Planet History

Tag Archive for Antike

Buch: Einführung in die antike Ikonographie

Wer die Antike möglichst gut verstehen möchte, kommt nicht drumherum, sich näher mit den in dieser Epoche entstandenen Bildwerken bzw. deren Deutung auseinanderzusetzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Ikonographie. Der Begriff setzt sich zwar aus den altgriechischen Wörtern eikon (=Bild) und graphein (=schreiben, beschreiben) zusammen, stammt jedoch – wie man vorschnell annehmen könnte – nicht aus der Antike, sondern ist modernen Ursprungs.
Im Buch Einführung in die antike Ikonographie (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) erläutert der Archäologe Patrick Schollmeyer die inhaltliche Bedeutung bzw. Aussagekraft antiker, von Menschenhand geschaffener Bildwerke. Dazu zählen unter anderem Statuen, Reliefs, Wandgemälde, Vasenmalereien usw. 
Wohl weil es sich um ein Einführungswerk handelt, beschränken sich die Ausführungen des Autors fast ausschließlich auf die Blütezeit der griechischen und römischen Welt (wobei ich meine, eine gewisse „Griechen-Lastigkeit“ festgestellt zu haben).
Da sich viele antike Darstellungen auf die Mythologie bzw. die Götterwelt beziehen, nimmt diese Thematik einiges an Raum ein: Welche bedeutende Götter gab es? Was war ihre ‚Aufgabengebiete‘ und was ihre Attribute? 
Neben den Göttern sind uns aus der Antike vor allem Darstellungen der Eliten und Herrschenden überliefert, sodass auch auf sie ein genauerer Blick geworfen wird: Welche Funktion sollten beispielsweise in der Öffentlichkeit aufgestellte Statuen erfüllen? Welche Schlüsse lassen sich aus Kleidung und Gestik der Dargestellten ableiten? Usw.

Unterm Strich sind die Erläuterungen allgemein verständlich formuliert. Will heißen, auch wenn es punktuell sicher nicht schadet, so muss der Leser über kein einschlägiges Vorwissen verfügen. Der Sinn und Zweck einer Einführung in das weite Feld der Ikonographie wird damit erfüllt. Zwei kleinere Kritikpunkte gibt es aus meiner Sicht aber: 1. Man hätte von Abbildungen etwas großzügigeren Gebrauch machen können, was mir gerade in Anbetracht des Buch-Themas sinnvoll erscheint. 2. Die mittlerweile als bewiesen geltende Buntheit antiker Bildwerke wird so gut wie nicht berücksichtigt; das ist schade.


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
I. Einführung in Gegenstand, Fragestellung und Methoden
II: Themen
  1. Mythos versus. Lebenswelt
  2. Mythische Einzelgestalten
   2.1 Göttinnen und Götter
   2.2 Personifikationen
   2.3 Göttliche Trabanten
   2.4 Mythische Mischwesen und Ungeheuer
   2.5 Heroinnen und Heroen
  3. Der Mensch und seine Rolle
   3.1 Allgemeine Körper und Verhaltensideale
   3.2 Spezifische soziale Rollen und ihre Handlungszusammenhänge
  4. Darstellungen von Tieren, Landschaft und Architektur
III. Fubnktion
  1. Repräsentation der herrschenden Eliten
  2. Gegenbilder und Traumwelten
  3. Magische Funktion
  4. Trost- und Trauerbilder
  5. Feier und Memoria historischer Ereignisse
  6. Bild-Räume
  7. Erotische Aspekte
IV. Bilddetails
  1. Körperbilder
  2. Alterstufen
  3. Mimik
  4. Gestik
  5. Klidung
  6. Frisuren
  7. Attribute und Insignien
  8. Waffen
  9. Pferde und Wagen
 10. Möbel, Gefäße und Geräte
 11. Kompositorische Gestaltungsmittel
 12. Formen des Erzählens
V. Kontexte 
  1. Tempel und Heiligtümer
  2. Öffentliche Plätze: Agora und Forum
  3. Öffentliche Bauten
  4. Palast, Haus und Villa
  5. Grabanlagen
VI. Auftraggeber, Künstler Publikum
Epochen der griechischen und römischen Kultur
Bibliographie
Abbildungsnachweis
Register
—————–

Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Satyricon — Mittelaltermark oder seriös? — Kleines Nähprojekt — Diebstahl in Pompeji — Unachtsame Archäologin

Satyricon
Im Laufe der Jahre ist mir in Sach- und Fachbüchern über die Antike eine Quelle auffällig oft untergekommen: Petrons Schlemenroman Satyricon bzw. die darin enthaltene Episode „Das Gastmahl des Trimalchio“.
Der antike Text ist vollgepackt mit Detailinformationen zum römischen Alltagsleben – ganz besonders zur Esskultur. Ich werde daher die von mir kürzlich gelesene Reclam-Übersetzung (die gewisse ‚Eigenheiten‘ aufweist) hier in den kommenden Monaten noch detailliert besprechen.

—————–

Mittelaltermarkt oder seriöse Museumsveranstaltung?

Was meinen die Leser; handelt es sich beim jüngsten Event der Klosterbaustelle Campus Galli um eine seriöse Veranstaltung (von einem Lokalmedium als „Historischer Markt“ bezeichnet) oder haben wir es hier unterm Strich eher mit einer mittelaltermarkt-mäßigen Histotainment-Lärmerei zu tun? Klick mich
Mit dabei war übrigens auch wieder die legendäre gürtellose Arbeitsanleiterin, über deren Beweggrüde für den Verzicht auf einen Gürtel auch nach bald 5 Jahren modischer Eigenwilligkeit keinesfalls spekuliert werden darf 😉

—————–


Kleines Nähprojekt

Ich habe schon länger nichts mehr für meine beiden Living-History-Ausstattungen genäht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich vom Nähen relativ leicht Kopfschmerzen bekomme (wegen der gebückten Haltung). Wenn ich allerdings nicht wesentlich mehr als 20 Minuten am Stück nähe, dann geht es. 

Geplant sind zwei Beutel aus naturfarbenem Leinen und eine phrygische Mütze aus Wolle mit Leinenfutter; ich habe übrigens zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung, wie man das Futter sauber in die Mütze hineinfummelt (die Naht mit der das Futter befestigt wird, sollte mehr oder weniger verdeckt sein),
Außerdem brauche ich für besagte Mütze noch einen passenden roten Schurwollstoff, aus welcher der aufgenähte Saum gemacht werden soll. Mal sehen, ob ich irgendwelche Stoffreste dafür auftreiben kann. Weil extra etwas zu bestellen lohnt sich sich bei der minimalen Menge nicht, die ich benötige.
Im Sommerurlaub, wenn das Blog für einen Monat pausiert, soll es losgehen. Bei meinem üblichen Schneckentempo bin ich vermutlich irgendwann knapp vor Weihnachten damit fertig 😊. Auf jeden Fall möchte ich dann auch einen Beitrag über die Arbeiten an Beuteln und Mütze verfassen, in dem Arbeitsschritte, Schnittmuster, verwendete Nähstiche usw. genau und leicht nachvollziehbar dargelegt werden.
—————–


Diebstahl in Pompeji


Ein wertvolles Bronzeobjekt – genauer gesagt ein Türbeschlag – wurde in der antiken Ruinenstadt Pompeji entwendet, schreibt die Zeitung der Standard: Klick mich
Interessant, dass es eine solche Meldung überhaupt in die Zeitung schafft. Mir hat nämlich eine gute Freundin mit besten Verbindungen nach Pompeji erzählt, dass dort und im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel (wo viele Funde aus Pompeji ausgestellt sind) immer wieder Objekte verschwinden. Das hätte sich innerhalb der letzten 100 Jahre dermaßen summiert, dass man mit all dem Diebesgut eine stattliche Ausstellung bestücken könnte …

—————–

Unachtsame Archäologin

Die vorangegangene Meldung erinnerte mich an eine andere Geschichte. Dieselbe Freundin, die mir berichtete, dass das Abhandenkommen von Funden in Pompeji eine gewisse Tradition besitzt, war vor nicht allzu langer Zeit in Wien unterwegs. Wie es der Zufall so wollte, kam sie beim Shoppen an einer archäologischen Ausgrabung vorbei und stellte sich zu ein paar Schaulustigen, die das Treiben beobachteten. Da meinte jemand neben ihr, dass eine der Ausgräberinnen in der Grube ständig über etwas Schmutzig-Weißes latscht, und ob das nur ein Stein oder ein Knochen sei?
Als gelernte Archäologin schaute meine gute Freundin nun genauer hin und erkannte, dass es sich dabei eventuell um das mehr oder weniger kugelförmige Ende (Epiphyse) eines Langknochens handelt. Sie rief daher die Ausgräberin, die keinen Meter daneben kniete an, dass da etwas sei. Doch die junge Frau hörte nichts, da sie Ohrhörer in den Ohren hatte; als nächstes stand sie auf und trat wieder genau auf die Stelle mit dem Knochen, woraufhin dieser teilweise zerbröselte. Jetzt wurde die Freundin unrund; am liebsten wäre sie in die Grube hinuntergesprungen. Stattdessen knüllte sie ein Prospekt aus ihrem Einkaufssack zusammen und warf es dem Mädel in der Grube direkt vor die Nase. Endlich nahm diese die Ohrhörer heraus und blickte auf. 
Wie sich daraufhin bald herausstellte, war das weiße Objekt im Boden tatsächlich ein Kochen. 

—————–
Bier zum Inhalieren 😂

Videos: Archäologisches Grab geschändet — Pompeji — Bau von antikem Römerboot — Hochmittelalterliches Schlachtengemälde — El Dorado der deutschen Archäologen — Der Schrecken der Archäologen

Bau von antikem Römerboot nimmt Form an | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info
Hochmittelalterliches Schlachtengemälde erstrahlt im neuen Glanz | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info
El Dorado der deutschen Archäologen | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info
Raubgräber – der Schrecken der Archäologen | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info

Archäologisches Grab geschändet | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
Eine ziemlich rabulistische Umschreibung dafür, dass hier ein unbekannter Depp einen Schädel von einer archäologischen Ausgrabung gemopst hat. Wenn man sich schon auf den in diesem Zusammenhang aberwitzigen Begriff „Schändung“ versteigt, dann sollte man darauf hinweisen, dass diese in Wirklichkeit bereits mit der Freilegung der sterblichen Überreste durch Archäologen ihren Anfang genommen hat. Desweiteren ist es mehr als nur fragwürdig, dass mit der Trivialität eines entwendeten mittelalterlichen Schädels die Kriminalpolizei behelligt wird. Als ob die nicht wichtigere Dinge zu tun hätte, als morschen Knochen hinterherzujagen – jeder Wohnungseinbruch besitzt größere Relevanz. Übrigens, es geht beim konkreten Fall um eine Ausgrabung des Archäologen Matthias Hensch (Schauhütte Archäologie), zu dessen Youtube-Videos ich hier erst kürzlich verlinkt habe. 
Wiederauferstehung Pompejis am Computer | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/Altair4

—————–

Hörbares: Die mittelalterliche Globalmacht Hanse — Winckelmann-Ausstellung — Archäologische Sammlung Trier — 500 Jahre Reformation



Handel im Mittelalter – Die Hanse als globale Macht | Spieldauer 28 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
Kulturnacht: Winckelmann-Ausstellung in Weimar | Spieldauer 42 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info | Direkter Download
Von Amphoren und antiken Skulpturen: Archäologische Sammlung der Universität Trier | Spieldauer 4 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download

Landesausstellung „500 Jahre Reformation – Die Epoche des Umbruchs“ | Spieldauer 4 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download
—————–

Krimskrams: Kassian, der prügelnde Heilige — Mein Kaiser, mein Herr — Fernsehprogramm à la ZDF — usw.

Kassian, der prügelnde  Heilige

Kassian von Imola war nicht nur Schulmeister, sondern dürfte auch ein echter Sympathieträger gewesen sein. Der christliche Heilige wurde, nachdem er im Zuge spätantiker Christenverfolgung seiner Religion nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe überließ man seinen eigenen Schülern, die ihn erbost mit ihren metallenen Schreibgriffeln marterten. Kassian soll sie als Lehrer körperlich oft gezüchtigt haben …
Nun war das Verprügeln von Schülern freilich fester Bestandteil antiker Pädagogik. Allerdings dürfte es der heilige Kassian damit ordentlich übertrieben haben, wenn ihn seine Schüler deshalb gleich mit Freude abstachen. Jedenfalls würde der gute Mann heutzutage wohl nicht mehr so ohne Weiteres die Kriterien zur Heiligsprechung erfüllen. ^^

Übrigens: Der beinahe zeitgleich mit Kassian lebende Augustinus berichtete mit Abscheu und Unbehagen von seiner eigenen Erfahrungen als Schüler. Prügel wurden von den Alten zwar gelobt, meinte er, aber durch diese Erziehungsmethoden „vervielfachte man nur die Mühe und Not der Kinder Adams.“ 


—————–


Mein Kaiser, mein Herr (Zufälle gibt es …)

Ich lausche seit ca. einer Woche dem Hörbuch Mein Kaiser, mein Herr, das vollständig auf dem gleichnamigen Roman von Siegfried Obermeier beruht. Der Leser/Hörer begleitet darin Gerold – den fiktiven illegitimen Sohn des bayerischen Herzogs Tassilo – durch sein langes, abwechslungsreiches Leben, das er vor allem im Dienste Karls des Großen verbringt. Dabei übernimmt Gerold verschiedene Aufgabe, wie die des Soldaten, des Lehrers, des Dolmetschers oder des Gesandten.
Irgendwann im Verlauf der Geschichte büxt Gerold mit seiner Geliebten Hildtrud – einer Tochter Karls des Großen – aus. Um nicht erkannt zu werden, verkleiden sich die beiden. Gerold mimt dabei einen zur Pilgerfahrt verdonnerten Händler, während Hildtrud ihr Haare schert und sich als Diener ausgibt, der  – man glaubt es kaum – den Namen Hiltibold trägt 😊.
Ein wirklich lustiger Zufall, denn ich habe mir genau diesen Namen ja ursprünglich deshalb ausgesucht, weil er vor allem in dieser Schreibweise recht selten ist.

—————–


Fernsehprogramm à la ZDF

Hmmm, handelt es sich bei der folgenden Zusammenstellung, die einen Ausschnitt aus lediglich sechs Tagen ZDF-Programm zeigt, um ein starkes Indiz für einen veritablen Dachschaden der Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Klick mich
Im Angesicht dieser immensen Schlagseite ist es jedenfalls kein Wunder, dass große Teile der Menschheitsgeschichte im deutschen Fernsehen nur unter ferner liefen abgehandelt werden. Freilich, der ORF ist da noch viel schlimmer! Abseits von Natur-Dokus bekommen die Fernsehmacher auf dem Küniglberg so gut wie nichts auf die Reihe. Am besten man meldet den ORF ab und spendet die eingesparten Gebühren guten Alternativmedien der eigenen Wahl.

—————–

Forscher entdecken in österreichischem Kloster ältestes Schriftstück auf Deutsch …

… schreibt die Berliner Zeitung: Klick mich

Übrigens, am 14. Mai hat auch die Kronenzeitung in ihrer Druckausgabe dazu einen Beitrag gebracht. Da heißt es in einem Interview unter anderem:
Frage: Warum ist dieser Fund so einzigartig?
Antwort: Es handelt sich um die erste Verschriftlichung der deutschen Sprache.
Nein, richtigerweise müsste es heißen, dass es sich um die bis dato älterste entdeckte Überlieferung handelt …

—————–

Das fetzt

—————–

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Johannes Fried über die Karolinger — Forschungstaucher — Götterdämmerung im Römischen Reich — Homo Naledi — usw.



