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Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt?

Traditionen sind ja generell etwas Merkwürdiges. Eine Anhäufung komischer Rituale, Lieder und Gewohnheiten, die man von Kindeszeiten an als normal kennenlernt und nie so recht hinterfragt. Weihnachten ist unter den vielen Traditionen, die wir so pflegen, aber natürlich eine ganz besondere. Immerhin ist es das bedeutendste Fest des Jahres! Beim näheren Hinsehen ist Weihnachten aber auch nur ein weiteres komisches Ritual. Und noch dazu ein ziemlich frei erfundenes. Jetzt mal ehrlich. Wer würde denn auch von sich aus auf die Idee kommen, in den Wald zu gehen, einen Baum zu schlagen, ihn sich ins Wohnzimmer zu stellen und mit Metallkugeln zu behängen? Das würde wohl nirgends als sozial akzeptables Hobby durchgehen.  Ähnlich verhält es sich mit der Idee, ein alter Mann mit Bart würde durch den Kamin kommen und uns Geschenke bringen. Das wäre in Realität auch mehr ein Anlass für einen Polizeibesuch als zur Freude. Bei so viel Absurdität stellt sich dann schon die Frage: Seit wann und warum feiern wir Weihnachten eigentlich so, wie wir es feiern? Von Beginn an eine komplizierte Geschichte Wie so viele eigenartige Traditionen reicht auch Weihnachten einige Zeit zurück. Wann genau man damit begann, das Weihnachtsfest zu feiern, ist allerdings unklar. Es war […]

Dieser Artikel Seit wann feiert man eigentlich Weihnachten? Und warum überhaupt? erschien auf Ralf Grabuschnig.

Unter falscher Flagge. Rechte “Identitäre” setzen auf Antiken-Pop. Die Geschichte ihrer Symbole dürfte ihnen kaum gefallen

In der derzeit vieldiskutierten rechtsradikalen Szene fällt eine Gruppe als besonders aggressiv auf. Die übernational organisierte „Identitäre Bewegung“ (IB) agiert als eine Art Agit-Pop-Gruppe der völkischen Szene. Aus einer Nachfolgeorganisation der rechtsterroristischen französischen Unité radicale hervorgegangen, ist sie heute europaweit … Continue reading

Buch: Columna Traiani / Trajanssäule (Tyche Sonderband 9)

„Eigenlob stinkt“, sagt man. Freilich, dabei handelt es sich um eine eher moderne Sichtweise. In der Antike hingegen gehörte es durchaus zum guten Ton, die eigenen Leistungen unablässig hinauszuposaunen – zumindest wenn man dem Establishment angehörte oder gar als Monarch an der Spitze des Staates stand. Ein beredtes Zeugnis davon liefert die Trajanssäule in Rom. Sie wurde im Jahr 113 n. Chr. eingeweiht und verherrlicht auf einem spiralförmigen, sich um den Säulenschaft windenden Relief den erfolgreichen zweiten Dakien-Feldzug des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus.

Als sich 2013 die Einweihung des Monuments zum 1900 mal jährte, kam in Wien eine Gruppe von Fachleuten zusammen, deren Tagungsbeiträge nun im Sonderband 9 der Fachzeitschrift Tyche (Verlag Holzhausen) unter dem Titel Columna Traiani veröffentlicht wurden.
Auf über 400 Seiten widmen sich die Autoren unterschiedlichen Aspekten der Trajanssäule. Beispielsweise beschreibt und analysiert Karl Strobl Szene für Szene des Reliefs; vom Aufbruch des Kaisers in Italien, über die Schanzarbeiten während des Feldzuges bis hin zum Tod des feindlichen dakischen Herrschers Decebalus. Dabei wird auch auf die Bedeutung oft übersehener Details eingegangen: Was verrät uns beispielsweise die Marschrichtung der dargestellten Soldaten? Und warum fehlen bestimmte Episoden des Feldzuges?
Unterm Strich handelt es sich hier um einen sehr interessanter Beitrag. Bedauerlicherweise wurde aber darauf verzichtet, den einzelnen Schilderungen die entsprechenden Reliefszenen der Trajanssäule beizufügen. Zwar ist dies für das Verständnis der Ausführungen nicht zwingend erforderlich, doch hätte es deren Informationswert deutlich gesteigert. 
Ioan Piso geht in seinem Text der Frage nach, ob die Eroberung Dakiens überhaupt erforderlich war. Seine Antwort lautet: Ja. Allerdings spielte bloße Geldgier dabei keine übergeordnete Rolle, wie die marxistisch geprägte Geschichtsschreibung behauptet, sondern vielmehr standen militärstrategische Erwägungen im Vordergrund: Dakien war nämlich für Rom ein unzuverlässiger, theokratisch-fundamentalistisch geprägter Nachbar. Es dürfte, wie Ioan Piso erklärt, kein Zufall gewesen sein, dass nach dem Sieg Roms sämtliche Heiligtümer des Landes bis auf die Grundmauern geschliffen wurden; ein für Rom keineswegs typisches Vorgehen in eroberten Gebieten!
In einigen Beiträgen entfernen sich die Autoren mitunter relativ weit vom eigentlichen Thema. Etwa wenn hinsichtlich der Rezeptionsgeschichte darum geht, welchen künstlerischen Einfluss die Trajanssäule auf die ottonische Bernwardssäule in Hildesheim hatte. Mehr ‚on-topic‘ und für mich ungleich interessanter war da schon der Text von Werner Eck, in dem dieser schildert, wie der ursprünglich nicht übermäßig herausragende Politiker Marcus Ulpius Traianus durch eine Art stillen Staatsstreich als Kaiser installiert wurde. Nach dem absehbaren Tod des ‚guten‘ Übergangskaisers Nerva sollte nämlich nicht wieder jemand vom Schlage eines Domitian oder Nero auf dem Kaiserthron Platz nehmen. Und so nahm hier unverhofft das von der Geschichtsforschung sehr positiv bewertete Zeitalter der Adoptivkaiser seinen Ausgang.
13 der insgesamt 30 Beiträge sind fremdsprachig – und zwar überwiegend Englisch. Für eine hauptsächlich von deutschsprachigen Lesern bezogene Zeitschrift erscheint mir das eher suboptimal. Andererseits werden die meisten Interessierten zumindest der englischen Sprache ausreichend mächtig sein, um mit diesem Umstand keine gröberen Probleme zu haben.
Der relativ umfangreiche Bildteil am Ende des Buchs enthält viel Interessantes, wie z.B. die 3D-Rekonstruktion eines auf der Trajanssäule abgebildeten hölzernen Amphitheaters sowie eine ausgezeichnete grafische Übersicht, in der die einzelnen, auf der Säule abgebildeten Szenen-Felder kurz beschrieben werden. Eine volle fotografische Wiedergabe der Reliefs enthält das Buch allerdings nicht. Das ist, wie schon weiter oben geschrieben, zwar nicht tragisch, nichtsdestotrotz wäre es dem Thema angemessen gewesen, wenn man die entsprechenden Bilder lückenlos beigefügt hätte. So musste ich mir eben mit meinem Tablett-PC und den Abbildungen auf trajans-column.org behelfen …

