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Tag Archive for Archäologie

Fundstücke KW 45-46

Walther von der Vogelweide als Vorläufer von Bob Dylan? So sieht das Frieder von Ammon in einem Beitrag der F.A.Z. Was unterscheidet mittelalterliches vom modernen Spinnen? Die Frage beantworten die Sorores historiae in ihrem neuen Blogbeitrag. Dazu pa…

Gräberfeld unter Ställen von Burg Heinfels gefunden

Die Burg Heinfels in Osttirol ist zum Teil auf einem frühmittelalterlichen Friedhof angelegt worden. Bei einer Grabung im Bereich der ehemaligen Stallungen der Burg stießen Archäologen jetzt auf das Gräberfeld. Zwölf Gräber wurden freigelegt. Das ORF spricht von einem Sensationsfund. Die Toten, darunter ein Kind, sind ohne Beigaben und in Demutshaltung bestattet. Das deutet auf … Gräberfeld unter Ställen von Burg Heinfels gefunden weiterlesen

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Gräberfeld unter Ställen von Burg Heinfels gefunden

Die Burg Heinfels in Osttirol ist zum Teil auf einem frühmittelalterlichen Friedhof angelegt worden. Bei einer Grabung im Bereich der ehemaligen Stallungen der Burg stießen Archäologen jetzt auf das Gräberfeld. Zwölf Gräber wurden freigelegt. Das ORF spricht von einem Sensationsfund. Die Toten, darunter ein Kind, sind ohne Beigaben und in Demutshaltung bestattet. Das deutet auf … Gräberfeld unter Ställen von Burg Heinfels gefunden weiterlesen

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Videos: Der Youtube-Kanal Anarchäologie — Luthers Bücherstube — Archäologische Funde — Ausgrabungen im Irak — usw.

Die Amploniana – Luthers Bücherstube | Spieldauer 30 Minuten | MDR | Stream & Info

Viele archäologische Funde bei Polch | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Peter Pfälzer erforscht im Irak das Reich der Akkad | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info


Archäologische Ausgrabungen einfach erklärt | Spieldauer 8 Minuten | Youtube / Anarchaeologie | Stream & Info

Die Videos des Youtube-Kanals Anarchaeologie sind gut gemacht und erklären verschiedenste Aspekte der archäologischen Arbeit in anschaulicher Weise. Freilich, ich bin nicht mit jeder Aussage in den Videos einverstanden, aber das muss ich ja auch nicht 😊

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Archäotechnica in Brandenburg

Nach langer Blogpause gibt es wieder etwas nachzutragen. Eine der schönsten Veranstaltungen in den letzten Jahren, an denen wir teilnehmen durften, war die Archäotechnica in Brandenburg. Darüber gab es einen Beitrag im HalleSpektrum, den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen dürfen: Am 19. und 20. August fand im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im St. Pauli Kloster in […]

Archäotechnica in Brandenburg

Nach langer Blogpause gibt es wieder etwas nachzutragen. Eine der schönsten Veranstaltungen in den letzten Jahren, an denen wir teilnehmen durften, war die Archäotechnica in Brandenburg. Darüber gab es einen Beitrag im HalleSpektrum, den wir mit freundlicher Genehmigung übernehmen dürfen: Am 19. und 20. August fand im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg im St. Pauli Kloster in […]

Fundstücke KW 44

Das AFM Oerlinghausen zieht eine positive Bilanz der vergangenen Saison und hat große Pläne für die Zukunft, wie die NW berichtet. Auch die Freilichtmuseen in Baden-Württemberg scheinen zufrieden, meldet der SWR. Trotz (oder wegen?) der anhaltenden Diskussionen um die „Klosterbaustelle“ … Weiterlesen

Einladung zum nächsten Doktorandenstammtisch (Dresden, Halle, Leipzig)

Institut für Kunstgeschichte der Universität Leipzig | 18:00 Uhr

Liebe Stipendiatinnen und Stipendiaten sowie Alumni der Gerda Henkel Stiftung, wir laden Euch herzlich zum nächsten Doktorandenstammtisch am Freitag, den 10.11.2017 um 18 Uhr ein. Der Stammtisch findet im kleinen Seminarraum des Institutes für Kunstgeschichte der Universität Leipzig, Wünschmanns Hof, (Zugang: Dittrichring 18-20) 5. Etage, 04109 Leipzig statt.Diesmal wird eine von uns (Karen Kriedemann) euch ihr Dissertationsprojekt „Old and New Objects in the Garden – Spatio-temporal Strategies of Representation in Irish Landscape Gardens, 1720–1790“ vorstellen.Da wir anschließend etwas essen gehen wollen, wäre es schön, wenn Ihr uns per E-Mail eine Rückmeldung bis zum 6.11.2017 gebt, falls Ihr teilnehmen wollt (karen.kriedemann@posteo.de). Gerne könnt Ihr auch weitere Interessenten auf den Stammtisch aufmerksam machen.Wir freuen uns auf Euer Kommen!Viele GrüßeAnke Dietrich und Karen Kriedemann

Fundstücke KW 43

Im Interview mit der taz äußert sich Ute Drews, Direktorin des Wikingermuseums Haithabu, u.a. zur Vereinnahmung der Wikinger und ihrer Symbole durch die rechte Szene. Mit der Verifizierung schriftlicher Quellen mit Hilfer von DNA-Analysen am Beispiel der Grablege der Babanberger … Weiterlesen

Videos: Staat zockt junge Schatzfinder ab — Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr — Kritik an übereifrigen Archäologen


Kinder finden in Ettlingen (BW) mittelalterlichen Münzhort – und werden umgehend abgezockt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

Der Wert der vom Staat einkassierten Silbermünzen aus dem Spätmittelalter beträgt angeblich rund 2000 Euro – was aber, wie in Deutschland nicht unüblich, auch einfach nur viel zu niedrig angesetzt worden sein kann. Doch wie auch immer: Würden die Finder im Vereinigten Königreich leben, dann wären sie jetzt um mindestens 1000 bis 2000 Euro reicher – je nachdem, ob sie mit einem Grundstückseigentümer hätten teilen müssen. In ihrem deutschen Heimatbundesland freilich, wurden sie jeweils mit vergleichsweise läppischen 100 Euro Finderlohn und ein paar Kinogutscheinen abgespeist …
Was also dürften die nicht übermäßig glücklich wirkenden Kinderlein aus dieser Episode fürs weitere Leben gelernt haben – und zwar abseits des Gelabers aus dem Off? Vermutlich: Ehrlich währt am längsten, wer stiehlt, der lebt am schönsten…😉

Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

10 Millionen Jahre alte Zähne: Kritik an übereifrigen Mainzer Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download
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Hörbares: Öffentlich-rechtliche Luther-Beweihräucherung — Die mittelalterliche Sekte der Guglielmiten — Archäologen erforschen Bronzezeit im Nordirak — usw.


