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Buch: Einführung in die antike Ikonographie

Wer die Antike möglichst gut verstehen möchte, kommt nicht drumherum, sich näher mit den in dieser Epoche entstandenen Bildwerken bzw. deren Deutung auseinanderzusetzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Ikonographie. Der Begriff setzt sich zwar aus den altgriechischen Wörtern eikon (=Bild) und graphein (=schreiben, beschreiben) zusammen, stammt jedoch – wie man vorschnell annehmen könnte – nicht aus der Antike, sondern ist modernen Ursprungs.
Im Buch Einführung in die antike Ikonographie (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) erläutert der Archäologe Patrick Schollmeyer die inhaltliche Bedeutung bzw. Aussagekraft antiker, von Menschenhand geschaffener Bildwerke. Dazu zählen unter anderem Statuen, Reliefs, Wandgemälde, Vasenmalereien usw. 
Wohl weil es sich um ein Einführungswerk handelt, beschränken sich die Ausführungen des Autors fast ausschließlich auf die Blütezeit der griechischen und römischen Welt (wobei ich meine, eine gewisse „Griechen-Lastigkeit“ festgestellt zu haben).
Da sich viele antike Darstellungen auf die Mythologie bzw. die Götterwelt beziehen, nimmt diese Thematik einiges an Raum ein: Welche bedeutende Götter gab es? Was war ihre ‚Aufgabengebiete‘ und was ihre Attribute? 
Neben den Göttern sind uns aus der Antike vor allem Darstellungen der Eliten und Herrschenden überliefert, sodass auch auf sie ein genauerer Blick geworfen wird: Welche Funktion sollten beispielsweise in der Öffentlichkeit aufgestellte Statuen erfüllen? Welche Schlüsse lassen sich aus Kleidung und Gestik der Dargestellten ableiten? Usw.

Unterm Strich sind die Erläuterungen allgemein verständlich formuliert. Will heißen, auch wenn es punktuell sicher nicht schadet, so muss der Leser über kein einschlägiges Vorwissen verfügen. Der Sinn und Zweck einer Einführung in das weite Feld der Ikonographie wird damit erfüllt. Zwei kleinere Kritikpunkte gibt es aus meiner Sicht aber: 1. Man hätte von Abbildungen etwas großzügigeren Gebrauch machen können, was mir gerade in Anbetracht des Buch-Themas sinnvoll erscheint. 2. Die mittlerweile als bewiesen geltende Buntheit antiker Bildwerke wird so gut wie nicht berücksichtigt; das ist schade.


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
I. Einführung in Gegenstand, Fragestellung und Methoden
II: Themen
  1. Mythos versus. Lebenswelt
  2. Mythische Einzelgestalten
   2.1 Göttinnen und Götter
   2.2 Personifikationen
   2.3 Göttliche Trabanten
   2.4 Mythische Mischwesen und Ungeheuer
   2.5 Heroinnen und Heroen
  3. Der Mensch und seine Rolle
   3.1 Allgemeine Körper und Verhaltensideale
   3.2 Spezifische soziale Rollen und ihre Handlungszusammenhänge
  4. Darstellungen von Tieren, Landschaft und Architektur
III. Fubnktion
  1. Repräsentation der herrschenden Eliten
  2. Gegenbilder und Traumwelten
  3. Magische Funktion
  4. Trost- und Trauerbilder
  5. Feier und Memoria historischer Ereignisse
  6. Bild-Räume
  7. Erotische Aspekte
IV. Bilddetails
  1. Körperbilder
  2. Alterstufen
  3. Mimik
  4. Gestik
  5. Klidung
  6. Frisuren
  7. Attribute und Insignien
  8. Waffen
  9. Pferde und Wagen
 10. Möbel, Gefäße und Geräte
 11. Kompositorische Gestaltungsmittel
 12. Formen des Erzählens
V. Kontexte 
  1. Tempel und Heiligtümer
  2. Öffentliche Plätze: Agora und Forum
  3. Öffentliche Bauten
  4. Palast, Haus und Villa
  5. Grabanlagen
VI. Auftraggeber, Künstler Publikum
Epochen der griechischen und römischen Kultur
Bibliographie
Abbildungsnachweis
Register
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Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Satyricon — Mittelaltermark oder seriös? — Kleines Nähprojekt — Diebstahl in Pompeji — Unachtsame Archäologin

Satyricon
Im Laufe der Jahre ist mir in Sach- und Fachbüchern über die Antike eine Quelle auffällig oft untergekommen: Petrons Schlemenroman Satyricon bzw. die darin enthaltene Episode „Das Gastmahl des Trimalchio“.
Der antike Text ist vollgepackt mit Detailinformationen zum römischen Alltagsleben – ganz besonders zur Esskultur. Ich werde daher die von mir kürzlich gelesene Reclam-Übersetzung (die gewisse ‚Eigenheiten‘ aufweist) hier in den kommenden Monaten noch detailliert besprechen.

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Mittelaltermarkt oder seriöse Museumsveranstaltung?

Was meinen die Leser; handelt es sich beim jüngsten Event der Klosterbaustelle Campus Galli um eine seriöse Veranstaltung (von einem Lokalmedium als „Historischer Markt“ bezeichnet) oder haben wir es hier unterm Strich eher mit einer mittelaltermarkt-mäßigen Histotainment-Lärmerei zu tun? Klick mich
Mit dabei war übrigens auch wieder die legendäre gürtellose Arbeitsanleiterin, über deren Beweggrüde für den Verzicht auf einen Gürtel auch nach bald 5 Jahren modischer Eigenwilligkeit keinesfalls spekuliert werden darf 😉

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Kleines Nähprojekt

Ich habe schon länger nichts mehr für meine beiden Living-History-Ausstattungen genäht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich vom Nähen relativ leicht Kopfschmerzen bekomme (wegen der gebückten Haltung). Wenn ich allerdings nicht wesentlich mehr als 20 Minuten am Stück nähe, dann geht es. 

Geplant sind zwei Beutel aus naturfarbenem Leinen und eine phrygische Mütze aus Wolle mit Leinenfutter; ich habe übrigens zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung, wie man das Futter sauber in die Mütze hineinfummelt (die Naht mit der das Futter befestigt wird, sollte mehr oder weniger verdeckt sein),
Außerdem brauche ich für besagte Mütze noch einen passenden roten Schurwollstoff, aus welcher der aufgenähte Saum gemacht werden soll. Mal sehen, ob ich irgendwelche Stoffreste dafür auftreiben kann. Weil extra etwas zu bestellen lohnt sich sich bei der minimalen Menge nicht, die ich benötige.
Im Sommerurlaub, wenn das Blog für einen Monat pausiert, soll es losgehen. Bei meinem üblichen Schneckentempo bin ich vermutlich irgendwann knapp vor Weihnachten damit fertig 😊. Auf jeden Fall möchte ich dann auch einen Beitrag über die Arbeiten an Beuteln und Mütze verfassen, in dem Arbeitsschritte, Schnittmuster, verwendete Nähstiche usw. genau und leicht nachvollziehbar dargelegt werden.
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Diebstahl in Pompeji


Ein wertvolles Bronzeobjekt – genauer gesagt ein Türbeschlag – wurde in der antiken Ruinenstadt Pompeji entwendet, schreibt die Zeitung der Standard: Klick mich
Interessant, dass es eine solche Meldung überhaupt in die Zeitung schafft. Mir hat nämlich eine gute Freundin mit besten Verbindungen nach Pompeji erzählt, dass dort und im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel (wo viele Funde aus Pompeji ausgestellt sind) immer wieder Objekte verschwinden. Das hätte sich innerhalb der letzten 100 Jahre dermaßen summiert, dass man mit all dem Diebesgut eine stattliche Ausstellung bestücken könnte …

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Unachtsame Archäologin

Die vorangegangene Meldung erinnerte mich an eine andere Geschichte. Dieselbe Freundin, die mir berichtete, dass das Abhandenkommen von Funden in Pompeji eine gewisse Tradition besitzt, war vor nicht allzu langer Zeit in Wien unterwegs. Wie es der Zufall so wollte, kam sie beim Shoppen an einer archäologischen Ausgrabung vorbei und stellte sich zu ein paar Schaulustigen, die das Treiben beobachteten. Da meinte jemand neben ihr, dass eine der Ausgräberinnen in der Grube ständig über etwas Schmutzig-Weißes latscht, und ob das nur ein Stein oder ein Knochen sei?
Als gelernte Archäologin schaute meine gute Freundin nun genauer hin und erkannte, dass es sich dabei eventuell um das mehr oder weniger kugelförmige Ende (Epiphyse) eines Langknochens handelt. Sie rief daher die Ausgräberin, die keinen Meter daneben kniete an, dass da etwas sei. Doch die junge Frau hörte nichts, da sie Ohrhörer in den Ohren hatte; als nächstes stand sie auf und trat wieder genau auf die Stelle mit dem Knochen, woraufhin dieser teilweise zerbröselte. Jetzt wurde die Freundin unrund; am liebsten wäre sie in die Grube hinuntergesprungen. Stattdessen knüllte sie ein Prospekt aus ihrem Einkaufssack zusammen und warf es dem Mädel in der Grube direkt vor die Nase. Endlich nahm diese die Ohrhörer heraus und blickte auf. 
Wie sich daraufhin bald herausstellte, war das weiße Objekt im Boden tatsächlich ein Kochen. 

