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Tag Archive for Kulturgut

Brandstiftung in römischer Villa

In der Nacht vom 6. zum 7.9.2017 brannte der Schutzbau der spätantiken römischen Villa von Faragola bei Ascoli Satriano in Mittelitalien ab. Seit 2003 hatte die Universität Foggia in der Villa Asgrabungen durchgeführt und dabei im Badegebäude mehrere Mosaiken freigelegt. Diese wurden konserviert und mit einem hölzernen Schutzbau geschützt, der 2009 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Demnächst sollte als dritter Ausbauschritt ein Informationszenter eingerichtet werden.

Bald nach dem Vorfall wurde in den italienischen Medien über einen Brandanschlag spekuliert. Branbeschleuniger oder Sprengstoff soll im Spiel gewesen sein. Über die Hintergründe der Tat und eine Verwicklung der Mafia wird spekuliert, doch sind bisher offenbar keine Untersuchungsergebnisse publik geworden. Der Parlamentsabegordnete Michele Bordo verspricht einen Restaurierung bzw. Rekonstruktion der Fundstelle.

 

Links

zur Fundstelle

3D-Rekonstruktionen

zum Brand

Literatur

  • Giuliano Volpe, Maria Turchiano, La villa tardoantica e l’abitato altomedievale di Faragola (Ascoli Satriano). Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Römische Abteilung, 118, 2012, 455-491.

Die Archäologie hat die Marktkrankheit. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen und werfen die Geschichte weg.

Ende 2016 berichtete der Stockholmer Archäologe Johan Runer in der schwedischen Zeitschrift Populär Arkeologi über die in Schweden bei kommerziellen Grabungsfirmen gängige Praxis, Funde, die aufgrund der engen Finanzkalkulation nicht restauriert werden können, wegzuwerfen oder zu schreddern.
Runer benannte konkret zwei Ausgrabungen in Lund und  Molnby, bei denen Funde wie Kupfermünzen, Knöpfe, Beschläge, ein Messer, ein Blech mit Ornamenten sowie mehrere unidentifizierte Gegenstände weggeworfen worden sein sollen.
Ausgrabungen in Schweden 2013
(Foto: Västgöten [CC BY SA 3.0] via WikimediaCommons)
Rettungsgrabungen werden in Schweden – wie in manchen deutschen Bundesländern – mit privaten Gabungsfirmen vorgenommen, die sich mit einem entsprechenden Angebot für den Auftrag bewerben. Je weniger Funde zur Restaurierung vorgesehen sind, um so günstiger lässt sich das Auftragsangebot kalkulieren. 
Allerdings gibt es entsprechende Direktiven, die Funde auszudünnen, bereits von den staatlichen Auftraggebern. Runer schreibt:

„Oft, besonders bei kleineren Untersuchungen, lautet die Anweisung der Landesregierung, so wenig Funde wie möglich aufzuheben. Formulierungen wie „Es werden keine Funde aufgehoben“ oder „Die Fundeinsammlung wird äußerst restriktiv sein“ sind eher die Regel in den Direktiven. Auch bei den größeren Untersuchungen wird wesentlich mehr weggeworfen als früher.“ (Übersetzung: unzensuriert.at)

Das Vorgehen ist unverantwortlich, wenn es auch Situationen gibt, in denen Funde aus praktischen Gründen kassiert werden müssen. Es gibr Situationen auf Grabungen, bei denen Funde in so großer Zahl anfallen, dass letztendlich nicht alles geborgen, gelagert und restauriert werden kann. Das gilt beispielsweise für Dachziegel, bisweulen auch für Nägel oder Grobkeramik. Aber auch dann ist sicherzustellen, dass die Quelleninformationen gesichert werden, etwa durch gezielte Stichproben oder durch eine Kurzaufnahme vor Ort, die in Zeiten der Digitalkamera auch eine rasche fotographische Dokumentation umfassen kann.  Das Problem ist weniger das Wegwerfen als vielmehr das finanzielle Auswahlkriterium. In jedem Fall müssen die Funde in der Grabungsdokumentation erfasst werden, so dass zumindest Kartierungen möglich sind. Nicht jeder Ziegel kann beispielsweise archiviert werden, zumal seine Aussagen eher in der Fundkartierung liegt, die dann wichtige Hinweise auf die Rekonstruktion des Dachs eines Hauses geben kann.
Entscheidend  dürfen letztlich nur wissenschaftliche Fragestellungen sein, eine verantwortungsbewusste Entscheidung ist durch den Grabungsleiter oder erfahrene Wissenschaftler zu treffen, nicht, wie das in Schweden Praxis zu sein scheint, schon am Befund durch die betreffenden, meist eher weniger erfahrenen  Ausgräber.
Auch scheint nach Runers Artikel in den Berichten nicht immer klar kommuniziert zu werden, was denn nun entsorgt worden ist. Immerhin listet der von Runer zitierte Bericht einer Grabung in Lund die weggeworfenen Objekte kurz auf. Insgesamt erinnert die Praxis mehr an ein Vertuschen als an Wissenschaft, die eben situativ reagieren muss und nicht mit standardisierten Abläufen zu leisten ist.
Gegenüber dem Svenska Dagblatt kommentiert Johan Runer:

Wir werfen unsere Geschichte weg! […] Es ist völlig verrückt, aber diese Branche hat die Marktkrankheit bekommen. Wir tun so, als würden wir Geschäfte machen.

Das ist ein Skandal, aber gleichzeitig zeigt der Artikel von Runer, dass die wissenschaftliche Selbstkontrolle prinzipiell funktioniert. Allerdings müssen dann jetzt auch rasch Konsequenzen gezogen werden und die betreffende Praxis abgestellt werden. Dass Runers Artikel kaum Resonanz gefunden hat, ist allerdings bedenklich. In einer Stellungnahme betont das Riksantikvarieämbetet die Priorität der wissenschaftlichen Kriterien. Bei dem zitierten Fall aus Lund seien moderne Gegensände ausgesondert worden (spätes 18. Jahrhundert und jünger [was seinerseits in der Tat noch viel zu wenig diskutierte Fragen nach dem Umgang mit der Neuzeitarchäologie aufwirft]). Inzwischen seien die Verfahren insofern geändert, als die Konservierungskosten bei den Preisangeboten für die Grabungen herausgenommen wurden. Das Problem liegt auch hier in der Nachfinanzierung der Grabungen, die bei einem Verursacherprinzip oft die Auswerungs-, Restaurierungs- und Lagerkosten außer Acht lässt. 

Wasser auf die Mühlen rechter Verschwörungstheoretiker

Natürlich  nutzen einige Kreise diese Nachrichten um gegen professionelle Archäologie Stimmung zu machen. In der European Union Times, einem rechten Propagandaorgan wird der Vorgang als Teil einer Verschwörung dargestellt: „The struggle to erase Swedish history, break down Swedish culture and force the Swedes to assimilate into the multicultural globalist phenomenon is going according to plan.“ Als Quelle wird ein Verweise auf The Daily Westerner News gesetzt, das die Geschichte mit einem Symbolbild mit antisemitischer Symbolik verknüpft.

Links

2016 kamen fünf wertvolle mittelalterliche Drucke des Mönchs Gallus Kemli in die Stiftsbibliothek St. Gallen zurück

https://www.nzz.ch/panorama/stiftsbibliothek-st-gallen-die-rueckkehr-mittelalterlicher-drucke-ld.17837 „Die 41 Drucke Kemlis wurden [1930] an eine Auktion nach Berlin gegeben, wo sie 150 000 Mark lösten. Der damalige Stiftsbibliothekar kommentierte den Notverkauf, der als Sündenfall in die Geschichte der St. Galler Stiftsbibliothek einging, «in Schmerz und Scham». … Weiterlesen

Stralsunder Hevelius-Druck im Handel

Vorhin erhielt ich eine Mail, aus der ich dankbar zitiere: „der Marquard-Hevelius aus Stralsund, seinerzeit von Reiss vertickt, https://kulturgut.hypotheses.org/253 ist im Handel aufgetaucht. https://www.davidbrassrarebooks.com/pages/books/02208/athanasius-kircher/selenographia-sive-lunae-descriptio-dissertatio-de-nativa-saturni-facie-bound-with-epistola-de/?soldItem=true Hat den Vermerk “Out of stock”. Hat Stralsund das Stück zurückgekauft?“