Martin Luther – Thesen, die die Welt verändert haben | Spieldauer 32 Minuten | Deutschlandfunk Nova | Stream & Info | Direkter Download

Wem die Luther-Beweihräucherung in obigem Audiobeitrag zu viel wird, der kann sich als Alternative dazu ein aktuelles Video ansehen, in dem ein gelernter Archäologe Martin Luther kritisch, aber locker unter die Lupe nimmt. Grundlage dafür sind dessen überlieferte Aussagen zu Frauen, Hexen, Juden und dem einfachen Volk. Das in die Abbildung von mir eingefügte Zitat zählt übrigens noch zu den harmloseren ‚Sprüchen‘ des Reformators …

Ketzerische Sekte: Die Guglielmiten im Mittelalter | Spieldauer 28 Minuten | SRW | Stream & Info | Direkter Download

Archäologie: Lost Places – „Verlorene Orte“ zwischen Zerfall und Erinnerung | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Ausgrabungen Tübinger Archäologen im Nordirak: Nachrichten aus der Bronzezeit | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Reise ins Frühmittelalter und Grabungen in politisch umstrittenem Gelände | Spieldauer 15 Minuten | Deutschlandfunk Nova | Stream & Info
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Videos: Prä-Historiker Hermann Parzinger — Archäologe und Goldexperte Hans-Gert Bachmann

Karsten Schwanke trifft den Prä-Historiker Prof. Hermann Parzinger | Spieldauer 45 Minuten | BR | Stream & Info
Achtung, die Sendung funktioniert nur mit deutscher IP – also gegebenenfalls Opera oder ein entsprechendes Add-on für den Browser benutzen. Das gilt auch für das nächste Video.
Prof. Hans-Gert Bachmann ist Archäologe und Goldexperte | Spieldauer 43 Minuten | BR | Stream & Info
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Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Aleida und Jan Assmann mit Balzan Preis geehrt

Jan Assmann, der Träger des Preises des Historischen Kollegs 1998, erhält gemeinsam mit seiner Frau Aleida Assmann den diesjährigen Balzan Preis. Die mit 750.000 Schweizer Franken (rund 660.000 Euro) dotierte Auszeichnung wird dem Ehepaar für die gemeinsame, interdisziplinäre Erarbeitung des Konzepts „kulturelles Gedächtnis“ verliehen. Professor Dr. Aleida Assmann war bis zu ihrer Emeritierung Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. Ihr Mann, Professor Dr. Jan Assmann, ist Honorarprofessor der Universität Konstanz und Professor emeritus am Institut für Ägyptologie der Universität Heidelberg. Für seine Forschungen bekam er 1998 den Preis des Historischen Kollegs verliehen, der als deutscher Historikerpreis gilt. Mit dem renommierten Balzan Preis werden seit 1961 jedes Jahr Persönlichkeiten vorwiegend aus den Geistes- und Naturwissenschaften ausgezeichnet. Im Jahr 1993 erhielt der Neuzeithistoriker und langjährige Kuratoriumsvorsitzende des Historischen Kollegs, Professor Dr. Lothar Gall, den internationalen Preis, drei Jahre später wurde dem Mediävist und Historikerpreisträger von 1986, Professor Dr. Arno Borst, die Auszeichnung zuerkannt. Die diesjährige Preisverleihung findet am 17. November in Bern statt.

Hörbares: Die kleine Eiszeit — Deutsches Kulturgutschutzgesetz — Tollensetal-Schlacht — Anfänge und Geschichte der Kriminaltechnik — Der Rattenfänger von Hameln

Die kleine Eiszeit – eine Kälteperiode und ihre Folgen | Spieldauer 20 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Deutsches Kulturgutschutzgesetz – Was hat es gebracht? | Spieldauer 30 Minuten | DF | Stream & Info | Direkter Download
Tollensetal-Schlacht und die Ausstellung „Blutiges Gold“ | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Anfänge und Geschichte der Kriminaltechnik – Verbrecher hinterlassen Spuren  | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Der Rattenfänger von Hameln – was geschah wirklich? | Spieldauer 23 Minuten | BR | Direkter Download
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Fundstücke KW 41

Beim Abbau eines der ältesten Bauernhäuser im Land Salzburg zur Überführung in ein Freilichtmuseum kommen spannende Fundstücke zutage, meldet meinbezirk.at (mit Video). In Menden im Sauerland haben Archäologen möglicherweise die Grablege des um 1200 verstorbenen Klostergründers Graf Heinrich I. von … Weiterlesen

Videos: Peinliches Herumgezappel im Tollensetal — Die Schiffswracks vom Bodensee — Tatorte der Reformation

Die bronzezeitliche Schlacht im Tollensetal | Spieldauer 8 Minuten | NDR/ARD | Stream & Info
*LOL* – Die Spielszenen dieses Beitrags entsprechen exakt dem peinlichen Herumgezappel, das der Experimentalarchäologe Marcus Junkelmann in seinem Interview mit mir kritisiert hat 😊
Die Macher versuchen den Umstand, dass die Kampfszenen extrem tollpatschig wirken, durch schnelle Schnitte zu überspielen, aber das gelingt natürlich nicht. Die hier dargebotene Performance entspricht ja nicht einmal dem Niveau der Stummfilmära. Vielmehr hat man scheinbar ein paar LH-Kollegen dazu gebracht, sich für die Fernseh-Fuzzis ein bisschen zum Affen zu machen.
Geheimnisse der Tiefe – Die Schiffswracks vom Bodensee | Spieldauer 45 Minuten | SWR | Stream & Info

Tatorte der Reformation: Worms & Wartburg | Spieldauer 29 Minuten | ARD/MDR | Stream & Info
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„Ich verbitte mir alle ungezogenen Bemerkungen darüber, daß ich Handschriften des Auslands nicht benutzt habe…“. Der Zugang zu Manuskripten und Sammlungen und die Erforschung der koptischen Bibel

