein. Nach der Bergung des Schiffs soll dieses konserviert und ein  Teil des Schatzes veräußert werden.
Eine vernünftige Lösung, oder? Nicht in jedermanns Augen, denn aus den Reihen der Archäologen ist Nörgelei zu vernehmen. Einer Art Messie-Syndrom frönend, wird ernsthaft die Forderung erhoben, dass nichts von diesem geradezu absurd großen Edelmetall- und Edelsteinhaufen verkauft werden dürfe.

Breaking apart unity of the galleon and her cargo, dissolving essential parts of this heritage for market value, as the 2013 Colombian Law allows, damages its historical value and the benefit for Colombian people. The scientific community, universities and academic centers worldwide, and billions of people -especially the Latin American- who celebrate this culture in our countries, are watching very close what happens in Colombia these days. 

Faszinierend – oder besser gesagt anmaßend – wie hier ein kleines Grüppchen behauptet, im Namen von Milliarden (!) Menschen zu sprechen, ohne je von diesen in irgend einer Form legitimiert worden zu sein.
Jede Wette, dass die Mehrheit der Bevölkerung Kolumbiens für einen teilweisen Verkauf des Schatzes ist. Und für die Wissenschaft macht es, nachdem alles ordentlich dokumentiert wurde, ohnehin keinen Unterschied, ob in den Schaufenstervitrinen des geplanten Museums – in dem das Schiff ausgestellt werden soll – hunderte, tausende oder zehntausende Münzen gleicher Prägung liegen; für Kisten voller Rohedelsteine gilt das noch viel mehr.

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Fund in den Logfiles dieses Blogs:

http://webfilter.schule.local:4290/denied.rhtml?DENIEDURL==http%3a%2f%2fhiltibold%2eblogspot%2ecom%2f2013%2f04%2fhaare%2dfarben%2dim%2dantiken%2drom%2ehtml::IP==10.31.241.228::USER==-::CATEGORIES==::GBYPASS==8D61068920F6BFB04372DCC9BDE34ED21498030001::REASON==%5bDOMAINBAN%5d%20Verbotene%20Dom%c3%a4ne%3a%20blogspot%2ecom 

Da versucht man irgendwo von schulischer Seite die Domain Blogspot.com zu blockieren, also die größte Blogplattform der Welt. Spinnen die ein bisschen? 

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Buch: Historien, von Herodot (Neuübersetzung)