Bücher und Handschriften aus Altomünster befinden sich im Diözesanarchiv München

https://www.academia.edu/34471530/Update_September_2017_Library_of_the_Birgittine_Monastery_of_Altom%C3%BCnster_Books_Currently_at_the_Diocesan_Archives_in_Munich „We can confirm our previous assessment, that the library at Altomünster held the largest and most important collection of Birgittine texts worldwide.“ Zuvor: https://archivalia.hypotheses.org/?s=altom%C3%BCnster&submit=Suchen

Kulturgut in Syrien und Irak (August 2017)

Daesh wird weiter zurückgedrängt und hat seine direkten Verbindungen zur türkischen Grenze verloren.
Damit ist für Daesh auch der direkte Handelsweg von Antiken unterbrochen, der in den frühen Jahren des Bürgerkriegs in Syrien immer wieder dokumentiert werden konnte, freilich ohne dass das Plünderungsgut nur von Daesh gekommen ist.
In der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt blieb die Tatsache, dass sich Daesh nahe der syrischen Grenze auch im Libanon festgesetzt hat. Er hält Gebiete am Rand der Grenzstädte Ras Baalbek (nicht zu verwechseln mit dem archäologisch bedeutenden Baalbek) und Al-Kaa. Die libanesische Armee hat nun eine Offensive gestartet, um Daesh hier zu vertreiben. 

 Allgemeinere Medienberichte

Antikenmarkt

    Schadensberichte

    Mossul

    Raqqa

    Aleppo

    Resafa

    Rettung syrischer Manuskripte

        Verfolgung und Ermittlung geplünderter archäologischer Funde

        Britische Experten fordern ein Gremium, das gezielt den Verbleib und die Provenienzen archäologischer Funde aus Syrien und Irak ermittelt

        Gleichzeitig gibt es aber Bestrebungen die Abteilung bei Scotland Yard zu schleßen, die für Kunst- und Antikendelikte zuständig ist. Drei Beamte wurden für die Ermittlungen zum Brand des Grenfell Tower abgezogen. Dass damit die ganze Abteilung auf dem Spiel steht, zeigt den geringen Stellenwert, der der Kunst- und Antikenkriminalität eingeräumt wird..

        Rashid International

        RASHID International e.V. ist ein weltweites Netzwerk von Archäologen und Denkmalschützern, die sich der Rettung des archäologischen Erbes im Irak verschireben haben. Der Verein ist in Deutschland mit Sitz an der Universität München eingetragen.
        neue Website:

        auf facebook: https://www.facebook.com/rashid.international/

        Links

        frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

        Dank an diverse Kollegen für Hinweise.

        Die Maske fällt im Oberlandesgericht München: kein gutgläubiger Erwerb ohne Provenienznachweis

        Schon 1997 hatte die Staatsanwaltschaft in München im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Hehlerei im Keller eines „Archäologen und Kunstsammlers“ nebst zahlreichen zypriotischen kirchlichen Kunstobjekten eine Goldmaske aus Peru sichergestellt. Mit einem Urteil des Oberlandesgericht in München wurde entschieden, dass die zypriotichen Objekte mit einem geschätzen Wert von 10 Mio. Euro, wie von der Republik Zypern eingeklagt, restituiert wurden.

