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„Immer ein verfolgter Nazi?“: Erwin Otto Schmidts NS-Biographie als Nachkriegsnarrativ (Kapitel 3)

Nach den persönlichen Schicksalsschlägen der letzten Kriegsmonate – der Zerstörung seines Karlsruher Hauses und dem Tod seiner Ehefrau – verlor Erwin Otto Schmidt mit dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ seine berufliche Stellung: Als Altparteigenosse der NSDAP wurde er auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung im September 1945 aus seinem Amt als Oberregierungsrat im badischen Kultusministerium, in

„Immer ein verfolgter Nazi?“: Erwin Otto Schmidts NS-Biographie als Nachkriegsnarrativ (Kapitel 3)

Nach den persönlichen Schicksalsschlägen der letzten Kriegsmonate – der Zerstörung seines Karlsruher Hauses und dem Tod seiner Ehefrau – verlor Erwin Otto Schmidt mit dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ seine berufliche Stellung: Als Altparteigenosse der NSDAP wurde er auf Anordnung der amerikanischen Militärregierung im September 1945 aus seinem Amt als Oberregierungsrat im badischen Kultusministerium, in

„Immer ein verfolgter Nazi?“: Dauerstreit mit den Parteigenossen als Oberregierungsrat im badischen Kultusministerium (Kapitel 2)

Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler endete die erste von drei Phasen, in denen Erwin Otto Schmidt – so schilderte er selbst es in der rückschauenden Konstruktion seiner Biographie – jeweils wegen seiner politischen Überzeugungen verfolgt wurde. Unmittelbar nach dem 30. Januar 1933 legte der von Pforzheim nach Mannheim strafversetzte Gewerbeschullehrer jegliche politische Zurückhaltung

„Immer ein verfolgter Nazi?“: Die Wege des nationalsozialistischen Beamten Erwin Otto Schmidt in drei Kapiteln

Der Verfasser dieser Zeilen hat, wie seine Kolleginnen und Kollegen an den anderen Projektstandorten vermutlich auch, bei den Archivrecherchen manche Beamtenbiographie eher geschäftsmäßig zur Kenntnis genommen, weil sich die Karriereverläufe doch häufig ähneln und das überlieferte amtliche Aktenmaterial nur selten einmal nähere Anschauungen von Persönlichkeitsprofilen erlaubt. Umso einprägsamer sind die Ausnahmefälle, in denen die Beamten

Die Feierlichkeiten an den Jahrestagen der nationalsozialistischen Machtübernahme in Baden 1934–1943

Der prall gefüllte politische Festkalender des „Dritten Reiches“, der sich vom „Tag der nationalen Erhebung“ am 30. Januar bis zum „Gedenktag für die Bewegung“ am 9. November erstreckte, bot regionalen Sonderentwicklungen wenig Raum, jedenfalls sofern eine erinnerungspolitische Übersättigung vermieden werden sollte. Gleichwohl versuchten die badischen Nationalsozialisten, den Tag der Machtübernahme in Karlsruhe – als Bezugspunkte

„Nimm den Ausdruck, den Du in guter Mundsprache verwenden würdest.“ Forderungen zur Amtssprache des Beamtentums im Nationalsozialismus

Auch wenn Hitlers Abneigung gegen jedwede Bürokratie, sein außerhalb jeder Verwaltungsroutine liegender Regierungsstil und wohl nicht zuletzt das Agitieren der Nationalsozialisten gegen ein vermeintliches „Parteibuchbeamtentum“ seit den zwanziger Jahren den staatlichen Verwaltungseliten ein überaus schlechtes Image bescherten: Das Beamtentum war ein elitärer Berufsstand, der in seiner traditionell staatstragenden Funktion, mit der Expertise und seiner berufsständischen

„Das war mein großer Leidensweg“: Warum der Arbeiter Friedrich Müller für eine „Schutzhaftstrafe“ im Jahr 1933 nicht entschädigt wurde

Zu den wiederkehrenden Erfahrungen der Archivarbeit gehört es, bei der Aktenaushebung Nieten zu ziehen. Im Rahmen unseres Forschungsprojekts hat sich die Gefahr solcher Fehlgriffe bei den biographischen Recherchen als recht groß erwiesen, etwa wenn Personal-, Versorgungs-, Spruchkammer- oder Wiedergutmachungsakten von Ministerialbeamten gesichtet werden, die Allerweltsnamen trugen. So erhielt der Verfasser dieser Zeilen, auf der Suche

„dass aber das Leben der Gendarmeriebeamten wertvoller ist als der zweifelhafte Erfolg einer Geheimhaltung“: Zielkonflikte bei der Durchführung des Gesetzes „zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“

