Planet History

L.I.S.A.

„Das Archiv als ‚Tatort‘ historischer Forschung“

Interview mit Francisca Loetz über Film als Medium der Geschichtswissenschaft

Am Anfang jeder historischen Arbeit steht das Quellenstudium. Das Suchen, Lesen, Auswerten und Einordnen von Quellen ist die Grundlage jeder historischen Forschung. Dieser Arbeitsprozess ist für die Öffentlichkeit, die das historische Buch als Endprodukt des Forschungsprojekts in der Hand hält, meist unsichtbar. Die Historikerin Prof. Dr. Francisca Loetz von der Universität Zürich wollte genau diesen Prozess für eine beite Öffentlichkeit sichtbar machen und hat sich für dieses Anliegen für das Medium Film entschieden. Das Video mit dem Titel Tatort Archiv: Einem Gotteslästerer auf der Spur, das bei L.I.S.A. in einer deutsch- und in einer englischsprachigen Fassung vorliegt, ist das Ergebnis dieses Vorhabens. Welche Konzeption und Erzählung hinter diesem Film steckt, dazu haben wir Professor Loetz unsere Fragen gestellt.

Staats-Organisation. Ministerialbürokratie in Deutschland zwischen Normalität und Ausnahmezustand

Vortrag von Stefanie Middendorf am Historischen Kolleg

In ihrem aktuellen Forschungsprojekt untersucht die Historikerin Dr. Stefanie Middendorf von der Universität Halle-Wittenberg die Geschichte des Reichsfinanzministeriums, das nach dem Ersten Weltkrieg die Institutionalisierung demokratischer Formen der Staatsfinanzierung in einem internationalen Kontext verantwortete, sich dann aber ebenso maßgeblich an der Durchsetzung diktatorischer Regierungsweisen beteiligte. Finanz-, verfassungs- und verwaltungshistorische Erfahrungsschichten der Organisation werden dabei über das Jahr 1933 hinweg analysiert, um Staatshandeln als Prozess zu begreifen. In dem hier vorliegenden Vortrag stellt sie die Bedeutung der Ministerialbürokratie für die Organisation des Staates heraus.

Der Thomasius-Club der Universitätsbibliothek Leipzig

Monatliche Gespräche über Wissenschaft

Seinen Namen trägt der Thomasius-Club in Erinnerung an den Leipziger Philosophen und Rechtsgelehrten Christian Thomasius, der im Jahr 1688 seine Monatsgespräche zu veröffentlichen begann. An die Idee dieser Zeitschrift, in deutscher Sprache wissenschaftliche Inhalte zu vermitteln, schließt auch der Thomasius-Club an. Die ca. einstündigen Gesprächsrunden werden als Podcast für Interessierte bereitgestellt.
Der Thomasius-Club ist eine offene Gesprächsrunde, die Wissenschaftler_innen einlädt und zu aktuellen Themen ihrer Forschung befragt. Das Programm des Thomasius-Club wird von einer kleinen Gruppe Aktiver (siehe Veranstalter) sorgfältig ausgewählt und beschlossen.
Der Thomasius-Club startete im Jahr 2006, veranstaltet von cultiv e. V., mit Unterstützung von Klaus Finke von der Universitätsbuchhandlung und „Horns Erben“, in deren Räumlichkeiten über 60 Gespräche geführt wurden. Auch die Connewitzer Verlagsbuchhandlung und die Stadt Leipzig unterstützten zeitweilig das Programm. Ab Oktober 2015 wird der Thomasius-Club in Medienpartnerschaft mit der Gerda Henkel-Stiftung als Veranstaltungsreihe der Universitätsbibliothek Leipzig durchgeführt.

Der Thomasius-Club der Universitätsbibliothek Leipzig

Monatliche Gespräche über Wissenschaft

Seinen Namen trägt der Thomasius-Club in Erinnerung an den Leipziger Philosophen und Rechtsgelehrten Christian Thomasius, der im Jahr 1688 seine Monatsgespräche zu veröffentlichen begann. An die Idee dieser Zeitschrift, in deutscher Sprache wissenschaftliche Inhalte zu vermitteln, schließt auch der Thomasius-Club an. Die ca. einstündigen Gesprächsrunden werden als Podcast für Interessierte bereitgestellt.
Der Thomasius-Club ist eine offene Gesprächsrunde, die Wissenschaftler_innen einlädt und zu aktuellen Themen ihrer Forschung befragt. Das Programm des Thomasius-Club wird von einer kleinen Gruppe Aktiver (siehe Veranstalter) sorgfältig ausgewählt und beschlossen.
Der Thomasius-Club startete im Jahr 2006, veranstaltet von cultiv e. V., mit Unterstützung von Klaus Finke von der Universitätsbuchhandlung und „Horns Erben“, in deren Räumlichkeiten über 60 Gespräche geführt wurden. Auch die Connewitzer Verlagsbuchhandlung und die Stadt Leipzig unterstützten zeitweilig das Programm. Ab Oktober 2015 wird der Thomasius-Club in Medienpartnerschaft mit der Gerda Henkel-Stiftung als Veranstaltungsreihe der Universitätsbibliothek Leipzig durchgeführt.

Der Thomasius-Club der Universitätsbibliothek Leipzig

Monatliche Gespräche über Wissenschaft

Seinen Namen trägt der Thomasius-Club in Erinnerung an den Leipziger Philosophen und Rechtsgelehrten Christian Thomasius, der im Jahr 1688 seine Monatsgespräche zu veröffentlichen begann. An die Idee dieser Zeitschrift, in deutscher Sprache wissenschaftliche Inhalte zu vermitteln, schließt auch der Thomasius-Club an. Die ca. einstündigen Gesprächsrunden werden als Podcast für Interessierte bereitgestellt.
Der Thomasius-Club ist eine offene Gesprächsrunde, die Wissenschaftler_innen einlädt und zu aktuellen Themen ihrer Forschung befragt. Das Programm des Thomasius-Club wird von einer kleinen Gruppe Aktiver (siehe Veranstalter) sorgfältig ausgewählt und beschlossen.
Der Thomasius-Club startete im Jahr 2006, veranstaltet von cultiv e. V., mit Unterstützung von Klaus Finke von der Universitätsbuchhandlung und „Horns Erben“, in deren Räumlichkeiten über 60 Gespräche geführt wurden. Auch die Connewitzer Verlagsbuchhandlung und die Stadt Leipzig unterstützten zeitweilig das Programm. Ab Oktober 2015 wird der Thomasius-Club in Medienpartnerschaft mit der Gerda Henkel-Stiftung als Veranstaltungsreihe der Universitätsbibliothek Leipzig durchgeführt.

Crime in the Archives. Tracking down a blasphemer

How do historians research in the archives? This film offers answers.

Anyone researching the past is dependent on historical documents, pictures and artefacts. Most of these sources are now kept in archives. In historical research investigating in the archives is similar to tracking at a crime scene, with all the surprises, discoveries and unpredictabilities associated with solving a criminal case.
Crime in the Archives sets out to track down the Zurich general Johann Rudolf Werdmüller, who was charged in the 17th century with making blasphemous speeches and committing treason. What can we discover in the archives about blasphemy in the Early Modern era? How does the formulation of a historical question develop? Why is science of history a science of the present?
This lively and practice-oriented German-language film with English subtitles introduces techniques of investigation and historical research. Court records, petitions, pictures and letters are used to illustrate how handwritten material is dealt with. The film is intended for prospective historians and any others interested in detective work in the archives.

Die Frage nach der Umwelt im Anthropozän

a.r.t.e.s.-Promovierende organisieren interdisziplinäre Konferenz „environment | agency“

Das a.r.t.e.s. forum 2017 steht wieder vor der Tür: Die am 07. Juli stattfindende interdisziplinäre Konferenz beschäftigt sich in diesem Jahr mit „environment | agency“. Das a.r.t.e.s. forum ist die alljährliche Gelegenheit für Promovierende der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne und der Philosophischen Fakultät, in Eigenregie eine hochkarätig und international besetzte Konferenz zu planen und durchzuführen. Das Organisationsteam hat sich dabei mit „environment | agency“ für das spannende und hochaktuelle Thema des Zusammenspiels zwischen (menschlicher und nichtmenschlicher) Agentivität einerseits und der Umwelt andererseits entschieden. An zentraler Stelle steht dabei die Frage, was Umwelt in der häufig als Anthropozän, also einem maßgeblich durch menschliche Aktivität beeinflussten Erdzeitalter, bezeichneten Gegenwart überhaupt bedeutet. Dabei sollen nicht zuletzt die Bezüge zu sowohl unterschiedlichen theoretischen Kontexten, etwa Posthumanismus und objektorientierte Ontologie, als auch zu zeitgenössischen Ereignissen, beispielsweise der Finanzkrise und Umweltdesastern wie der Nuklearkatastrophe in Fukushima, beleuchtet werden.