        Auch der Staat Peru hat auf Herausgabe der Goldmaske geklagt.
        Dort wurde bis 2004 ein Ermittlungsverfahren gegen Sammler wegen des Verdachts von Straftaten gegen das Gesetz zum Schutze des nationalen Kulturerbes durchgeführt. Ein Strafgericht in Lima erließ  im Dezember 1998 deswegen sogar einen Haftbefehl. Peru beschuldigte den Sammler vermutlich im Jahr 1997 illegale Ausgrabungen finanziert und die dabei gefundene Goldmaske außer Landes geschmuggelt zu haben. Peru versuchte zunächst über ein Rechtshilfegesuch an die deutschen Behörden die Goldmaske als Beweismittel für das Strafverfahren zu erhalten. Das OLG München gab dem 2004 statt, doch blockierte das Auswärtige Amt die „endgültige – über eine zeitlich begrenzte Herausgabe zu Beweiszwecken gegen Sicherheitsleistung hinausgehende – Herausgabe der Goldmaske“. 2006 klagte Peru zivilrechtlich gegen den Sammler auf Herausgabe der Maske.
        Die Maske datiert in die mittlere Periode der Sicán Kultur (900 bis 1200 n.Chr.) und stammt als Totenmaske wahrscheinlich aus einem Grab im Norden Perus. Eine ähnliche Maske wurde 1991 bei legalen Grabungen  im Areal des sog. „Historischen Heiligtums Bosque de Pomac“ (auch als „Areal Batán Grande“ bezeichnet) in der Region Poma im Departement Lambayeque gefunden. Die goldenen Begräbnismasken sind ein besonderes Kennzeichen der prä-inka-zeitlichen Sicán-Kultur. Durch ein Fachgutachten und eine archäometrische Untersuchung des Goldes ließ das Gericht die Echtheit der Maske bestätigen. Die Sachverständige legte dar, „dass der Sicán-Stil ausschließlich in der Region Lambayeque der nördlichen Küstenregion [Perus] vorkommt. Die Goldmasken fanden dort ausschließlich bei der Bestattung von Angehörigen der herrschenden Elite, den sog. „Herren von Sicán“, Verwendung. Die Leichname dieser Verstorbenen wurden zur Bestattung in Tücher eingeschnürt und bestattet. Die Masken wurden auf die äußerste Tücherschicht aufgenäht.“

        Grabmaske der Sicán-Kultur im Museum von Sicán
        (Foto: Sican123 [CC BY SA 4.0] via WikimediaCommons)
        In Peru ist der Export von Antiken seit 1822 staatlicher Kontrolle unterworfen, seit 1921 strikt verboten, der Privatbesitz hat seit einem entsprechenden Antikengesetz von 1929 registriert zu sein. Seit 1979 hat die Sicherung des nationalen Kulturgutes sogar Verfassungsrang. Peru argumentiert, dass sie auf dieser Rechtgrundlage (wie auch als Rechtsnachfolger der Herrscher der Sicán-Kultur) das Eigentumsrecht an der Maske habe.
        Demgegenüber argumentierte der Rechtsanwalt des Sammlers, dass dieser aufgrund eines legalen rechtsgeschäftlichen Erwerbs, bzw. gutgläubigen Erwerbs rechtmäßiger Eigentümer der Maske sei.  Die Maske habe er gemäß § 937 BGB ersessen, da sie seit 1987 in seinem Besitz sei.

        Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

        § 932
        Gutgläubiger Erwerb vom Nichtberechtigten

        (1) Durch eine nach § 929 erfolgte Veräußerung wird der Erwerber auch dann Eigentümer, wenn die Sache nicht dem Veräußerer gehört, es sei denn, dass er zu der Zeit, zu der er nach diesen Vorschriften das Eigentum erwerben würde, nicht in gutem Glauben ist. In dem Falle des § 929 Satz 2 gilt dies jedoch nur dann, wenn der Erwerber den Besitz von dem Veräußerer erlangt hatte.
        (2) Der Erwerber ist nicht in gutem Glauben, wenn ihm bekannt oder infolge grober Fahrlässigkeit unbekannt ist, dass die Sache nicht dem Veräußerer gehört.

        § 937
        Voraussetzungen, Ausschluss bei Kenntnis

        (1) Wer eine bewegliche Sache zehn Jahre im Eigenbesitz hat, erwirbt das Eigentum (Ersitzung).

        (2) Die Ersitzung ist ausgeschlossen, wenn der Erwerber bei dem Erwerb des Eigenbesitzes nicht in gutem Glauben ist oder wenn er später erfährt, dass ihm das Eigentum nicht zusteht.