Der um 485 v. Chr. geborene Herodotos von Halikarnassos – normalerweise kurz und bündig „Herodot“ genannt – verfasste ein aus neun Büchern bestehendes Geschichtswerk, das heute zu den bedeutendsten Schriftquellen der Antike zählt: Die sogenannten Historien. Ihr mehr oder weniger chronologisch geordneter Inhalt  reicht von der mythischen Zeit der alten Griechen bis zu den Perserkriegen im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts (eine übersichtliche Inhaltsangabe findet man hier).
Herodot war ein ‚Wissenwoller‘ (‚wissen wollen‘ ist die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes historein, woher beispielsweise ‚Historie‘ stammt). Auf ausgedehnten Reisen – wie etwa nach Ägypten – lernte er viele fremde Kulturen und deren Besonderheiten kennen. Geschickt verwob er die gewonnenen Informationen in seinem Werk mit Berichten über Herrscher, Schlachten und Politik. 
Auch wenn Herodot nicht gerade den Qualitätsstandards der modernen Geschichtsschreibung gerecht wird, so sind seine Historien aufgrund ihres farbigen Detailreichtums für die Altertumsforschung von unschätzbarem Wert. Ein paar Beispiele: Im 1. Buch wird vom Drogenkonsum der Massageten (ein iranisches Volk) gesprochen, die bestimmte Früchte verbrannten, um den dabei entstehenden Rauch zu inhalieren. An anderer Stelle beschreibt Herodot die Bauweise von Schilden und erzählt von einem bei Ausschachtungsarbeiten entdeckten menschlichen Skelett, das sieben Ellen lang gewesen sein soll (= ca 3,36 m).
Kurz gesagt: Die Historien sind zwar bereits rund 2500 Jahre alt, doch kommt beim Lesen der abwechslungsreichen Schilderungen nur selten Langeweile auf. Zumindest mir ging es so.
Die vorliegende, im Alfred Kröner Verlag erschienene Übersetzung stammt vom Philologen Heinz-Günther Nesselrath. Sie enthält etliche, mitunter recht ausführliche Anmerkungen (Endnoten) und ein Namensregister. Das Deutsch der Übersetzung ist zeitgemäß, allerdings muss ich ich einen Stern abziehen, weil hier, anders als beispielsweise bei der Ausgabe des Reclam Verlages, der griechische Originaltext nicht enthalten ist. Freilich, Reclam hat es andererseits bisher nicht geschafft, alle Teile/Bücher der Historien zu veröffentlichen. Seit dem Jahr 2002 trödelt man herum, sodass trotz dieses langen Zeitraums erst sieben der neun Bücher erhältlich sind. Die von Kröner publizierte Ausgabe ist hingegen vollständig. Auch ist sie mit knapp 28 Euro deutlich günstiger als die beim ‚Wucherer‘ De Gruyter (Sammlung Tusculum) erschienene Gesamtausgabe; zwar ist diese wiederum zweisprachig, aber aus meiner Sicht rechtfertigt das keinesfalls einen Preis von saftigen 110 Euro.
Fazit: Wer den altgriechischen Text nicht zwingend benötigt, der ist mit dieser einsprachigen und modernen Übersetzung bestens bedient. Der verlangte Preis ist für das in Leinen gebundene, mit einem Schutzumschlag versehen Buch sehr gut. 
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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Burgen — Mittelalter-Darsteller im Interview — Der Golem — Wie die Götter auf die Welt kamen

Burgen – Schutz und Hut des Landes | Spieldauer 24 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Mittelalter-Darsteller Andrea und Norbert Sturm erzählen von ihrem Hobby | Spieldauer 31 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Archäologie des Glaubens: Wie die Götter auf die Welt kamen | Spieldauer 28 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download
Der Golem – Erschaffen aus Lehm und Sprache | Spieldauer 24 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
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Pfusch am Bau in der Antike: Der römische Ingenieur Nonius Datus und ein (fast) misslungener Aquädukt-Tunnel

An der Küste Algeriens lag in römischer Zeit die Stadt Saldae. Dort war im 2. Jh. n. Chr. von den lokalen Autoritäten der Bau einer Fernwasserleitung beschlossen worden. Aus einem 17 Kilometer (Luftlinie) entfernten Quellgebiet sollte Trinkwasser herangeführt werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde beim Militär um die Entsendung eines geeigneten Bauingenieurs angesucht (was darauf hindeutet, dass derlei Profis vor allem dort, und nicht im zivilen Umfeld zu finden waren). Der Bitte wurde entsprochen und man schickte einen Ingenieur namens Nonius Datus. Dieser begann die Arbeiten zwar, zog sich aber zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder zurück. Wer ihm nachfolgte ist nicht bekannt, doch traten nach einiger Zeit beim Bau eines Tunnels gröbere Probleme auf. Selbst ein Abbruch sämtlicher Bauarbeiten wurde deshalb schon in Betracht gezogen. Und obwohl seit dem Beginn des Aquäduktbaus ca. 15 – 20 Jahre vergangen waren, erinnerte man sich noch an jenen Mann, der ursprünglich Planung und Arbeiten geleitet hatte: Nonius Datus. Der mittlerweile in den Ruhestand getretene Veteran sollte den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen. Darüber berichtet er auf seinem Grabmonument in einer ausführlichen Inschrift, die unter anderem auch den Brief eines römischen Statthalters beinhaltet, wie aus nachfolgender Übersetzung hervorgeht.
Brief des Procurators (Statthalters) Varius Clemens an den Legionslegaten Valerius Etruscus: Sowohl die herrlichste Stadt Saldae als auch ich mit den Salditanern bitten Dich, Herr, dass Du Nonius Datus, Feldmesser und Veteran der Legio III Augusta, aufforderst, nach Saldae zu kommen, um von seinem Werk fertig zu stellen, was noch aussteht.