    Interview mit Johannes Fried – Thema „Karolinger“ | Spieldauer 42 Minuten | ARD/HR | Stream & Info | Direkter Download
    Interview mit dem Forschungstaucher Florian Huber | Spieldauer 37 Minuten | ARD/RB | Stream & Info | Direkter Download
    „Gegen Julian“ – Götterdämmerung im Römischen Reich | Spieldauer 8 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
    Der Archäologe Johann Joachim Winckelmann und ein historischer Geheimcode | Spieldauer 14 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info 
    Homo Naledi: Frühmenschen lebten zeitgleich mit Homo Sapiens | Spieldauer 6 Minuten | ARD/WDR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Videos: Römischer Streitwagen gegen Ferrari — Scheiterhaufen — Weltkulturerbe Uruk — Steinzeit-Siedlung entdeckt — "Einzischartische" antike Kostbarkeiten

    Römischer Streitwagen gegen Ferrari | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

    Erinnerungen an den Scheiterhaufen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


    7500 Jahre alte Steinzeit-Siedlung entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

    Archäologisches Zentrum in Mainz: „Einzischartische“ antike Kostbarkeiten ziehen um | Spieldauer 2 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download


    Weltkulturerbe Uruk – Trainingsprogramme des Iraqi-German Expert Forum | Spieldauer 11 Minuten | DAI / Youtube

    —————–

    Krimskrams: Antike Mode — Attila, der Menschenfreund – Wikipedia und die Quellen

    Antike Mode


    Der eine oder andere Leser dürfte den Autor Ritchie Pogorzelski kennen. Von ihm stammen beispielsweise die beiden bei Nünnerich-Asmus erschienen Bücher „Die Prätorianer. Folterknechte oder Elitetruppe?“ sowie „Der Triumph: Siegesfeiern im antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe“. Letzteres Buch habe ich kürzlich mit Interesse gelesen und werde es in nicht allzu ferner Zukunft im Blog besprechen.

    Nun hat Ritchie Pogorzelski ein neues Projekt in Angriff genommen, das den Titel „Antike Mode“ trägt. Es soll diesmal – abseits eines Verlages – mittels Crowdfunding finanziert werden (siehe hier den bisherigen Fortschritt). Explizit wird darauf hingewiesen, dass auch Reenactors zur Zielgruppe dieser wohl mehrteiligen Publikation gehören.

    Mein persönliches Resümee zu diesem Video lautet folgendermaßen 😉  Klick mich

    —————–


    Wikipedia und die Quellen


    Im Wiki-Watch-Blog widmet man sich der Frage, wie sorgfältig bei Wikipedia mit Quellen umgegangen wird. Es ist beispielsweise fraglich …

    „…wie viele Wikipedia Autoren tatsächlich vorrangig nach möglichst neutralen, aktuellen und fachlich hochwertigen Buchveröffentlichungen als Belege für ihre Artikel suchen.“ 

    —————–


    Attila, der Menschenfreund

    Eines der Hauptprobleme der offiziösen Geschichtsforschung ist seit jeher ihr Hang, dem jeweils herrschenden Zeitgeist nach dem Mund zu reden. Unter anderem äußert sich das durch den Versuch, für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen Belege in der Vergangenheit zu finden. Quellen, die das erhoffte Bild nicht bestätigen, werden zuerst relativiert und im Laufe der Zeit aussortiert. Beispielsweise wird Nero seit einigen Jahren zum missverstandener Pazifisten umgemodelt und selbst die große Völkerwanderung in der Spätantike soll in Wahrheit nur den Charakter einer etwas außer Kontrolle geratenen Strand-Party gehabt haben (demzufolge dürften die unzähligen Brandhorizonte jener Zeit bloß von übergroßen Barbecues herrühren).
    In dieselbe Kerbe schlägt nun ein Artikel des Online-Standard, in dem es unter der beschönigenden Überschrift Hunnen brachten einen neuen Lebensstil wie folgt heißt:

    „Der Einfall der Hunnen ließ das spätrömische Reich erzittern. Ihre Begegnung mit der Bevölkerung der Grenzregionen war aber nicht nur von Gewalt geprägt.“ […] Dies ging sogar so weit, dass Angehörige der lokalen Bevölkerung hunnische Bräuche aufgriffen. Wie die Forscher […] berichten, besaßen einige pannonische Bauern einen künstlich verlängerten Schädelknochen, eine Praxis, die unter zentralasiatischen Reiterstämmen weit verbreitet war. Während römische Schriften fast ausschließlich Konfrontationen mit den Hunnen schildern, zeigen unsere Funde, dass es in Grenzgebieten offenbar bis zu einem gewissen Grad auch zur Koexistenz und Kooperation gekommen sein muss“ […]. In den dunklen Zeiten am Rande des Untergangs dürften viele Menschen die plötzliche Wahlfreiheit zwischen zwei Lebensstilen als neue Chance angesehen haben.“

    Diese sogenannte „Wahlfreiheit“ stand freilich unter dem Motto: Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Entweder man biederte sich an die neuen Machthaber an oder man war – wenn schon nicht sofort tot – so doch zumindest ein Art Mensch zweiter Klasse mit geringen Aufstiegschancen und zumeist rechtlich minderem Status. Dieser soziale Mechanismus war bereits ein zentraler Aspekt der antiken Romanisierung. Zig andere Kulturen liefern dafür ebenfalls Beispiele.
    Ein Leser kommentiert und entlarvt die naive Relativiererei des Artikelautors mit folgenden Worten:

    😆

    —————–

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Katharina von Bora — Der deutsche Bauernkrieg — Die römische Familie — Giganten der Vergangenheit — Mörderische Mode — usw.

    Katharina von Bora – Luthers bessere Hälfte? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

    Der deutsche Bauernkrieg – Aufstand des gemeinen Mannes | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

    Die römische Familie: Begriffsdefinition „Familia“ – Nomenklatur – Agnetisches Prinzip – Zentrale Rolle des „pater familias“ | Spieldauer 59 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info
    (Off-Topic) Höhlenbär, Säbelzahn und Co. – Giganten der Vergangenheit | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
    (Off-Topic) Löwe und Flusspferd in Mitteleuropa – Ein Gespräch mit dem Paläontologen Wighart von Koenigswald | Spieldauer 27 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
    (Off-Topic) Todschick – Mörderische Mode | Spieldauer 14 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Der Amphoriskos als antiker Vakuum-Korkenzieher?

    Große Transport-Amphore mit 
    aufgesetztem Amphoriskos
    Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der
    Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

    .

    Was ist ein sogenannter Amphoriskos? An sich handelt es sich dabei lediglich um die Bezeichnung für eine kleine Amphore. Ähnlich wie im Falle des Alabastrons, so bewahrten die Menschen der Antike auch in einem Amphoriskos  gerne Salböle oder ähnlich kostspielige Flüssigkeiten auf. So weit, so gut.

    Nun las ich kürzlich allerdings das äußerst interessante Buch Pompeji – Die Größte Tragödie der Antike; dort wird der Begriff Amphoriskos in einen anderen, mir bisher unbekannten Zusammenhang gebraucht. Der Autor Alberto Angela verweist nämlich auf den spanischen Archäologen Emilio Rodríguez Almeida, der bestimmten Amphoriskoi (mit relativ großen Öffnungen) einen recht erstaunlichen Verwendungszweck zuschreibt: Sie könnten als Vakuum-Korkenzieher für große Amphoren benutzt worden sein. Es heißt dazu:

    „Auf den mit Korken oder Terrakotta verschlossenen Deckel wurde eine Schicht kochenden Pechs aufgebracht. Dann stülpte man die Öffnung der kleineren Amphore auf. Das Pech wurde hart, der Amphoriskos war untrennbar mit dem Amphorendeckel verbunden. Die Luft im Amphoriskos erkaltete und zog sich dadurch zusammen. Dies führte zu einem Saugeffekt, mit  dessen Hilfe man ohne große Mühe den mit Gips oder Mörtel versiegelten Amphorendeckel abheben konnte. Die Amphore wurde dabei kein bisschen beschädigt.
    Bestätigt wird diese These durch den Fund von Amphoriskoi in Castrum Novum (Santa Severa), die noch Spuren von Pech tragen.“    

    Eine interessante Überlegung, der man noch hinzufügen sollte, dass die Deckel von Amphoren und anderen Tongefäßen z.T. Griffe aufwiesen. Man benötigte in diesem Fall keinen ‚Korkenzieher‘.
    Auch gab es Verschlüsse, die weniger als Deckel, sondern richtigerweise als Pfropfen bezeichnet werden sollten – siehe etwa hier und hier.

    In der Praxis darf man sich den Vorgang des ‚Entkorkens‘ vielleicht so ähnlich vorstellen, wie meine Skizze zeigt: Der festgesaugte Amphoriskos (hier eine Variante ohne Henkel) wird ein klein wenig hin und her gedreht, um den Pfropfen zu lockern, während man gleichzeitig kräftig daran zieht. Es bleibt eigentlich nur noch die Frage: Was würde wohl Otto von Guericke dazu sagen? 😉
    —————–


    Weiterführende Literatur / Quelle: 

    Hörbares: Illegale Archäologie — Alchemie — Archälogie im Heiligen Land — Die Nok-Kultur

    Illegale Archäologie in Brandenburg | Spieldauer 5 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download
    Die absolute Merkbefreitheit des Interviewten ist phänomenal: Es gäbe zu viele illegale Schatzsucher, und das trotz der Möglichkeit, eine offizielle Sucherlaubnis zu erhalten, heißt es. 
    Auf die Idee, dass die Zusammenarbeit mit der Landesarchäologie deshalb allzu oft abgelehnt wird, weil das Land Brandenburg wertvolle Funde kurzerhand enteignet, kommt der Herr offensichtlich nicht. Stattdessen ergeht er sich in der üblichen Archäologen-Rabulistik und schwurbelt von „Raubzügen“ und „Raublöchern“ ( 😂 ).
    Freilich, der mit Abstand größte Hirnmüll, der in diesem Interview zum Besten gegeben wird, ist der Vorwurf, illegale Sondengeher würden die Totenruhe stören. Mal davon abgesehen, dass Tote ohnehin nichts mehr spüren, so ist es doch die professionelle Archäologie selbst, die tagtäglich in den Knochen von Verstorbenen herumwühlt und manch Skelett zum Gaudium des Publikums sogar in Vitrinen ausstellt. 
    Fazit: Mit Heuchelei und Enteignung wird man die Problematik des illegalen Sondengehens sicher nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil, damit provoziert man nur Unverständnis in weiten Teilen der Bevölkerung und sorgt für eine Verhärtung der Fronten.
    Geheimsache Gold – Warum Alchemie noch heute fasziniert | Spieldauer 55 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download
    Archäologie im Heiligen Land – Ein Gespräch mit dem Archäologen und Theologen Dieter Vieweger | Spieldauer 33 Minuten | ARD/NDR | Stream & Info | Direkter Download
    Die archäologische Forschung der Nok-Kultur in Nigeria | Spieldauer 10 Minuten | ARD/HR | Stream & Info | Direkter Download
    Projekt: Der Kölner Dom in 360° | Spieldauer 6 Minuten | ARD/WDR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Buch-Empfehlung: Pompeji – Die größte Tragödie der Antike

    Im Jahr 79 n. Chr. spie der am Golf von Neapel gelegene Vesuv plötzlich riesigen Mengen an Feuer und Rauch. Viele tausende Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe des Vulkans lebten, fanden in den darauffolgenden Stunden einen schrecklichen Tod. Die Ortschaften Pompeji, Herculaneum, Oplontis, Stabiae, Boscoreale sowie Tarzigno wurden völlig zerstört und unter einer meterhohen Decke aus Asche und Bimsstein begraben.
    In Pompeji – Die größte Tragödie der Antike (Goldmann Verlag, 2016) verwebt der italienische Archäologe Alberto Angela den aktuellen Forschungsstand mit kleinen fiktiven Episoden, die sich unmittelbar vor, während und nach dem Vulkanausbruch in ähnlicher Form zugetragen haben könnten.
    So darf der Leser beispielsweise einigen namentlich genannten und einst tatsächlich existierenden Stadt-Oberen Pompejis über die Schulter blicken, wie sie in völliger Unkenntnis der kurz bevorstehenden Katastrophe noch pflichtbewusst Reparaturen des lokalen Wasserleitungssystems anordnen und beaufsichtigen. Dieses war nämlich – laut archäologischem Befund – vermutlich aufgrund von etlichen kleinen Erdbeben, die der Vesuv Tage oder Wochen vor seinem Ausbruch verursacht hatte, stark beschädigt worden.

    Litten die Pompejaner also aufgrund der beschädigten Leitungen in der Stunde Ihres Todes an Durst? Vermutlich nicht, denn die Stadt besaß, wie erläutert wird, auch unzähliger Zisternen, die heute direkt unter den Füßen ahnungsloser Touristen liegen. In diesen z.T. meterhohen Bogengewölben wurde schon Regenwasser gespeichert, lange bevor die Römer Pompeji an ein rund 100 km langes Aquädukt anschlossen.

    Wer hätte weiters gedacht, dass der durchschnittliche Pompejaner aufgrund des hohen Fluor-Gehalts in seinem Trinkwasser gesündere Zähne als die meisten anderen Einwohner des antiken Italiens hatte? Nicht zufällig wird ja Fluor häufig unseren heutigen Zahnpasten beigemengt (obschon das nicht mehr ganz unumstritten ist).
    Die Pompeji-Forschung förderte aber noch mehr Kuriositäten zutage; beispielsweise Backwaren in Penisform und Damenslips aus Leder ^^
    Ebenfalls höchst kurios ist, dass in einem vornehmen pompejanischen Haus ein Tisch entdeckt wurde, der ursprünglich wohl Publius Servilius Casca gehörte. Dieser Mann war es, der den ersten Stich ausführte, als 123 Jahre vor dem Vesuvausbruch Caesar in Rom von einer Gruppe seiner Feinde überwältigt und getötet wurde. Nachdem der geflohene Casca einige Zeit später vom römischen Senat geächtet worden war, versteigerte man seinen Besitz. Ein Teil davon gelangte offensichtlich im Laufe der Zeit in das Haus reicher Pompejaner.
    Und schließlich dürften die Archäologen sogar einem vor beinahe 2000 Jahren begangenen Verbrechen auf die Spur gekommen sein. Im Hinterzimmer eines Ladens in Herculaneum fanden sich nämlich, versteckt in einem großen Gefäß, die Teile einer zerstückelten menschlichen Leiche, deren Kopf vom Mörder bereits beseitigt worden war …

    Alberto Angela räumt in seinem Buch auch mit mancherlei Mythen und Irrtümern auf: Etwa der Vorstellung, dass der Vesuv zum Zeitpunkt seiner Eruption bereits ähnlich aussah, wie er sich uns heute präsentiert. In Wirklichkeit existierte damals der steil aufragende Vulkankegel noch nicht, sondern war flach, stark bewaldet und unterschied sich kaum von den sanften Höhenzügen seiner Umgebung. Kein Wunder, dass die Menschen nichts von der Gefahr ahnten, die hier in der Tiefe lauerte. 
    Als unrichtig wird auch jene von Fremdenführern gelegentlich immer noch aufgestellte Behauptung entlarvt, wonach die im Straßenpflaster Pompejis eingegrabenen parallelen Rinnen (Straßenbahnschienen ähnlich) quasi zufällig im Laufe der Zeit von Fuhrwerken verursacht wurden. Richtig ist stattdessen, dass es sich hierbei um eine Art Leitliniensystem handelt, mit dem Pferdewägen auch in der Nacht sicher durch die Straßen gelenkt werden konnten, ohne beispielsweise Trittsteine oder die oft in die Straßen hineinragenden Brunnen zu touchieren. Für die meisten Gefährte herrschte in römischen Städten ja Tagfahrverbot, sodass viele Lieferanten ihre Geschäfte im Dunklen erledigen mussten.
    Auch dem in heutigen Sachbüchern häufig anzutreffenden „Thermopolium“ geht es ein wenig an den Kragen: Dieser für römische ‚Gasthäuser‘ so gerne verwendete Begriff existierte in der Antike noch gar nicht, sondern ist, trotz altgriechischer Bestandteile, eine moderne Kreation. Im Übrigen dienten die berühmten Löcher in den Theken der pompejanischen Thermopolia keineswegs als Abstellmöglichkeit für (Wein-)Amphoren, wie gerne angenommen wird. Vielmehr handelte es sich dabei vor allem um eine kommode Möglichkeit getrocknete Lebensmittel zu lagern.

    Die Liste der hochinteressanten Detailinformationen, die in diesem knapp 500-seitigen Buch genannt werden, könnte man noch lange fortsetzen. 