An den nationalsozialistischen Unrechts- und Gewaltmaßnahmen waren die badischen und württembergischen Landesministerien in vielerlei Hinsicht beteiligt – in besonders starkem Maße auf dem Feld der „Gesundheitspolitik“. Dies spiegelt sich auch darin wider, dass unmittelbar nach dem Untergang des „Dritten Reiches“ von der kollektiven Schuldverdrängung – alles Unheil sei aus Berlin gekommen, und in Karlsruhe und

Vermittlung der Ergebnisse

Wie vermittelt man wissenschaftliche Ergebnisse? Welche Möglichkeiten einer populärwissenschaftlichen Verbreitung historischer Themen und geschichtswissenschaftlicher Forschungen gibt es? Eine dieser Vermittlungsmöglichkeiten nutzen Sie gerade schon – Sie lesen den Tagungsblog #Bonn1648, der Ihnen nicht nur vor der Konferenz die Möglichkeit bietet, sich über die Sektionen und Beiträge zu informieren, sondern über den Sie auch im Nachgang Mehr »

Der Ministerialrat Herbert Kraft und das französische Auto. Verwaltungspraxis in Karlsruhe und Straßburg zwischen „totalem Krieg“ und profaner Klüngelei

Im Frühjahr 1933 ins Amt gekommen war Herbert Kraft (1886–1946) als Ministerialrat und Abteilungsleiter für Höhere Schulen im badischen Kultusministerium mit weitgehenden gestalterischen Befugnissen beim Umbau der Landesschulverwaltung nach nationalsozialistischen Vorstellungen ausgestattet. Kraft hatte vor der Machtübernahme für die NSDAP im Badischen Landtag gesessen und von dort den demokratischen Staat, von dem er als Gymnasiallehrer

Badische Koalitionsverhandlungen am Vorabend des nationalsozialistischen Staatsstreichs vom 9. März 1933

Über die unmittelbare Vorgeschichte der Einsetzung der zunächst provisorischen nationalsozialistischen Landesregierung in Baden am 11. März 1933 ist recht wenig bekannt. So konnten die Ereignisse bislang im Wesentlichen nur anhand der zeitgenössischen Presseberichterstattung rekonstruiert werden, auf die sich auch die einschlägige Darstellung Horst Rehbergers in seinem 1966 erschienenen Buch „Die Gleichschaltung des Landes Baden 1932/33“

Eine Honigfalle im badischen Staatsministerium: Wie der Ministerialrat Karl Frech um Amt und Ruhegehalt gebracht wurde

Als Nebenpublikation des Forschungsprojekts erscheinen in wenigen Tagen in der Quellenreihe der Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg die Lebenserinnerungen des badischen Ministerialbeamten Friedrich Karl Müller-Trefzer, der in unserem Blog schon mehrfach präsent war, zuletzt als Besitzer einer nationalsozialistischen Beamtenuniform. Seine Lebenserinnerungen sind – auch darüber wurde im Blog schon berichtet – der Selbstrechtfertigungsversuch eines

Blog zur Visualisierung von kulturellen Sammlungen

Du willst was wissen? Dann stell die richtige Frage! Ich habe das Gefühl, dass dies das Credo vieler Archive ist. Wo man im analogen Bereich verständlicher Weise argumentieren kann, dass die NutzerInnen nicht einfach im Magazin stöbern können, so haben wir im Digitalen endlich die Möglichkeiten diese Barriere zu entfernen. Und dennoch verstecken wir den Reichtum unserer Archive hinter einem weißen Kasten, der wie ein Türsteher im angesagtesten Club nach dem Passwort fragt – oder eben nach einem Suchbegriff. Aber seit einigen Jahren gibt … Blog zur Visualisierung von kulturellen Sammlungen weiterlesen

„Ich hoffe, dass sie Ihnen noch nützlich sein kann“ – Wie der Justizminister Josef Beyerle nach 1945 für seine ehemaligen Kollegen eintrat

Ein besonders spannender Fall in der württembergischen Justizgeschichte ist die Person Josef Beyerle (1881-1963). Beyerle, Zentrumspolitiker, in der Weimarer Zeit enger Vertrauter von Eugen Bolz und nach 1945 Mitbegründer der württembergischen CDU, war zwischen 1923 und 1933 Justizminister Württembergs und wurde unmittelbar nach Kriegsende abermals von den Alliierten mit der Leitung des Justizressorts im neu