Berlin | Akademiegebäude am Gendarmenmarkt, 18:00-20:00 Uhr

Koptische Manuskripte waren für die Grundlegung der ägyptischen Philologie im 19. Jh. unverzichtbar und sind für den Ausbau der ägyptischen Sprachwissenschaft seit der Berliner Schule Adolf Ermans immer noch wertvoll. Die Erman-Vorlesung 2017 wird von Heike Behlmer, Inhaberin des Göttinger Lehrstuhls für Ägyptologie und Koptologie und Leiterin eines Akademieprojekts zur Edition der koptischen Septuaginta, gehalten.
Mehr noch als andere Literaturen des christlichen Orients hat die der ägyptischen Christen unter Fragmentierung, Zerstreuung und Verlust gelitten. Manuskripte der koptischen Bibel etwa sind in über 100 Museen, Bibliotheken und Sammlungen weltweit zu finden.
Bemühungen, den Text der koptischen Bibel zu rekonstruieren und zu edieren, waren und sind mit dem Problem des Zugangs zu den physischen Handschriften bzw. Fragmenten konfrontiert. Wie erfahren Gelehrte, welche Handschriften existieren und wo sie aufbewahrt werden, wie bekommen sie Erlaubnis (und finanzielle Mittel), Bibliotheken und private Sammlungen zu besuchen, wie regeln Institutionen und Sammler den Leihverkehr? Welche Rolle spielen dabei staatliche Institutionen und wie verändert im 19.Jh., der Zeit enormer Material- und Wissenserweiterungen, die weltpolitische Situation den Zugang zur handschriftlichen Überlieferung „orientalischer“ Kulturen?
Der Vortrag soll anhand einiger Beispiele aus der Arbeit an der koptischen Bibel vom 19. Jh. bis heute diesen logistischen, finanziellen und (wissenschafts-)politischen Fragen nachspüren – Fragen, die selbst in Zeiten des Informationsüberflusses noch eine Rolle spielen.
Um Anmeldung wird gebeten Anmeldung bis zum 29.10. unter: 
www2.bbaw.de/anmeldung-erman-vorlesung17

Hörbares: Musik des Mittelalters — Cäsars "deutsches" Römerlager — Leben wie Ötzi — Buchmalerei im Mittelalter — Graben in Olympia — Das Kirchenlied — Orlando di Lasso



Marc Lewon und die Musik des Mittelalters (inkl. Hörbeispielen) | Spieldauer 115 Minuten | SWR | Stream & Info
Cäsars „deutsches“ Römerlager | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Woche im Steinzeitpark: Leben wie Ötzi | Spieldauer 9 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Gespräch mit Prof. Anja Grebe: Buchmalerei – Domäne der Mönche im Mittelalter | Spieldauer 11 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Die Archäologen Hirschfeld und Boetticher graben in Olympia | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Das Kirchenlied – Klang und Botschaft | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
1557: Orlando di Lasso – Musikerfürst am Münchner Hof | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Die Rückkehr der Mumien

Ausstellung MUMIEN – Geheimnisse des Lebens  (Presseinformation rem) Es war eine Sensation, als im Jahr 2004 zwanzig verschollen geglaubte Mumien in den Depots der Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (rem) wiederentdeckt wurden. Ihre Erforschung war der Beginn eines großen internationalen und interdisziplinären Mumienforschungsprojekts, … Weiterlesen

Bestimmungsbuch Archäologie: Gürtel – erkennen, bestimmen, beschreiben

Die Verwendung möglichst einheitlicher Begriffe ist in der archäologischen Forschung von großer Wichtigkeit, damit es bei der Ansprache der unterschiedlichen Objekte einer Fundgattung zu keinen Missverständnissen kommt. In diesem Zusammenhang wurde 2008 die AG Archäologiethesaurus gegründet. Ihr Ziel ist die schrittweise Veröffentlichung des entsprechenden Vokabulars in Form gedruckter Bestimmungsbücher wie dem vorliegenden 5. Band.

In „Gürtel: erkennen – bestimmen – beschreiben“ (Deutscher Kunstverlag) wurden hauptsächlich für den deutschen Sprach- und Kulturraum typische Gürtel bzw. ihre erhalten gebliebenen (metallenen) Einzelbestandteile wie Schnallen, Gürtelhaken oder Riemenzungen  in sehr übersichtlicher Weise systematisch geordnet und erläutert. 

Der Zeitraum der behandelten Gürtelbestandteile reicht ca. von der Späten Bronzezeit bis zur Karolingerzeit. Bedauerlicherweise geht diese zeitlich doch klare Einschränkung weder aus dem Cover- noch dem Klappentext hervor. Ich habe diese Auslassung schon bei einem anderen Band dieser Reihe bemängelt.

Die im Buch angewandte Systematik sowie die Entwicklung des Gürtels im Laufe der Geschichte wird in einer mehrseitigen Einführung erläutert. Außerdem erhält der Leser anhand zweier ‚Zeitstrahlen‘ einen Überblick über die Chronologie sowie die unterschiedlichen kulturellen Entwicklungsgeschwindigkeiten der norddeutschen bzw. süddeutschen Vor- und Frühgeschichte.

Mit diesem Buch sollen auch diejenigen Interessierten angesprochen werden, die zwar mit archäologischen Objekten zu tun haben, ohne aber Fachwissenschaftler zu sein – heißt es. Genannt werden hier Restauratoren, Magazinverwalter, Museologen, Leiter von Mehrspartenmuseen, Grabungsleiter und Wissenschaftler anderer Fachbereiche.
Freilich, ‚vergessen‘ hat man bei dieser Aufzählung Living-History-Hobbyisten wie mich, Antiken-Händler und natürlich die allseits beliebten Sondengeher 😃

Fazit: Ein nützliches Buch, sofern einen die zeitliche Einschränkung der betrachteten Funde nicht stört. Der Kaufpreis beträgt relativ günstige 19,90 Euro.

Randbemerkung: Wer designed eigentlich solche Cover? Wieso legt man die Schrift ausgerechnet über das Bild, obwohl oben und unten noch genügend Platz gewesen wäre? Gehts noch ungeschickter? So etwas sieht doch nicht schön aus.