    Gibt es also gar nichts zu kritisieren? Sind alle Schilderungen perfekt? Nein, ein paar Kleinigkeiten sind mir schon aufgefallen: Etwa wenn es heißt, Honig sei im antiken Rom das einzige Süßungsmittel gewesen. Das stimmt nicht so ganz, denn beispielsweise ist bekannt, dass Wein gerne mit (höchst ungesundem) Bleizucker (Bleiacetat) ‚gepanscht‘ wurde. Unzutreffend ist auch, dass Salz die einzige Möglichkeit zum Haltbarmachen von Lebensmitteln gewesen wäre. Räuchern und Lufttrocknen waren nämlich ebenfalls gängige Verfahren – siehe hierzu Catos De agri cultura. Doch wie gesagt, bei diesen Punkten handelt es sich um Kleinigkeiten, aus denen man dem Autor sicher keinen Strick drehen kann. Außerdem besteht ja die Möglichkeit, dass beim Übersetzen aus dem Italienischen ins Deutsche manch Formulierung verkürzt wiedergegeben wurde. Wer weiß.
    Erwähnenswert, aber für mich ebenfalls nicht weiter tragisch ist der Umstand, dass auf Fußnoten bzw. detaillierte Quellenangaben verzichtet wurde. Zwar wären diese Dinge ein zusätzlicher Bonus gewesen, aber man kann eben nicht alles haben. Und immerhin enthält das Buch ja ein Register, in dem der Leser sogar Begriffe wie „Lupanar“ nachschlagen kann 😊
    FAZIT:  Äußerst geschickt verbindet Alberto Angela Wissenschaft mit einer ausgewogenen Dosis Fiktion. Pompeji – Die größte Tragödie der Antike lässt eine längst untergegangene Welt wiederauferstehen und ist meiner Meinung nach ein echtes Sachbuch-Highlight, das sogar Mary Beards gelungenes Pompeji-Buch aus dem Jahr 2011 übertrifft. 
    —————–
    Weiterführende Informationen:


    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Videos: Römische Funde in Konstantin-Basilika — Schauhütte Archäologie — Abenteuer Campus Galli

    Römische Funde in Konstantin-Basilika (Trier) | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

    Grabung im Areal des spätmittelalterlichen Friedhofs am Amberger Spital | Spieldauer 8 Minuten | Schauhütte Archäologie / Youtube | Stream & Info

    „…das ist doch (̶k̶)ein Beinbruch…“ – Was uns Knochen noch so erzählen können… | Spieldauer 11 Minuten | Schauhütte Archäologie / Youtube | Stream & Info
    Abenteuer Klosterstadt Meßkirch – Bauen wie im Mittelalter | Spieldauer 45 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
    Zum Saisonstart des Campus Galli wiederholt der SWR quasi als begleitende PR-Maßnahme einen Werbefilm eine Dokumentation über dieses Projekt. Der Seher mag sich anhand dessen ausmalen, wie ‚kritisch‘ der Staatsfunk den hochdefizitären und ebenfalls staatsnahen Campus Galli journalistisch begleitet ^^
    —————–

    Hörbares: Antiker Tempel mit Wassersystem — "Den Teufel an die Wand malen"– Geschichte der Menschenwürde — Das Judentum, die Religion der Feste und Feiern — Ausstellung Antike und Mode

    Geschichte der Menschenwürde – Niemand ist weniger wert als andere | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Ausgrabungen in Ägypten: Antiker Tempel mit Wassersystem | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
    „Den Teufel an die Wand malen“ | Spieldauer 5 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

    Das Judentum – Die Religion der Feste und Feiern | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download

    „Divine X Design“: Ausstellung Antike und Mode in München | Spieldauer 4 Minuten | ARD/BR | Stream & InfoDirekter Download

    —————–

    Die Kriegselefanten Hannibals: Furchterregende Wunderwaffe der Antike?

    Mitunter wird in TV-Dokumentationen und historischen Romanen der Eindruck erweckt, die vom berühmten karthagischen Feldherren Hannibal über die Alpen bugsierten Kriegselefanten seien eine Art Wunderwaffe gegen die Legionen Roms gewesen. Doch stimmt das? Waren die Militärs der Tiberstadt auf die Dickhäuter nicht vorbereitet? Stellte Sie gar etwas völlig Unbekanntes dar?
    Der Krieg gegen Pyrrhos: Die Schlacht von Heraclea
    Nein, für die Römer zur Zeit Hannibals und des 2. Punischen Krieges stellten Kriegselefanten nichts Unbekanntes dar. Erstens hatten sie davon in den Berichten über die militärischen Auseinandersetzungen der hellenistischen Herrscher gelesen, bei denen Elefanten relativ häufig als Waffe zum Einsatz kamen. Und zweitens darf man nicht übersehen, dass laut Plutarch bereits rund 50 Jahre vor Hannibal und dem 2. Punischen Krieg Pyrrhos I. – König von Epirus – mit Kriegselefanten in Italien einfiel. In der Schlacht von Heraclea (280 v. Chr.) waren es diese Tiere, mit deren Hilfe die Legionen bis zu ihrem Marschlager zurückgedrängt werden konnten. Gleichzeitig erlebte Rom damals aber auch die Schwäche der ‚Elefantenwaffe‘ hautnah mit. Als nämlich die Dickhäuter von den Lagerwällen aus mit einem wahren Geschosshagel eingedeckt wurden, scheuten sie, kehrten um und trampelten in ihrer Panik die eigenen Soldaten nieder. In Folge wendete sich das Blatt und Rom errang den Sieg.
    Übrigens: Wie viele Elefanten in dieser Schlacht genau eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Zwar schiffte Pyrrhos in Epirus 20 Dickhäuter ein (man stelle sich nur vor, was das in der damaligen Zeit für ein Aufwand gewesen sein muss – siehe obiges Bild), aber lediglich zwei kamen nach den Angaben Plutarchs aufgrund allzu stürmischer See tatsächlich in Italien an. Trotzdem könnte Pyrrhos noch vor der Schlacht von Heraclea Ersatz geliefert bekommen haben. Es will mir nämlich unwahrscheinlich erscheinen, das nur zwei Elefanten den Schlachtverlauf phasenweise merklich beeinflussen konnten.
    Der 1. Punische Krieg: Die Schlachten von Tunes und Panormos

    Die Erfahrungen mit Kriegselefanten vor dem 2. Punischen Krieg – also dem Krieg gegen Hannibal – sollten sich nicht auf die Kämpfe mit der Armee des Pyrrhos beschränken. Denn auch im 1. Punischen Krieg, der zeitlich zwischen dem Pyrrhos-Krieg und dem 2. Punischen Krieg lag, mussten römische Legionäre mehrmals gegen Kriegselefanten auf dem Schlachtfeld antreten. Schauplatz war diesmal aber nicht Italien, sondern beispielsweise das Umland von Karthago in Nordafrika. 100 Elefanten soll Xanthippos – ein spartanischer Söldnerführer im Dienste Karthagos – damals gegen Rom ins Feld geführt haben, als die beiden Armeen in der Ebene von Tunis aufeinander trafen. Diese Kriegselefanten waren vor der karthagischen Infanterie aufgestellt, sodass sich die römischen Legionäre erst an ihnen vorbeikämpfen mussten. Mit dem Ergebnis, dass sie sich zu einem bestimmten Zeitpunkt im Verlauf der Schlacht der feindlichen Infanterie gegenüber sahen, während mitten in den eigenen Reihen noch immer etliche der nicht so leicht tot zu kriegenden Elefanten wüteten. Zu allem Überfluss hatte inzwischen die karthagische Kavallerie das römische Heer umgangen und griff dieses nun von hinten an. Es überrascht nicht, dass diese Gemengelage zu einer verheerenden Niederlage der Legionen führte. Bei der als Schlacht von Tunes (255 v. Chr.) in die Geschichte eingegangenen Auseinandersetzung geriet überdies der angesehene römische Befehlshaber Marcus Atilius Regulus in langjährige Gefangenschaft, in der er auch starb. Alles in allem stellte dies eine Schmach dar, an der Rom noch geraume Zeit knabberte.
    Es blieb im 1. Punischen Krieg nicht bei diesem Zusammenstoß zwischen Roms Soldaten und feindlichen Kriegselefanten. Denn bereits vier Jahre später stand man in der Schlacht von Panormos (Sizilien, 251 v. Chr.) einem karthagischen Heer gegenüber, das nicht weniger als 140 (!) Kriegselefanten mit sich führte. Doch wie schon im Krieg gegen Pyrrhos zeigte sich hier die Schwäche dieser Waffe: Als das zahlenmäßig überlegene Heer der Karthager gegen die in und vor der Stadt Panormos verschanzten Römer marschierte, überschütteten diese aus der Deckung heraus die vor einem Graben zum Stehen gekommenen Elefanten mit unzähligen Geschossen. Die Tiere gerieten daraufhin rasch außer Kontrolle, wandten sich um und überrannten die eigenen karthagischen Truppen. Dieses Durcheinander nutzend, stieß der römische Befehlshaber Lucius Caecilius Metellus plötzlich mit der Hauptmacht seiner Streitkräfte vor und vernichtete den Feind. Viele Elefanten wurden im Anschluss an die Schlacht eingefangen und nach Rom verschifft, wo sie Metellus in seinem Triumphzug präsentierte. Eventuell fanden besagte Elefanten auch schon bei Tierhatzen – sog. venationes – Verwendung, in deren Rahmen man sie gegen andere Tiere – wie etwa große Raubkatzen – antreten ließ. Selbst Otto-Normal-Römer bekam nun eine Vorstellung von den riesigen Dickhäutern. Und nicht wenige von jenen, die damals noch Kinder waren, dürften rund drei Jahrzehnte später gegen Hannibals Elefanten in den Kampf gezogen sein.

    Der 2. Punische Krieg und Hannibal: Von der Trebia bis Zama

    Wie die drei obigen Beispiele zeigen, konnten die Römer lange vor dem 2. Punischen Krieg und Hannibals Marsch über die Alpen Erfahrungen mit Kriegselefanten sammeln. Freilich, diese Erfahrungen waren durchwachsen: Bei Heraclea und Panormos fuhr man einen Sieg ein; hingegen endete die Schlacht von Tunes in einer Katastrophe. Aus römischer Sicht hatte sich gezeigt, dass Elefanten auf freiem Feld besonders für die Infanterie ein problematischer Gegner sind (aber auch für Reiter, denn Pferde, die Elefanten nicht gewohnt waren, scheuten vor ihnen). Gleichzeitig konnten die grauen Riesen von Verschanzungen, wie etwa Gräben, wirksam aufgehalten und mittels starkem Fernbeschuss regelrecht umgelenkt werden. Kriegselefanten stellten demnach auch für die, die sie einsetzten, ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar.
    Doch war es möglich, aus diesem Wissen in den darauf folgenden Kämpfen gegen die 37 von Hannibal mitgebrachten Dickhäuter einen kräftigen Nutzen zu ziehen? Vorerst wohl nicht, denn kurz nach Hannibals Einmarsch in Italien verlor Rom im Dezember des Jahres 218 v. Chr. die Schlacht an der Trebia, bei der auch Elefanten zum Einsatz kamen. Freilich, ob diese Elefanten ausschlaggebend für die Niederlage gewesen sind, ist eine ganz andere Frage; außerdem waren die Verluste unter ihnen selbst sehr hoch, denn nur 17 Tiere lebten nach der Schlacht noch. Wenige Monate später war es gar nur noch ein einziges, nachdem das unfreundliche Winterwetter seinen Tribut gefordert hatte.
    Die Karthager scheinen trotzdem vom Wert dieser Waffe überzeugt gewesen zu sein, denn im Jahr 216 v. Chr. traf aus Karthago Nachschub in Form von 40 Kriegselefanten in Italien ein. Auch zum sizilischen Kriegsschauplatz verschiffte man im Jahr 213 v. Chr. zwölf Tiere. Und Hannibals Bruder Hasdrubal führte im Jahr 207 v. Chr. 10 Elefanten mit sich, die Teil der Verstärkung waren, mit der er seinen Bruder zu unterstützen gedachte. Doch er wurde von den Römern abgefangen und 207. v. Chr. in der Schlacht am Metaurus trotz Elefanten vernichtend geschlagen.
    Den letzten Auftritt hatten die karthagischen Dickhäuter bei der Entscheidungsschlacht zwischen Hannibal und Scipio in der Schlacht von Zama (Nordafrika, 202 v. Chr.). 80 von Ihnen wurden gleich zu Beginn der Kampfhandlungen gegen die römischen Linien geschickt. Doch der schlaue Scipio hatte seinen Gegner in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten des Krieges genau studiert und daher entsprechend vorgesorgt: Er ließ seine Soldaten blitzschnell Gassen bilden, durch die die Elefanten relativ harmlos hindurchtrabten; andere wurden abgedrängt oder machten – wir kennen das ja bereits – verschreckt kehrt, und trampelten die eigenen Soldaten über den Haufen. Die Schlacht war für Karthago bald darauf verloren – und ebenso der Krieg.
    Der nun von Rom diktierte Frieden enthielt etliche Auflagen bezüglich der Rüstung: So wurde den Karthagern beispielsweise verboten, Söldner anzuwerben oder mehr als 10 Kriegsschiffe zu besitzen. Und besonders interessant: Keine Kriegselefanten durften mehr gehalten werden. 
    Übrigens: Die letztere Klausel brummte Rom knapp eineinhalb Jahrzehnte später auch dem besiegten hellenistischen Seleukidenherrscher Antiochos III. auf. Daraus lässt sich die Annahme ableiten, dass Rom die ‚Elefantenwaffe‘ trotz all der zuvor gewonnenen Schlachten und Kriege keinesfalls auf die leichte Schulter nahm. Im Gegensatz zu anderen fremden Waffen-Innovation, die man von Kriegsgegnern übernommen hatte (z.B. keltisches Kettenhemd und keltiberischer Gladius), wurden die als prestigeträchtig geltenden Kriegselefanten aber nicht in die eigenen Streitkräfte eingegliedert. Möglicherweise wegen ihrer nicht gerade überragenden Zuverlässigkeit und den relativ hohen Unterhaltskosten. Beides stand wohl nach Ansicht der Römer in keinem guten Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen.
    —————–

    Weiterführende Literatur:

    • Herbert Heftner | Der Aufstieg Roms – Vom Pyrrhos-Krieg bis zum Fall von Karthago | Verlag Friedrich Pustet | 2005 | Meine Rezension | Infos bei Amazon

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog;

    Hörbares: Geschichte der Sklaverei — Der Koloss von Kairo — Eiszeit-Kunst — Spektakuläre Felszeichnungen — Epoche der Geheimnisse — Babylon-Fieber im deutschen Kaiserreich

    Geschichte der Sklaverei – Wenn der Mensch zum Werkzeug wird | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

    Der Koloss von Kairo: Mit Schwertransporter durch die Stadt | Spieldauer 7 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
    Weltkultur von der Alb: Archäologen erforschen Eiszeit-Kunst | Spieldauer 28 Minuten | SWR | Stream & Info Direkter Download
    Bonner Archäologen entdecken spektakuläre Felszeichnungen | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
    Das Mittelalter, Epoche der Geheimnisse? | Spieldauer 9 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download
    Der Orient-Exzess: Das Babylon-Fieber im deutschen Kaiserreich | Spieldauer 44 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

    —————–

    Buch: Lieben, Leben und sterben in Carnuntum

    Carnuntum zählte zu den bedeutenderen Städten des Römischen Reichs und war im Jahr 308 Schauplatz der sogenannten Kaiserkonferenz. Licinius, einer der Teilnehmer, wurde dabei zum Augustus des Weströmischen Reichs ernannt.

    Im Buch Antiker Reiseführer: Lieben, leben und sterben in Carnuntum (IGK-Verlag) verwendet der Autor Imre Kusztrich die damaligen Ereignisse als Rahmenhandlung, in der er den fiktiven Bernsteinhändler und Licnius-Freund Rutilius von seiner Heimatstadt Carnuntum und dem alltäglichen Leben darin berichten lässt.

    Die Texte enthalten eine Vielzahl an lateinischen Fremdwörtern, die farblich markiert und in Infokästchen auf der jeweiligen Seite kurz erläutert werden.
    Ein bisschen schade ist der Mangel an Quellenangaben. Zwar nennt der Autor die Quellen immer wieder einmal direkt im Text – z.B. Martialis berichtet … – aber so richtig nachprüfbar ist vieles nicht, wie etwa der an einer Stelle genannte doppelte Eintrittspreis, den Frauen beim Besuch einer Therme bezahlen mussten. Es wäre schon interessant, auf welchen überlieferten historischen Informationshäppchen solche Aussagen beruhen, um deren Gewicht einschätzen zu können (Leser mit ‚Quellenfetisch‘ gehören vermutlich nicht zur Hauptzielgruppe des Buchs – dazu unten mehr).
    Auch stieß ich auf ein paar kleinere Patzer, wie etwa die Aussage, Militärtribunen hätten auf Ihrer Tunika nur einen Streifen (clavus) gehabt, obwohl es in Wirklichkeit zwei waren. Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Autor durchaus bemüht war, sich an den Fakten zu orientieren. Zu 99 Prozent ist ihm das auch gelungen.