        Im Laufe des Verfahrens gab der Sammler jedoch unterschiedliche Darstellungen zur Erwerbsgeschichte. Zunächst behauptete er, die Maske 1987 in Deutschland in einem renommierten Antiquitätenhaus käuflich erworben zu haben. Rechnungen, Belege und Zolldokumente seien aber bei der Hausdurchsuchung vom Bayerischen Landeskriminalamt beschlagnahmt worden und anschließend verschwunden. Den Namen eines Zeugen für die Existenz der Belege wollte er nicht nennen. Später sagte der Sammler aus, die Maske zum ersten Mal Anfang der 1980er Jahre  bei einer Ausstellung im Palais Royal in Paris gesehen zu haben. Die Maske sei dann auch in den Räumen eines Auktionshauses ausgestellt gewesen, mit dessen Vermittlung er die Maske schon zwischen 1980 und 1982 von einem ihm unbekannten Dritten zu einem Kaufpreis, inklusive Vermittlungsprovision, von ca. 33.000 bis 35.000 DM gekauft habe. Ein schriftlicher Kaufvertrag sei seinerzeit nicht geschlossen worden, da sich auf dem betreffenden Kunstmarkt alle kennen würden und man sich gegenseitig vertraue.
        Im übrigen bestritt der Sammler, dass die Goldmaske tatsächlich aus Peru stamme, da solche Grabbeigaben auch in anderen südamerikanischen Ländern, z.B. in Kolumbien, Mexiko und Peru gebräuchlich gewesen seien. Das Alter der Maske und die Ähnlichkeit mit Funden aus Peru sei dem Beklagten nicht bekannt gewesen. Peruanisches Recht sei irrelevant, da der Erwerb in Deutschland erfolgt sei.
        Das Gericht urteilte Ende 2016, dass die Maske tatsächlich im Eigentum des Staates Peru sei und zurück zu geben sei. Mangels glaubhafter Darstellung des Erwerbs der Maske durch den Sammler, könne er sich weder auf einen gutgläubigen Erwerb der Maske noch auf ein Ersitzen des Objektes berufen. Die Gesetzeslage in Peru hätte bekannt sein können.
        Das Urteil ist insofern bemerkenswert, weil der Käufer von Antiken konkret darlegen muss, wie der Eigentumsverlust des Herkunftsstaates erfolgt ist. Über den konkreten Fall mit Peru hinaus ist das deshalb bedeutend, weil auch im Vorderen Orient archäologische Funde schon seit dem 19. Jahrhundert ohne Papiere nicht legal exportiert werden konnten. Angesichts dieser Gesetzeslage kann kein Käufer einen gutgläubigen Erwerb tätigen ohne dass handfeste Provenienznachweise vorliegen.

        Link

        Urteil des Landgerichts München vom 15.12.2016 :

        Hohenzollern verscherbeln kostbaren Pokal – Kulturgutschutz zahnlos

        http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunstmarkt/ein-silberner-hirsch-als-pokal-kann-durchaus-furore-machen-15116455.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2 Zur Erinnerungskultur der Jagd: „Am 18. September 1696 erlegte der brandenburgische Kurfürst Friedrich III. bei Briesen in den märkischen Wäldern einen Rothirsch, dessen Ruhm aufgrund des sonderbaren Geweihs bis nach Berlin gelangt war. Der kurfürstliche Jagderfolg fand sogleich Eingang … Weiterlesen

        Verbotene Bücher im Spanien des 19. Jh.: La librería secreta de Luis de Usoz (1805-1865)

        Ausstellung der Biblioteca Nacional de España, Katalog: http://www.bne.es/export/sites/BNWEB1/webdocs/LaBNE/Publicaciones/Usoz.pdf Info: „The best collection of forbidden books of 19th-century Spain …“ „Bibles that were not permitted in Spain, propaganda pamphlets by Luther, books by Calvin and Erasmus, the first edition of the … Weiterlesen

        Staat unterstützt üblen Antikenhandel

        Statt die wohl illegal aus ihren Ursprungsländern exportierte altägyptisch-mesopotamische Privatsammlung, die im Nachlass eines Frankfurter Hartz-IV-Empfängers aufgefunden wurde, an ein Museum zu geben, speiste die amtliche Nachlassverwalterin die Stücke in den dubiosen Antikenhandel ein. http://archaeologik.blogspot.de/2017/08/eine-mummifizierte-leiche-legitimiert.html

        „Ein historisches Ereignis im humanitären Völkerrecht“: Reparationen für zerstörte Kulturschätze

        http://www.deutschlandfunkkultur.de/reparationen-fuer-zerstoerte-kulturschaetze-ein.1008.de.html?dram:article_id=393680 Der Internationale Strafgerichtshof hat entschieden: „Für die Zerstörung der Weltkulturerbe soll der Dschihadist al-Mahdi 2,7 Millionen Euro Wiedergutmachung leisten. Da al-Mahdi als mittellos gilt, „ermutigt“ der Strafgerichtshof den von seinen Mitgliedsstaaten unterhaltenen Treuhandfonds, die Zahlung zu übernehmen. Das Geld … Weiterlesen