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Weiterführende Informationen:
Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Fundstücke KW 40

Markus Junkelmann ist ein Pionier der experimentellen Archäologie und der Geschichtsdarstellung in Deutschland. Im Interview mit Hiltibold kritisiert er u.a. die zunehmene Kommerzialisierung, Billig-Reenactments und „junk-living history„. Nahe der Elbmündung haben Archäologen eine bislang unbekannte Siedlung mit Hafenanlage ausgegraben, die … Weiterlesen

Ins Feld, ins Museum oder an die Uni?

a.r.t.e.s.-Alumnus Marcel Danner forscht in der Klassischen Archäologie

Seit 2015 ist Dr. Marcel Danner am Lehrstuhl für Klassische Archäologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg beschäftigt. Als einer der ersten a.r.t.e.s.-Doktorandinnen und Doktoranden promovierte er von 2009 bis 2012 im Integrated Track der a.r.t.e.s. Graduate School for the Humanities Cologne. Seine Dissertation im Fach Klassische Archäologie schrieb er über die Wohnkultur im spätantiken Ostia. Darüber hinaus forscht er zur materiellen Kultur der Spätantike und zu Landschafts- und Architekturdarstellungen in der antiken Kunst.

Buch: Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden

Im Buch Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden (Verlag Springer Spektrum) zeichnet der Mineraloge Florian Neukirchen die sich über viele Jahrtausende erstreckende Geschichte der Metallgewinnung nach.
Gleich zu Beginn weist der Autor darauf hin, dass die in Schulen undifferenziert vermittelte Abfolge der verschiedenen Metallzeiten – nämlich Kupfersteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit – für viele Regionen nicht zutreffend ist. Auch wären die zeitlichen Eingrenzung der einzelnen Metallzeiten problematisch. So wurde beispielsweise gediegenes Kupfer, das an der Erdoberfläche aufgelesen werden konnte, bereits zu Beginn (!) der Jungsteinzeit verwendet. 
Weiters heißt es, die Entdeckung der Metalle sei für die menschliche Kultur keineswegs so revolutionär gewesen, wie lange Zeit angenommen wurde. Die Vorstellung, Kupfer und Bronze hätten unmittelbar zu radikalen gesellschaftlichen Umbrüchen geführt, wird als unzutreffend bezeichnet. Die frühesten Metallobjekte sind nämlich fast niemals Werkzeug oder Waffen, sondern vor allem kleine Schmuckstücke und Kultobjekte. Die bereits vorhandenen nichtmetallischen Materialien herrschten demgegenüber noch lange vor. Es dauerte Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, bis das Metall im Alltag der Menschen angekommen war.
Mehr noch als dem kulturhistorischen Aspekt, widmet sich der Autor dem naturwissenschaftlichen bzw. technischen: In welcher Form kommen die jeweiligen Metalle in der Natur vor? Wie wurden sie abgebaut und verhüttet? Welche chemischen Reaktionen spielten sich dabei im Metall ab? Warum standen Öfen zur Verhüttung häufig an Bergabhängen? Welche Stoffe wurden schon sehr früh zum Legieren und Verbessern von Werkstoffeigenschaften eingesetzt? Welche wichtigen Informationen können Archäologen aus den Überresten von Schlacke ziehen? Mit welchen Methoden ist es heute möglich, Metall einem bestimmten Abbaugebiet zuzuordnen? Wie alt sind die ältesten von Menschen gemachten Eisenobjekte (Antwort: mindestens 6000 Jahre alt!)? Was steckt hinter der hethitischen Bezeichnung „gutes Eisen“? Was sind die ältesten Objekte aus Stahl? Wie viele tausend Tonnen Blei bliesen die Römer in Form von Abgasen bei der Silber- und Bleiverhüttung jährlich in die Luft? Usw. usf.

So weit so gut, nun zu den (wenigen) Kritikpunkten: Der Autor gibt zwar sehr brav seine Quellen an, allerdings nicht einfach in Form von Fuß- oder Endnoten, sondern er fügt sie direkt in den Text ein. Das ist zwar nicht völlig unüblich, stört aber, wenn es zu oft vorkommt, den Lesefluss . 
Ebenfalls weniger gefallen hat mir der Umstand, dass die Geschichte der mittelalterlichen Metallerzeugung vergleichsweise kurz behandelt wird – es dominieren stattdessen die Vorgeschichte und die Antike. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Gewichtung zwar verständlich, aber dass etwa speziell das Frühmittelalter mit fast nur einem einzigen Satz abgehandelt wird, hat mich dann schon ein bisschen gewurmt. Hier hätte es definitiv mehr zu erzählen gegeben.
Fazit: Punktuell wird der eine oder andere Leser vielleicht ein wenig mit den dargebotenen Detailinformationen aus der Metallurgie überfordert sein. Allerdings ist der Text im Großen und Ganzen so formuliert, dass man den Ausführungen wohl auch als absoluter Laie relativ leicht folgen kann. Mit hat das Buch jedenfalls gefallen: Es ist gut strukturiert und – trotz kleinerer Auslassungen – äußerst informativ.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
– Montanarchäologie und Archäometallurgie
– Grundlegende Eigenschaften von Metallen und Legierungen
– Metallverarbeitung
– Metalle und ihre Erze
– Drei Lagerstättentypen
– Literatur

Das erste Kupfer
– Die Anfänge in der Steinzeit
– Verhüttung von Kupfererzen
– Kupferzeit in Osteuropa und im Nahen Osten
– Arsenbronze und Fahlerzkupfer
– Gold aus dem Kaukasus
– Literatur

Bronzezeit
– Frühe Bronzezeit im Nahen Osten
– Zinnbronze
– Woher kam das Zinn?
– Mittlere und Späte Bronzezeit im Nahen Osten und am Mittelmeer
– Kontamination und Krankheiten
– Kupfer und Bronze in Mitteleuropa
– China
– Literatur

Vom ersten eisen zur Antike
– Die ältesten eisenobjekte
– Rennofen, Eisen und Stahl
– Frühe Eisenzeit
– Afrika
– Kelten in Mitteleuropa
– Krösus und das erste Geld
– Blei und Silber
– Zink und Messing
– Metalle in der Antike
– Literatur