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Bier zum Inhalieren 😂

Hinterpommern Vergessene Dörfer – Kleine Städte – Große Namen

Neuerscheinung: Hinterpommern Vergessene Dörfer – Kleine Städte – Große Namen Elsbeth Vahlefeld „Wo bist Du geboren?“ „In Muttrin, Kreis Stolp, Pommern!“ Etwas später fragte meine Mutter wieder: „Wo bist Du geboren?“ Meine Antwort: „In Muttrin, Kreis Stolp, Pommern!“ „Ja, richtig. … Weiterlesen

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Buch: Chronik des Campus Galli 2017 – Von "Mohamedanern" und lässig verteiltem Steuergeld

Im baden-württembergischen Meßkirch soll in den kommenden Jahrzehnten mit dem Campus Galli ein Kloster nach dem Vorbild des karolingerzeitlichen Klosterplans von St. Gallen errichtet werden. Wie wenig ich von diesem medial gehypten Vaporware-Projekt halte, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Einer meiner zentralen Kritikpunkte ist dabei seit jeher die extrem dürre Dokumentation der Arbeiten, sodass für Außenstehende eine Überprüfbarkeit nach wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten schwierig bis unmöglich ist (ein Schelm, wer dahinter Absicht seitens der Verantwortlichen vermutet 😉).
Neben den überwiegend nicht sehr detailfreudigen Blogbeiträgen auf der Homepage des Projekts, wird jährlich eine knapp hundertseitige Chronik veröffentlicht. Nun sollte man eigentlich annehmen dürfen, in diesem Heft würden die Betreiber vor allem das vergangene Arbeitsjahr Revue passieren lassen, um das (wenige) Erreichte zu dokumentieren. Doch Pustekuchen, die angebliche Chronik entpuppt sich als verkappte Anthologie; will heißen, es handelt sich um ein Sammelsurium aus größtenteils wenig relevanten Allerwelts-Informationen. Ich habe das ja bereits bei meiner kurzen Rezension der 2013er-Chronik kritisiert. Doch sehen wir uns die Beiträge diesmal etwas genauer an.
➤ Das Heft beginnt mit einem Vorwort des ehemaligen Landrats Dirk Gaerte, der sich in seiner politisch aktiven Zeit an der Errichtung jenes Förderdickichts beteiligte, ohne dessen beständige Unterstützung der ‚pseudo-private‘ Verein Campus Galli wahrscheinlich längst in die Insolvenz geschlittert wäre. Dem Vernehmen nach wirkt Herr Gaerte auch als Vorsitzender des Freundeskreises der Karolingischen Klosterstadt bis heute eifrig daran mit, die defizitäre Mittelalterbaustelle mit Geldern aus dem Topf des Steuerzahlers zu alimentieren.
65 755 Besucher hätten den Campus Galli 2016 besucht, jubelt der gute Mann. Er ‚vergisst‘ dabei freilich, dass es laut der ursprünglichen Prognose – mit welcher man der Lokalbevölkerung das Projekt einst schmackhaft gemacht hatte – rund 150 000 hätten sein sollen…

➤ Nachdem man sich durch die schöngefärbte Alternativrealität des Altpolitikers gelesen hat, gelangt man zum Beitrag eines gewissen Herrn Wolff, der 2014 in der ‚klösterlichen‘ Schmiede das Ruder übernahm, nachdem sein Vorgänger der Möchtegern-Klosterstadt fluchtartig den Rücken gekehrt hat – wie übrigens auch einige andere Mitarbeiter der ursprünglichen Kernmannschaft längst kündigten, da sie wohl von den Arbeitsbedingungen und/oder der Bezahlung wenig angetan waren: Darunter eine Steinmetzin sowie ein den Medien gerne als Vorzeigemitarbeiter präsentierter Ochsenführer, der bei mehreren Gelegenheiten behauptete, die Anstellung beim Campus Galli sei ein Job fürs Leben. Tja, so kann man sich täuschen.
Doch zurück zum aktuellen Schmied des Projekts: Der berichtet davon, wie er an seinem neuen Arbeitsplatz unzählige Werkzeuge vorfand, die aus historischer Sicht größtenteils völlig unpassend für eine karolingerzeitliche Schmiede waren. 90 Prozent davon mussten deshalb im Laufe der Zeit aussortiert werden – darunter jener moderne Amboss, der manch Beobachter des Projekts noch in unguter Erinnerung sein dürfte. Schon fast symbolhaft stand nämlich dieser überdimensionierte Metallklotz für das umfangreiche Geschluder der Verantwortlichen, die treuherzig versprochen hatten, es würde nur mit Werkzeugen des 9. Jahrhunderts gearbeitet werden.
Einiges an Hirnschmalz scheint in die Konstruktion von Blasebälgen geflossen zu sein, deren Aufgabe es ist, das Schmiedefeuer mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Es dauerte laut Herrn Wolff geraume Zeit, bis man eine möglichst effiziente und haltbare Konstruktion entwickelt hatte. Freilich, ob hier echte Experimentalarchäologie betrieben oder lediglich das Rad neu erfunden wurde ist eine durchaus berechtigt Frage, denn gut funktionierende Rekonstruktionen von mittelalterlichen Blasebälgen wurden anderenorts schon vor vielen Jahren gebaut.
Neben Werkzeug und Blasebalg bereitete aber vor allem die als Grubenhaus errichtete Schmiede selbst Probleme, sodass diese bereits nach wenigen Jahren radikal renoviert werden musste. Details dazu wurden hier keine genannt, lediglich auf das Konstruieren einer neuen Esse ging man noch näher ein.

➤ Es folgt ein längerer Beitrag des Archäologen Tilman Marstaller, der seine Ideen zum schon lange angekündigten, aber von den Projektverantwortlichen immer wieder verschobenen Bau einer (mit viel Steuergeld finanzierten) Scheune darlegt. Hierzu sei übrigens angemerkt, dass dieser Text auch auf der Homepage des Campus Galli abgerufen werden kann.

 Der St. Galler Klosterplan und das Gozbertmünster lautet die Überschrift eines Beitrages, für den der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora verantwortlich zeichnet. Obschon inhaltlich durchaus nicht uninteressant, so ist dergleichen in einer Chronik eher deplatziert.

➤ Es folgen einige Foto-Collagen mit Impressionen von der Baustelle – dies passt nun endlich wieder einmal zu einer Chronik. Einleitend heißt es jedoch:

„2016 konnte mit der Holzkirche das erste Bauwerk der karolingischen Klosterstadt fertiggestellt werden.“
In Wirklichkeit ist die Kirche selbst jetzt – Mitte 2017 – noch nicht fertiggestellt, wie man anhand verschiedenster Quellen problemlos feststellen kann. Werden wir hier möglicherweise mit dem Dunning-Kruger-Effekt konfrontiert? So bezeichnet man nämlich eine kognitive Verzerrung, bei der relativ inkompetente Menschen unter anderem dazu tendieren, das eigene Können massiv zu überschätzen …
Eventuell hat die obige ‚Postfaktizität‘ aber auch andere Gründe. Benötigt man etwa verzweifelt ein vermeintliches Erfolgserlebnis, um in den Augen der Öffentlichkeit nicht als träger Haufen von ‚Steuergeld-Schnorrern‘ dazustehen? Man darf nämlich keinesfalls außer Acht lassen, dass es besonders in der Lokalbevölkerung Kritiker gibt, denen die immer wieder in die Verlängerung gehende Bezuschussung des Campus Galli längst gehörig gegen den Strich geht.
➤ Als nächstes kommt der Leser in den Genuss eines Beitrages des Historikers Matthias Becher, der den Lebensweg und das Wirken Karls des Dicken nachzeichnet. Wer keinen Computer bedienen und beispielsweise Wikipedia aufrufen kann, der dürfte aus Herrn Bechers Einlassungen einen gewissen Nutzen ziehen …
➤ Ähnlich deplatziert wie der vorangegangene Text ist jener über die heilige Scholastika (ja, die Frau wird von der Kirche tatsächlich so genannt).
➤ Nun wird es wieder etwas interessanter: Drei Gästeführer des Campus Galli berichten von ihren überwiegend positiven Erfahrungen. Eine Dame schränkt dabei allerdings ein:

„Es gibt jedoch auch Gruppen, in denen jemand negativ oder zweifelnd gegenüber Campus Galli eingestellt ist. Da kommen bereits an der Kasse negative Bemerkungen.“

Wenn der Gästeführerin dieser Umstand eine Bemerkung wert ist, dann legt dies den Schluss nahe, dass negatives Feedback weitaus häufiger vorkommt, als die Geschäftsleitung der Öffentlichkeit gerne weismachen möchte.
An anderer Stelle berichtet ein Kollege der Frau sinngemäß, sogar eine ganze Gruppe von Besuchern hätten bei der Führung über das Gelände des Campus Galli ein großes Maß an offenkundigem Desinteresse gezeigt. Verständlich, bei dem bescheidenen Angebot, das noch am ehesten kleine Kinder und Senioren auf Kaffefahrt zu beeindrucken vermag. 
➤ Vor allem für jene, die mit den hohe Kosten des Projekts wenig Freude haben, ist der Text von Rüdiger Semet – seines Zeichens Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Werkstättle – interessant. Das Werkstättle stellt nämlich einen wichtigen Aspekt des weiter oben erwähnten Förder- und Abpumpdickichts dar: Wird nämlich in den Medien über die vom Campus Galli eingestreiften Zuschüsse  berichtet, dann bezieht sich dies zumeist auf Gelder, die direkt von der Stadt Meßkirch beigesteuert werden (sogenannte Betriebskostenzuschüsse). Unerwähnt bleibt hingegen, dass sich freilich auch hinter der Hilfe des Werkstättle hohe Summen aus dem Topf des Steuerzahlers verbergen. So wird beispielsweise von Herrn Semet berichtet, dass das Jobcenter Sigmaringen dem Werkstättle bereits zu Beginn seines Campus-Galli-Engagements finanziell massiv unter die Arme griff (=Steuergeld). Darüberhinaus wurden und werden Förderungen aus dem Europäischen Sozialfond lukriert (=Steuergeld).
Die Beteiligung des Werkstättle am Campus Galli sei aber eine Erfolgsgeschichte. Neun Langzeitarbeitslose – acht davon nach der ersten Saison – wurden vom Campus Galli in ein festes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen. Und in der Tat wirkt das auf den ersten Blick positiv. Schaut man hingegen genauer hin, dann stellt sich die Frage, wie viele Langzeitarbeitslose dem gegenüber nach Ablauf ihrer befristeten Anstellung (1-Euro-Jobs) nicht behalten, sondern schnurstracks zum Jobcenter zurückgeschickt wurden? Es dürften in den letzten vier Jahren etliche gewesen sein.
Und wurde eigentlich je eine seriöse Projekt-Evaluierung vorgenommen, in der prozentuell aufgeschlüsselt ist, wie viele dieser Langzeitarbeitslosen aufgrund ihres vom Campus Galli erhaltenen Arbeitszeugnisses zumindest anderenorts eine Anstellung fanden bzw. in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden konnten (was nämlich das angebliche Ziel ist)? Nein, dazu gibt es bisher nichts, nada, nihil.
Es entsteht daher aus meiner Sicht der unschöne Verdacht, dass beim als ‚teil-kommunal‘ zu bezeichnenden Campus Galli vor allem das Ausnutzen der Arbeitskraft von Langzeitarbeitslose im Vordergrund steht; ermöglicht durch eine Art ‚public-privat partnership‘.