Nonius Datus: Ich habe mich aufgemacht und bin auf dem Wege unter Räuber geraten; ausgeraubt und verwundet bin ich mit den meinen entronnen; ich bin nach Saldae gekommen und habe den Procurator Clemens aufgesucht. Er hat mich zu dem Berg geführt, wo man über den misslungenen Tunnelbau klagte; man glaubte, ihn aufgeben zu müssen, weil der Vortrieb der beiden Stollen bereits länger ausgeführt war, als der Berg breit war. Es war offensichtlich, dass man mit den Vortrieben von der Trasse abgekommen war; so wie der obere Teil des Tunnels nach rechts, also nach Süden abwich, so ist in ähnlicher Weise der untere Teil ebenfalls nach rechts, also nach Norden abgewichen; beide Baulose haben also die Richtung verfehlt, weil man der Trasse nicht gefolgt war. Die exakte Trassenlinie war aber mit Pfählen von Ost nach West über den Berg abgesteckt worden. Damit aber beim Leser kein Missverständnis bezüglich der Stollen entsteht, wenn es hier ‚oberer‘ und ‚unterer‘ heißt, so ist das so zu verstehen: Mit ‚oberer‘ ist der Teil gemeint, in dem der Tunnel das Wasser aufnimmt, mit ‚unterer‘ der Teil, wo das Wasser wieder herauskommt. Als ich die Arbeiten zuteilte, damit sich jeder darüber im Klaren war, welche Strecken des Vertriebs er aufzufahren hatte, habe ich die Flottensoldaten und die Soldaten aus gallischen Hilfstruppen um die Wette arbeiten lassen (von beiden Seiten her), und so haben sie sich beim Durchstich des Berges getroffen. Ich also war es, der zuerst das Nivellement gemacht und den Bau der Wasserleitung organisiert und in die Wege geleitet hatte nach den Plänen, die ich dem Procurator Petronius Celer gegeben hatte. Das vollendete Bauwerk hat der Procurator Varius Clemens durch die Einleitung des Wassers seiner Bestimmung übergeben. [Die Transportleistung des Aquäduktes beträgt ?] Fünf Scheffel. Damit mein Bemühen um diesen Aquädukt von Saldae deutlicher erscheint, habe ich einige Briefe angefügt […]. 

(CIL 8,1 2728 | Übers.: Klaus Grewe)

Die für die heutige Forschung hochinteressante Grabinschrift deutet darauf hin, dass Nonius Datus sehr daran gelegen war, der Nachwelt nicht als Verantwortlicher für die Schwierigkeiten beim Tunnelbau des Aquädukts von Saldae in Erinnerung zu bleiben. Vielmehr präsentiert er sich – wohl zurecht – als Problemlöser. Da die beiden Bautrupps des im Gegenort-Verfahren geplanten Tunnels aneinander vorbeigegraben hatten (siehe Grafik), ließ Nonius Datus neue Vermessungen vornehmen und eine Querverbindung zwischen den beiden Teilstücken herstellen.
Nach ihrer Fertigstellung war die Fernwasserleitung 21 km lang und transportierte pro Tag ca. 10000 Kubikmeter Wasser. Jener Tunnel, der so ungemein viele Schwierigkeiten bereitet hatte, war 428 Meter lang und lag bis zu 86 Meter unter der Erde.

Misslungener Tunnelbau im Gegenort-Verfahren. Beide Bautrupps wichen unbeabsichtigt vom geplanten Trassenverlauf des unterirdischen Aquädukts von Saldae ab und verfehlten sich.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die für ihre Bauten auch heute noch berühmten Römer keinesfalls Wunderwuzzis waren, denen keine gröberen Fehler unterliefen. Im Gegenteil, die Bauforschung kennt längst etliche ähnlich gravierende Missgeschicke.