Mittelalter und Renaissance
– Metalle im Mittelalter
– Johannes Gutenberg und die beweglichen Lettern
– Renaissance im Bergbau
– Georgius Agricola
– Alchemisten und Wünschelruten
– Die Fugger – Der erste Bergbaukonzern
– Saigerhütten und Vitriole
– Holzverbrauch und Entwaldung
– Eldorado: Metalle aus der Neuen Welt
– Krieg und Krise
– Literatur

Industrielle Revolution und Hightech
– Frühkapitalismus und Manufakturen
– Dampf und Eisen
– Kupfer und Elektrizität
– Aluminium
– Stahlgewitter und Eiserner Vorhang
– Titan und andere Supermetalle
– Computer, Mobiltelefone und Akkus
– Seltene Erden
– Literatur

Glossar

Sachverzeichnis

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Weiterführende Informationen:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

„Festivals sind noch wichtiger geworden“

Interview mit Gregor Greve zum Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea

Das Internationale Archäologie-Film-Festival Cinarchea hat seit zwei Jahren einen Nachfolger: das Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea. Kontinuität und Neues sind der Anspruch der Veranstaltung, die seit 2015 in Brandenburg an der Havel stattfindet. Das Hauptaugenmerk der kritischen Betrachtung liegt dabei nach wie vor auf der filmischen Umsetzung wissenschaftlicher Arbeit und der Präsentation dieser Filme im Museum, im Fernsehen, im Internet oder über DVD. Neu hinzu kommen nun vor allem die Neuen Medien. Was es noch im Vorfeld des 12. Internationalen Archäologie-Film-Medien-Festivals zu wissen gilt, das haben wir Festivalleiter Gregor Greve gefragt.

„Festivals sind noch wichtiger geworden“

Interview mit Gregor Greve zum Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea

Das Internationale Archäologie-Film-Festival Cinarchea hat seit zwei Jahren einen Nachfolger: das Film-Medien-Festival Archäomediale & Cinarchea. Kontinuität und Neues sind der Anspruch der Veranstaltung, die seit 2015 in Brandenburg an der Havel stattfindet. Das Hauptaugenmerk der kritischen Betrachtung liegt dabei nach wie vor auf der filmischen Umsetzung wissenschaftlicher Arbeit und der Präsentation dieser Filme im Museum, im Fernsehen, im Internet oder über DVD. Neu hinzu kommen nun vor allem die Neuen Medien. Was es noch im Vorfeld des 12. Internationalen Archäologie-Film-Medien-Festivals zu wissen gilt, das haben wir Festivalleiter Gregor Greve gefragt.

Archäomediale & Cinarchea

12. Internationales Archäologie-Film-Medien-Festival

Vom 11. bis 14. Oktober 2017 findet im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zum dritten Mal das Archäologie-Film-Medien-Festival Archäomediale/Cinarchea statt. Schirmherr des diesjährigen Festivals ist Prof. Dr. Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz). In jeweils zwei Programmblöcken werden internationale dokumentarische Formate gezeigt. Das Themenspektrum ist vielfältig und reicht von der Steinzeit, über verschiedene Epochen des europäischen Mittelalters, bis hin zu Grabungen auf Schlachtfeldern des Zeiten Weltkrieges und in Syrien. Eine hochkarätige Jury aus Vertretern von TV (Gisela Graichen, Georg Graffe, Kay Siering) und Wissenschaftlern (Prof. Dr. Franz Schopper, Prof. Dr. Kerstin Stutterheim, Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Dr. Angela Kühnen) prämiert am Samstagabend die besten Produktionen. Neben den gezeigten Filmen haben alle Besucher über ihr Smartphone die Möglichkeit, archäologische Podcasts in unserer Hör- Lounge zu genießen und dafür einen Zuschauerpreis zu vergeben.
Highlight des Festivals ist ein „Werkstattgespräch“ mit dem Althistoriker Prof. Dr. Werner Dahlheim. Dieser berichtet anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Tätigkeit als Berater für Dokumentarfilme und gibt Einblick in diese teils komplizierte und schwierige Arbeit. Abgerundet wird das Festival durch die Sonderausstellung des international renommierten Berliner Fotografen Manfred Hamm „Die antiken Stätten von morgen. Ruinen des Industriezeitalters“.

Archäomediale/Cinarchea

12. Internationales Archäologie-Film-Medien-Festival

Vom 11. bis 14. Oktober 2017 findet im Archäologischen Landesmuseum Brandenburg zum dritten Mal das Archäologie-Film-Medien-Festival Archäomediale/Cinarchea statt. Schirmherr des diesjährigen Festivals ist Prof. Dr. Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz). In jeweils zwei Programmblöcken werden internationale dokumentarische Formate gezeigt. Das Themenspektrum ist vielfältig und reicht von der Steinzeit, über verschiedene Epochen des europäischen Mittelalters, bis hin zu Grabungen auf Schlachtfeldern des Zeiten Weltkrieges und in Syrien. Eine hochkarätige Jury aus Vertretern von TV (Gisela Graichen, Georg Graffe, Kay Siering) und Wissenschaftlern (Prof. Dr. Franz Schopper, Prof. Dr. Kerstin Stutterheim, Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Dr. Angela Kühnen) prämiert am Samstagabend die besten Produktionen. Neben den gezeigten Filmen haben alle Besucher über ihr Smartphone die Möglichkeit, archäologische Podcasts in unserer Hör- Lounge zu genießen und dafür einen Zuschauerpreis zu vergeben.
Highlight des Festivals ist ein „Werkstattgespräch“ mit dem Althistoriker Prof. Dr. Werner Dahlheim. Dieser berichtet anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Tätigkeit als Berater für Dokumentarfilme und gibt Einblick in diese teils komplizierte und schwierige Arbeit. Abgerundet wird das Festival durch die Sonderausstellung des international renommierten Berliner Fotografen Manfred Hamm „Die antiken Stätten von morgen. Ruinen des Industriezeitalters“.

Videos: Goldschatz-Fund — Antike Siedlungen von Staudamm bedroht — Das römische Aquädukt Pont du Gard — usw.