➤ Der nächste Beitrag stammt aus der Feder des Mineralienhändlers Schinko. Er betreibt auf dem Gelände des Campus Galli eine kleine Verkaufsbude, in der allerlei Nippes auf Steinbasis angeboten wird. Und so sinnfrei seine Anwesenheit auf einer frühmittelalterlichen Baustelle ist, so sinnfrei sind größtenteils auch seine oberflächlichen Einlassungen zu Mineralien in diesem als „Chronik“ bezeichneten Heft.
Darüber hinaus unterliefen Herrn Schinko Fehler, wie etwa auf Seite 82, wo er die karolingische Epoche zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ansiedelt – vermutlich eine Verwechslung mit der Wikingerzeit …
So weit, so schlecht. Doch dann – beim Barte des Propheten! – wird’s spannend! Der gute Mann schreibt nämlich folgendes:
Große religiöse Bedeutung erlangte Bernstein bei […] den Mohammedanern für die Fertigung von Gebetsschnüren (Teshbi).“
Mohammedaner„? Was für ein schlimmer Fauxpas, ist doch dieser Begriff laut offiziöser Sprachpolizei abwertend konnotiert und sollte daher tunlichst vermieden werden (fast schon handelt es sich dabei um ein Äquivalent zum „Neger(kuss)“).
Freilich, von mir aus kann der Verfasser Mohammedaner oder wahlweise auch gerne Muselmanen schreiben, so viel er will. Mich stört das nicht im Geringsten. Doch auf der anderen Seite ist der quasi staatsnahe Campus Galli selbstredend Teil der politisch korrekten Blase, in der man für gewöhnlich großen Wert auf derlei Feinheiten legt. Was mögen demnach die Mitglieder der Geschäfts- und Vereinsleitung für Gesichter gemacht haben, als ihnen beim erstmaligen Durchlesen des Hefts diese Wortwahl ins Auge sprang? 
Nachdem der Autor mit seinen Ausführungen zu einem Ende gelangt ist, zieht er folgenden Schluss.

„Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele der heute beliebten Edelsteine bereits im frühen Mittelalter gehandelt und bearbeitet wurden.“ 

Wow, wer hätte das gedacht?! 😊

➤ Natürlich darf der Aufruf, Mitglied des Freundeskreises der Karolingischen Klosterstadt (=Campus Galli) zu werden, nicht fehlen. Für 36 Euro pro Jahr erwarten einen: ermäßigter Eintritt, regelmäßige Informationen über das Fortkommen der Arbeiten sowie – kein Scherz – ein gutes Gefühl …
Wer mag, so heißt es weiter, kann auch einfach nur so drauflos spenden. Ja dann …

➤ Den Abschluss des Hefts bildet der Bericht über ein Treffen des Freundeskreises, bei dem mittelalterartiges Brot gebacken wurde. Kein übermäßig spannendes Event, aber zumindest ‚on-topic‘.

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Wie bereits eingangs erwähnt, ist dieses Heft keine Chronik, sondern vielmehr eine verkappte Anthologie. Empfehlenswert allenfalls für Vereinsmitglieder und Hardcore-Fans des Projekts. Wobei erstere das Heft ohnehin kostenlos erhalten (bzw. mit ihrem jährlichen Beiträge bezahlen ^^).
Übrigens, vom Freundeskreis wurde in den Medien bejammert, dass es schwer fällt, kompetente Autoren für diese Publikation zu finden. Äußerst schwach und eigenartig will mir daher erscheinen, dass hier weder der Geschäftsführer des Projekts – Hannes Napierala – noch der Haushistoriker – Erik Reuter – einen Texte beisteuerten. Man sollte schließlich annehmen, dass gerade diese beiden Herren einiges darüber zu berichten hätten, was sich 2016 auf der Klosterbaustelle tat. Freilich, gerade letzerer ist aufgrund seiner reduzierten rhetorischen Fähigkeiten nicht gerade dafür prädestiniert, sich als Autor zu betätigen. So nimmt es auch nicht Wunder, dass er möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft seines Jobs verlustig geht – wie mir zugeflüstert wurde. Für diesen Fall steht mit Matthias Hofmann ein möglicher Nachfolger in den Startlöchern. Er ist bereits seit einiger Zeit als Gästeführer für den Campus Galli tätig und soll auch gute Beziehungen zur Vereinsleitung unterhalten.

Ich vergebe für die vorliegende Pseudo-Chronik zwei statt nur einen Sterne, weil nicht alle Beiträge eine Themenverfehlung darstellen. Außerdem zeige ich mich für jede gute Gelegenheit erkenntlich, den Campus Knalli und seine Living-History-Legastheniker in die Pfanne zu hauen 😏

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Verwandte Blog-Beiträge:
26: April 2013: Campus Galli: Freilichtmuseum, oder doch verkapptes Disneyland?
18. November 2013: Geurtens Mund, tut Nonsens kund
15. Jänner 2014: Bund der Steuerzahler kritisiert Campus Galli
22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli – Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala – Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dezember 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher – Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider – außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli – Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation – Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!
01. November 2015: Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli
10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
28. August 2016: Der Campus Galli – Ein tolldreistes Medienmärchen
20. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!
19. Mai 2017: Chronik des Campus Galli 2017 – Von „Mohamedanern“ und lässig verteiltem Steuergeld

Alle meine Beiträge über den Campus Galli – inkl. der hier nicht gelisteten Kurzmeldungen


Ausgewählte externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli – Was ist los am Bodensee? – OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt – Klick mich

Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? – OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen – OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli – Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli – Klick mich

Badische Zeitung: Mittelalter-Stadt „Campus Galli“ – Weniger Besucher, mehr Kritik – Klick mich

Krimskrams: Kassian, der prügelnde Heilige — Mein Kaiser, mein Herr — Fernsehprogramm à la ZDF — usw.

Kassian, der prügelnde  Heilige

Kassian von Imola war nicht nur Schulmeister, sondern dürfte auch ein echter Sympathieträger gewesen sein. Der christliche Heilige wurde, nachdem er im Zuge spätantiker Christenverfolgung seiner Religion nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe überließ man seinen eigenen Schülern, die ihn erbost mit ihren metallenen Schreibgriffeln marterten. Kassian soll sie als Lehrer körperlich oft gezüchtigt haben …
Nun war das Verprügeln von Schülern freilich fester Bestandteil antiker Pädagogik. Allerdings dürfte es der heilige Kassian damit ordentlich übertrieben haben, wenn ihn seine Schüler deshalb gleich mit Freude abstachen. Jedenfalls würde der gute Mann heutzutage wohl nicht mehr so ohne Weiteres die Kriterien zur Heiligsprechung erfüllen. ^^

Übrigens: Der beinahe zeitgleich mit Kassian lebende Augustinus berichtete mit Abscheu und Unbehagen von seiner eigenen Erfahrungen als Schüler. Prügel wurden von den Alten zwar gelobt, meinte er, aber durch diese Erziehungsmethoden „vervielfachte man nur die Mühe und Not der Kinder Adams.“ 


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Mein Kaiser, mein Herr (Zufälle gibt es …)

Ich lausche seit ca. einer Woche dem Hörbuch Mein Kaiser, mein Herr, das vollständig auf dem gleichnamigen Roman von Siegfried Obermeier beruht. Der Leser/Hörer begleitet darin Gerold – den fiktiven illegitimen Sohn des bayerischen Herzogs Tassilo – durch sein langes, abwechslungsreiches Leben, das er vor allem im Dienste Karls des Großen verbringt. Dabei übernimmt Gerold verschiedene Aufgabe, wie die des Soldaten, des Lehrers, des Dolmetschers oder des Gesandten.
Irgendwann im Verlauf der Geschichte büxt Gerold mit seiner Geliebten Hildtrud – einer Tochter Karls des Großen – aus. Um nicht erkannt zu werden, verkleiden sich die beiden. Gerold mimt dabei einen zur Pilgerfahrt verdonnerten Händler, während Hildtrud ihr Haare schert und sich als Diener ausgibt, der  – man glaubt es kaum – den Namen Hiltibold trägt 😊.
Ein wirklich lustiger Zufall, denn ich habe mir genau diesen Namen ja ursprünglich deshalb ausgesucht, weil er vor allem in dieser Schreibweise recht selten ist.

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Fernsehprogramm à la ZDF

Hmmm, handelt es sich bei der folgenden Zusammenstellung, die einen Ausschnitt aus lediglich sechs Tagen ZDF-Programm zeigt, um ein starkes Indiz für einen veritablen Dachschaden der Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Klick mich
Im Angesicht dieser immensen Schlagseite ist es jedenfalls kein Wunder, dass große Teile der Menschheitsgeschichte im deutschen Fernsehen nur unter ferner liefen abgehandelt werden. Freilich, der ORF ist da noch viel schlimmer! Abseits von Natur-Dokus bekommen die Fernsehmacher auf dem Küniglberg so gut wie nichts auf die Reihe. Am besten man meldet den ORF ab und spendet die eingesparten Gebühren guten Alternativmedien der eigenen Wahl.

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Forscher entdecken in österreichischem Kloster ältestes Schriftstück auf Deutsch …

… schreibt die Berliner Zeitung: Klick mich

Übrigens, am 14. Mai hat auch die Kronenzeitung in ihrer Druckausgabe dazu einen Beitrag gebracht. Da heißt es in einem Interview unter anderem:
Frage: Warum ist dieser Fund so einzigartig?
Antwort: Es handelt sich um die erste Verschriftlichung der deutschen Sprache.
Nein, richtigerweise müsste es heißen, dass es sich um die bis dato älterste entdeckte Überlieferung handelt …

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Das fetzt

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Herzlichen Glückwunsch, Herbert W. Franke !

    Schöpfer und Sammler von Computerkunst, Medien- und Höhlenforscher, Physiker und Futurologe, Verfasser und Herausgeber von Science-Fiction: Die Biographie von Herbert W. Franke sprengt die Dimensionen der normalen Welt. Vor 90 Jahren, am 14. Mai 1927, wurde er in Wien geboren. Seit sechs Jahrzehnten lebt er südlich von München, und er ist immer noch höchst aktiv….

    Die Pommerschen Leute Sommer 2017

    Die Pommerschen Leute Sommer 2017 Die neueste Ausgabe der „Die Pommerschen Leute“ Sommer 2017 ist erschienen. Der Leitartikel stammt von unserem Mitglied David Krüger : „Mein Vorfahre, eine Selbstmörder?“ über Christian David Hess aus Katzow. * Abonnement über http://www.pomeranianews.com/pomeranian_subscription.html Ähnliche BeiträgeDer … Weiterlesen

    Der Beitrag Die Pommerschen Leute Sommer 2017 erschien zuerst auf Blog Pommerscher Greif e.V..