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Weiterführende Literatur:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

PDFs: Helme, Helme, Helme!

Der keltische Waffenfund von Förk in Kärnten | Markus Egg | Academia.edu

Die ältesten Helme der Hallstattzeit | Markus Egg | Academia.edu

Ein hallstattzeitliches Grab mit Schüsselhelm aus Budinjak in Kroatien | Markus Egg | Academia.edu

Zum hallstattzeitlichen Helmfragment von Magdalenska gora | Markus Egg | Academia.edu

Die Waffen (Helme, Schwerter,…) der „Lepontier“ | Markus Egg | Academia.edu

Ein antiker Bronzehelm vom Ufer des Sempachersees | Markus Egg | Academia.edu

Ein Helmhut mit zusammengesetzter Kalotte | Markus Egg | Academia.edu

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Krimskrams: Campus Galli entdeckt Stein der Weisen und erzeugt Eisen aus Bohnen! — usw.

Campus Galli entdeckt Stein der Weisen und erzeugt Eisen aus Bohnen!
Schon wieder die Mittelalterbaustelle Campus Galli: Laut Schwäbischer Zeitung – von Einheimischen auch liebevoll Schäbige Zeitung genannt – scheinen die Klosterbaumeister in Meßkirch eine geradezu sensationelle Entdeckung gemacht zu haben. Folgendes wird nämlich im Zusammenhang mit dem Besuch einer Schülergruppe berichtet:

Eisen aus Bohnen gewinnen? Echt jetzt? Oder handelt es sich hier lediglich um eine peinliche Verwechslung mit dem lokal im Boden vorkommenden Bohnerz? Höchstewahrscheinlich! 😄
Es wird aber noch besser: Nachdem ein Leser der Schwäbischen Zeitung die Frage aufwarf, wie man denn bitteschön aus Brechbohnen Eisen herstellt, wurde seine Kommentar gelöscht sowie die betreffende Stelle im Artikel leicht geändert; wobei man den einen Unsinn durch einen anderen ersetzt hat:

Es stellt sich die Frage: Ist die hier zutage tretende Dummheit wirklich nur beim Campus Galli zu verorten oder spielt eventuell auch der ‚Pressepartner‘ des Projekts – die Schwäbische Zeitung – eine unrühmliche Rolle?

Ein Leser dieses Blogs (derselbe, dessen kritische Frage von der Schwäbischen Zeitung gelöscht wurde) bekam auf Nachfrage von der Redaktion die Antwort, dass den Schülern gegenüber „bewusst von ‚Brechbohnen‚ als Synonym für kleine Steine gesprochen wurde“. 
Also dürfte hier doch der Campus Galli selbst die Quelle dieses haarsträubenden Blödsinns sein. Was wiederum äußerst peinlich ist, schließlich wird dieses mit Steuergeld subventionierte Projekt der Öffentlichkeit als pädagogisch wertvolle  ‚Bildungseinrichtung‘ verkauft.

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Doof wie ein Sack Zement …
…. aber – wir mir scheinen will – für dieses Milieu nicht ganz untypisch 😄
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„Citizen Science“ oder …. ?

Zu 03:33 springen und die Ohren spitzen!  Klick mich
Handelt es sich hierbei wieder einmal um eine deutsche Dialekt-Besonderheit – so wie der „Arschäologe“? 😂
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Kunstkalender: Römische Fresken