    Das Buch beinhaltet diverse Abbildungen, wie etwa die Rekonstruktionszeichnung einer in Carnuntum von Archäologen entdeckten Gladiatorenschule sowie Fotos, die reale Rekonstruktionen römischer Bauwerke des Archäologischen Parks Carnuntum zeigen. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass dieses Buch bei vielen Lesern Interesse daran weckt, Carnuntum in Niederösterreich einmal selbst zu besuchen. Und das dürfte auch die Intention des Autors gewesen sein.
    Trotzdem beziehen sich viele Beschreibungen nicht spezifisch auf die Situation in Carnuntum. Das ist schade; ich habe mir aufgrund des Titels mehr erwartet. So gesehen ist dieses Buch wohl eher für jene geeignet, die ein allgemeines Interesse am fassettenreichen Leben in einer antiken römischen Stadt haben; besonders dann, wenn das einschlägige Vorwissen über die Antike beim Leser noch nicht allzu stark ausgeprägt ist.

    Inhaltsverzeichnis

    – Prolog
    – Imperatoren, Carnuntum erwartet euch!
    – Diese Stadt ist voller Feste
    – Willkommen in meiner villa urbana
    – Mit einem Gongschlag lädt die Therme zum Genießen ein
    – Mann, Frau, Begierde und Moral
    – Martialisches zieht uns in die Arenen
    – Der Tod in Carnuntum hat iele Gesichter
    – Unser Reichthront auf Disziplin, Treue und Tapferkeit
    – Das Paradies, in dem wir Leben dürfen
    – Geschriebenes unterscheidet uns von den Barbaren
    – Mögen die Götter unseren Kaiser erhellen!
    – Historisches Pannonien heute
    – Infos

    —————–

    Weiterführende Informationen:


    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Ist das Judentum monotheistisch? — Akustische Archäologie — Ein Transvestit im Dienste des Sonnenkönigs — Luther wollte mehr — Der Körper im Judentum

    Ist das Judentum monotheistisch? – Zwei Götter im jüdischen Himmel | Spieldauer 17 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
    Der Körper im Judentum – Wertschätzung des Lebens | Spieldauer 22 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

    Akustische Archäologie – Wie Paris im 18. Jahrhundert klang | Spieldauer 5 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download

    Le Chavalier d´Eon – ein Transvestit im Dienste des Sonnenkönigs | Spieldauer 16 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download

    Luther wollte mehr – Eugen Drewermann im Gespräch mit Hans Dieter Heimendahl | Spieldauer 23 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Videos: Mit Schwert und Rüstung beim Mittelalter-Verein — Rekonstruktion eines antiken Schiffes

    Mit Schwert und Rüstung beim Mittelalter-Verein Reisecen | Spieldauer 30 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
    Der SWR verbringt ein Wochenende beim Mittelalter-Verein Reisecen auf der Bachritterburg Kanzach.
    Rekonstruktion eines antiken Schiffes | Spieldauer 12 Minuten | ARD | Stream & Info, Direkter Download
    Im Norden Israels rekonstruiert man ein 2500 Jahre altes antikes Schiff. Wenn es fertig ist, möchten die Bootsbauer damit im nächsten Jahr in Marseille an einer Regatta für nachgebaute antike Wasserfahrzeuge teilnehmen.
    —————–

    Hörbares: Der Limes — Augustus — Kelten-Bier nachgebraut — Unbekannte Pharaonen-Statue — Die Menora



    Der Limes – Die Außenhaut des Römischen Reichs | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Augustus – Friedenskaiser und Gewaltherrscher | Spieldauer 22 Minuten | BR | Direkter Download
    Keltentrunk 2.0 – US-Forscherin braut Bier aus der Eisenzeit nach | Spieldauer 5 Minuten | DR | Direkter Download
    Doch kein Ramses-Fund – Welchen Pharao zeigt die Statue? | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
    Ausstellung in Rom: Die Menora und ihre Rätsel | Spieldauer 4 Minuten | DR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Buch: Die Vermessung der Ozeane – Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit

    Im Buch Die Vermessung der Ozeane: Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit (Verlag Delius Klasing) schildert der Autor Olivier de Carrer die Entwicklung der Kartographie sowie das sich wandelnde Bild, das die Menschheit im Lauf der letzten Jahrtausende von der Erde gewann.
    Beispielsweise haben wir einem Schreiber des ägyptische Herrschers Snofru die erste historisch überlieferte, formelle Erwähnung einer Seereise zu verdanken; bereits um 3000 v. Chr. verzeichnete dieser die Ankunft von 40, mit Zedernholz beladenen Schiffen aus Byblos (Libanon). 
    Auch die Forschungsarbeit von so berühmten Wissenschaftlern wie Eratosthenes von Kyrene (berechnete Erdumfang) und Hipparch von Nikaia (teilte Erdumfang als erster in 360 Grad) werden in allgemein verständlicher Weise erläutert.
    Der Fortschritt der Kartographie wird überdies mithilfe großformatiger Abbildungen alter Karten veranschaulicht. Anhand dieser erklärt der Autor unter anderem, welchen Zweck Windrosen und das für Laien verwirrend wirkende Netz von sogenannten Rumbenlinien haben (siehe z.B. das abgebildete Buchcover). 
    Da die meisten der überlieferten Welt- und Seekarten (sog. Portolane) aus dem europäisch-westlichen Kulturkreis stammen, nehmen sie und ihre Entwicklung naturgemäß mehr Raum im Buch ein, als etwa die Kartographie und Seefahrt in Asien. Trotzdem wird auch auf die Kulturen abseits Europas nicht völlig vergessen; beispielsweise würdigt der Autor die navigatorischen Fähigkeiten der Polynesier, die bereits vor Jahrtausenden auf abenteuerlichen Fahrten, unter Zuhilfenahme heute oft nicht mehr bekannter Navigationshilfen, die Besiedelung der Pazifikinseln in Angriff nahmen.
    Überhaupt ist ja die Geschichte der Kartographie auch immer eine der Entdeckungsreisen. Daher ist z.B. von berühmten Männern wie Kolumbus die Rede, aber auch von João Vaz Corte-Real, der bereits 1472 – also 20 Jahre vor Kolumbus – (Nord-)Amerika (wieder-)entdeckt haben könnte. Im Gegensatz zu Kolumbus hatte er freilich keine mächtigen Gönner und spielte auch nicht dermaßen geschickt auf der PR-Orgel, sodass seine Aktivitäten in Vergessenheit gerieten. Doch selbst der Portugiese Corte-Real war vielleicht nicht der erste Europäer des ausgehenden Mittelalters, der amerikanischen Boden betrat. Es ist nämlich denkbar, dass Kabeljau-Fischer bereits Mitte des 15. Jahrhunderts bei Neufundland an Land gegangen sind. Darauf deuten französische Karten hin, die Teile der nordamerikanischen Küste bereits vor den offiziellen Entdeckungsfahrten in dieser Gegend zeigten. Kolumbus könnte davon gewusst haben …

    Fazit: Der Autor ermöglicht in Die Vermessung der Ozeane Nichtfachleuten einen unkomplizierten, sehr schön illustrierten Einblick in die historische Entwicklung der Kartographie. Manch neugierigem Leser werden die Erläuterungen punktuell vielleicht aber etwas zu sparsam sein. Ich hätte mir beispielsweise Näheres zu der berühmten Karte des Piri Reis gewünscht; ein Thema wie dieses sollte man nämlich nicht bloß Erich von Däniken überlassen 😉
    Der Preis für dieses großformatige Buch (36,5 cm x 27,3 x 2,5 x ) beträgt knapp 50 Euro.
    —————–

    Inhaltsverzeichnis:

    Eine Welt erfinden – Von der Frühzeit bis Eratosthenes
    Ein sehr langer Schlaf – Von Ptolemäus bis zum Mittelalter
    Zurück auf die offene See – Von der Pisaner Karte zur Schule von Mallorca
    Der vierte Kontinent – Vom „Atlas catalan“ bis Magellan
    Eine Karte für die Seefahrer – Von den ersten Seebüchern zum Seeatlas
    Ein anderer Blick auf den Ozean – Vom „Dépôt des cartes et plans“ zum GPS

    Weiterführende Informationen:

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

    Hörbares: Palmyra und der Bildersturm — Der Koloss von Kairo — Spektakulärer Keltenfund — Wertvoller Codex Gisle — Betrogener Louvre



    Palmyra und der Bildersturm – eine Diskussion in der Akademie der Künste | Spieldauer 55 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info 

    Neuer Archäologiefund: Der Koloss von Kairo | Spieldauer 6 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

    Spektakuläre Funde am Bussen – Die Kelten an der oberen Donau | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
    Wertvolles Chorbuch aus dem Mittelalter: Der Codex Gisle | Spieldauer 7 Minuten | WDR | Stream & Info | Direkter Download

    Betrug: Dem Louvre wird eine antike Gold-Tiara angeboten | Spieldauer 4 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    PDFs: Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr — Römische Helme aus dem Thorsberger Moor — usw.

    Ad arma!: Römisches Militär des 1. Jahrhunderts n. Chr. In Augusta Raurica (komplettes Buch mit vielen Abbildungen) | E. Deschler-Erb

    Vom Spinnen und Weben, Flechten und Zwirnen. Hinweise zur neolithischen Textiltechnik an österreichischen Fundstellen | Karina Grömer

    Textiles and textile production in Europe. From Prehistory to AD 400 / Switzerland : Neolithic period | Fabienne Médard

    Gefärbte Textilien im vorgeschichtlichen Europa. Funde und Befunde vom Neolithikum bis zur Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. | Astrid Geimer

    —————–

    Mehr PDFs

    Konstruktionsmethoden und Funktionsweise römischer Aquädukte

    Überblick zu den Kontruktionsmethoden eines römischen Quädukts
     Die Grafik findet sich in hoher Auflösung – inkl. detaillierter Beschriftung – bei Flickr zur freien Verwendung
    Beim Bau einer römischen Fernwasserleitung (Aquädukt) musste nicht selten eine Vielzahl an verschiedensten Hindernisse überwunden werden, die sich aus den Besonderheiten des jeweiligen Geländes ergaben. Welche technischen Lösungen die antiken Baumeister dafür entwickelten, veranschaulicht die obige Grafik. Das Trassengefälle wurde hierbei zwecks leichterer Erkennbarkeit von mir bewusst übertrieben dargestellt. In der Realität betrug es hingegen mitunter gerade einmal 0,14 Promille (z.B. Pont du Gard/Nîmes) – das entspricht einem Höhenunterschied von lediglich 14 cm auf einem Kilometer Länge! 

    (1) Quellfassung, Sickergalerie, Flussableitung oder Talsperre: Bei der Wahl ihres Wassers waren die Römer äußerst wählerisch. Dementsprechend bevorzugte man hochwertiges Quellwasser, das mittels einer regulären Einfassung oder einer Sickergalerie aus lose aufeinandergesetzten Steinen angezapft wurde – so z.B. im Fall der Eifelwasserleitung nach Köln.

    In Ausnahmefällen griff man auch auf Flusswasser zurück; vorzugsweise auf solches aus den noch vergleichsweise sauberen Oberläufen. In trockenen Gegenden – wie etwa Spanien – wurden zusätzlich Talsperren errichtet, um auch im Sommer genügend Wasser vorrätig zu haben.
    Kalkhaltiges – und somit geschmacklich besseres Wasser – erfreute sich größerer Beliebtheit als kalkarmes. Es konnte daher vorkommen, dass eine ferne kalkhaltige Quelle mit vergleichsweise großem Aufwand erschlossen wurde, anstatt auf eine nahe, zwar saubere, aber eben kalkarme Quelle zuzugreifen. Dem Problem, dass sich der im Wasser gelöste Kalk an der Innenseite der Leitungen ablagerte, begegnete man häufig bereits in der Planungsphase mit einem stark überdimensionierten Leitungsquerschnitt, sodass die sich bildenden Sinterschichten, die beispielsweise beim Pont du Gard bis zu 50 cm (!) betragen, erst nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten entfernt werden mussten.
    Während unterirdische Überlandleitungen häufig begehbar und gemauert waren, wurden in innerstädtischen Verteilernetzen kleinere Rohre verwendet, die mitunter aus gesundheitsschädlichen Blei bestanden. Interessanterweise waren es aber ausgerechnet die oben beschriebenen Kalkablagerungen, die hier eine Vergiftung des Trinkwassers weitestgehend verhinderten. Trotzdem wies der antike Baumeister Vitruv darauf hin, dass Wasser aus Tonröhren gesünder ist. (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 10-11). Und in der Tat war ja zumindest bei neu verlegten Rohren aus Blei noch keine schützende Kalkschicht an der Innenseite vorhanden.

    (2) Unterirdischer Kanal: Beim Begriff Aquädukt denken viele zu allererst an Brückenbauten für den Wassertransport. Doch eigentlich sind damit sämtliche Bauformen römischer Fernwasserleitungen gemeint. Unter anderem zählen dazu unterirdische Kanäle. Diese waren, wie der größte Teil des Fernwasserleitungssystems, als Freispiegelleitungen ausgeleg (Ausnahme, siehe Punkt 7). Das Wasser floss darin einzig und alleine aufgrund eines stätigen Gefälles von A nach B. Man spricht hier passenderweise auch von Gefälle- oder Gravitationsleitung
    Diese unterirdischen geführten Kanäle bestanden – wenn sie z.B. nicht durch Felsen getrieben worden waren – zumeist aus gemauerten Ziegelsteinen bzw. aus in Holzverschalungen gegossenen opus caementitium (Gussbeton). Letzerer ist bezüglich Druckfestigkeit selbst mit heutigen Methoden kaum zu übertreffen.
    Zwar war die Innenseite der Kanäle mit opus signinum (ein wasserdichter Mörtel) verputzt, doch schüttete man bei der ersten Inbetriebnahme zur Vorsicht Asche in das Wasser, die undichte Stellen abdichten sollte (Vitruv, De Architectura VIII, 6, 9). In einigen Fällen wurde sogar zusätzlich die Außenseite versiegelt, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Daran ist ersichtlich, welch außerordentlich großer Wert im antiken Rom auf die Trinkwasserqualität gelegt wurde.

    (3) Oberirdisch auf einer Mauer geführter Kanal: Kleine Einschnitte im Gelände wurden mithilfe einfacher, schmuckloser Mauern überbrückt. In steinarmen Gegenden waren auch Erddämme ein Option.
    Überdies deckte man oberirdisch geführte Trinkwasserkanäle wie diesen oft mit Platten ab. Dadurch wurde nicht nur die Verschmutzung des Wassers minimiert, sondern auch sein Verdunsten. Besonders in eher heißen Gebieten war dies von Bedeutung. 

    (4) Tunnel in Qanat-Bauweise (Lichtloch-Verfahren): Im äußerst trockenen Nahen Osten stellte das Qanat schon früh eine Möglichkeit dar, tief im Boden liegende Grundwasservorkommen zu erschließen. Dabei wurde ein langer, wasserführender Tunnel mit vielen von oben kommenden Verbindungsschächten angeschnitten, über die Wasser entnommen werden konnte. Im Laufe der Zeit gelangte dieses Verfahren zu den Etruskern, von denen es sich wiederum die Römer abschauten. Letztere entwickelten das Qanat weiter und führten es im allgemeinen Tunnelbau ein: Dabei teilte man zuerst den geplanten Tunnel in unterschiedliche Baulose ein. Jeder dieser Abschnitte wurde dann mittels eines senkrechten Schachts von zuvor exakt berechneter Tiefe erschlossen. Die vom Grund der Schächte aus gegrabenen, (mehr oder weniger) waagrecht verlaufenden Tunnel-Teilstücke verbanden sich nach und nach zu einem vollständigen Ganzen.
    Neben dieser Möglichkeit Tunnelbauten zu realisieren nutzten die Römern auch noch das sogenannte Gegenort-Verfahren – siehe Punk 6.