    Krimskrams: Antike Mode — Attila, der Menschenfreund – Wikipedia und die Quellen

    Antike Mode


    Der eine oder andere Leser dürfte den Autor Ritchie Pogorzelski kennen. Von ihm stammen beispielsweise die beiden bei Nünnerich-Asmus erschienen Bücher „Die Prätorianer. Folterknechte oder Elitetruppe?“ sowie „Der Triumph: Siegesfeiern im antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe“. Letzteres Buch habe ich kürzlich mit Interesse gelesen und werde es in nicht allzu ferner Zukunft im Blog besprechen.

    Nun hat Ritchie Pogorzelski ein neues Projekt in Angriff genommen, das den Titel „Antike Mode“ trägt. Es soll diesmal – abseits eines Verlages – mittels Crowdfunding finanziert werden (siehe hier den bisherigen Fortschritt). Explizit wird darauf hingewiesen, dass auch Reenactors zur Zielgruppe dieser wohl mehrteiligen Publikation gehören.

    Mein persönliches Resümee zu diesem Video lautet folgendermaßen 😉  Klick mich

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    Wikipedia und die Quellen


    Im Wiki-Watch-Blog widmet man sich der Frage, wie sorgfältig bei Wikipedia mit Quellen umgegangen wird. Es ist beispielsweise fraglich …

    „…wie viele Wikipedia Autoren tatsächlich vorrangig nach möglichst neutralen, aktuellen und fachlich hochwertigen Buchveröffentlichungen als Belege für ihre Artikel suchen.“ 

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    Attila, der Menschenfreund

    Eines der Hauptprobleme der offiziösen Geschichtsforschung ist seit jeher ihr Hang, dem jeweils herrschenden Zeitgeist nach dem Mund zu reden. Unter anderem äußert sich das durch den Versuch, für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen Belege in der Vergangenheit zu finden. Quellen, die das erhoffte Bild nicht bestätigen, werden zuerst relativiert und im Laufe der Zeit aussortiert. Beispielsweise wird Nero seit einigen Jahren zum missverstandener Pazifisten umgemodelt und selbst die große Völkerwanderung in der Spätantike soll in Wahrheit nur den Charakter einer etwas außer Kontrolle geratenen Strand-Party gehabt haben (demzufolge dürften die unzähligen Brandhorizonte jener Zeit bloß von übergroßen Barbecues herrühren).
    In dieselbe Kerbe schlägt nun ein Artikel des Online-Standard, in dem es unter der beschönigenden Überschrift Hunnen brachten einen neuen Lebensstil wie folgt heißt:

    „Der Einfall der Hunnen ließ das spätrömische Reich erzittern. Ihre Begegnung mit der Bevölkerung der Grenzregionen war aber nicht nur von Gewalt geprägt.“ […] Dies ging sogar so weit, dass Angehörige der lokalen Bevölkerung hunnische Bräuche aufgriffen. Wie die Forscher […] berichten, besaßen einige pannonische Bauern einen künstlich verlängerten Schädelknochen, eine Praxis, die unter zentralasiatischen Reiterstämmen weit verbreitet war. Während römische Schriften fast ausschließlich Konfrontationen mit den Hunnen schildern, zeigen unsere Funde, dass es in Grenzgebieten offenbar bis zu einem gewissen Grad auch zur Koexistenz und Kooperation gekommen sein muss“ […]. In den dunklen Zeiten am Rande des Untergangs dürften viele Menschen die plötzliche Wahlfreiheit zwischen zwei Lebensstilen als neue Chance angesehen haben.“

    Diese sogenannte „Wahlfreiheit“ stand freilich unter dem Motto: Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Entweder man biederte sich an die neuen Machthaber an oder man war – wenn schon nicht sofort tot – so doch zumindest ein Art Mensch zweiter Klasse mit geringen Aufstiegschancen und zumeist rechtlich minderem Status. Dieser soziale Mechanismus war bereits ein zentraler Aspekt der antiken Romanisierung. Zig andere Kulturen liefern dafür ebenfalls Beispiele.
    Ein Leser kommentiert und entlarvt die naive Relativiererei des Artikelautors mit folgenden Worten:

    😆

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    Google Books: Die Bibliotheken leben noch

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    Schicksale hinter Schreibmaschinen (II)

    Bereits 2015 brachten wir einen Beitrag zu Schreibmaschinen. Damals ging es um solche, die berühmten Autoren gehörten. Heute widmen wir uns denen im Kino. 1916 waren Schreibmaschinen in einem ungarischen Spielfilm zu sehen. Danach erschienen sie in Büro-Romanzen. Sie sind noch immer wichtige Requisiten, doch finden wir sie heute in historischen, literarischen und biographischen Filmen….

    Pomeranica in der Universitätsbibliothek Greifswald

    Pomeranica in der Universitätsbibliothek Greifswald Planen Sie einen Besuch in der Universitätsbibliothek Greifswald? Die Spezialsammlung Pomeranica 310/NZ befindet sich nicht mehr im Lesesaal der Alten Universitätsbibliothek sondern in der Bereichsbibliothek auf dem Campus Loefflerstraße. Da dort zurzeit kräftig umgebaut wird, … Weiterlesen

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    Recherche – Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde

    Zeitschrift für lübeckische Geschichte Der Verein für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde hat seinen Webauftritt neu gestaltet und im Zuge dessen seine Zeitschrift für lübeckische Geschichte ab dem ersten Band 1860 bis zum Jahrgang 2011 (d.h. 91 Jahrgänge) online gestellt mit … Weiterlesen

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    Zwischen Thronsaal und Frawenzimmer

    Buchvorstellung: Zwischen Thronsaal und Frawenzimmer Handlungsfelder pommerscher Fürstinnen um 1600 Herausgegeben von: Dirk Schleinert und Monika Schneikart Im Mai 2014 fand im Alfried Krupp Wissenschaftskolleg eine internationale Fachtagung zum Thema „Handlungsfelder pommerscher Fürstinnen um 1600 im Vergleich“ statt. Die Beiträge … Weiterlesen

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    Zeitzeugnisse: Eine Auswanderergeschichte

    Zeitzeugnisse: Eine Auswanderergeschichte „Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer“ von Johannes Gillhoff , erschienen 1917, ist der Roman einer Auswanderung aus dem Mecklenburgischen nach Amerika, die auf der Person des Carl Wiedow aus Glaisin basiert. Der Filmbericht zeigt anlässlich des Besuches eines … Weiterlesen

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    Buch: Der Flammenträger – von Bernard Cornwell

    Nach rund 50 Jahren und unzähligen Kämpfen für Wessex und Mercien ist der angelsächische Kriegsherr Uhtred endlich am Ziel seiner Träume angelangt: Die Rückeroberung des alten Familiensitzes Bebbanburg in Northumbria liegt in greifbarer Nähe!
    Doch bevor er sich daranmachen kann, seine räuberische Verwandtschaft aus der alten Festung zu vertreiben, muss ein Dickicht aus Täuschungen, Intrigen und Fallen überwunden werden. Nicht nur norwegische Wikinger, sondern auch Schotten und Westsachsen setzen alles daran, Uhtreds Pläne im allerletzten Moment zu durchkreuzen.
    Mindestens ebenso hart wie Uhtred dürften auch viele Leser auf den Tag gewartet haben, an dem ihr lieb gewonnener Held wieder Herr seiner ererbten Ländereien ist. Eventuell hat der Autor Bernard Cornwell ja bemerkt, dass etliche Fans der Reihe seine seit neun Romanen andauernde Verzögerungstaktik mittlerweile mehr ärgerlich als spannend fanden.
    Besser spät als nie – könnte man nun sagen. Ich bin allerdings der Meinung, dass der beste Zeitpunkt für die Verwirklichung von Uhtreds Zielen längst verpasst wurde. So richtig glaubwürdig ist es nämlich nicht, wenn ein mittlerweile rund 60 Jahre alter Mann im vordersten Schlachtengetümmel einen Gegner nach dem anderen niederhaut. Aber vielleicht fühlt sich der über 70jährige Autor ja selbst etwas jünger, wenn er in seinen Büchern einem Herrn in fortgeschrittenem Alter solche Fähigkeiten zuschreibt 😉
    Bernard Cornwells Rezept für einen unterhaltsamen historischen Roman bleibt auch beim 10. Uhtred-Band unverändert: Eine meist mit hoher Geschwindigkeit vorangetriebene Handlung; brutale Kämpfe mit Liebe zum blutigen Detail; einige mehr oder weniger überraschende Wendungen; kein oder kaum Liebesschmalz (im Gegensatz zu so vielen anderen Mittelalterromanen); und eine oft vulgäre, mit rauem Humor gewürzte Sprache („Bei den meisten Leuten kommt die Scheiße aus dem Arsch, bei euch jedoch kommt sie aus dem Mund“.).
    Einerseits sind diese Zutaten ein offensichtlicher Erfolgsgarant für den Autor – die Uhtred-Romane verkaufen sich nämlich wie warme Semmeln und wurden jüngst sogar fürs Fernsehen verfilmt. Andererseits hinterlässt das immer gleiche Schema bei manch langjährigem Leser zunehmend einen etwas schalen Beigeschmack. Dementsprechend werden die ersten drei bis vier Teile häufig als die besten angesehen. 
    Immerhin unterscheidet sich die Handlung des aktuellen Romans insofern von den vorhergehenden, dass Uhtred hier ausschließlich in eigener Sache kämpft – also nicht für die Sachsen, um deren Land gegen räuberische Wikinger zu verteidigen. Das ist durchaus erfrischend.
    Im Nachwort des Autors heißt es, er habe diesmal besonders viel hinzugedichtet, was historisch nicht belegt ist. Sei’s drum, ich empfinde diese Hinzufügungen als wenig problematisch. Kritikwürdig ist da eher, dass Cornwell offensichtlich glaubt, man könne einen eisernen Helm mit einem Schwert spalten. Auch sind Formulierungen wie „in zwei Minuten“ für eine im Mittelalter angesiedelte Handlung unsinnig. Aber das sind letztendlich nur Kleinigkeiten, die mir persönlich ins Auge sprangen. Auf das Lesevergnügen wirkt sich so etwas nicht nennenswert aus.
    Fazit: Ja, ich fühle mich von Uhtred trotz gewisser Ermüdungserscheinungen immer noch gut unterhalten. Nicht mehr so sehr wie zu Beginn der Reihe, aber ausreichend, um noch 4 Sterne vergeben zu können.
    Übrigens: Obwohl Uhtred seinen langjährigen Traum nun endlich verwirklicht hat, werden laut Autor weitere Romane über ihn erscheinen. Auf der Homepage beantwortete Cornwell die Frage eines Lesers folgendermaßen: I will likely write the next book of Uhtred’s tale next year. Das wäre 2018. Möglicherweise erscheint daher die deutsche Ausgabe erst 2019.