John B. Judis: „The Populist Explosion“

Der US-amerikanische Publizist John B. Judis über die Hintergründe von Donald Trumps politischen Erfolg und populistische Bewegungen in den USA und in Europa

John B. Judis (Washington) ist ein US-amerikanischer Autor und Publizist, der sich in mit Geschichte und Gegenwart der US-amerikanischen Politik auseinandersetzt. In seinem viel beachteten, 2016 erschienenen Buch „The Populist Explosion. How the Great Recession Transformed American and European Politics“ beleuchtet er die Hintergründe des Wahlsiegs von Donald Trump und vergleicht das Phänomen des Populismus in den USA und in Europa. Wie sich populistische Bewegungen formiert haben und welche Bedeutung sie dies- und jenseits des Atlantiks künftig haben werden, war auch Gegenstand seines Vortrags zum Auftakt der vierten Jahrestagung der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien am 1. Juni 2017 in Regensburg, die dem Thema „The End of the Liberal Order? Central, East and Southeast European Populism in Comparative Perspective“ gewidmet war.

Comparative Historical Research at CEU. The Balkans as a Laboratory of Transnational History – Constantin Iordachi

Academic Freedom in Danger. Fact Files on the „CEU Affair“ (Südosteuropa 65 „Spotlight“)

As an intellectual project, the establishment of the Central European University (CEU) in 1991 in Budapest was part of the ‘revival’ of scholarly and political interest in Central Europe and its implementation in new forms of regional cooperation. In the 1980s, in their attempt to disentangle and then liberate the region from the Soviet political-ideological grip and military occupation, a plethora of thinkers reasserted Central Europe’s own cultural identity and political traditions, distinct from those of the Soviet Union. The revalorization of the concept of Central Europe originated in literary studies. The international debate triggered by Milan Kundera’s 1983 essay ‘The Tragedy of Central Europe’ led to the articulation of a new political and intellectual discourse on Central Europe as a historical, cultural, and political space. As Maria Todorova has pointed out, the concept was soon adopted and redefined in academia and in political discourse, before, finally, being implemented in political practice (see, for example, the Visegrád Group as a form of Central European interstate cooperation).
Established at the same time as the Visegrád Group, CEU can be regarded as another successful outcome of the resurgence of this regional identity. The university has its roots in the anticommunist dissident spirit of the 1980s. Its ideal is to foster regional interaction and cooperation in higher education to recreate a ‘republic of letters’ in Central Europe characterized by tolerance, openness, and critical thinking. In its almost three decades of existence, CEU has emerged as a leading intellectual forum that has contributed to shaping intellectual discourses in/on the region and to fostering cooperation. It has trained a new generation of academics and experts able to contribute to the transformation of the region’s academic life. During this time, CEU has transcended, in many ways, its regional focus, and has founded new departments of mathematics and its applications, environmental studies, cognitive science, network science, as well as a School of Public Policy. At the same time, CEU has remained proud of its roots in Hungary and Central Europe, a space with a rich historical heritage and intellectual tradition.
CEU’s regional identity is best reflected in the research and teaching agendas of the Departments of History and of Medieval Studies. The two departments offer multifaceted degree programs focusing on Central Europe (in constant comparison with other historical regions of the world) from late antiquity to contemporary times, aimed at the understanding of persistent themes in the experience of these regions in a longue durée perspective. These themes include patterns of social development, cultural history, and everyday life from the Reformation through the Enlightenment to modernity; problems of modernization, backwardness, and unequal development; modern ideologies; empires and imperial structures, nationhood, and the nation-state; and varieties of authoritarianism such as fascism and communism, and their historical legacies. In order to foster a critical spirit of inquiry and high standards of verification, the empirical themes are supplemented by a solid training in comparative methodology.
Given the long history and political connotations of regional geographical denominations, the label ‘Central Europe’ necessitates certain clarifications. In our usage, it refers to the vast historical space between Germany and Russia, on the one hand, and between the Baltic and the Mediterranean, on the other. For comparative purposes, we divide this large space into three subregions: East-Central Europe, Southeastern Europe (or the Balkans), and Eastern Europe. While largely heterogeneous, this space is characterized by a distinguishable geopolitical position (in the middle of the continent), by multiple imperial legacies — related mostly to the Holy Roman Empire of German Nation, the Hungarian Kingdom, the Habsburg Empire/Austria-Hungary, and the Polish–Lithuanian Commonwealth in Central Europe; to the Byzantine and Ottoman Empires in the Balkans; and to the Russian Empire in Eastern Europe —, by a common recent communist past, and by common postcommunist challenges, marked by processes of transition from a command to a market economy, political transformations, and integration into European and Euro-Atlantic political, economic, and security organizations.
To promote their comparative research agendas, the two departments have initiated, supported, and hosted a large range of research, educational, and training activities, as well as published a number of scholarly works. In the Department of History, institutional activity in comparative history was first conducted within the framework of the CEU-HESP Comparative History Project, a four-year project (2006-10) that aimed at stimulating teaching and research on comparative history in universities in Central, Eastern, and Southeastern Europe. HESP is the acronym for the Higher Education Support Program (HESP) of the Open Society Foundations. The project organized three annual conferences and numerous workshops on comparative history, offered mobility grants to local researchers, and supported the establishment of new teaching programs on comparative history in universities in these regions. One example is a program set up at the Moldova State University in Chişinău, Republic of Moldova.
The study of the Balkans has been an integral part of our comparative explorations in regional history. The history of this complex and diverse region provides a fertile ground for testing new methodologies; its study necessitates interdisciplinary perspectives combining insights from history, oral history, political science, sociology, anthropology, law, and environmental sciences, among others. A 2006 international conference suggestively entitled ‘From the Balkans to Europe: Refocusing South-East European Studies’ aimed at countering the stigmatization of the Balkans as a realm of violence, setting the field on new comparative methodological foundations. In a further attempt to help overcome the stereotypes that still pervade the study of Balkan history, a recent editorial project coordinated by Pasts, Inc. Center for Historical Studies, CEU, entitled Battling over the Balkans. Global Questions, Local Answers, makes available, in English, excerpts from works by local historians in the Balkans. The volume concentrates on five controversial questions from the region’s pre-communist history: (1) pre-1914 Ottoman and Eastern Christian Orthodox legacies, (2) post-1918 struggles for state building, (3) European economic and cultural influence in the interwar period, (4) violence and paramilitary forces in interwar and wartime political regimes, and (5) the fate of ethnic minorities during World War II.
With specialists in fields such as Late Antique, Byzantine, Habsburg, Russian, Islamic, and Balkan studies, CEU has also striven to provide novel and original interdisciplinary perspectives on the interplay of multiple imperial legacies in the region, and to set into conversation fields that have traditionally been considered separately, such as Balkan studies, Middle East studies, and Ottoman and Turkish studies. To this end, the Department of Medieval Studies has set up a focus on Byzantine studies, with the aim of studying the political, cultural, intellectual, and religious history of the Byzantine Empire from the seventh through the fifteenth centuries, especially in relation to the Balkans, the Romanian Principalities, and the Caucasus. In addition, in 2010, CEU started a major focus in Ottoman studies by appointing two new faculty members specializing in Ottoman studies, one in the Department of History, the other in the Department of Medieval Studies. This was followed in 2016 by another appointment in Modern Turkish History. In conjunction with these appointments, CEU’s library has contributed special funds to consolidate its collection in Ottoman and Modern Turkish studies. We see Ottoman history as a large cultural umbrella providing a forum for intense dialogue and exchange across cultural, linguistic, geographic, and disciplinary boundaries. The approach of the new focus has therefore been to study, teach, and research Ottoman history in its entirety, inclusive of all the peoples and cultures that comprised the empire and its successor states. What makes us different from other programs is that we focus primarily on the Ottoman and Turkish presence in Rumeli (i.e. the Balkans), Central Europe, and the greater Mediterranean world in general. In regard to the latter, in 2010 CEU established the Center for Eastern Mediterranean Studies (CEMS), heir to the Center for Hellenic Traditions (2004/5–2009/10), with a mandate to promote the study of the eastern Mediterranean and its hinterlands, from antiquity to the end of the Ottoman period. In view of these foci, we are committed to recruiting students from Turkey and various Balkan and European countries (such as Armenia, Azerbaijan, Bulgaria, Croatia, Germany, Hungary, Romania, Russia, Serbia, and the Ukraine), as well as from the US, applying for Ottoman and Modern Turkish studies or for Balkan studies in general. We encourage our students to study not only modern Turkish and Ottoman but also modern Balkan and/or other European languages to better historicize the role of Byzantine, Ottoman, and Turkish cultures in the region. To enable comparative work, starting in 2010/11, students are able to take intensive, high-level courses in the region’s classical and modern languages within the newly created Source Language Teaching Group. The offering includes ancient and modern Greek, Latin, Arabic, Hebrew, and Ottoman, as well as Russian, Hungarian, and modern Turkish.
In addition to teaching, our efforts to integrate more firmly the region’s national histories into common European and global frameworks has fostered novel transnational research perspectives. Stemming from the tradition of comparative history and comparative politics, these frameworks promote new methodologies on ‘shared’, ‘connected’, or ‘relational’ history, legal and political transfers, and histoire croisée. These cross-historical approaches place the analytical emphasis on the multiple levels of interactions at various subnational, national, and supranational levels. The flagships of these research activities in the two departments are four major European Research Council (ERC) grants in historical studies, two of which specifically focus on the Balkans. The first ERC project, ‘Entangled Balkans’, coordinated by Prof. Roumen Daskalov, CEU and New Bulgarian University, Sofia (2009/14), sought to treat the modern history of the Balkans from a relational perspective in terms of shared and connected pasts. This innovative project has resulted in a series of four volumes entitled The Entangled History of the Balkans. It is expected that this path-breaking book series will further stimulate transnational studies on the Balkans. It might be useful to mention, in this respect, that the first two volumes are already available in Bulgarian translation. Another ERC project, entitled ‘The Fashioning of a Sunni Orthodoxy and the Entangled Histories of Confession-Building in the Ottoman Empire, 15th-17th Centuries’, (2015-2020), initiated by Tijana Krstić, investigates the evolution of confessional discourses in the Ottoman Empire in a longer perspective that spans the fifteenth and seventeenth centuries.
Another major field of research and teaching is that of contemporary history. The rich and still under-researched historical experience of the Balkans in the twentieth century—marked by massive demographic and sociopolitical transformations, attempts of large-scale social engineering under fascist and communist dictatorships, and processes of democratization and European integration—presents certain particularities that makes this area a laboratory for comparative methodologies. Until recently, the study of contemporary history has remained encapsulated in national historiographical traditions, a situation leading to academic isolation and politicization. The downfall of the communist system in 1989 and the liberalization of historical discourses, the opening up of new archival collections for scientific research, the end of the Cold War, the intensification of academic exchange, and interaction between local and foreign scholars have all challenged scholars to experiment with new transnational approaches to the study of contemporary history. Against this background, CEU’s Contemporary History Platform provides a meeting ground for comparatively minded scholars from various academic disciplines working on the history of the twentieth- and twenty-first centuries (1900 to the present) in Central, Eastern, and Southeastern Europe, within the broader frameworks of European and world history. The platform develops connections to a wide range of academic networks, such as the European Network for Contemporary History (EurhistXX), made up of research centers specializing in contemporary history.
In conclusion, over the last twenty-six years, the CEU’s Department of History and Department of Medieval Studies have emerged as leading research centers on transnational history, with a particular focus on Central, Eastern, and Southeastern Europe and the Mediterranean area. Yet our focus on historical regions, in general, and on Southeastern Europe as a particular object of research, is not simply a subject matter informed by the academic tradition of ‘area studies’. We believe that concepts of historical regions provide huge analytical potential for scholarly research; yet they should be approached never in isolation (because that might result in parochialism) but in relation to wider, indeed global, questions and concerns, and from the perspective of meaningful, up-to-date scholarly debates in various disciplines. That is why, while focusing on area studies, our research agenda and degree-writing programs increasingly emphasize the study of local, national, and regional topics in a global context. This can only be done while paying careful attention to the cultural heritage in which CEU is located. CEU’s local rootedness gives us a comparative advantage, as broader global tendencies are particular expressions of local experiences. Due to its strategic position at the ‘crossroads’ of Europe, Central Europe in general, and Hungary in particular, have always been at the forefront of political and societal changes in Europe, functioning as a bridge between East and West. Thanks to its location in Budapest, CEU has been uniquely positioned to take advantage of this cultural environment to create a place of research and learning that is truly transnational and interdisciplinary in character. We very much hope to continue our activity in our home.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 3 – Der Wiederaufbau des Harishankara Tempels