Goldschatz-Fund beim Pipeline-Bau | Spieldauer 4 Minuten | DW | Stream  & Info

Wie Geld gewinnt und Bagger Geschichte zertrümmern | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream  & Info

Archäologen entdecken 5500 Jahre alten Schädel in der Blätterhöhle | Spieldauer 3 Minuten | WDR | Stream  & Info
Das römische Aquädukt Pont du Gard | Spieldauer 14 Minuten | WDR | Stream  & Info
Antike Siedlungen von Staudamm bedroht | Spieldauer 5 Minuten | DW | Stream  & Info
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Interview mit dem Experimentalarchäologen Marcus Junkelmann: Von Junk-Living-History und Billig-Reenactment

Marcus Junkelmann zählt zweifellos zu den bedeutendsten und bekanntesten Pionieren der Experimentellen Archäologie. 1985 erregte der praktizierende und darstellende Militärhistoriker zum ersten Mal größeres Aufsehen, als er zusammen mit acht Gefährten in römischer Legionärsausrüstung von Italien nach Deutschland marschierte; Vierundzwanzig Tage dauerte dieser von großem Medieninteresse begleitete Alpenmarsch. Wenige Jahre später wiederholte Junkelmann das Experiment, nun allerdings in Form eines dreißigtägigen Ritts entlang des obergermanisch-raetischen Limes; selbstverständlich wieder in historisch möglichst korrekter ‚Adjustierung‘, deren Praxistauglichkeit man ausgiebig testete. Die Ergebnisse wurden in populären, immer wieder neu aufgelegten Büchern veröffentlicht. Zu nennen sind hier beispielsweise Die Reiter Roms (4 Auflagen), Panis Militaris (3 Auflagen), Die Legionen des Augustus (15 Auflagen!).
Mit allgemein verständlichen, gut illustrierten Publikationen wie diesen, befeuerte Junkelmann besonders im deutschen Sprachraum das, was heute gemeinhin als „Reenactment“ oder „Living History“ bezeichnet wird; also das praktische Nachempfinden vergangener Lebenswelten auf Grundlage möglichst harter wissenschaftlicher Fakten.
Doch es ist längst nicht alles Gold, was da glänzt. So attestiert Marcus Junkelmann beispielsweise in der jüngsten Auflage seines Buchs Die Legionen des Augustus dem Römer-Reenactment einen qualitativen Verfall. Darüber sowie über einiges mehr – wie etwa Frauen in Rüstung, peinliche Schlachten-Reenactments und museumsdidaktische Kasperltheater – wird es in folgendem Interview gehen.


Lieber Herr Junkelmann, Ihr vor über dreißig Jahren durchgeführter Marsch über die Alpen verursachte Kosten von rund dreihunderttausend Mark. Sie mussten sogar eine kleine Eigentumswohnung verkaufen, um die Finanzierung der teuren Ausrüstung stemmen zu können. Nun hat sich seit damals einiges geändert; der von Ihnen mitausgelöste Living-History- bzw. Reenactment-Boom bewog zahlreiche Handwerker dazu, sich als Zulieferer der neu entstandenen Szene zu betätigen, was wiederum zu einem Sinken der Preise führte. Günstig ist beispielsweise eine hochwertige Legionärsausrüstung trotzdem nicht. Manch Einsteiger bedient sich daher bei Billigherstellern wie der indischen Firma Deepeeka. 
Was konkret stört Sie daran? Man könnte ja argumentieren, dass der Unterschied für die meisten Menschen rein optisch ohnehin nicht erkennbar ist und nur Insider bzw. Fachleute unhistorische Edelstähle usw. identifizieren können. Oder läuft hier mehr falsch?

Perfekte Authentizität bis hin zu den Materialien und Herstellungsweisen wird sich aus Zeit- und Fínanzierungsgründen gewiss nur in Ausnahmefällen erzielen lassen. Es kommt ja auch immer darauf an, ob ein Experiment mehr handwerklich-herstellungstechnischer oder einsatz-verwendungs-technischer Natur ist. In letzterem Falle ist es unwesentlich, ob ein Helm aus modernem Messingsblech getrieben worden ist oder ob man die Legierung selbst mit historisch korrekten Methoden hergestellt hat. Es geht hier nur um Form, Gewicht, Funktionsweise, da darf es keine Kompromisse geben, sonst werden optischer Eindruck und praktische Ergebnisse verfälscht. Unverständlich ist für mich, warum so viele Stücke „made in India“ in der Form und in den Proportionen falsch sind. Es richtig zu machen, wäre nicht teurer gewesen. Wenn solche Produkte dann museumsdidaktisch eingesetzt werden, dann ist das unseriös und geschieht auf Kosten der ernsthaften Handwerker und Darsteller.
Hier müsste von Museen und ähnlichen Institutionen mehr Qualitätsbewußtsein und Solidarität erwartet werden. Statt dessen glaubt man, auf diesem Gebiet nach dem Motto „Merkt ja niemand“ mogeln und Geld sparen zu können. Das zeigt, dass in Deutschland häufig experimentelle Archäologie und die lebendige Präsentation nach wie vor von vielen Museumsleuten als didaktisches Kasperletheater aufgefasst und nicht wirklich ernst genommen werden. Für irgendwelche modischen Mätzchen von Ausstellungsarchitekten werden dagegen horrende Summen herausgeworfen. Im Grunde stellt das Betrug am Publikum dar, denn die meisten Leute erwarten größtmögliche Authentizität, auch wenn nur eine – mittlerweile gar nicht so kleine –Minderheit es beurteilen kann. Man präsentiert den Leuten in den Vitrinen ja auch keine Fälschungen im Vertrauen darauf, dass es keiner merkt. Das ist eine Frage der Ehrlichkeit.


Was waren rückblickend die bedeutendsten Erkenntnisse, die Sie mit Limesritt und Alpenmarsch gewinnen konnten? In welchem Ausmaß war seinerzeit die Fachwelt überhaupt bereit, sich auf diese relativ neue Methode der Geschichtsforschung einzulassen? Und wie ist die Situation heute?
Problematisch scheint mir nämlich zu sein, dass der Begriff ‚Experimentelle Archäologie‘ in den letzten Jahren zunehmend verwässert wurde. Selbst das Binden eines Reisigbesens, das Färben von Wolle oder das Töpfern einer Schale wird von vielen Freilichtmuseen – und sogar Universitäten – bereits als Experimentelle Archäologie angepriesen. Setzt dieses permanente Trivialisieren die Leistungen von praxisbezogenen Forschern wie Ihnen nicht herab?

