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Tag Archive for Antike

Videos: Verborgener antiker Text — Rätsel um Cheops-Kartusche

Verborgener antiker Text in altem Buch entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | Youtube | Stream & Info
Weitere Infos finden sich auch in diesem deutschsprachigen Artikel (danke für den Hinweis)
Das Rätsel um die Cheops-Kartusche – Echt oder Fälschung? | Spieldauer 87 Minuten | Youtube | Stream & Info
Wer mit ungewöhnlichen geschichtswissenschaftlichen Thesen eher wenig am Hut hat, bitte nicht anschauen 😊
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Videos: Archäologische Ausgrabungen in Nürnberg ärgern Anwohner — Papyri — Historischer Fechter — usw.

Archäologische Ausgrabungen ärgern Anwohner | Spieldauer 2 Minuten | BR | Stream & Info
Archäologen beklagen sich zwar gerne darüber, dass sie ihrer Arbeit z.T. unter nahezu prekären Verhältnissen nachkommen müssen, aber dass ihr Verdienst nicht einmal mehr für einen ordentlichen Hut reicht, kann ich mir nicht vorstellen 😆
Sehr gut ist auch der Auftritt der alten Frau bei 00:36 Min 😂

Campus TALKS: Wie Papyri zeigen können, was Griechen und Römer uns nicht wissen ließen | Spieldauer 14 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Carsten Belz: Historischer Fechter | Spieldauer 4 Minuten | RB | Stream & Info
Man bewegt sich im 16. Jahrhundert, die legendäre Schamkapsel darf da natürlich nicht fehlen!
Martina Egler: Das alte Leben fürs Mittelalter aufgegeben | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info
So oder so ähnlich hat es im Mittelalter ausgesehen, meint die Stimme aus dem Off zu den gezeigten Bildern. Nein, weder so noch so ähnlich.
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Hörbares: Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz — Denkmalschutz in Hessen läuft Amok — Indiana Jones und Archäologen im Film — Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte — Römische Töpferwerkstätten


Streit um Grabungsstopp im UNESCO-Welterbe Grube Messel | Spieldauer 5 Minuten | DF | Direkter Download
Der präpotente Beamtenapparat des hessischen Landesamts für Denkmalpflege läuft, besoffen von seinen Machtbefugnissen, gerade Amok und sperrt unzählige Fossiliensucher und Wissenschaftler quasi von einem Tag auf den anderen aus der stillgelegten Ölschiefergrube Messel aus; zum Schaden des Wissenschaftstandorts Deutschland. Blödheit hat viele Erscheinungsformen, das ist eine davon.

„Unverantwortlich, gar unmoralisch?“ – Der Streit um die Ethik im Denkmalschutz | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Elfenbeinschnitzereien der Vorgeschichte von der Alb | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Ausgrabungen in der Eifel: Römische Töpferwerkstätten | Spieldauer 5 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Indiana Jones wird 75: Archäologen im Film | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Ein nicht uninteressantes Thema. Kürzlich bin ich nämlich zufällig über eine deutsche Seifenoper gestolpert (wie die heißt, habe ich vergessen) in der es am Rande irgendwie auch um Archäologie geht. Allerdings musste ich schon schmunzeln, wie da die Schauspieler hölzern ein bisschen Archäologenvokabular austauschten. Immerhin, man scheint jemanden vom Fach als Berater eingestellt zu haben.

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Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli — ‚Kugelsichere‘ Westen in der Antike

Die prekäre Museumspädagogik des Campus Galli 
Schüler bastelten im Unterricht zusammen mit ihrer Religionslehrerin ein Modell des auf dem sogenannten St. Galler Klosterplan dargestellten Klosters und übergaben es dem Töpfer der Mittelalterbaustelle Campus Galli, berichtet der Südkurier: Klick mich
So weit, so langweilig. Interessanter sind da schon die Auskünfte, die besagter Töpfer den Schülern bei ihrem Besucht erteilt haben soll. Der Klosterplan von St. Gallen, der ja mehr oder weniger als Vorlage für den Campus Galli dient, sei ein „Idealplan“ gewesen, der auf genau diese Weise nie umgesetzt wurde.
Ein Idealplan, ach wirklich? Und warum schreibt dann ausgerechnet der ‚Hüter‘ besagten Plans, der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora – welcher übrigens im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli sitzt – in seiner Publikation Im Paradies des Alphabetes folgendes?
Bis heute bleibt offen, ob der Plan tatsächlich als Bauzeichnung gedacht war oder doch eher nur ein Konzept oder gar nur als eine Art Spiel […]. Klar ist hingegen, dass er nicht die Kopie eines Idealplans war. Dafür sind zu viele Korrekturen und direkte Bezüge zu St. Gallen sichtbar. Es handelt sich um eine spezifisch für St. Gallen angefertigte Architekturzeichnung mit Konzeptcharakter.
Dora gibt übrigens als Quelle für seine Aussage eine Publikation von Barbara Schedl aus dem Jahr 2014 an. Lustigerweise sitzt auch Frau Schedl im wissenschaftlichen Beirat des Campus Galli. Demnach darf eigentlich zwingend davon ausgegangen werden, dass den Verantwortlichen bekannt ist, dass der St. Galler Klosterplan nach aktuellem Forschungsstand ausdrücklich nicht mehr als Idealplan betrachtet wird.
Die offensichtliche Unwissenheit des Campus-Galli-Töpfers ist daher mehr als nur befremdlich. Noch dazu handelt es sich bei dem Herren um einen gelernten Mittelalterarchäologen. Was für ein Armutszeugnis also, dass ausgerechnet er den kindlichen Besuchern grob falsche bzw. überholte Informationen vorsetzt. Dieses Beispiel verdeutlicht freilich zum wiederholten Mal, wie prekär es um die Museumspädagogik dieses schludrig umgesetzten Projekts nach wie vor bestellt ist. 
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‚Kugelsichere‘ Westen in der Antike – oder: Der erstaunliche Brustpanzer des Demetrios Poliorketes


Demetrios Poliorketes – was soviel wie „Demetrios der Städtebelagerer“ heißt (vielleicht eine Anspielung auf Zeus, der als Beschützer der Städte galt) war sicher einer der interessantesten Diadochen-Herrscher. Zeit seines Lebens führte er mit wechselndem Erfolg Krieg und eroberte sich nicht zuletzt wegen seinen gewaltigen Kriegsmaschinen einen Platz in der Geschichte.
Weniger bekannt, aber mindestens ebenso interessant ist eine Überlieferung Plutarchs, wonach Demetrios einen erstaunlichen Brustpanzer besessen haben soll, der quasi das antike Äquivalent zu einer modernen kugelsicheren Weste darstellte:
Für diesen Krieg (Anm.: gegen Rhodos) wurden ihm zwei eiserne Panzer aus Kypros geschickt, jeder vierzig Minen schwer (Anm.: rund 17 kg). Um Stärke und Festigkeit zu beweisen, ließ der Hersteller Zoilos aus 20 Metern Entfernung einen Katapultpfeil auf den Panzer abschießen, der dabei unverletzt blieb, von einer leichten Schramme abgesehen, wie von einem Schreibgriffel.
Diesen Panzer trug Demetrios selbst, den anderen der Epirot Alkimos, einer der stärksten und waffentüchtigsten seiner Leute, der alleine eine zwei Talente schwere Rüstung trug (Anm.: ca. 52 kg), während die aller anderen ein Talent wog.
Plutarch, Demetrios 21

Es handelt sich hier wohl um Glockenpanzer (Harnisch, Brustpanzer), die mittels spezieller Wärmebehandlung gehärtet worden waren. Dass Plutarch die Widerstandskraft dieser Rüstung eine Erwähnung wert ist, deutet darauf hin, dass es sich hierbei um etwas ganz besonderes handelte. Der Hersteller könnte demnach seiner Zeit schmiedetechnisch deutlich voraus gewesen sein.

Mir persönlich sind Brustpanzer aus dem 16. Jh. bekannt, die tatsächlich in der Lage waren, eine Musketenkugel aufzuhalten; das Plattner-Handerwerk hatte zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erreicht. Ich weiß allerdings nicht, inwieweit eine Musketenkugel mit einem „Katapultpfeil“ (Bolzen aus einem Torsionsgeschütz?) vergleichbar ist. Die Angaben von Plutarch sind hier einfach zu dürftig. 

Ab urbe condita, 29. Buch: Der 2. Punische Krieg geht in seine Endphase

Der antike Autor Titus Livius schildert in den Büchern 21 bis 30 den 2. Punischen Krieg (218 – 201 v. Chr.) zwischen Rom und Karthago. Das vorliegende 29. Buch umfasst den Zeitraum von 204 – 205 v. Chr. Zu den zentralen Geschehnissen zählen hier u.a. die Vorbereitungen des Scipio Africanus für seine Invasion des karthagischen Kernlandes in Nordafrika, die skandalösen Vorgänge in der zu Rom übergelaufenen Stadt Locri, die Überfahrt des Scipio Africanus nach Afrika mit einer großen Flotte sowie seine ersten militärischen Aktionen gegen die Stadt Karthago und ihre Verbündeten.
Hannibal hat seinen Zenit längst überschritten und es wird deutlich, dass er sich in der nun eintretenden Endphase des Krieges zunehmend gezwungen sieht, auf die Schachzüge Roms zu reagieren, anstatt selbst die Initiative ergreifen zu können. 
Wie man es von Livius kennt, neigt er dazu, die römische Sichtweise zu vertreten, allerdings scheut er auch nicht davor zurück, seinesgleichen scharf zu kritisieren; etwa im Fall des Legaten Pleminius, der in Locri (Calabrien) mit äußerster Brutalität gegen die eigentlich romfreundlichen Einwohner vorging – was nicht nur zu einem Aufstand unter einigen seiner Offiziere und Soldaten führte, sondern auch in Rom selbst politischen Ärger heraufbeschwor, da der direkte Vorgesetzte des Pleminius, Scipio Africanus, durch seine relative Untätigkeit in Bezug auf diesen Skandal politischen Gegnern eine Möglichkeit gab, gegen ihn selbst vorzugehen (siehe meinen Blogbeitrag dazu). Es hat scheinbar nicht viel gefehlt, und der begabte Militär Scipio wäre seines Kommandos enthoben worden, was den weiteren Verlauf des Krieges sehr zu Ungunsten Roms hätte beeinflussen können. Doch es kam nicht dazu und Hannibal wurde in der Schlacht bei Zama von Scipio besiegt. Diese Ereignisse werden jedoch erst im 30. Buch geschildert, das mittlerweile auch schon erhältlich ist.
Die Übersetzung stammt von Ursula Blank-Sangmeister, welche es sehr gut versteht, den alten lateinischen Text in ein allgemein verständliches und angenehm zu lesendes Deutsch zu übertragen. Neben dem modernen Schreibstil sind auch die unzähligen erklärenden Endnoten positiv hervorzuheben. Besonders nützlich erscheint mir außerdem die Inhaltsübersicht, in der die wichtigsten Ereignisse chronologisch bzw. nach Kapiteln geordnet zu finden sind. 

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Römisches Landgut zu verkaufen

Es erscheint uns heute ja schon ein wenig verwunderlich, dass der Grundbesitz der römischen Oberschicht oft außerordentlich weit verstreut lag. Beispielsweise ist bekannt, dass Cicero über Landgüter bei Arpinum, Tusculum, Pompeji, Cumae usw. verfügte. Wollte er nach dem Rechten sehen, musste er oft tage- oder gar wochenlange Reisen in Kauf nehmen, um von einer Villa rustica zur nächsten zu gelangen. Warum also konzentrierten Cicero und viele seiner wohlhabenden Standesgenossen ihren Besitz nicht nach Möglichkeit an ein bis zwei zentralen Orten? 
Eine Antwort auf diese Frage liefert Plinius der Jüngere. In einem aufschlussreichen Brief an seinen Jugendfreund und ‚Finanzberater‘ Calvisius Rufus berichtet er von der Möglichkeit, für drei Millionen Sesterzen ein stattliches Landgut zu erwerben, das sich in direkter Nachbarschaft zu seinem eigenen befindet. Doch er ist unsicher, ob ein Kauf klug wäre:

[…] An ihm (Anm.: dem zum Verkauf stehenden Landgut) reizt mich vieles; anderes – und zwar nicht weniger Wichtiges – schreckt mich ab.
Es reizt das schöne Gefühl, meine Ländereien abzurunden; dann – was ebenso nützlich wie angenehm ist – beide mit der selben Mühe und demselben Reisegeld zu besuchen, beide unter demselben Oberaufseher und beinahe demselben Verwalter zu haben, das eine Landhaus zu bewohnen und auszuschmücken, das andere nur zu unterhalten.
In dieser Rechnung sind auch die Kosten für das Geschirr, für Hausmeister, Gärtner, Handwerker und auch für das Jagdgerät; es kommt sehr darauf an, ob man dies alles an einem Ort beisammen hat oder auf verschiedene verteilt.
Andererseits fürchte ich, es könnte unbesonnen sein, einen so großen Besitz denselben Witterungsbedingungen und Zufällen auszusetzen; es erscheint sicherer, der Unbeständigkeit des Schicksals durch unterschiedliche Örtlichkeiten der Güter zu begegnen.
Auch ein Wechsel von Landschaft und Klima sowie gerade das Hin- und Herreisen zwischen den eigenen Gütern ist mit viel Annehmlichkeiten verbunden. […]. Plinius, Epiustulae, 3. Buch, 19. Brief)

Fassen wir abschließend kurz zusammen, was nach Ansicht des Plinius für bzw. gegen die Konzentration von Landbesitz spricht.