Der 1706 gestiftete Tempel des Harishankara auf dem Durbar Square in Patan ist infolge des Erdbebens von 2015 bis auf den Sockel eingestürzt. Bei der Begutachtung der Schäden wird das Ausmaß des Schadens deutlich: sogar die Fundamentschäden weisen Brüche und Risse auf, zahlreiches schmückendes Beiwerk in Form von Figuren und Ornamenten ist zerstört. Was übrig geblieben ist, wird akribisch dokumentiert und gelagert. Für das aber, was unwiederbringlich verloren ist, stellt sich für die Forscher, Architekten, Restauratoren und Handwerker nun die entscheidende Frage: Wie viel an modernen Eingriffen in die historische Bauweise ist erlaubt? Was darf wie wiederhergestellt werden? Dürfen beispielsweise zerstörte und für immer verlorene Holzfiguren neu geschnitzt werden und den Platz der alten Figur einnehmen? Westliche Vorstellungen und Konzepte zur Denkmalpflege prallen hier auf Traditionen der Einheimischen. 

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 3 – Der Wiederaufbau des Harishankara Tempels

Der 1706 gestiftete Tempel des Harishankara auf dem Durbar Square in Patan ist infolge des Erdbebens von 2015 bis auf den Sockel eingestürzt. Bei der Begutachtung der Schäden wird das Ausmaß des Schadens deutlich: sogar die Fundamentschäden weisen Brüche und Risse auf, zahlreiches schmückendes Beiwerk in Form von Figuren und Ornamenten ist zerstört. Was übrig geblieben ist, wird akribisch dokumentiert und gelagert. Für das aber, was unwiederbringlich verloren ist, stellt sich für die Forscher, Architekten, Restauratoren und Handwerker nun die entscheidende Frage: Wie viel an modernen Eingriffen in die historische Bauweise ist erlaubt? Was darf wie wiederhergestellt werden? Dürfen beispielsweise zerstörte und für immer verlorene Holzfiguren neu geschnitzt werden und den Platz der alten Figur einnehmen? Westliche Vorstellungen und Konzepte zur Denkmalpflege prallen hier auf Traditionen der Einheimischen. 

„Anpassung an kranke gesellschaftliche Verhältnisse“

Interview mit Hans-Joachim Maaz über das Phänomen der Normopathie

Von Menschen, die nicht gerade als Eremiten leben, sondern Teil einer Gruppe sein möchten, wird erwartet, dass sie sich an die Gruppe anpassen und gewisse Regeln des Zusammenlebens befolgen. Wer das tut, erntet die Anerkennung der Gruppe und erfährt ihren Schutz und ihre Solidarität. Das wiederum kann zu dem Gedanken verführen, dass besonders viel Anpassung und ein besonders folgsames Verhalten zu besonders viel Lob, Belohnung und persönlichem Glück führen könnte. Diese Rechnung geht aber nicht auf, behauptet der Psychiater und Psychoanalytiker Dr. Hans-Jürgen Maaz. Im Gegenteil, wer nach diesen Prinzipien lebe, sich übermäßig anpasse und überkonform verhalte, lebe ein falsches Leben und ist ein Normopath. Schuld daran ist aber nicht nur der derart narzisstisch veranlagte Einzelne, sondern die Gesellschaft insgesamt, die einen hohen Anpassungsdruck auf ihre Mitglieder ausübe. Wie das genau zu verstehen ist, dazu haben wir dem Autor des Buches „Das falsche Leben“ unsere Fragen gestellt.

SESSION 3: Arab Liberalism in the 1920s

Conference „The Long End of the First World War. Ruptures, Continuities and Memories“

Arab liberalism in the 1920s” was the title of Elizabeth Thompson’s (Washington) keynote in which she demonstrated how the imperial powers broke non-European nationalist ambitions at the Treaty of Versailles and during the long aftermath of the War. Thompson used the Syrian-Arab general congress of 1920 to illustrate the continuous Western suppression of Arab liberal popular movements since the nineteenth century. She stressed that the War deepened the cleavage between liberal mass movements and a corrupted elite in Arab countries. The session was chaired by Ulrike Freitag (Berlin).
Elizabeth F. Thompson

Die Welt verbessern. Augusta von Preußen und Fürst von Pückler-Muskau

Wissenschaftliche Tagung veranstaltet von der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Schloss und Park Branitz und dem Research Center Sanssouci (RECS) vom 28.-30. September 2017