Fazit: Perfekt will mir die Umsetzung zwar nicht erscheinen, aber das Buch gibt bezüglich der Trajanssäule trotzdem einen aspektreichen Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Der Kaufpreis beträgt eher happige 75 Euro…

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:

Videos: Der Youtube-Kanal Anarchäologie — Luthers Bücherstube — Archäologische Funde — Ausgrabungen im Irak — usw.

Die Amploniana – Luthers Bücherstube | Spieldauer 30 Minuten | MDR | Stream & Info

Viele archäologische Funde bei Polch | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Peter Pfälzer erforscht im Irak das Reich der Akkad | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info


Archäologische Ausgrabungen einfach erklärt | Spieldauer 8 Minuten | Youtube / Anarchaeologie | Stream & Info

Die Videos des Youtube-Kanals Anarchaeologie sind gut gemacht und erklären verschiedenste Aspekte der archäologischen Arbeit in anschaulicher Weise. Freilich, ich bin nicht mit jeder Aussage in den Videos einverstanden, aber das muss ich ja auch nicht 😊

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 Mehr Videos

Hörbares: Der Spartacus-Aufstand — Seneca: Das Leben ist kurz — Erasmus von Rotterdam — Bayerische Aspekte der Reformation



Der Spartacus-Aufstand | Spieldauer 33 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Den beschreibenden Text zu dieser Sendung hat wohl ein Praktikant oder die Putzfrau des Senders verfasst. Er lautet nämlich: „Gladiator Spartakus scharte Tausende von Sklaven hinter sich und rebellierte gegen das Heilige Römische Reich.“ 😃

Seneca: Das Leben ist kurz (1/2) | Spieldauer 30 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Seneca: Das Leben ist kurz (2/2) | Spieldauer 30 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Erasmus von Rotterdam. Zwischen Rom und Wittenberg | Spieldauer 26 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download
Bayerische Aspekte der Reformation | Spieldauer 53 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

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Videos: Staat zockt junge Schatzfinder ab — Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr — Kritik an übereifrigen Archäologen


Kinder finden in Ettlingen (BW) mittelalterlichen Münzhort – und werden umgehend abgezockt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

Der Wert der vom Staat einkassierten Silbermünzen aus dem Spätmittelalter beträgt angeblich rund 2000 Euro – was aber, wie in Deutschland nicht unüblich, auch einfach nur viel zu niedrig angesetzt worden sein kann. Doch wie auch immer: Würden die Finder im Vereinigten Königreich leben, dann wären sie jetzt um mindestens 1000 bis 2000 Euro reicher – je nachdem, ob sie mit einem Grundstückseigentümer hätten teilen müssen. In ihrem deutschen Heimatbundesland freilich, wurden sie jeweils mit vergleichsweise läppischen 100 Euro Finderlohn und ein paar Kinogutscheinen abgespeist …
Was also dürften die nicht übermäßig glücklich wirkenden Kinderlein aus dieser Episode fürs weitere Leben gelernt haben – und zwar abseits des Gelabers aus dem Off? Vermutlich: Ehrlich währt am längsten, wer stiehlt, der lebt am schönsten…😉

Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

10 Millionen Jahre alte Zähne: Kritik an übereifrigen Mainzer Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download
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