        „Die meisten Museen sind mit Provenienzfragen offenbar überfordert – personell, intellektuell und methodisch“

        Schreibt Bénédicte Savoy in einem lesenswerten Text, in dem sie für einen umfassenden Begriff von Provenienzforschung plädiert: https://monde-diplomatique.de/!5437994 „Wilhelm von Humboldt schreibt über die Bedeutung der Bildung für den Menschen: „Je mehr Mannigfaltigkeit er in Einheit verwandelt, desto reicher, lebendiger, … Weiterlesen

        Muttergotteshäuschen brutal abgerissen

        Das OLG Köln hat die Berichterstattung über den Abriss eines für die denkmalrechtliche Unterschutzstellung vorgesehenen Heiligenhäuschens bei Aachen erlaubt. http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/koeln/j2017/15_U_7_17_Beschluss_20170214.html Vgl. auch http://www.justiz.nrw.de/nrwe/lgs/aachen/lg_aachen/j2016/8_O_416_16_Urteil_20161216.html (LG Aachen) http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/luexheimer-heiligenhaeuschen-mit-dem-bagger-voellig-zerstoert-1.1469603 http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/kruzifix-madonna-zerstoert-vettweiss-bildstock-100.html http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/heiligenhaeuschen-abriss-anordnung-gegen-gemeinde-vettweiss-1.1533432 Das Lüxheimer Heiligenhäuschen soll auf Gemeindegrund neu errichtet werden: http://www.aachener-zeitung.de/lokales/dueren/heiligenhaeuschen-nach-dem-abriss-ist-vor-dem-wiederaufbau-1.1620957

        Deutsches Zentrum Kulturgutverluste fördert 22 weitere Projekte der Provenienzforschung

        https://www.kulturgutverluste.de/Content/02_Aktuelles/DE/Pressemitteilungen/2017/17-08-01_Projektfoerderung-erste-Jahreshaelfte.html Liste der insgesamt 256 geförderten Projekte: https://www.kulturgutverluste.de/Webs/DE/Forschungsfoerderung/Projektfinder/Projektfinder_Formular.html?show_map=0&sortOrder=title_text_sort+asc#103278 Fakten über das Zentrum: https://www.kulturgutverluste.de/Content/08_Downloads/DE/Faktenblatt.pdf?__blob=publicationFile&v=14

        Kulturgut in Syrien und Irak im Juli 2017

        Mit der Vertreibung des Daesh aus Mosul, dem Anfang Juli ausgerufenen Waffenstillstand im südwestlichen Syrien, scheint der Konflikt in Syrien und Irak nicht vorbei, aber doch in eine neue Phase zu gehen, die Anlaß zu vielerlei Bilanzen und Überlegungen zur Restaurierung gibt:

          Schadensberichte

          Da einige Stätten nun wieder leichter erreichbar werden, können nun zahlreiche größere und kleinere Schäden dokumentiert werden. Die üblichen Schadensberichte sind daher umfangreicher als zuvor:
          Im folgenden ist keine Vollständigkeit der aktuellen Berichte beabsichtigt, vielmehr sollen mit den Links exemplarisch einige Schäden und erste Initiativen dargestellt werden:

          eine erste Bestandsaufnahme in Mosul

          für eine genauere Bestimmung der Schäden werden Bilder von Monumenten aus Mosul gesucht:

          Nimrud:

          in Raqqa:

          Tote Städte:

          Schäden in Palmyra

          Restaurierungen in Aleppo

          3D-Rekonstruktionen in Palmyra

              Antikenhehlerei

              Der Fall „Hobby Lobby“  (Raubgrabungsfunde für ein biblisches Disneyland – Der Fall „Hobby Lobby“) in den USA geht im Kern schon in die Zeit vor dem aktuellen Krieg zurück. Für ein Bibelmuseum hat ein US-Millionär offenbar gezielt Keilschrifttexte aus dem Irak geschmuggelt. Der Fall ist schon länger bekannt, doch wurde nun eine Straße von 3 Mio $ verhängt, vermutlich in Relation zu den umgesetzten Summen eine Kleinigkeit.
              Statement der UNESCO

              Die in der Hobby Lobby-Affäre (Raubgrabungsfunde für ein biblisches Disneyland – Der Fall „Hobby Lobby“) sichergestellten Funde sollen online gestellt werden, um den Eigentümer zu ermitteln.