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    Anmerkung: Es hat zwar überhaupt keinen Einfluss auf die Rezension, trotzdem möchte ich der Vollständigkeit halber noch ein wenig Erbsen zählen und auf folgende Details hinweisen: Das Cover passt nicht so ganz zum Inhalt des Buchs, denn dessen Handlung spielt im frühen 10 Jh., der Helm auf dem Bild entspricht allerdings dem von Sutton-Hoo und ist rund 300 Jahre älter. Die zuständige Grafikerin wird sich gedacht haben: Merkt eh keiner. Doch, ich habe es bemerkt – und sicher auch einige andere Leser 😏
    Nun könnte man freilich anmerken, der Abgebildete ist gar nicht Uhtred, sondern Ida der Flammenträger – eine halb sagenhafte Gestalt aus dem 6. Jh., die im Buch kurz Erwähnung findet und auf die auch der Titel Bezug nimmt. Dann würde man mit dem Helm lediglich um knapp 100 Jahre daneben liegen …
    In jedem Fall unpassend ist jedoch die im Hintergrund abgebildete Steinburg. Bei diesem ‚out of time objekt‘ handelt es sich nämlich um das nordenglische Bamburgh Castle wie es sich heute präsentiert. Zur Zeiten der Romanhandlung – und auch zur Zeit von Ida – bestand der damals noch als Bebbanburg bezeichnete, deutlich kleinere Bau jedoch überwiegend aus Holzpalisaden, Erdwerk und nur wenigen Steinmauern; Cornwell selbst beschreibt die Festung so in seinen Büchern. Warum blieb das aber bei der Cover-Gestaltung unberücksichtigt? Schade, dass man hier nicht etwas mehr Hirnschmalz investiert hat.

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    Buch-Empfehlung: Pompeji – Die größte Tragödie der Antike

    Im Jahr 79 n. Chr. spie der am Golf von Neapel gelegene Vesuv plötzlich riesigen Mengen an Feuer und Rauch. Viele tausende Menschen, die bis zu diesem Zeitpunkt in unmittelbarer Nähe des Vulkans lebten, fanden in den darauffolgenden Stunden einen schrecklichen Tod. Die Ortschaften Pompeji, Herculaneum, Oplontis, Stabiae, Boscoreale sowie Tarzigno wurden völlig zerstört und unter einer meterhohen Decke aus Asche und Bimsstein begraben.
    In Pompeji – Die größte Tragödie der Antike (Goldmann Verlag, 2016) verwebt der italienische Archäologe Alberto Angela den aktuellen Forschungsstand mit kleinen fiktiven Episoden, die sich unmittelbar vor, während und nach dem Vulkanausbruch in ähnlicher Form zugetragen haben könnten.
    So darf der Leser beispielsweise einigen namentlich genannten und einst tatsächlich existierenden Stadt-Oberen Pompejis über die Schulter blicken, wie sie in völliger Unkenntnis der kurz bevorstehenden Katastrophe noch pflichtbewusst Reparaturen des lokalen Wasserleitungssystems anordnen und beaufsichtigen. Dieses war nämlich – laut archäologischem Befund – vermutlich aufgrund von etlichen kleinen Erdbeben, die der Vesuv Tage oder Wochen vor seinem Ausbruch verursacht hatte, stark beschädigt worden.

    Litten die Pompejaner also aufgrund der beschädigten Leitungen in der Stunde Ihres Todes an Durst? Vermutlich nicht, denn die Stadt besaß, wie erläutert wird, auch unzähliger Zisternen, die heute direkt unter den Füßen ahnungsloser Touristen liegen. In diesen z.T. meterhohen Bogengewölben wurde schon Regenwasser gespeichert, lange bevor die Römer Pompeji an ein rund 100 km langes Aquädukt anschlossen.

    Wer hätte weiters gedacht, dass der durchschnittliche Pompejaner aufgrund des hohen Fluor-Gehalts in seinem Trinkwasser gesündere Zähne als die meisten anderen Einwohner des antiken Italiens hatte? Nicht zufällig wird ja Fluor häufig unseren heutigen Zahnpasten beigemengt (obschon das nicht mehr ganz unumstritten ist).
    Die Pompeji-Forschung förderte aber noch mehr Kuriositäten zutage; beispielsweise Backwaren in Penisform und Damenslips aus Leder ^^
    Ebenfalls höchst kurios ist, dass in einem vornehmen pompejanischen Haus ein Tisch entdeckt wurde, der ursprünglich wohl Publius Servilius Casca gehörte. Dieser Mann war es, der den ersten Stich ausführte, als 123 Jahre vor dem Vesuvausbruch Caesar in Rom von einer Gruppe seiner Feinde überwältigt und getötet wurde. Nachdem der geflohene Casca einige Zeit später vom römischen Senat geächtet worden war, versteigerte man seinen Besitz. Ein Teil davon gelangte offensichtlich im Laufe der Zeit in das Haus reicher Pompejaner.
    Und schließlich dürften die Archäologen sogar einem vor beinahe 2000 Jahren begangenen Verbrechen auf die Spur gekommen sein. Im Hinterzimmer eines Ladens in Herculaneum fanden sich nämlich, versteckt in einem großen Gefäß, die Teile einer zerstückelten menschlichen Leiche, deren Kopf vom Mörder bereits beseitigt worden war …

    Alberto Angela räumt in seinem Buch auch mit mancherlei Mythen und Irrtümern auf: Etwa der Vorstellung, dass der Vesuv zum Zeitpunkt seiner Eruption bereits ähnlich aussah, wie er sich uns heute präsentiert. In Wirklichkeit existierte damals der steil aufragende Vulkankegel noch nicht, sondern war flach, stark bewaldet und unterschied sich kaum von den sanften Höhenzügen seiner Umgebung. Kein Wunder, dass die Menschen nichts von der Gefahr ahnten, die hier in der Tiefe lauerte. 
    Als unrichtig wird auch jene von Fremdenführern gelegentlich immer noch aufgestellte Behauptung entlarvt, wonach die im Straßenpflaster Pompejis eingegrabenen parallelen Rinnen (Straßenbahnschienen ähnlich) quasi zufällig im Laufe der Zeit von Fuhrwerken verursacht wurden. Richtig ist stattdessen, dass es sich hierbei um eine Art Leitliniensystem handelt, mit dem Pferdewägen auch in der Nacht sicher durch die Straßen gelenkt werden konnten, ohne beispielsweise Trittsteine oder die oft in die Straßen hineinragenden Brunnen zu touchieren. Für die meisten Gefährte herrschte in römischen Städten ja Tagfahrverbot, sodass viele Lieferanten ihre Geschäfte im Dunklen erledigen mussten.
    Auch dem in heutigen Sachbüchern häufig anzutreffenden „Thermopolium“ geht es ein wenig an den Kragen: Dieser für römische ‚Gasthäuser‘ so gerne verwendete Begriff existierte in der Antike noch gar nicht, sondern ist, trotz altgriechischer Bestandteile, eine moderne Kreation. Im Übrigen dienten die berühmten Löcher in den Theken der pompejanischen Thermopolia keineswegs als Abstellmöglichkeit für (Wein-)Amphoren, wie gerne angenommen wird. Vielmehr handelte es sich dabei vor allem um eine kommode Möglichkeit getrocknete Lebensmittel zu lagern.

    Die Liste der hochinteressanten Detailinformationen, die in diesem knapp 500-seitigen Buch genannt werden, könnte man noch lange fortsetzen. 

    Gibt es also gar nichts zu kritisieren? Sind alle Schilderungen perfekt? Nein, ein paar Kleinigkeiten sind mir schon aufgefallen: Etwa wenn es heißt, Honig sei im antiken Rom das einzige Süßungsmittel gewesen. Das stimmt nicht so ganz, denn beispielsweise ist bekannt, dass Wein gerne mit (höchst ungesundem) Bleizucker (Bleiacetat) ‚gepanscht‘ wurde. Unzutreffend ist auch, dass Salz die einzige Möglichkeit zum Haltbarmachen von Lebensmitteln gewesen wäre. Räuchern und Lufttrocknen waren nämlich ebenfalls gängige Verfahren – siehe hierzu Catos De agri cultura. Doch wie gesagt, bei diesen Punkten handelt es sich um Kleinigkeiten, aus denen man dem Autor sicher keinen Strick drehen kann. Außerdem besteht ja die Möglichkeit, dass beim Übersetzen aus dem Italienischen ins Deutsche manch Formulierung verkürzt wiedergegeben wurde. Wer weiß.
    Erwähnenswert, aber für mich ebenfalls nicht weiter tragisch ist der Umstand, dass auf Fußnoten bzw. detaillierte Quellenangaben verzichtet wurde. Zwar wären diese Dinge ein zusätzlicher Bonus gewesen, aber man kann eben nicht alles haben. Und immerhin enthält das Buch ja ein Register, in dem der Leser sogar Begriffe wie „Lupanar“ nachschlagen kann 😊
    FAZIT:  Äußerst geschickt verbindet Alberto Angela Wissenschaft mit einer ausgewogenen Dosis Fiktion. Pompeji – Die größte Tragödie der Antike lässt eine längst untergegangene Welt wiederauferstehen und ist meiner Meinung nach ein echtes Sachbuch-Highlight, das sogar Mary Beards gelungenes Pompeji-Buch aus dem Jahr 2011 übertrifft. 
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    Buch: Lieben, Leben und sterben in Carnuntum

    Carnuntum zählte zu den bedeutenderen Städten des Römischen Reichs und war im Jahr 308 Schauplatz der sogenannten Kaiserkonferenz. Licinius, einer der Teilnehmer, wurde dabei zum Augustus des Weströmischen Reichs ernannt.

    Im Buch Antiker Reiseführer: Lieben, leben und sterben in Carnuntum (IGK-Verlag) verwendet der Autor Imre Kusztrich die damaligen Ereignisse als Rahmenhandlung, in der er den fiktiven Bernsteinhändler und Licnius-Freund Rutilius von seiner Heimatstadt Carnuntum und dem alltäglichen Leben darin berichten lässt.