Königin Augusta von Preußen und Fürst Hermann von Pückler-Muskau einte der Wunsch, durch Taten und Gedanken etwas im Leben der Menschen zu verändern: deren Ansichten, Blickwinkel und Haltungen, deren Standpunkte und Verhältnisse. Das Leben könne besser, zumindest aber schöner und lebenswerter werden, wenn man sich den Strömungen der Zeit gegenüber aufgeschlossen zeige, wenn man Neues und Anderes ausprobiere, man Ungewöhnliches zulasse – im politischen Leben eine liberalere Verfassung zum Beispiel. Davon waren beide überzeugt. Es waren solche, für die Zeit die Zeit des 19. Jahrhunderts weltbürgerliche, „moderne“ Ansichten, mit denen beide in ihrem konservativen, engstirnigen Umfeld schnell aneckten.Weil die Königin und der Fürst in ihrem Innern auch sehr von sich überzeugt und manchmal etwas eitel waren, galten sie bei Vielen als naiv oder gar als Phantasten.
Die (politischen) Persönlichkeiten Pücklers und Augustas vorzustellen, ihre Ideen zu erörtern und Möglichkeiten auszuloten, verbessernde Vorstellungen in ihrem Umkreis nicht nur einzubringen, sondern teilweise auch selbst durchzusetzen, sind die Ziele dieser Tagung. Denn möchte man sich ein vollständiges Bild beider machen, ist es nötig, die als bedeutende Persönlichkeit der Hohenzollern zu Unrecht vielfach vernachlässigte Königin und den jenseits seiner Gartenschöpfungen heute meist nur als „Dandy“, „Lebemann“ oder „Exot“ dargestellten Fürsten in den Mittelpunkt der Betrachtung zu stellen. Angerundet wird die Tagung mit einer Führung durch die Ausstellung in Branitz und einer Exkursion zur Ausstellung in Babelsberg.
Die Tagung ist Teil des Rahmenprogramms der Ausstellungen Pückler.Babelsberg – Der grüne Fürst und die Kaiserin der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg und Augusta von Preußen. Die Königin zu Gast in Branitz der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz.
Um Anmeldung bis zum 03. September 2017 unter info@pueckler-museum.de wird gebeten.
Tagungsort: Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz Besucherzentrum auf dem Gutshof Robinienweg 5, 03042 Cottbus
Die Veranstaltung wird fotografisch und filmisch begleitet. Die Teilnehmenden erklären mit der Anmeldung ihr Einverständnis, dass die Veranstalter das vor, während oder nach der Veranstaltung entstandene Foto- und Filmmaterial für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie zur Dokumentation nutzen dürfen.
 

Monetary Games, Big Data and Mereological Magic Gambling, Speculation and Numerology in an Age of Uncertainty

Bericht zum Workshop von Christoph Lange & Dr. Mario Schmidt

Vor dem Hintergrund unserer Forschungsschwerpunkte und Einzelprojekte in der Nachwuchsforschungsgruppe „Transformations of Life“ im Research Lab der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, die sich mit Praktiken des Umgangs und der ‚Bewältigung’ von Unsicherheit und Risiko beschäftigen, haben wir am 07. und 08. November 2016 führende internationale Wissenschaftlerinnen (1) zu einem Workshop an die Universität zu Köln eingeladen, um mit ihnen gemeinsam analytische und strukturelle Ähnlichkeiten zwischen divinatorischen Praktiken, Finanzspekulation und dem oftmals pathologisiertem Glücksspiel aufzudecken und zu diskutieren.

Über Revolution und Reformation in der Musik

Salon Sophie Charlotte 2017

Beim Thema Revolution und Reformation in der Musik schwingen zwei Deutungsebenen mit, auf denen sich jeweils aus unterschiedlicher Perspektive über das Thema diskutieren lässt: die Musik selbst, bei der Instrumente, Theorien und Arrangements revolutionäre und reformatorische Veränderungen haben, oder die Musik als Resonanzkörper für politische Revolutionen und gesellschaftliche Reformen. Der Sprach- und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Ernst Osterkamp diskutiert beide Aspekte mit der Dramaturgin Nike Wagner und dem Musikritiker Gerhard R. Koch.

The CEU History Department. A Brief Overview – Alfred J. Rieber

Academic Freedom in Danger. Fact Files on the „CEU Affair“ (Südosteuropa 65 „Spotlight“)

From the founding of CEU in 1991, the distinguished Hungarian historian Péter Hanák brought together a very strong permanent faculty of Hungarian historians supplemented by visiting professors representing both the international state of the art in the theories and methods of historical studies and the histories of several neighboring countries, including Russia. The mission was to assist in the democratic transition of these states and societies. I, an American, succeeded Hanák and expanded this tradition to broaden the international profile of the department by adding visiting professors from Romania, Ukraine, Croatia, Bulgaria, and Poland. The two guiding ideas here were to have the faculty reflect more closely the composition of the student body and to promote the recruitment of students from these countries. Initially, the main intellectual challenge facing the department was to design a curriculum at the master’s level that would introduce the students to a critical and pluralistic approach to history and counter the tendency, beginning to gather strength in educational institutions throughout the region, to replace one set of dogmas (based on Marxism-Leninism) with another set (rooted in a nationalist narrative). With these guiding principles in mind, a one-year MA program in Central European History was launched and approved by the New York State accreditation authorities beginning in 1992/93.
It soon became apparent to the members of the department that the process of building a representative international faculty and a well-integrated curriculum had reached a point where it was possible to plan for a doctoral program. The resources of the library had also been greatly expanded with substantial book donations by several American historians of Russian and European history and by the library of Radio Free Europe/Radio Liberty, as well as with the more recent donation of archival collections by the Open Society Institute. In designing a doctoral program that would meet the standards for an American accreditation, it was decided to present a unique formula based on the department’s unusual combination of human and material resources. This was the basis for the PhD in the Comparative History of Central, Eastern and Southeastern Europe. In 1996, with the approval of the rector, the department invited a team of three American external reviewers to evaluate its newly designed doctoral program. Following a favorable review, the department’s doctoral program was accredited by the Board of Regents of the University of the State of New York, the first doctoral degree to be approved at CEU. In keeping with the belief that the teaching of history should not be confined to the narrow parameters of a nationalist outlook, courses were designed along thematic lines. All entering MA students were required to take a course in historiography that provided an introduction to historical methods but that also served as a socializing experience. The committee for the defense of the master’s thesis is now composed of the supervisor, second reader, and a member external to the department. All doctoral candidates are required to take a course in the literature of comparative studies, including readings in the social sciences, privileging the interdisciplinary approach. In keeping with the criteria for accreditation as an American degree, the history department’s PhD program requires the entering student to have completed a master’s degree and then, after a year’s course work, to pass an oral examination on two comparative fields before being formally admitted to the doctoral program. The doctoral exam is organized around a set of comparative themes in two of the three regional areas designed by the student in consultation with an advisor, a dissertation proposal, and a preliminary bibliography. In accord with our inter-institutional as well as international outlook, we have drawn on the services of faculty from universities in Hungary and numerous other European, and occasionally overseas, universities to serve on our examination committees for both the MA and PhD.
From the early years, the department began to invent a number of traditions to enhance what was already a growing spirit of collegiality among the students. The first of these was the Hanák Prize for the best master’s essay, judged by three professors none of whose students had been nominated, and awarded at the end-of-term departmental graduation dinner. Another was the trip to visit the museums in Vienna led by our art historian. More recently, an annual spring walking tour in the Buda hills has been inaugurated on the initiative of our staff.
In response to the changing international environment and composition of the faculty, a growing sentiment, encouraged by the central administration, developed on the need to introduce a more global perspective. During the early 2000s, geographic horizons widened to embrace the Mediterranean and the Middle East. In 2014 the department decided to change the name of the master’s degree program simply to Comparative History. This signified a movement away from an exclusively area studies focus to a more general thematic organization of both graduate degrees within the department. Combining historical themes with explorations of up-to-date approaches aimed at highlighting more universal implications and refining the approaches themselves. As part of the university’s innovative initiatives, specialized thematic studies were introduced including Political Thought, Science Studies, the Center for Religious Studies, and the Jewish Studies Program, as well as Archives and Evidentiary Practices. At the same time, a fourth area, the Eastern Mediterranean, was added to the three original regional areas in the doctoral program. The special programs award their own advanced certificate together with the MA degree. They also sponsor their own lecture series. In addition, there are three focus areas, growing out of the university’s initiative in the humanities program: Early Modern History, Labor History, and Russian, Ukrainian, and Eurasian History, each of which features strong teaching and research. The object of all these programs is to offer students a wide range of flexible approaches to the study of history, facilitating cross-departmental cooperation while retaining thematically coherent courses of study.
Further enhancing institutional cooperation, the history department, under the leadership of Laszlo Kontler, in cooperation with the Medieval Studies Department, established in 2005 a Doctoral School in History designed to meet all the PhD requirements of a Hungarian PhD. This means that students who choose to fulfill additional academic criteria set by the Hungarian Accreditation Committee can obtain a second, Hungarian PhD. Along with the Hungarian accredited PhD in economics, the Hungarian accredited PhD in history enabled CEU to acquire legal status as a Hungarian university. Three years later, the Departments of History and Medieval Studies again cooperated to introduce a two-year Master’s Degree in Comparative History to coincide with the reduction from four to three years of the BA in EU universities. This program was also subsequently registered with the New York Board of Regents and the Hungarian Accreditation Committee.
The history department has continued to multiply its cooperative relations with other universities in Europe and North America through a variety of programs, including the Erasmus Program for two-year master’s and doctoral candidates, individual exchanges with Purdue University, Princeton University, and Bard College in the United States, and as part of an international consortium of universities at Florence, Vienna, Regensburg, and Münster. Through a web of personal and institutional ties—conferences, research projects, mutual participation on dissertation committees, etc.—with all major sites of training and research in historical studies, whether based at the Academy of Sciences or universities, the department is deeply integrated into the historical profession in its Hungarian homeland.
As an important part of the department’s research agenda, Pasts, Inc. Center for Historical Studies organizes research seminars and conferences and grants fellowships to support innovative projects by emerging scholars. It also sponsors the journal East Central Europe. Three members of the department have inaugurated and formed the editorial board of a series of monograph publications by CEU Press under the title ‘Historical Studies of Eastern Europe and Eurasia’. The department also hosts one of the three editorial offices (the other two are based at the University of Manchester and the European University Institute in Florence) of the European Review of History / Revue d’histoire européenne.
Let me conclude on a personal note. Coming from teaching for twenty-five years in the United States, I was struck from the outset of my tenure here, as many of our permanent and visiting faculty have been, by the mutual respect and noncompetitive, friendly yet highly serious demeanor of our students. No matter how controversial the subject under discussion, ranging from religious conflicts to the nature of repressive regimes, war and other human disasters that, in many cases, had directly affected their families, students engaged in few, if any, recriminations, denunciations, or harsh exchanges in classroom discussion and debates; I observed none in my twenty years at CEU. Rather, there was an overwhelming desire to understand the roots of the controversies that had so divided, and more often ripped apart, the societies from which they came. It was for me and others (including outside visiting lecturers and examiners) as well, a lesson in tolerance that could be well emulated in other national or international institutions in our time.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 2 – Ritual bestimmt das Leben