Zeit für die Familie – Elternzeit als Selbstständiger

Als ich Mitte 2015 mit Johannes beschlossen hatte ein Unternehmen zu gründen, war Mareike bereits schwanger. Ich bin immer noch etwas enttäuscht, dass in solchen Phasen die Dauerbefristungen der Wissenschaft und selbst der öffentliche Dienst uns als Familie keine Sicherheit bieten konnten, wie ich es erhofft hatte. Aber ich trauere der Entscheidung und der Zeit dort keine […]

Über diesen Blog

Soziale Netzwerke, partizipative Medien, das „Web 2.0“ im Allgemeinen, sind sichtbarer Ausdruck eines veränderten Informations-, Interaktions- und Kommunikationsverhaltens, das längst zu unserer alltäglichen Lebensrealität gehört. Bereits 2009 nutzten nach einer ARD/ZDF-Online-Studie über 90 %…

Die Allgemeine Beamtenuniform des Ministerialdirektors Friedrich Karl Müller-Trefzer. Oder: Was leitende Beamte ohne Parteiuniform trugen

Für die Repräsentation des nationalsozialistischen Staates gegenüber der eigenen Bevölkerung, den Menschen in den besetzten Gebieten und dem Ausland spielten Uniformen eine wichtige Rolle. Schon vor der Machtergreifung 1933 hatten insbesondere die Braunhemden der SA eine große Bedeutung für Auftreten und Selbstverständnis der Nationalsozialisten gehabt. Trotzdem bilden Uniformen in der geschichtswissenschaftlichen Forschung zum Nationalsozialismus ein

Ein ungeschriebener Persilschein: Warum der demokratische Politiker und Psychologieprofessor Willy Hellpach dem badischen NS-Kultusminister Paul Schmitthenner eine Absage erteilte

Wie anderen Projektmitarbeiterinnen und Projektmitarbeitern verursacht auch dem Verfasser dieser Zeilen die regelmäßige Lektüre von Spruchkammerakten inzwischen mitunter Verdruss. Einerseits sind sie unverzichtbare Quellen, um Daten und andere Informationen zu politischen Biographien zu erschließen; andererseits erweisen sich die vom Volksmund rasch zu „Persilscheinen“ deklarierten Leumundszeugnisse zugunsten Betroffener, die erhebliche Teile der Spruchkammerakten ausmachen, als nicht

Wie der Rechtsanwalt Hans Elsas 1933 um seine Zulassung kämpfte

Mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ (BBG) vom 7. April 1933 wurde zugleich das „Reichsgesetz über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft“ erlassen. Beide Gesetze zielten vor allem darauf ab, einerseits „Nichtarier“, also Juden und in der perfiden Kategorisierung des NS-Staates zu Juden erklärte Personen, und andererseits politisch unliebsame Beamte aus dem Staatsdienst und der Justiz

Im Schatten der nationalsozialistischen „Euthanasie“? Die Karriere der elsässischen Regierungssekretärin Gertrud Erna Wolff

Ein Teil unseres Forschungsprojekts widmet sich der nationalsozialistischen Herrschaft im Elsass, die vornehmlich aus dem angrenzenden Baden durch die dortigen Landesministerien organisiert wurde. In einem Hauptseminar, das Prof. Sylvia Paleletschek und Dr. Marie Muschalek im Wintersemester 2016/17 anboten, beschäftigten sich Studierende der Universität Freiburg mit dieser Grenzgeschichte. Der folgende Beitrag ist Teil einer Reihe von

Ausgleichszahlungen an „verfolgte“ Nationalsozialisten durch die badische Ministerialbürokratie

Zu den wichtigen Versatzstücken nationalsozialistischer Propaganda zählten nach der Machtübernahme die Pflege der Erinnerung an die vermeintlich heroische Kampfzeit der NSDAP vor 1933 und die Würdigung des persönlichen Einsatzes „Alter Kämpfer“, ohne deren Standhaftigkeit und Prinzipientreue, so die Legende, die Eroberung der politischen Macht nicht hätte gelingen können. Ein besonderer Prestigegewinn wurde den echten „Märtyrern“

„Französische Schminke weicht altem deutschem Kulturgut“ – Die „Germanisierung“ Straßburgs am Beispiel der Umbenennung von Straßen und Plätzen

Ein Teil unseres Forschungsprojekts widmet sich der nationalsozialistischen Herrschaft im Elsass, die vornehmlich aus dem angrenzenden Baden durch die dortigen Landesministerien organisiert wurde. In einem Hauptseminar, das Prof. Sylvia Paleletschek und Dr. Marie Muschalek im Wintersemester 2016/17 anboten, beschäftigten sich Studierende der Universität Freiburg mit dieser Grenzgeschichte. Der folgende Beitrag ist Teil einer Reihe von