Mal etwas ganz anderes: Römische Fresken sind das Thema eines vom KV&H Verlag vertriebenen Kalenders, den ich kürzlich bei Amazon entdeckt habe.
Auf 12 Blättern (plus Deckblatt) sind ebenso viele Wandmalereien / Fresken dargestellt, die hauptsächlich in den antiken Vesuv-Städten wie Pompeji, Boscoreale, Stabiae usw. von Archäologen ausgegraben wurden. Die Rückseite des Kalenders zeigt eine entsprechende Übersicht zu den einzelnen Motiven, in der u.a. Bezeichnung, Fundort und Datierung genannt werden. 
Wegen des überaus großen Formats von 49 x 68 cm kann man sogar einzelnen Pinselstriche unterscheiden, was mir persönlich sehr gut gefällt.
Die Monate und Tage hat man dezent am unteren Bildrand platziert, wo sie nicht stören bzw. kaum zu erkennen sind (siehe das Übersichtsbild unten). Die Kalenderfunktion stellt daher meiner Ansicht nach eher eine Art Alibi dar, denn so einen Kunstkalender hängt man sich vor allem wegen den schönen Motiven an die Wand (wer das aktuelle Datum wissen möchte, schaut heutzutage ja sowieso meist aufs Handy). Im Prinzip wäre es hier ohne weiteres möglich, die Kalendertage wegzuschneiden und das dadurch kaum beeinträchtigte Bild kostengünstig zu rahmen, um damit eine kahle Wand zu verschönern.
Zum Schluss ein winziger Kritikpunkt, der die Zuordnung der Motive zu den einzelnen Monaten betrifft. Beispielsweise hätte ich den Vogel in üppiger grüner Natur nicht im Winter bzw. Dezember platziert, sondern eher im Frühjahr oder Sommer. Aber das ist wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks; es gibt nämlich sicher auch den einen oder anderen, der es gerade im Winter gerne grün hat 😊. Der Kaufpreis beträgt knapp 40 Euro.

PS: Mein Wunsch an den Verlag wäre es, auch einen Kalender mit enkaustischen Mumienporträts aus römischer Zeit zu veröffentlichen. In dem Bereich gibt es etliche wunderschöne Darstellungen!

Hörbares: Was Mumien über Diäten verraten — Sabbatruhe seit Antike umstritten — Archäologie in Jordanien — Karl Baedeker


Udo Pollmer: Abnehmen mit Kleopatra – was die Mumien über Diäten verraten | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Sabbatruhe seit Antike umstritten: Gespräch mit Bibelforscher Reinhard Achenbach | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Jordanien: Endlichkeiten von Kulturen trotzen einem endlosen Konflikt | Spieldauer 18 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Steinmetz-Training in Jordanien – Schlagkräftige Kulturhilfe | Spieldauer 5 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
(Off-Topic) Karl Baedeker – Welche Lust gewährt das Reisen | Spieldauer 23 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
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Hörbares: Was Mumien über Diäten verraten — Sabbatruhe seit Antike umstritten — Archäologie in Jordanien — Karl Baedeker


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Buch: Die deutschen Königspfalzen – Band 5.3 – Bayerisch-Schwaben

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Eines der Hauptmerkmale des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war das Reisekönigtum. Deutschen Könige (und Kaiser) des Mittelalters verfügten über keine feste Residenz, sondern reisten quer durchs Land, um von verschiedenen Orten aus ihre Regierungsmacht auszuüben. Wichtige Voraussetzung hierfür waren ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten für das oft sehr umfangreiche königliche Gefolge. Diesen Aufenthaltsorten – man spricht von sogenannten Pfalzen – widmet sich die vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlichten Repertoriumsreihe Die deutschen Königspfalzen.
Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den Teilband 5.3, in dem die Königspfalzen bzw. die dazugehörenden Siedlungen in Bayerisch-Schwaben einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Konkret sind das:

🔼Augsburg 🔼Donauwörth 🔼Günzburg
🔼Hohenaltheim 🔼Holzkirchen 🔼Memmingen
🔼Mering 🔼Zusmarshausen

Die in diesem Band behandelten Pfalzorte werden nach zwei verschiedenen Schemata behandelt. Schema A – für Königspfalzen, Königshöfe und andere Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt der ersten Aufenthalts; und Schema B – für Aufenthaltsorte der Könige ohne nachweisbare Existenz einer Königspfalz, eines Königshofes oder anderer Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt des ersten Aufenthalts.