Es würde zu weit führen, hier die bei den diversen Experimenten gewonnenen Erkenntnisse zu diskutieren, zumal ich das in meinen beiden Büchern ausführlich getan habe. Erwähnen möchte ich hier nur die Erfahrungen mit dem steigbügellosen Reiten, dem römischen Hörnchensattel und dem Nachweis, dass sowohl die Maskenhelme des Militärs – zumindest die frühen Typen – , als auch die Gladiatorenhelme, wie sie durch die ausgegrabenen Originalstücke dokumentiert sind, keine reinen Paradewaffen waren, sondern durchaus im scharfen Einsatz verwendet werden konnten.
Grundsätzliche Vorbehalte von Fachseite hat es gegenüber meinen Unternehmungen überraschend wenige gegeben. Es überwogen von Seiten der Historiker und Archäologen ganz entschieden die Zustimmung und die Kooperationsbereitschaft. Da könnte ich sehr viele Namen im In- und Ausland nennen. Dass der Begriff „Experimentelle Archäologie“ inzwischen reichlich inflationär benutzt wird, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Oft handelt es sich um banale Selbstverständlichkeiten oder um das Nachäffen bereits geleisteter Experimente, meist mit unzureichenden Mitteln, aber mit vollmundigen Ansprüchen. Hochstapelei und geistiger Diebstahl sind gang und gäbe und werden oft von den Museen aus Gleichgültigkeit oder Knauserei gedeckt. Natürlich gefährdet das auch das Image der seriösen Gruppen.

Freilichtmuseen verfügen häufig über einen sogenannten wissenschaftlichen Beirat, der mit Fachleuten aus dem Geschichtsbetrieb besetzt wird. Und doch ist eine solche Einrichtung kein Garant für Qualität, wie manch Beispiel belegt. Auch TV-Dokumentationen, die seit einigen Jahren geradezu inflationär mit aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdigen Spielszenen aufgehübscht werden, sind problematisch, wie Sie beispielsweise in Ihrem Buch Hollywoods Traum von Rom kritisieren.
Ist es nicht unethisch, wenn Historiker und Archäologen ihren guten Namen schludrig umgesetzten Projekten zur Verfügung stellen – Stichwort „argumentum ad verecundiam“  – und diesen dadurch eine gewisse Legitimation verschaffen?
Die Sucht, Dokumentarfilme in Spielfilme mit unzureichenden Mitteln zu verwandeln, ist zu einer regelrechten Pest geworden. Leider lassen sich da viele Fachleute unkritisch und widerstandslos vereinnahmen, was teils mit mangelndem Interesse und Verständnis gegenüber dem Medium Film zusammenhängt. Das Verhalten der Filmemacher selber ist sehr unterschiedlich. Manche sind durchaus gutwillig und berücksichtigen Einwände und Vorschläge, manche aber – vor allem unter den Produzenten – sind völlig uneinsichtig und reiten auf einer kontraproduktiven künstlerischen Autonomie herum, bei der es sich meist um die ewige Wiederholerei abgedroschener Klischees handelt und um den Irrtum, Authentizität sei notwendigerweise langweilig.
Man kommt da in ein echtes Dilemma – kann ich mich aus Frustration vor der Verantwortung drücken und den Krempel hinwerfen, oder gefährde ich durch erzwungene Kompromisse die Vertretbarkeit des Ergebnisses und meinen guten Namen, um wenigstens das Schlimmst zu verhüten? Nicht umsonst habe ich das einschlägige Kapitel meines Buches „Die Leiden des historischen Beraters“ genannt.
Man fragt sich auch oft, welche Rolle die „wissenschaftlichen Beiräte“ beispielsweise bei der Gestaltung der Museumsshops spielen. Denn da wird vielfach ein peinlicher Mist angeboten, als bestünde das Publikum nur aus Kindern und kindischen Erwachsenen. Dass es auch anders geht, kann man in den angelsächsischen Ländern sehen.
Den langjährigen Lesern dieses Blogs dürfte einer dieser schrägen Museumsshops – nämlich jener der baden-württembergischen Mittelalterbaustelle Campus Galli – noch gut in Erinnerung sein 😉. Es handelt sich dabei sozusagen um ein Paradebeispiel, das Ihre Kritik aufs Anschaulichste bestätigt.


In den vergangenen Jahren wurde gelegentlich von Journalisten und Historikern Schlachten-Reenactment kritisiert: Da würde von ein paar kostümierten Hanseln zum Gaudium der Massen der Krieg verherrlicht, hieß es.
Ist das zutreffend? Oder ist Schlachten-Reenactment aus anderen Gründen problematisch – etwa weil dem Publikum aus Mangel an Darstellern fast nie die tatsächliche Dimension einer militärischen Auseinandersetzung vermittelt werden kann?

Schlachten-Reenactments sind in der Tat ausgesprochen problematisch. Gerade wenn Hunderte oder gar Tausende bei einem Großreenactment auftreten, entsteht der Eindruck realistischer Dimensionen, obwohl niemals mehr als ein kleiner Bruchteil der damals tatsächlich anwesenden Massen vertreten ist. Es entsteht so eine Art riesiges Zinnfigurendiorama, bei dem gleichfalls Bataillone von 500 Mann von 30-Mann-Trupps dargestellt werden. Dieser vorgegaukelte Realismus wirkt unweigerlich verniedlichend. Besonders peinlich wird es, wenn ein paar Leute umfallen und Leichen simulieren, um ein paar Minuten später wieder aufzustehen. Da degeneriert die „blutige“ Schlacht schnell zum Kasperletheater, zumal wenn sich das Spektakel auf einer Art Fußballfeld unter Volksfestcharakter abspielt. Man sollte bei ausreichender Masse lieber kleinere Formationen 1:1 darstellen, Kompanien, Bataillone, Eskadrons statt Dutzende von Zwergeinheiten mit viel zu vielen Fahnen, Offizieren und Spielleuten herumturnen zu lassen. Und es sollte alles exerzier- oder manövermäßig ablaufen, aber niemals realen Kampf zu suggerieren versuchen. Mit Feuerwaffen würde es noch halbwegs gehen, aber mit Blankwaffen ist es hoffnungslos. Stellen Sie mal eine Kavallerieattacke realistisch nach mit Einbruch, Einhauen und allem! Man denke nur an das alberne Rumgeschiebe der Infanterie mit senkrecht gehaltenen Spießen oder Bajonetten.

Was halten Sie von Frauen in Männerkleidung bzw. Kampfausrüstung, wie sie beispielsweise im Vorjahr vermehrt beim ‚1066‘-Reenactment in Hastings zu sehen waren? Es erscheint mir nämlich äußerst widersprüchlich, wenn Darsteller einerseits akribisch an ihrer Austattung feilen, andererseits aber historische Rollenbilder grob missachten. Könnte sich daraus nicht ein ernsthaftes Glaubwürdigkeitsproblem für die lebendige Geschichtsdarstellung ergeben? 

Frauen in Rüstungen und Uniformen sind schlicht lächerlich. Man erkennt die Fälschung in aller Regel schon auf 20 Meter. Besonders bizarr sind in letzter Zeit die überall aus dem Boden schießenden weiblichen Gladiatoren. Gewiss, es hat hat sie ganz vereinzelt gegeben – gerade eine einzige bildliche Darstellung mit zwei Namen unter Tausenden von Männern ist dokumentiert. Man sollte nicht ausgerechnet krasse Ausnahmefälle in Szene setzen und so ein ganz schiefes Bild vermitteln. Und vor „oben ohne“ scheut man dann doch zurück (Gott sei Dank!). Generell ist zu beachten, dass die Physiognomie und ganz besonders auch die Haar- und Barttracht, Make-up, Brillen Tätowierungen u.ä. organischer Teil des gesamten Erscheinungsbildes sind und nicht ausgeblendet werden dürfen – wie dies von einigen Stilbruchfanatikern sogar gefordert wird. Das zerstört alles. Auch wenn es politisch inkorrekt ist – es kann nicht jede(r) alles darstellen, ohne eine Farce zu veranstalten.

Glaubt man den Statistiken, dann steigt in Westeuropa das Bildungsniveau/die Akademikerquote beständig an. Ist dieser Umstand, wie manche Leute meinen, tatsächlich dafür mitverantwortlich, dass sich immer mehr Menschen mit Lebendiger Geschichte beschäftigen? 
Böse Zungen behaupten nämlich, das Mehr an Akademikern erkaufe man sich mit einem drastischen Absenken der Bildungsstandards. Viele geisteswissenschaftliche Unis seien daher längst zu Titelmühlen für Kompetenz-Attrappen herabgesunken.

Das angeblich steigende Bildungsniveau halte ich in der Tat vornehmlich für eine Verdrängung der Qualität durch Quantität, wie das ja von vielen Bildungspolitikern unverblümt eingefordert wird. Was wir mit dem akademischen Schrott anfangen sollen, der da in wachsender Menge produziert wird, ist mir schleierhaft.

Marcus Junkelmann vor rund drei Jahrzehnten als
römischer Centurio zur Zeit des Augustus.

Man beachte die auffälligsten Kennzeichen dieses
Ranges: Quergestellter Helmbusch (crista transversa),
Rebenstock (vitis), versilberten Beinschienen (ocrea)
 und das im Gegensatz zu normalen Soldaten nicht
rechts sondern links getragene Kurzschwert (gladius).
Aus dem Buch: „Die Legionen des Augustus“
Herbert Utz Verlag 2015 | (C) Marcus Junkelmann

Nach über 30 Jahren Living History und Reenactment hängen Sie dieser Tage Ihre caligae an den Nagel. Viele werden das sicher bedauern.

Ich hänge die caligae an den Nagel, weil meine Freunde und ich einfach durch die Billigkonkurrenz verdrängt und kaum mehr engagiert werden. Es ist bitter, an Orten, wo man selbst vor Jahrzehnten das Ganze in die Wege geleitet hat, die Plagiatoren sich wichtigtuerisch in Szene setzen zu sehen und mehr schlecht als recht das vorführen, wofür ich in vieljähriger, aufwendiger Arbeit die Recherche geleistet und die Prototypen geschaffen habe. Eine besonders fragwürdige Tendenz ist es, ausgerechnet die römische Gladiatur zur Kinderbespaßung zu missbrauchen und nach Art der leidigen Ritterturniere auf Mittelaltermärkten ablaufen zu lassen  – einschließlich Herz- und Schmerz-Handlung.
Ich bin nun viele Jahre lang vor den Plagiatoren von einem Thema zum anderen geflohen – Legionäre, Küche, Kavallerie, Gladiatoren, stets wurde ich, nachdem ich die Ergebnisse – ganz im Gegensatz zu fast allen anderen Gruppen – ausführlich publiziert hatte, eingeholt und habe jetzt allmählich von der Römerei genug. Für wirklich qualitätvolle Projekte bin ich nach wie vor zu haben, wenn ich auch fürchten muss, das mangels Einsätzen sich meine Gruppe allmählich auflöst!


Das wäre sehr schade! Doch zumindest als Autor bleiben Sie uns sicher auch weiterhin erhalten. Vielleicht können Sie abschließend einen kleinen Ausblick auf geplante Bücher und andere Projekte geben?

Ich versuche nun, in der Schlossanlage Schleißheim eine schöne, facettenreiche Barockveranstaltung zu etablieren, die enorm ausbaufähig ist. An einschlägigen Büchern bereite ich vor allem in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Park Carnuntum eine völlig überarbeitete und erweiterte, um einen beiliegenden DVD-Film bereicherte Auflage meines seit langem vergriffenen Buches „Galdiatoren. Das Spiel mit dem Tod“ vor, das in einem Jahr unter dem Titel „Die Söhne der Nemesis“ im Nünnerich-Asmus-Verlag erscheinen wird. Für den Pustet Verlag soll ich ein Büchlein genau zu unserem Thema schreiben: Römisches Reenactment. Da muss ich eigentlich nur noch die Bebilderung zusammenstellen. Für den Zauberfeder-Verlag arbeite ich an einem Buch zur römischen Zivilkleidung. Und der Beck-Verlag hat ein großes Handbuch zur römischen Militärgeschichte 750v.Chr. – 450 n.Chr. in Auftrag gegeben, das mit 750 Seiten veranschlagt ist. Das wird noch etwas dauern.

Auf diese Bücher freue ich mich schon sehr! Und vielen lieben Dank, Herr Junkelmann, dass Sie uns so ausführlich Auskunft gegeben haben.



UPDATE: Auf die vereinzelt im Kommentarbereich geäußerte Gegenkritik antwortet Herr Junkelammann in folgendem Beitrag ausführlich.


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