    Die Texte enthalten eine Vielzahl an lateinischen Fremdwörtern, die farblich markiert und in Infokästchen auf der jeweiligen Seite kurz erläutert werden.
    Ein bisschen schade ist der Mangel an Quellenangaben. Zwar nennt der Autor die Quellen immer wieder einmal direkt im Text – z.B. Martialis berichtet … – aber so richtig nachprüfbar ist vieles nicht, wie etwa der an einer Stelle genannte doppelte Eintrittspreis, den Frauen beim Besuch einer Therme bezahlen mussten. Es wäre schon interessant, auf welchen überlieferten historischen Informationshäppchen solche Aussagen beruhen, um deren Gewicht einschätzen zu können (Leser mit ‚Quellenfetisch‘ gehören vermutlich nicht zur Hauptzielgruppe des Buchs – dazu unten mehr).
    Auch stieß ich auf ein paar kleinere Patzer, wie etwa die Aussage, Militärtribunen hätten auf Ihrer Tunika nur einen Streifen (clavus) gehabt, obwohl es in Wirklichkeit zwei waren. Allerdings habe ich den Eindruck, dass der Autor durchaus bemüht war, sich an den Fakten zu orientieren. Zu 99 Prozent ist ihm das auch gelungen.

    Das Buch beinhaltet diverse Abbildungen, wie etwa die Rekonstruktionszeichnung einer in Carnuntum von Archäologen entdeckten Gladiatorenschule sowie Fotos, die reale Rekonstruktionen römischer Bauwerke des Archäologischen Parks Carnuntum zeigen. Ich kann mir daher gut vorstellen, dass dieses Buch bei vielen Lesern Interesse daran weckt, Carnuntum in Niederösterreich einmal selbst zu besuchen. Und das dürfte auch die Intention des Autors gewesen sein.
    Trotzdem beziehen sich viele Beschreibungen nicht spezifisch auf die Situation in Carnuntum. Das ist schade; ich habe mir aufgrund des Titels mehr erwartet. So gesehen ist dieses Buch wohl eher für jene geeignet, die ein allgemeines Interesse am fassettenreichen Leben in einer antiken römischen Stadt haben; besonders dann, wenn das einschlägige Vorwissen über die Antike beim Leser noch nicht allzu stark ausgeprägt ist.

    Inhaltsverzeichnis

    – Prolog
    – Imperatoren, Carnuntum erwartet euch!
    – Diese Stadt ist voller Feste
    – Willkommen in meiner villa urbana
    – Mit einem Gongschlag lädt die Therme zum Genießen ein
    – Mann, Frau, Begierde und Moral
    – Martialisches zieht uns in die Arenen
    – Der Tod in Carnuntum hat iele Gesichter
    – Unser Reichthront auf Disziplin, Treue und Tapferkeit
    – Das Paradies, in dem wir Leben dürfen
    – Geschriebenes unterscheidet uns von den Barbaren
    – Mögen die Götter unseren Kaiser erhellen!
    – Historisches Pannonien heute
    – Infos

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    Hafenbuch von Treptow an der Rega 1536-1569

    Das Hafenbuch von Treptow an der Rega 1536-1569 Neuerscheinung einer Quellenedition. Bei dieser Quelle handelt es sich um ein zentrales Zeugnis zur Geschichte der Folgen der Reformation in Pommern, noch dazu am Initialort für die Einführung der neuen Lehre. Das … Weiterlesen

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    Der Traum vom Fernsehen

    Vor rund 70 Jahren begann das Fernsehen seinen Siegeszug um die Welt. Aber schon seit Jahrhunderten träumen Menschen von Apparaten, die entfernte Ereignisse, Objekte und Personen nahe bringen. 1881 übertrugen Erfinder zum ersten Mal Bilder mit elektrischem Strom. Einige ihrer Geräte blieben in Museen erhalten. Im Folgenden haben wir die schönsten Visionen der Television gesammelt….

    Buch: Die Vermessung der Ozeane – Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit

    Im Buch Die Vermessung der Ozeane: Welt- und Seekarten von der Antike bis zur Neuzeit (Verlag Delius Klasing) schildert der Autor Olivier de Carrer die Entwicklung der Kartographie sowie das sich wandelnde Bild, das die Menschheit im Lauf der letzten Jahrtausende von der Erde gewann.
    Beispielsweise haben wir einem Schreiber des ägyptische Herrschers Snofru die erste historisch überlieferte, formelle Erwähnung einer Seereise zu verdanken; bereits um 3000 v. Chr. verzeichnete dieser die Ankunft von 40, mit Zedernholz beladenen Schiffen aus Byblos (Libanon). 
    Auch die Forschungsarbeit von so berühmten Wissenschaftlern wie Eratosthenes von Kyrene (berechnete Erdumfang) und Hipparch von Nikaia (teilte Erdumfang als erster in 360 Grad) werden in allgemein verständlicher Weise erläutert.
    Der Fortschritt der Kartographie wird überdies mithilfe großformatiger Abbildungen alter Karten veranschaulicht. Anhand dieser erklärt der Autor unter anderem, welchen Zweck Windrosen und das für Laien verwirrend wirkende Netz von sogenannten Rumbenlinien haben (siehe z.B. das abgebildete Buchcover). 
    Da die meisten der überlieferten Welt- und Seekarten (sog. Portolane) aus dem europäisch-westlichen Kulturkreis stammen, nehmen sie und ihre Entwicklung naturgemäß mehr Raum im Buch ein, als etwa die Kartographie und Seefahrt in Asien. Trotzdem wird auch auf die Kulturen abseits Europas nicht völlig vergessen; beispielsweise würdigt der Autor die navigatorischen Fähigkeiten der Polynesier, die bereits vor Jahrtausenden auf abenteuerlichen Fahrten, unter Zuhilfenahme heute oft nicht mehr bekannter Navigationshilfen, die Besiedelung der Pazifikinseln in Angriff nahmen.
    Überhaupt ist ja die Geschichte der Kartographie auch immer eine der Entdeckungsreisen. Daher ist z.B. von berühmten Männern wie Kolumbus die Rede, aber auch von João Vaz Corte-Real, der bereits 1472 – also 20 Jahre vor Kolumbus – (Nord-)Amerika (wieder-)entdeckt haben könnte. Im Gegensatz zu Kolumbus hatte er freilich keine mächtigen Gönner und spielte auch nicht dermaßen geschickt auf der PR-Orgel, sodass seine Aktivitäten in Vergessenheit gerieten. Doch selbst der Portugiese Corte-Real war vielleicht nicht der erste Europäer des ausgehenden Mittelalters, der amerikanischen Boden betrat. Es ist nämlich denkbar, dass Kabeljau-Fischer bereits Mitte des 15. Jahrhunderts bei Neufundland an Land gegangen sind. Darauf deuten französische Karten hin, die Teile der nordamerikanischen Küste bereits vor den offiziellen Entdeckungsfahrten in dieser Gegend zeigten. Kolumbus könnte davon gewusst haben …

    Fazit: Der Autor ermöglicht in Die Vermessung der Ozeane Nichtfachleuten einen unkomplizierten, sehr schön illustrierten Einblick in die historische Entwicklung der Kartographie. Manch neugierigem Leser werden die Erläuterungen punktuell vielleicht aber etwas zu sparsam sein. Ich hätte mir beispielsweise Näheres zu der berühmten Karte des Piri Reis gewünscht; ein Thema wie dieses sollte man nämlich nicht bloß Erich von Däniken überlassen 😉
    Der Preis für dieses großformatige Buch (36,5 cm x 27,3 x 2,5 x ) beträgt knapp 50 Euro.
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    Inhaltsverzeichnis:

    Eine Welt erfinden – Von der Frühzeit bis Eratosthenes
    Ein sehr langer Schlaf – Von Ptolemäus bis zum Mittelalter
    Zurück auf die offene See – Von der Pisaner Karte zur Schule von Mallorca
    Der vierte Kontinent – Vom „Atlas catalan“ bis Magellan
    Eine Karte für die Seefahrer – Von den ersten Seebüchern zum Seeatlas
    Ein anderer Blick auf den Ozean – Vom „Dépôt des cartes et plans“ zum GPS

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    Krimskrams: Das Frühmittelalterdorf Unterrabnitz — Der Flammenträger — Wenn alle Dämme brechen — Des Klosters geplante Scheune — Das Buch als Geldanlage

    Das Frühmittelalterdorf Unterrabnitz

    Dank einer E-Mail wurde ich auf das burgenländische Frühmittelalterdorf Unterrabnitz aufmerksam, das mir bisher nur vage vom Namen her bekannt war. Es ist zwar nicht riesig, sieht aber sehr nett aus. Auch die Lage in der Landschaft scheint optimal zu sein (keine modernen Gebäude in unmittelbarer Nähe, stattdessen im Wald gelegen). Ich denke, das muss ich mir mal persönlich ansehen und eventuell auch ein paar Fotos fürs Blog machen. Extrem weit weg ist es ja nicht.

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    Bernard Cornwell: Der Flammenträger

    Der zehnte Uhtred-Roman Bernard Cornwells mit dem Titel Der Flammenträger erscheint am 22 April. Sehr schön, doch wieso kostet die Kindle-Ausgabe nur einen Euro weniger, als die greifbare und wiederverkäufliche Variante aus Papier? Bei dieser eigenartigen Preispolitik wundert es mich nicht, dass der europäische E-Book-Markt stagniert (stört mich allerdings nicht, denn ich persönlich halte von E-Books ohnehin nicht sehr viel).
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    Das Buch als Geldanlage
    Als ich mir im Jahr 2014 das Buch Pfeil und Bogen zur Merowingerzeit gekauft habe, musste ich dafür knapp 25 Euro abdrücken. Für das Gebotene ein durchaus akzeptabler Preis. Neu scheint das Buch mittlerweile nicht mehr erhältlich zu sein, sondern nur mehr gebraucht. Und zwar bei Amazon für 63 und 90 Euro! 
    Ob sich bald ein Blöder findet, der bereit ist solche absurden Preise zu bezahlen? Oder werden die Verkäufer stattdessen sehr lange auf ihren Exemplaren sitzenbleiben und eines Tages gezwungen sein, mit den Preisen deutlich nach unten zu gehen?
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    Wenn alle Dämme brechen
    Ich äußere mich hier normalerweise nicht zu den Ideen von irgendwelchen Parteipolitikern. Doch das folgende Beispiel verdient definitiv eine Ausnahme – weil es nämlich die Bildung berührt, die ja auch eines der Anliegen dieses Blogs ist. Zitat aus der Kronenzeitung vom 13. März.

    Zur Debatte über die Bildungsreform haben am Wochenende auch die Grünen einen Beitrag geliefert: Mathematik soll wegen den vielen Fünfern bei der Zentralmatura nur noch ein Wahlfach bei der Matura sein […].