Folgende Informationen beinhaltet Schema A (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Siedlungsgeschichte des Pfalzbereichs (Frühgeschichte, Bezeichnung der Siedlung in den Quellen, Beziehung zwischen Siedlung und Pfalz)
IV. Topographie der Pfalz (Bezeichnung der Pfalz in den Quellen; Lage der Pfalz in ihren Bestandteilen; Bauten und Ausstattung)
V. Königtum und Pfalz (Aufenthalt der Könige in der Pfalz und am Pfalzort; Nichtkönigliche Aufenthalte in der Pfalz und am Pfalzort; Königserhebungen, Hoftage, Heeresversammlungen, Synoden; Versammlungen und Landtage in der Pfalz und am Pfalzort; Gerichtstage am Pfalzort; Empfang von Päpste; usw. )
VI. Besitz, Serviten und Aufgaben (Königsgut und Pfalz; auf der Pfalz erhobene Abgaben; besondere Reichsaufgaben der Pfalz)
VII. Späteres Schicksal der Pfalz
VIII. Bedeutung der Pfalz in den einzelnen Perioden

IX. Bibliographie und Hilfsmittel (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)  

Folgende Informationen beinhaltet Schema B (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Geschichte des Ortes (Siedlungsgeschichte; Institution oder Person, die den König beherbergte, und ihre Beziehung zum Königtum
IV. Örtlichkeit der Königsaufenthalte (Bezeichnung; Lage; Bauten)
V. Königtum vor Ort (Aufenthalt des Königs am Ort; Nichtkönigliche Aufenthalte von Bedeutung; Königserhebeungen, Hoftage, Heeresversammlungen und Synoden …; Versammlungen und Landtage …; Gerichtstage des Königs; Empfang von Päpsten, …; Geisliche Festfeiern des Königs; Weltliche Festfeiern des Königs; usw.)
VI. Besitzverhältnisse, Servititen und Reichsaufgaben
VII. Nachwirkungen der Funktion des Ortes für das Königtum

VIII. Bedeutung als Aufenthaltsort von Königen in den einzelnen Perioden
IX. Bibliographie (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)

Der oben dargelegte Aufbau der Schemata ist stringent und übersichtlich. Das erleichtert das Arbeiten mit diesem Repertorium sehr. Mehrere ausklappbare Karten stellen zusätzlich ein nützliches Hilfsmittel dar.
Die großzügig zitierten Textstellen der historischen Quellen wurden im lateinischen Original wiedergegeben. Für Leser mit vergleichsweise bescheidenen Lateinkenntnissen (ego) ist dieser Umstand etwas problematisch. Da die essentiellen Informationen aber immer auch in deutscher Sprache genannt werden, kann man von keiner gravierenden Hürde sprechen.
Die Ausführungen zu den unterschiedlichen Pfalzorten unterscheiden sich sehr in ihrem Umfang. So beansprucht beispielsweise alleine Augsburg rund die Hälfte der Seiten des vorliegenden Bandes. Was freilich im Angesicht der herausragenden historischen Bedeutung dieses Ortes wenig verwunderlich ist (außerdem galt mein spezielles Interesse ohnehin Augsburg).

Trotz des schönen Leineneinbandes mit Goldprägung, der sich unter dem Schutzumschlag verbirgt, dürfte der Preis von 130 Euro vielen Interessenten ziemlich happig erscheinen – deshalb vier statt fünf Sterne.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Krimskrams: Die faszinierende Prioritätensetzung à la Campus Galli — Archäologe als Sozialversicherungsbetrüger — usw.