Pro: 

  • Weniger Reisekosten und Mühen (geringerer Zeitaufwand beim Inspizieren der Besitzungen)
  • Ersparnisse in Form geringerer Unterhaltskosten für Gebäude, Personal und Gerätschaften
Kontra:

  • Dieselben Witterungsbedinugungen und somit fehlende Risikostreuung. Selbst nur lokal auftretende Unwetter oder Trockenheiten konnten sich vergleichsweise stark auf die Gesamteinnahmen auswirken, wenn Landbesitz allzu stark an nur wenigen Orten konzentriert wurde (auch Kriege oder Sklavenaufstände zählten selbstverständlich zu den Risiken – vor allem zur Zeit der späten Republik)
  • Wer (z.B. beruflich) viel in Italien umherreisen musste, konnte nicht die Annehmlichkeiten nutzen, die eigene weit verstreute Güter boten; man war in diesem Fall auf wanzenverseuchte Herbergen angewiesen. Bestenfalls bestand noch die Möglichkeit, bei Freunden oder Verwandten unterzukommen (Stichwort hospitium) – wobei auch hier gilt: Je verstreuter deren Besitzungen waren, umso eher bekam man die Gelegenheit, sie als Nachtquartier zu nutzen.
  • Keine der jeweiligen Jahreszeit (oder sonstigen Bedürfnissen) entsprechende Auswahl an geeigneten Örtlichkeiten zum Urlauben und Entspannen. Viele wohlhabenden Römer zogen nämlich im Sommer in die Berge (wie auch heute noch der Papst), während man im Frühjahr und Herbst gerne Zeit am Meer verbrachte; besonders beliebt war hierbei der Golf von Neapel mit den Orten Baiae, Herculaneum, Pompeji, Oplontis usw.
Übrigens: Ob Plinius der Jüngere das besagte Landgut schlussendlich gekauft hat, ist leider nicht überliefert.
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Weiterführende Literatur:


Weitere interessante Themen:

Krimskrams: Danke Kunsthaus Graz — Ausgefallene Hobbys hellenistischer Herrscher– usw.

Die ausgefallenen Hobbys hellenistischer Herrscher

Plutarch gibt in seiner Biographie des Diadochen Demetrios Poliorketes – der als Konstrukteur/Auftraggeber gewaltiger Kriegsmaschinen wie der Helepolis (Stadtnehmerin) in die Geschichte einging – einen interessanten Einblick in die Freizeitgestaltung hellenistischer Herrscher. Offensichtlich gaben sich nicht alle primär der Jagd und Gelagen hin, wie man vorschnell annehmen könnte:

Denn wohlbegabt und erfinderisch, wie Demetrios war, verwendete er seinen Sinn für das Technische – nicht auf Spielereien und nutzlosen Zeitvertreib wie andere Könige, die Flöte spielten malten oder sich mit getriebenen Arbeiten beschäftigten. Der Makedone Aeropas machte nämlich meistens, wenn er nichts zu tun hatte, kleine Tische und Leuchter; Attalos Philometor zog in seinem Garten Arzneipflanzen, nicht nur Bilsenkraut und Nieswurz, sondern auch Schierling, Fingerhut und Doryknion; er säte und pflanzte sie selbst im königlichen Palast und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Früchte und Säfte zu kennen und zur rechten Zeit zu gewinnen. 
Plutarch, Demetrios 20

Übrigens, Demetrios Poliorketes soll auch einen bemerkenswerten Brustpanzer besessen haben. Dazu nächste Woche mehr.

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Danke Kunsthaus Graz!

Ach wie schön, das Kunsthaus Graz (💩) hat es nach Jahren relativer Ruhe wieder einmal (unfreiwillig) geschafft, meine Geburtsstadt einem großen, internationalen Publikum bekannt zu machen. Und zwar dank eines aktuellen Videos mit dem schönen Titel: Why Modern Architecture Sucks: Zum Video
(danke auch für den Hinweis)

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Den Löffel abgegeben

Der Monitor meines Desktop-PCs hat urplötzlich den Geist aufgegeben. Er ließ sich einfach nicht mehr einschalten. Wahrscheinlich hat das interne Netzteil versagt, denn es knistert nicht einmal mehr, wenn ich das Stromkabel in die Buchse am Monitor stecke. 
Naja, mit über 6 Jahren hat das Gerät eh schon einige Jahre auf dem Buckel gehabt und insgesamt zwei PCs überlebt. Der neue Bildschirm, der noch am selben Tag bestellt wurde (nachdem ich mich stundenlang durch Monitor-Reviews gelesen habe), wird in den kommenden Tagen geliefert. Bis dahin arbeite und blogge ich mit meinem Surface-Tablett von Winzigweich, dessen Kauf sich jetzt zum ersten Mal richtig bezahlt macht …

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Buch: Kleine Einführung in die Altertumswissenschaft

„Kleine Einführung in die Antike Altertums-wissenschaft“ (Verlag J. B. Metzler) lautet der Titel des neben abgebildeten Buchs von Mary Beard und John Henderson. 
Darin wollen die beiden Autoren anhand des in Griechenland liegenden Apollontempels von Bassai (Bassae) einen möglichst repräsentativen bzw. anschaulichen Einblick in die Altertumswissenschaft geben: Wo liegen Ihre Ursprünge? Was bewog und bewegt Menschen, sich mit der Antike zu beschäftigen? Welchen Einfluss hat die Altertumswissenschaft auf unser Weltbild – und umgekehrt? Usw. usf.
Hervorzuheben ist, dass hier dem Leser ein recht guter Eindruck bezüglich der (Un-)Verlässlichkeit alter Schriftquellen vermittelt wird (Stichwort Quellenkritik). So stellen beispielsweise die vom antiken Reiseschriftsteller Pausanias verfassten Beschreibungen des Apollontempels von Bassai nach aktuellem Forschungsstand eine Mischung aus interessanten Tatsachen und blühender Fantasie dar: Von Iktinos, jenem Architekten, der auch für den berühmten Parthenon in Athen verantwortlich war, sei er einst gebaut worden. Das weckte bei den Gelehrten des frühen 19. Jahrhunderts hohe Erwartungen, die z.T. bitter enttäuscht wurden, nachdem man zum ersten Mal den nach London verschifften Tempelfries zu Gesicht bekam.
Womit ich auch schon beim ersten Punkt angelangt wäre, der mir hier weniger gut gefällt: Das Buch liest sich zwar recht angenehm, doch mit der Strukturierung des Inhalts habe ich so meine Probleme. Man hüpft mal dahin, mal dorthin – und kaum wird es spannend, lässt man das entsprechende Thema auch schon wieder fallen. Wie etwa wenn es um das ‚Plündern‘ antiker Tempel-Überreste im frühen 19. Jahrhundert durch intellektuelle Abenteurer aus Europa geht.
Außerdem empfand ich es als ein wenig ermüdend, dass auf dem nicht gerade aufregenden Thema Antikenrezeption relativ ausführlich herumgeritten wurde. Hier hätte ich mir eine etwas andere Gewichtung gewünscht.
Und was mag sich die Übersetzerin bei Formulierungen wie „Was der Begriff Demokratie eigentlich genau meint […]“ gedacht haben? Um gutes Deutsch handelt es sich hierbei kaum (freilich, mein Deutsch ist in diesem Blog auch nicht immer perfekt, aber ich werde dafür ja auch nicht bezahlt 😉).


Fazit: Kein schlechtes Buch, aber auch keines, das mich vom Hocker gehaut hat. Der Preis von knapp 17 Euro ist jedoch angemessen.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Museum für Stauferkaiser Friedrich II — Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur — usw.

Museum für Stauferkaiser Friedrich II. – Im Dauer-Clinch mit der Kirche | Spieldauer 7 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel – Gute Geschäfte und ein „Halleluja“ | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Georg Philippp Telemann – Der Vielschreiber | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Tafelmusik | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ich bin ein Kopist – Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur | Spieldauer 54 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Zitat aus der Sendung: „Was wir heute noch von Antiken Autoren kennen, ist dem Abschreiben (in Klöstern) zu verdanken. Wobei nicht alles gleichermaßen beachtet wurde. Ingenieurstechnik interessierte die Mönche offenbar nur wenig. Wie sonst konnte das römische Verfahren zur Betonherstellung einfach in Vergessenheit geraten.“

Nein, mit Verlaub, so unglaublich dämlich können die Sendungsmacher doch nicht sein. Oder glauben sie diesen pauschalisierenden Blödsinn, den sie da verzapfen, tatsächlich? Was ist denn z.B. mit den Werken von Vitruv (De architectura libri decem) und Faventinus (Artis architectonicae privatis usibus adbreviatus liber)? Dort wird die Herstellung des römischen ‚Betons‘ nämlich erläutert. 
Aus Sicht der kopierenden Mönche handelte es sich dabei auch keinesfalls um überflüssiges Wissen; das belegt der Umstand, dass mehrere Abschriften der obigen Bücher überliefert wurden. Außerdem war antikes Ingenieurswissen auch im Mittelalter für den Bau von großen Kirchen und Klöstern unerlässlich. 
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Buch: Die ersten Christen in Rom

Im Buch Die ersten Christen Roms (Palm Verlag) schildert der Theologe Bernd Kollmann die bescheidenen Ursprünge und den steinigen Aufstieg der christlichen Gemeinde im antiken Rom. Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich hierbei hauptsächlich von der Herrschaft des Kaisers Tiberius bis zum Pontifikat Leos des Großen im 5. Jahrhundert n. Chr.
Bereits zu Beginn der Ausführungen wird deutlich, dass die Geschichte der allerersten Christen Roms untrennbar mit jener der dort lebenden Juden verbunden ist. Lange wurde nämlich zwischen diesen beiden Gruppen von der römischen Staatsgewalt keine Unterscheidung gemacht; vielmehr galten die Christen in den Augen der Kaiser Tiberius, Caligula und Claudius lediglich als eine weitere jüdische Splittergruppe. Die moderne Forschung spricht hier zurecht von Judenchristen, da diese überwiegend dem Judentum entstammten und sich dessen religiösen Gebräuchen noch sehr stark verpflichtet fühlten; man ließ beispielsweise die Söhne beschneiden und besuchte z.T. weiterhin die Synagoge. Doch nicht zuletzt wegen den mehrfach befohlenen Ausweisungen zigtausender Juden aus Rom – zu denen eben auch Judenchristen gezählt wurden – verschob sich die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde zusehends hin zu solchen Christen, die ihre Wurzeln nicht im Judentum, sondern in anderen Religionen, wie etwa dem römischen Staatskult, hatten. Dadurch verloren jüdische Gebräuche – z.B. die Beschneidung – innerhalb des Christentums rasch an Bedeutung. 
Die ersten Christen Roms waren – wie der Autor sehr anschaulich schildert – nicht zentral organisiert, sondern in Hausgemeinden, die oft nur aus wenigen Mitgliedern bestanden und untereinander einen eher lockeren Kontakt pflegten; Gottesdienste wurden vor allem in diesen kleinen, überschaubaren Kreisen gefeiert. Manch interessante Information dazu findet sich im Römerbrief des Paulus, wo sogar die Bezeichnungen mehrerer dieser Hausgemeinden genannt werden.
Neben Paulus, der mit großer Wahrscheinlichkeit selbst Rom besucht hatte, zählt Petrus zu den bedeutendsten Personen des frühen Christentums. An der Frage, ob auch er in Rom war, scheiden sich aber bis heute die Geister. Der (evangelische) Buchautor kommt jedoch aufgrund mehrer Indizien zu dem Schluss, dass die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht unwahrscheinlich ist – was wiederum die historische Legitimation der Päpste rettet, da sich diese als Bischöfe Roms in der direkten Nachfolge des Apostels Petrus sehen. 
Die frühen Christen hatten an Problemen keinen Mangel. Neben den Querelen mit ihren jüdischen Konkurrenten wandte sich unter Kaiser Nero plötzlich auch die römische Staatsmacht gezielt gegen sie. Nach dem Brand von Rom, den man ihnen in die Schuhe schob, kam es zu den ersten großangelegten Christenverfolgungen in der Geschichte. Diese endeten mit der Hinrichtung von Tausenden. Zwar erließ Nero interessanterweise kein gezielt gegen Christen gerichtetes Gesetz, allerdings hatte er mit den von ihm angeordneten Hinrichtungen einen bösen Präzedenzfall geschaffen, der noch bis ins frühe 4. Jahrhundert unzählige Male Nachahmung finden sollte.
Neben äußeren Feinden waren es zusehends interne Auseinandersetzungen, welche die Christen Roms auf die Probe stellten. Immer wieder wurden Gegenkirchen gegründet, die zum Teil einen immensen Zulauf hatten. Mehrere der abweichlerischen Kirchengründer, die recht unterschiedliche Vorstellungen vom einzig wahren Christentum hatten, werden vom Buchautor näher unter die Lupe genommen. Darunter Markion, Donatus, Arius, Nestor, Eutyches usw. Spannend fand ich dabei, wie auch die Vertreter der noch schwachen Mainstream-Kirche (eine ‚Amtskirche‘ gab es damals noch nicht) ihre Ansichten in Streitfragen immer wieder änderten. Das frühe Christentum, das wird dem Leser klar, war eine vergleichsweise pluralistische Religion, in der erst lange und mühsam um eine einheitliche Lehrmeinung gerungen werden musste. Und wer weiß, wohin sich all das hätte entwickeln können, wenn nicht die römische Staatsmacht ab dem 4. Jahrhundert das Christentum zunehmend vereinnahmt hätte.