    Brechen nun in Bananenreich die letzten Dämme, die die Realität vom Irrsinn trennen? Zumindest scheint manch politischer Bildungslegastheniker endgültig in seinem eigenen Ideologiewahn abzusaufen. 
    Anstatt den Mathe-Unterricht und/oder diese eigenartige Zentralmatura grundlegend zu reformieren, soll die vermeintlich allgemeine (!) Hochschulreife den Schülern einfach nachgeschmissen werden. Toll. Doch was wollen die Matheverweigerer im Anschluss an die AHS studieren? Die mathelastigen, aber von der Wirtschaft gefragten MINT-Fächer können sie vergessen. Bleiben also vor allem die überlaufenen ‚Laberfächer‘ wie Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaft usw., deren Absolventen sich ob ihres Studiums zwar gerne der besserwissenden Elite zurechnen, es in Wirklichkeit dank politischer Unterstützung aber nur immer häufiger schaffen, dass Dummschwätzerei als anerkannte Wissenschaft durchgeht. Überflüssig zu erwähnen, dass der für obige Idee verantwortlich zeichnende Politiker genau aus dieser kryptointellektuellen Ecke kommt.

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    Des Klosters geplante Scheune
    Es stellt eine Premiere dar, dass seitens des Campus Galli ein geplantes (oder auch bereits fertiggestelltes) Gebäude mehr als nur flüchtig in einem im Internet zugänglichen Beitrag behandelt wird: Klick mich
    Beginnen wollten man mit der Errichtung dieser Scheune bereits vor zwei Saisonen, doch immer wieder kam es zu Verschiebungen. Und selbst der für dieses Jahr angekündigte Baubeginn ist laut Aussagen der Verantwortlichen nicht gesichert. Kein Wunder, stützt sich das Projekt doch allzu sehr auf freiwillige Helfer mit zwei linken Händen. Jeder mag sich selbst ausmalen, wie lange es dauern wird, bis die geplante Klosterstadt mit rund 50 Gebäuden fertiggebaut ist. Ich tippe auf nie.

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    Buchtipp: „Acid ist fertig!“

    Ob Blue Cheer, Purple Haze, White Lightning oder einfach nur Acid – verschiedene Namen die in der Regel das gleiche meinen: Lysergsäurediethylamid oder kurz LSD. Ursprünglich als Medikament zur Behandlung von Depressionen entwickelt, wurde es durch seine halluzinogene Wirkung schnell zur hippen Modedroge. Der Kulturwissenschaftler Alexander Fromm zeichnet in seinem lesenswerten Buch die Geschichte von LSD nach.

    Baltische Studien 2016

    Frisch erschienen: Baltische Studien der Gesellschaft für pommersche Geschichte, Kunst und Altertumskunde e.V. Neue Folge Band 102 2016 http://www.verlag-ludwig.de/product_info.php?pName=baltische-studien-pommersche-jahrbuecher-fuer-landesgeschichte-band-102-nf-p-1160 Ähnliche BeiträgeWie der Gnevkower Schneidermeister zu Tode kam Der elektronische Lesesaal der Martin-Opitz-Bibliothek Haus Demmin

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    Dorfgeschichten von Rügen

    „Dorfgeschichten von Rügen“ Dieser Band stellt Orte abseits der bekannten Touristenmagnete vor. 33 Dörfer und ihre Bewohner werden porträtiert, darunter Fischer und Bauern, junggebliebene Pensionäre und alteingesessene Familien, Fährleute und Reiter, Künstler und Olympiateilnehmer und viele mehr. Bezug auch über … Weiterlesen

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    Krimskrams: Varusschlacht in Kalkriese? — Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing — Zensur-Doku

    Varusschlacht in Kalkriese?

    Das Museum von Kalkriese ist in optischer Hinsicht ein absoluter Graus: Hässliche, vor sich hinrostende Stahlinstallationen stehen verstreut im Gelände und beleidigen die Augen all jener Besucher, deren ästhetisches Empfinden noch nicht völlig den Bach hinunter gegangen ist (siehe Bild).
    Überdies kann nicht als gesichert gelten, dass die Varusschlacht wirklich in Kalkriese stattgefunden hat. Genauso gut könnte sich dort wenige Jahre später der römische Feldherr Germanicus auf seinem mäßig erfolgreichen Rachefeldzug mit den Germanen geprügelt haben. 
    Zu dieser Fragestellung soll nun im Rahmen eines großen Projektes geforscht werden, wie Archäologie Online berichtet: Klick mich
    Interessant wäre auch zu erfahren, inwieweit tatsächlich Kritiker der Kalkriese-These in das Forschungsprojekt eingebunden werden. Oder ob es sich hierbei vor allem um eine Veranstaltung handelt, die Kalkriese als Schlachtort bestätigen soll. Man darf nämlich eines nicht vergessen: Das Museum vor Ort wurde rund um den Mythos Varusschlacht errichtet. Bricht der quasi weg, ist das selbstverständlich für das Museum sowie seine Geldgeber – vor allem die Lokalpolitik – eine wenig schöne Entwicklung …

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    Adblocker-Verbot und Blogger-Bashing


    Ein Leser machte mich auf einen Beitrag aufmerksam, in dem es darum geht, dass deutsche Verleger ein Verbot von Adblockern fordern. Anderenfalls könnten sie ihre drittklassigen Schmierblätter vorzüglichen Qualitätsblätter nicht mehr finanzieren. Und das wäre angeblich ganz schlimm, weil dann würde die breite Masse der Bevölkerung beispielsweise durch Blogger, die „journalistische Standards“ nicht erfüllen, informiert. Mon dieu!
    Ich bin jedenfalls stolz darauf, mein Blog nicht im Rahmen dieser sogenannten „journalistischen Standards“ zu betreiben. Denn in dem Fall müsste ich beispielsweise den Campus Galli ganz toll finden – oder zumindest so tun als ob – und diese geschichtsdidaktische  Abraumhalde wie ein Blöder belobhudeln; bei gleichzeitigem Verschweigen oder Kleinreden des im Umfeld dieses Projekts errichteten Förder- und Abpumpdickichts. 
    Auch ein Interview wie zuletzt jenes mit Stefan Wolters vom Geschichtspark Bärnau-Tachov, das übrigens bisher gut 3000 Mal angeklickt wurde, wäre im Rahmen der vielgepriesenen „journalistischen Standards“ kaum denkbar. Einfach weil Zeitungen – selbst die Online-Ausgaben mit überreichlich Platz – ihre Leser für zu dumm halten, ein ausführliches Interview in dieser Länge geistig verarbeiten zu können. Infolgedessen beschränken sich die ‚Profis‘ auf das Verabreichen von journalistischem Fingerfood mit homöopathischem Informationsgehalt.
    Nein wirklich, behaltet doch bitte eure vermeintlichen Standards, liebe Journalisten. Und während ihr eure Berichterstattung immer öfter an den Befindlichkeiten von Anzeigenkunden ausrichtet, nehme ich mir das Recht heraus, hier zu frei schreiben, was mir passend erscheint. Denn eure ständig im Mund geführte „Unabhängigkeit“ bedeutet in der Realität vor allem eines: Finanzielle Unabhängigkeit! Und darüber verfügt nahezu keine von euch hauptberuflichen Meinungströten. 
    Im Übrigen: Würden die Online-Portale – besonders jene der Zeitungen – nicht so unsäglich viel Werbung schalten, oft noch dazu in animierter und lärmender Form, dann hätten sich Adblocker nie dermaßen weit verbreitet.
    Doch es verhält sich hierbei wohl so ähnlich wie bei der tagtäglichen Trump-Berichterstattung: Man hat längst jedes Maß verloren und überdies völlig übersehen, wie sehr man vielen Medienkonsumenten mit derlei Dauerpenetrationen auf den vielzitierten Sack geht. 
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    In den Logfiles entdeckt: Zensur-Doku

    Unlängst warf ich einen Blick in die Logfiles dieses Blog und dabei fiel mir auf, dass alleine in den letzten paar Tagen an die 400 Zugriffe auf einen schon etwas älteren Beitrag zu verzeichnen sind, in dem es unter anderem um die sogenannten „Skeptiker“ sowie den tendenziell unappetitlichen Internetauftritt des satirischen Negativpreises „Das goldene Brett“ geht.
    Woher genau kamen die Zugriffe? Von verschiedenen Webseiten, aber ursprünglicher Ausgangspunkt scheint der Kommentar unter einer aktuellen, bei Youtube veröffentlichten Doku zu sein, in der es, neben sehr schlechtem Journalismus, besonders um Zensur und Manipulation bei Wikipedia geht. Daran beteiligt sollen laut Dokumacher nicht zuletzt Mitglieder besagter Skeptiker sein. Auch ein ehemaliges Skeptiker-Mitglied – quasi ein Aussteiger aus dieser sektenhaft anmutenden Bewegung – kommt dabei zu Wort. 
    Die über zweistündige Doku erscheint mir in mancherlei Hinsicht inhaltlich durchaus interessant, obschon das teilweise im Hintergrund wabernde Thema 911 mich weniger ‚anturnt‘: Zur Doku
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    Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Infanterie-Regiment von der Goltz

    Geschichte des Infanterie-Regiments von der Goltz (7. Pommerschen) Nr. 54 : auf Grund der Vorarbeiten des verstorbenen Oberst Maximilian v. Renouard und des Oberst z. D. Friedrich Thiede, Burmester, Berlin 1910 mit Namenverzeichnis http://pbc.gda.pl/dlibra/docmetadata?&id=61469 Bildquelle: Kai Heinrich auf Flickr https://www.flickr.com/photos/kaiopai/10252143743/ … Weiterlesen

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    Buch-Neuerscheinung: Lex Baioariorum – Das Recht der Bayern