    (5) Aquäduktbrücke: Wie schon unter Punkt 2 erläutert, wird der Begriff Aquädukt häufig ausschließlich mit römischen Brückenbauten für den Wassertransport gleichgesetzt – was freilich ein Irrtum ist.

    Aquäduktbrücken bestanden in der Regel aus gebrannten Ziegeln und/oder Naturstein (plus opus caementitium). Sie erreichten Höhen von bis zu 50 Meter und unterteilten sich häufig in mehrere Halbkreis-Bögen. Die Spannweite eines einzigen Bogens konnte dabei bis zu 25 Metern betragen. Auf der Krone dieser Bauten befand sich eine steinernen Rinne, in der das Wasser transportiert wurde.
    Solche Brücken überspannten nicht nur Trocken- sondern auch Flusstäler. Für die antiken Ingenieure bedeutete letzeres eine zusätzliche technische Herausforderung, da Pfeilergründungen im Wasser bzw. im feuchten Untergrund nicht unproblematisch waren.
    Da mit dem Bau vieler Aquäduktbrücken allem Anschein nach bereits begonnen wurde, wenn die Wasserleitung noch gar nicht bis zum betreffenden Tal vorgetrieben worden war, konnte es vorkommen, dass im Falle einer nachträglichen Änderung des Trassenverlaufs die Brücke plötzlich obsolet wurde. Sie stand dann halb oder gar schon ganz fertig sinnlos in der Gegend herum. Man nennt so eine Brücke umgangssprachlich Soda-Brücke, weil sie einfach „so dasteht“.
    In steinarmen Gegenden wurden mitunter gewaltige Brücken bzw. Dämme aus Erde aufgeschüttet, um Talsenken zu durchqueren. Beispiele hierzu liefern die römischen Siedlungsplätze von Tongeren und Nimwegen.
    Auf der obigen Grafik nicht gesondert eingezeichnet, aber durchaus von einiger Bedeutung waren Umlenkbecken, die sich häufig unmittelbar vor großen Brückenbauten archäologisch nachweisen lassen. Sie dienten dem Zweck, Brücken für Reparaturarbeiten trocken zu legen.

    (6) Tunnel im Gegenort-Verfahren: Hierbei wurde der Tunnel von zwei Seiten in Angriff genommen. Man traf sich ungefähr in der Mitte des Berges.
    Die frühesten Beispiele für dieses Verfahren stammen nicht von den Römern, sondern aus dem Nahen Osten. Beispielsweise stellte Hiskia, der von 725-697 über das Königreich Juda regierte, mit einem 533 Meter langen Großtunnel die Wasserversorgung Jerusalems in Kriegszeiten sicher.
    Auch der schon von Herodot bewunderte, 1036 Meter lange  Eupalinos-Tunnel, der in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auf der Insel Samos entstand und nach dem dafür verantwortlichen Baumeister benannt wurde, fußt auf dem Gegenort-Verfahren.
    Der bekannteste Gegenort Tunnel der Römer ist gleichzeitig auch der längste bekannte Tunnel, der in der Antike errichtet wurde. Dabei handelt es sich um den sogenannten Claudius-Tunnel. Er ist bemerkenswerte 5595 Meter lang und wurde in 11 Jahren von angeblich 30 000 Arbeitern aus dem Felsen gegraben. Zweck dieses Bauwerks war es, den Wasserspiegel des Fuciner Sees abzusenken. Dies gelang allerdings nur eingeschränkt.

    Beim Graben von Tunneln im Gegenort-Verfahren bestand die Gefahr, dass sich die beiden Bautrupps verfehlten, sofern bei den Vermessungen und Berechnungen Fehler unterliefen – oder schlicht und ergreifend ungenau gearbeitet wurde. Ein Beispiel dafür ist eine in Saldae (Nordafrika) angelegte Wasserleitung. Beinahe wäre das gesamte Bauprojekt aufgegeben worden, weil es Probleme mit dem Tunnelvortrieb gab. Erst der vom Militär herbeigerufene Ingenieur Nonius Datus war in der Lage die Arbeiten erfolgreich fortzuführen, wie er noch auf seinem Grabstein (!) stolz verkündete. Dieser Text gibt einen ausgezeichneten Einblick in den antiken Tunnelbau. Außerdem lässt seine Veröffentlichung darauf schließen, dass die auftretenden Probleme beim Bau dieses Aquädukts einst hohe Wellen schlugen. Doch mehr dazu demnächst in einem gesonderten Blogbeitrag.

    (7) Siphonstrecke / Druckrohrleitung: Vor allem bei Tälern, die tiefer als 50 Meter waren – wo also der Bau von entsprechend hohen Aquäduktbrücken bezüglich Statik und Aufwand problematisch wurde – griffen die römischen Ingenieure auf Druckrohrleitungen zurück. Dabei machten sie sich das Prinzip der kommunizierenden Röhren zunutze: In miteinander verbundenen Röhren behält nämlich das Wasser an jeder Stelle denselben Pegel. Allerdings ist zu beachten, dass aufgrund eines gewissen Druckverlusts das Wasser am Ausgang der Leitung des Aquädukts nicht die gleiche Höhe wie am Eingang erreichen kann. Dementsprechend tiefer musste der Ausgang geplant und gebaut werden.
    Auch im innerstädtischen Bereich war es oft sinnvoll, das Verteilernetz nicht nur in Form von Freispiegelleitungen, sondern auch mit Druckrohrleitungen zu betreiben. So konnten – etwa im hügeligen Rom – selbst höher gelegene Gebiete größtenteils mit Trinkwasser versorgt werden. Allerdings war der Wasserdruck zumeist nicht stark genug, um auch die obersten Stockwerke der Häuser mit fließendem Wasser zu versorgen. Der Gang zu einem der unzähligen öffentlichen Straßenbrunnen zählte daher für die große Mehrheit der Bevölkerung zum Alltag. Übrigens, das überschüssige, permanent aus den Brunnen ausströmende Wasser wurde abgeleitet und zum durchspülen der Gossen und der Abwasserkanäle benutzt (heute erzählt man hingegen selbst den Menschen im wasserreichen Mitteleuropa, sie mögen doch Wasser sparen, was jedoch zu enormen Folgekosten führt, da die Abwasserleitungen nicht mehr ausreichend von Wasser durchströmt werden und verkrusten bzw. häufiger verstopfen).
    Als Material wurden für römische Druckrohrleitungen Röhren aus Stein, Blei oder Ton verwendet – wobei regionale Unterschiede zu beobachten sind. Auf dem Gebiet des heutigen Frankreich dominierten beispielsweise Röhren aus Blei, während man in der Türkei eher auf Stein setzte.
    (8) Hochleitung: Sie dienten u.a. dazu, den durch einen vorhandenen Höhenunterschied aufgebauten Wasserdruck bis zu einem bestimmten Punkt des Leitungssystems zu halten.
    Überreste solcher Hochleitungen finden sich etwa vor und in der Stadt Rom. Ein besonders bekanntes Beispiel ist ist die von Caligula begonnene und von Claudius fertiggestellte Aqua Claudia. Auch die beeindruckende Hochleitung des Aquädukts von Miturno (Miturnae) ist bis heute zum Teil in einem äußerst guten Erhaltungszustand und kann von Interessierten Touristen besichtigt werden.

    (9) Verteilerbecken (castellum divisorium): Im „castellum“ endete die Fernwasserleitung. Das transportierte Wasser wurde hier verteilt und in das innerstädtische Druckleitungssystem eingespeist. In diesem gab es weitere Verteiler – beispielsweise in Form von schlanken, mit Steigleitung versehenen Türmchen, wie sie z.B. an vielen Straßenkreuzungen in Pompeji standen bzw. auch heute noch stehen.

    Vitruv gab den Ratschlag, die im castellum vorgenommene Verteilung des Wassers nach Art der Abnehmer zu trennen. Und zwar dergestalt, dass bei eintretender Wasserknappheit die öffentlichen Anlagen automatisch gegenüber privaten Abnehmern bevorzugt wurden. Eine praktische Umsetzung dieses Ratschlags ließ sich bisher allerdings nicht nachweisen; weder im hervorragend konservierten Pompeji noch in anderen Städten wie Nîmes, wo die Verteileranlage ebenfalls erstaunlich gut erhalten blieb. Vitruv könnte demnach nur den Idealzustand der Wasserversorgung einer Stadt beschrieben haben, aber nicht den tatsächlichen.
    Übrigens, hier nicht extra eingezeichnet ist das vergleichsweise klein dimensionierte Absetzbecken, das sich noch unmittelbar vor dem Verteilerbecken befand. Es diente zum Klären bzw. Reinigen des Wassers von Schwebstoffen.

    —————–


    Weiterführende Literatur:

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Krimskrams: Varusschlacht in Kalkriese? — Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing — Zensur-Doku

    Varusschlacht in Kalkriese?

    Das Museum von Kalkriese ist in optischer Hinsicht ein absoluter Graus: Hässliche, vor sich hinrostende Stahlinstallationen stehen verstreut im Gelände und beleidigen die Augen all jener Besucher, deren ästhetisches Empfinden noch nicht völlig den Bach hinunter gegangen ist (siehe Bild).
    Überdies kann nicht als gesichert gelten, dass die Varusschlacht wirklich in Kalkriese stattgefunden hat. Genauso gut könnte sich dort wenige Jahre später der römische Feldherr Germanicus auf seinem mäßig erfolgreichen Rachefeldzug mit den Germanen geprügelt haben. 
    Zu dieser Fragestellung soll nun im Rahmen eines großen Projektes geforscht werden, wie Archäologie Online berichtet: Klick mich
    Interessant wäre auch zu erfahren, inwieweit tatsächlich Kritiker der Kalkriese-These in das Forschungsprojekt eingebunden werden. Oder ob es sich hierbei vor allem um eine Veranstaltung handelt, die Kalkriese als Schlachtort bestätigen soll. Man darf nämlich eines nicht vergessen: Das Museum vor Ort wurde rund um den Mythos Varusschlacht errichtet. Bricht der quasi weg, ist das selbstverständlich für das Museum sowie seine Geldgeber – vor allem die Lokalpolitik – eine wenig schöne Entwicklung …

    —————–

    Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing


    Ein Leser machte mich auf einen Beitrag aufmerksam, in dem es darum geht, dass deutsche Verleger ein Verbot von Adblockern fordern. Anderenfalls könnten sie ihre drittklassigen Schmierblätter vorzüglichen Qualitätsblätter nicht mehr finanzieren. Und das wäre angeblich ganz schlimm, weil dann würde die breite Masse der Bevölkerung beispielsweise durch Blogger, die „journalistische Standards“ nicht erfüllen, informiert. Mon dieu!
    Ich bin jedenfalls stolz darauf, mein Blog nicht im Rahmen dieser sogenannten „journalistischen Standards“ zu betreiben. Denn in dem Fall müsste ich beispielsweise den Campus Galli ganz toll finden – oder zumindest so tun als ob – und diese geschichtsdidaktische  Abraumhalde wie ein Blöder belobhudeln; bei gleichzeitigem Verschweigen oder Kleinreden des im Umfeld dieses Projekts errichteten Förder- und Abpumpdickichts. 
    Auch ein Interview wie zuletzt jenes mit Stefan Wolters vom Geschichtspark Bärnau-Tachov, das übrigens bisher gut 3000 Mal angeklickt wurde, wäre im Rahmen der vielgepriesenen „journalistischen Standards“ kaum denkbar. Einfach weil Zeitungen – selbst die Online-Ausgaben mit überreichlich Platz – ihre Leser für zu dumm halten, ein ausführliches Interview in dieser Länge geistig verarbeiten zu können. Infolgedessen beschränken sich die ‚Profis‘ auf das Verabreichen von journalistischem Fingerfood mit homöopathischem Informationsgehalt.
    Nein wirklich, behaltet doch bitte eure vermeintlichen Standards, liebe Journalisten. Und während ihr eure Berichterstattung immer öfter an den Befindlichkeiten von Anzeigenkunden ausrichtet, nehme ich mir das Recht heraus, hier zu frei schreiben, was mir passend erscheint. Denn eure ständig im Mund geführte „Unabhängigkeit“ bedeutet in der Realität vor allem eines: Finanzielle Unabhängigkeit! Und darüber verfügt nahezu keine von euch hauptberuflichen Meinungströten. 
    Im Übrigen: Würden die Online-Portale – besonders jene der Zeitungen – nicht so unsäglich viel Werbung schalten, oft noch dazu in animierter und lärmender Form, dann hätten sich Adblocker nie dermaßen weit verbreitet.
    Doch es verhält sich hierbei wohl so ähnlich wie bei der tagtäglichen Trump-Berichterstattung: Man hat längst jedes Maß verloren und überdies völlig übersehen, wie sehr man vielen Medienkonsumenten mit derlei Dauerpenetrationen auf den vielzitierten Sack geht. 
    —————–


    In den Logfiles entdeckt: Zensur-Doku

    Unlängst warf ich einen Blick in die Logfiles dieses Blog und dabei fiel mir auf, dass alleine in den letzten paar Tagen an die 400 Zugriffe auf einen schon etwas älteren Beitrag zu verzeichnen sind, in dem es unter anderem um die sogenannten „Skeptiker“ sowie den tendenziell unappetitlichen Internetauftritt des satirischen Negativpreises „Das goldene Brett“ geht.
    Woher genau kamen die Zugriffe? Von verschiedenen Webseiten, aber ursprünglicher Ausgangspunkt scheint der Kommentar unter einer aktuellen, bei Youtube veröffentlichten Doku zu sein, in der es, neben sehr schlechtem Journalismus, besonders um Zensur und Manipulation bei Wikipedia geht. Daran beteiligt sollen laut Dokumacher nicht zuletzt Mitglieder besagter Skeptiker sein. Auch ein ehemaliges Skeptiker-Mitglied – quasi ein Aussteiger aus dieser sektenhaft anmutenden Bewegung – kommt dabei zu Wort. 
    Die über zweistündige Doku erscheint mir in mancherlei Hinsicht inhaltlich durchaus interessant, obschon das teilweise im Hintergrund wabernde Thema 911 mich weniger ‚anturnt‘: Zur Doku
    —————–

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Die mysteriösen Chachapoya — Die Handweberinnen Sylvia Wichmann und Hermine Kraus — Museale Fleißaufgabe

    Bei den Wolkenkriegern: Die mysteriösen Chachapoya | Spieldauer 15 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
    Die Handweberinnen Sylvia Wichmann und Hermine Kraus | Spieldauer 56 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Ich habe im Zuge meines Living-History-Hobbys mit Handwebern ja ganz ’speziellen‘ Erfahrungen gemacht. Will heißen, keine sehr positiven. Aus dem Freundes- und Bekanntenkreis konnte ich ähnliches vernehmen. Es gibt aber auch professionelle Handweber bzw. Handweberinnen, die deutlich höhere Qualitätsstandards pflegen als viele ihrer Kollegen (und ‚innen‘) – darunter die beiden Damen in oben verlinktem Plausch. 
    Völkerkundemuseen prüfen die Herkunft ihrer Schätz | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
    Mit dieser Aktion dürfte man in den meisten Fällen um viele Jahrzehnte, wenn nicht sogar um Jahrhunderte, zu spät dran sein; einfach weil die einstigen Besitzer entweder längst tot sind oder sich aufgrund des großen zeitlichen Abstandes nicht mehr zweifelsfrei feststellen lassen (vom Überprüfen allfälliger, oft nur mündlicher Kauf- oder Schenkungsverträge ganz zu schweigen).
    Verbuchen wir die Nummer daher unter den Rubriken ‚Fleißaufgabe‘ und ‚politisch korrektes Posing‘. Das Heischen um Sozialprestige spielt hierbei eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Die Rechnung dafür übernimmt der Steuerzahler.