Personalpolitik und Karrierismus am Rockzipfel des nationalsozialistischen Besatzungsregimes. Die Verdrängung des Leiters einer elsässischen Heil- und Pflegeanstalt 1940

Ein Teil unseres Forschungsprojekts widmet sich der nationalsozialistischen Herrschaft im Elsass, die vornehmlich aus dem angrenzenden Baden durch die dortigen Landesministerien organisiert wurde. In einem Hauptseminar, das Prof. Sylvia Paleletschek und Dr. Marie Muschalek im Wintersemester 2016/17 anboten, beschäftigten sich Studierende der Universität Freiburg mit dieser Grenzgeschichte. Der folgende Beitrag ist Teil einer Reihe von

Vom Fundus zum Kubus II – Seit drei Jahren mit jungen Menschen Akten sichten und sichtbar machen

Einen ersten Bericht zum Projekt finden Sie hier. Als im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „NS in Karlsruhe“ 2014 ein schulübergreifender Seminarkurs entstand, war den Beteiligten nicht wirklich bewusst, was für eine einmalige Verbindung und Möglichkeit damit geschaffen wurde, lokale NS-Geschichte gemeinsam mit SchülerInnen der Oberstufe des Bismarck-, Goethe- und Helmholtz-Gymnasiums, näher kennenzulernen, aufzuarbeiten und sie mithilfe

Blog zum Sächsischen Archivtag gestartet

Der VdA-Landesverband Sachsen organisiert alle zwei Jahre den Sächsischen Archivtag. 2015 konnten aufgrund der sehr guten räumlichen und technischen Rahmenbedingungen in der Universität Chemnitz Livestream und Chat angeboten werden. 2017 sind die Möglichkeiten – in der Gedenkstätte Bautzner Straße in Dresden – beschränkter. Das war nun Anlass, ein Tagungsblog ins Leben zu rufen: Es ist ab sofort als Unterseite des VdA-Blog hier zu erreichen. Der diesjährige Sächsische Archivtag stellt grundsätzliche archivpolitische Fragen und beleuchtet die aktuelle Situation von „Archiven im Umbruch“. Mit dem Blog … Blog zum Sächsischen Archivtag gestartet weiterlesen

„Wenn ich durchs Dorf lief, hörte ich ‚Lueg do, d‘r Ditsche!’“ – Kindheitserinnerungen von Heiko Heitmann an zwei Jahre im besetzten Elsass

Ein Teil unseres Forschungsprojekts widmet sich der nationalsozialistischen Herrschaft im Elsass, die vornehmlich aus dem angrenzenden Baden durch die dortigen Landesministerien organisiert wurde. In einem Hauptseminar, das Prof. Sylvia Paleletschek und Dr. Marie Muschalek im Wintersemester 2016/17 anboten, beschäftigten sich Studierende der Universität Freiburg mit dieser Grenzgeschichte. Der folgende Beitrag ist Teil einer Reihe von

Wie sieht ein arischer Ochse aus? Politischer Witz im badischen Finanz- und Wirtschaftsministerium

Über das alltägliche Arbeitsklima in der südwestdeutschen Ministerialbürokratie im „Dritten Reich“ würden der Verfasser dieser Zeilen und auch die anderen Projektbeteiligten gerne verallgemeinernde Aussagen treffen. Inwieweit wurden traditionelle hierarchische Beziehungen durch neue politische Machtstrukturen überlagert? Wie gestaltete sich die Bürogemeinschaft von Partei- und Nichtparteigenossen? Über welche nicht-dienstlichen Themen sprachen die Beamten und Angestellten während ihrer

„Jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat“? – Die Gleichschaltung des Vorstands der Saline Friedrichshall

Der aus dem rheinischen Kreis Düren stammende Oberbergrat Peter Thuir sah 1934 seinem verdienten Ruhestand entgegen. Seit 1928 hatte der gebürtige Katholik die Saline Friedrichshall mit Kochendorf und die dazugehörigen Salinen Clemenshall und Wilhelmshall geleitet. Zu seinem Aufgabengebiet gehörten auch Aufsichtsfunktionen über die Reederei Schwaben, die er gemeinsam mit Finanzminister Alfred Dehlinger wahrnahm. Aus Thuirs

Das erste MünsterCamp: Macht Münster digital!

Am 24. Februar fand das erste MünsterCamp statt. Es fand nicht nur in Münster statt sondern auch das Thema war: Münster. Jetzt könnte man sich fragen: Was macht der Bonner in Münster? Aber die beiden Städte haben viel gemeinsam. Und der Austausch beim Barcamp war einfach toll! Bonn möchte Fahrradhauptstadt 2020 werden – Münster wächst immer weiter und erstickt […]