Fazit: Die ersten Christen in Rom ist ein aus meiner Sicht erstaunlich kurzweiliges Buch. Ein potentiell zähes religiöses Thema wurde hier vom Theologen Bernd Kollmann in abwechslungsreicher, sachlicher, leicht verständlicher und gut strukturierter Form aufbereitet. Man muss kein gläubiger Christ sein, um den reichhaltig illustrierten Schilderungen mit Interesse folgen zu können. 

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Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Hiltibolds Kampfstation — Wikipedia-Kritik — Sensation oder Super-Schwindel?

Hiltibolds Kampfstation


Jemand hat mich vor ein paar Tagen in einer E-Mail gelobt, dass ich von meiner „Kampfstation am Schreibtisch aus unermüdlich windige Experimentalarchäologie“ und „drittklassiges Reenactment“ kritisiere.
Ob „unermüdlich“ weiß ich nicht. Es könnte durchaus sein, dass mir beispielsweise die Sache mit dem Campus Galli irgendwann zu blöd wird. Nichtsdestotrotz – über den Zuspruch freue ich mich natürlich. Aber: Wie eine „Kampfstation“ sieht mein Schreibtisch eigentlich nicht aus (siehe Bild). Freilich, eine (leider nicht funktionsfähige) Strahlenpistole liegt immer griffbereit und an der Wand hängen zwei (stumpfe) Rapiere, aber davor braucht sich niemand bedroht fühlen 😊

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Relevanzkriterien und neue Autoren oder: steckt die Wikipedia in einer Sackgasse?

Unter obiger Überschrift erschien im Wiki-Watch-Blog ein Beitrag, in dem es darum geht, warum Wikipedia nicht in der Lage ist, den seit Jahren anhaltenden Autoren-Schwund aufzuhalten: Klick mich

Meine persönliche Erklärung zu diesem Umstand: Die wollen den Autorenschwund eigentlich gar nicht wirksam bekämpfen, sondern sind mit ihrer weltanschaulich ziemlich homogenen Blase, in der sie agieren können, ganz zufrieden. Damit ähneln sie sehr den typischen Mainstreamjournalisten, die, das passt eigentlich perfekt, sich dieser Tage besonders gerne bei Wikipedia informieren; währen umgekehrt die typischen Wikipediahanseln vorzugsweise solche Journalisten/Medien als Quellen heranziehen, deren Weltanschauung sie teilen. So schließt sich der Kreis bzw. kommt zusammen, was zusammenpasst.

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Sensation oder Super-Schwindel?

Die sogenannten Nazca-Linien in Peru wurden einer breiten Öffentlichkeit vor allem aufgrund der Bücher und TV-Dokumentation des Erich von Däniken bekannt. Er und einige seiner Prä-Astronautik Kollegen sehen darin Botschaften an außerirdische Besucher (vereinfacht ausgedrückt). Die arrivierte Wissenschaft teilt diese Meinung nicht.

Nun tut sich in unmittelbarer Nähe der Nazca-Linien wieder etwas in Bezug auf angeblich Außerirdische. Aber unweigerlich stellt sich hier die Frage: Sensation, archäologische Kuriosität oder äußerst aufwendig inszenierter Super-Schwindel? Jeder bilde sich sein eigenes vorläufiges Urteil. Hier ein differenzierter Artikel zu den Entdeckungen (inkl. Videos):  Klick mich

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Video: Mehrere nachgebaute antike Torsionsgeschütze in der Obersteiermark getestet

Video: Mehrere nachgebaute antike Torsionsgeschütze in der Obersteiermark getestet | Spieldauer 3 Minuten | ORF | Stream & Info
Wie viele dieser römischen Geschütze müssen im Sinne der Wissenschaft eigentlich noch rekonstruiert und getestet werden? Pro Jahr kommen mir solche Meldungen nämlich mehrmals auf den Tisch.
Mich erinnert das ein bisschen an den Campus Galli und seine vermeintliche Experimentalarchäologie, die hauptsächlich daraus besteht, das Rad jedesmal neu zu erfinden. Aber vielleicht ist im obigen Fall ja alles anders und lediglich der ORF hat vergessen, von den bahnbrechenden neuen Erkenntnissen zu berichten, die hier gewonnen wurden …
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"… so wird ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist." – Über den Mythos der marmorweißen Antike

Ich mach‘ mir die Welt widdewidde wie sie mir gefällt …

Nein, die in der Hauptüberschrift des Blogbeitrages zitierten Worte stammen nicht vom Ku-Klux-Klan 😉, sondern vom Begründer der wissenschaftlichen Archäologie: Dem Kunstschriftsteller Johann Joachim Winckelmann (Bild). Das vollständige Zitat lautet:

„Da nun die weiße Farbe diejenige ist, welche die mehresten Lichtstrahlen zurückschicket, … so wird ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist.“
Ganz in der Tradition von Renaissance-Künstlern wie Michelangelo erklärt der im 18. Jh. lebende Winckelmann Weiß bzw. den weißen Marmor zum bildhauerischen und architektonischen Schönheitsideal schlechthin. Damit beeinflusste er nicht nur den damals gerade aufkommenden Klassizismus, sondern auch die Altertumsforschung, welche aufgrund Winckelmanns fachlicher Autorität lange Zeit den Umstand ignorierte, dass Skulpturen und Reliefs in der Antike überwiegend bemalt waren. Dieses Ausblenden von Fakten – aufgrund subjektiven ästhetischen Empfindens – wirkt bis heute in den Köpfen vieler Menschen nach. Abzulesen etwa daran, dass in Sach- und Schulbücher zeichnerisch rekonstruierte Tempel der Antike zumeist unbemalt bleiben. Auch in Spielfilmen huldigt man dergestalt dem überholen und unwissenschaftlichen Ideal des Klassizismus.

Gegenbeweise in antiken Schriftquellen

Archäologische Belege für die Vielfarbigkeit (Polychromie) antiker Bildhauerwerke gibt es etliche. Einiges davon war natürlich auch Winckelmann bekannt und wurde von ihm sogar genau beschrieben, wie etwa eine 1760 in Pompeji entdeckte Statue der Göttin Artemis. Trotzdem redete er sich – zumindest öffentlich – gerne darauf hinaus, dass solche Funde lediglich „barbarisch“ anmutende Ausnahmen seien, die beispielsweise aus der Frühzeit stammen oder den Etruskern zugerechnet werden könnten. Dieser Realitätsverweigerung widersprachen freilich antike Schriftquellen: Z.B. ist von Plinius d. Ä. eine Anekdote über den berühmten griechischen Bildhauer Praxiteles überliefert, der einst auf die Frage, welche seiner marmornen Statuen ihm am besten gefallen, geantwortet haben soll:

„Diejenigen, an die Nikias (ein berühmter Maler) Hand angelegt hat.“ 

Auch der Philosoph Platon spricht in seiner Politeia klar von bemalten Statuen:

„Wie, wenn nun jemand, indem wir [eine Statue] bemalten, herzutreten würde und uns tadelte, dass wir den schönsten Teilen des Körpers nicht auch die schönsten Farben auflegten, weil die Augen, als das Schönste, doch nicht mit Purpur bestrichen wären, sondern mit Schwärze, [wie] wir glauben würden, uns ganz angemessen gegen diesen zu verteidigen, wenn wir sagten: Du Wunderlicher, verlange nur nicht, dass wir so schöne Augen bemalen sollen, dass sie gar nicht mehr als Augen erscheinen, und so auch die anderen Glieder; sondern sieh nur darauf, ob wir bei jedem das Gehörige anbringen und so das Ganze schön machen.“

Und in der Tragödie „Helena“ des Dramatiker Euripides heißt es:

„Mein Leben und mein Schicksal sind ein Grauen. Daran trägt […] meine Schönheit Schuld. Könnt ich die nur vertauschen gegen hässliche Gestalt; so hässlich wie ein Marmorbild mit abgewischten Farben.“



Die Lebenslüge des Klassizismus beginnt zu bröckeln

Spätestens im frühen 19. Jahrhundert ließ sich Winckelmanns wackelige Argumentation von den angeblichen „Ausnahmefällen“ nicht mehr rechtfertigen (auch er selbst dürfte davon in seinen späten Jahren schon nicht mehr restlos überzeugt gewesen sein, wie u.a. private Notizen belegen). Damals kaufte der Kunstagent Johann Martin von Wagner für den bayerischen König Ludwig I. diverse Giebelfiguren des Aphaia-Tempels von Ägina an und entdeckte darauf etliche Farbanhaftungen. Er schrieb darüber:

„Wir wundern uns über diesen scheinbar bizarren Geschmack und beurteilen ihn als eine barbarische Sitte […]. Hätten wir vorerst unsere Augen rein und Vorurteilsfrey, und das Glück zugleich, einen dieser griechischen Tempel in seiner ursprünglichen Vollkommenheit zu sehen, ich wette, wir würden unsere Vorurteile gerne wieder zurücknehmen.“

Damit war sozusagen aus klassizistischer Sicht die Büchse der Pandora geöffnet worden. Von nun an war es kein ‚Tabu‘ mehr, die Polychromie antiker Plastiken gezielt zu erforschen und ausgiebig darüber zu diskutieren. Im Jahr 1830 erschien das erste Werk, das sich explizit mit dieser Thematik beschäftigte – sein Titel: „De l’architecture polychrome chez les grecs“, vom deutsch-französischen Architekten Jacob Ignaz Hittorff. Auch der berühmte Architekt Gottfried Semper verfasste, nachdem er für längere Zeit Griechenland bereist hatte, zwei einschlägige Publikationen: „Vorläufige Bemerkungen über die bemalte Architektur und Plastik bei den Alten“ (1834; Onlineausgabe) und „Über die Anwendung der Farben in der Architektur und Plastik“  (1836).
Doch es dauerte geraume Zeit, bis sich zumindest in Gelehrten- und Künstler-Kreisen die Ansicht endgültig durchsetzte, dass antike Architektur und Bildhauerei nicht monochrom sondern polychrom war. Selbst noch 1868, als in Prima Porta die berühmte gleichnamige Statue des Augustus ausgegraben wurde, reagierte der anwesende Maler Arnold Böcklin regelrecht geschockt, nachdem er feststellte, dass das Kaiserbildnis Spuren von Farbe aufwies. Er soll damals gesagt haben: 

„Der Klassizismus, wie ich ihn kennengelernt habe, ist falsch und unzutreffend.“

Und trotzdem änderte sich in der Praxis wenig. Auch weiterhin wurde in der klassizistischen Architektur zumeist auf Farbe verzichtet. Das Bild von der vermeintlich marmorweißen Ästhetik der Antike hatte sich bereits viel zu sehr in den Köpfen der Intelligenzia festgesetzt.
Freilich, es gab Ausnahmen. So thematisierte beispielsweise der britisch-niederländische Maler Sir Lawrence Alma-Tadema in einigen seiner Gemälde sehr zutreffend die Buntheit der Antike – siehe etwa das nachfolgende Bild.

Wie viel Farbe vertrug die Antike? 

Nachdem für die meisten Gelehrten zweifelsfrei feststand, dass in der gesamten antiken Kunst und Architektur die Vielfarbigkeit einen festen Platz hatte – also auch abseits der ohnehin schon lange bekannten Wandmalereien – begann sich die Debatte zunehmend um die Frage zu drehen, in welchem Ausmaß koloriert wurde (dazu trugen wohl auch Textstellen wie jene von Platon bei, die bereits oben zitiert wurde). Aufgrund des sehr beschränkten naturwissenschaftlichen Methodenapparats des 19. und frühen 20. Jahrhunderts war das keinesfalls leicht zu beantworten. Ja selbst in heutiger Zeit fällt es mitunter schwer. Ein gutes Beispiel dafür ist der (in ein riesiges Zelt verpackte) griechische Apollontempel bei Bassae (Bassai). Einige Forscher vertreten die Meinung, die Platten des Frieses wären ursprünglich komplett in leuchtenden Farben bemalt gewesen. Andere glauben, Farbe sei vor allem zur Hervorhebung wichtiger Details verwendet worden. Und eine dritte Gruppe spricht gar davon, dass nur der Hintergrund mit einer zarten Tünche überzogen war, um die Figuren des Reliefs deutlicher hervortreten zu lassen. Die bisherigen Untersuchungen lassen jedenfalls – wie es heißt – noch keinen eindeutigen Schluss zu. Und das trotz all der modernen technischen Möglichkeiten, mit deren Hilfe Farbanhaftungen auf antiken Objekten bereits in vielen anderen Fällen entdeckt und analysiert wurden.

Wissenschaftliche Methoden der Farbanalyse

➤ Von einiger Bedeutung für die Ermittlung der einstigen Bemalung sind Verwitterungsreliefs. Farben die weniger haltbar sind – wie Ocker – geben relativ frühzeitig den blanken Stein frei, während z.B. Blau und Zinnoberrot besonders lange schützend anhaften. Mittels Streiflicht kann die darauf zurückzuführende unterschiedlich starke Verwitterung der Oberfläche sichtbar gemacht werde. Aus den daraus erlangten Ergebnissen lassen sich wiederum Rückschlüsse auf die ursprünglich verwendeten Farben/Pigmente ziehen (mineralische Farbstoffe sind zumeist beständiger als pflanzliche).
➤ Der Einsatz eines Auflicht-Stereo-Mikroskops dient dem Aufspüren von winzigen Überresten der einstigen Bemalung
➤ Die Zusammensetzung von Farbreste kann unter bestimmten Voraussetzungen mithilfe der Infrarotspektroskopie oder Röntgendiffraktometrie bestimmt werden
➤ Bei Verwendung der sogenannten UV/VIS-Reflexionsspektralphotometrie ist eine Bestimmung der Pigmente und Farbwerte ohne die Entnahme von Proben möglich. Wegweisend auf diesem Gebiet waren entsprechende Untersuchungen, die in den 1960er-Jahren bei Objekten der Münchner Glyptothek durchgeführt wurden

Restbestände klassizistischer Ignoranz

Im Angesicht der aktuellen technischen Möglichkeiten, den eindeutigen Hinweisen in antiken Schriftquellen und der langen Forschungsgeschichte ist es ärgerlich, dass bei der ikonographischen Deutung antiker Werke ihre einstige Bemalung immer noch kaum Berücksichtigung findet.
Auch werden Museumsbesucher nur in Ausnahmefällen darauf hingewiesen, dass manch ausgestelltes Objekte aufgrund des Fehlens jedweder Farbe uns heute einen völlig anderen optischen Eindruck vermittelt als den Menschen der Antike.

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Weiterführende Literatur / Quellen: 

  • Ritchie Pogorzelski | Der Triumph. Siegesfeiern im antiken Rum und ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe | Nünnerich-Asmus | 2016 | Infos bei Amazon
  • Mary Beard | Kleine Einführung in die Altertumswissenschaft |  J.B. Metzler | 2015 | Infos bei Amazon


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Buch: Historien, von Herodot (Neuübersetzung)

Der um 485 v. Chr. geborene Herodotos von Halikarnassos – normalerweise kurz und bündig „Herodot“ genannt – verfasste ein aus neun Büchern bestehendes Geschichtswerk, das heute zu den bedeutendsten Schriftquellen der Antike zählt: Die sogenannten Historien. Ihr mehr oder weniger chronologisch geordneter Inhalt  reicht von der mythischen Zeit der alten Griechen bis zu den Perserkriegen im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts (eine übersichtliche Inhaltsangabe findet man hier).
Herodot war ein ‚Wissenwoller‘ (‚wissen wollen‘ ist die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes historein, woher beispielsweise ‚Historie‘ stammt). Auf ausgedehnten Reisen – wie etwa nach Ägypten – lernte er viele fremde Kulturen und deren Besonderheiten kennen. Geschickt verwob er die gewonnenen Informationen in seinem Werk mit Berichten über Herrscher, Schlachten und Politik. 
Auch wenn Herodot nicht gerade den Qualitätsstandards der modernen Geschichtsschreibung gerecht wird, so sind seine Historien aufgrund ihres farbigen Detailreichtums für die Altertumsforschung von unschätzbarem Wert. Ein paar Beispiele: Im 1. Buch wird vom Drogenkonsum der Massageten (ein iranisches Volk) gesprochen, die bestimmte Früchte verbrannten, um den dabei entstehenden Rauch zu inhalieren. An anderer Stelle beschreibt Herodot die Bauweise von Schilden und erzählt von einem bei Ausschachtungsarbeiten entdeckten menschlichen Skelett, das sieben Ellen lang gewesen sein soll (= ca 3,36 m).
Kurz gesagt: Die Historien sind zwar bereits rund 2500 Jahre alt, doch kommt beim Lesen der abwechslungsreichen Schilderungen nur selten Langeweile auf. Zumindest mir ging es so.
Die vorliegende, im Alfred Kröner Verlag erschienene Übersetzung stammt vom Philologen Heinz-Günther Nesselrath. Sie enthält etliche, mitunter recht ausführliche Anmerkungen (Endnoten) und ein Namensregister. Das Deutsch der Übersetzung ist zeitgemäß, allerdings muss ich ich einen Stern abziehen, weil hier, anders als beispielsweise bei der Ausgabe des Reclam Verlages, der griechische Originaltext nicht enthalten ist. Freilich, Reclam hat es andererseits bisher nicht geschafft, alle Teile/Bücher der Historien zu veröffentlichen. Seit dem Jahr 2002 trödelt man herum, sodass trotz dieses langen Zeitraums erst sieben der neun Bücher erhältlich sind. Die von Kröner publizierte Ausgabe ist hingegen vollständig. Auch ist sie mit knapp 28 Euro deutlich günstiger als die beim ‚Wucherer‘ De Gruyter (Sammlung Tusculum) erschienene Gesamtausgabe; zwar ist diese wiederum zweisprachig, aber aus meiner Sicht rechtfertigt das keinesfalls einen Preis von saftigen 110 Euro.
Fazit: Wer den altgriechischen Text nicht zwingend benötigt, der ist mit dieser einsprachigen und modernen Übersetzung bestens bedient. Der verlangte Preis ist für das in Leinen gebundene, mit einem Schutzumschlag versehen Buch sehr gut. 
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Weiterführende Informationen:

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Pfusch am Bau in der Antike: Der römische Ingenieur Nonius Datus und ein (fast) misslungener Aquädukt-Tunnel

An der Küste Algeriens lag in römischer Zeit die Stadt Saldae. Dort war im 2. Jh. n. Chr. von den lokalen Autoritäten der Bau einer Fernwasserleitung beschlossen worden. Aus einem 17 Kilometer (Luftlinie) entfernten Quellgebiet sollte Trinkwasser herangeführt werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe wurde beim Militär um die Entsendung eines geeigneten Bauingenieurs angesucht (was darauf hindeutet, dass derlei Profis vor allem dort, und nicht im zivilen Umfeld zu finden waren). Der Bitte wurde entsprochen und man schickte einen Ingenieur namens Nonius Datus. Dieser begann die Arbeiten zwar, zog sich aber zu einem unbestimmten Zeitpunkt wieder zurück. Wer ihm nachfolgte ist nicht bekannt, doch traten nach einiger Zeit beim Bau eines Tunnels gröbere Probleme auf. Selbst ein Abbruch sämtlicher Bauarbeiten wurde deshalb schon in Betracht gezogen. Und obwohl seit dem Beginn des Aquäduktbaus ca. 15 – 20 Jahre vergangen waren, erinnerte man sich noch an jenen Mann, der ursprünglich Planung und Arbeiten geleitet hatte: Nonius Datus. Der mittlerweile in den Ruhestand getretene Veteran sollte den Karren noch einmal aus dem Dreck ziehen. Darüber berichtet er auf seinem Grabmonument in einer ausführlichen Inschrift, die unter anderem auch den Brief eines römischen Statthalters beinhaltet, wie aus nachfolgender Übersetzung hervorgeht.
Brief des Procurators (Statthalters) Varius Clemens an den Legionslegaten Valerius Etruscus: Sowohl die herrlichste Stadt Saldae als auch ich mit den Salditanern bitten Dich, Herr, dass Du Nonius Datus, Feldmesser und Veteran der Legio III Augusta, aufforderst, nach Saldae zu kommen, um von seinem Werk fertig zu stellen, was noch aussteht.

Nonius Datus: Ich habe mich aufgemacht und bin auf dem Wege unter Räuber geraten; ausgeraubt und verwundet bin ich mit den meinen entronnen; ich bin nach Saldae gekommen und habe den Procurator Clemens aufgesucht. Er hat mich zu dem Berg geführt, wo man über den misslungenen Tunnelbau klagte; man glaubte, ihn aufgeben zu müssen, weil der Vortrieb der beiden Stollen bereits länger ausgeführt war, als der Berg breit war. Es war offensichtlich, dass man mit den Vortrieben von der Trasse abgekommen war; so wie der obere Teil des Tunnels nach rechts, also nach Süden abwich, so ist in ähnlicher Weise der untere Teil ebenfalls nach rechts, also nach Norden abgewichen; beide Baulose haben also die Richtung verfehlt, weil man der Trasse nicht gefolgt war. Die exakte Trassenlinie war aber mit Pfählen von Ost nach West über den Berg abgesteckt worden. Damit aber beim Leser kein Missverständnis bezüglich der Stollen entsteht, wenn es hier ‚oberer‘ und ‚unterer‘ heißt, so ist das so zu verstehen: Mit ‚oberer‘ ist der Teil gemeint, in dem der Tunnel das Wasser aufnimmt, mit ‚unterer‘ der Teil, wo das Wasser wieder herauskommt. Als ich die Arbeiten zuteilte, damit sich jeder darüber im Klaren war, welche Strecken des Vertriebs er aufzufahren hatte, habe ich die Flottensoldaten und die Soldaten aus gallischen Hilfstruppen um die Wette arbeiten lassen (von beiden Seiten her), und so haben sie sich beim Durchstich des Berges getroffen. Ich also war es, der zuerst das Nivellement gemacht und den Bau der Wasserleitung organisiert und in die Wege geleitet hatte nach den Plänen, die ich dem Procurator Petronius Celer gegeben hatte. Das vollendete Bauwerk hat der Procurator Varius Clemens durch die Einleitung des Wassers seiner Bestimmung übergeben. [Die Transportleistung des Aquäduktes beträgt ?] Fünf Scheffel. Damit mein Bemühen um diesen Aquädukt von Saldae deutlicher erscheint, habe ich einige Briefe angefügt […]. 

(CIL 8,1 2728 | Übers.: Klaus Grewe)

Die für die heutige Forschung hochinteressante Grabinschrift deutet darauf hin, dass Nonius Datus sehr daran gelegen war, der Nachwelt nicht als Verantwortlicher für die Schwierigkeiten beim Tunnelbau des Aquädukts von Saldae in Erinnerung zu bleiben. Vielmehr präsentiert er sich – wohl zurecht – als Problemlöser. Da die beiden Bautrupps des im Gegenort-Verfahren geplanten Tunnels aneinander vorbeigegraben hatten (siehe Grafik), ließ Nonius Datus neue Vermessungen vornehmen und eine Querverbindung zwischen den beiden Teilstücken herstellen.
Nach ihrer Fertigstellung war die Fernwasserleitung 21 km lang und transportierte pro Tag ca. 10000 Kubikmeter Wasser. Jener Tunnel, der so ungemein viele Schwierigkeiten bereitet hatte, war 428 Meter lang und lag bis zu 86 Meter unter der Erde.

Misslungener Tunnelbau im Gegenort-Verfahren. Beide Bautrupps wichen unbeabsichtigt vom geplanten Trassenverlauf des unterirdischen Aquädukts von Saldae ab und verfehlten sich.
Keine Rechte vorbehalten, aber um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
Dieses Beispiel zeigt, dass selbst die für ihre Bauten auch heute noch berühmten Römer keinesfalls Wunderwuzzis waren, denen keine gröberen Fehler unterliefen. Im Gegenteil, die Bauforschung kennt längst etliche ähnlich gravierende Missgeschicke.

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Weiterführende Literatur:


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Kunstkalender: Römische Fresken

Mal etwas ganz anderes: Römische Fresken sind das Thema eines vom KV&H Verlag vertriebenen Kalenders, den ich kürzlich bei Amazon entdeckt habe.
Auf 12 Blättern (plus Deckblatt) sind ebenso viele Wandmalereien / Fresken dargestellt, die hauptsächlich in den antiken Vesuv-Städten wie Pompeji, Boscoreale, Stabiae usw. von Archäologen ausgegraben wurden. Die Rückseite des Kalenders zeigt eine entsprechende Übersicht zu den einzelnen Motiven, in der u.a. Bezeichnung, Fundort und Datierung genannt werden. 
Wegen des überaus großen Formats von 49 x 68 cm kann man sogar einzelnen Pinselstriche unterscheiden, was mir persönlich sehr gut gefällt.
Die Monate und Tage hat man dezent am unteren Bildrand platziert, wo sie nicht stören bzw. kaum zu erkennen sind (siehe das Übersichtsbild unten). Die Kalenderfunktion stellt daher meiner Ansicht nach eher eine Art Alibi dar, denn so einen Kunstkalender hängt man sich vor allem wegen den schönen Motiven an die Wand (wer das aktuelle Datum wissen möchte, schaut heutzutage ja sowieso meist aufs Handy). Im Prinzip wäre es hier ohne weiteres möglich, die Kalendertage wegzuschneiden und das dadurch kaum beeinträchtigte Bild kostengünstig zu rahmen, um damit eine kahle Wand zu verschönern.
Zum Schluss ein winziger Kritikpunkt, der die Zuordnung der Motive zu den einzelnen Monaten betrifft. Beispielsweise hätte ich den Vogel in üppiger grüner Natur nicht im Winter bzw. Dezember platziert, sondern eher im Frühjahr oder Sommer. Aber das ist wohl auch eine Frage des persönlichen Geschmacks; es gibt nämlich sicher auch den einen oder anderen, der es gerade im Winter gerne grün hat 😊. Der Kaufpreis beträgt knapp 40 Euro.

PS: Mein Wunsch an den Verlag wäre es, auch einen Kalender mit enkaustischen Mumienporträts aus römischer Zeit zu veröffentlichen. In dem Bereich gibt es etliche wunderschöne Darstellungen!

Hörbares: Was Mumien über Diäten verraten — Sabbatruhe seit Antike umstritten — Archäologie in Jordanien — Karl Baedeker


Udo Pollmer: Abnehmen mit Kleopatra – was die Mumien über Diäten verraten | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Sabbatruhe seit Antike umstritten: Gespräch mit Bibelforscher Reinhard Achenbach | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Jordanien: Endlichkeiten von Kulturen trotzen einem endlosen Konflikt | Spieldauer 18 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Steinmetz-Training in Jordanien – Schlagkräftige Kulturhilfe | Spieldauer 5 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
(Off-Topic) Karl Baedeker – Welche Lust gewährt das Reisen | Spieldauer 23 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
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Hörbares: Was Mumien über Diäten verraten — Sabbatruhe seit Antike umstritten — Archäologie in Jordanien — Karl Baedeker


Udo Pollmer: Abnehmen mit Kleopatra – was die Mumien über Diäten verraten | Spieldauer 5 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download


Sabbatruhe seit Antike umstritten: Gespräch mit Bibelforscher Reinhard Achenbach | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Jordanien: Endlichkeiten von Kulturen trotzen einem endlosen Konflikt | Spieldauer 18 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Steinmetz-Training in Jordanien – Schlagkräftige Kulturhilfe | Spieldauer 5 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
(Off-Topic) Karl Baedeker – Welche Lust gewährt das Reisen | Spieldauer 23 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
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Video: Der Experimentalarchäologe Dominique Görlitz im Gespräch

Ein Leser hat mich auf nachfolgendes Gespräch mit dem bekannten Experimentalarchäologen Dominique Görlitz aufmerksam gemacht, der, wie sein Vorbild Thor Heyerdahl, von einer weit in die Prähistorie zurückreichenden Hochseefahrt überzeugt ist. Zurzeit bereitet er sich auf seine vierte Expedition mit einem großen Schilfboot vor. Ziel ist die nicht ungefährliche Überquerung des Nordatlantiks, um dadurch die Möglichkeit eines frühen vorgeschichtlichen Kulturaustauschs zwischen Europa/Afrika und Amerika zu belegen.
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Videos: Archäologen graben Schmuck in Haithabu aus — Friedhof aus Bajuwarenzeit — Wie gesund ist "Urgetreide"? — Der Mittelalter-Check — Der Römer-Check



Haithabu: Archäologen graben Schmuck aus | Spieldauer 3 Minuten | ARD | Stream & Info

Archäologen entdecken Friedhof aus Bajuwarenzeit | Spieldauer 1 Minuten | ARD | Stream & Info
Der Mittelalter-Check | Spieldauer 24 Minuten | ARD | Stream & Info
(Die Sendung bewegt sich ein wenig auf Kindergartenniveau, aber man ist unter anderem beim Geschichtspark Bärnau-Tachov unterwegs, wo die Zugochsen scheinbar ähnlich gut erzogen sind wie die beim Campus Galli 😄. Der Reporter hatte Glück, dass er nicht ein Huf abbekommen hat …)
Der Römer-Check | Spieldauer 24 Minuten | ARD | Stream & Info
(Gleiches Konzept wie das der obigen Sendung. Wer Lust hat, darf Fehler und Anachronismen zählen 😃)
Wie gesund ist „Urgetreide“? | Spieldauer 24 Minuten | ARD | Stream & Info
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Plinius zu Gast bei einem üblen Geizhals

Zu den wichtigsten Quellen der römischen Antike zählt zweifellos die Briefsammlung von Plinius dem Jüngeren (ca. 61 – 115 n. Chr.). Seine Epistulae decken eine große Bandbreite an Themen ab – wie z.B. Geldangelegenheiten, Naturkatastrophen (Vesuvausbruch im Jahr 79 n. Chr.), Gerichtsprozesse usw. Ja sogar über die Teilnahme an einem Gastmahl berichtet Plinius und gewährt uns damit Einblick in die – aus heutiger Sicht – mitunter recht kuriosen Gepflogenheiten der herrschenden Klasse Roms.
Plinius grüßt seinen Avitus!
Es wäre zu umständlich, weiter auszuholen, und es ist auch unwichtig, wie es dazu kam, dass ich als keineswegs guter Bekannter bei einem Mann speiste, der nach seiner Meinung großzügig und bedachtsam, nach meiner aber geizig und verschwenderisch zugleich war. Denn sich und einigen Wenigen tischte er allerhand köstliche Gerichte auf, den übrigen aber nur billige Speisen und kleine Portionen. Auch den Wein hatte er in drei Sorten in sehr kleinen Flaschen verteilt – nicht, damit man die Möglichkeit habe auszuwählen, sondern damit man nicht das Recht habe abzulehnen; die eine Sorte für sich und uns, eine zweite für geringere Freunde – er hatte nämlich Freunde nach Rangstufen – und eine dritte für seine und unsere Freigelassenen.
Das alles bemerkte mein Tischnachbar und fragte mich, ob ich das billige; ich verneinte es. 
Er fragte daraufhin: „Wie ist es bei dir üblich?“ 
„Ich setze allen dasselbe vor. Denn ich lade zu einem Essen, nicht zu einer Zensur, und in jeder Hinsicht behandle ich die gleich, mit denen ich Tisch und Speisesofa geteilt habe.“
„Auch die Freigelassenen?“
„Ja, denn dann sehe ich sie als Gäste, nicht als Freigelassene an.“
„Das kostet dich aber viel.“
„Keineswegs.“
„Wie ist das möglich?“
„Weil meine Freigelassenen nicht dasselbe trinken wie ich, sondern ich dasselbe wie sie.“ (😄)
Bei Gott, wenn man seine Esslust zügelt, ist es nicht lästig, was man braucht, mit anderen zu teilen. Sie also musst du einschränken, sie gleichsam in Schranken halten, wenn du Kosten sparen willst. Dafür sorgst du viel richtiger durch eigene Enthaltsamkeit als durch Zurücksetzung anderer.
Wozu sage ich dies? Damit dich, einen jungen Mann in besten Anlagen, nicht der Tafelluxus gewisser Leute, die sich unter dem Deckmantel der Sparsamkeit zeigt, beeindruckt. […]. Denke also daran, dass man nichts mehr meiden muss als diese neuartige Verbindung von Verschwendungssucht und Geiz; sind schon beide Laster für sich alleine höchst schändlich, so noch schändlicher, wenn sie sich verbinden.
Lebe wohl!

(Plinus, Epistulae, 2. Buch, 6. Brief)

Plinius hält es offensichtlich für charakterlich fragwürdig und ein Zeichen mangelhafter Umgangsformen, nicht allen geladenen Gästen dieselben Speisen und Getränke zu servieren. Er unterstreicht dies mit der spöttischen Bemerkung, dass er selbst es völlig anders handhabt, da er schließlich zu einem Essen – und nicht etwa zu einer Zensur – einlädt. Womit hier auf den im alten Rom üblichen Vorgang Bezug genommen wird, von Seiten der staatlichen Verwaltung die männlichen Bürger nach ihrem Vermögen bestimmten Klassen zuzuteilen; dies wurde „Zensur“ (censura) genannt.
Plinius meint weiters, die Sitte seine Gäste ungleich zu behandeln sei „neuartig“. Mir stellt sich bei diesem Punkt allerdings die Frage, was genau unter „neuartig“ zu verstehen ist, denn bereits in Quellen, die rund ein halbes Jahrhundert vor Plinius‘ Brief zu datieren sind, gibt es einschlägige Hinweise. So etwa im Schelmenroman Satyricon. An einer Stelle der turbulenten Geschichte bewahren zwei Gäste einen Haussklaven vor der Auspeitschung. Dieser verspricht ihnen daraufhin für das kurz bevorstehende Gastmahl folgendes:

„Ihr werdet bald merken“, sagte er, „an wem ihr eine gute Tat getan habt. Der Wein des Herren ist des Schenken Dank.“

(Petronius, Satyricon 31)
Daraus kann geschlossen werden (sofern die obigen Zeilen nicht nur im übertragenen Sinn zu verstehen sind), dass es bereits damals (zu Neros Zeiten) nicht unüblich war, Gästen – abhängig vom jeweiligen Status – unterschiedliche Weine zu kredenzen. Das ist in diesem speziellen Fall umso wahrscheinlicher, weil die beiden Retter des Sklaven keine Freunde des Hausherren (namens Trimalchio) waren, sondern Wildfremde, die quasi von der Straße weg zum Gastmahl eingeladen wurden.Ein weiteres Beispiel für die Doppelstandards mancher Gastgeber – nun wieder aus der Zeit des Plinius – liefert der Satirendichter Juvenal. Über einen gewissen Virro spottet er:
Den Freunden, die er gering schätzt, wird er recht zweifelhafte Pilze vorsetzen. Der Herr hingegen bekommt Champignons. Natürlich solche, wie sie Claudius aß, bevor ihm seine Frau einen servierte, nachdem er überhaupt nichts mehr aß. Dann lässt sich Virro und seinen Mit-Virronen herrliche Äpfel geben […]. Du aber bekommst einen vergammelten Apfel […]

Juvenal, Satiren 5, 30-38
Lustig ist natürlich, wie sich Plinius selbst als Gastgeber davor schützt, allzu viel für Speisen und Getränke ausgeben zu müssen, ohne dabei gleichzeitig einen Teil seiner Gäste zurückzusetzen bzw. zu kränken: Er gibt einfach allen Anwesenden – auch sich selbst – gleich wenig zu essen sowie den gleichen mittelmäßigen Wein zu trinken. Freilich, so verfuhr er wohl vor allem bei umfangreicheren Banketten. Anderenfalls hätte er sich im Kreis seiner noblen Freunde rasch den Ruf eines Geizhalses eingehandelt. Er scheint jedoch, nach allem was wir wissen, ein beliebter und hochangesehener Mann gewesen zu sein.
Unterscheidungen nach Rang, gegen die wohl auch Plinius nichts einzuwenden hatte, waren bei der Positionierung der Gäste rund um den Esstisch (mensa) seit jeher üblich. Ein idealtypisches Beispiel soll mit der folgenden Grafik veranschaulicht werden: Auf jedem Speisesofa lagen maximal drei Personen (hier durch Pfeile repräsentiert). Für den Ehrengast oder den gesellschaftlich am höchsten stehenden Gast war der unterste Platz des mittleren Speisesofas (lectus medius) vorgesehen. Man sprach hier auch vom locus consularis oder locus praetoris – also dem Platz, der gegebenenfalls einem anwesenden Konsul oder Praetor zustand. Direkt gegenüber, am linken Rand des untersten Speisesofas (lectus imus) lag der Gastgeber.
Konsul oder Praetor lagerten übrigens wohl deshalb traditionell am Rand und nicht in der Mitte des zentralen Speisesofas, damit Boten leichter Zugang zu diesen wichtigen Amtsträgern hatten.


Idealtypische Anordnung römischer Speisesofas

Nach einer Darstellung in Altag im alten Rom – Das Leben in der Stadt
Keine Rechte Vorbehalten – doch um die Nennung der Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com
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Quellen und weiterführende Literatur: 
  • Plinius / H. Philips, M. Giebel (Übers.) | Epistulae | Reclam | 2014 | Infos bei Amazon
  • Petronius / Harry C. Schnur (Übers.) | Satyricon – Ein römischer Schelmenroman  | Reclam | 1968 | Infos bei Amazon
  • Juvenal / Harry C. Schnur (Übers.) | Satiren | Reclam | 1969 | Infos bei Amazon
  • Karl-Wilhelm Weeber | Alltag im Alten Rom – Das Leben in der Stadt | Patmos/Primus | 2000/2012 | Meine Rezension | Infos bei Amazon
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

PDFs: Die römische Staatstracht — Archäologische Textilien — Gefärbte Textilien im vorgeschichtlichen Europa — Römerzeitliches Wagengrab — Maskendarstellungen der Wikingerzeit — The Thorsberg Trousers — Metallklebemasse an römischem Reiterhelm

(Langsam aber sicher stellt sich mir die Frage, wozu ich das Buch „Die Macht der Toga“ gekauft habe, denn mittlerweile habe ich nahezu alle Beiträge daraus auf Academia.edu entdeckt ^^)


Maskendarstellungen der Wikingerzeit Thorsten Lemm | Academia.edu

The Thorsberg TrousersSunnifa Gunnarsdottir (Charlotte Mayhew) | olvikthing.org
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Hörbares: Banausen — Ist die Archäologie eine seriöse Wissenschaft? — Inschriftenkunde — Feudalismus im Mittelalter — Römische Thermen


Banausen – die Helden der athenischen Demokratie | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download 
Ist die Archäologie eine seriöse Wissenschaft? | Spieldauer 40 Minuten | Youtube | Stream & Info
Feudalismus im Mittelalter | Spieldauer 22 Minuten | ARD/NDR | Stream & Info | Stream & Info | Direkter Download
Römische „Thermae“ – Badezimmer einer ganzen Stadt? | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info
Inschriftenkunde – Epigraphik (Teil 1) | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info
Inschriftenkunde – Epigraphik (Teil 2) | Spieldauer 60 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info
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Buch: Einführung in die antike Ikonographie

Wer die Antike möglichst gut verstehen möchte, kommt nicht drumherum, sich näher mit den in dieser Epoche entstandenen Bildwerken bzw. deren Deutung auseinanderzusetzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Ikonographie. Der Begriff setzt sich zwar aus den altgriechischen Wörtern eikon (=Bild) und graphein (=schreiben, beschreiben) zusammen, stammt jedoch – wie man vorschnell annehmen könnte – nicht aus der Antike, sondern ist modernen Ursprungs.
Im Buch Einführung in die antike Ikonographie (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) erläutert der Archäologe Patrick Schollmeyer die inhaltliche Bedeutung bzw. Aussagekraft antiker, von Menschenhand geschaffener Bildwerke. Dazu zählen unter anderem Statuen, Reliefs, Wandgemälde, Vasenmalereien usw. 
Wohl weil es sich um ein Einführungswerk handelt, beschränken sich die Ausführungen des Autors fast ausschließlich auf die Blütezeit der griechischen und römischen Welt (wobei ich meine, eine gewisse „Griechen-Lastigkeit“ festgestellt zu haben).
Da sich viele antike Darstellungen auf die Mythologie bzw. die Götterwelt beziehen, nimmt diese Thematik einiges an Raum ein: Welche bedeutenden Götter gab es? Was war ihre ‚Aufgabengebiete‘ und was ihre Attribute? 
Neben den Göttern sind uns aus der Antike vor allem Darstellungen der Eliten und Herrschenden überliefert, sodass auch auf sie ein genauerer Blick geworfen wird: Welche Funktion sollten beispielsweise in der Öffentlichkeit aufgestellte Statuen erfüllen? Welche Schlüsse lassen sich aus Kleidung und Gestik der Dargestellten ableiten? Usw.

Unterm Strich sind die Erläuterungen allgemein verständlich formuliert. Will heißen, auch wenn es punktuell sicher nicht schadet, so muss der Leser über kein einschlägiges Vorwissen verfügen. Der Sinn und Zweck einer Einführung in das weite Feld der Ikonographie wird damit erfüllt. Zwei kleinere Kritikpunkte gibt es aus meiner Sicht aber: 1. Man hätte von Abbildungen etwas großzügigeren Gebrauch machen können, was mir gerade in Anbetracht des Buch-Themas sinnvoll erscheint. 2. Die mittlerweile als bewiesen geltende Buntheit antiker Bildwerke wird so gut wie nicht berücksichtigt; das ist schade.


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
I. Einführung in Gegenstand, Fragestellung und Methoden
II: Themen
  1. Mythos versus. Lebenswelt
  2. Mythische Einzelgestalten
   2.1 Göttinnen und Götter
   2.2 Personifikationen
   2.3 Göttliche Trabanten
   2.4 Mythische Mischwesen und Ungeheuer
   2.5 Heroinnen und Heroen
  3. Der Mensch und seine Rolle
   3.1 Allgemeine Körper und Verhaltensideale
   3.2 Spezifische soziale Rollen und ihre Handlungszusammenhänge
  4. Darstellungen von Tieren, Landschaft und Architektur
III. Fubnktion
  1. Repräsentation der herrschenden Eliten
  2. Gegenbilder und Traumwelten
  3. Magische Funktion
  4. Trost- und Trauerbilder
  5. Feier und Memoria historischer Ereignisse
  6. Bild-Räume
  7. Erotische Aspekte
IV. Bilddetails
  1. Körperbilder
  2. Alterstufen
  3. Mimik
  4. Gestik
  5. Klidung
  6. Frisuren
  7. Attribute und Insignien
  8. Waffen
  9. Pferde und Wagen
 10. Möbel, Gefäße und Geräte
 11. Kompositorische Gestaltungsmittel
 12. Formen des Erzählens
V. Kontexte 
  1. Tempel und Heiligtümer
  2. Öffentliche Plätze: Agora und Forum
  3. Öffentliche Bauten
  4. Palast, Haus und Villa
  5. Grabanlagen
VI. Auftraggeber, Künstler Publikum
Epochen der griechischen und römischen Kultur
Bibliographie
Abbildungsnachweis
Register
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Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Satyricon — Mittelaltermarkt oder seriös? — Kleines Nähprojekt — Diebstahl in Pompeji — Unachtsame Archäologin

Satyricon
Im Laufe der Jahre ist mir in Sach- und Fachbüchern über die Antike eine Quelle auffällig oft untergekommen: Petrons Schlemenroman Satyricon bzw. die darin enthaltene Episode „Das Gastmahl des Trimalchio“.
Der antike Text ist vollgepackt mit Detailinformationen zum römischen Alltagsleben – ganz besonders zur Esskultur. Ich werde daher die von mir kürzlich gelesene Reclam-Übersetzung (die gewisse ‚Eigenheiten‘ aufweist) hier in den kommenden Monaten noch detailliert besprechen.

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Mittelaltermarkt oder seriöse Museumsveranstaltung?

Was meinen die Leser; handelt es sich beim jüngsten Event der Klosterbaustelle Campus Galli um eine seriöse Veranstaltung (von einem Lokalmedium als „Historischer Markt“ bezeichnet) oder haben wir es hier unterm Strich eher mit einer mittelaltermarkt-mäßigen Histotainment-Lärmerei zu tun? Klick mich
Mit dabei war übrigens auch wieder die legendäre gürtellose Arbeitsanleiterin, über deren Beweggrüde für den Verzicht auf einen Gürtel auch nach bald 5 Jahren modischer Eigenwilligkeit keinesfalls spekuliert werden darf 😉

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Kleines Nähprojekt

Ich habe schon länger nichts mehr für meine beiden Living-History-Ausstattungen genäht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich vom Nähen relativ leicht Kopfschmerzen bekomme (wegen der gebückten Haltung). Wenn ich allerdings nicht wesentlich mehr als 20 Minuten am Stück nähe, dann geht es. 

Geplant sind zwei Beutel aus naturfarbenem Leinen und eine phrygische Mütze aus Wolle mit Leinenfutter; ich habe übrigens zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung, wie man das Futter sauber in die Mütze hineinfummelt (die Naht mit der das Futter befestigt wird, sollte mehr oder weniger verdeckt sein),
Außerdem brauche ich für besagte Mütze noch einen passenden roten Schurwollstoff, aus welcher der aufgenähte Saum gemacht werden soll. Mal sehen, ob ich irgendwelche Stoffreste dafür auftreiben kann. Weil extra etwas zu bestellen lohnt sich sich bei der minimalen Menge nicht, die ich benötige.
Im Sommerurlaub, wenn das Blog für einen Monat pausiert, soll es losgehen. Bei meinem üblichen Schneckentempo bin ich vermutlich irgendwann knapp vor Weihnachten damit fertig 😊. Auf jeden Fall möchte ich dann auch einen Beitrag über die Arbeiten an Beuteln und Mütze verfassen, in dem Arbeitsschritte, Schnittmuster, verwendete Nähstiche usw. genau und leicht nachvollziehbar dargelegt werden.
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Diebstahl in Pompeji


Ein wertvolles Bronzeobjekt – genauer gesagt ein Türbeschlag – wurde in der antiken Ruinenstadt Pompeji entwendet, schreibt die Zeitung der Standard: Klick mich
Interessant, dass es eine solche Meldung überhaupt in die Zeitung schafft. Mir hat nämlich eine gute Freundin mit besten Verbindungen nach Pompeji erzählt, dass dort und im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel (wo viele Funde aus Pompeji ausgestellt sind) immer wieder Objekte verschwinden. Das hätte sich innerhalb der letzten 100 Jahre dermaßen summiert, dass man mit all dem Diebesgut eine stattliche Ausstellung bestücken könnte …

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Unachtsame Archäologin

Die vorangegangene Meldung erinnerte mich an eine andere Geschichte. Dieselbe Freundin, die mir berichtete, dass das Abhandenkommen von Funden in Pompeji eine gewisse Tradition besitzt, war vor nicht allzu langer Zeit in Wien unterwegs. Wie es der Zufall so wollte, kam sie beim Shoppen an einer archäologischen Ausgrabung vorbei und stellte sich zu ein paar Schaulustigen, die das Treiben beobachteten. Da meinte jemand neben ihr, dass eine der Ausgräberinnen in der Grube ständig über etwas Schmutzig-Weißes latscht, und ob das nur ein Stein oder ein Knochen sei?
Als gelernte Archäologin schaute meine gute Freundin nun genauer hin und erkannte, dass es sich dabei eventuell um das mehr oder weniger kugelförmige Ende (Epiphyse) eines Langknochens handelt. Sie rief daher die Ausgräberin, die keinen Meter daneben kniete an, dass da etwas sei. Doch die junge Frau hörte nichts, da sie Ohrhörer in den Ohren hatte; als nächstes stand sie auf und trat wieder genau auf die Stelle mit dem Knochen, woraufhin dieser teilweise zerbröselte. Jetzt wurde die Freundin unrund; am liebsten wäre sie in die Grube hinuntergesprungen. Stattdessen knüllte sie ein Prospekt aus ihrem Einkaufssack zusammen und warf es dem Mädel in der Grube direkt vor die Nase. Endlich nahm diese die Ohrhörer heraus und blickte auf. 
Wie sich daraufhin bald herausstellte, war das weiße Objekt im Boden tatsächlich ein Kochen. 

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Bier zum Inhalieren 😂

Videos: Archäologisches Grab geschändet — Pompeji — Bau von antikem Römerboot — Hochmittelalterliches Schlachtengemälde — El Dorado der deutschen Archäologen — Der Schrecken der Archäologen

Bau von antikem Römerboot nimmt Form an | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info
Hochmittelalterliches Schlachtengemälde erstrahlt im neuen Glanz | Spieldauer 3 Minuten | MDR | Stream & Info
El Dorado der deutschen Archäologen | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info
Raubgräber – der Schrecken der Archäologen | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info

Archäologisches Grab geschändet | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
Eine ziemlich rabulistische Umschreibung dafür, dass hier ein unbekannter Depp einen Schädel von einer archäologischen Ausgrabung gemopst hat. Wenn man sich schon auf den in diesem Zusammenhang aberwitzigen Begriff „Schändung“ versteigt, dann sollte man darauf hinweisen, dass diese in Wirklichkeit bereits mit der Freilegung der sterblichen Überreste durch Archäologen ihren Anfang genommen hat. Desweiteren ist es mehr als nur fragwürdig, dass mit der Trivialität eines entwendeten mittelalterlichen Schädels die Kriminalpolizei behelligt wird. Als ob die nicht wichtigere Dinge zu tun hätte, als morschen Knochen hinterherzujagen – jeder Wohnungseinbruch besitzt größere Relevanz. Übrigens, es geht beim konkreten Fall um eine Ausgrabung des Archäologen Matthias Hensch (Schauhütte Archäologie), zu dessen Youtube-Videos ich hier erst kürzlich verlinkt habe. 
Wiederauferstehung Pompejis am Computer | Spieldauer 5 Minuten | Youtube/Altair4

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Hörbares: Die mittelalterliche Globalmacht Hanse — Winckelmann-Ausstellung — Archäologische Sammlung Trier — 500 Jahre Reformation



Handel im Mittelalter – Die Hanse als globale Macht | Spieldauer 28 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
Kulturnacht: Winckelmann-Ausstellung in Weimar | Spieldauer 42 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info | Direkter Download
Von Amphoren und antiken Skulpturen: Archäologische Sammlung der Universität Trier | Spieldauer 4 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download

Landesausstellung „500 Jahre Reformation – Die Epoche des Umbruchs“ | Spieldauer 4 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download
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Krimskrams: Kassian, der prügelnde Heilige — Mein Kaiser, mein Herr — Fernsehprogramm à la ZDF — usw.

Kassian, der prügelnde  Heilige

Kassian von Imola war nicht nur Schulmeister, sondern dürfte auch ein echter Sympathieträger gewesen sein. Der christliche Heilige wurde, nachdem er im Zuge spätantiker Christenverfolgung seiner Religion nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe überließ man seinen eigenen Schülern, die ihn erbost mit ihren metallenen Schreibgriffeln marterten. Kassian soll sie als Lehrer körperlich oft gezüchtigt haben …
Nun war das Verprügeln von Schülern freilich fester Bestandteil antiker Pädagogik. Allerdings dürfte es der heilige Kassian damit ordentlich übertrieben haben, wenn ihn seine Schüler deshalb gleich mit Freude abstachen. Jedenfalls würde der gute Mann heutzutage wohl nicht mehr so ohne Weiteres die Kriterien zur Heiligsprechung erfüllen. ^^

Übrigens: Der beinahe zeitgleich mit Kassian lebende Augustinus berichtete mit Abscheu und Unbehagen von seiner eigenen Erfahrungen als Schüler. Prügel wurden von den Alten zwar gelobt, meinte er, aber durch diese Erziehungsmethoden „vervielfachte man nur die Mühe und Not der Kinder Adams.“ 


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Mein Kaiser, mein Herr (Zufälle gibt es …)

Ich lausche seit ca. einer Woche dem Hörbuch Mein Kaiser, mein Herr, das vollständig auf dem gleichnamigen Roman von Siegfried Obermeier beruht. Der Leser/Hörer begleitet darin Gerold – den fiktiven illegitimen Sohn des bayerischen Herzogs Tassilo – durch sein langes, abwechslungsreiches Leben, das er vor allem im Dienste Karls des Großen verbringt. Dabei übernimmt Gerold verschiedene Aufgabe, wie die des Soldaten, des Lehrers, des Dolmetschers oder des Gesandten.
Irgendwann im Verlauf der Geschichte büxt Gerold mit seiner Geliebten Hildtrud – einer Tochter Karls des Großen – aus. Um nicht erkannt zu werden, verkleiden sich die beiden. Gerold mimt dabei einen zur Pilgerfahrt verdonnerten Händler, während Hildtrud ihr Haare schert und sich als Diener ausgibt, der  – man glaubt es kaum – den Namen Hiltibold trägt 😊.
Ein wirklich lustiger Zufall, denn ich habe mir genau diesen Namen ja ursprünglich deshalb ausgesucht, weil er vor allem in dieser Schreibweise recht selten ist.

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Fernsehprogramm à la ZDF

Hmmm, handelt es sich bei der folgenden Zusammenstellung, die einen Ausschnitt aus lediglich sechs Tagen ZDF-Programm zeigt, um ein starkes Indiz für einen veritablen Dachschaden der Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Klick mich
Im Angesicht dieser immensen Schlagseite ist es jedenfalls kein Wunder, dass große Teile der Menschheitsgeschichte im deutschen Fernsehen nur unter ferner liefen abgehandelt werden. Freilich, der ORF ist da noch viel schlimmer! Abseits von Natur-Dokus bekommen die Fernsehmacher auf dem Küniglberg so gut wie nichts auf die Reihe. Am besten man meldet den ORF ab und spendet die eingesparten Gebühren guten Alternativmedien der eigenen Wahl.

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Forscher entdecken in österreichischem Kloster ältestes Schriftstück auf Deutsch …

… schreibt die Berliner Zeitung: Klick mich

Übrigens, am 14. Mai hat auch die Kronenzeitung in ihrer Druckausgabe dazu einen Beitrag gebracht. Da heißt es in einem Interview unter anderem:
Frage: Warum ist dieser Fund so einzigartig?
Antwort: Es handelt sich um die erste Verschriftlichung der deutschen Sprache.
Nein, richtigerweise müsste es heißen, dass es sich um die bis dato älterste entdeckte Überlieferung handelt …

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Das fetzt

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Johannes Fried über die Karolinger — Forschungstaucher — Götterdämmerung im Römischen Reich — Homo Naledi — usw.



    Interview mit Johannes Fried – Thema „Karolinger“ | Spieldauer 42 Minuten | ARD/HR | Stream & Info | Direkter Download
    Interview mit dem Forschungstaucher Florian Huber | Spieldauer 37 Minuten | ARD/RB | Stream & Info | Direkter Download
    „Gegen Julian“ – Götterdämmerung im Römischen Reich | Spieldauer 8 Minuten | ARD/DF | Stream & Info | Direkter Download
    Der Archäologe Johann Joachim Winckelmann und ein historischer Geheimcode | Spieldauer 14 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info 
    Homo Naledi: Frühmenschen lebten zeitgleich mit Homo Sapiens | Spieldauer 6 Minuten | ARD/WDR | Stream & Info | Direkter Download
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    Videos: Römischer Streitwagen gegen Ferrari — Scheiterhaufen — Weltkulturerbe Uruk — Steinzeit-Siedlung entdeckt — "Einzischartische" antike Kostbarkeiten

    Römischer Streitwagen gegen Ferrari | Spieldauer 3 Minuten | MDR/ARD | Stream & Info

    Erinnerungen an den Scheiterhaufen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


    7500 Jahre alte Steinzeit-Siedlung entdeckt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

    Archäologisches Zentrum in Mainz: „Einzischartische“ antike Kostbarkeiten ziehen um | Spieldauer 2 Minuten | ARD/SWR | Stream & Info | Direkter Download


    Weltkulturerbe Uruk – Trainingsprogramme des Iraqi-German Expert Forum | Spieldauer 11 Minuten | DAI / Youtube

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    Krimskrams: Antike Mode — Attila, der Menschenfreund – Wikipedia und die Quellen

    Antike Mode


    Der eine oder andere Leser dürfte den Autor Ritchie Pogorzelski kennen. Von ihm stammen beispielsweise die beiden bei Nünnerich-Asmus erschienen Bücher „Die Prätorianer. Folterknechte oder Elitetruppe?“ sowie „Der Triumph: Siegesfeiern im antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe“. Letzteres Buch habe ich kürzlich mit Interesse gelesen und werde es in nicht allzu ferner Zukunft im Blog besprechen.

    Nun hat Ritchie Pogorzelski ein neues Projekt in Angriff genommen, das den Titel „Antike Mode“ trägt. Es soll diesmal – abseits eines Verlages – mittels Crowdfunding finanziert werden (siehe hier den bisherigen Fortschritt). Explizit wird darauf hingewiesen, dass auch Reenactors zur Zielgruppe dieser wohl mehrteiligen Publikation gehören.

    Mein persönliches Resümee zu diesem Video lautet folgendermaßen 😉  Klick mich

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    Wikipedia und die Quellen


    Im Wiki-Watch-Blog widmet man sich der Frage, wie sorgfältig bei Wikipedia mit Quellen umgegangen wird. Es ist beispielsweise fraglich …

    „…wie viele Wikipedia Autoren tatsächlich vorrangig nach möglichst neutralen, aktuellen und fachlich hochwertigen Buchveröffentlichungen als Belege für ihre Artikel suchen.“ 

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    Attila, der Menschenfreund

    Eines der Hauptprobleme der offiziösen Geschichtsforschung ist seit jeher ihr Hang, dem jeweils herrschenden Zeitgeist nach dem Mund zu reden. Unter anderem äußert sich das durch den Versuch, für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen Belege in der Vergangenheit zu finden. Quellen, die das erhoffte Bild nicht bestätigen, werden zuerst relativiert und im Laufe der Zeit aussortiert. Beispielsweise wird Nero seit einigen Jahren zum missverstandener Pazifisten umgemodelt und selbst die große Völkerwanderung in der Spätantike soll in Wahrheit nur den Charakter einer etwas außer Kontrolle geratenen Strand-Party gehabt haben (demzufolge dürften die unzähligen Brandhorizonte jener Zeit bloß von übergroßen Barbecues herrühren).
    In dieselbe Kerbe schlägt nun ein Artikel des Online-Standard, in dem es unter der beschönigenden Überschrift Hunnen brachten einen neuen Lebensstil wie folgt heißt:

    „Der Einfall der Hunnen ließ das spätrömische Reich erzittern. Ihre Begegnung mit der Bevölkerung der Grenzregionen war aber nicht nur von Gewalt geprägt.“ […] Dies ging sogar so weit, dass Angehörige der lokalen Bevölkerung hunnische Bräuche aufgriffen. Wie die Forscher […] berichten, besaßen einige pannonische Bauern einen künstlich verlängerten Schädelknochen, eine Praxis, die unter zentralasiatischen Reiterstämmen weit verbreitet war. Während römische Schriften fast ausschließlich Konfrontationen mit den Hunnen schildern, zeigen unsere Funde, dass es in Grenzgebieten offenbar bis zu einem gewissen Grad auch zur Koexistenz und Kooperation gekommen sein muss“ […]. In den dunklen Zeiten am Rande des Untergangs dürften viele Menschen die plötzliche Wahlfreiheit zwischen zwei Lebensstilen als neue Chance angesehen haben.“

    Diese sogenannte „Wahlfreiheit“ stand freilich unter dem Motto: Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Entweder man biederte sich an die neuen Machthaber an oder man war – wenn schon nicht sofort tot – so doch zumindest ein Art Mensch zweiter Klasse mit geringen Aufstiegschancen und zumeist rechtlich minderem Status. Dieser soziale Mechanismus war bereits ein zentraler Aspekt der antiken Romanisierung. Zig andere Kulturen liefern dafür ebenfalls Beispiele.
    Ein Leser kommentiert und entlarvt die naive Relativiererei des Artikelautors mit folgenden Worten:

    😆

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    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Hörbares: Katharina von Bora — Der deutsche Bauernkrieg — Die römische Familie — Giganten der Vergangenheit — Mörderische Mode — usw.

    Katharina von Bora – Luthers bessere Hälfte? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

    Der deutsche Bauernkrieg – Aufstand des gemeinen Mannes | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

    Die römische Familie: Begriffsdefinition „Familia“ – Nomenklatur – Agnetisches Prinzip – Zentrale Rolle des „pater familias“ | Spieldauer 59 Minuten | Freies Radio Freistadt | Stream & Info
    (Off-Topic) Höhlenbär, Säbelzahn und Co. – Giganten der Vergangenheit | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
    (Off-Topic) Löwe und Flusspferd in Mitteleuropa – Ein Gespräch mit dem Paläontologen Wighart von Koenigswald | Spieldauer 27 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
    (Off-Topic) Todschick – Mörderische Mode | Spieldauer 14 Minuten | Das geheime Kabinett | Stream & Info | Direkter Download
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    Der Amphoriskos als antiker Vakuum-Korkenzieher?

    Große Transport-Amphore mit 
    aufgesetztem Amphoriskos
    Keine Rechte vorbehalten, doch um die Nennung der
    Quelle wird gebeten: HILTIBOLD.Blogspot.com

    .

    Was ist ein sogenannter Amphoriskos? An sich handelt es sich dabei lediglich um die Bezeichnung für eine kleine Amphore. Ähnlich wie im Falle des Alabastrons, so bewahrten die Menschen der Antike auch in einem Amphoriskos  gerne Salböle oder ähnlich kostspielige Flüssigkeiten auf. So weit, so gut.

    Nun las ich kürzlich allerdings das äußerst interessante Buch Pompeji – Die Größte Tragödie der Antike; dort wird der Begriff Amphoriskos in einen anderen, mir bisher unbekannten Zusammenhang gebraucht. Der Autor Alberto Angela verweist nämlich auf den spanischen Archäologen Emilio Rodríguez Almeida, der bestimmten Amphoriskoi (mit relativ großen Öffnungen) einen recht erstaunlichen Verwendungszweck zuschreibt: Sie könnten als Vakuum-Korkenzieher für große Amphoren benutzt worden sein. Es heißt dazu:

    „Auf den mit Korken oder Terrakotta verschlossenen Deckel wurde eine Schicht kochenden Pechs aufgebracht. Dann stülpte man die Öffnung der kleineren Amphore auf. Das Pech wurde hart, der Amphoriskos war untrennbar mit dem Amphorendeckel verbunden. Die Luft im Amphoriskos erkaltete und zog sich dadurch zusammen. Dies führte zu einem Saugeffekt, mit  dessen Hilfe man ohne große Mühe den mit Gips oder Mörtel versiegelten Amphorendeckel abheben konnte. Die Amphore wurde dabei kein bisschen beschädigt.
    Bestätigt wird diese These durch den Fund von Amphoriskoi in Castrum Novum (Santa Severa), die noch Spuren von Pech tragen.“    

    Eine interessante Überlegung, der man noch hinzufügen sollte, dass die Deckel von Amphoren und anderen Tongefäßen z.T. Griffe aufwiesen. Man benötigte in diesem Fall keinen ‚Korkenzieher‘.
    Auch gab es Verschlüsse, die weniger als Deckel, sondern richtigerweise als Pfropfen bezeichnet werden sollten – siehe etwa hier und hier.

    In der Praxis darf man sich den Vorgang des ‚Entkorkens‘ vielleicht so ähnlich vorstellen, wie meine Skizze zeigt: Der festgesaugte Amphoriskos (hier eine Variante ohne Henkel) wird ein klein wenig hin und her gedreht, um den Pfropfen zu lockern, während man gleichzeitig kräftig daran zieht. Es bleibt eigentlich nur noch die Frage: Was würde wohl Otto von Guericke dazu sagen? 😉
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    Weiterführende Literatur / Quelle: 

    Hörbares: Illegale Archäologie — Alchemie — Archälogie im Heiligen Land — Die Nok-Kultur

    Illegale Archäologie in Brandenburg | Spieldauer 5 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download
    Die absolute Merkbefreitheit des Interviewten ist phänomenal: Es gäbe zu viele illegale Schatzsucher, und das trotz der Möglichkeit, eine offizielle Sucherlaubnis zu erhalten, heißt es. 
    Auf die Idee, dass die Zusammenarbeit mit der Landesarchäologie deshalb allzu oft abgelehnt wird, weil das Land Brandenburg wertvolle Funde kurzerhand enteignet, kommt der Herr offensichtlich nicht. Stattdessen ergeht er sich in der üblichen Archäologen-Rabulistik und schwurbelt von „Raubzügen“ und „Raublöchern“ ( 😂 ).
    Freilich, der mit Abstand größte Hirnmüll, der in diesem Interview zum Besten gegeben wird, ist der Vorwurf, illegale Sondengeher würden die Totenruhe stören. Mal davon abgesehen, dass Tote ohnehin nichts mehr spüren, so ist es doch die professionelle Archäologie selbst, die tagtäglich in den Knochen von Verstorbenen herumwühlt und manch Skelett zum Gaudium des Publikums sogar in Vitrinen ausstellt. 
    Fazit: Mit Heuchelei und Enteignung wird man die Problematik des illegalen Sondengehens sicher nicht in den Griff bekommen. Im Gegenteil, damit provoziert man nur Unverständnis in weiten Teilen der Bevölkerung und sorgt für eine Verhärtung der Fronten.
    Geheimsache Gold – Warum Alchemie noch heute fasziniert | Spieldauer 55 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download
    Archäologie im Heiligen Land – Ein Gespräch mit dem Archäologen und Theologen Dieter Vieweger | Spieldauer 33 Minuten | ARD/NDR | Stream & Info | Direkter Download
    Die archäologische Forschung der Nok-Kultur in Nigeria | Spieldauer 10 Minuten | ARD/HR | Stream & Info | Direkter Download
    Projekt: Der Kölner Dom in 360° | Spieldauer 6 Minuten | ARD/WDR | Stream & Info | Direkter Download
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    Buch-Empfehlung: Pompeji – Die größte Tragödie der Antike

    Im Jahr 79 n. Chr. spie der am Golf von Neapel gelegene Vesuv plötzlich riesigen Mengen an Feuer und Rauch. Viele tausende Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe des Vulkans lebten, fanden in den darauffolgenden Stunden einen schrecklichen Tod. Die Ortschaften Pompeji, Herculaneum, Oplontis, Stabiae, Boscoreale sowie Tarzigno wurden völlig zerstört und unter einer meterhohen Decke aus Asche und Bimsstein begraben.
    In Pompeji – Die größte Tragödie der Antike (Goldmann Verlag, 2016) verwebt der italienische Archäologe Alberto Angela den aktuellen Forschungsstand mit kleinen fiktiven Episoden, die sich unmittelbar vor, während und nach dem Vulkanausbruch in ähnlicher Form zugetragen haben könnten.
    So darf der Leser beispielsweise einigen namentlich genannten und einst tatsächlich existierenden Stadt-Oberen Pompejis über die Schulter blicken, wie sie in völliger Unkenntnis der kurz bevorstehenden Katastrophe noch pflichtbewusst Reparaturen des lokalen Wasserleitungssystems anordnen und beaufsichtigen. Dieses war nämlich – laut archäologischem Befund – vermutlich aufgrund von etlichen kleinen Erdbeben, die der Vesuv Tage oder Wochen vor seinem Ausbruch verursacht hatte, stark beschädigt worden.

    Litten die Pompejaner also aufgrund der beschädigten Leitungen in der Stunde Ihres Todes an Durst? Vermutlich nicht, denn die Stadt besaß, wie erläutert wird, auch unzähliger Zisternen, die heute direkt unter den Füßen ahnungsloser Touristen liegen. In diesen z.T. meterhohen Bogengewölben wurde schon Regenwasser gespeichert, lange bevor die Römer Pompeji an ein rund 100 km langes Aquädukt anschlossen.

    Wer hätte weiters gedacht, dass der durchschnittliche Pompejaner aufgrund des hohen Fluor-Gehalts in seinem Trinkwasser gesündere Zähne als die meisten anderen Einwohner des antiken Italiens hatte? Nicht zufällig wird ja Fluor häufig unseren heutigen Zahnpasten beigemengt (obschon das nicht mehr ganz unumstritten ist).
    Die Pompeji-Forschung förderte aber noch mehr Kuriositäten zutage; beispielsweise Backwaren in Penisform und Damenslips aus Leder ^^
    Ebenfalls höchst kurios ist, dass in einem vornehmen pompejanischen Haus ein Tisch entdeckt wurde, der ursprünglich wohl Publius Servilius Casca gehörte. Dieser Mann war es, der den ersten Stich ausführte, als 123 Jahre vor dem Vesuvausbruch Caesar in Rom von einer Gruppe seiner Feinde überwältigt und getötet wurde. Nachdem der geflohene Casca einige Zeit später vom römischen Senat geächtet worden war, versteigerte man seinen Besitz. Ein Teil davon gelangte offensichtlich im Laufe der Zeit in das Haus reicher Pompejaner.
    Und schließlich dürften die Archäologen sogar einem vor beinahe 2000 Jahren begangenen Verbrechen auf die Spur gekommen sein. Im Hinterzimmer eines Ladens in Herculaneum fanden sich nämlich, versteckt in einem großen Gefäß, die Teile einer zerstückelten menschlichen Leiche, deren Kopf vom Mörder bereits beseitigt worden war …

    Alberto Angela räumt in seinem Buch auch mit mancherlei Mythen und Irrtümern auf: Etwa der Vorstellung, dass der Vesuv zum Zeitpunkt seiner Eruption bereits ähnlich aussah, wie er sich uns heute präsentiert. In Wirklichkeit existierte damals der steil aufragende Vulkankegel noch nicht, sondern war flach, stark bewaldet und unterschied sich kaum von den sanften Höhenzügen seiner Umgebung. Kein Wunder, dass die Menschen nichts von der Gefahr ahnten, die hier in der Tiefe lauerte. 
    Als unrichtig wird auch jene von Fremdenführern gelegentlich immer noch aufgestellte Behauptung entlarvt, wonach die im Straßenpflaster Pompejis eingegrabenen parallelen Rinnen (Straßenbahnschienen ähnlich) quasi zufällig im Laufe der Zeit von Fuhrwerken verursacht wurden. Richtig ist stattdessen, dass es sich hierbei um eine Art Leitliniensystem handelt, mit dem Pferdewägen auch in der Nacht sicher durch die Straßen gelenkt werden konnten, ohne beispielsweise Trittsteine oder die oft in die Straßen hineinragenden Brunnen zu touchieren. Für die meisten Gefährte herrschte in römischen Städten ja Tagfahrverbot, sodass viele Lieferanten ihre Geschäfte im Dunklen erledigen mussten.
    Auch dem in heutigen Sachbüchern häufig anzutreffenden „Thermopolium“ geht es ein wenig an den Kragen: Dieser für römische ‚Gasthäuser‘ so gerne verwendete Begriff existierte in der Antike noch gar nicht, sondern ist, trotz altgriechischer Bestandteile, eine moderne Kreation. Im Übrigen dienten die berühmten Löcher in den Theken der pompejanischen Thermopolia keineswegs als Abstellmöglichkeit für (Wein-)Amphoren, wie gerne angenommen wird. Vielmehr handelte es sich dabei vor allem um eine kommode Möglichkeit getrocknete Lebensmittel zu lagern.

    Die Liste der hochinteressanten Detailinformationen, die in diesem knapp 500-seitigen Buch genannt werden, könnte man noch lange fortsetzen. 

    Gibt es also gar nichts zu kritisieren? Sind alle Schilderungen perfekt? Nein, ein paar Kleinigkeiten sind mir schon aufgefallen: Etwa wenn es heißt, Honig sei im antiken Rom das einzige Süßungsmittel gewesen. Das stimmt nicht so ganz, denn beispielsweise ist bekannt, dass Wein gerne mit (höchst ungesundem) Bleizucker (Bleiacetat) ‚gepanscht‘ wurde. Unzutreffend ist auch, dass Salz die einzige Möglichkeit zum Haltbarmachen von Lebensmitteln gewesen wäre. Räuchern und Lufttrocknen waren nämlich ebenfalls gängige Verfahren – siehe hierzu Catos De agri cultura. Doch wie gesagt, bei diesen Punkten handelt es sich um Kleinigkeiten, aus denen man dem Autor sicher keinen Strick drehen kann. Außerdem besteht ja die Möglichkeit, dass beim Übersetzen aus dem Italienischen ins Deutsche manch Formulierung verkürzt wiedergegeben wurde. Wer weiß.
    Erwähnenswert, aber für mich ebenfalls nicht weiter tragisch ist der Umstand, dass auf Fußnoten bzw. detaillierte Quellenangaben verzichtet wurde. Zwar wären diese Dinge ein zusätzlicher Bonus gewesen, aber man kann eben nicht alles haben. Und immerhin enthält das Buch ja ein Register, in dem der Leser sogar Begriffe wie „Lupanar“ nachschlagen kann 😊
    FAZIT:  Äußerst geschickt verbindet Alberto Angela Wissenschaft mit einer ausgewogenen Dosis Fiktion. Pompeji – Die größte Tragödie der Antike lässt eine längst untergegangene Welt wiederauferstehen und ist meiner Meinung nach ein echtes Sachbuch-Highlight, das sogar Mary Beards gelungenes Pompeji-Buch aus dem Jahr 2011 übertrifft. 
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    Weiterführende Informationen:


    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Videos: Römische Funde in Konstantin-Basilika — Schauhütte Archäologie — Abenteuer Campus Galli

    Römische Funde in Konstantin-Basilika (Trier) | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

    Grabung im Areal des spätmittelalterlichen Friedhofs am Amberger Spital | Spieldauer 8 Minuten | Schauhütte Archäologie / Youtube | Stream & Info

    „…das ist doch (̶k̶)ein Beinbruch…“ – Was uns Knochen noch so erzählen können… | Spieldauer 11 Minuten | Schauhütte Archäologie / Youtube | Stream & Info
    Abenteuer Klosterstadt Meßkirch – Bauen wie im Mittelalter | Spieldauer 45 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info
    Zum Saisonstart des Campus Galli wiederholt der SWR quasi als begleitende PR-Maßnahme einen Werbefilm eine Dokumentation über dieses Projekt. Der Seher mag sich anhand dessen ausmalen, wie ‚kritisch‘ der Staatsfunk den hochdefizitären und ebenfalls staatsnahen Campus Galli journalistisch begleitet ^^
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