    —————–

    Krimskrams: Die Knieschützer des Pharao — Campus Galli, "ein finanzpolitisches Hütchenspiel"

    Schminkpalette des ägyptischen Königs Narmer
    (Hierakonpolis, 1. Dynastie) 
    Im Buch Formen und Stile: Antike (Benedikt Taschen Verlag, 1994) findet sich die nebenstehende Zeihnung des ägyptischen Herrschers Narmer, der um 3000 v. Chr. regiert haben soll.
    Der König mit erregierter Zipfelmütze (eigentlich die weiße Krone Oberägyptens) und am Gürtel befestigter Peitsche scheint hier einen äußerst knapp bekleideten Mann an den Haaren zu packen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um einen Feind bzw. Gefangenen (der scheinbar nichts Besseres zu tun hat, als dem König auf den Schritt zu starren – aber irgendwie kommt mir sowieso die ganze Szene etwas ’schwül‘ vor 😄).
    Mit Interesse habe ich festgestellt, dass der abgebildete Herrscher (der Titel ‚Pharao‘ kam ja eigentlich erst viel später auf) Knieschützer wie ein Skater trägt. Wenn man davon ausgeht, dass es sich hier um eine kriegerische Darstellung handelt, dann frage ich mich, welchen praktischen Zweck dieses ‚Accessoire‘ erfüllte (das übrigens auch auf anderen ägyptischen Bildwerken vereinzelt zu sehen ist). 
    Einen Schutz wie Beinschienen bieten Knieschützer ihrem Träger nicht einmal annähernd. Ich kann keinen Sinn darin erkennen, sich so etwas für den Kampf umzuschnallen. 
    Triftige Gründe wird es für die alten Ägypter natürlich trotzdem gegeben haben. Möglicherweise sollten die Knieschützer gar nicht vor feindlichen Waffen schützen, sondern erfüllten eine völlig andere Aufgabe? Grundsätzlich muss man nämlich sagen, dass richtige Rüstungen in jener Phase der ägyptischen Geschichte noch recht unüblich gewesen sein dürften.

    Ich denke, es wird Zeit, dass ich mir ein gutes Buch über Soldaten und Waffen des Alten Ägypten zulege. Mal sehen, ob ich dazu etwas Schönes finde.

    —————–
    Leserbrief:  Campus Galli – „Ein finanzpolitisches Hütchenspiel“
    Die im baden-württembergischen Meßkirch beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli wurde aufgrund scheinbar nie enden wollender Finanzspritzen aus dem Topf des Steuerzahlers, fragwürdiger wissenschaftlicher Umsetzung und diversen, dem Marketing geschuldeten Behumpsereien schon des Öfteren kritisiert.
    Das hindert die Verantwortlichen freilich nicht daran, ein Bild zu zeichnen, in dem zumindest die lokale Bevölkerung hinter dem Projekt steht. So meint etwa der Meßkircher Bürgermeister Arne Zwick: „Die Unterstützung in der Bevölkerung ist breit.“ Und der Geschäftsführer des Projekts, Hannes Napierala, erklärt, die Mehrheit der Meßkircher sei stolz auf das Projekt. Belegen können oder wollen die beiden Herren ihre Behauptungen freilich nicht. 
    Und in der Tat dürfte sich die Stimmung vor Ort gravierend von solchen rosigen Träumereien unterscheiden. Beispielsweise war vor wenigen Wochen in der BZ folgendes zu lesen:

    Die Skepsis der Einheimischen zeigt sich auch am Stammtisch des Gasthofs zum Adler. Dort waren nur drei von acht jemals auf dem Bauareal, der Rest weigert sich dezidiert. Man habe nicht wirklich etwas gegen das Projekt, heisst es, sondern eher etwas gegen die Finanzierung. Vernünftige Sportanlagen gebe es hier seit Jahren nicht, Löcher in den Strassen dafür umso mehr, und jedem Verein werde das Geld gekürzt, aber das Klosterdorf, das erhalte Hunderttausende Euro. Ein wenig verloren zwischen den Gegnern aus dem Dorf sitzt Thomas Schlude auf der Eckbank, auch er einer von hier, Messkirchner, aber auf der anderen Seite der Geschichte. […]

    Erwähnenswert wäre noch: Besagter Herr Schlude, CDU-Stadtrat von Meßkirch, soll laut Medienberichten als Finanzberater des Campus Galli auch persönlich finanziell von dem Projekt profitiert haben. Ob das seine Zuneigung für den Campus Galli ein wenig erklärt?

    Schon mehrfach wurde die vermeintliche „Klosterstadt“ von Bürgern in Leserbriefen kritisiert. Vor wenigen Tagen erst erschien eine entsprechende Kritik am Finanzgebaren des Campus Galli in der Print-Ausgabe der Schwäbischen Zeitung (was an sich schon erstaunlich ist, handelt es sich bei diesem Blatt doch um einen der wichtigsten medialen Cheerleader des Bauprojekts):

    Zu den städtischen Zuschüssen für den Campus Galli erreichte uns folgender Leserbrief:

     „Ein finanzpolitisclıes Hütchenspiel“

    Das Projekt Campus Galli soll im Jahr 2017 wiederum mit rund 300 000 Euro gefördert werden. Von diesem Betrag sollen 100 000 Euro als sogenannter Kassenkredit gewährt werden, der noch im laufenden Jahr zurückbezahlt werden soll. Legt man die veröffentlichten, prognostizierten Besucherzahlen zugrunde, drängt sich der Verdacht eines finanzpolitischen Hütchenspiels auf, denn wozu der erneute, identisch hohe Zuschussbedarf, wenn doch mit immer mehr Besuchern gerechnet wird? Im Übrigen haben die bisher veröffentlichen, angeblich gestiegenen Besucherzahlen nicht zu einer Minderung der Zuschüsse geführt. Es sieht im Gegenteil nach einer fortgesetzten, entgegen sämtlichen bisherigen Beteuerungen nicht absehbaren „Zuschusspolitik“ der verantwortlichen Entscheidungsträger aus. Denn mit Ablauf eines bisher jeden Betriebsjahres des Campus Galli verschiebt sich das „prognostizierte“ Ende der Förderungen immer weiter in die Zukunft. Zur Erinnerung: Nach den ersten drei Jahren sollte der Campus Galli sich selbst tragen. Mittlerweile heißt es „vielleicht 2018 oder 2019“. Allein dies belegt sehr eindrücklich, dass hier weder eine belastbare Planung, noch eine realistische Einordnung der Ressourcen vorliegen kann. Bei der mittlerweile (nicht) sichtbaren Umsetzung muss man sich schon die Frage stellen, ob hier nicht geschludert wurde/wird und in welchem Verhältnis das Ganze noch mit einer Daseinsvorsorge einer Gemeinde in Einklang gebracht werden kann.
    J. Kappler, Meßkirch

    Man sieht hieran: Aufgrund der schon beinahe institutionalisierten Kungelei zwischen Politik, Medien und gar nicht einmal so wenigen ‚Wissenschaftsprostituierten‘ fällt zunehmend wahrheitsliebenden „Normalbürgern“ die Aufgabe zu, Steuergeldverschwendung zu recherchieren und öffentlich aufzuzeigen. Besonders Zeitungen scheint es mitunter ganz recht zu sein, Kritik an bestimmten Misständen nicht selbst üben zu müssen – was ja bekanntlich Anzeigenkunden (wie etwa politische Parteien) vergraulen könnte. Stattdessen überlässt man dies Leserbriefschreibern.
    —————–

    Video: Karthagos vergessene Krieger – Wurde Amerika in der Antike entdeckt?

    Vor einiger Zeit habe ich hier Hans Giffhorns spannendes Buch vorgestellt, das den Titel trägt: Wurde Amerika in der Antike entdeckt?
    Dazu gibt es auch eine Doku aus dem Jahr 2013, die nun zum wiederholten Mal bei Arte lief. Sie ist allerdings nur noch knapp zwei Tage verfügbar!   Zum Video
    Übrigens scheint die Doku nur für Seher aus Deutschland abrufbar zu sein – oder für Leute mit passendem Proxy-Dienst :)
    —————–

    Krimskrams: Gab es Bücher in Kodex-Form schon im 8. Jh. v. Chr.? — Warum kein Inhaltsverzeichnis?

    Bei Wikipedia behaupten sie folgendes: 

    Die Papyrusrolle blieb bis in das 2. Jh. n. Chr. die vorherrschende Buchform. Daneben gab es bereits seit dem 6. Jh. v. Chr. in Griechenland Frühformen des Kodex. Sie bestanden, wie wir von bildlichen Darstellungen (z. B. Schreiberstatuen von der Athener Akropolis) wissen aus zusammengehefteten, manchmal gewachsten Holztäfelchen.

    Im ausgezeichneten Buch Formen und Stile: Antike (Benedikt Taschen Verlag, 1994) stieß ich hingegen kürzlich auf nachfolgende Darstellung einer antiken Grabstele. Darauf scheint ein Buch in Form eines Kodex abgebildet zu sein, das satte 200 Jahre vor dem von Wikipedia genannten Zeitpunkt angesiedelt ist; weiters sieht das Objekt keineswegs wie die zusammenklappbaren Wachstäfelchen aus, die bei Wikipedia als Kodex-Frühform genannt wurden, sondern vermittelt bereits den Eindruck eines typischen gebunden Buches, wie wir es z.B. aus dem Mittelalter kennen; sogar eine Buchschließe (?) ist vorhanden.

    Oder haben wir es hier mit etwas zu tun, das nur zufällig eine außergewöhnlich große Ähnlichkeit mit einem Kodex besitzt?
    Ein klein wenig stutzig macht mich nämlich der Umstand, dass sich die gestapelten Buchseiten (?) am Rand deutlich nach außen wölben; üblich ist nämliche eine konkave Form (oder zumindest sollten die Seiten gerade abfallen). Doch vielleicht handelt es sich bei dieser Darstellung lediglich um einen künstlerischen Mangel?
    Etwas merkwürdig erscheint mir auch der Umstand, dass das ‚Buch‘ entweder auf dem Kopf stehend oder von der Rückseite gezeigt wird. Aber eventuell hängt das mit der damals in dieser Weltgegend verbreiteten umgekehrten Schreibrichtung zusammen (ok, das ist eventuell eine extrem gewagte These)? Oder ist die abgedruckte Zeichnung einfach nur spiegelverkehrt – aus welchem Grund auch immer?

    Fragen über Fragen – Buch aus dem 8. Jh. v. Chr. oder doch nicht?

    Grabstele aus Kalkstein
    (Südosttürkei, 8. Jh. v. Chr.)
    —————–

    Warum kein Inhaltsverzeichnis?

    Verlage sollten auf ihren Internetseiten den Infotexten der angebotenen Fach- und Sachbücher generell das jeweilige Inhaltsverzeichniss beifügen. Dieses sagt über den Inhalt oft mehr aus, als manch oberflächlicher Klappentext. Aber den meisten Verlagen scheint so ein einfacher Copy&Paste-Vorgang zu viel Arbeitsaufwand zu sein …

    —————–

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Von kleinen Gemächten großer Statuen — Die Nibelungen — Mit Kupfer aus der Steinzeit — Geschichte der Satzzeichen — Geschichte der Informationskontrolle

    Zu kurz gekommen? Von kleinen Gemächten großer Statuen | Spieldauer 10 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download

    Die Nibelungen – Ein deutscher Mythos | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Mit Kupfer aus der Steinzeit – Wie der Mensch das erste Metall nutzte | Spieldauer 22 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download
    Punkt, Punkt, Komma, Strich – Die Geschichte der Satzzeichen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Zensur in der Literatur – Zur Geschichte der Informationskontrolle | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    Buch: Selbstbetrachtungen (Marc Aurel)

    Der Anfang von Roms Ende lässt sich mit guten Gründen bereits in der Regierungszeit des Kaisers Marc Aurel verorten. Eine verheerende Pest-Epidemie schwächte Land und Leute, während die germanischen Markomannen – als Vorboten der noch bevorstehenden Völkerwanderungszeit – Rom in einer bis dahin kaum gekannten Massivität militärisch herausforderten.
    Während den sich über viele Jahre hinziehenden Feldzügen verfasste Marc Aurel in seinem Quartier an der Donau die heute als Selbstbetrachtungen bezeichnete Sammlung von Essays unterschiedlicher Länge: manche bestehen aus nur wenigen Zeilen, andere wiederum sind etwas umfangreicher.
    Über die philosophische Qualität der vom Autor zu Papier gebrachten Gedanken maße ich mir kein Urteil an. Dazu fehlt mir die Qualifikation. Außerdem stehe ich der Philosophie ähnlich distanziert gegenüber wie der mit ihr verwandten Religion. 
    Warum aber habe ich mir die Selbstbetrachtungen dann überhaupt gekauft? Ganz einfach: Ich wollte mehr über Marc Aurel erfahren – aus erster Hand. Und in der Tat findet sich vor allem im allerersten der insgesamt zwölf ‚Bücher‘, in die das Werk unterteilt ist, so manch Persönliches aus dem Leben des Kaisers: Beispielsweise bedankt er sich beim Urgroßvater dafür, zuhause unterrichtet worden zu sein, anstatt auf einer öffentlichen Schule (kein Wunder, bei dem fragwürdigen Ruf, den römische Schulen bzw. die dort gepflegten Unterrichtsmethoden bereits in der Antike genossen). Kleine Zweifel am Urteilsvermögen des Philosophenkaisers kamen allerdings bei mir auf, als er sich für die wunderbaren Kinder bedankte, die ihm seine Frau geschenkt hat; schließlich war es Marc Aurels Sohn und Nachfolger Commodus, der durch Fehlentscheidungen und aufgrund schwerer charakterlicher Mängel die Krise des Römischen Reichs vertiefte. Doch eventuell hatte sich Commodus zu Lebzeiten seines Vaters einfach nur gut verstellt, sodass diesem verborgen blieb, wie ungeeignet der Sohnemann für das Herrscheramt ist.
    Die vom Nikol Verlag angebotene Übersetzung ist leider nur einsprachig und außerdem schon relativ alt. Sie stammt nämlich aus dem 19. Jahrhundert und wurde von Karl (Carl) Cleß verfasst. Trotzdem ist der Text erfreulicherweise auch heutigen Lesern ohne weiteres zumutbar (inwieweit eine Überarbeitung stattgefunden haben könnte, entzieht sich meiner Kenntnis). Auf erklärende Fußnoten muss man allerdings verzichten. 
    Weil für die Übersetzung das Urheberrecht längst abgelaufen ist, kann sie der Verlag sehr günstig anbieten. So kommt es, dass für diese optisch schön gestaltete Hard-Cover-Ausgabe lediglich sechs Euro verlangt werden. Bei diesem niedrigen Preis kann man zugreifen, ohne dabei viel falsch zu machen.