Die nepalesische Gesellschaft ist vor allem eine Ritualgesellschaft. So beginnt für die Newars, die größte Ethnie im Kathmandutal, jeder Tag mit der Verehrung der Götter der Nachbarschaft und der Besänftigung von Geistern. Die Versorgung der Ahnen mit Nahrung und Wasser gehört dabei zu einem ihrer wichtigsten Rituale. Auch beim Wiederaufbaufbau der durch das Erdbeben im Kathmandutal zerstörten Tempel kommt Ritualen eine wesentliche Rolle zu. Unter anderem werden die Werkzeuge, die bei den Restaurierungsmaßnahmen zum Einsatz kommen sollen, mit dem Blut einer geopferten Ziege geweiht. Die Weihung der Werkzeuge und im Anschluss daran auch der Handwerker ist eingebunden in ein großes Volksfest.

„Visuelle Auseinandersetzung mit Grenzverschiebungen“

Interview mit Kerstin Borchhardt über Mischwesen und Monster in der Kunst

Kentauren, Satyrn und Sirenen, alles Mischwesen aus Mensch und Tier, bevölkerten die Vorstellungswelt der Menschen in der Antike. Heute würde man an diese Hybridwesen wahrscheinlich als Monster bezeichnen, ohne dass das zwangsläufig pejorativ gemeint wäre. Denn auch in Sujets der Moderne und Postmoderne taucht das Motiv des Anthropomorphen in den verschiedenensten Ausprägungen wieder auf. Die Kunsthistorikerin Dr. Kerstin Borchhardt hat im Rahmen ihrer Dissertationsarbeit den Umgang mit exzentrische Mischwesen im Werk des Schweizer Malers Arnold Böcklin erforscht. Wie hat der Künstler des 19. Jahrhunderts Tritone, Pane und andere „Monster“ motivgeschichtlich verarbeitet und die Diskurse seiner Zeit darin ausgedrückt? Diese und weitere Fragen haben wir ihr zu ihrem Buch „Böcklins Bestiarium“ gestellt.

Der Körper erinnert sich: Zum Leibgedächtnis bewaffneter Konflikte

Prof. Dr. Teresa Koloma Beck (München) im Rahmen der Ringvorlesung „Politische Gewalt im 21. Jahrhundert“

Wie werden Kriege erinnert? Und welche politischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ergeben sich daraus? Im 20. Jahrhundert sind solche Fragen zum festen Repertoire der Politik in Nachkriegsgesellschaften geworden. Dabei werden Erinnern und Gedächtnis in der Regel als mentale oder kognitive Vorgänge verstanden, als Prozesse, die der Sphäre des Geistes angehören. Jedoch wirken Kriege nicht nur auf Bewusstsein. Sie wirken auch auf Körper. Denn das entscheidende Merkmal bewaffneter Konflikte ist die Präsenz physischer Gewalt, die auf Körper zielt und Körper trifft. So produzieren bewaffnete Konflikte nicht nur mentale Erinnerungen, sondern schreiben sich über wiederholte Gewalterfahrungen auch in das leibliche Gedächtnis ein. Der Vortrag diskutiert diese Dynamiken und deren politische und soziale Implikationen vor dem Hintergrund ethnographischer Studien in Angola, Mosambik und Afghanistan. Dabei greift er auf Theoriefiguren aus Phänomenologie und Pragmatismus zurück.

Nicht alle Wege führen nach Rom. Wissenschaftsmanagement als Karriereoption, auch in den Kulturwissenschaften?

Ein Veranstaltungsbericht

Die steigende Relevanz von Drittmittelprojekten, die (auch in Folge der Bologna-Reform) stetig wachsende Bürokratisierung sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb und zwischen den Universitäten hat in den vergangenen Jahren das Thema Wissenschaftsmanagement an inner- wie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung gewinnen lassen. Doch dessen ungeachtet kommuniziert das akademische Umfeld dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Karriereoption im Wissenschaftsmanagement oft immer noch als second best. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist der third space zwischen Verwaltung und Wissenschaft chronisch unterrepräsentiert. Dies hat zur Folge, dass die vielseitigen, häufig nicht eindeutig dem einen oder anderen Bereich zuzuordnenden Tätigkeitsfelder und die notwendigen Zugangsvoraussetzungen für potentielle Interessent/ innen nur schwer zu überschauen sind.
Dieses Defizit an Information, Differenzierung und Anerkennung war Anlass für eine am 26. Juni 2017 an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) durch-geführte Informations- und Diskussionsveranstaltung. Die Fokussierung auf Kulturwissenschaften trug dem Umstand Rechnung, dass das Studium der Kultur- und Geisteswissenschaften zwar ein breites, deutlich über die fachlichen Inhalte hinausreichendes Spektrum an Fähig- und Fertigkeiten vermittelt, den Absolvent/innen jedoch die Karrierewege außerhalb der Wissenschaft häufig nur in Ansätzen bewusst sind. Ziel der Veranstaltung war es somit, nicht nur ein differenzierteres Bild des Wissenschaftsmanagements und dessen Zugangsmöglichkeiten zu skizzieren, sondern auch, dem akademischen Nachwuchs eine Karriereoption mit Zukunftspotential vorzustellen. Dass es sich hierbei um ein echtes Desiderat handelt, bestätigten auch die zahlreichen Teilnehmer/innen (64 Anmeldungen, von Bachelorabsolvent/innen bis PostDocs), die aus unterschiedlichen Fächern, Einrichtungen und Städten nach Mainz kamen.

Nicht alle Wege führen nach Rom. Wissenschaftsmanagement als Karriereoption, auch in den Kulturwissenschaften?

Ein Veranstaltungsbericht

Die steigende Relevanz von Drittmittelprojekten, die (auch in Folge der Bologna-Reform) stetig wachsende Bürokratisierung sowie der zunehmende Wettbewerbsdruck innerhalb und zwischen den Universitäten hat in den vergangenen Jahren das Thema Wissenschaftsmanagement an inner- wie an außeruniversitären Forschungseinrichtungen zunehmend an Bedeutung gewinnen lassen. Doch dessen ungeachtet kommuniziert das akademische Umfeld dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine Karriereoption im Wissenschaftsmanagement oft immer noch als second best. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung ist der third space zwischen Verwaltung und Wissenschaft chronisch unterrepräsentiert. Dies hat zur Folge, dass die vielseitigen, häufig nicht eindeutig dem einen oder anderen Bereich zuzuordnenden Tätigkeitsfelder und die notwendigen Zugangsvoraussetzungen für potentielle Interessent/ innen nur schwer zu überschauen sind.
Dieses Defizit an Information, Differenzierung und Anerkennung war Anlass für eine am 26. Juni 2017 an der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) durch-geführte Informations- und Diskussionsveranstaltung. Die Fokussierung auf Kulturwissenschaften trug dem Umstand Rechnung, dass das Studium der Kultur- und Geisteswissenschaften zwar ein breites, deutlich über die fachlichen Inhalte hinausreichendes Spektrum an Fähig- und Fertigkeiten vermittelt, den Absolvent/innen jedoch die Karrierewege außerhalb der Wissenschaft häufig nur in Ansätzen bewusst sind. Ziel der Veranstaltung war es somit, nicht nur ein differenzierteres Bild des Wissenschaftsmanagements und dessen Zugangsmöglichkeiten zu skizzieren, sondern auch, dem akademischen Nachwuchs eine Karriereoption mit Zukunftspotential vorzustellen. Dass es sich hierbei um ein echtes Desiderat handelt, bestätigten auch die zahlreichen Teilnehmer/innen (64 Anmeldungen, von Bachelorabsolvent/innen bis PostDocs), die aus unterschiedlichen Fächern, Einrichtungen und Städten nach Mainz kamen.

„Der Reformator Martin Luther 2017“

Band 92 der Schriftenreihe des Historischen Kollegs jetzt auch als Paperback

Pünktlich zum diesjährigen Reformationsjubiläum hat der Verlag De Gruyter/Oldenbourg den in der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ als Hardcover publizierten Band „Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ in einer kostengünstigen Paperback-Ausgabe herausgebracht. 16 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen darin ihre Forschungsergebnisse zum Reformator und zu dessen 500-jähriger Rezeptionsgeschichte vor. Das Werk geht auf eine Tagung zurück, die der bekannte Frühneuzeithistoriker und Luther-Biograf Heinz Schilling im Historischen Kolleg abgehalten hat.
Nach den Worten Schillings vollzieht der Band in doppelter Hinsicht eine radikale Historisierung: „Zum einen stellt er das Fremde des Reformationsjahrhunderts und die im Vergleich zu heute anderen Bedingungen des Denkens und Handelns Luthers und seiner Zeitgenossen heraus. Zum anderen versucht er, eine 500-jährige Rezeptionsgeschichte in archäologischen Schichten abzutragen, um zu Luther vorzustoßen, aber auch um die weltgeschichtlichen Auswirkungen zu verstehen.“ Damit, so der Herausgeber, trage das Buch dazu bei, die öffentliche Diskussion über die Reformation und deren Folgen auf eine geschichtswissenschaftliche Grundlage zu stellen.
„Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ ist als Band 92 der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ im Verlag De Gruyter/Oldenbourg erschienen. Eine Übersicht über die gesamte Reihe sowie zahlreiche Bände als pdf-Datei zum kostenlosen Herunterladen und Durchsuchen finden sich auf der Homepage des Historischen Kollegs.
Heinz Schilling (Hg.): Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme. Berlin/Boston 2017, XVII, 309 S., ISBN 978-3-11-055499-1, 19,95 €

„Der Reformator Martin Luther 2017“

Band 92 der Schriftenreihe des Historischen Kollegs jetzt auch als Paperback

Pünktlich zum diesjährigen Reformationsjubiläum hat der Verlag De Gruyter/Oldenbourg den in der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ als Hardcover publizierten Band „Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ in einer kostengünstigen Paperback-Ausgabe herausgebracht. 16 renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen darin ihre Forschungsergebnisse zum Reformator und zu dessen 500-jähriger Rezeptionsgeschichte vor. Das Werk geht auf eine Tagung zurück, die der bekannte Frühneuzeithistoriker und Luther-Biograf Heinz Schilling im Historischen Kolleg abgehalten hat.
Nach den Worten Schillings vollzieht der Band in doppelter Hinsicht eine radikale Historisierung: „Zum einen stellt er das Fremde des Reformationsjahrhunderts und die im Vergleich zu heute anderen Bedingungen des Denkens und Handelns Luthers und seiner Zeitgenossen heraus. Zum anderen versucht er, eine 500-jährige Rezeptionsgeschichte in archäologischen Schichten abzutragen, um zu Luther vorzustoßen, aber auch um die weltgeschichtlichen Auswirkungen zu verstehen.“ Damit, so der Herausgeber, trage das Buch dazu bei, die öffentliche Diskussion über die Reformation und deren Folgen auf eine geschichtswissenschaftliche Grundlage zu stellen.
„Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme“ ist als Band 92 der Reihe „Schriften des Historischen Kollegs. Kolloquien“ im Verlag De Gruyter/Oldenbourg erschienen. Eine Übersicht über die gesamte Reihe sowie zahlreiche Bände als pdf-Datei zum kostenlosen Herunterladen und Durchsuchen finden sich auf der Homepage des Historischen Kollegs.
Heinz Schilling (Hg.): Der Reformator Martin Luther 2017. Eine wissenschaftliche und gedenkpolitische Bestandsaufnahme. Berlin/Boston 2017, XVII, 309 S., ISBN 978-3-11-055499-1, 19,95 €

Zwischen Geschichtlichkeit und Schöpfungsmacht: Die Cologne Summer School of Interdisciplinary Anthropology

The Phenomenality of Material Things: Praxis – Genesis – Cognition

Der zweite Teil der dreijährigen Cologne Summer School of Interdisciplinary Anthropology The Phenomenality of Material Things: Praxis – Genesis – Cognition fokussierte im September 2016 die genetische Perspektive auf die Materialität von Dingen und ihre Wechselwirkung auf Kultur, Geschichte und Denken. Organisiert wurde sie vom Research Lab der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne in Kooperation mit dem Internationalen Kolleg Morphomata und dem Collaborative Research Centre 806 „Our Way to Europe“.

„Das Ende der liberalen Ordnung? Zentral-, Ost- und Südosteuropäischer Populismus im Vergleich“

Podiumsdiskussion am 2. Juni 2017 anlässlich der vierten Jahrestagung der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien „The End of the Liberal Order. Central, East and Southeast European Populism in Comparative Perspective“

Marie-Janine Calic, Professorin für Ost- und Südosteuropäische Geschichte, diskutiert mit Andreas Ernst (Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung ), Gregor Mayer (Korrespondent von Profil, Standard und dpa) und Boris Schumatsky (Schriftsteller und Publizist) über Populismen unter anderem in Ungarn, Serbien und Russland.

The Political Context – Balázs Trencsényi

Academic Freedom in Danger. Fact Files on the „CEU Affair“ (Südosteuropa 65 „Spotlight“)

