Planet History

Tag Archive for Antike

Buch: Columna Traiani / Trajanssäule (Tyche Sonderband 9)

„Eigenlob stinkt“, sagt man. Freilich, dabei handelt es sich um eine eher moderne Sichtweise. In der Antike hingegen gehörte es durchaus zum guten Ton, die eigenen Leistungen unablässig hinauszuposaunen – zumindest wenn man dem Establishment angehörte oder gar als Monarch an der Spitze des Staates stand. Ein beredtes Zeugnis davon liefert die Trajanssäule in Rom. Sie wurde im Jahr 113 n. Chr. eingeweiht und verherrlicht auf einem spiralförmigen, sich um den Säulenschaft windenden Relief den erfolgreichen zweiten Dakien-Feldzug des römischen Kaisers Marcus Ulpius Traianus.

Als sich 2013 die Einweihung des Monuments zum 1900 mal jährte, kam in Wien eine Gruppe von Fachleuten zusammen, deren Tagungsbeiträge nun im Sonderband 9 der Fachzeitschrift Tyche (Verlag Holzhausen) unter dem Titel Columna Traiani veröffentlicht wurden.
Auf über 400 Seiten widmen sich die Autoren unterschiedlichen Aspekten der Trajanssäule. Beispielsweise beschreibt und analysiert Karl Strobl Szene für Szene des Reliefs; vom Aufbruch des Kaisers in Italien, über die Schanzarbeiten während des Feldzuges bis hin zum Tod des feindlichen dakischen Herrschers Decebalus. Dabei wird auch auf die Bedeutung oft übersehener Details eingegangen: Was verrät uns beispielsweise die Marschrichtung der dargestellten Soldaten? Und warum fehlen bestimmte Episoden des Feldzuges?
Unterm Strich handelt es sich hier um einen sehr interessanter Beitrag. Bedauerlicherweise wurde aber darauf verzichtet, den einzelnen Schilderungen die entsprechenden Reliefszenen der Trajanssäule beizufügen. Zwar ist dies für das Verständnis der Ausführungen nicht zwingend erforderlich, doch hätte es deren Informationswert deutlich gesteigert. 
Ioan Piso geht in seinem Text der Frage nach, ob die Eroberung Dakiens überhaupt erforderlich war. Seine Antwort lautet: Ja. Allerdings spielte bloße Geldgier dabei keine übergeordnete Rolle, wie die marxistisch geprägte Geschichtsschreibung behauptet, sondern vielmehr standen militärstrategische Erwägungen im Vordergrund: Dakien war nämlich für Rom ein unzuverlässiger, theokratisch-fundamentalistisch geprägter Nachbar. Es dürfte, wie Ioan Piso erklärt, kein Zufall gewesen sein, dass nach dem Sieg Roms sämtliche Heiligtümer des Landes bis auf die Grundmauern geschliffen wurden; ein für Rom keineswegs typisches Vorgehen in eroberten Gebieten!
In einigen Beiträgen entfernen sich die Autoren mitunter relativ weit vom eigentlichen Thema. Etwa wenn hinsichtlich der Rezeptionsgeschichte darum geht, welchen künstlerischen Einfluss die Trajanssäule auf die ottonische Bernwardssäule in Hildesheim hatte. Mehr ‚on-topic‘ und für mich ungleich interessanter war da schon der Text von Werner Eck, in dem dieser schildert, wie der ursprünglich nicht übermäßig herausragende Politiker Marcus Ulpius Traianus durch eine Art stillen Staatsstreich als Kaiser installiert wurde. Nach dem absehbaren Tod des ‚guten‘ Übergangskaisers Nerva sollte nämlich nicht wieder jemand vom Schlage eines Domitian oder Nero auf dem Kaiserthron Platz nehmen. Und so nahm hier unverhofft das von der Geschichtsforschung sehr positiv bewertete Zeitalter der Adoptivkaiser seinen Ausgang.
13 der insgesamt 30 Beiträge sind fremdsprachig – und zwar überwiegend Englisch. Für eine hauptsächlich von deutschsprachigen Lesern bezogene Zeitschrift erscheint mir das eher suboptimal. Andererseits werden die meisten Interessierten zumindest der englischen Sprache ausreichend mächtig sein, um mit diesem Umstand keine gröberen Probleme zu haben.
Der relativ umfangreiche Bildteil am Ende des Buchs enthält viel Interessantes, wie z.B. die 3D-Rekonstruktion eines auf der Trajanssäule abgebildeten hölzernen Amphitheaters sowie eine ausgezeichnete grafische Übersicht, in der die einzelnen, auf der Säule abgebildeten Szenen-Felder kurz beschrieben werden. Eine volle fotografische Wiedergabe der Reliefs enthält das Buch allerdings nicht. Das ist, wie schon weiter oben geschrieben, zwar nicht tragisch, nichtsdestotrotz wäre es dem Thema angemessen gewesen, wenn man die entsprechenden Bilder lückenlos beigefügt hätte. So musste ich mir eben mit meinem Tablett-PC und den Abbildungen auf trajans-column.org behelfen …

Fazit: Perfekt will mir die Umsetzung zwar nicht erscheinen, aber das Buch gibt bezüglich der Trajanssäule trotzdem einen aspektreichen Einblick in den aktuellen Forschungsstand. Der Kaufpreis beträgt eher happige 75 Euro…

—————–

Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen:

Videos: Der Youtube-Kanal Anarchäologie — Luthers Bücherstube — Archäologische Funde — Ausgrabungen im Irak — usw.

Die Amploniana – Luthers Bücherstube | Spieldauer 30 Minuten | MDR | Stream & Info

Viele archäologische Funde bei Polch | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Peter Pfälzer erforscht im Irak das Reich der Akkad | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info


Archäologische Ausgrabungen einfach erklärt | Spieldauer 8 Minuten | Youtube / Anarchaeologie | Stream & Info

Die Videos des Youtube-Kanals Anarchaeologie sind gut gemacht und erklären verschiedenste Aspekte der archäologischen Arbeit in anschaulicher Weise. Freilich, ich bin nicht mit jeder Aussage in den Videos einverstanden, aber das muss ich ja auch nicht 😊

—————–

 Mehr Videos

Hörbares: Der Spartacus-Aufstand — Seneca: Das Leben ist kurz — Erasmus von Rotterdam — Bayerische Aspekte der Reformation



Der Spartacus-Aufstand | Spieldauer 33 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Den beschreibenden Text zu dieser Sendung hat wohl ein Praktikant oder die Putzfrau des Senders verfasst. Er lautet nämlich: „Gladiator Spartakus scharte Tausende von Sklaven hinter sich und rebellierte gegen das Heilige Römische Reich.“ 😃

Seneca: Das Leben ist kurz (1/2) | Spieldauer 30 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Seneca: Das Leben ist kurz (2/2) | Spieldauer 30 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Erasmus von Rotterdam. Zwischen Rom und Wittenberg | Spieldauer 26 Minuten | ARD/BR | Stream & Info | Direkter Download
Bayerische Aspekte der Reformation | Spieldauer 53 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Videos: Staat zockt junge Schatzfinder ab — Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr — Kritik an übereifrigen Archäologen


Kinder finden in Ettlingen (BW) mittelalterlichen Münzhort – und werden umgehend abgezockt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

Der Wert der vom Staat einkassierten Silbermünzen aus dem Spätmittelalter beträgt angeblich rund 2000 Euro – was aber, wie in Deutschland nicht unüblich, auch einfach nur viel zu niedrig angesetzt worden sein kann. Doch wie auch immer: Würden die Finder im Vereinigten Königreich leben, dann wären sie jetzt um mindestens 1000 bis 2000 Euro reicher – je nachdem, ob sie mit einem Grundstückseigentümer hätten teilen müssen. In ihrem deutschen Heimatbundesland freilich, wurden sie jeweils mit vergleichsweise läppischen 100 Euro Finderlohn und ein paar Kinogutscheinen abgespeist …
Was also dürften die nicht übermäßig glücklich wirkenden Kinderlein aus dieser Episode fürs weitere Leben gelernt haben – und zwar abseits des Gelabers aus dem Off? Vermutlich: Ehrlich währt am längsten, wer stiehlt, der lebt am schönsten…😉

Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

10 Millionen Jahre alte Zähne: Kritik an übereifrigen Mainzer Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download
—————–


 Mehr Videos

Buch: Antike Taktiken / Taktika – von Ailianos

Das antike Werk Taktika – dessen Originaltitel nicht einheitlich überliefert wurde – entstand um 100 n. Chr. und wurde von seinem Autor – Ailianos – dem römischen Kaiser Trajan gewidmet. Zweck des Buchs war es, Trajan und seinen Zeitgenossen die Taktiken aus hellenistischer Zeit näherzubringen bzw. das alte Wissen für die römische Kriegsführung der damaligen Gegenwart nutzbar zu machen.

Zu Beginn der Ausführungen werden die neun unterschiedlichen Waffengattungen wie Hopliten, Peltasten, gepanzerte Reiter, Kriegselefanten usw. genannt. Desweiteren erläutert Ailianos ausführlich deren Aufbau, die Befehlsstruktur sowie die möglichen taktischen Manöver. Hierbei geht der Autor mitunter sehr ins Detail; z.B. nennt er den erforderlichen Abstand der einzelnen Hopliten zueinander; an anderer Stelle beschreibt er wiederum, wie weit die Sarissen (Lanzen) der hinteren Reihen einer Phalanx über die vorderste Reihe hinausragen.
So viel Penibilität kann für den Leser ermüdend sein, wobei freilich bei weitem nicht jedem Aspekt die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Manches, wie etwa die Beschreibung der Bewaffnung, fiel vergleichsweise oberflächlich aus. Grundsätzlich ist das Buch aber zweifellos eine wertvolle Informationsquelle bezüglich des Militärs zur Zeit Alexanders des Großen und der Diadochen.
Ailianos war wohl kein Mann mit großer persönlicher Militär-Erfahrung, jedoch kannte er Frontinus, den Autor der Strategemata (Kriegslisten), in dessen Haus er sogar einige Tage verbracht hatte und der ihm vielleicht auch ein wenig mit Rat zur Seite stand. Für sein Werk dürfte Ailianos auf jeden Fall eine Vielzahl an heute zum Teil unbekannten hellenistischen Quellen herangezogen haben.
Die vorliegenden zweisprachige Übersetzung von Kai Brodersen fußt auf einer Überlieferung im Codex Laurentianus LV 4 aus dem 10. Jh. n. Chr. 
Der Ausgabe des Marix Verlags wurde ein ausführliches Vorwort spendiert, das als Ersatz für die nicht vorhandenen Endnoten/Anmerkungen gedacht ist. Ein Konzept, das hier meiner Ansicht nach weitestgehend funktioniert.
Fazit: Die Taktika des Ailianos ist ein staubtrockenes, aber informatives Werk. An der Übersetzung gibt es nichts zu meckern – der griechische Originaltext wurde in ein leicht verständliches, modernes Deutsch übertragen.  Der Kaufpreis für das 160-seitige Buch im Hardcover-Einband beträgt 15 Euro.
—————–

Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen:

Buch: Antike Taktiken / Taktika – von Ailianos

Das antike Werk Taktika – dessen Originaltitel nicht einheitlich überliefert wurde – entstand um 100 n. Chr. und wurde von seinem Autor – Ailianos – dem römischen Kaiser Trajan gewidmet. Zweck des Buchs war es, Trajan und seinen Zeitgenossen die alten Taktiken aus hellenistischer Zeit näherzubringen, um eventuell daraus Nutzen für die römische Kriegsführung der damaligen Gegenwart ziehen zu können.

Zu Beginn der Ausführungen werden die neun unterschiedlichen Waffengattungen wie Hopliten, Pelasten, gepanzerte Reiter, Kriegselefanten usw. genannt. Desweiteren erläutert Ailianos ausführlich deren Aufbau, die Befehlsstruktur sowie die möglichen taktischen Manövern. Hierbei geht der Autor mitunter sehr ins Detail; z.B. nennt er den erforderlichen Abstand der einzelnen Hopliten zueinander; an anderer Stelle beschreibt er wiederum, wie weit die Sarissen (Lanzen) der hinteren Reihen einer Phalanx über die vorderste Reihe hinausragen.
So viel Penibilität kann für den Leser ermüdend sein, wobei freilich bei weitem nicht jedem Aspekt die gleiche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Manches, wie etwa die Beschreibung der Bewaffnung, fiel vergleichsweise oberflächlich aus. Grundsätzlich ist das Buch aber zweifellos eine wertvolle Informationsquelle bezüglich des Militärs zur Zeit Alexanders des Großen und der Diadochen.
Ailianos war wohl kein Mann mit großer persönlicher Militär-Erfahrung, jedoch kannte er Frontinus, den Autor der Strategemata (Kriegslisten), in dessen Haus er sogar einige Tage verbracht hatte und der ihm vielleicht auch ein wenig mit Rat zur Seite stand. Für sein Werk dürfte Ailianos auf jeden Fall eine Vielzahl an heute zum Teil unbekannten hellenistischen Quellen herangezogen haben.
Die vorliegenden zweisprachige Übersetzung von Kai Brodersen fußt auf einer Überlieferung im Codex Laurentianus LV 4 aus dem 10. Jh. n. Chr. 
Der Ausgabe des Marix Verlags wurde ein ausführliches Vorwort spendiert, das als Ersatz für die nicht vorhandenen Endnoten/Anmerkungen gedacht ist. Ein Konzept, das hier meiner Ansicht nach weitestgehend funktioniert.
Fazit: Die Taktika des Ailianos ist ein staubtrockenes, aber informatives Werk. An der Übersetzung gibt es nichts zu meckern – der griechische Originaltext wurde in ein leicht verständliches, modernes Deutsch übertragen.  Der Kaufpreis für das 160-seitige Buch im Hardcover-Einband beträgt 15 Euro.
—————–

Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen:

Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Hörbares: Roms Tragödie in Germanien — Neue Facetten in der Lutherforschung — Die Kelten und der Hotzenweg



Gesprächsrunde: Sieglos an der Elbe – Roms Tragödie in Germanien | Spieldauer 44 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Reformation quergedacht: Neue Facetten in der Lutherforschung | Spieldauer 49 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Kelten im Schwarzwald: Der Hotzenweg | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
(OFF-Topic) Wie Bäume kommunizieren – Was flüstert die Fichte? | Spieldauer 23 Minuten | DF | Direkter Download
—————–

Ein grausiger Mord am Vorabend des Vesuv-Ausbruchs

Am 10. Juli 1869 machten Archäologen bei Ausgrabungen in der vom Vulkan Vesuv verschütteten römischen Stadt Herculaneum eine bemerkenswerte Entdeckung. An der heute als Cardo III bezeichneten Straße, stießen sie im Hinterzimmer eines Eckladens auf mehrere in den Boden eingelassene Fässer aus Terracotta – ähnlich jenen auf dem obigem Bild. Das war an sich noch nichts Ungewöhnliches, sondern vielmehr handelte es sich hierbei um ein in der Antike übliches Verfahren zur Lagerung von Wein und anderen Lebensmitteln. Außergewöhnlich war allerdings der Inhalt eines dieser dolia. Der bestand nämlich aus drei Sägen, einem kleinen Hammer sowie menschlichen Knochen! Wie weitere Untersuchungen ergaben, war hier der Leichnam eines Mannes zerstückelt und seine Einzelteile samt den Tatwerkzeugen hastig versteckt worden.
Es ist wenig verwunderlich, dass dieser grausige Fund bis heute die (ohnehin blühende) Fantasie der Archäologen anregt. So wurde beispielsweise die Vermutung angestellt, der Besitzer des Ladens sei hier mit einem Geschäftspartner oder Kunden in Streit geraten und habe diesen im Affekt ermordet. Denkbar ist angeblich auch, dass ein Nebenbuhler ins Hinterzimmer gelockt wurde, um ihn dort zu beseitigen. Oder der Ladenbesitzer, bei dem es sich wahrscheinlich um einen freigelassenen Sklaven handelte, war von seinem Patron und ehemaligen Eigentümer beauftragt worden, ein fremdes Mordopfer verschwinden zu lassen. Handelte es sich dabei vielleicht gar um eine bekannte Persönlichkeit? 
Interessanterweise ist die Leiche nicht vollständig. Unter anderem fehlt ihr Kopf, den man vielleicht am schnellsten loswerden wollte, um im Falle eines unplanmäßigen Entdeckens durch Dritte eine Identifikation zu verhindern. Desweiteren zogen die Ausgräber den Schluss, dass der mutmaßliche Mörder aufgrund des Vesuvausbruchs dabei gestört wurde, die restlichen Leichenteile – nach und nach – aus der Stadt zu schaffen, um sie beispielsweise in der Nacht ins nahe Meer zu werfen. 
Gut möglich ist außerdem, dass er sein Opfer nicht lange überlebte und nur Stunden oder vielleicht einen Tag später in den heißen pyroklastischen Strömen des Vulkans selbst den Tod fand – so wie rund die Hälfte der Einwohner Herculaneums.

Ein weiteres interessantes Beispiel für die mitunter mörderischen Umtriebe in den Hinterzimmern römischer Läden liefert die Hauptstadt selbst. Dort soll der Überlieferung nach ein Bäcker immer wieder auswärtige Laufkundschaft entführt haben, um sie daraufhin angekettet zur schweren Arbeit an den Getreidemühlen zu zwingen. Nach einiger Zeit wurden die bis zur totalen Erschöpfung geschundenen Entführten wahrscheinlich umgebracht und durch Neuzugänge ersetzt. Aufgeflogen ist das alles erst, als der Bäcker und seine Gehilfen an einen zivil gekleideten, hartgesottenen Legionär gerieten, dem es gelang, seine Angreifer zu töten. Der Skandal soll großes Aufsehen in Rom erregt haben.

Mit einem Einzelfall hatte man es hier allerdings nicht zu tun. Denn bezeichnenderweise kam es in der Kaiserzeit wiederholt zu Durchsuchungen von Landgütern, nachdem römische Bürger immer wieder von der Straße weg entführt wurden, um Sklavenarbeit zu verrichten. Zur äußerst fragwürdigen Sicherheit auf römischen Straßen siehe auch meinen Blogbeitrag: Wie sicher waren die Straßen des Römischen Reichs wirklich?

—————–

Weiterführende Literatur / Quellen:

Weitere interessante Themen:

Der Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann antwortet seinen Kritikern

Mein Interview mit dem Experimentalarchäologen Marcus Junkelmann stieß auf reges Interesse und wurde dementsprechend nicht nur häufig aufgerufen, sondern auch fleißig kommentiert. Die meisten Kommentatoren stimmten der im Interview geäußerten Kritik an qualitativ fragwürdigem Reenactment zu. Doch vereinzelt gab es auch Widerspruch, der im Fall eines Nutzers außerdem in persönlichen Unterstellungen mündete. Marcus Junkelmann bat mich nun, seine ausführliche Entgegnung darauf zu veröffentlichen. Dem komme ich selbstverständlich gerne nach (das originale Interview samt Leserkommentaren ist hier zu finden).

Die Gegenkritik, ich würde nicht bemängeln, dass viele der männlichen Darsteller auf Grund zu großen Gewichts, zu hohen Alters, zu bleicher Haut keine Idealbesetzungen für die Rollen von Soldaten oder gar Gladiatoren sind, ist nicht richtig, denn ich habe den physiognomischen Aspekt unabhängig vom Geschlecht („Barttracht) generell als sehr wichtig bezeichnet. Bleichheit, Alter und dergleichen sind da natürlich gleich zu subsumieren. Diesen Schluss ziehen zu können, traue ich meinen Lesern durchaus zu, offensichtlich nicht immer mit Recht. Abgesehen davon, dass sich bei Petronius die Beschreibung einer etwas fragwürdig zusammengesetzten Gladiatorentruppe findet und dass das Borghese-Mosaik stark übergewichtige Arenakämpfer zeigt, manche Forscher sogar davon ausgehen, dies sei regelrecht angestrebt worden (was ich allerdings nicht glaube), war das hier nicht das eigentliche Thema, denn die Frage galt ganz dezidiert den weiblichen Darstellern männlicher Rollen. Ich predige übrigens allen meinen Leuten immer, sie sollten sich rechtzeitig bräunen, aus Gründen der sachlichen Wahrscheinlichkeit wie auch der antiken Ästhetik, doch wird das leider nicht immer befolgt. Es sind das aber immer nur Einzelfälle. Grenzen zu ziehen, ist schwierig, da es sich lediglich um Gradunterschiede handelt. Ob ich mich dagegen im Geschlecht vertue, das ist ein Wesensunterschied. Zudem zeichnen sich gerade die meisten weiblichen Gladiatoren, die ich zu Gesicht bekommen habe, nicht gerade durch „flachbrüstigen durchtrainierten“ Körperbau aus und schon gar nicht durch kämpferisches Können. Ich habe da nur eine Ausnahme erlebt, und diese Kämpferin ist nur intern bei einer Universitätsveranstaltung aufgetreten, ein echtes Naturtalent. 

Und was das Alter anbetrifft, so habe ich in der Tat in meiner Truppe einige wenige Kämpfer, die schon die 50 überschritten haben und auf eigenen Wunsch ausgeschieden sind, die ich aber, wenn es darauf ankommt (etwa Fernsehen), unbedingt versuche, wieder zu mobilisieren, nicht nur wegen Ihrer langjährigen Erfahrung, sondern auch wegen ihrer kämpferischen Leistungsfähigkeit und ihrer überzeugenden physiognomischen Beschaffenheit, Punkte, in denen sie mindestens 50 % des Jungvolks turmhoch überlegen sind. Der desavouierend gemeinte Hinweis auf meine eigene nicht mehr jugendfrische Physiognomie ist sinnlose Polemik, da ich auf dem fraglichen Photo in Zivil abgebildet bin und da ich schon lange nicht mehr als Kämpfer auftrete. 

Und nun zu den verleumderischen Behauptungen, die laut dem Kommentator „NRW-Loverboy“ dazu geführt haben sollen, dass ich in Xanten nicht mehr eingeladen werde. Weder alkoholisiertes Auftreten, noch unverständliches Schwadronieren, noch unzureichendes Aussehen oder Können meiner Gladiatoren wurden von Seite des APX ins Spiel gebracht, sondern räumliche Sachzwänge. Da der Zuschauer-raum des Xantener Amphitheaters nur zu einem Drittel rekonstruiert worden ist, haben höchstens 4.000 Menschen Platz, Tausende können nur von der Stadtmauer aus von ferne zuschauen. Man wollte daher das Programm raffen, um einen schnelleren Zuschauerdurchlauf zu erreichen. Da man fürchtete, diese rasche Folge von Einsätzen würde meine Männer überfordern, sollten sie abwechselnd mit einer mangelhaft ausgerüsteten Jungvolkgruppe zum Einsatz kommen. Ich lehnte diesen Kompromiss ab, weil er erstens auf eine Verwässerung des Programms und der Informationen hinauslaufen müsste und zweitens, weil ich uns nicht der Verwechslungsgefahr mit der anderen Gruppe aussetzen wollte. Die Veranstalter entschieden sich daraufhin für das Engagement der Nachwuchsgladiatoren, weil ihnen das in ihr Infantilisierungs- und Verhackstückungskonzept passte. Die weiteren Argumente wurden erst später bei Diskussionen mit anderen Gruppen geäußert, die sich erstaunt zeigten, dass ich als Begründer der Veranstaltung nicht mehr dabei war. Dass NRW-Loverboy von dieser Seite kommt, zeigt ja seine Formulierung „wenn er nicht mehr wie bei uns im Park – eingeladen wird“. 

Was die persönlichen Angriffe anbetrifft, so ist es zutreffend, dass ich es aus prinzipiellen Erwägungen ablehne, mir während einer solchen Veranstaltung ein (ganz unhistorisches) Alkoholverbot aufs Auge drücken zu lassen, wie das der Tendenz zum unverhohlenen Prohibitionismus entspräche. Das tue ich ostentativ, wie ich auch – bei anderen Gelegenheiten – dazu übergegangen bin, gelegentlich einen Zigarillo zu paffen, obwohl ich dem Rauchen eigentlich nichts abgewinnen kann, doch ist es mir ein Bedürfnis gegen diese widerlichen Bevormundungs-bestrebungen aufzumucken. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nie mehr trinke, als ich vertragen kann, und dass von alkoholisiert – im Sinne von angetrunken – keine Rede sein kann. Ich hasse diesen Zustand und habe ihn seit meinen frühen Studentenjahren konsequent vermieden. 

Dass ich mit meinem durch Gebrauch von Fachausdrücken (die stets erklärt werden) unverständlichen „Schwadronieren“ das Publikum langweilen und zum Massenexodus veranlassen würde, widerspricht allen meinen Erfahrungen, die ich unter anderem auch bei Hunderten von Schulvorträgen und sehr vielen Fernsehauftritten gewonnen habe. Auch die Kinder gehen immer begeistert mit und wollen sehr viel mehr wissen als die auf Primitivisierung setzenden Verantwortlichen in den Parks wahrhaben wollen. Die Fernsehleute bestätigen mir immer wieder, dass ich eine ausgezeichnete Mischung aus Präzision, Informationsreichtum und Unterhaltsamkeit hinkriege. Mag sein, dass „Loverboys“ da überfordert sind, die Zuschauer in ihrer überwältigende Mehrheit jedenfalls nicht. Angesichts der systematischen Nivellierung nach unten ist vielleicht zu befürchten, dass das allmählich „unzeitgemäß“ wird, doch so lange man mich lässt, werde ich dagegensteuern.

Dr. Marcus Junkelmann

Hörbares: Die kleine Eiszeit — Deutsches Kulturgutschutzgesetz — Tollensetal-Schlacht — Anfänge und Geschichte der Kriminaltechnik — Der Rattenfänger von Hameln

Die kleine Eiszeit – eine Kälteperiode und ihre Folgen | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Deutsches Kulturgutschutzgesetz – Was hat es gebracht? | Spieldauer 30 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Tollensetal-Schlacht und die Ausstellung „Blutiges Gold“ | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Anfänge und Geschichte der Kriminaltechnik – Verbrecher hinterlassen Spuren  | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Der Rattenfänger von Hameln – was geschah wirklich? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Direkter Download
—————–

Ab urbe condita, 30. Buch: Die Schlacht von Zama und das Ende des 2. Punischen Kriegs

Der antike Autor Titus Livius schildert in den Büchern 21 bis 30 seines Geschichtswerkes Ab urbe condita den berühmten 2. Punischen Krieg (218 – 201 v. Chr.) zwischen Rom und Karthago. Das vorliegende 30. Buch umfasst den Zeitraum von 203 – 201 v. Chr. Zentrales Thema sind hier die von Scipio (Africanus) ins karthagische Kernland getragenen Kamphandlungen: Dazu zählen unter anderem die Auseinandersetzungen mit dem numidischen Herrscher Syphax (ein Verbündeter Karthagos), die Rückberufung Hannibals aus Italien nach Nordafrika (um dort die Heimat zu verteidigen), die berühmte Entscheidungsschlacht bei Zama zwischen Scipio und Hanibal sowie der Friedensschluss zwischen Rom und Karthago.

Karthago zögerte in den letzten Kriegsjahren eigentlich die unvermeidliche Niederlage nur noch hinaus, wie aus dem letzten Teil von Livius‘ Beschreibung des 2. Punischen Krieges hervorgeht. Mit Roms italischem Rekrutierungspotential konnte man einfach nicht mithalten. Deutlich wird dies bei der Schlacht von Zama, wo Hannibal mit seiner hastig zusammengewürfelten und unterschiedlichst bewaffneten Söldnerarmee gegen den ethnisch relativ homogenen Block Scipios mittlerweile klar im Nachteil war. Neben Karthagern gehörten der Truppe Hannibals Makedonen, Gallier, Ligurer, Mauren, Balearen, Bruttier und sogar einige abtrünnige Latiner aus Italien an; das Sprachwirrwarr war enorm, wie Livius berichtet. Unterschiedlich waren auch die Beweggründe der einzelnen Volksgruppen, für Karthago zu kämpfen: Hoffnung auf Beute, Land und politischen Einfluss einerseits, aber auch Zwang (besonders bei den Bruttiern) andererseits. Und doch, mit etwas Glück hätte Hannibal die Schlacht von Zama vielleicht gewinnen können, denn Livius attestiert ihm, eine sehr kluge Schlachtaufstellung gewählt zu haben. Schlussendlich scheiterte er wohl vor allem am fehlenden inneren Zusammenhalt seiner ‚Multikulti‘-Truppe, wie zumindest die Überlieferung nahelegt.
Am Ende des Buchs wird das Zustandekommen des weitestgehend von Rom diktierten Friedensvertrages geschildert. Und Livius gibt auch gleich einen vagen Ausblick auf das 31. Buch, in dem der bereits am Horizont heraufziehende Krieg gegen Makedonien im Zentrum der Betrachtungen stehen wird.

Die Übersetzung stammt von Ursula Blank-Sangmeister. Der lateinischen Text wurde von ihr in ein modernes, allgemein verständliches Deutsch übertragen. Positiv hervorzuheben sind auch die unzähligen erklärenden Endnoten, ein Verzeichnis der enthaltenen Eigennamen und eine nützliche Inhaltsübersicht, in der die wichtigsten Ereignisse des geschilderten letzten Kriegsabschnitts chronologisch bzw. nach Kapiteln geordnet zu finden sind.

Randbemerkung: Endlich ist jetzt Livius‘ Schilderung des 2. Punischen Kriegs bei Reclam vollständig erhältlich! Die Veröffentlichung der zehn dünnen Bücher (Ab urbe condita 21-30) hat sich nämlich von 1999 (!) bis in dieses Jahr wie ein Strudelteig in die Länge gezogen.
Freilich, ich möchte mir lieber nicht ausmalen, wie lange der Verlag benötigt, um den Rest dieses bedeutenden Geschichtswerks zu veröffentlichen …

—————–

Weiterführende Informationen:
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Verärgertes Museums-Fandom

Ich hätte mir nicht gedacht, dass das Interview mit Marcus Junkelmann dermaßen viele Leute interessiert – es ist ja doch ein sehr spezielles Thema, das da behandelt wurde. Nichtsdestotrotz wurde der Beitrag innerhalb weniger Tage schon rund 5000 mal angeklickt. Das ist ganz ordentlich!
Interessanterweise wurde ich als Folge des Interviews von Fans (Angestellten?) des sogenannten Limeskastell Pohl ‚heimgesucht‘. Jemand hatte nämlich im Kommentarbereich unter dem Junkelmann-Interview darauf hingewiesen, dass dieses Freilichtmuseum sozusagen Müll sei und Hiltibold – also ich – dazu schon mal einen kritischen Blogbeitrag verfasst hätte. Genau den ergoogelten die Limeskastell-Fans und waren davon gar nicht begeistert. Sofort haben sie damit begonnen, mich mit Ausreden zuzukleistern, warum das z.T. in Fertigteilbauweise (!), aber als „weitestgehend authentisch“ bezeichnete ‚Limeskastell‘ so aussieht wie es aussieht: Nicht genügend Geld, böse Bauvorschriften, Fachleute waren als Berater tätig (es könne demnach nicht so unhistorisch bzw. schlecht sein) usw. usf.  
Kommt uns das alles nicht von einem ähnlichen Projekt her bekannt vor 😉
—————–
Weitere interessante Themen:

Hörbares: Musik des Mittelalters — Cäsars "deutsches" Römerlager — Leben wie Ötzi — Buchmalerei im Mittelalter — Graben in Olympia — Das Kirchenlied — Orlando di Lasso



Marc Lewon und die Musik des Mittelalters (inkl. Hörbeispielen) | Spieldauer 115 Minuten | SWR | Stream & Info
Cäsars „deutsches“ Römerlager | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Woche im Steinzeitpark: Leben wie Ötzi | Spieldauer 9 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Gespräch mit Prof. Anja Grebe: Buchmalerei – Domäne der Mönche im Mittelalter | Spieldauer 11 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Die Archäologen Hirschfeld und Boetticher graben in Olympia | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Das Kirchenlied – Klang und Botschaft | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
1557: Orlando di Lasso – Musikerfürst am Münchner Hof | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

—————–

Fundstücke KW 40

Markus Junkelmann ist ein Pionier der experimentellen Archäologie und der Geschichtsdarstellung in Deutschland. Im Interview mit Hiltibold kritisiert er u.a. die zunehmene Kommerzialisierung, Billig-Reenactments und „junk-living history„. Nahe der Elbmündung haben Archäologen eine bislang unbekannte Siedlung mit Hafenanlage ausgegraben, die … Weiterlesen

Hörbares: Neues zur Varusschlacht — Die Geschichte der Imkerei — Kulturgeschichte des Einkaufens — Die Geschichte der Schäferei



Neues zur Varusschlacht – Archäologen revidieren einen Mythos | Spieldauer 24 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
In dieser Sendung geht es am Rande auch um die interessante Frage, ob in Kalkriese tatsächlich die Varusschlacht stattgefunden hat. Und selbst wenn – möglicherweise handelte es sich nur um einen zweitrangigen Nebenkriegsschauplatz. Varus könnte mit der Hauptstreitmacht nämlich ganz woanders marschiert sein. Was meiner Ansicht nach kein unrealistisches Szenario ist, denn bei der Masse an Truppen, die er mit sich führte, ist es sehr wahrscheinlich, dass die Römer in mehreren Marschsäulen  vorrückten. Anderenfalls hätte sich ihr Heerwurm wohl dermaßen in die Länge gezogen, dass, wenn die ersten Soldaten bereits den Platz für ihr Nachtlager erreichten, noch nicht einmal alle ihre Kameraden den Ort des Abmarsches verlassen hätten. Hans Dieter Stöver schildert dieses Möglichkeit sehr anschaulich in seinem Buch „Der Sieg über Varus“.

Die Geschichte der Imkerei  – Das Geschäft mit der Biene | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Kulturgeschichte des Einkaufens – Tauschen – Feilschen – Kaufen | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Die Geschichte der Schäferei – Ein spartanisches Idyll | Spieldauer 23 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
—————–

Buch: Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden

Im Buch Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden (Verlag Springer Spektrum) zeichnet der Mineraloge Florian Neukirchen die sich über viele Jahrtausende erstreckende Geschichte der Metallgewinnung nach.
Gleich zu Beginn weist der Autor darauf hin, dass die in Schulen undifferenziert vermittelte Abfolge der verschiedenen Metallzeiten – nämlich Kupfersteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit – für viele Regionen nicht zutreffend ist. Auch wären die zeitlichen Eingrenzung der einzelnen Metallzeiten problematisch. So wurde beispielsweise gediegenes Kupfer, das an der Erdoberfläche aufgelesen werden konnte, bereits zu Beginn (!) der Jungsteinzeit verwendet. 
Weiters heißt es, die Entdeckung der Metalle sei für die menschliche Kultur keineswegs so revolutionär gewesen, wie lange Zeit angenommen wurde. Die Vorstellung, Kupfer und Bronze hätten unmittelbar zu radikalen gesellschaftlichen Umbrüchen geführt, wird als unzutreffend bezeichnet. Die frühesten Metallobjekte sind nämlich fast niemals Werkzeug oder Waffen, sondern vor allem kleine Schmuckstücke und Kultobjekte. Die bereits vorhandenen nichtmetallischen Materialien herrschten demgegenüber noch lange vor. Es dauerte Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, bis das Metall im Alltag der Menschen angekommen war.
Mehr noch als dem kulturhistorischen Aspekt, widmet sich der Autor dem naturwissenschaftlichen bzw. technischen: In welcher Form kommen die jeweiligen Metalle in der Natur vor? Wie wurden sie abgebaut und verhüttet? Welche chemischen Reaktionen spielten sich dabei im Metall ab? Warum standen Öfen zur Verhüttung häufig an Bergabhängen? Welche Stoffe wurden schon sehr früh zum Legieren und Verbessern von Werkstoffeigenschaften eingesetzt? Welche wichtigen Informationen können Archäologen aus den Überresten von Schlacke ziehen? Mit welchen Methoden ist es heute möglich, Metall einem bestimmten Abbaugebiet zuzuordnen? Wie alt sind die ältesten von Menschen gemachten Eisenobjekte (Antwort: mindestens 6000 Jahre alt!)? Was steckt hinter der hethitischen Bezeichnung „gutes Eisen“? Was sind die ältesten Objekte aus Stahl? Wie viele tausend Tonnen Blei bliesen die Römer in Form von Abgasen bei der Silber- und Bleiverhüttung jährlich in die Luft? Usw. usf.

So weit so gut, nun zu den (wenigen) Kritikpunkten: Der Autor gibt zwar sehr brav seine Quellen an, allerdings nicht einfach in Form von Fuß- oder Endnoten, sondern er fügt sie direkt in den Text ein. Das ist zwar nicht völlig unüblich, stört aber, wenn es zu oft vorkommt, den Lesefluss . 
Ebenfalls weniger gefallen hat mir der Umstand, dass die Geschichte der mittelalterlichen Metallerzeugung vergleichsweise kurz behandelt wird – es dominieren stattdessen die Vorgeschichte und die Antike. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Gewichtung zwar verständlich, aber dass etwa speziell das Frühmittelalter mit fast nur einem einzigen Satz abgehandelt wird, hat mich dann schon ein bisschen gewurmt. Hier hätte es definitiv mehr zu erzählen gegeben.
Fazit: Punktuell wird der eine oder andere Leser vielleicht ein wenig mit den dargebotenen Detailinformationen aus der Metallurgie überfordert sein. Allerdings ist der Text im Großen und Ganzen so formuliert, dass man den Ausführungen wohl auch als absoluter Laie relativ leicht folgen kann. Mit hat das Buch jedenfalls gefallen: Es ist gut strukturiert und – trotz kleinerer Auslassungen – äußerst informativ.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
– Montanarchäologie und Archäometallurgie
– Grundlegende Eigenschaften von Metallen und Legierungen
– Metallverarbeitung
– Metalle und ihre Erze
– Drei Lagerstättentypen
– Literatur

Das erste Kupfer
– Die Anfänge in der Steinzeit
– Verhüttung von Kupfererzen
– Kupferzeit in Osteuropa und im Nahen Osten
– Arsenbronze und Fahlerzkupfer
– Gold aus dem Kaukasus
– Literatur

Bronzezeit
– Frühe Bronzezeit im Nahen Osten
– Zinnbronze
– Woher kam das Zinn?
– Mittlere und Späte Bronzezeit im Nahen Osten und am Mittelmeer
– Kontamination und Krankheiten
– Kupfer und Bronze in Mitteleuropa
– China
– Literatur

Vom ersten eisen zur Antike
– Die ältesten eisenobjekte
– Rennofen, Eisen und Stahl
– Frühe Eisenzeit
– Afrika
– Kelten in Mitteleuropa
– Krösus und das erste Geld
– Blei und Silber
– Zink und Messing
– Metalle in der Antike
– Literatur

Mittelalter und Renaissance
– Metalle im Mittelalter
– Johannes Gutenberg und die beweglichen Lettern
– Renaissance im Bergbau
– Georgius Agricola
– Alchemisten und Wünschelruten
– Die Fugger – Der erste Bergbaukonzern
– Saigerhütten und Vitriole
– Holzverbrauch und Entwaldung
– Eldorado: Metalle aus der Neuen Welt
– Krieg und Krise
– Literatur

Industrielle Revolution und Hightech
– Frühkapitalismus und Manufakturen
– Dampf und Eisen
– Kupfer und Elektrizität
– Aluminium
– Stahlgewitter und Eiserner Vorhang
– Titan und andere Supermetalle
– Computer, Mobiltelefone und Akkus
– Seltene Erden
– Literatur

Glossar

Sachverzeichnis

—————–

Weiterführende Informationen:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Krimskrams: Stumpfes Messer mit Gürtel aus Leder schärfen? — Polystratus und ein antikes Buch mit Gegenwartsbezug?

Polystratus und ein antikes Buch mit Gegenwartsbezug?

In der sogenannten Villa dei Papiri – einer antiken Landvilla, die im Jahr 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurde – entdeckten Forscher schon früh verkohlte Bücher/Schriftrollen, an deren Entzifferung bis heute gearbeitet wird. 
Darunter befinden sich auffällig viele Werke epikureischer Philosophen. Der Villen-Besitzer – oder zumindest einer seiner Vorgänger – scheint eine Vorliebe für diese philosophische Schule gehabt zu haben.
Als ich kürzlich ein wenig über die von den Archäologen ans Tageslicht geförderten Schriften las, sprang mir ein vom Epikureer Polystratus stammender Titel sofort ins Auge und ich musste aufgrund seines unfreiwilligen Gegenwartsbezuges schmunzeln – er lautet nämlich: Über die unsinnige Verachtung der Volksmeinung
Es gibt offenbar Dinge, die sich selbst in über 2000 Jahren nicht geändert haben 😉. 
—————–

Stumpfes Messer mit Gürtel aus Leder schärfen?


Was tun, wenn man mit in Mittelalter- oder Römerausstattung mitten in der Pampa unterwegs ist und plötzlich feststellt, dass das Messer nicht mehr gut schneidet? Genau, man holt den Schleifstein hervor. Wenn der aber vergessen wurde, dann tut es mitunter auch ein Gürtel. Als ich nämlich kürzlich in die beschriebene Situation kam, habe ich das Messer in meiner Not mit großem Erfolg gut zehn Minuten am straff gespannten Leder des Gürtels abgezogen. Dem Gürtel hat das so gut wie nichts ausgemacht, denn man setzt die Klinge dabei ja in einem sehr flachen Winkel auf.
Freilich, richtig tiefe, wüste Kerben bekommt man damit nicht heraus (die würden sogar eher dem Leder schaden), aber sofern die Schneide noch nicht völlig ruiniert ist, kann das Schärfen am Gürtel trotzdem viel bringen – und zwar auch dann, wenn keine Schleifpaste auf dem Leder aufgetragen wurde, wie das bei speziellem Abziehleder gerne gemacht wird.

—————–

Weitere interessante Themen:

Videos: Goldschatz-Fund — Antike Siedlungen von Staudamm bedroht — Das römische Aquädukt Pont du Gard — usw.

Goldschatz-Fund beim Pipeline-Bau | Spieldauer 4 Minuten | DW | Stream  & Info

Wie Geld gewinnt und Bagger Geschichte zertrümmern | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream  & Info

Archäologen entdecken 5500 Jahre alten Schädel in der Blätterhöhle | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream  & Info
Das römische Aquädukt Pont du Gard | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream  & Info
Antike Siedlungen von Staudamm bedroht | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream  & Info
—————–


 Mehr Videos

Interview mit dem Experimentalarchäologen Marcus Junkelmann: Von Junk-Living-History und Billig-Reenactment

Marcus Junkelmann zählt zweifellos zu den bedeutendsten und bekanntesten Pionieren der Experimentellen Archäologie. 1985 erregte der praktizierende und darstellende Militärhistoriker zum ersten Mal größeres Aufsehen, als er zusammen mit acht Gefährten in römischer Legionärsausrüstung von Italien nach Deutschland marschierte; Vierundzwanzig Tage dauerte dieser von großem Medieninteresse begleitete Alpenmarsch. Wenige Jahre später wiederholte Junkelmann das Experiment, nun allerdings in Form eines dreißigtägigen Ritts entlang des obergermanisch-raetischen Limes; selbstverständlich wieder in historisch möglichst korrekter ‚Adjustierung‘, deren Praxistauglichkeit man ausgiebig testete. Die Ergebnisse wurden in populären, immer wieder neu aufgelegten Büchern veröffentlicht. Zu nennen sind hier beispielsweise Die Reiter Roms (4 Auflagen), Panis Militaris (3 Auflagen), Die Legionen des Augustus (15 Auflagen!).
Mit allgemein verständlichen, gut illustrierten Publikationen wie diesen, befeuerte Junkelmann besonders im deutschen Sprachraum das, was heute gemeinhin als „Reenactment“ oder „Living History“ bezeichnet wird; also das praktische Nachempfinden vergangener Lebenswelten auf Grundlage möglichst harter wissenschaftlicher Fakten.
Doch es ist längst nicht alles Gold, was da glänzt. So attestiert Marcus Junkelmann beispielsweise in der jüngsten Auflage seines Buchs Die Legionen des Augustus dem Römer-Reenactment einen qualitativen Verfall. Darüber sowie über einiges mehr – wie etwa Frauen in Rüstung, peinliche Schlachten-Reenactments und museumsdidaktische Kasperltheater – wird es in folgendem Interview gehen.


Lieber Herr Junkelmann, Ihr vor über dreißig Jahren durchgeführter Marsch über die Alpen verursachte Kosten von rund dreihunderttausend Mark. Sie mussten sogar eine kleine Eigentumswohnung verkaufen, um die Finanzierung der teuren Ausrüstung stemmen zu können. Nun hat sich seit damals einiges geändert; der von Ihnen mitausgelöste Living-History- bzw. Reenactment-Boom bewog zahlreiche Handwerker dazu, sich als Zulieferer der neu entstandenen Szene zu betätigen, was wiederum zu einem Sinken der Preise führte. Günstig ist beispielsweise eine hochwertige Legionärsausrüstung trotzdem nicht. Manch Einsteiger bedient sich daher bei Billigherstellern wie der indischen Firma Deepeeka. 
Was konkret stört Sie daran? Man könnte ja argumentieren, dass der Unterschied für die meisten Menschen rein optisch ohnehin nicht erkennbar ist und nur Insider bzw. Fachleute unhistorische Edelstähle usw. identifizieren können. Oder läuft hier mehr falsch?

Perfekte Authentizität bis hin zu den Materialien und Herstellungsweisen wird sich aus Zeit- und Fínanzierungsgründen gewiss nur in Ausnahmefällen erzielen lassen. Es kommt ja auch immer darauf an, ob ein Experiment mehr handwerklich-herstellungstechnischer oder einsatz-verwendungs-technischer Natur ist. In letzterem Falle ist es unwesentlich, ob ein Helm aus modernem Messingsblech getrieben worden ist oder ob man die Legierung selbst mit historisch korrekten Methoden hergestellt hat. Es geht hier nur um Form, Gewicht, Funktionsweise, da darf es keine Kompromisse geben, sonst werden optischer Eindruck und praktische Ergebnisse verfälscht. Unverständlich ist für mich, warum so viele Stücke „made in India“ in der Form und in den Proportionen falsch sind. Es richtig zu machen, wäre nicht teurer gewesen. Wenn solche Produkte dann museumsdidaktisch eingesetzt werden, dann ist das unseriös und geschieht auf Kosten der ernsthaften Handwerker und Darsteller.
Hier müsste von Museen und ähnlichen Institutionen mehr Qualitätsbewußtsein und Solidarität erwartet werden. Statt dessen glaubt man, auf diesem Gebiet nach dem Motto „Merkt ja niemand“ mogeln und Geld sparen zu können. Das zeigt, dass in Deutschland häufig experimentelle Archäologie und die lebendige Präsentation nach wie vor von vielen Museumsleuten als didaktisches Kasperletheater aufgefasst und nicht wirklich ernst genommen werden. Für irgendwelche modischen Mätzchen von Ausstellungsarchitekten werden dagegen horrende Summen herausgeworfen. Im Grunde stellt das Betrug am Publikum dar, denn die meisten Leute erwarten größtmögliche Authentizität, auch wenn nur eine – mittlerweile gar nicht so kleine –Minderheit es beurteilen kann. Man präsentiert den Leuten in den Vitrinen ja auch keine Fälschungen im Vertrauen darauf, dass es keiner merkt. Das ist eine Frage der Ehrlichkeit.


Was waren rückblickend die bedeutendsten Erkenntnisse, die Sie mit Limesritt und Alpenmarsch gewinnen konnten? In welchem Ausmaß war seinerzeit die Fachwelt überhaupt bereit, sich auf diese relativ neue Methode der Geschichtsforschung einzulassen? Und wie ist die Situation heute?
Problematisch scheint mir nämlich zu sein, dass der Begriff ‚Experimentelle Archäologie‘ in den letzten Jahren zunehmend verwässert wurde. Selbst das Binden eines Reisigbesens, das Färben von Wolle oder das Töpfern einer Schale wird von vielen Freilichtmuseen – und sogar Universitäten – bereits als Experimentelle Archäologie angepriesen. Setzt dieses permanente Trivialisieren die Leistungen von praxisbezogenen Forschern wie Ihnen nicht herab?

Es würde zu weit führen, hier die bei den diversen Experimenten gewonnenen Erkenntnisse zu diskutieren, zumal ich das in meinen beiden Büchern ausführlich getan habe. Erwähnen möchte ich hier nur die Erfahrungen mit dem steigbügellosen Reiten, dem römischen Hörnchensattel und dem Nachweis, dass sowohl die Maskenhelme des Militärs – zumindest die frühen Typen – , als auch die Gladiatorenhelme, wie sie durch die ausgegrabenen Originalstücke dokumentiert sind, keine reinen Paradewaffen waren, sondern durchaus im scharfen Einsatz verwendet werden konnten.
Grundsätzliche Vorbehalte von Fachseite hat es gegenüber meinen Unternehmungen überraschend wenige gegeben. Es überwogen von Seiten der Historiker und Archäologen ganz entschieden die Zustimmung und die Kooperationsbereitschaft. Da könnte ich sehr viele Namen im In- und Ausland nennen. Dass der Begriff „Experimentelle Archäologie“ inzwischen reichlich inflationär benutzt wird, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Oft handelt es sich um banale Selbstverständlichkeiten oder um das Nachäffen bereits geleisteter Experimente, meist mit unzureichenden Mitteln, aber mit vollmundigen Ansprüchen. Hochstapelei und geistiger Diebstahl sind gang und gäbe und werden oft von den Museen aus Gleichgültigkeit oder Knauserei gedeckt. Natürlich gefährdet das auch das Image der seriösen Gruppen.

Freilichtmuseen verfügen häufig über einen sogenannten wissenschaftlichen Beirat, der mit Fachleuten aus dem Geschichtsbetrieb besetzt wird. Und doch ist eine solche Einrichtung kein Garant für Qualität, wie manch Beispiel belegt. Auch TV-Dokumentationen, die seit einigen Jahren geradezu inflationär mit aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdigen Spielszenen aufgehübscht werden, sind problematisch, wie Sie beispielsweise in Ihrem Buch Hollywoods Traum von Rom kritisieren.
Ist es nicht unethisch, wenn Historiker und Archäologen ihren guten Namen schludrig umgesetzten Projekten zur Verfügung stellen – Stichwort „argumentum ad verecundiam“  – und diesen dadurch eine gewisse Legitimation verschaffen?
Die Sucht, Dokumentarfilme in Spielfilme mit unzureichenden Mitteln zu verwandeln, ist zu einer regelrechten Pest geworden. Leider lassen sich da viele Fachleute unkritisch und widerstandslos vereinnahmen, was teils mit mangelndem Interesse und Verständnis gegenüber dem Medium Film zusammenhängt. Das Verhalten der Filmemacher selber ist sehr unterschiedlich. Manche sind durchaus gutwillig und berücksichtigen Einwände und Vorschläge, manche aber – vor allem unter den Produzenten – sind völlig uneinsichtig und reiten auf einer kontraproduktiven künstlerischen Autonomie herum, bei der es sich meist um die ewige Wiederholerei abgedroschener Klischees handelt und um den Irrtum, Authentizität sei notwendigerweise langweilig.
Man kommt da in ein echtes Dilemma – kann ich mich aus Frustration vor der Verantwortung drücken und den Krempel hinwerfen, oder gefährde ich durch erzwungene Kompromisse die Vertretbarkeit des Ergebnisses und meinen guten Namen, um wenigstens das Schlimmst zu verhüten? Nicht umsonst habe ich das einschlägige Kapitel meines Buches „Die Leiden des historischen Beraters“ genannt.
Man fragt sich auch oft, welche Rolle die „wissenschaftlichen Beiräte“ beispielsweise bei der Gestaltung der Museumsshops spielen. Denn da wird vielfach ein peinlicher Mist angeboten, als bestünde das Publikum nur aus Kindern und kindischen Erwachsenen. Dass es auch anders geht, kann man in den angelsächsischen Ländern sehen.
Den langjährigen Lesern dieses Blogs dürfte einer dieser schrägen Museumsshops – nämlich jener der baden-württembergischen Mittelalterbaustelle Campus Galli – noch gut in Erinnerung sein 😉. Es handelt sich dabei sozusagen um ein Paradebeispiel, das Ihre Kritik aufs Anschaulichste bestätigt.


In den vergangenen Jahren wurde gelegentlich von Journalisten und Historikern Schlachten-Reenactment kritisiert: Da würde von ein paar kostümierten Hanseln zum Gaudium der Massen der Krieg verherrlicht, hieß es.
Ist das zutreffend? Oder ist Schlachten-Reenactment aus anderen Gründen problematisch – etwa weil dem Publikum aus Mangel an Darstellern fast nie die tatsächliche Dimension einer militärischen Auseinandersetzung vermittelt werden kann?

Schlachten-Reenactments sind in der Tat ausgesprochen problematisch. Gerade wenn Hunderte oder gar Tausende bei einem Großreenactment auftreten, entsteht der Eindruck realistischer Dimensionen, obwohl niemals mehr als ein kleiner Bruchteil der damals tatsächlich anwesenden Massen vertreten ist. Es entsteht so eine Art riesiges Zinnfigurendiorama, bei dem gleichfalls Bataillone von 500 Mann von 30-Mann-Trupps dargestellt werden. Dieser vorgegaukelte Realismus wirkt unweigerlich verniedlichend. Besonders peinlich wird es, wenn ein paar Leute umfallen und Leichen simulieren, um ein paar Minuten später wieder aufzustehen. Da degeneriert die „blutige“ Schlacht schnell zum Kasperletheater, zumal wenn sich das Spektakel auf einer Art Fußballfeld unter Volksfestcharakter abspielt. Man sollte bei ausreichender Masse lieber kleinere Formationen 1:1 darstellen, Kompanien, Bataillone, Eskadrons statt Dutzende von Zwergeinheiten mit viel zu vielen Fahnen, Offizieren und Spielleuten herumturnen zu lassen. Und es sollte alles exerzier- oder manövermäßig ablaufen, aber niemals realen Kampf zu suggerieren versuchen. Mit Feuerwaffen würde es noch halbwegs gehen, aber mit Blankwaffen ist es hoffnungslos. Stellen Sie mal eine Kavallerieattacke realistisch nach mit Einbruch, Einhauen und allem! Man denke nur an das alberne Rumgeschiebe der Infanterie mit senkrecht gehaltenen Spießen oder Bajonetten.

Was halten Sie von Frauen in Männerkleidung bzw. Kampfausrüstung, wie sie beispielsweise im Vorjahr vermehrt beim ‚1066‘-Reenactment in Hastings zu sehen waren? Es erscheint mir nämlich äußerst widersprüchlich, wenn Darsteller einerseits akribisch an ihrer Austattung feilen, andererseits aber historische Rollenbilder grob missachten. Könnte sich daraus nicht ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem für die lebendige Geschichtsdarstellung ergeben? 

Frauen in Rüstungen und Uniformen sind schlicht lächerlich. Man erkennt die Fälschung in aller Regel schon auf 20 Meter. Besonders bizarr sind in letzter Zeit die überall aus dem Boden schießenden weiblichen Gladiatoren. Gewiss, es hat hat sie ganz vereinzelt gegeben – gerade eine einzige bildliche Darstellung mit zwei Namen unter Tausenden von Männern ist dokumentiert. Man sollte nicht ausgerechnet krasse Ausnahmefälle in Szene setzen und so ein ganz schiefes Bild vermitteln. Und vor „oben ohne“ scheut man dann doch zurück (Gott sei Dank!). Generell ist zu beachten, dass die Physiognomie und ganz besonders auch die Haar- und Barttracht, Make-up, Brillen Tätowierungen u.ä. organischer Teil des gesamten Erscheinungsbildes sind und nicht ausgeblendet werden dürfen – wie dies von einigen Stilbruchfanatikern sogar gefordert wird. Das zerstört alles. Auch wenn es politisch inkorrekt ist – es kann nicht jede(r) alles darstellen, ohne eine Farce zu veranstalten.

Glaubt man den Statistiken, dann steigt in Westeuropa das Bildungsniveau/die Akademikerquote beständig an. Ist dieser Umstand, wie manche Leute meinen, tatsächlich dafür mitverantwortlich, dass sich immer mehr Menschen mit Lebendiger Geschichte beschäftigen? 
Böse Zungen behaupten nämlich, das Mehr an Akademikern erkaufe man sich mit einem drastischen Absenken der Bildungsstandards. Viele geisteswissenschaftliche Unis seien daher längst zu Titelmühlen für Kompetenz-Attrappen herabgesunken.

Das angeblich steigende Bildungsniveau halte ich in der Tat vornehmlich für eine Verdrängung der Qualität durch Quantität, wie das ja von vielen Bildungspolitikern unverblümt eingefordert wird. Was wir mit dem akademischen Schrott anfangen sollen, der da in wachsender Menge produziert wird, ist mir schleierhaft.

Marcus Junkelmann vor rund drei Jahrzehnten als
römischer Centurio zur Zeit des Augustus.

Man beachte die auffälligsten Kennzeichen dieses
Ranges: Quergestellter Helmbusch (crista transversa),
Rebenstock (vitis), versilberten Beinschienen (ocrea)
 und das im Gegensatz zu normalen Soldaten nicht
rechts sondern links getragene Kurzschwert (gladius).
Aus dem Buch: „Die Legionen des Augustus“
Herbert Utz Verlag 2015 | (C) Marcus Junkelmann

Nach über 30 Jahren Living History und Reenactment hängen Sie dieser Tage Ihre caligae an den Nagel. Viele werden das sicher bedauern.

Ich hänge die caligae an den Nagel, weil meine Freunde und ich einfach durch die Billigkonkurrenz verdrängt und kaum mehr engagiert werden. Es ist bitter, an Orten, wo man selbst vor Jahrzehnten das Ganze in die Wege geleitet hat, die Plagiatoren sich wichtigtuerisch in Szene setzen zu sehen und mehr schlecht als recht das vorführen, wofür ich in vieljähriger, aufwendiger Arbeit die Recherche geleistet und die Prototypen geschaffen habe. Eine besonders fragwürdige Tendenz ist es, ausgerechnet die römische Gladiatur zur Kinderbespaßung zu missbrauchen und nach Art der leidigen Ritterturniere auf Mittelaltermärkten ablaufen zu lassen  – einschließlich Herz- und Schmerz-Handlung.
Ich bin nun viele Jahre lang vor den Plagiatoren von einem Thema zum anderen geflohen – Legionäre, Küche, Kavallerie, Gladiatoren, stets wurde ich, nachdem ich die Ergebnisse – ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Gruppen – ausführlich publiziert hatte, eingeholt und habe jetzt allmählich von der Römerei genug. Für wirklich qualitätvolle Projekte bin ich nach wie vor zu haben, wenn ich auch fürchten muss, das mangels Einsätzen sich meine Gruppe allmählich auflöst!


Das wäre sehr schade! Doch zumindest als Autor bleiben Sie uns sicher auch weiterhin erhalten. Vielleicht können Sie abschließend einen kleinen Ausblick auf geplante Bücher und andere Projekte geben?

Ich versuche nun, in der Schlossanlage Schleißheim eine schöne, facettenreiche Barockveranstaltung zu etablieren, die enorm ausbaufähig ist. An einschlägigen Büchern bereite ich vor allem in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum eine völlig überarbeitete und erweiterte, um einen beiliegenden DVD-Film bereicherte Auflage meines seit langem vergriffenen Buches „Galdiatoren. Das Spiel mit dem Tod“ vor, das in einem Jahr unter dem Titel „Die Söhne der Nemesis“ im Nünnerich-Asmus-Verlag erscheinen wird. Für den Pustet Verlag soll ich ein Büchlein genau zu unserem Thema schreiben: Römisches Reenactment. Da muss ich eigentlich nur noch die Bebilderung zusammenstellen. Für den Zauberfeder-Verlag arbeite ich an einem Buch zur römischen Zivilkleidung. Und der Beck-Verlag hat ein großes Handbuch zur römischen Militärgeschichte 750v.Chr. – 450 n.Chr. in Auftrag gegeben, das mit 750 Seiten veranschlagt ist. Das wird noch etwas dauern.

Auf diese Bücher freue ich mich schon sehr! Und vielen lieben Dank, Herr Junkelmann, dass Sie uns so ausführlich Auskunft gegeben haben.



UPDATE: Auf die vereinzelt im Kommentarbereich geäußerte Gegenkritik antwortet Herr Junkelammann in folgendem Beitrag ausführlich.


Weitere Informationen zum Gesprächspartner:
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Improvisation mit Alter Musik — Ken Follets "Das Fundament der Ewigkeit" — Zur Arbeit von Archäologen — Kulturgeschichte der Toilette — Antike Kirchen in Syrien — Unterwäsche im Wandel der Zeit



Improvisation mit Alter Musik – wie vor Jahrhunderten | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info 

„Müll ist für uns lebenswichtig“: Zur Arbeit von Archäologen | Spieldauer 8 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Ken Follet: „Das Fundament der Ewigkeit“ – die Geschichte des ersten Geheimdienstes im 16. Jahrhundert | Spieldauer 10 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Kulturgeschichte der Toilette – Von der Latrine zum Washlet | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Türkisch-syrisches Kampfgebiet – Christen wollen ihre antiken Kirchen retten | Spieldauer 22 Minuten | DF/ARD | Stream & Info | Direkter Download

Unterwäsche – Hautnahes im Wandel der Zeit | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
—————–

Buch: Caesarenwahn – Herrscher, die sich für Götter hielten

Hatten einige römische Kaiser – wie etwa Caligula, Claudius, Nero, Domitian, Commodus, Caracalla und Elagabal – einen gröberen Sprung in der Schüssel? Zumindest vertrat die Geschichtswissenschaft diese Meinung lange Zeit relativ undifferenziert. Mittlerweile ist ein Gegentrend zu beobachten, zu dem auch das von Alexander Rudow verfasste Buch Caesarenwahn – Herrscher, die sich für Götter hielten (Regionalia Verlag) zählt.

Im Großen und Ganzen führt der Autor den schlechten Ruf bestimmter römischer Kaiser auf den Umstand zurück, dass diese mit dem ungeschriebenen Gesetz des Augustus brachen, den römischen Senat bzw. seine aus der Oberschicht stammenden Mitglieder zumindest pro forma zu respektieren. Unterblieb diese ‚Reminiszenz‘ an die Gepflogenheiten der untergegangenen Republik, wurden die aus der Reihe tanzenden Kaiser – auch wenn sie beim einfachen Volk noch so beliebt waren – von der senatorisch geprägten Geschichtsschreibung in die Pfanne gehauen und verteufelt.
An sich ist dieser Schluss nicht völlig von der Hand zu weisen. Aber die Argumentation wirkt im Detail gelegentlich dann doch ein wenig ‚bemüht‘. Etwa wenn Neros extreme Verschwendung von staatlichen Steuereinnahmen folgendermaßen relativiert wird:

So viel Zerstreuung und Aufmerksamkeit wie unter ihm (Anm: Nero) sind der plebs urbana schon lange nicht mehr zuteil geworden. Zusätzliche Getreidelieferungen sorgten für einen relativen Wohlstand und die Veteranen der Legionen und die Prätorianer sind exzellent versorgt.
‚Brot und Spiele‘ also. Was aber soll – objektiv betrachtet – positiv daran sein, wenn die Ausgaben für den Müßiggang ständig hochgeschraubt werden? Wer bezahlt das denn? Richtig, früher oder später die Leistungsträger des Staates – also die, die einer steuerpflichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Neros Nachfolger Vespasian sah sich sogar genötigt, Urin zu besteuern, um die Staatsfinanzen wieder in Ordnung zu bringen („Geld stinkt nicht“).

Die unzähligen überlieferten Grausamkeiten von Typen wie Caligula waren – wie der Autor schreibt – zumeist kühl kalkuliert, um die Gegner – vor allem jene im Senat – einzuschüchtern und auf Linie zu bringen. Die verantwortlichen Kaiser wären demzufolge zwar mindestens Verbrecher im großen Stil, nicht aber zwingend rein emotionsgesteuerte Wahnsinnige.
Das mag durchaus so sein. Allerdings ist es schon auch ein wenig Definitionssache, wo Geistesgestörtheit bzw. Wahn beginnt. Diese Frage ist umso wichtiger, da wir nicht nur in einer Zeit leben, in der das vorschnelle Pathologisieren von Andersmeinenden schwer in Mode ist, sondern selbst hochbezahlte Gerichtsgutachter reihenweise psychiatrische Fehldiagnosen produzieren.
Auch ein paar andere Aussagen in diesem Buch erscheinen mir diskussionsbedürftig: Nachdem 64 n. Chr. durch Feuer große Teile Roms zerstört oder stark beschädigt worden sind, wurden von Nero Baugesetze erlassen, die ähnlichen Brandkatastrophen vorbeugen sollten. Der Autor urteilt darüber folgendermaßen:

Tatsächlich kommen solche Großbrände nach Neros Umgestaltung auch nicht mehr vor.
In Wirklichkeit brannte Rom nur wenige Jahre später – 80 n. Chr. – unter Titus bereits wieder einmal lichterloh. Auch zur Zeit von Commodus – 192 n. Chr. – gingen Teile Roms im Feuer unter. Diese Brände mögen nicht so umfangreich wie jener unter Nero gewesen sein, katastrophale Großbrände, die ganze Stadtteile zerstörten, waren es aber allemal. Dermaßen nachhaltig, wie suggeriert wird, dürfte Neros einschlägige Gesetzgebung demnach auch wieder nicht gewesen sein …
Fakten wie diese sollte man keinesfalls unter den Tisch fallen lassen. Es sei denn, man legt es darauf an, Nero unbedingt zu rehabilitieren (was ich dem Autor nicht unterstellen möchte, aber darauf läuft es schlussendlich hinaus).

Hinterfragenswert ist auch die im Buch geäußerte These, wonach vor allem jene Kaiser ungerechtfertigterweise eine schlechte ‚Presse‘ hatten, die als letzte ihrer Dynastie über keinen Verwandten als direkten Nachfolger verfügten, der ihr Andenken trotz eines beleidigten Senats – etwa mittels offizieller Vergöttlichung – auf schön bürsten konnte. Siehe etwa Nero (Claudier), Domitian (Flavier) und Commodus (Antoninen).
Hier wurde der Fehler begangen, eine Korrelation mit einer Kausalität gleichzusetzen. Genauso gut wäre es nämlich denkbar, dass die betroffenen Kaiser nicht einfach zufällig die letzten ihrer Dynastie waren, sondern weil sie gerade wegen ihres üblen Betragens zu einem verfrühten Zeitpunkt (einen gewaltsamen Tod) starben, als ihre Nachfolge – etwa durch Adoption – noch nicht geregelt worden war.

Am Ende des Buchs wird auch noch einem verhaltensauffälligen Staatschef aus der jüngeren Vergangenheit ein eigenes, recht umfangreiches Kapitel spendiert. Nein, es handelt sich nicht um Stalin, Pol Pot oder Mao, sondern natürlich wieder einmal um ‚ihn‘.
Und obwohl mich der gescheiterte Landschaftsmaler aufgrund seiner medialen Dauerpräsenz nur noch anödet, muss ich einräumen, dass der Autor hier dann doch einige interessante Details über dessen möglichen Geisteszustand zusammengetragen hat. Von daher handelt es sich für mich bei diesem Kapitel unerwartet um einen Gewinn.

Fazit: Caesarenwahn ist im Großen und Ganzen kein übles Buch, wobei aber die Beurteilung römischer Kaiser offenbar enorm viel Interpretationsspielraum zulässt und immer auch dem Zeitgeist unterworfen ist. Dieser Umstand wirkt sich meiner Ansicht nach spürbar auf einige der vom Autor wiedergegebenen Überlegungen aus, die zwar interessant, bei näherer Betrachtung jedoch nur mäßig überzeugend sind.
Der Preis des 162seitigen Hardcover-Buchs ist mit seinen knapp 4 € (!) auf jeden Fall unschlagbar.

—————–

Weiterführende Informationen: 

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Ein breiter Streifen oder zwei? – Die "tunica laticlavia" römischer Senatoren

Glaubt man Experten wie Marcus Junkelmann, dann kennzeichneten die Standestracht römischer Senatoren – die sogenannte tunica laticlavia – zwei relativ breite, senkrecht eingewebte oder aufgenähte (?) purpurfarbene Streifen, welche jeweils von der Schulter zum unteren Saum des Kleidungsstückes verliefen; als Indiz für diese Behauptung wird gelegentlich ein pompejanisches Wandgemälde genannt, auf dem die dargestellte Tunika tatsächlich zwei breite Purpurstreifen wie auf der linken obigen Abbildung aufweist. Allerdings ist von diesen beiden clavi nur einer zu sehen; das purpurne Band links stammt hingegen vom Saum der ebenfalls abgebildeten toga praetexta. Vor allem ist es aber unklar, ob es sich beim abgebildeten togatus (Togaträger) tatsächlich um einen Senator handelt. Möglicherweise ist es ein Priester, worauf die über den Kopf gezogene Toga hindeuten könnte (aber nicht muss). Eine toga praetexta – also eine Toga mit Purpursaum wurde nicht nur von hohen politischen Amtsträgern aus dem Senatorenstand getragen (Konsul, Prätor, Kurulischer Ädil), sonder beispielsweise auch von bestimmten Priestern (und möglicherweise sogar von den höheren Verwaltungsbeamten in den selbstverwalteten Städten des Reichs). Trotz all dieser Unklarheiten deutet die Kombination aus zwei breiten clavi und purpurverbrämter Toga eher auf einen Senator hin.
Besonders in Spielfilmen werden senatorische Tuniken hingegen gerne mit einem einzelnen, vom Kopfloch zum unteren Saum verlaufenden breite Streifen dargestellt (siehe die rechte obere Abbildung). Doch dabei handle es sich, wie Marcus Junkelmann in seinem Buch Hollywoods Traum von Rom darlegt, um einen schon lange innerhalb der Echokammer Hollywoods tradierten Fehler, der auf z.T. überholtem Wissen beruhe (siehe etwa hier).

Freilich, völlig geklärt ist die Frage der Senatorenstreifen in Althistoriker-Kreisen offenbar nicht. So ist etwa in einer erst vor wenigen Monaten erschienen Livius-Übersetzung des Reclam-Verlages von Tuniken mit nur einem Streifen die Rede. Konkret heißt es darin über den Numider Massinissa, dass ihn Scipio Africanus und der Römische Senat (als Dank für die Unterstützung gegen Karthago im 2. Punischen Krieg) mit allerlei Ehrenzeichen überhäufte, die normalerweise nur Römer erhielten. Darunter befand sich ein Kurulischer Stuhl (sella curulis = Amtssymbol der höchsten römischen Beamten) sowie diverse Triumphalinsignien wie eine mit Palmzweigen bestickte Tunika (tunica palmata). Besonders interessant wird es schließlich, wenn es heißt:

Sie (Anm.: die Senatoren) trafen auch einen Beschluss über die Geschenke, die die Gesandten dem König (Anm.: Massinissa) bringen sollten: zwei purpurfarbene Kriegsmäntel mit jeweils einer goldenen Spange und Tuniken mit breitem Purpurstreifen („et lato clavo tunicis“) […] sowie Zelte und militärisches Gerät, wie sie üblicherweise einem Konsul zur Verfügung gestellt würden. 
Livius, Ab urbe Condita, 30. Buch, 13 | Reclam Verlag | 2017
Ausdrücklich erhält Massinissa also Geschenke, die typischerweise herausragenden Mitgliedern der senatorischen Führungsschicht zustanden. Dieser Kontext ist von Bedeutung, denn er legt nahe, dass auch die erwähnten „Tuniken mit breitem Purpurstreifen“ („breitem“, nicht „breiten“ – also Einzahl!) gezielt ausgewählte Ehrenzeichen sind – und keineswegs irgendwelche unüblichen Sonderanfertigungen. In der dazugehörenden Anmerkung/Endnote der Übersetzerin (Ursula Blank-Sangmeister) heißt es dann auch klar, besagte Tuniken mit einem Streifen seien „das Gewand der Senatoren“ gewesen.
Schon mehrmals kam mir in einschlägigen Büchern – wie z.B. Die Macht der Toga – bezüglich der angeblich zwei Purpurstreifen auf römischen Senatorentuniken eine Quelle unter, die bei näherer Betrachtung nicht ganz koscher zu sein scheint: Suetons Augustus-Biografie. Dort heißt es zur Kleidung des ersten römischen Kaisers: 

Als Kleidung trug er kaum je eine andere als Hausgewandung, die von seiner Schwester, Gattin, Tochter oder seinen Enkelinnen angefertigt war; seine Toga war weder zu eng noch zu weit, der Purpursaum weder zu breit noch zu schmal („togis neque restrictis neque fusis, clavo nec lato nec angusto,…“), das Schuhwerk etwas zu hoch, so dass er in Wirklichkeit größer zu sein schien als er in Wirklichkeit war.
Sueton, Augustus, 73 | Reclam Verlag | 1988/2010
Der „Purpursaum“ sei demnach weder zu breit noch zu schmal gewesen. So weit, so gut. Doch bezieht sich das wirklich auf die hier nicht explizit erwähnte Tunika – wie einige Leute zu glauben scheinen – oder ist damit nicht vielleicht die im selben Satz erwähnte Toga gemeint, die, wenn man sie mit einem Purpurstreifen am Rand versieht, eine toga praetexta gewesen wäre, wie sie Augustus als erster Mann im Staat (princeps) höchstwahrscheinlich trug?
An anderer Stelle ist hingegen ausdrücklich von einer Tunika die Rede, die über einen „breiten Purpursaum“ verfügte.

Als Augustus die Männertoga anlegte (als Zeichen der Volljährigkeit), fiel die Tunika mit dem breiten Purpursaum zu seinen Füßen, da sich zu beiden Seiten die Nähte (Anm.: die Schulternähte) gelöst hatten („sumenti virilem togam tunica lati clavi resuta ex utraque parte ad pedes decidit“). Einige legten das so aus, dies könne nur bedeuten, dass der Stand, dessen Ehrenzeichen dieser Saum war, Augustus einmal unterstellt sein werde.
Sueton, Augustus, 10 | Reclam Verlag | 1988/2010
In der dazugehörenden Anmerkung des Übersetzers (Dietmar Schmitz) heißt es, es sei hier der Senatorenstand gemeint. Trotzdem – oder gerade deshalb – erscheint diese Textstelle ein wenig rätselhaft. Egal ob die Tunika nun einen oder zwei breite Streifen aufwies – die Abzeichen des Senatorenstandes erhielt man zur Zeit der späten Republik erst nach der Aufnahme in den Senat. Bis dahin trug auch der männliche Nachwuchs von Senatoren maximal zwei schmale purpurne Streifen auf der Tunika; dabei handelte es sich um die Abzeichen des römischen Ritterstandes. Wohl erst viele Jahre später, als Augustus selbst Herrscher geworden war, änderte sich diese Praxis. Das bedeutet, die von Sueton wiedergegebene Anekdote dürfte eine Erfindung aus späterer Zeit sein, in der man mit den Gepflogenheiten und Regeln der Republik nicht mehr ganz vertraut war.
Noch etwas stört mich – nämlich die im Originaltext gar nicht vorkommende Bezeichnung „Saum“. Darunter verstehe man normalerweise die Ränder eines Kleidungsstückes, aber weder einen senkrechten Streifen in der Mitte noch zwei senkrechte Streifen in den beiden äußeren Dritteln der Tunika (siehe obige Abbildungen).
Nicht nur solche Freiheiten beim Übersetzen stellen für den an Details interessierten Leser mitunter ein Problem dar; auch Kopierfehler mittelalterlicher Mönche können den lateinischen Text, den wir ja zumeist nicht mehr im antiken Original vorliegen haben, verfälschen.

Der bekannte Althistoriker und Vielschreiber Karl-Wilhelm Weeber legt sich in seinem Nachschlagewerk Alltag im Alten Rom – Das Leben in der Stadt bezüglich der Frage, ob Senatoren (sowie Ritter/Equites) nun einen oder zwei purpurne Streifen auf ihrer Tunika trugen, gar nicht erst fest.

Die Popularität der Tunika als Kleidungsstück des Alltages zeigt sich besonders darin, das Rittern und Senatoren das ‚ius clavi‘ als Standesprivileg eingeräumt wurde. Ein oder zwei schmale, vertikale Purpurstreifen (clavus angustus von ca. 3 cm Breite) wiesen den Träger der tunica als Ritter (eques) aus; ein bzw. zwei erheblich breitere Purpurstreifen  (clavus latus von ca. 10 cm Breite) zeigten jedem Passanten an, dass er einem Senator begegnet (tunica angusticlavia bzw. laticlavia: Quint. XI 2, 138; Varro LL IX 79).

Ich persönlich neige eher zu der Ansicht, dass Senatoren zwei breite Purpurstreifen auf ihren (Ausgeh-)Tuniken trugen. Denn auch wenn wohl keine absolut verlässlichen Bildquellen von Tuniken überliefert sind, die eindeutig dem Senatorenstand zugeordnet werden können, so ist doch bei antiken Darstellungen ’normaler‘ Tuniken auffällig, dass diese so gut wie nie über nur einen zentralen Streifen verfügen, sondern, wenn überhaupt, zwei schmale aufweisen, die jeweils von einer der beiden Schultern herab verlaufen.
Abbildungen mit einem einzigen, in der Mitte angebrachten Streifen sind mir hingegen vor allem aus der frühmittelalterlichen Karolingerzeit bzw. dem Stuttgarter Psalter bekannt. Wobei es hier aus meiner Sicht durchaus denkbar ist, dass diese clavi auf Missinterpretationen antiker Schriftquellen beruhen bzw. es sich um antikisierende Elemente handelt. Oder die Buchmaler nahmen bei byzantinischen/koptischen Textilien Anleihe, welche eventuell in Form von Geschenken an den karolingischen Hof gelangten. Allerdings: Auch diese Kleidung aus dem Osten weist – ganz in alter römischer Tradition – überwiegend zwei clavi auf, ergänzt durch zusätzliche Stickereien (PDF – S 100, 101, 134).

—————–

Weitere interessante Themen:

Videos: Neue Indizien zur Varusschlacht in Kalkriese — Wikingersiedlung Haithabu — Das 3000 Jahre alte Schlachtfeld Tollensetal

Neue Indizien zur Varusschlacht: Römische Wallanlage bei Kalkriese gefunden | Spieldauer 01:27 Minuten | NDR | Stream und Info
Hinweis: Diese Grabungen werden von Leuten finanziert und durchgeführt, die überwiegend kein Interesse daran haben, dass die Varusschlacht eventuell nicht in Kalkriese stattgefunden hat, wie es ja gar nicht einmal so wenige Wissenschaftler in Erwägung ziehen. Wehe, die Gegner der Kalkriese-These liegen richtig, dann wäre das vor sich hin rostende Museum vor Ort eine immense Fehlinvestition, denn schließlich lebt es vom Mythos, Arminius und Varus hätten sich in Kalkriese geprügelt – und keinesfalls irgendwo anders! 😊
Erfolgreiche archäologische Spurensuche in der Wikingersiedlung Haithabu | Spieldauer 3 Minuten | NDR | Stream und Info
3.000 Jahre Geschichte ausgraben – Doku über das bronzezeitliche Schlachtfeld im Tollensetal | Spieldauer 29 Minuten | NDR | Stream und Info
Sehr schön, wie das Thal heute ausschaut: Den Horizont bedeckt ein dichter Wald von Windgeneratoren. Die Menschen der Bronzezeit würde vermutlich der Schlag treffen.

—————–


 Mehr Videos

Buch: Die Alpen in der Antike – Von Ötzi bis zur Völkerwanderung

Im Buch Die Alpen in der Antike – Von Ötzi bis zur Völkerwanderung (S. Fischer Velag, 2017) gibt der Historiker Ralf-Peter Märtin in sieben Kapitel Einblick in verschiedene geschichtliche Abschnitte der Alpen.
Thema des 1. Kapitels ist die bekannte kupfer-steinzeitliche Eismumie Ötzi. Wer war dieser Mann, wie sah die Kulturlandschaft der Alpen zu seiner Zeit aus, wie fand er den Tod und welche Besonderheiten weisen seine gut konservierten Überreste auf?
Hochinteressant ist beispielsweise, dass sich auf Ötzis Haut nicht nur Tätowierungen befinden, sondern diese auch noch exakt den Akupunktur-Linien des menschlichen Körpers folgten. Wer hätte weiters gedacht, dass unweit des von hinten mit einem Pfeil getöteten Ötzi eine 500 Jahre jüngerer Steintafel gefunden wurde auf der dargestellt ist, wie ein Mann von hinten mit Pfeil und Bogen erschossen wird? Handelte es sich womöglich um ein in dieser Gegend lange praktiziertes Ritual? War Ötzis vielleicht gar nicht einem schnöden Mord zum Opfer gefallen?
Im 2. Kapitel wirft der Autor einen Blick auf die Alpen in der Bronze- und Eisenzeit. Hierbei geht es vor allem um die immense Bedeutung des Bergbaus; Salz und Eisen machten manch Region in den Alpen reich und weithin bekannt: Stichwort „Norisches Eisen“, dessen hoher Mangan-Gehalt sich positiv auf die daraus geschmiedeten Endprodukte auswirkte.
Das 3. Kapitel handelt von Hannibal und dessen berühmten Marsch über die herbstlichen Alpen. Bereits Polybios kritisierte jedoch, dass die Gefährlichkeit eines solchen Unterfangens von einigen seiner Historiker-Kollegen aufgebauscht wurde. Und tatsächlich marschierten in der Antike auch andere Heere in der kalten Jahreszeit unbeschadet über die Alpen – wie etwa jenes der Kimbern rund 100 Jahre nach Hannibal.
Die Kimbern kamen nicht über den Brenner lautet die Überschrift zum 4. Kapitel. Hier geht es nun um den langen Marsch der Kimbern, Teutonen und Abronen, die sich möglicherweise wegen einer Klimaverschlechterung von Jütland und Norddeutschland in Richtung Süden aufmachten, um dort ein neues Zuhause zu finden. Dabei gelangten sie unter anderem in das keltische Königreich Noricum und somit in den unmittelbaren Wahrnehmungsbereich des gerade erst zur Großmacht aufgestiegenen Roms. Am Ende der von Hans-Peter Märtin übersichtlich geschilderten Ereignisse stand die völlige Vernichtung der wanderlustigen Germanenstämme. Mit Teddybären wurde damals eben noch nicht geworfen. 😊
Im 5. Kapitel geht es um das Ausgreifen des Römischen Reichs in den Alpenraum. Es ist wenig verwunderlich, dass dieser Vorgang auf mancherlei Widerstand stieß. Unter anderem zeigten sich die Räter höchst widerborstig. Diesem kulturell recht fortgeschrittenen Volk wurde bereits in der Antike eine Verwandtschaft mit den Etruskern nachgesagt. Auch interessant: Varus, der unglückselige Feldherr des Jahres 9. n. Chr., befehligte bereits bei den Alpenfeldzügen des Tiberius vorübergehend jene XIX. Legion, mit der zusammen er viele Jahre später in den Wäldern Germaniens untergehen sollte.
Das 6. Kapitel handelt von der spätantiken Völkerwanderung, die für die romanisierte Bevölkerung der Alpen eine immense Zäsur darstellte. Viele Menschen starben in den nun hereinbrechenden Wirren oder flohen in Richtung Italien. Einige Mutige blieben, mussten aber oft die Täler verlassen, um sich in den Schutz von Höhenfestungen zurückzuziehen. 
Im 7. und letzten Kapitel wird die Christianisierung der Alpen in der Spätantike beschrieben. ein Vorgang, der keineswegs glatt verlief. Beispielsweise wird davon berichtet, dass ein eifriger Bischof, der sich daran machte, ein heidnisches Götzenbild umzuwerfen, von den darüber erbosten Bauern mit ihren Holzschuhen beworfen wurde … 😃
Fazit: Ein abwechslungsreiches und kurzweiliges Buch. An einigen wenigen Stellen hätte es aber aus meiner Sicht ein bisschen mehr in die Tiefe gehen können. Der Kaufpreis beträgt 22 Euro.
—————–

Weiterführende Informationen:

Stell dir vor, es ist Perserkrieg, und keiner geht hin …

Einen ersten Höhepunkt erlebten die Armeen des antiken Griechenland in ihrem Ringen mit den Persern im 5. Jh. v. Chr. Vor allem bei den zu Lande ausgetragenen Schlachten wurde dabei die Hauptlast von den Hopliten getragen – also den schwer bewaffneten Infanteristen, welche sich zu dieser Zeit überwiegend aus der bürgerlichen Ober- und Mittelschicht bzw. den ersten drei Vermögensklassen rekrutierten. Doch woher wusste beispielsweise im Stadtstaat Athen der einzelne Wehrpflichtige, ob er für einen anstehenden Feldzug vom zuständigen Strategen (General) angefordert wurde? Und wie war es auf der anderen Seite dem Strategen möglich, bestimmte Bürger namentlich zum Wehrdienst einzuziehen – besonders jene, die außerhalb der eigentlichen Stadt – also auf dem platten Land – lebten? 
Grundlage für die Lösung des Problems waren Aushebungsverzeichnisse mit den Namen der Wehrfähigen, welche wiederum auf den Bürgerlisten aufbauten, in die man als erwachsener (18jähriger) männlicher Bürger eingetragen wurde. Diese Listen – also sowohl die Bürgerlisten wie auch jene mit den Wehrpflichtigen – lagen wohl in den einzelnen Demen auf (= kleinsten Verwaltungseinheiten – siehe auch der davon abgeleitete Begriff ‚Demokratie‘) und wurden vom jeweiligen Demarchen (= Vorsteher einer Deme) geführt.
Eventuell beinhaltete ein solches Aushebungsverzeichnis (κατάλογος = Katalogos bzw. Katalog) Zuatzinformationen zu bisherigen Kriegseinsätzen der einzelnen Bürger. Für den Strategen hätte dies eine Erleichterung beim Zusammenstellen einer möglichst schlagkräftigen Truppe bedeutet (hingegen wurden nur selten – nämlich in absoluten Krisenzeiten – alle Wehrpflichtigen auf einen Schlag eingezogen).

Hatte der Stratege mithilfe von Assistenten seine Auswahl unter den Bürgern getroffen, so ließ er diese in Form einer Liste öffentlich aushängen. Aristoteles schreibt, die Namen wurden mit Holzkohle auf geweißte Tafeln geschrieben.
Da jeder der insgesamt zehn gewählten Strategen seine eigene Liste führte, waren es insgesamt zehn Stück (oder eher zehn Gruppen von Tafeln, da jeweils eine einzige eventuell nicht ausgereicht hätte), die auf der Agora Athens aufgestellt wurden. Daneben waren außerdem – wie aus einem Theaterstück des kriegserfahrenen Aristophanes hervorgeht – weitere relevante Bekanntmachungen ausgehängt. Aus ihnen ging hervor, wann und wo sich die gelisteten Männer zur Musterung einzufinden hatten und was an Ausrüstung und Verpflegung mitgebracht werden musste.

Da die Aushebungsverzeichnisse in Athen ausgehängt wurden, konnte keinesfalls davon ausgegangen werden, dass die gesamte Bevölkerung im Umland davon Kenntnis nahm. Manch Bürger könnte aufgrund dieses Umstandes sogar eine Chance gewittert haben, sich vor dem Kriegsdienst zu drücken. Von den Strategen wurden daher Boten entsandt, die die Bevölkerung zumindest auf den Aushang der Listen hinwiesen, wie ebenfalls aus einem Stück des Aristophanes hervorgeht. Desweiteren sind Trompetensignale denkbar; schließlich wurden diese dazu verwendet, um die männlichen Bürger im Notfall rasch zu den Waffen zu rufen. Warum also nicht auch zur Musterung?
Wer der Musterung unentschuldigt fernblieb, wurde nach Beendigung des Feldzuges vor ein spezielles Gericht gestellt, das sich aus Hopliten zusammensetzte und dem einer der zehn Strategen vorstand. Möglicherweise hat man die Angeklagten bis zum Gerichtstermin in Verwahrung genommen.

So weit, so gut. Was aber hatte ein einberufener Hoplit zu tun, wenn er der Meinung war, nicht für den Dienst im Heer tauglich zu sein?
Zuerst war es nötig, dass der Betroffene persönlich beim Strategen vorstellig wurde, um seinen Fall unter Eid vorzutragen. Der am häufigsten genannte Grund dürfte das Nichterfüllen der zum Dienst als Hoplit qualifizierenden Alters- und Vermögenskriterien gewesen sein.
Ausgehend von den überlieferten Regelungen zur Zeit des Aristoteles (4. Jh. v. Chr.), als die vorgegebene Altersspanne zwischen 18 und 59 Jahren lag, wird angenommen, dass es sich im 5. Jh. v. Chr. während der Perserkriege und des Pelopnnesischen Krieges bereits ähnlich verhielt (wobei laut Thukydides die ältesten und jüngsten Wehrpflichtigen normalerweise nicht für auswärtige Kriegseinsätze herangezogen wurden, sondern stattdessen die Grenzen der Polis zu sichern hatten).
Auch wer sich die kostspielige Panhoplie – also die Kampfausrüstung eines Hopliten – nicht leisten konnte, wird ein Freistellungsgesuch eingereicht haben.
Darüberhinaus waren bestimmte Amts- und Funktionsträger vom Militärdienst befreit. Dazu zählten die Mitglieder des Rates der 500, die Zolleinnehmer, die Mitglieder des bei großen öffentlichen Festen eingesetzten Chores inklusive der Choregen (‚Event-Veranstalter bzw. -Manager‘ aus dem Kreis der politischen Elite – vergleichbar mit den Veranstaltern von öffentlichen Spielen im antiken Rom).
Außerdem waren den Überlieferungen nach Krankheit (z.B. starke Augenentzündung) oder persönliche Härtefälle (z.B. ein abgebranntes Eigenheim) mitunter Grund genug, um eine Freistellung genehmigt zu bekommen. In welchem Ausmaß körperliche Gebrechen auch einfach nur vorgetäuscht wurden, wissen wir nicht. Allerdings ist es möglich, dass in zweifelhaften Fällen der Betroffene einen Ersatzmann zu stellen hatte.
Hopliten, die gerade erst von einem Feldzug zurückgekommen waren, konnten sich wohl ebenfalls von der Verpflichtung, sofort wieder an einem auswärtigen Feldzug teilzunehmen, befreien lassen; wobei sie dann allerdings nicht sofort ins Zivilleben zurückkehrten, sondern als Festungsbesatzung bzw. zur Grenzsicherung eingesetzt wurden.

Die oben beschriebenen Regelungen und Maßnahmen sorgten dafür, dass im Falle eines Krieges genügend Bürgersoldaten innerhalb relativ kurzer Zeit zur Verfügung standen. Darüberhinaus wurden aber gerade bei Feldzügen mit längerer Vorbereitungszeit auch sich freiwillig meldende Metöken (ansässige Griechen aus anderen Stadtstaaten) sowie Söldner von Auswärts eingesetzt. Das galt für die Waffengattung der Hopliten, besonders aber für Bogenschützen, Schleuderer und Reiterei.

—————–


Weiterführende Literatur: 

PDFs: Wikinger-Kleidung (Klappenrock, Kappen usw.)

Making a Viking Age Dublin Cap | Kirstina Williams | Academia.edu
A Viking Belt based on the Skjoldehamn Find | Susan Verberg | Academia.edu
Viking Jewellery from the island of Gotland, Sweden | Dan S B Carlsson | Academia.edu
—————–

Krimskrams: Haben Archäologen den Schädel von Plinius dem Älteren entdeckt? — Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte

Haben Archäologen den Schädel von Plinius dem Älteren entdeckt?

Es wär schon eine kleine Sensation, wenn es zutreffend ist, dass sich unter den sterblichen Überresten der Opfer des im Jahr 79 n. Chr. ausgebrochenen Vesuvs auch der Schädel von Plinius dem Älteren befindet: Klick mich

Freilich, im Gegensatz dazu geht der Archäologe Alberto Angela in seinem hier von mir besprochenen Buch “Pompeji – Die größte Tragödie der Antike” davon aus, dass der Leichnam des älteren Plinius NICHT im vom Vulkan fast vollständig zerstörten Stabiae zurückgelassen wurde, sondern mit der von ihm ursprünglich kommandierten Rettungsflotte in den Stützpunkt Misenum zurückkehrte.

Was mir nicht unlogisch erscheint, denn die, die den Tod von Plinius als Augenzeugen miterlebten, kehrten ja ebenfalls zurück und konnten vom Erlebten sehr detailliert berichten. Entsprechend heißt es in einem Brief des jüngeren Plinius (hier von mir zitiert), der Leichnam seines Onkels (=der ältere Plinius) sei am Tag nach dem Vulkanausbruch ohne äußere Zeichen von Verletzungen am Strand gefunden worden. Warum hätte man damals den hochrangigen Verstorbenen dort einfach liegenlassen sollen?

Ich bin daher skeptisch, dass der entdeckte Schädel tatsächlich einst dem älteren Plinius gehörte.

—————–

Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte

Im Kulturmagazin Unser Lübeck erschien kürzlich ein Beitrag über Heribert Illig, seine Fantomzeit-These und den ‚erfundenen‘ Scharlöömanje – der komplette Titel lautet: Für Historiker eine Unperson – Der Verschwörungstheoretiker und Karlsleugner Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte 

Liest sich irgendwie ganz lustig 😊

Auch die Tageszeitung Die Presse brachte kürzlich einen Artikel über Heribert Illig. Darin scheint es darum zu gehen, dass angeblich auch Teile der Antike frei erfunden sein sollen (^^). Allerdings verbirgt sich der Großteil des Textes hinter einer Bezahlmauer.

—————–
Weitere Interessante Themen auf diesem Blog: 

Von Spartacus bis Herodot: Ein Interview mit dem Althistoriker und Übersetzer Kai Brodersen

Wer ernsthaft mit der Antike auf Tuchfühlung gehen möchte – etwa im Zuge des Living-History-Hobbys – wird relativ früh die Notwendigkeit erkennen, abseits von Sekundärliteratur auch die Original-Schriftzeugnisse von Livius, Plinius und Co. zumindest in Form von Übersetzungen zu lesen. Und doch zögern viele Interessierte aufgrund von Berührungsängsten, die nicht selten auf der Annahme fußen, dass es sich bei antiken Texten um eine schwer verdauliche Kost handelt.
Das ist auch nicht grundsätzlich falsch, denn manch immer noch erhältliche Übersetzung ist schon etwas angestaubt und daher in einem schwülstigen Deutsch gehalten, das dem Leser eine gewisse Leidensfähigkeit abverlangt. So muss man beispielsweise noch in der 1972 von Karl Büchner übersetzten Verschwörung des Catilina kaskadierende Endlossätze wie diesen erdulden: 
Nachdem das die Männer vernommen hatten, die alles Übel im Überfluss besaßen, aber nichts Gutes noch eine gute Aussicht, forderten, wenn es ihnen auch schon ein großer Gewinn schien, den Ruhezustand in Bewegung zu bringen, doch die meisten, er solle darlegen, wie die Bedingungen des Krieges seien, was sie für Lohn mit ihren Waffen errängen, was sie überall an Hilfe oder Hoffnung besäßen.
Glücklicherweise sind die Zeiten solcher Satzungetüme vorbei. Moderne Übersetzungen sind in der Regel weitaus geschmeidiger formuliert, sodass mit ihnen ein deutlich größerer Leserkreis angesprochen werden kann. 
Es bleibt für manch Interessierten deshalb mitunter nur ein einziger triftiger Hinderungsgrund, sich in antike Texte zu vertiefen: Der sogenannte ‚Anschaffungswiderstand‘, wie es in der Elektronik so schön heißt 😉. Denn die Preise reichen von günstig bis schmerzhaft.
Darüber – und über einiges mehr – unterhalte ich mich in folgendem Interview mit dem Althistoriker Kai Brodersen, der seit Jahren zu den fleißigsten Übersetzern und Autoren im deutschen Sprachraum zählt.


Lieber Herr Brodersen, wie geht es Ihnen, wenn Sie beispielsweise Cicero-Übersetzungen aus dem 18. oder 19. Jahrhundert lesen? Bereitet Ihnen das vergleichsweise altertümliche Deutsch Vergnügen oder strengt es Sie, so wie mich, eher an?

Übersetzungen macht man immer für die eigene Zeit – der will man ja den Zugang zur Antike erleichtern. Und so, wie es heute Menschen gibt, die gerne deutsche Literatur aus den letzten Jahrhunderten lesen, gibt es auch heute Menschen, die Vergnügen an jener Sprachform haben. Wenn man z.B. die Übersetzung von Thukydides’ Geschichtswerk nimmt, die Georg Peter Landmann 1960 vorgelegt hat und die nach wie vor lieferbar und heute die am meisten verbreitete deutsche Übesetzung des Werks ist, dann kann man sich an deutschen Passagen freuen, die zeigen, dass der Übersetzer sich zum George-Kreis rechnete und eine sehr „gehobene“ Sprache nutzte. Man kann aber auch verzweifeln, wenn man herausfinden möchte, was denn im Originaltext steht…

Abgesehen von der sich ändernden Sprache: Übersetzt man heute, anders – eventuell freier – als noch vor 100 oder 200 Jahren? 

Nein, nicht freier, sondern umgekehrt eher genauer. Wenn Sie z.B. die neueren Übersetzungen von Niklas Holzberg anschauen, sehen Sie, wie er sich um eine möglichst genaue Übersetzung bemüht, und das sogar in Versform! Bei Fachliteratur, etwa bei Palladius’ Buch über das Bauernjahr oder Apuleius’ Heilkräuterbuch, war mir sehr daran gelegen, möglichst genau zu übersetzen, also z. B. die Pflanzennamen oder Fachbegriffe genau zu verstehen und wiederzugeben, und dabei gerade keine „dichterische Freiheit“ walten zu lassen. Ich möchte dasselbe lateinische Wort nicht einmal als „Harke“ und einmal als „Rechen“ übersetzen – und bei pharmakologischen Texten kann das sogar gefährlich werden.

Von wem geht in der Regel die Initiative für das Übersetzen eines bestimmten antiken Textes aus? Tritt ein Verlag an Sie heran und unterbreitet einen Vorschlag – oder ist es eher umgekehrt? 

Es gibt Verlagsinitiativen (so etwa die zweisprachige Ausgabe des Geschichtswerks von Herodot bei Reclam) und Übersetzerinitiativen (so etwa die zweisprachige Ausgabe von „Plinius’ Kleiner Reiseapotheke“ bei Steiner), aber oft entstehen solche Ideen im Austausch zwischen Verlag und Übersetzer – je mehr man miteinander schafft, umso besser.

Zur Zeit lese ich die Strategika des Polyainos, danach kommt die Taktika des Ailianos an die Reihe; beide Bücher erschienen erst kürzlich in deutscher Sprache und wurden von Ihnen übersetzt. Wie viele Stunden Arbeit müssen Sie in solche Werke normalerweise investieren?

Die Stunden zähle ich nicht, und solche Projekte laufen oft über lange Zeit. Zu Polyainos z. B. hatte ich schon 2010 einen Tagungsband herausgegeben, seither hat mich dieses umfangreiche Buch immer wieder beschäftigt. Ich bin ja Professor an der Uni Erfurt und habe in Forschung und Lehre zu arbeiten!


Wie viele antike Werke übersetzen Sie durchschnittlich pro Jahr?

Das hängt völlig an den Lebensumständen: Ich war lange Jahre in der akademischen Selbstverwaltung tätig, darunter 6 Jahre als Prorektor und 6 Jahre als Universitätspräsident. Da war nicht viel Zeit für solche Projekte! Umgekehrt beginnen manche Übersetzungen als Unterlagen für eine Lehrveranstaltung. So war etwa die „Reise ins Heilige Land“ der Egeria das Thema eines Seminars, das ich am Departement für Protestantische Theologie in Hermannstadt/Sibiu halten durfte. Wenn die Studierenden dann zeigen, dass sie der Text interessiert, ist die Motivation gleich dreimal so groß, so eine Übersetzung publikationsreif zu machen!


Da die meisten Schriften antiker Autoren nur über den Umweg mittelalterlicher Kopien überliefert wurden, haben sich im Laufe der Jahrhunderte oft Fehler eingeschlichen. Bereitet Ihnen das einen großen Mehraufwand beim Übersetzen? Müssen Sie eventuell sogar herumreisen, um Einblick in Überlieferungsvarianten nehmen zu können, die Sie dann miteinander vergleichen? Oder ist das dank Internet und digitaler Bibliotheken alles viel einfacher geworden?

Da ich fast ausschließlich zweisprachige Ausgaben mache, bei denen der griechische oder lateinische Text der deutschen Übersetzung gegenübersteht, ist mir die Festlegung des antiken Texts jedes Mal besonders wichtig. Wo sehr gute kritische Editionen vorliegen, nutzte ich diese, überlege aber in allen Zweifelsfällen, ob der rekonstruierte Text gut verständlich ist und biete immer ein Verzeichnis der Stellen, an denen „mein“ Text von der Bezugsedition abweicht. In anderen Fällen – so bei Damigerons „Heilenden Steinen“ und bei Ailianos’ „Antiken Taktiken“ – ist der Text neu zu erstellen, da es bislang keine zuverlässige Ausgabe des antiken Textes gab. Das Internet hilft da wenig – man muss schon die Überlieferungsträger, also die mittelalterlichen Handschriften, lesen, die man sich als Photographien oder Scans aus den Bibliotheken besorgen muss. Aber das macht schon auch Freude!

Ich stelle bei modernen Übersetzungen von ein und demselben antiken Text zum Teil spürbare Preisunterschiede fest; beispielsweise ist De Gruyter (Tusculum) als ziemlich hochpreisig verschrien. 
Inwieweit sind die Endpreise tatsächlich auf den Arbeitsaufwand des Übersetzers zurückzuführen? Ist beispielsweise das Hinzufügen erklärender Endnoten ein signifikanter Preistreiber? Mir ist nämlich aufgefallen, dass Ihre Übersetzungen bei Marix über keine Endnoten verfügen, jene bei Reclam hingegen schon. 

Ob es – wie bei Marix – eine ausführliche Einleitung und Erläuterungen im Text selbst gibt oder – wie bei manchen, aber längst nicht allen Reclamausgaben – Endnoten, hat nichts mit dem Preis zu tun – die Information (und die Arbeit, die zu erstellen) ist dieselbe, nur die Präsentation nicht, und die Gestaltung eines Buchs folgt ja in der Regel dem Inhalt – „form follows function“! Nehmen Sie z.B. bei Reclam Aristeas’ Buch „Der König und die Bibel“ – da habe ich die Erläuterungen in einer sehr ausführlichen Einleitung, nicht in Endnoten geboten. Was ein Buch im Buchhandel dann kostet, ist eine Frage der Kalkulation des Verlags – der muss das Buch ja verkaufen! Das hat mit dem Arbeitsaufwand des Übersetzers überhaupt nichts zu tun.

Wie darf man sich das Entlohnungsmodell für das Übersetzen eines lateinischen oder altgriechischen Buchs vorstellen? Wird z.B. nach Wörtern oder Normseiten abgerechnet? Und ganz wichtig für jene, die das beruflich eventuell auch machen wollen: Kann man von dieser Arbeit anständig leben? 😉

Ganz einfach: Ich erhalte bei den meisten Verlagen überhaupt kein Honorar, aber ich habe ja auch einen Beruf, in dem wissenschaftliche Publikationen zu meinen Aufgaben gehören, und muss nicht vom Übersetzen leben. Nur bei einem Verlag, den Sie schon genannt haben, erhalte ich 3% vom Nettoerlös. Unter Nettoerlös versteht man den Bezugspreis abzüglich der darin gesetzlichen Mehrwertsteuer und der gewährten Rabatte. Wie Sie wissen, ist der Buchhandelrabatt in der Regel etwa 40%, der Mehrwertsteuersatz für Bücher 7%. Das heißt, dass ein Buch, das im Buchhandel 29.95 Euro incl. Mehrwertsteuer, also etwa 28 Euro ohne Mehrwertsteuer. Davon sind etwa 11,20 Euro Buchhandelsrabatt, der Nettoerlös beträgt also etwa 16,80. Davon sind 3% etwa 50 Cent. Wenn so ein Buch über die Jahre vielleicht dreihundertmal verkauft wird, bekomme ich insgesamt 150 Euro, die ich selbstverständlich versteuern muss. Zu Ihrer Frage: Man kann immer anständig sein. aber sicher nicht einmal unanständig vom Übersetzen antiker Texte leben.

Die von Reclam angebotene Ausgabe der Historien des Herodot, bei der Sie als Herausgeber fungieren, wird ’scheibchenweise‘ veröffentlicht; will heißen, die neun Teile, aus denen Herodots Geschichtswerk besteht, kommen einzeln in den Handel. Das ist auch verständlich, weil das kompakte ‚Reclam-Format‘ hier gewisse Grenzen setzt. Andererseits verwundert mich der Umstand, dass, obwohl schon 2002 mit der Veröffentlichung begonnen wurde, man 15 Jahre später erst beim 7. Teil angelangt ist. 
Ist das vom Verlag so gewollt? Ich frage hier vor allem deshalb, weil für viele Interessierte nur eine vollständige Ausgabe wirklich interessant sein dürfte. Aus diesem Grund habe auch ich kürzlich schon etwas verzweifelt bei der Konkurrenz – dem Kröner Verlag – zugegriffen.

Die Verlagspolitik von Reclam hat sich über die Jahre geändert. Meine Kollegin und ich sind nun gebeten worden, den kompletten Herodot in einem Band vorzulegen. Ich bin gespannt, wie Ihnen die doch arg in die Jahre gekommene und von Heinz-Günther Nesselrath kürzlich nur „behutsam modernisierte“ Übersetzung von August Horneffer, die Sie gekauft haben, gefällt: Er hat von 1875 bis 1955 gelebt, war promovierter Musikwissenschafter, hat am Nietzsche-Archiv gearbeitet und war aktiver Freimaurer – ein faszinierender Lebenslauf für einen Übersetzer!

Die Modernisierung von Nesselrath liest sich durchaus angenehm, ist preislich günstig und verfügt über viele erklärende Endnoten. Allerdings ist sie nur einsprachig (meine Rezension).


Gibt es ein wichtiges antikes Werk, von dem Sie sagen, dass eine Übersetzung oder Neuübersetzung längst überfällig ist?

Allerdings – es fehlt uns eine Übersetzung der bedeutenden Reden des Aelius Aristides, es fehlen aber auch Übersetzungen in wenigstens eine moderne Sprache der allermeisten Werke des bis in die Neuzeit einflussreichen Mediziners Galenos. Und es fehlen noch eine ganz Menge spannender antiker Werke.

Eventuell können Sie uns abschließend einen kleinen Ausblick auf geplante Buch-Projekte geben?
Als nächste zweisprachige Ausgabe soll die „Vermischte Forschung“ des Ailianos erscheinen – ein buntes Werk, dem Sie Antworten etwa auf folgend Fragen entnehmen können: Welcher antike König war in einen Baum verliebt? Wer hat die Königsherrschaft als „ehrenvolle Sklaverei“ bezeichnet? Wo durften Frauen keinen Wein trinken? Gab es eine antike Utopia? Wo kam Faulheit vor Gericht? Wo stand Kunst, die ihren Gegenstand schöner erscheinen ließ, als er war, unter Strafe? Wer war der erste „Trainspotter“? Wer hat das Katapult erfunden? Welcher Tyrann wurde nach seinem Sturz Grundschullehrer? Warum erweisen einen gefärbte Haare als Lügner? Wer stellte Grabsteine für Haustiere auf? Wo sind erstmals Brieftauben belegt? Gab es in der Antike so etwas wie den „Fluch der Pharaonen“? Wer war das Aschenputtel des Altertums? Wie vertrieb sich ein Perserkönig, der Analphabet war, auf langen Reisen die Zeit? 
Und derzeit bin ich in den „letzten Zügen“ eines Buches über „Dacia Felix“, also über die antike Geschichte Rumäniens, und einer kritischen Neuedition der Römischen Geschichte des Appianos von Alexandreia.

Vielen Dank, dass Sie meinen Lesern und mir so ausführlich Auskunft gegeben haben. Besonders auf Ihre geplante Neuedition von Appians Römische Geschichte freue ich mich schon, da für die aktuellste (bei Hiersemann erschienene) Ausgabe dieses antiken Werks längst Mondpreise verlangt werden.


Weiterführende Informationen zum Gesprächspartner:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Hörbares: Rätselhafter Schädel auf dem Palatinhügel entdeckt — Archäologenstreit in Israel — Wikinger-Stockfisch — Wer erfand die Metallverarbeitung? — Antike Mysterien — usw.

Rätselhafter Schädel – Der Unbekannte vom römischen Palatinhügel | Spieldauer 5 Minuten | DF| Stream & Info | Direkter Download
Wikinger brachten Stockfisch nach Kiel | Spieldauer 7 Minuten | DF| Stream & Info | Direkter Download
Archäologie-Streit in Israel – Wo wurde Petrus geboren? | Spieldauer 5 Minuten | DF| Stream & Info | Direkter Download

Archäotechnica: Die Slawen | Spieldauer 6 Minuten | ARD/RBB | Stream & Info | Direkter Download

Metallverarbeitung – Wer hat´s erfunden? | Spieldauer 7 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download

Kulturgeschichte des Einkaufens: Tauschen – Feilschen – Kaufen | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Naga – Die Neuentdeckung der Antike im Sudan | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Antike Mysterien – Christentum und Mysterienkulte | Spieldauer 27 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Antike Mysterien – Der Isis- und Osiris-Kult | Spieldauer 27 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info | Direkter Download


—————–