              Hobby Lobby gibt erneut Anlaß für einige Statements gegen den Handel mit archäologischen Funden:

              Ein Video von UNODC im Rahmen einer Kampagne „Cultural Property“ zur Problematik des illegalen Handels mit Kulturgut aus Krisenregionen  und seiner Rolle bei der Finanzierung von Bürgerkriegsparteien und Terrorismus:

              Die politische Bedeutung des Kampfes gegen Antikenhehlerei

                    Daesh

                    Sky News bringt ein Interview mit der Witwe eines britischen Daesh-Kämpfers in Raqqa, die als Aisha vorgestellt wird.  Darin heißt es: „Aisha revealed that her Moroccan husband had travelled to IS before the caliphate was even declared by Abu Bakr al Baghdadi in June 2014. She said that he had been a dealer in ruins and antiquities in Europe and had been told by a friend that he could buy them cheaply in the caliphate.“ – ein kleines Schlaglicht auf die Verbindungen zwischen Antikenhandel in Europa und Daesh?

                    Funde aus dem Musuem Mosul wurden, wie schon im Juni durch kurdische Medien berichtet wurde, bei Daesh-Mitgliedern sicher gestellt:

                        Europäische Kommission im Anti-Terrorkampf

                        Als Teil der Antiterrormaßnahmen zielt die Europäische Kommission auf einheitliche Regelungen gegen den illegalen Aniktenhandel.

                        Links

                        frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                        Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                          NEWS: Auf der anderen Seite des Teiches

                          Mein Kommentar im Blog ‚gespielt‘ zu ‚Far Cry 5‘ und der zeithistorischen Entwicklung in den USA Die USA haben ein echtes Problem, und es hört nicht auf den Namen Trump. Der neue Präsident, die Brexiters von der Insel, die AfD sind doch allesamt nur die Symptome einer grassierenden sozioökonomischen Entwicklung. Dahinter steht eine zeitgeschichtliche Umwälzung […]

                          Stadt Pappenheim streitet mit Grafenfamilie – wegen vier Quadratmetern

                          http://www.sueddeutsche.de/bayern/mittelfranken-stadt-pappenheim-streitet-mit-grafenfamilie-wegen-vier-quadratmetern-1.3561014 „Ein Streit um vier Quadratmeter einer Altstadtstraße ist Anlass für einen heftigen Streit zwischen Albrecht Graf von und zu Egloffstein und der Stadt Pappenheim. Die Stadt wirft dem Grafen vor, er habe öffentliche Mittel für die Sanierung seines Privatschlosses … Weiterlesen

                          Kulturgut in Syrien und Irak (Juni 2017)

                            Mit Daesh scheint es in Syrien und Irak als Territorialmacht zu Ende zu gehen. Mosul fast vollständig erobert, Raqqa umzingelt und die letzten IS-Krieger aus der Region Aleppo abgezogen. Damit ist der Bürgerkrieg nicht zu Ende und auch das Risiko für das kulturelle Erbe nicht. Man sollte nicht vergessen, das Kollateralschäden und Plünderungen schon vor dem Aufstieg des IS/Daesh in Syrien an der Tagesordnung waren.

                            Mosul

                            Daesh ist im syrischen Raqqa und im irakischen Mosul unter militärischem Druck. Im umkämpften westlichen Stadtgebiet von Mosul hat Daesh zeigen aktuelle Luftbilder, dass die Al Nuri-Moschee und das Hadba Minaret zerstört sind. Daesh beschuldigt die USA die Moschee sei durch amerikanische Luftangriffe zerstört worden. Die irakische Regierung wertet die Zerstörung der Moschee im letzten umkämpften Stadtgebiet in Mosul als „Zeichen der Niederlage“. In der Al-Nuri-Moschee hatte Abu Bakr al-Baghdadi im Juni 2014  das Kaliphat des Daesh ausgerufen. Videos (einer Überwachungskamera??) sollen jedoch zeigen, wie Dschihadisten Sprengsätze in der Moschee installierten.
                            2014 hat Daesh bereits andere Moscheen in Mosul gesprengt.  2015 zerstörte Daesh das Museum von Mosul (http://archaeologik.blogspot.de/2015/03/is-wutet-im-museum-von-mossul-syrien.html). Bei den Kämpfen um Mosul ging die Front mehrfach über das Museum hinweg. Nach einer Meldung auf facebook wurde es am 14.6.2017 erneut von Daesh besetzt (https://www.facebook.com/layla.mss/posts/1572996802710859).