The situation escalated after 4 April 2017, when the Hungarian Parliament reduced the parliamentary debate to a three-hour plenary discussion and passed an amendment to the higher education act that undermines the continuing operation of CEU in the country—all without any previous consultation otherwise required by the law, not even with the Hungarian Academy of Sciences. The amended law requires CEU, among other items, to build a campus in the United States and conditions its further operation on an agreement between the US Federal Government and the Government of Hungary, disregarding the fact that accreditation issues are the competence of the individual states, in this case the state of New York, whose educational authorities had accredited CEU’s degree programs.
The passing of the law took place amidst an extensive defamatory campaign against CEU, and specifically its founder, George Soros, by the government, unfoundedly charging it with fraud, illegitimate privileges earned via corruption and pressure, violations of the law, and so on. CEU forcefully rejected these charges and seeks legal remedies, including the amendment’s annulment through the review of the Constitutional Court—a procedure whose outcome, despite sound legal arguments, is unpredictable. The situation is aggravated by further specifications in the law that leave practically no time for negotiation and stipulate that unless each requirement is fulfilled, the university will not be able to admit new students into its programs after 1 January 2018.
The government’s thinly veiled motivation is CEU’s firm adherence to the values of critical thinking and the indispensability of sound reflexive knowledge in society, which the government perceives as threatening its determination to transform Hungary into an ‘illiberal democracy’. The fierceness of the attack on CEU, and the intensity of a concomitant anti-EU and xenophobic ideological campaign that seeks to turn Hungary into the pioneer of a break with the liberal-democratic political consensus that has characterized the post-1945 dynamic of Western European politics, came as a surprise to many observers who perceived Viktor Orbán as a pragmatic and cynical power-maximizer devoid of strong ideological commitments. However, taken from a more longitudinal perspective, it is interesting to note that the idea of the break with the liberal-democratic consensus had been first launched by Orbán as an ideological weapon of self-defense back in 2011. In the context of the debates in the European Parliament following the controversial media law and the acceptance of a new ‘Basic Law’, Orbán was confronted with the vocal disapproval of socialist, liberal, and green MEPs, with the most fiery criticism being formulated by Daniel Cohn-Bendit. In response, Orbán started to talk about a fundamental cleavage between him and his critics and claimed to represent the ‘forgotten Europe’ of Christianity, family values, and national pride, which was undermined by the Western 68-ers as much as by East European communists. Supported by similar arguments formulated by the chief ideologist of the regime—the director of the House of Terror, Mária Schmidt—Orbán has stressed that the cultural hegemony the ‘new Left’ achieved in 1968 made the articulation of a truly rightist ideological position impossible in the West, while in Hungary (and Eastern Europe in general) the communist ‘old Left’ had no legitimacy whatsoever and thus the Right could be more ideologically self-confident. While this argument is rather inaccurate historically, it somewhat unexpectedly struck a soft chord with some of the Western European conservatives, who would have hardly subscribed to an open attack on their own domestic left-wing and liberal political competitors in these terms but projected some of their existing frustrations on Orbán’s ideological struggle, turning him into a champion of unconventional right-wing solutions—perhaps somewhat too crude, but doubtlessly efficient, corresponding to the ‘lower’ level of political culture in the East.
This aura became all the more powerful in 2015, when the escalation of the refugee crisis, to which the Orbán government contributed substantially by first blocking the borders of the country, nearly causing a humanitarian catastrophe, and then overnight forcing all the refugees out of the country, effectively placed all of the burden on Austria and Germany. The heavy-handed measures of purging the country of asylum seekers divided the Western European public as well, and turned the Hungarian leader into the hero of those political forces that saw the solution of the refugee crisis in building symbolic and actual walls. This was the moment when the Bavarian prime minister, Horst Seehofer, demonstratively invited Orbán to Munich in order to signal his profound disagreement with Angela Merkel’s policies. Concomitantly, the crisis and the xenophobic campaign orchestrated by Hungarian state media restored the popularity of Orbán and his party among the Hungarian voters. Especially after the 2014 elections, where, due to the redesigned electoral system allowing gerrymandering and making the system even more disproportionally majoritarian, FIDESZ won 66% of the seats with a mere 44% of the votes, Hungarians had become increasingly disaffected by the endemic corruption, especially visible in the use of European structural funds, captured by a handful of oligarchs personally related to the leader.
With the successful demolition of domestic checks and balances tolerated and sometimes tacitly assisted by European institutions, as well as by Western European governments, Orbán became increasingly convinced of his own pioneering role in establishing a ‘new world order’ of self-enclosed and ethnically pure nation-states (a modernized version of Johann Gottlieb Fichte’s Geschlossener Handelsstaat), eliminating the universalist references to human rights and democratic representation, and allowing instead for the proliferation of oligarchic and hybrid authoritarian regimes, allegedly fitting the ‘national character’ of the respective country. Orbán was rather vocal about his aspirations already in the famous Tusványos speech of summer 2014, where he described his policies with the concept of ‘illiberal democracy’ and sketched out his program of building a ‘state based not on welfare, but on work’. But all of this had a completely new twist in autumn 2016, when a series of global developments seemed to signal a global turn towards ethnopopulism and anti-liberalism, especially Brexit and the election of Donald J. Trump, but also the rise of several right-wing populist parties in Europe such as the Alternative for Germany (Alternative für Deutschland, AfD), the Freedom Party of Austria (Freiheitliche Partei Österreichs, FPÖ), and Marine Le Pen’s National Front (Front national, FN) in France.
It is not by chance that Orbán was among the first political leaders to enthusiastically greet Donald Trump’s election in the United States, after he had already expressed his support for him during the electoral campaign. He stated, rather paradoxically, to have received the ‘gift’ from a higher instance to finally act as a sovereign country, which obviously implied that from now on the US authorities would not monitor the state of human rights and press freedom in Hungary, thus allowing Orbán’s government to proceed with shaping the country to his own liking. From then on, the developments escalated, and the propaganda campaign sustained by the ever-expanding state-owned and state-supported media positioned Orbán as the third key figure of the global transformation, alongside Vladimir Putin and Donald Trump. The flagship of the campaign is the popular news website, Origo, which the Hungarian branch of Deutsche Telekom recently sold to a company close to the government circles; the deal was facilitated by the promise of an exclusive contract of every Hungarian state servant with this mobile network operator.  While the details of the discussion remain uncertain, and perhaps will never see the light of day, the attack on CEU came less than two months after Putin’s visit to Hungary and also coincided with the intensification of the Russian government’s campaign against George Soros through the various domestic and international media outlets controlled by the Russian secret services. This Russian campaign included the emergence of a mysterious ‘STOP Soros’ movement in Macedonia, the country that, incidentally, hosted most of the anti-Clinton post-factual internet sites and servers seeking to influence the US elections. This movement supported the nationalist former prime minister Nikola Gruevski, a strategic ally of Putin. Importantly, the campaign used the emails of the Brussels office of the Open Society Foundation that had been hacked in summer 2016 by the same hacker team that hacked the US Democrats’ internal correspondence. It is perhaps also not accidental that two weeks before the legislative attack against CEU, a Russian undercover TV crew sneaked into CEU and prepared a widely transmitted reportage with the assistance of Hungarian politicians, ‘unveiling’ a ‘conspiracy’ orchestrated by Soros that allegedly used NGOs to topple nationally oriented governments and impose his cosmopolitan values on the world.
All of this international entanglement points to the need to place CEU’s case into a global context. The attack on CEU weaves together a complex web of antiliberal and neo-authoritarian political forces and ideological streams. This leads the authors of this thematic block to believe that, apart from the fate of one particular institution, the case is symptomatic for the general predicament of the academic sector at the beginning of the twenty-first century. Even more broadly conceived, it leads to questions of freedom of thinking and expression, as well as civil liberty and the rule of law. This is particularly the case because the attack against CEU coincided with a number of other highly alarming instances of an authoritarian crackdown on academics and universities, including the current campaign against academics in Turkey and the attack on the European University of St. Petersburg. CEU has become a symbol of academic freedom, and the politically motivated legislative attack on an independent institution of higher education—especially because it takes place in a member state of the European Union—has provoked unexpectedly wide support and solidarity: from the president of Germany, Frank-Walter Steinmeier; from the members of the European Commission and the European Parliament; from the president of Academia Europaea; from eighteen Nobel Prize winners, including Mario Vargas Llosa and Orhan Pamuk; from the Regius Professors of Oxford and Cambridge; from the president of the Hungarian Academy of Sciences; from the presidents of leading US universities such as Berkeley, Harvard, Duke, NYU, and Princeton; and from tens of thousands of other individuals and institutions.
In the articles following this introduction, however, rather than analyzing the developments in depth, which would require much more space, and also a thorough engagement with the burgeoning interpretative literature on the authoritarian turn in Hungary after 2010, we provide an overview of some features of the specific research and educational milieu of CEU and its contribution to a new vision of the history of Central and Southeast Europe. While it would be an exaggeration to claim that the attack came exactly because of the emphatically transnational perspective of history developed by CEU, it is nevertheless true that the campaign orchestrated by the government targeted the very essence of the educational process at CEU, namely its transnational embeddedness conducive to a rational and scholarly approach to historical, social, economic, and philosophical problems devoid of any national bias.

Nepal – Zerbrechliches Erbe: Episode 1 – Das Erdbeben von 2015

Das Nepal-Erdbeben im April 2015 kam nicht überraschend. Entsprechend wurden Vorsorgungen getroffen, aber die Präventionsmaßnahmen reichten am Ende nicht aus. Was überraschte, war die verheerende Intensität der Erdstöße, so dass es zu einer Katastrophe mit vielen Opfern und gewaltigen Zerstörungen kam. Betroffen von den Zerstörungen waren nicht zuletzt die bedeutenen Tempel des Landes. Mit Unterstützung der Gerda Henkel Stiftung werden einige der historischen Heiligtümer nun wieder aufgebaut und restauriert, darunter beispielsweise der Harishankara-Tempel in Patan. Die Rekonstruktionsarbeiten finden in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne statt. Was gilt es zu erhalten und was muss mit neuen Methoden dauerhaft gesichert werden? Die einheimischen Architekten sehen westliche Kulturerhaltskonzepte kritisch und berufen sich auf ihre Bautraditionen.

„Die Offenheit, eine unfertige Gemeinschaft zu sein“

Interview mit Julia Schulze Wessel über Flüchtlinge in Grenzregimen

Das europäische Migrationssystem ist im Verlauf der großen Fluchtbewegungen aus den Kriegs- und Krisengebieten in Nordafrika sowie dem Mittleren und Nahen Osten nicht nur unter Druck geraten, sondern hat insgesamt versagt. Aufgrund der als massiv empfundenen Zuwanderung und den dadurch ausgelösten Katastrophenimaginationen sahen die europäischen Staaten sich veranlasst, ihre Grenzregime auszubauen und deutlich zu verschärfen. Mit der Folge, dass sich für Flüchtlinge diese neu geschaffenen Grenzräume zu dauerhaften Aufenthaltsräumen verfestigt haben, verbunden mit oftmals unklarem rechtlichen und politischen Status. Die daraus entstehenden Konflikte und Herausforderungen für die europäischen Staaten sind nach wie vor ungelöst. Die Historikerin PD Dr. Julia Schulze Wessel von der Technischen Universität Dresden hat die Grenzsituation von Flüchtlingen im gegenwärtigen Europa unter besonderer Berücksichtigung der Reflektionen von Hannah Arendt und Giorgio Agamben untersucht und darüber ein Buch geschrieben. Wir haben ihr dazu unsere Fragen gestellt.