Prioritätensetzung à la Campus Galli: Die Mauer für den Obstgarten geht vor!
Beim quasi im Frühmittelalter angesiedelten Klosterbauprojekt Campus Galli wird gerne der Eindruck erweckt, man würde sich sehr an den historischen Fakten orientieren. Geradezu gebetsmühlenartig weisen deshalb die Verantwortlichen darauf hin, dass Mönche, die im 9. Jahrhundert ein neues Kloster gründeten, zuerst rasch eine kleine provisorische Kirche errichteten, bevor sie für sich selbst feste Wohnquartiere bauten. Und genau aufgrund dieses Sachverhaltes (für den freilich die Quellenlage eher dünn ist) handhabe man es auch beim Campus Galli so. 
Nach mehreren Jahren (von wegen ‚rasch‘) ist nun besagte Holzkirche zumindest äußerlich fertig. Es scheint daher naheliegend, dass jetzt endlich der Zeitpunkt gekommen ist, Schlafsaal, Toiletten und andere essentielle Einrichtungen eines mittelalterlichen Klosters zu bauen – nicht wahr? 
Falsch gedacht! Beim Campus Galli lässt man sozusagen die Mönche weiterhin in zugigen Zelten hausen und errichtet stattdessen eine Mauer für den Obstgarten   😂 
Eine solche Prioritätensetzung ist besonders in Hinblick auf die ständig insinuierte historisch korrekte Baureihenfolge reichlich absurd. Dementsprechend setzte es kürzlich auf der Facebook-Seite des Campus Galli wieder einmal Kritik an diesem projekt-inhärenten Bullshit Nonsen. Und wie so oft reagieren die Betreiber (bzw. der hier anonym agierende Geschäftsführer Hannes Napierala) wenig glaubwürdig bzw. souverän. Wer kritisch nachfragt, wird sofort als Meckerer abgestempelt – selbst wenn es sich um jemanden vom Fach – wie etwa eine Archäologin – handelt.

Quelle: Facebook-Seite des Campus Galli

Ich dokumentiere derlei Facebook-Diskussionen übrigens deshalb immer wieder hier im Blog, weil sie von den Verantwortlichen des Campus Galli schon mal gerne im Nachhinein gelöscht werden, um nicht allzu blöd in der Öffentlichkeit dazustehen. In dem Zusammenhang darf man auch die absurde Aufforderung sehen, kritische Fragen höchstens in E-Mail-Form an den Campus Galli zu richten.

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Archäologe als Sozialversicherungsbetrüger
Der Donaukurier berichtet vom Prozess rund um eine archäologische Grabungsfirma, deren beide Geschäftsführer, einer davon ein Archäologe, die Öffentliche Hand laut erstinstanzlichem Urteil um Sozialversicherungsabgaben in der Höhe von 500.000 Euro betrogen. Eine Mitarbeiterin, die wohl von den Vorgängen wussten, wurden gegen eine vergleichsweise geringe Zahlung von 2500 Euro vom Haken gelassen, während die Hauptangeklagten jeweils eine über zweijährige Haftstrafe ausfassten: Klick mich
Was lernen wir daraus? Auch in der Archäologie gehts schon mal um persönliche Bereicherung – und nicht immer nur im Milieu der bösen „Raubgräber „…

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Woah …

… sind hier aber aufmerksame Leser und Kunstexperten unterwegs! Da hat doch tatsächlich jemand bemerkt, dass ich der betenden Ägypterin auf dem Header-Bild eine Nasen-OP spendiert habe. 😊

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Video: Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch

Ein Leser hat mich auf nachfolgendes Gespräch mit dem bekannten Experimentalarchäologen Dominique Görlitz aufmerksam gemacht, der, wie sein Vorbild Thor Heyerdahl, von einer weit in die Prähistorie zurückreichenden Hochseefahrt überzeugt ist. Zurzeit bereitet er sich auf seine vierte Expedition mit einem großen Schilfboot vor. Ziel ist die nicht ungefährliche Überquerung des Nordatlantiks, um dadurch die Möglichkeit eines frühen vorgeschichtlichen Kulturaustauschs zwischen Europa/Afrika und Amerika zu belegen.
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