    Lex Baioariorum, Lex Baiuwariorum, Lex Baiuvariorum – drei verschiedene Schreibweisen für die wahrscheinlich im 7./8. Jahrhundert erstmals verschriftlichte Gesetzessammlung des bayerischen Volkes. Sie ist in 23 thematisch gegliederte Abschnitte sowie in rund 270 Kapitel/Unterpunkte eingeteilt und enthält verschiedenste Regelungen für das menschliche Zusammenleben im frühmittelalterlichen Herzogtum Bayern. Die damals hauptsächlich bäuerlich geprägte Gesellschaft spiegelt sich in diesen Regelungen sehr stark wieder.
    Aufgrund ihrer zahlreichen Detailinformationen zum Lebensalltag stellt die Lex Baioariorum für die Forschung eine äußerst wichtige Quelle des Frühmittelalters dar. Dazu ein paar kleine Beispiele:
    ► Mit viel Liebe zum Detail widmete sich der Gesetzgeber der sexuellen Belästigung von Frauen. Einer dieser ‚Grapscher-Paragraphen‘ (Abschnitt VIII, Punkt 3) lautet: Wenn jemand aus Lüsternheit Hand an eine Freie legt, sei es eine Jungfrau oder Ehefrau eines anderen, was die Bayern „horcrift“ nennen, büße er mit sechs Schillingen.
    Ging ein Lustmolch weiter, stiegen die Strafen empfindlich an (Abschnitt VIII, Punkt 4): Wenn er ihr das Kleid über die Knie anhebt, was man „himilzorun“ nennt, büßt er mit zwölf Schillingen.
    Übrigens, derlei altbayerische bzw. althochdeutsche Begriffe werden immer wieder in erklärender Absicht von den Autoren der Lex genannt.
    ► Auch Abtreibung war damals schon ein Thema (Abschnitt VIII, 18): Wenn eine Frau ein Abreibungsmittel verabreicht: Wenn es eine Sklavin ist, soll sie 200 Geißelhiebe erhalten; wenn es eine Freie ist, soll sie die Freiheit verlieren und einem, den der Herzog bestimmt, als Sklavin zugewiesen werden.
    In den Sklavenstand versetzt zu werden, stellte in der Regel wohl die schlimmstmögliche Strafe für Freie dar. Hingegen war die Todesstrafe nur für eine einziges Delikt vorgesehen: Die Ermordung des bayerischen Herzogs. Freilich, wie sich das alles in der Praxis darstellte, ist eine heute nicht mehr zu beantwortende Frage. Allerdings entsteht hier der Eindruck, dass im Frühmittelalter die Todesstrafe noch weniger großzügig Anwendung fand, als beispielsweise im Hoch- oder Spätmittelalter.
    ► Die Lex Baioariorum erweckt den Eindruck, dass dazumal Eidleistungen für die Beweisführung von besonders hoher Bedeutung waren. Dementsprechend wurde bei Rechtsgeschäften immer wieder an den Ohren der anwesenden Zeugen gezupft, damit sie auch aufmerksam blieben, kein Detail vergaßen und später gegebenenfalls unter Eid Auskunft darüber geben konnten. Beispiele für dieses aus heutiger Sicht skurril anmutende „Ohrenziehen“ oder „Ohrenzupfen“ finden sich im Abschnitt XVII unter den Punkten 3 und 6.
    ► Über die verschiedenen Formen der an einem Freien begangenen Körperverletzung heißt es in Abschnitt IV unter Punkt 29: Wenn aber etwas von diesen Dingen bei Frauen geschieht, wird alles doppelt gebüßt; da sich eine Frau nicht mit Waffen verteidigen kann, erhält sie doppeltes Bußgeld. Wenn sie aber mit mutigem Herzen kämpfen will wie ein Mann, soll ihr Bußgeld nicht verdoppelt werden
    Es gab vereinzelt Versuche, aus dieser Passage ein weibliches Kriegertum für die Bajuwaren/Germanen zu konstruieren. Viel ist dabei bisher freilich nicht herausgekommen.
    ► Einige der Regelungen wirken doch recht schrullig und man fragt sich, ob dafür wirklich ein Bedarf bestand. So konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen, als ich im Abschnitt IV unter Punkt 19 folgendes las: Und wenn er jemandem die Leiter oder eine sonstige Aufstiegshilfe unrechtmäßig wegzieht und der andere oben zurückbleibt, was man „in unwan“ nennt, büße er mit zwölf Schillingen. 😃
    Im Buch Lex Baioariorum – Das Recht der Bayern (Verlag Friedrich Pustet, 2017) beabsichtigt der Herausgeber Roman Deutinger laut eigener Aussage, den lateinischen Originaltext „in zeitgemäßem, leserfreundlichem Deutsch wiederzugeben“ und auch die 25-seitige Einleitung für Laien so verständlich wie möglich zu gestalten. Das ist meiner Meinung nach ohne Wenn und Aber gelungen – siehe die obigen Beispiele. Damit unterscheidet sich diese Übersetzung gravierend von älteren Ausgaben, die zu lesen eine echte Qual sein kann. 
    Von der Lex Baioariorum wurden ganz oder fragmentarisch rund 50 Exemplare überliefert, deren jeweiliger Inhalt im Detail von einander abweichen kann. Der gegenständlichen Übersetzung liegt eine Handschrift zugrunde, die während der Amtszeit des Bischofs Hitto (811-835) entstand und in der Bayerischen Staatsbibliothek unter der Signatur Clm 19415 zu finden ist. Sie gehört zur Gruppe mit der Bezeichnung „Fassung B“, welche einerseits zusammen mit der Fassung A dem Ursprungstext der Lex (der Antiqua) am nächsten kommt und überdies in Bayern weiter verbreitet war als A. 
    Wie man es z.B. auch von den orangen Heften aus Reclams Universalbibliothek her kennt, so steht auch in diesem Buch auf der jeweils linken Seite der lateinische Originaltext, während sich rechts die dazugehörende deutsche Übersetzung befindet.
    Fazit: Ein sehr gutes, allgemein verständlich geschriebenes Buch, das die knapp 25 Euro Kaufpreis auf jeden Fall wert ist. Für am Frühmittelalter ernsthaft interessierte Leser handelt es sich hier um einen beinahe unverzichtbaren Lesestoff. 

    Inhaltsverzeichnis:

    Vorwort
    Einleitung
    – 1. Aufbau und Inhalt
    – 2. Busßen und Strafen
    – 3. Vorlagen
    – 4. Die Frage der Entstehung
    – 5. Überlieferung und Wirkung
    – 6. Zu dieser Ausgabe
    Auswahlbibliographie
    Lex Baioariorum – Das Recht der Bayern
    – Prolog
    – Kapitelverzeichnis
    – I . Kirchenangelegenheiten
    – II. Über den Herzog und die Angelegenheiten, die ihn betreffen
    – III. Über die Geschlechter und ihre Buße
    – IV. Über Bußen für Freie
    – V. Über die Freien, die freigelassene worden sind
    – VI. Über Sklaven und ihre Buße
    – VII. Über das Verbot unerlaubter Ehen
    – VIII. Über Frauen und Fälle, die häufig bei ihnen vorkommen
    – IX. Über Diebstahl
    – X. Über Brandstiftung an Häusern und ihre Buße
    – XI. Über gewaltsames Eindringen
    – XII. Über Grenzverletzungen
    – XIII. Über Pfändung
    – XIV. Über die Verletzung von Tieren und ihre Buße
    – XV. Über anvertrautes und geliehenes Gut
    – XVI. Über Kaufverträge
    – XVII. Über Zeugen und Angelegenheiten, die sie betreffen
    – XVIII. Über Zweikämpfe und Angelegenheiten, die sie betreffen
    – XIX. Über Tote und ihre Buße
    – XXI. Über Beizvögel
    – XXII. Über Obstgärten und ihre Buße
    – XXIII. Über Schweine
    Lesarten der Handschrift Clm 19415
    Erläuterungen zum Text
    Stichwortverzeichnis

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    Unbekannte Größen

    Februar ist Oscar-Monat, und am Sonntag verlieh die US-Filmakademie die begehrten Preise. Dreifach nominiert war „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“; er gewann leider keinen Oscar. Der Film porträtiert drei afroamerikanische Frauen, die in den frühen 1960er-Jahren als Rechnerinnen für die NASA arbeiten. Ihr Arbeitsplatz liegt in den Südstaaten, wo damals noch die sogenannte Rassentrennung praktiziert…

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    VDLied : Das Verzeichnis der deutschsprachigen Liedflugdrucke

    (via Archivalia) In der VDLied-Datenbank werden derzeit ca. 30.000 Lieder aus ca. 14.000 digitalisierten Flugschriften bzw. Flugblättern der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz und des Deutschen Volksliedarchivs (Zentrum für Populäre Kultur und Musik übergreifend recherchierbar und in digitaler Form zugänglich gemacht. → VD-Lied  •  

    Krimskrams: Gab es Bücher in Kodex-Form schon im 8. Jh. v. Chr.? — Warum kein Inhaltsverzeichnis?

    Bei Wikipedia behaupten sie folgendes: 

    Die Papyrusrolle blieb bis in das 2. Jh. n. Chr. die vorherrschende Buchform. Daneben gab es bereits seit dem 6. Jh. v. Chr. in Griechenland Frühformen des Kodex. Sie bestanden, wie wir von bildlichen Darstellungen (z. B. Schreiberstatuen von der Athener Akropolis) wissen aus zusammengehefteten, manchmal gewachsten Holztäfelchen.

    Im ausgezeichneten Buch Formen und Stile: Antike (Benedikt Taschen Verlag, 1994) stieß ich hingegen kürzlich auf nachfolgende Darstellung einer antiken Grabstele. Darauf scheint ein Buch in Form eines Kodex abgebildet zu sein, das satte 200 Jahre vor dem von Wikipedia genannten Zeitpunkt angesiedelt ist; weiters sieht das Objekt keineswegs wie die zusammenklappbaren Wachstäfelchen aus, die bei Wikipedia als Kodex-Frühform genannt wurden, sondern vermittelt bereits den Eindruck eines typischen gebunden Buches, wie wir es z.B. aus dem Mittelalter kennen; sogar eine Buchschließe (?) ist vorhanden.

    Oder haben wir es hier mit etwas zu tun, das nur zufällig eine außergewöhnlich große Ähnlichkeit mit einem Kodex besitzt?
    Ein klein wenig stutzig macht mich nämlich der Umstand, dass sich die gestapelten Buchseiten (?) am Rand deutlich nach außen wölben; üblich ist nämliche eine konkave Form (oder zumindest sollten die Seiten gerade abfallen). Doch vielleicht handelt es sich bei dieser Darstellung lediglich um einen künstlerischen Mangel?
    Etwas merkwürdig erscheint mir auch der Umstand, dass das ‚Buch‘ entweder auf dem Kopf stehend oder von der Rückseite gezeigt wird. Aber eventuell hängt das mit der damals in dieser Weltgegend verbreiteten umgekehrten Schreibrichtung zusammen (ok, das ist eventuell eine extrem gewagte These)? Oder ist die abgedruckte Zeichnung einfach nur spiegelverkehrt – aus welchem Grund auch immer?

    Fragen über Fragen – Buch aus dem 8. Jh. v. Chr. oder doch nicht?

    Grabstele aus Kalkstein
    (Südosttürkei, 8. Jh. v. Chr.)
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    Warum kein Inhaltsverzeichnis?

    Verlage sollten auf ihren Internetseiten den Infotexten der angebotenen Fach- und Sachbücher generell das jeweilige Inhaltsverzeichniss beifügen. Dieses sagt über den Inhalt oft mehr aus, als manch oberflächlicher Klappentext. Aber den meisten Verlagen scheint so ein einfacher Copy&Paste-Vorgang zu viel Arbeitsaufwand zu sein …

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