                            Am 28.6. wurde die zerstörte Moschee von irakischen Regierungstruppen erobert:

                              Bilder der Zerstörungen

                              Zerstörungen in der Bibliothek von Mosul

                              Zu Moschee und Minarett

                              Das Minaret war der älteste Bauteil der 1172-73 durch Nur ad-Din Zangi erbauten Moschee.

                              Immerhin liegt ein 3D-Modell des Minaretts nach einer Aufnahme von 2012 durch  P. Vavrečka;  Oriental Institute in Prag vor.

                                Mosul. Der Yezidi Schrein links sowie das schief stehende Hadba Minaret derNouri Moschee in einer historischen Aufnahme von 1932.
                                (Public Domain via Wikimedia Commons)

                                Raqqa/ Daraa

                                Um die beiden Städte Raqqa und Daraa in Syrien wird derzeit offenbar ebenso hart gekämpft, doch sind Meldungen dazu relativ spärlich. Nach einem Bericht auf Daily Beast zerbomben die US-Truppe und die ‚demokratischen‘ syrischen Kräfte die Stadt systematisch, ohne Rücksicht auf die Bevölkerung (und die Bausubstanz der Stadt).
                                Das Museum in Raqqa wurde bereits im November 2013 geplündert – bevor Daesh die Stadt erobert hat (http://archaeologik.blogspot.de/2013/11/ausgeraubt-das-museum-von-raqqah.html).  

                                 50 km südwestlich von Raqqa wurde die antike Stadt Resafa „befreit“:

                                 weitere Schadensberichte

                                Antikenhehlerei

                                Palmyrenische Reliefs in Homs sicher gestellt.

                                und in einem Haus in Palmyra:

                                      Sicherungsmaßnahmen / Restaurierungen/ Wiederaufbau

                                      Idlib:

                                      Aleppo

                                      Projekt EAMENA

                                      Idleb Antiquities Center

                                        Ausstellung in der Campusbibliothek der Freien Universität Berlin über die Grabungen in Tell Schech Hamad

                                          Tagungen

                                          Tagung zu den Zerstörungen und Plünderungen von Daesh am 3. Juni in Grand Pressigny organisiert von HAPPAH:

                                          Smithsonian Institute / US Department of State: 

                                            Lokales Engagement in Mossul

                                            Ausbildung von Restauratoren und Handwerkern

                                            WMF in Jordanien

                                            Weitere Medienberichte

                                            Viele Käufer am internationalen Markt sind aber durchaus bereit, für interessante Objekte viel Geld zu bezahlen. Damit nehmen sie in Kauf, dass der Irak und Syrien nach der menschlichen Katastrophe, die die Kriege mit sich brachten, am Ende auch noch ihres kulturellen Erbes beraubt werden.

                                              Wikipedia-Einträge zu den Zerstörungen durch Daesh

                                                Links

                                                frühere Posts zum Bürgerkrieg in Syrien auf Archaeologik (u.a. monatliche Reports, insbesondere Medienbeobachtung seit Mai 2012), inzwischen auch jeweils zur Situation im Irak

                                                Dank an diverse Kollegen für Hinweise und Übersetzungen.

                                                  Profite für Schatzjäger? Die Bergung der San José

                                                  Seeschlacht vor Cartagena 8. Mai 1708:
                                                  Die San José wird von britischen Kriegsschiffen versenkt.
                                                  Gemälde von Samuel Scott vor 1772
                                                  (National Maritime Museum in Greenwich, Public Domain
                                                  via Wikimedia Commons)

                                                  Kritik an der wenig transparenten Umsetzung der Bergung der San José vor der Küste Kolumbiens:

                                                  Die aktuelle Ankündigung der Bergung  durch den kolumbianischen Staatspräsidenten:

                                                  Interner Link