SESSION 2: New Fault Lines, New Wars

Conference „The Long End of the First World War. Ruptures, Continuities and Memories“

In session II of the Herrenhausen Symposium on „The Long End of the First World War“ which took place in Hanover, Germany, from May 8-10, 2017, entitled ‘New fault lines, new wars’, Yang Biao (Shanghai) discussed history wars in East Asia from the perspective of hardly reconcilable accounts of these wars in Chinese and Japanese history textbooks. Dan Tamir (Be’er Scheva) looked at the First World War as a turning point in the history of energy, stressing the development of oil-driven wars. Felix Brahm (London) examined how the difficult disarmament processes of African soldiers politically and culturally affected local communities and fueled British anxieties concerning armed African resistance. The session was chaired by Michael Provence (San Diego).
Yang Biao | East Asian History Wars as a Legacy of the First World War

Jahresbericht 2015/2016 des Historischen Kollegs erschienen

Der Bericht über das 36. Kollegjahr ist erschienen. Auf 24 Seiten lässt das Historische Kolleg die Ereignisse des Jahres 2015/2016 Revue passieren. Neben Informationen zu den Fellows und zu dem im November 2016 an Karl Schlögel verliehenen Preis des Historischen Kollegs gibt die Publikation Auskunft über Tätigkeiten, Veranstaltungen, Berufungen, Auszeichnungen, Publikationen, Finanzierung, personelle Veränderungen und Kooperationen der Einrichtung. Zudem gewährt Dr. Korinna Schönhärl, Förderstipendiatin im Kollegjahr 2016/2017, in einem Interview Einblicke in ihr Forschungsprojekt („Finanziers in Sehnsuchtsräumen. Europäische Banken und Griechenland im 19. Jahrhundert“), berichtet von ihren persönlichen Erlebnissen am Historischen Kolleg und erläutert, was sich in der Wissenschaft in Zukunft tun muss, damit mehr junge Eltern eine akademische Karriere anstreben. Der reich bebilderte Jahresbericht ist – wie alle Berichte seit 2002 – auf der Homepage des Historischen Kollegs zum kostenlosen Download abrufbar.

Visual Iconicity in the Light of Media Modalities

Lars Elleström (Komparatistik, Linnaeus University) zum a.r.t.e.s. forum 2016

Das a.r.t.e.s. forum ist die interdisziplinäre Jahrestagung der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland einlädt, aus ihrer jeweiligen disziplinären Perspektive zum Tagungsthema Bezug zu nehmen. Das a.r.t.e.s. forum 2016 versammelte Beiträge zum Thema „text – language – media“. Im Folgenden ist der Bericht von Prof. Dr. Lars Elleström zu seinem Vortrag beim a.r.t.e.s. forum am 15. Juli 2016 zu finden.

Wankende Weltbilder? Revolutionen in den Wissenschaften

Salon Sophie Charlotte 2017

Unblutig und unpolitisch, aber genauso umwälzend – so könnte man Revolutionen in den Wissenschaften kurz und knapp beschreiben, insbesondere in den Naturwissenschaften. Die Kopernikanische Wende gehört ebenso dazu wie die Entdeckung der Quantenphysik oder die gegenwärtig alles umfassende Digitalisierung. Welche naturwissenschaftlchen Neuerungen lassen sich noch als wissenschaftliche Revolutionen bezeichnen? Woran erkennt man sie und welche Bedingungen müssen vorherrschen, damit sie möglich werden? Über diese und weitere Fragen diskutieren der Mathematiker Prof. Dr. Jochen Brüning, die Medizinerin Prof. Dr. Annette Grüters-Kieslich, der Chemiker Prof. Dr. Helmut Schwarz und der Astrophysiker Prof. Dr. Matthias Steinmetz. Moderiert wird das Gespräch vom Journalisten Manuel J.Hartung.

„Nahezu alle Sportarten galten als ‚Kampf‘-Sport“

Interview mit Marcus Coesfeld über Jiu-Jitsu, Judo und Boxen im Nationalsozialismus

Befürworter von Kampfsportarten mussten in der Zeit in der Zeit des Nationalsozialismus um die Akzeptanz ihrer Disziplinen ringen. Selbst eine so klassische Kampfsportart wie das Boxen stieß nicht auf Anhieb auf die Zustimmung der nationalsozialistischen Führung. Asiatische Nahkampftechniken wie Jiu-Jitsu und Judo hatten es sogar noch schwerer, akzeptiert und in den Kanon des NS-Sports aufgenommen zu werden. Der Historiker Marcus Coesfeld forscht derzeit im Rahmen seines Dissertationsprojekts zur Kampfsportgeschichte im Deutschen Reich. Für den Sammelband „Sport und Nationalsozialismus“ hat er einen Aufsatz über Kampfdisziplinen im „Dritten Reich“ unter besonderen Berücksichtigung von Jiu-Jutsi veröffentlicht. Wir haben im dazu unsere Fragen gestellt.

Antike Nomaden von Mangystau: Episode 6 – Noch viel zu tun – Das Interview

Nach einer erfolgreichen zweimonatigen Reise in die Vergangenheit diskutieren die Archäologen Dr. Evgeniy Bogdanov und Dr. Andrey Astafiev ihre Ergebnisse aus der kasachischen Steppe. Was haben sie über das Land der tausend Winterlager entdeckt? Und wie wirken sich die neuen Erkenntnisse auf die weitere Forschung aus? Diese und weitere Fragen beantworten die beiden Forscher in unserem ausführlichen Experteninterview.

„Die Angst vor Anerkennungsentzug“

Interview mit Christian Baron über tradierte und sich wandelnde politische Identitäten

Die Frage, warum Wähler, die ehemals politischen Parteien aus dem linken Spektrum ihre Stimme gegeben haben, sich nun massiv einer eher rechten Politik zuwenden, beschäftigt nun schon seit einiger Zeit unter anderen politische Beobachter und Wahlforscher. Zuletzt kochte die Frage hoch, nachdem Donald Trump zur Überraschung vieler die Wahl zum US-Präsidenten für sich entscheiden konnte und dabei vor allem in der traditionellen Wählerschaft der Demokratischen Partei punktete. Auch im Zuge der vielen Besprechungen der Autobiographie des französischen Soziologen Didier Eribon „Rückkehr nach Reims“ füllten diverse Erklärungen Zeitungsspalten und Stunden in Podiumsdiskussionen. In diese Zeit fällt auch das Buch von Christian Baron, in dem er fragt provokativ fragt: Warum verachten die Linken die Arbeiter? Das Buch ist während seines soziologischen Dissertationsvorhabens entstanden, das derzeit noch den Arbeitstitel „Die Kulturalisierung des Klassenkampfes. Eine kritische Analyse des massenmedialen Sozialstaatsdiskurses in Deutschland“ trägt. Wir haben ihm zu seinem Buch und zu seiner Forschung unsere Fragen gestellt.

Gerecht verteilen. Geschichte und Gegenwart von Finanzföderalismus

Podiumsdiskussion am Historischen Kolleg München mit Stefan Korioth, Thomas Lenk, Jana Osterkamp und Wolfgang Renzsch

Der Finanzföderalismus verteilt knappe Ressourcen zwischen Bund, Ländern und Kommunen. In Geschichte und Gegenwart wurde dafür nach gerechten Verteilungsmodellen gesucht. Die Podiumsdiskussion am 12. Mai 2017 beschäftigte sich angesichts der anstehenden Reform des Bund-Länder-Finanzausgleichs mit gesellschaftlichen Grundfragen von Finanztransfers, insbesondere ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz, politischen Begründung und volkswirtschaftlichen Umsetzung.

Ausgezeichnete Forschung

Die wichtigsten Dissertationen 2017 sind gefunden.
Ihre Themen: biologisch abbaubare Elektronikbauteile,
Geschichte des Behindertensports und Friedenssicherung nach Gewaltkonflikten

Die Preisträger des Deutschen Studienpreises 2017 stehen fest. Die drei mit je 25.000 Euro dotierten ersten Preise vergibt die Körber-Stiftung an den Materialforscher Volker Strauss von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, den Historiker Sebastian Schlund von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel sowie die Politologin Julia Strasheim, die an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg in Kooperation mit dem GIGA German Institute of Global and Area Studies promoviert hat. Mit dem Deutschen Studienpreis zeichnet die Körber-Stiftung jedes Jahr exzellente Dissertationen aus, die zugleich von besonderer gesellschaftlicher Relevanz sind, in diesem Jahr zu folgenden Themen:

Keine Interaktion! Bild-Text-Bezüge von Beischriften. Eine Standortbestimmung in fünf Punkten

Francisca Feraudi-Gruénais (Alte Geschichte, Universität Heidelberg) zum a.r.t.e.s. forum 2016

Das a.r.t.e.s. forum ist die interdisziplinäre Jahrestagung der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland einlädt, aus ihrer jeweiligen disziplinären Perspektive zum Tagungsthema Bezug zu nehmen. Das a.r.t.e.s. forum 2016 versammelte Beiträge zum Thema „text – language – media“. Im Folgenden ist das Résumé von Dr. Francisca Feraudi-Gruénais zu ihrem Vortrag beim a.r.t.e.s. forum am 15. Juli 2016 zu finden.