    —————–

    Weitere Informationen: 

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

    Hörbares: Rätselhafte Minoer — Attila und die Hunnen — Thor Heyerdahl — Erkundungen im Übernatürlichen



    Die Minoer – Das rätselhafte Volk Kretas | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
    Thor Heyerdahl – Held der Meere und Vorreiter der Experimentellen Archäologie | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & InfoDirekter Download
    Attila und die Hunnen – Das Kriegervolk aus der Steppe | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
    Geister, Gespenster, Spukerscheinungen – Erkundungen im Übernatürlichen | Spieldauer 27 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
    —————–

    "Tu es!" – Das gewaltsame Ende des Scheusals Caligula

    Caligula – der offiziell eigentlich Gaius hieß – gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römische Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste – schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
    Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so dürfte Caligula doch ein äußerst boshafter Schurke gewesen sein, dem – geisteskrank oder nicht (Stichwort „Cäsarenwahn“) – sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen.
    Zwei typische Charaktereigenschaften Caligulas waren ein starker Hang zum Jähzorn und die Eifersucht auf die herausragenden Leistungen anderer Menschen. So kam es beispielsweise, dass der von Sueton als füllig und unbeweglich beschriebene Kaiser sich maßlos über den seiner Meinung nach zu großen Publikumsapplaus für einen siegreichen Wagenkämpfer ärgerte:

    … da stürzte Caligula so eilig aus dem Amphitheater, dass er über den Zipfel seiner Toga stolperte und kopfüber die Stufen hinunter fiel (😃). Dabei schrie er außer sich vor Wut, dass das Volk, das die Welt beherrsche, aus völlig nichtigem Anlass einem Gladiator mehr Ehre erweise als dem vergöttlichten Fürsten oder ihm, der persönlich anwesend sei.(Sueton, Caligula 35, 3)

    Weil Caligula (laut Sueton) schütteres Haar hatte (seine Porträt-Büsten sind wohl arg geschönt) ließ er angeblich sogar aus Neid einigen Männern mit vollem, lockigem Haar zwangsweise den Hinterkopf rasieren.
    Besonders bekannt ist aber folgende Anekdote, mit der Sueton seinen Lesern wohl den schweren Dachschaden verdeutlichen möchte, unter dem Caligula gelitten haben soll:

    Bei einem festlichen Bankett brach er (Caligula) plötzlich in schallendes Gelächter aus, und als die Konsuln, die ihm zur Seite lagen, sich höflich nach dem Grund seines Lachens erkundigten, sagte er: „Weshalb ich lache? Weil ein Wink von mir genügt, euch beiden auf der Stelle die Kehle durchschneiden zu lassen!“ (Sueton, Caligula 32,3)

    Man hat es hier also mit einem echten Ungustl zu tun, wie es in Österreich so schön heißt. Daher ist es wenig verwunderlich, dass Caligulas Umfeld im Laufe der Zeit eine tiefe Abneigung gegen ihn entwickelte. Die ständigen Schikanen und Drohungen wurden unter anderem Cassius Chaerea, einem altgedienten Soldaten und amtierenden Prätorianer-Tribun, zu viel. Gemeinsam mit anderen Offizieren der Prätorianergarde und mächtigen Freigelassenen schmiedete er einen Plan zur Beseitigung des Scheusals auf dem Kaiserthron. Ein äußerst riskantes Vorhaben, denn schon zuvor waren Verschwörungen gegen Caligula aufgedeckt worden, was für die darin verwickelten Personen und wohl auch manch fälschlich Beschuldigten zumeist einen schmerzvollen, langsamen Tod nach sich zog. Doch diesmal plauderte niemand. Sueton überliefert die dramatischen Ereignisse folgendermaßen:
    Am 24. Januar (41 n. Chr.), etwa zur siebenten Stunde (= ca. 13:00 Uhr), war Caligula unschlüssig, ob er sich zum Mittagessen erheben sollte, da ihm die Speisen, die er am Vortag zu sich genommen hatte, noch schwer im Magen lagen; schließlich verließ er auf Zureden seiner Vertrauten das Theater. In dem überdachten Gang, den er durchqueren musste, trafen gerade vornehme Knaben, die aus Kleinasien herbeigeholt worden waren, um auf der Bühne aufzutreten, ihre Vorbereitungen; er blieb stehen, um ihnen zuzuschauen und gut zuzureden, und wenn der Leiter der Truppe nicht gesagt hätte, ihm sei kalt, wäre er an seinen Platz zurückgekehrt und hätte die Vorstellung beginnen lassen.
    Für das, was dann geschah, gibt es zwei Versionen: Die einen erzählen, Chaerea habe den Kaiser, als er zu den Knaben sprach, von hinten mit einem kräftigen Schwerthieb am Nacken schwer verletzt, nachdem er zuvor „Tu es!“ gerufen hatte. Dann habe der Tribun Cornelius Sabinus, der zweite Verschwörer, ihm von vorn die Brust durchbohrt. Nach dem anderslautenden Bericht ließ Sabinus die den Kaiser umgebende Menge (darunter laut Cassius Dio auch Caligulas Onkel und Nachfolger Claudius) durch eingeweihte Zenturionen entfernen, und fragte nach der Parole; als Caligula die Losung ‚Jupiter‘ ausgab, soll Chaerea „Dein Wunsch sei erfüllt“ gerufen und ihm, als er sich nach ihm umschaute, mit einem Schlag das Kinn gespalten haben. Als er zusammengekrümmt auf dem Boden lag und schrie, dass er noch lebe, gaben ihm die anderen Verschwörer mit dreißig Hieben den Rest. Für alle galt nämlich die Losung: ‚Noch einmal!‘ Manche stießen ihm das Schwert sogar durch die Genitalien.
    Beim ersten Lärm eilten ihm die Sänftenträger mit ihren Tragstangen zur Hilfe, bald darauf auch die germanischen Leibwächter und töteten einige der Attentäter und auch mehrere unschuldige Senatoren. (Sueton, Caligula 58,1-3)
    Die Schilderung Suetons beinhaltet einen interessanten Punkt, der den meisten heutigen Lesern entgehen dürfte: Der Tribun Chaerea soll, als er Caligula mit dem Schwert in den Nacken hieb, „Tu es!“ gerufen haben. Das war nicht einfach so dahergesagt, denn hierbei handelt es sich um eine religiöse Formel. Der römische Opferschlächter fragte nämlich den Priester vor dem Töten des Opfertieres: „Agone?“ („Soll ich es tun?“); woraufhin der Priester normalerweise antwortete: „Hoc age!“ („Tu es!“). Siehe dazu auch die obige Abbildung einer Opferszene.
    Möglicherweise handelt es sich bei dieser Schilderung Suetons um eine bewusste Anspielung an eine Drohung Caligulas, der laut Cassius Dio einmal ausgerufen haben soll: 

    O wenn ihr (das römische Volk) doch nur einen Nacken hättet! (Xiphilinos, 172,22-31)

    Nun hatten ihm seine Mörder gezeigt, dass er selbst es war, der nur einen Nacken besaß. Sogar vom Fleisch des Ermordeten sollen einige Attentäter aus lauter Hass gegessen haben, berichtet Cassius Dio. Und er schließt seine fragmentarisch überlieferte Schilderung mit folgender lakonischer Bemerkung ab:
    Nachdem Gaius (Caligula) in drei Jahren, neun Monaten und 28 Tagen all die berichteten Taten vollbracht hatte, musste er unmittelbar erfahren, dass er doch kein Gott war. (Xiphilinos 172, 20-22, Zonaras 11,7, Joann Antioch. fr. 84 M. (v. 11-14))
    —————–

    Weiterführende Literatur: 

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Video: Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine — Der "Juno"-Haarstil der Kaiserin Sabina

    Antike Frauenfrisuren: Der Juno-Haarstil der Kaiserin Sabina

    Janet Stevens rekonstruiert in diesem Video die Frisur der Ehefrau des Kaisers Hadrian mithilfe von einfachen Mitteln, wie sie wohl auch in der Antike gebräuchlich waren.




    Haut,- Knochen,- Hasen,- Fischleim und Gelatine


    Wer sich mit Rekonstruktionen historischer Objekte aus Holz beschäftigt, sollte nach Möglichkeit auf moderne Klebstoffe wie Weißleim verzichten. In folgendem Video bespricht ein Restaurator die Möglichkeiten, Holz mit natürlichen Mitteln äußerst wirkungsvoll zu verkleben.

    —————–

    Buch: Houses and monuments of Pompeii

    Pompeji zählt zweifellos zu den berühmtesten und umfangreichsten Denkmälern der Antike. Die Ruinen der im Jahr 79 n. Chr. von Vulkanasche verschütteten Stadt werden seit dem 18. Jahrhundert im großen Stil freigelegt, wobei es jedoch zu Beginn hauptsächlich um das Bergen von Kunstschätze ging, die den Sammlungen des Adels einverleibt werden sollten. Als sich diese Schatzgräberei dann im 19. Jahrhundert zur Wissenschaft der Archäologie weiterentwickelte, beschlossen die Brüder Fausto und Felice Niccolini eine mehrteilige Publikation zusammenzustellen, die Pompeji in seiner Gesamtheit einem breiteren Publikum bekanntmachen sollte: Ihr Titel war: Le case ed i monumenti di Pompei.
    Nach über 40jähriger Arbeit konnte Antonio, der Neffe der beiden Brüder, das Werk im Jahr 1896 vollenden: Auf über 400 Farblithografien wurden Ruinen, Mosaike, Wandgemälde, Grundrisse von Häusern und vieles mehr großformatig dargestellt. Dem Betrachter wird aufgrund dieser Vielfalt ein facettenreicher Einblick in das Aussehen und Alltagsleben einer antiken Stadt gewährt.
    Hinzu kommt, dass etliche der archäologischen Funde Pompejis aufgrund mangelhafter oder komplett fehlender konservatorischer Maßnahmen mittlerweile im Orignal nicht mehr existieren. Beispielsweise wurde ein im Buch abgebildetes Grabrelief, das außerordentlich interessante Details von Tierhatzen und Gladiatorenspielen zeigt, bereits kurz nach seiner Auffindung vom Winterfrost zerstört. Aus diesem Grund kann sich die heutige Forschung glücklich schätzen, zumindest auf die qualitativ hochwertigen Darstellungen der Brüder Niccolini zurückgreifen zu können.
    Das Buch Houses and Monuments of Pompeii (Taschen Verlag) basiert, soweit ich das sagen kann, weitestgehend auf den ursprünglichen Publikationen von Fausto und Felice Niccolini. Allerdings wurde es unter anderem mit zwei interessanten Essays angereichert, die vom Kunstgeschichtler Sebastian Schütze und dem Klassischen Archäologen Valentin Kockel stammen. Letzerer ist auch für die erklärenden Texte verantwortlich, die den unzähligen Abbildungen beigefügt wurden. Sowohl die Essays wie auch die Bildtexte und weitere z.T. relativ umfangreiche Einschübe – in denen Beispielsweise auf Fehlinterpretationen bei bestimmten zeichnerischen Gebäuderekonstruktionen eingegangen wird – sind dreisprachig; Nämlich Englisch, Deutsch und Französisch. 
    Abschließend möchte ich noch zwei kleine Kritikpunkte nennen: Es ist zwar sehr schön, dass man die archäologischen Funde mit großer Liebe zum Detail dargestellt hat, doch wäre es für den Leser von Vorteil, wenn diese Detailverliebtheit auch immer bei den dazugehörenden Bildtexten an den Tag gelegt worden wäre. Die sind nämlich beispielsweise bei den unten abgebildeten Gladiatoren-Helmen und medizinischen Geräten nur sehr rudimentäre ausgefallen. 
    Auch verstehe ich nicht so ganz, warum der Verlag ein Papier verwendet hat, das in Längsrichtung eine rillenartige Struktur aufweist. Das fühlt sich zwar beim Blättern sehr gut zwischen den Fingern an, hat aber den Nachteil, dass diese Rillen bei einem bestimmten Einfallswinkel des Lichtes deutlich hervortreten. Manch Abbildung sieht dann aus wie das Produkt eines Tintenstrahldruckers, bei dem einige Düsen verstopft waren. Freilich, bei guter Raumausleuchtung fällt der beschriebene Umstand kaum ins Gewicht. Man sollte sich nur klar darüber sein, dass es sich hier um keine typischen Hochglanzdrucke handelt.
    Fazit: Trotz der zwei kleinen Kritikpunkte gefällt mir das 649-seitige Buch in Summe recht gut. Alleine die Ausmaße von 8,9 x 40,6 x 48,3 cm – bei einem Gewicht von 5 kg – sind äußerst beeindruckend. Auch der Inhalt erschlägt den Leser aufgrund der schieren Menge an großformatigen Abbildungen regelrecht. Im Angesicht des Gebotenen relativieren sich daher auch die 150 Euro Kaufpreis.
    —————–
    Da Bilder oft mehr als tausend Worte sagen, habe ich mit freundlicher Erlaubnis des Verlages folgende Beispiele aus dem Buch zusammengestellt, die einen kleinen Überblick geben, was den Leser erwartet.

    Wer sich an die HBO-Fernsehserie Rome erinnert, dem dürfte die obige Abbildung eines Mosaiks bekannt vorkommen, da es zu Beginn des Vorspanns verwendet wurde. Zu sehen ist hier eine Setzwaage, die das Gleichgewicht vor dem Tod zwischen Reich (Links: Königsbinde, Purpurmantel, Lanze) und Arm (Rechts: Wanderstab, Überwurf und Beutel) symbolisiert. Auf dem Rad der Fortuna sitzt ein Schmetterling als Symbol der Seele.

    Auf dieser Abbildung sind links verschiedenste medizinische Geräte zu sehen, die laut Beschreibung „in den Vesuvstädten“ gefunden wurden – also wohl nicht ausschließlich in Pompeji, sondern auch in Herculaneum und Stabiae.

    Funde von verschiedenen – mitunter außerordentlich prächtigen – Gladiatorenhelmen sind hier zu sehen. 

    Sehr interessant ist die auf der rechten Seite abgebildete Badewanne aus Bronze, die aus einem Privathaus in Pompeji stammt und einen schönen Eindruck vermittelt, wie sich die Körperreinigung abseits der heute noch so berühmten Thermen gestaltete. Links sind Beispiele für Wachsetäfelchen abgebildet, die unter der Vulkanasche gefunden wurden.

    Auf diesem Foto sind links einige archäologische Funde von Musikinstrumenten zu sehen: Zwei kleine mit einer Kette verbundene Becken (cymbala), ein sistrum sowie verschiedene Flöten.

    Hier ist ein besonders interessanter Gegenstand dargestellt – und zwar handelt es sich dabei um eine Gerät, das vermutlich zum Erhitzen und Warmhalten von Wein (Glühwein) oder ähnlichen Heiß-Getränken diente. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen kleinen Blogbeitrag verfasst. Die Ähnlichkeit zu einem mit Strom betriebenen Wasserkocher ist schon erstaunlich. Im Übrigens sieht man auf dem vergrößerten Bildausschnitt die rillenartige Struktur des Papiers, von der ich oben geschrieben habe.
    —————–

    Weiterführende Informationen:


    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Ohren ab, Nase ab: Eine unschöne Episode aus dem 2. Punischen Krieg

    Livius‘ Schilderung des 2. Punischen Kriegs – die sich vom 21. bis zum 30. Buch seines Geschichtswerks Ab urbe condita erstreckt – bietet nicht nur einen guten Gesamtüberblick, sondern ist auch voller wenig beachteter Randereignisse, die zwar keine große Relevanz für den Kriegsverlauf besaßen, aber nichtsdestotrotz häufig spannender und interessanter sind, als manch große Schlacht.
    Besonders eindrücklich ist beispielsweise die Beschreibung eines Massakers, das die römische Garnison der sizilianischen Stadt Henna verübte. Angeblich befürchtete der Kommandant Verrat und ließ auf den bloßen Verdacht hin alle Einwohner niedermetzeln, nachdem sich diese ahnungslos auf dem Hauptplatz eingefunden hatten. Selbst Livius, der zumeist die römische Sichtweise vertritt, scheint von diesem Vorfall peinlich berührt zu sein und möchte der offiziellen Version – die auf vorsorgliche „Notwehr“ hinausläuft – keinen rechten Glauben schenken. 
    Ein noch bemerkenswerteres Ereignis trug sich in der Endphase des Krieges zu: Man schrieb das Jahr 205 v. Chr. Der karthagische Feldherr Hannibal hatte seinen Zenit längst überschritten, stand aber noch mit einem furchtgebietenden Heer im Süden Italiens. Sein neuester römischer Gegenspieler – Publius Cornelius Scipio (der später den Beinamen Africanus erhalten sollte) – stellte unterdessen in Syracus auf Sizilien ein Heer zusammen, um damit nach Nordafrika überzusetzen. Hannibal sollte durch diese Maßnahme gezwungen werden, Italien endlich zu verlassen, um seine Heimatstadt Karthago zu verteidigen. 
    Mitten in Scipios Vorbereitungen platzte die überraschende Nachricht, dass die einst von Rom abgefallene Stadt Locri beabsichtigte, erneut die Seiten zu wechseln. Grund waren die ständigen Übergriffe auf die Zivilbevölkerung seitens der in der Stadt liegenden karthagischen Garnison. 
    Scipio ließ nichts anbrennen und segelte sofort mit einigen Schiffen nach Locri, um dort die bereits aus Rhegium angerückten römischen Truppen bei der Rückeroberung zu unterstützen. Doch auch Hannibal hatte Wind von der Sache bekommen und marschierte eiligst mit einem Teil seines Heeres los, um das Abfallen der Stadt zu verhindern; er kam allerdings zu spät. Nachdem klar war, dass eine der beiden zu Locri gehörenden Burgen bereits in römischen Händen war, die Bevölkerung auf Seiten der Römer stand und Scipio selbst das Kommando führte, zogen sich die Karthager zurück (Notiz am Rande: Hier, und nicht erst in Afrika (Zama), trafen Hannibal und Scipio das erste Mal als gegnerische Feldherren aufeinander). 
    Nachdem die Stadt gesichert war, wurden einige romfeindliche Elemente hingerichtet und den Bewohnern von Scipio eine Standpauke für ihre einstige Untreue gehalten. Er versprach aber auch, dass man den Locrern ihre freiwillige Rückkehr zum Bündnis mit Rom durchaus positiv anrechnen werde. Sie mögen eine Abordnung an den Senat schicken, auf dass dieser alles Weitere entscheide. Das Kommando über die vor Ort stationierten römischen Truppen erhielt der Legat Pleminius; er hatte sich bei der Rückeroberung von Locri hervorgetan. Scipio selbst kehrte nach Sizilien zurück, um seine Vorbereitungen für die Invasion in Afrika voranzutreiben. (Ab urbe condita, 29. Buch 6,1-8,5)
    Was nun, nachdem der Oberkommandierende erst einmal abgereist war, in Locri folgte, wirft ein äußerst übles Licht auf die heute noch so hochgelobte Disziplin der römischen Streitkräfte. Auch Livius ist sich dieses Umstandes nur allzu bewusst:

    Nach ihrem einstigen Abfall von den Römern waren die Locrer von den Karthagern so hochmütig und brutal behandelt worden, dass sie maßvolle Übergriffe nicht nur gleichmütig, sondern fast sogar gern hinnehmen konnten. In der Tat übertraf aber Pleminius Hamilkar, den Kommandanten der (punischen) Besatzung, und die römischen Besatzungssoldaten übertrafen die der Punier so sehr an Grausamkeit und Habgier, dass sie sich nicht mit Waffen, sondern mit ihren Lastern zu messen schienen. Nichts von all dem, was einem Schwachen die Macht des Stärkeren verhasst macht, ließen der Anführer oder die Soldaten gegenüber den Stadtbewohnern aus; ihnen selbst, ihren Kindern und Frauen wurden unsägliche Schändlichkeiten zugefügt. Denn die Habsucht machte nicht einmal vor der Plünderung der Heiligtümer Halt; man vergriff sich nicht nur an den anderen Tempeln, sondern sogar an den Schätzen der Proserpina, die immer unangetastet geblieben waren, wenn man davon absieht, dass sie angeblich einmal von Pyrrhus geplündert wurden, der aber für seinen Tempelraub schwer büßen musste und die Beutestücke wieder zurückbrachte. […]
    Das Oberkommando lag bei Pleminius; ein Teil der Soldaten, die nämlich, die er selbst aus Rhegium herangeführt hatte, waren ihm, der andere Teil den Tribunen unterstellt. Nachdem er einen silbernen Becher aus dem Haus eines Bürgers geraubt hatte, traf der Soldat des Pleminius, verfolgt von den Eigentümern, bei seiner Flucht zufällig auf die Militärtribunen Sergius und Matienus. Als man ihm auf Geheiß der Tribunen den Becher wieder abgenommen hatte, kam es zu lautstarken Auseinandersetzungen und schließlich zwischen den Soldaten des Pleminius und denen der Tribunen zu einer Schlägerei, wobei – da jeder, der dazustieß, seinen Kameraden willkommen war – die Menge und das Durcheinander immer größer wurden.
    Die Soldaten des Pleminius zogen den Kürzeren, liefen zu ihrem Kommandanten, zeigten ihm nicht ohne ein Geschrei der Entrüstung ihre blutenden Wunden und berichteten ihm von den Beschimpfungen, die gegen ihn selbst während des Gezänks erhoben worden waren. Daraufhin stürzte dieser wutentbrannt aus dem Haus, ließ die Tribunen rufen und gab den Befehl, sie zu entblößen und die Ruten herbeizuschaffen. Während sie entkleidet wurden – sie wehrten sich nämlich und flehten ihre Soldaten um Schutz an – verging einige Zeit. Wie wenn man gegen den Feind zu den Waffen gerufen hätte, liefen plötzlich Soldaten, in trotziger Begeisterung über ihren gerade errungenen Sieg, von allen Seiten zusammen. Und als sie sahen, dass ihre Tribunen bereits durch Rutenschläge verletzt waren, gerieten sie sofort erst recht in eine noch viel unbändigere Wut; und ohne Rücksicht nicht nur auf den hohen Rang, sondern auch auf die Menschlichkeit gingen sie gegen den Legaten los, nicht ohne vorher die Liktoren auf empörende Weise misshandelt zu haben. Dann rissen sie ihn von seinen Leuten weg, schleppten ihn beiseite, brachten ihm voller Feindseligkeit schwere Wunden bei und ließen ihn, die Nase und Ohren verstümmelt, halbtot liegen.
    Wenige Tage nachdem diese Vorfälle in Messana gemeldet geworden waren, fuhr Scipio auf einem Sechsruderer nach Locri. Er hörte sich den Fall des Pleminius und der Tribunen an, sprach Pleminius von aller Schuld frei und beließ ihn auf seinem Posten in Locri, während die Tribunen für schuldig erklärt und in Fesseln gelegt wurden, weil sie nach Rom zum Senat geschickt werden sollten. Dann kehrte Scipio über Messana zurück nach Syrakus.
    Pleminius glaubte, außer sich vor Zorn, dass das ihm zugefügte Unrecht von Scipio nicht ausreichend berücksichtigt und allzu leicht genommen worden sei und dass das, worum es in diesem Streit ging, nur von jemandem beurteilt werden könne, der den ganzen Horror am eigenen Leibe erfahren habe. Deshalb ließ er die Tribunen zu sich schleppen, sie mit allen Martern, die ein Körper erleiden kann, zerfleischen und umbringen; und er gab sich mit der Bestrafung der Lebenden nicht zufrieden, sondern ließ sie unbestattet auf die Straße werfen. Mit ähnlicher Grausamkeit ging er auch gegen die führenden Männer der Locrer vor, die, wie er hörte, zuvor zu Scipio gereist waren, um sich über die Ungerechtigkeiten zu beklagen. Und den schändlichen Taten, die er vorher aus Begierde und Habsucht an den Bundesgenossen verübt hatte, ließ er nun in seiner Wut immer weitere folgen und brachte Schande und Hass nicht nur über sich selbst, sondern auch über den Feldherrn (Scipio). 
    (Ab urbe condita, 29. Buch 8,6-8,9)

    Als die skandalösen Vorgänge in Locri nach Rom drangen, war dort der Teufel los. Scipio, der damals noch nicht den Gipfelpunkt seiner Karriere und Popularität erreicht hatte, wurde vor allem von politischen Gegnern vorgeworfen, dass er Pleminius auf seinen Posten belassen hatte und die Disziplinlosigkeit der Soldaten fördere. Nach heftigen Debatten im Senat wurde eine hochrangige Untersuchungskommission entsandt. Wohl auf deren Veranlassung wurde Pleminius, zusammen mit 32 Mitangeklagten, in Ketten nach Rom geführt und dort in den Kerker geworfen, wo er unter unbekannten Umständen starb, bevor ein Urteil über ihn gefällt werden konnte. Angeblich unternahm er zuvor noch den vergeblichen Versuch, mithilfe bestochener Handlanger Rom an mehreren Stellen gleichzeitig anzuzünden, um im allgemeinen Durcheinander entkommen zu können. 
    Den Locrern aber gab man auf Beschluss des Senates nicht nur ihr geraubtes Hab und Gut zurück, sondern auch die volle kommunale Selbstbestimmung. (Ab urbe condita, 29. Buch 16,4-22,10)

    Wäre diese Episode aus dem 2. Punischen Krieg nicht eine wunderbare Rahmenhandlung für einen spannenden historischen Roman? 
    —————–

    Quelle / weiterführende Literatur:

    • Livius / Ursula Blank-Sangmeister (Übers.) | Ab urbe Condita, 29. Buch | Reclam Verlag | 2016 | Infos bei Amazon

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Videos:Archäologische Ausgrabungen — Wie man eine Harfe baut

    Aufwändige Ausgrabungen in der Mainzer St. Johanns-Kirche | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
    Eine Grabplatte aus dem Speyrer Dom – Mittelalter trifft 3D-Scanner | Spieldauer 2 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
    Historische Funde in Trier | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
    Anmerkung: Wieder einmal das altbekannte Messi-Syndrom der Archäologen – Lösung/Umdenken nicht in Sicht. 
    Archäologischer Sensationsfund in Andernach – Eine römische Siedlung | Spieldauer 3 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
    (Off-Topic) Handwerkskunst: Wie man eine Harfe baut | Spieldauer 45 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info
    —————–

    Buch: Aquädukte – Wasser für Roms Städte

    Wenn man die Frage stellt, was für das Alte Rom besonders charakteristisch ist, dann lautet fast immer eine der Antworten: Aquädukte.

    Überraschend ist das nicht, denn die römischen Bauwerke zum Transport von Wasser zählen nicht nur zu den technischen Meisterleistungen der Antike, sondern haben auch vielerorts die Jahrtausende überdauert und werden teilweise sogar heute noch genutzt.
    Im Buch Aquädukte – Wasser für Roms Städte (Regionalia Verlag) erläutert der Archäologe Klaus Grewe sehr detailliert sämtliche Aspekte der römischen Wasserversorgung bzw. des Wasserleitungsbaus. So war man beispielsweise bereits bei der Wahl des anzuzapfenden Wasservokommens überaus pingelig und zog dementsprechend Quellwasser dem Wasser aus Flüssen vor. Ja man ging sogar soweit, gemauerte Wasserleitungen an der Außenseite zu verputzen, um das Eindringen von Fremdwasser zu verhindern. Gleichzeitig wurden aber auch ausgeklügelte „Sickergalerien“ betrieben, in denen man das Einsickern von Grundwasser gezielt zur Wassergewinnung nutzte.
    Weiters erläutert Klaus Grewe, wie die Leitungstrassen geplant wurden und mit welchen Hilfsmitteln man die Vermessung vornahm; erstaunlicherweise schaften es nämlich die antiken Baumeister Leitungen mit einem Gefälle von 0,14 Promille zu realisieren – das sind 14 cm Höhenunterschied auf einer Länge von einem Kilometer! Selbst mit den heutigen technischen Mitteln ist das Erreichen einer solchen Genauigkeit kein leichtes Unterfangen. Ähnliches gilt für den von den Römern in Holzverschalungen gegossenen/gestampften Beton (opus caementitium); dieser lässt sich bezüglich seiner Druckfestigkeit sogar mit den Methoden und Materialien des 21. Jahrhunderts kaum übertreffen.
    Auch auf die Baustellenorganisation wird ein genauer Blick geworfen. Dabei zeigt der Autor auf, dass römische Wasserleitungen häufig in mehrere Baulose aufgeteilt waren. Das bedeutet, verschiedene Bautrupps begann an unterschiedlichen Stellen gleichzeitig mit der Arbeit, was zwar einerseits den für die Errichtung nötigen Zeitraum drastisch verkürzte, andererseits aber auch eine äußerst präzises Arbeiten voraussetzte, damit die einzelnen Teilabschnitte z.B. bezüglich des Gefälles perfekt aufeinander abgestimmt waren (was oft, aber nicht immer gelang).

    Man könnte die Liste der im Buch behandelten Aspekte des römischen Aquäduktbaus noch lange fortführen, denn der auf dieses Thema seit vielen Jahren spezialisierte Autor Klaus Grewe hat hier außerordentlich viele Informationen zusammengetragen. Mitunter überforderte/ermüdete mich dieser Detailreichtum aber offen gestanden. Außerdem wäre es sinnvoll gewesen, Fachbegriffe nicht nur sporadisch, sondern immer zu erläutern. Da diese Publikation sicher eine relativ breite Leserschaft ansprechen soll, sind derlei Auslassungen nicht ganz nachvollziehbar. Die Bebilderung mit Grafiken und Fotos wiederum ist außerordentlich reichhaltig und erleichtert das Verständnis der Texte doch sehr. Einziger kleiner Kritikpunkt hierbei: Vereinzelt sind die Fotos etwas grobkörnig oder unscharf, was speziell bei den großen ausklappbaren Panoramaaufnahmen auffällt.

    Fazit:  Aquädukte – Wasser für Roms Städte ist eine im Großen und Ganzen durchaus gelungene Monographie. Für knapp 30 Euro erhält der Leser rund 400 dicht mit Informationen vollgepackte Seiten.

    PS: Auf das Buch stieß ich durch einen interessanten Zufall; der Autor Klaus Grewe sitzt nämlich im Wissenschaftsbeirat des von mir so innig geliebten Campus Galli :)

    Inhaltsverzeichnis (gekürzt):

    Glossar
    Vowort

    Teil A: Aquäduktbau als Zeugnis großartiger römischer Ingenieurkunst
      1. Über Baumeister und Bauherren und den Schutz der Aquädukte
      2. Die Planungsprinzipien der römischen Ingenieure
      3. Die Vermessungsgeräte der römischen Ingenieure
      4. Die Einteilung der Baulose und die Gefälleabsteckung
      5. Die Wassergewinnung
      6. Gefälleleitungen – Rinnen und Rohre
      7. Aquäduktbrücken
      8. Tunnelbautenb
      9. Druckleitungsstrecken
    10. Kleinbauwerke
    11. Die Wassernutzung und Abwasser
    12. Wasserkraftnutzung
    13. Beispiele römischer Wasserleitungen
    14. Die Nutzung römischer Wasserleitungen in nachrömischer Zeit

    Teil B: Die Eifelwasserleitung – Aquädukt für das römische Köln und Steinbruch für die romanischen Bauten
      1. Der Römerkanal – Aquädukt für das römische Köln
      2. Der Römerkanal – Steinbruch des Mittelalters
      3. Die Translozierung des Römerknals in unserer Zeit

    Literaturverzeichnis
    Aquäduktmarmorkatalog (Fundorte in alphabetischer Reihenfolge)

    —————–


    Weiterführende Informationen:


    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Buch: Caligula

    Seit einigen Jahren veröffentlicht der Reclam Verlag nach und nach die deutschen Übersetzungen der bekannten Herrscher-Viten des Gaius Suetonius Tranquillus (70–140 n. Chr.). Bisher erschienen sind jene von Caesar, Augustus, Tiberius, Caligula, Claudius, Nero sowie den drei flavischen Kaisern Vespasian, Titus und Domitian. Ausständig sind noch die Lebensbeschreibungen von Galba, Otho und Vitellius; ich vermute, sie werden wegen ihrer Kürze gemeinsam in einem einzelnen Band veröffentlicht werden.
    Caligula – der offiziell eigentlich Gaius hieß – gilt bis heute als einer der verruchtesten Kaiser des Römischen Reichs. Möglicherweise war er in charakterlicher Hinsicht sogar der übelste – schlimmer noch als der infantile Nero, der eineinhalb Jahrzehnte später an die Macht kam.
    Selbst wenn nur ein Bruchteil der überlieferten Untaten zutrifft, so war Caligula doch zweifellos ein boshafter Schurke, dem – geisteskrank oder nicht – sehr viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen. 
    Sueton schildert einleitend kurz Caligulas Abstammung und Kindheit, geht dann aber zügig zu dessen Herrschaft über, die von 37-41 n. Chr. dauerte und gewaltsam endete. Die Schilderung dieses vergleichsweise kurzen Zeitraums ist angefüllt mit den unterschiedlichsten Schurkenstücken, Skurrilitäten und Skandalen. Daneben lässt sich aus dem Text aber auch manch spannende Information über das römische Alltagsleben entnehmen – was für mich sogar ein wenig interessanter ist, als die großen historischen Ereignisse. So begaben sich beispielsweise laut Sueton viele Menschen bereits in der Nacht zur Pferderennbahn, um frühzeitig die besten der kostenlos angebotenen Plätze zu besetzen (ähnlich machen es auch heute noch die Besucher von Rockkonzerten). Interessant ist auch der Hinweis, dass Augustus Bilder seiner Enkel im Schlafzimmer stehen hatte – Tafelbilder dürften demnach bereits im Antiken Rom nichts Ungewöhnliches gewesen sein, obwohl wir heute darüber nur sehr wenig wissen, da nahezu ausschließlich Wandgemälde die Jahrtausende überdauerten (eine Ausnahme bilden die berühmten Mumienporträts).
    Fazit: An Ursula Blank-Sangmeisters deutscher Übersetzung gibt es aus meiner Sicht nichts zu meckern. Sie ist zeitgemäß und liest sich sehr angenehm. Das Buch enthält außerdem ein Verzeichnis der enthaltenen Eigennamen, viele erklärende Endnoten, Literaturhinweise, eine Stammtafel, ein Nachwort und eine sehr gute Übersicht zum Inhalt und Aufbau der Vita Caligulas (über ein Drittel der 172 Seiten werden von all diesen Zusatzinformationen mit Beschlag belegt). Der Kaufpreis beträgt knapp 7 Euro.
    —————–
    Weiterführende Informationen: 

    Weitere interessante Themen auf diesem Blog: