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Buch: Im Paradies des Alphabets – Die Entwicklung der lateinischen Schrift

Vorweg: Nach Klaus Grewes Aquädukte – Wasser für Roms Städte wird hier nun zum zweiten Mal ein Buch besprochen, dessen Autor/Herausgeber dem wissenschaftlichen Beirat der medial belobhudelten Mittelalterbaustelle Campus Galli (pro forma) angehört. 
Im Paradies des Alphabetes – Die Entwicklung der Lateinischen Schrift wurde von Cornel Dora – Stiftsbibliothekar des Klosters St. Gallen – herausgegeben. Es handelt sich hierbei um eine Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2017.
In verschiedenen Kapiteln wird anhand von handschriftlichen Beispielen aus der umfangreichen Stiftsbibliothek des Schweizer Klosters St. Gallen die Entwicklung der lateinischen Schrift von der Spätantike bis zum Spätmittelalter veranschaulicht (4.-15. Jh.). Man beginnt mit der sogenannten Capitalis quadrata und arbeitet sich bis zur Humanistischen Kursive vor. Darüber hinaus werden auch Sonderformen wie die eher verwirrend wirkende Ogham-Schrift und das angelsächsische Runen-Alphabet behandelt. Weiters enthält das Buch großformatige Musteralphabete, die vor allem für jene interessant sein dürften, die sich selbst in der Praxis mit Kalligraphie auseinandersetzen wollen.
Der Titel ist leider etwas überoptimistisch bzw. irreführend. Die Entwicklung der lateinischen Schrift beginnt nämlich nicht erst im 4. Jahrhundert. Über das Davor erfährt man hier aber kaum etwas. 
Der Einband dieses fadengebundenen, schön gestalteten Buchs ist aus einem Karton mit einer rauen, empfindlichen Oberfläche. Wenig überraschend musste ich bereits beim Auspacken an der rechten unteren Ecke eine Beschädigung feststellen (siehe Bild). Hier hat man nach meinem Dafürhalten an der falschen Stelle geknausert. Ein folierter Karton hätte, wenn überhaupt, nur ein paar Cent mehr gekostet. 
Fazit: Inhaltlich handelt es sich um ein weitestgehend gelungenes Buch, das besonders in Bezug auf die verschiedenen Varianten der lateinischen Schriften des Mittelalters einen anschaulichen und allgemein verständlichen Überblick bietet. Der Kaufpreis beträgt 25 Euronen.
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Zur Einführung: Schreiben im Mittelalter
Antike und Spätantike
Vorkarolingische Vielfalt
Insulare Schriften
Karolingische Minuskel
Gotische Schriften nördlich der Alpen
Italienische Schriften in Spätmittelalter und Renaissance 
Skriptorium und Bibliothek auf dem St. Galler Klosterplan
Initiallkunst
Die Schriften der Urkunden
Musteralphabete 
Ogham
Anhang
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Weiterführende Informationen: 

Zeitschrift "Bayerische Archäologie": Der Schatz von Bernstorf und ein interessantes römisches Kettenhemd

Viermal jährlich erscheint im Verlag Friedrich Pustet die Zeitschrift Bayerische Archäologie. Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedliche Schwerpunkte, enthalten daneben aber auch noch Artikel zu weiteren Themen. 
Im aktuellen Heft mit dem Titel Von den Römern zu den Bajuwaren widmet man sich unter anderem dem „Bernstorf-Drama“; gemeint ist hier der immer wieder durch die Medien geisternde bronzezeitliche Goldschatz, über dessen Echtheit große Uneinigkeit herrscht. Jene Fachleute, welche den Schatz für authentisch befinden, veröffentlichten kürzlich ein Buch (ISBN 978-3-927806-43-6), in dem sie ihre Ansichten verteidigen. Der Artikelautor von Bayerische Archäologie neigt nach der Lektüre eben dieses Buches dazu, den Bernstorf-Verteidigern zuzustimmen und erläutert im Detail und allgemein verständlich seine Gründe dafür. Nun wäre allerdings abzuwarten, wie die Gegenseite auf die oben erwähnte Bernstorf-Publikation reagieren wird.
Abseits der Frage, ob der Schatz echt oder eine Fälschung ist, wird überdies auf Aspekte zum Fundort hingewiesen, die bei der mitunter recht aufgeregten Diskussion zumeist unter den Tisch fallen: Große Teile der bronzezeitlichen Anlage in Bernstorf wurden zwecks Erschließung eines Kiesvorkommens undokumentiert weggebaggert, wobei Bauarbeiter mehrfach nun verschollene Bronzeartefakte beobachteten. Das Bayerische Amt für Denkmalpflege habe die Bedeutung der Fundstätte lange Zeit völlig unterschätzt und soll überdies engagierten Laien vor Ort, die sich für Erhalt sowie Erforschung des Bodendenkmals stark machten, Steine in den Weg gelegt haben. Weiter heißt es:
Dass Laien, wenn sie bedeutende Funde machen, häufig von professionellen Archäologen misstrauisch beäugt werden, und dabei auch Neid gegen die nicht vom Fach Seienden eine Rolle spielt (besonders wenn es eine starke mediale Aufmerksamkeit gibt), ist ein wohl nicht abzustreitendes Phänomen.

Der Autor eines anderen Beitrages beschäftigt sich mit der Geschichte des Legionslagers der 3. Italischen Legion in Regensburg (Castra Regina). Ziemlich interessant fand ich in diesem Zusammenhang die Rekonstruktionszeichnung eines römischen Soldaten aus der 1. Hälfte des 3. Jahrhunderts nach Christus, der u.a. mit Funden aus Regensburg und Eining ausgerüstet ist. Zuerst dachte ich, der Mann trägt eine karierte Tunika; erst auf den zweiten Blick erkannte ich, dass es ein Kettenhemd ist, dessen rechteckige Grundmodule aus Eisen/Stahl mit Bronzeringen zusammengeheftet wurden. Diese außergewöhnliche Bauform habe ich bisher glaube ich noch nirgendwo sonst gesehen. 

Ins Grübeln brachte mich die Ankündigung zu einer Lehrgrabung im kommenden August in Altenerding. Mindestdauer eine Woche, Kosten 100 € (NICHT inkludiert sind hier Übernachtung und Essen). 
Bezahlen für einen mitunter körperlich anstrengenden Hiwi-Job? Sollten die Verantwortlichen nicht stattdessen jedem die Füße küssen, der seinen Sommerurlaub opfert und seine Arbeitskraft kostenlos in den Dienst der Wissenschaft stellt? 
Das Thema hatte übrigens auch schon ein Leser unter meinem Interview mit dem Archäologen Raimund Karl recht kritisch angesprochen.
Fazit: Überwiegend interessanter, abwechslungsreicher Lesestoff. Der Kaufpreis beträgt knapp 9 Euro.
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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Buch: Der Triumph – Siegesfeiern im antiken Rom

Triumphzüge gehören bis in unsere Gegenwart zu den bekanntesten Aspekten der römischen Antike. Doch wo liegen ihre historischen Ursprünge? Wie darf man sich den Ablauf dieser von Zeitzeugen als bombastisch beschriebenen religiös-militärischen Siegesfeiern vorstellen? Und was erzählen uns die Darstellungen auf Triumph- bzw. Ehrenbögen – wie beispielsweise jenen des Titus und Septimius Severus?
Diesen und weiteren Fragen geht Ritchie Pogorzelski in seinem Buch Der Triumph – Siegesfeiern im Antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe mit viel Liebe zum Detail nach. Dabei zitiert der Autor ausgiebig antike Geschichtsschreiber wie Plutarch, Cassius Dio, Sueton usw.
Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass die erörterten Reliefdarstellungen der im Buch behandelten Bauten eingefärbt wurden (siehe Cover). Erst durch diese wichtige Annäherung an die antiken Originale werden  die dargestellten Szenen in vollem Umfang verständlich.
Sinnvollerweise beschreibt Ritchie Pogorzelski in Grundzügen auch gleich jene naturwissenschaftlichen Methoden, die bei der Suche nach mikroskopisch kleinen Farbanhaftungen auf antiken Bau- und Bildwerken zum Einsatz kommen. Weiters wird kurz die entsprechende Forschungsgeschichte betrachtet – ein wichtiger Punkt, da hierdurch ersichtlich wird, warum lange Zeit die irrige Meinung vorherrschte, die antike Architektur sei – von Wandmalereien abgesehen – vergleichsweise farblos gewesen; und das obwohl der Forschung doch bereits früh bekannt war, dass aus überlieferten Schriftzeugnissen klar hervorgeht, wie wenig Anklang etwa blanke Marmorstatuen in der Antike fanden.
Nach dem Betrachten der vielen farbenfrohen Abbildungen in diesem Buch dürften die meisten Leser sehr ähnliche Empfindungen.

Fazit: Eine ausführliche, äußerst detailreiche und auch für Laien leicht verständliche Monographie. Der Kaufpreis beträgt 29 Euro.

Inhaltsverzeichnis (gekürzt)

Einleitung
Der Einsatz von Farbe in der Kunst
Der römische Triumph
– Herkunft
– Beschreibung von Triumphzügen
– Der Triumphator
– Die Entwicklung
– Organisation
– Der Weg des Triumphzuges
– Das Opfer
– Die Kriegsbeute
Außerordenltiche Feiern
triumphus in Monte Albano
– Die ovatio
– Der Seetriumph
– Die ornamenta triumphalia
– Triumphähnliche Prozessionen
Der Ehrenbogen / Triumphbogen
– Der Augustusbogen in Susa
– Der Stadtgründungsbogen in Orange
– Der Titusbogen in Rom
– Der Traiansbogen in Benevent
– Der Bogen des Hadrian?
– Der Bogen des Marcus Aurelius in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Rom
– Der Septimius-Severus-Bogen in Leptis Mgana
– Die Valle Medici- und Valle Capranica-Reliefs
– Der Galierusbogen in Thessaloniki
– Der Konstantinsbogen in Rom
Schlussbetrachtung – Pietät und politische Propaganda
Glossar
Literatur
Abbildungsnachweis

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Das Erwachen der Sprache. Zur Poetik der Schriftstellerin Marica Bodrožić

Die Schriftstellerin Marica Bodrožić vereint in ihren Werken scheinbar gegensätzliche Elemente und schafft neue, ungewohnte Verbindungen: Ihre Erzählungen sind von einer lyrischen Sprache und der Überschneidung verschiedener nationaler, historischer und sprachlicher Perspektiven geprägt. Im Januar dieses Jahres bestand die Gelegenheit, … Weiterlesen

Aeternitas vs. Vanitas

«Vilia miretur populus, mihi flavus Apollo. Pocula castalia, plena ministret aqua.» (Mag das Volk das Nichtige bewundern – mir reicht der blone Apoll volle Becher castalischen Wassers. Ovid, Amores 1,15). – «Vivitur Ingenio, coetera Mortis erunt.» (Man lebt durch den Geist, alles andere ist sterblich. Appendix Vergiliana, Elegiae in Maecenatem 39). [Schweiz], [zwischen 1700 und … Aeternitas vs. Vanitas weiterlesen

Ab urbe condita, 29. Buch: Der 2. Punische Krieg geht in seine Endphase

Der antike Autor Titus Livius schildert in den Büchern 21 bis 30 den 2. Punischen Krieg (218 – 201 v. Chr.) zwischen Rom und Karthago. Das vorliegende 29. Buch umfasst den Zeitraum von 204 – 205 v. Chr. Zu den zentralen Geschehnissen zählen hier u.a. die Vorbereitungen des Scipio Africanus für seine Invasion des karthagischen Kernlandes in Nordafrika, die skandalösen Vorgänge in der zu Rom übergelaufenen Stadt Locri, die Überfahrt des Scipio Africanus nach Afrika mit einer großen Flotte sowie seine ersten militärischen Aktionen gegen die Stadt Karthago und ihre Verbündeten.
Hannibal hat seinen Zenit längst überschritten und es wird deutlich, dass er sich in der nun eintretenden Endphase des Krieges zunehmend gezwungen sieht, auf die Schachzüge Roms zu reagieren, anstatt selbst die Initiative ergreifen zu können. 
Wie man es von Livius kennt, neigt er dazu, die römische Sichtweise zu vertreten, allerdings scheut er auch nicht davor zurück, seinesgleichen scharf zu kritisieren; etwa im Fall des Legaten Pleminius, der in Locri (Calabrien) mit äußerster Brutalität gegen die eigentlich romfreundlichen Einwohner vorging – was nicht nur zu einem Aufstand unter einigen seiner Offiziere und Soldaten führte, sondern auch in Rom selbst politischen Ärger heraufbeschwor, da der direkte Vorgesetzte des Pleminius, Scipio Africanus, durch seine relative Untätigkeit in Bezug auf diesen Skandal politischen Gegnern eine Möglichkeit gab, gegen ihn selbst vorzugehen (siehe meinen Blogbeitrag dazu). Es hat scheinbar nicht viel gefehlt, und der begabte Militär Scipio wäre seines Kommandos enthoben worden, was den weiteren Verlauf des Krieges sehr zu Ungunsten Roms hätte beeinflussen können. Doch es kam nicht dazu und Hannibal wurde in der Schlacht bei Zama von Scipio besiegt. Diese Ereignisse werden jedoch erst im 30. Buch geschildert, das mittlerweile auch schon erhältlich ist.
Die Übersetzung stammt von Ursula Blank-Sangmeister, welche es sehr gut versteht, den alten lateinischen Text in ein allgemein verständliches und angenehm zu lesendes Deutsch zu übertragen. Neben dem modernen Schreibstil sind auch die unzähligen erklärenden Endnoten positiv hervorzuheben. Besonders nützlich erscheint mir außerdem die Inhaltsübersicht, in der die wichtigsten Ereignisse chronologisch bzw. nach Kapiteln geordnet zu finden sind. 

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Märchenland im Computer

Vor 35 Jahren liefen in den USA schon viele kleine Computer wie der Apple II oder der seit 1981 verkaufte IBM PC. Eindruck machten aber große Rechner mit Dutzenden Schränken. Was in ihnen tatsächlich vorging, enthüllte ein Werk von Steven Lisberger: „Tron“ Dieses wurde am 9. Juli 1982 uraufgeführt und gilt als erster langer Computerfilm….

Kriegstagebuch des Carl Klingenberg aus Stralsund

Eine kleine Kugel – Kriegstagebuch des Carl Klingenberg aus Stralsund (1914) David Krüger kaufte 2015 in einem Antiquariat das Tagebuch aus dem 1. Weltkrieg des Gürtlermeisters Klingenberg aus Stralsund. Er übersetzte das in Niederdeutsch bzw. Plattdeutsch verfasste Werk und recherchierte … Weiterlesen

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Alles digital: Die Staatsbibliothek als Vorreiter

Die Bayerische Staatsbibliothek: Suchbegriff Stettin: 208 Digitalisate Suchbegriff Pommern 454 Digitalisate Suchbegriff Genealogie 413 Digitalisate Was ist ihr Suchbegriff? http://www.br.de/mediathek/video/sendungen/schwaben-und-altbayern/digitalisierung-bavarikon-staatsbibliothek-100.html Ähnliche BeiträgeBuchscanner Nationalbibliothek in Leipzig Wiederentdeckt – das 200 Jahre alte Poesiealbum von Julie Kellman

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Deutschlands Städtebau: Stettin

Deutschlands Städtebau: Stettin Schöner Prachtband von 1925 mit viel Gewicht auf Industrie und Handel in der Stadt http://pbc.gda.pl/dlibra/docmetadata?from=rss&id=64575 Ähnliche BeiträgeDer Untergang der Amazone Die Familie von Götz George Familienforschung am Stettiner Haff – Züssow 2016

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Buch: Kleine Einführung in die Altertumswissenschaft

„Kleine Einführung in die Antike Altertums-wissenschaft“ (Verlag J. B. Metzler) lautet der Titel des neben abgebildeten Buchs von Mary Beard und John Henderson. 
Darin wollen die beiden Autoren anhand des in Griechenland liegenden Apollontempels von Bassai (Bassae) einen möglichst repräsentativen bzw. anschaulichen Einblick in die Altertumswissenschaft geben: Wo liegen Ihre Ursprünge? Was bewog und bewegt Menschen, sich mit der Antike zu beschäftigen? Welchen Einfluss hat die Altertumswissenschaft auf unser Weltbild – und umgekehrt? Usw. usf.
Hervorzuheben ist, dass hier dem Leser ein recht guter Eindruck bezüglich der (Un-)Verlässlichkeit alter Schriftquellen vermittelt wird (Stichwort Quellenkritik). So stellen beispielsweise die vom antiken Reiseschriftsteller Pausanias verfassten Beschreibungen des Apollontempels von Bassai nach aktuellem Forschungsstand eine Mischung aus interessanten Tatsachen und blühender Fantasie dar: Von Iktinos, jenem Architekten, der auch für den berühmten Parthenon in Athen verantwortlich war, sei er einst gebaut worden. Das weckte bei den Gelehrten des frühen 19. Jahrhunderts hohe Erwartungen, die z.T. bitter enttäuscht wurden, nachdem man zum ersten Mal den nach London verschifften Tempelfries zu Gesicht bekam.
Womit ich auch schon beim ersten Punkt angelangt wäre, der mir hier weniger gut gefällt: Das Buch liest sich zwar recht angenehm, doch mit der Strukturierung des Inhalts habe ich so meine Probleme. Man hüpft mal dahin, mal dorthin – und kaum wird es spannend, lässt man das entsprechende Thema auch schon wieder fallen. Wie etwa wenn es um das ‚Plündern‘ antiker Tempel-Überreste im frühen 19. Jahrhundert durch intellektuelle Abenteurer aus Europa geht.
Außerdem empfand ich es als ein wenig ermüdend, dass auf dem nicht gerade aufregenden Thema Antikenrezeption relativ ausführlich herumgeritten wurde. Hier hätte ich mir eine etwas andere Gewichtung gewünscht.
Und was mag sich die Übersetzerin bei Formulierungen wie „Was der Begriff Demokratie eigentlich genau meint […]“ gedacht haben? Um gutes Deutsch handelt es sich hierbei kaum (freilich, mein Deutsch ist in diesem Blog auch nicht immer perfekt, aber ich werde dafür ja auch nicht bezahlt 😉).


Fazit: Kein schlechtes Buch, aber auch keines, das mich vom Hocker gehaut hat. Der Preis von knapp 17 Euro ist jedoch angemessen.

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Buch: Die ersten Christen in Rom

Im Buch Die ersten Christen Roms (Palm Verlag) schildert der Theologe Bernd Kollmann die bescheidenen Ursprünge und den steinigen Aufstieg der christlichen Gemeinde im antiken Rom. Der betrachtete Zeitraum erstreckt sich hierbei hauptsächlich von der Herrschaft des Kaisers Tiberius bis zum Pontifikat Leos des Großen im 5. Jahrhundert n. Chr.
Bereits zu Beginn der Ausführungen wird deutlich, dass die Geschichte der allerersten Christen Roms untrennbar mit jener der dort lebenden Juden verbunden ist. Lange wurde nämlich zwischen diesen beiden Gruppen von der römischen Staatsgewalt keine Unterscheidung gemacht; vielmehr galten die Christen in den Augen der Kaiser Tiberius, Caligula und Claudius lediglich als eine weitere jüdische Splittergruppe. Die moderne Forschung spricht hier zurecht von Judenchristen, da diese überwiegend dem Judentum entstammten und sich dessen religiösen Gebräuchen noch sehr stark verpflichtet fühlten; man ließ beispielsweise die Söhne beschneiden und besuchte z.T. weiterhin die Synagoge. Doch nicht zuletzt wegen den mehrfach befohlenen Ausweisungen zigtausender Juden aus Rom – zu denen eben auch Judenchristen gezählt wurden – verschob sich die Zusammensetzung der christlichen Gemeinde zusehends hin zu solchen Christen, die ihre Wurzeln nicht im Judentum, sondern in anderen Religionen, wie etwa dem römischen Staatskult, hatten. Dadurch verloren jüdische Gebräuche – z.B. die Beschneidung – innerhalb des Christentums rasch an Bedeutung. 
Die ersten Christen Roms waren – wie der Autor sehr anschaulich schildert – nicht zentral organisiert, sondern in Hausgemeinden, die oft nur aus wenigen Mitgliedern bestanden und untereinander einen eher lockeren Kontakt pflegten; Gottesdienste wurden vor allem in diesen kleinen, überschaubaren Kreisen gefeiert. Manch interessante Information dazu findet sich im Römerbrief des Paulus, wo sogar die Bezeichnungen mehrerer dieser Hausgemeinden genannt werden.
Neben Paulus, der mit großer Wahrscheinlichkeit selbst Rom besucht hatte, zählt Petrus zu den bedeutendsten Personen des frühen Christentums. An der Frage, ob auch er in Rom war, scheiden sich aber bis heute die Geister. Der (evangelische) Buchautor kommt jedoch aufgrund mehrer Indizien zu dem Schluss, dass die Anwesenheit des Petrus in Rom nicht unwahrscheinlich ist – was wiederum die historische Legitimation der Päpste rettet, da sich diese als Bischöfe Roms in der direkten Nachfolge des Apostels Petrus sehen. 
Die frühen Christen hatten an Problemen keinen Mangel. Neben den Querelen mit ihren jüdischen Konkurrenten wandte sich unter Kaiser Nero plötzlich auch die römische Staatsmacht gezielt gegen sie. Nach dem Brand von Rom, den man ihnen in die Schuhe schob, kam es zu den ersten großangelegten Christenverfolgungen in der Geschichte. Diese endeten mit der Hinrichtung von Tausenden. Zwar erließ Nero interessanterweise kein gezielt gegen Christen gerichtetes Gesetz, allerdings hatte er mit den von ihm angeordneten Hinrichtungen einen bösen Präzedenzfall geschaffen, der noch bis ins frühe 4. Jahrhundert unzählige Male Nachahmung finden sollte.
Neben äußeren Feinden waren es zusehends interne Auseinandersetzungen, welche die Christen Roms auf die Probe stellten. Immer wieder wurden Gegenkirchen gegründet, die zum Teil einen immensen Zulauf hatten. Mehrere der abweichlerischen Kirchengründer, die recht unterschiedliche Vorstellungen vom einzig wahren Christentum hatten, werden vom Buchautor näher unter die Lupe genommen. Darunter Markion, Donatus, Arius, Nestor, Eutyches usw. Spannend fand ich dabei, wie auch die Vertreter der noch schwachen Mainstream-Kirche (eine ‚Amtskirche‘ gab es damals noch nicht) ihre Ansichten in Streitfragen immer wieder änderten. Das frühe Christentum, das wird dem Leser klar, war eine vergleichsweise pluralistische Religion, in der erst lange und mühsam um eine einheitliche Lehrmeinung gerungen werden musste. Und wer weiß, wohin sich all das hätte entwickeln können, wenn nicht die römische Staatsmacht ab dem 4. Jahrhundert das Christentum zunehmend vereinnahmt hätte.

Fazit: Die ersten Christen in Rom ist ein aus meiner Sicht erstaunlich kurzweiliges Buch. Ein potentiell zähes religiöses Thema wurde hier vom Theologen Bernd Kollmann in abwechslungsreicher, sachlicher, leicht verständlicher und gut strukturierter Form aufbereitet. Man muss kein gläubiger Christ sein, um den reichhaltig illustrierten Schilderungen mit Interesse folgen zu können. 

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Einmaliges Schnäppchen: Gewaltiges Pompeji-Buch stark verbilligt zu haben

Aus speziellen Gründen, die ebenso kompliziert wie absurd sind, besitze ich das gewaltige 5-kg-Buch Houses and monuments of Pompeii doppelt. Eines davon biete ich daher stark verbilligt zum Kauf an.
– Der Neupreis beträgt 150 Euro (siehe Amazon). 
Ich gebe ein neuwertiges Exemplar (Abmessungen: 8,9 x 40,6 x 48,3 cm! – inklusive Originalkarton) für lediglich 105 Euro ab. 
Miteingerechnet sind hier bereits die nicht unerheblichen Versandkosten. Ein echtes Schnäppchen also 😊
– Bei Interesse schicke man einfach eine E-Mail an HILTIBOLD [at] gmail.com
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
– Meine reichhaltig bebilderte Rezension zum Buch findet sich übrigens hier

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Anmerkung: Der Beitrag bleibt solange stehen, bis das Buch einen Käufer gefunden hat. Danach wird er gelöscht.

Historische Adressbücher Hannover online

Leibniz-Bibliothek und Stadtarchiv stellen Hannovers historische Adressbücher ins Internet Für Forscher in Hannover: Die Adressbücher sind jetzt auf http://www.gwlb.de/digitale_bibliothek/hannoversche_adressbuecher/ zu finden, von 1798 – 1943. http://www.haz.de/Hannover/Aus-der-Stadt/Uebersicht/Leibniz-Bibliothek-und-Stadtarchiv-stellen-Hannovers-historische-Adressbuecher-ins-Internet Ähnliche BeiträgeDer elektronische Lesesaal der Martin-Opitz-Bibliothek Neuerscheinungen 2016 Vitae pomeranorum

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Krimskrams: Bücher, Bücher, Bücher! — Prinzipienreiterei — Fund in den Logfiles

Bücher, Bücher, Bücher!
Ich möchte an dieser Stelle auf meine Buchrubrik hinweisen, in der alle Rezensionen aufgelistet sind; vergangene sowie zukünftige (d.h. die bis Jahresende geplanten): Klick mich
Wie man sieht: Da kommt einiges! Was bis zu einem gewissen Grad daran liegt, dass ich vermehrt Angebote für Rezensionsexemplare erhalte. Außerdem habe auch ich damit begonnen, selten aber doch nach diesem oder jenem Buch zu fragen.
Freilich, ich schreibe hier sicher nicht lauter 5-Sterne-Lobhudeleien, um mir die Verlage auf Teufel komm raus gewogen zu stimmen. Die meisten Fach- und Sachbücher die von mir besprochen werden bekommen zwar immer noch recht gute vier Sterne, aber das war auch schon so, bevor Rezensionsexemplare für mich auf dem Radar erschienen sind. Der Grund: Viel falsch machen kann man bei dieser Art Literatur nicht, außerdem achte ich im Vorhinein darauf, was ich lese.
Es gibt, das lehrt langjährige Erfahrung, Verlage wie Theiss oder Friedrich Pustet – und Autoren wie den Althistoriker Karl-Wilhelm Weeber – die für Qualität stehen. Deshalb sind in solchen Fällen böse Überraschungen kaum denkbar. 
Selbst ein Verlag wie Marix (Verlagshaus Römerweg) – der mir früher mit seinen Reprints von Uraltübersetzungen antiker Texte eher weniger gut aufgefallen ist (z.B. Herodots Historien) – hat sich mittlerweile zu einem echten Geheimtipps entwickelt, nachdem dort Fachleute wie der Althistoriker Kai Brodersen moderne, gut leserliche Neuübersetzungen erstellen, die man sonst nirgendwo zu bezahlbaren Preisen erhält (Klick mich).
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Prinzipienreiterei

Der Online-Standard berichtet von einer spanischen Galleone, die 1708 vor der Küste Kolumbiens in einem Gefecht auf den Meeresgrund befördert wurde. Was freilich keine Absicht der gegnerischen Royal Navy gewesen sein dürfte, denn an Bord befanden sich laut Allwissender Müllhalde 344 Tonnen Gold- und Silbermünzen sowie 116 Kisten mit Smaragden (das hätte eine saftige Prise abgegeben). Der heutige Wert: Mehrere Milliarden (!) Euro. Dass sich die Regierung Kolumbiens über diesen gewaltigen Schatz vor der eigenen Haustür freut, dürfte wenig überraschend sein. Nach der Bergung des Schiffs soll dieses konserviert und ein  Teil des Schatzes veräußert werden.
Eine vernünftige Lösung, oder? Nicht in jedermanns Augen, denn aus den Reihen der Archäologen ist Nörgelei zu vernehmen. Einer Art Messie-Syndrom frönend, wird ernsthaft die Forderung erhoben, dass nichts von diesem geradezu absurd großen Edelmetall- und Edelsteinhaufen verkauft werden dürfe.

Breaking apart unity of the galleon and her cargo, dissolving essential parts of this heritage for market value, as the 2013 Colombian Law allows, damages its historical value and the benefit for Colombian people. The scientific community, universities and academic centers worldwide, and billions of people -especially the Latin American- who celebrate this culture in our countries, are watching very close what happens in Colombia these days. 

Faszinierend – oder besser gesagt anmaßend – wie hier ein kleines Grüppchen behauptet, im Namen von Milliarden (!) Menschen zu sprechen, ohne je von diesen in irgend einer Form legitimiert worden zu sein.
Jede Wette, dass die Mehrheit der Bevölkerung Kolumbiens für einen teilweisen Verkauf des Schatzes ist. Und für die Wissenschaft macht es, nachdem alles ordentlich dokumentiert wurde, ohnehin keinen Unterschied, ob in den Schaufenstervitrinen des geplanten Museums – in dem das Schiff ausgestellt werden soll – hunderte, tausende oder zehntausende Münzen gleicher Prägung liegen; für Kisten voller Rohedelsteine gilt das noch viel mehr.

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Fund in den Logfiles dieses Blogs:

http://webfilter.schule.local:4290/denied.rhtml?DENIEDURL==http%3a%2f%2fhiltibold%2eblogspot%2ecom%2f2013%2f04%2fhaare%2dfarben%2dim%2dantiken%2drom%2ehtml::IP==10.31.241.228::USER==-::CATEGORIES==::GBYPASS==8D61068920F6BFB04372DCC9BDE34ED21498030001::REASON==%5bDOMAINBAN%5d%20Verbotene%20Dom%c3%a4ne%3a%20blogspot%2ecom 

Da versucht man irgendwo von schulischer Seite die Domain Blogspot.com zu blockieren, also die größte Blogplattform der Welt. Spinnen die ein bisschen? 

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Buch: Historien, von Herodot (Neuübersetzung)

Der um 485 v. Chr. geborene Herodotos von Halikarnassos – normalerweise kurz und bündig „Herodot“ genannt – verfasste ein aus neun Büchern bestehendes Geschichtswerk, das heute zu den bedeutendsten Schriftquellen der Antike zählt: Die sogenannten Historien. Ihr mehr oder weniger chronologisch geordneter Inhalt  reicht von der mythischen Zeit der alten Griechen bis zu den Perserkriegen im ersten Drittel des 5. Jahrhunderts (eine übersichtliche Inhaltsangabe findet man hier).
Herodot war ein ‚Wissenwoller‘ (‚wissen wollen‘ ist die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes historein, woher beispielsweise ‚Historie‘ stammt). Auf ausgedehnten Reisen – wie etwa nach Ägypten – lernte er viele fremde Kulturen und deren Besonderheiten kennen. Geschickt verwob er die gewonnenen Informationen in seinem Werk mit Berichten über Herrscher, Schlachten und Politik. 
Auch wenn Herodot nicht gerade den Qualitätsstandards der modernen Geschichtsschreibung gerecht wird, so sind seine Historien aufgrund ihres farbigen Detailreichtums für die Altertumsforschung von unschätzbarem Wert. Ein paar Beispiele: Im 1. Buch wird vom Drogenkonsum der Massageten (ein iranisches Volk) gesprochen, die bestimmte Früchte verbrannten, um den dabei entstehenden Rauch zu inhalieren. An anderer Stelle beschreibt Herodot die Bauweise von Schilden und erzählt von einem bei Ausschachtungsarbeiten entdeckten menschlichen Skelett, das sieben Ellen lang gewesen sein soll (= ca 3,36 m).
Kurz gesagt: Die Historien sind zwar bereits rund 2500 Jahre alt, doch kommt beim Lesen der abwechslungsreichen Schilderungen nur selten Langeweile auf. Zumindest mir ging es so.
Die vorliegende, im Alfred Kröner Verlag erschienene Übersetzung stammt vom Philologen Heinz-Günther Nesselrath. Sie enthält etliche, mitunter recht ausführliche Anmerkungen (Endnoten) und ein Namensregister. Das Deutsch der Übersetzung ist zeitgemäß, allerdings muss ich ich einen Stern abziehen, weil hier, anders als beispielsweise bei der Ausgabe des Reclam Verlages, der griechische Originaltext nicht enthalten ist. Freilich, Reclam hat es andererseits bisher nicht geschafft, alle Teile/Bücher der Historien zu veröffentlichen. Seit dem Jahr 2002 trödelt man herum, sodass trotz dieses langen Zeitraums erst sieben der neun Bücher erhältlich sind. Die von Kröner publizierte Ausgabe ist hingegen vollständig. Auch ist sie mit knapp 28 Euro deutlich günstiger als die beim ‚Wucherer‘ De Gruyter (Sammlung Tusculum) erschienene Gesamtausgabe; zwar ist diese wiederum zweisprachig, aber aus meiner Sicht rechtfertigt das keinesfalls einen Preis von saftigen 110 Euro.
Fazit: Wer den altgriechischen Text nicht zwingend benötigt, der ist mit dieser einsprachigen und modernen Übersetzung bestens bedient. Der verlangte Preis ist für das in Leinen gebundene, mit einem Schutzumschlag versehen Buch sehr gut. 
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Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern gestartet

Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern gestartet Benutzbar war sie schon länger, aber heute haben offiziell 5 Leute gleichzeitig auf einen Knopf gedrückt und die Digitale Bibliothek Mecklenburg-Vorpommern gestartet. https://www.uni-greifswald.de/universitaet/information/aktuelles/detail/n/digitale-bibliothek-mecklenburg-vorpommern-in-greifswald-offiziell-gestartet/ http://www.ndr.de/kultur/Digitale-Bibliothek-mit-31000-Werken-gestartet,digitalebibliothek100.html Video: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/Digitale-Bibliothek,nordmagazin43070.html Ähnliche BeiträgeSeminar in Greifswald 2017 Neuerscheinungen 2016 Vitae pomeranorum

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Wie beginnt man familiengeschichtliche Forschungen?

Wie beginnt man familiengeschichtliche Forschungen? Zwar alt – aber wirklich lesenswert. Ein Tipp aus http://archivalia.hypotheses.org/65434 Wie beginnt man familiengeschichtliche Forschungen? (1926), Oswald Spohr http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/spohr1926/0020?sid=97af89eba9a43eba4b92a071f1e4bf09 Ähnliche Beiträge1. Regionaltreffen Vorpommern Anekdoten aus der Familienforschung Die Familie von Götz George

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Buch: Die deutschen Königspfalzen – Band 5.3 – Bayerisch-Schwaben

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Eines der Hauptmerkmale des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation war das Reisekönigtum. Deutschen Könige (und Kaiser) des Mittelalters verfügten über keine feste Residenz, sondern reisten quer durchs Land, um von verschiedenen Orten aus ihre Regierungsmacht auszuüben. Wichtige Voraussetzung hierfür waren ausreichende Unterbringungsmöglichkeiten für das oft sehr umfangreiche königliche Gefolge. Diesen Aufenthaltsorten – man spricht von sogenannten Pfalzen – widmet sich die vom Verlag Vandenhoeck & Ruprecht veröffentlichten Repertoriumsreihe Die deutschen Königspfalzen.
Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den Teilband 5.3, in dem die Königspfalzen bzw. die dazugehörenden Siedlungen in Bayerisch-Schwaben einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Konkret sind das:

🔼Augsburg 🔼Donauwörth 🔼Günzburg
🔼Hohenaltheim 🔼Holzkirchen 🔼Memmingen
🔼Mering 🔼Zusmarshausen

Die in diesem Band behandelten Pfalzorte werden nach zwei verschiedenen Schemata behandelt. Schema A – für Königspfalzen, Königshöfe und andere Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt der ersten Aufenthalts; und Schema B – für Aufenthaltsorte der Könige ohne nachweisbare Existenz einer Königspfalz, eines Königshofes oder anderer Besitzungen des Reichs zum Zeitpunkt des ersten Aufenthalts.

Folgende Informationen beinhaltet Schema A (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Siedlungsgeschichte des Pfalzbereichs (Frühgeschichte, Bezeichnung der Siedlung in den Quellen, Beziehung zwischen Siedlung und Pfalz)
IV. Topographie der Pfalz (Bezeichnung der Pfalz in den Quellen; Lage der Pfalz in ihren Bestandteilen; Bauten und Ausstattung)
V. Königtum und Pfalz (Aufenthalt der Könige in der Pfalz und am Pfalzort; Nichtkönigliche Aufenthalte in der Pfalz und am Pfalzort; Königserhebungen, Hoftage, Heeresversammlungen, Synoden; Versammlungen und Landtage in der Pfalz und am Pfalzort; Gerichtstage am Pfalzort; Empfang von Päpste; usw. )
VI. Besitz, Serviten und Aufgaben (Königsgut und Pfalz; auf der Pfalz erhobene Abgaben; besondere Reichsaufgaben der Pfalz)
VII. Späteres Schicksal der Pfalz
VIII. Bedeutung der Pfalz in den einzelnen Perioden

IX. Bibliographie und Hilfsmittel (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)  

Folgende Informationen beinhaltet Schema B (von mir gekürzt wiedergegeben):
I. Name des Pfalzortes
II. Historisch-geographische Beschreibung (Lage in Landschaft; Verkehrslage; Lage des Pfalzortes in der Wirtschaftsgeographie, der kirchlichen Geographie, der Wirtschaftsgeographie und der politischen Geographie)
III. Geschichte des Ortes (Siedlungsgeschichte; Institution oder Person, die den König beherbergte, und ihre Beziehung zum Königtum
IV. Örtlichkeit der Königsaufenthalte (Bezeichnung; Lage; Bauten)
V. Königtum vor Ort (Aufenthalt des Königs am Ort; Nichtkönigliche Aufenthalte von Bedeutung; Königserhebeungen, Hoftage, Heeresversammlungen und Synoden …; Versammlungen und Landtage …; Gerichtstage des Königs; Empfang von Päpsten, …; Geisliche Festfeiern des Königs; Weltliche Festfeiern des Königs; usw.)
VI. Besitzverhältnisse, Servititen und Reichsaufgaben
VII. Nachwirkungen der Funktion des Ortes für das Königtum

VIII. Bedeutung als Aufenthaltsort von Königen in den einzelnen Perioden
IX. Bibliographie (Häufig zitierte Quellen, Quellensammlungen und Regestenwerke; Bücher und Aufsätze; Karten; Bilder)

Der oben dargelegte Aufbau der Schemata ist stringent und übersichtlich. Das erleichtert das Arbeiten mit diesem Repertorium sehr. Mehrere ausklappbare Karten stellen zusätzlich ein nützliches Hilfsmittel dar.
Die großzügig zitierten Textstellen der historischen Quellen wurden im lateinischen Original wiedergegeben. Für Leser mit vergleichsweise bescheidenen Lateinkenntnissen (ego) ist dieser Umstand etwas problematisch. Da die essentiellen Informationen aber immer auch in deutscher Sprache genannt werden, kann man von keiner gravierenden Hürde sprechen.
Die Ausführungen zu den unterschiedlichen Pfalzorten unterscheiden sich sehr in ihrem Umfang. So beansprucht beispielsweise alleine Augsburg rund die Hälfte der Seiten des vorliegenden Bandes. Was freilich im Angesicht der herausragenden historischen Bedeutung dieses Ortes wenig verwunderlich ist (außerdem galt mein spezielles Interesse ohnehin Augsburg).

Trotz des schönen Leineneinbandes mit Goldprägung, der sich unter dem Schutzumschlag verbirgt, dürfte der Preis von 130 Euro vielen Interessenten ziemlich happig erscheinen – deshalb vier statt fünf Sterne.

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Weiterführende Informationen:

Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Geschichte des Königlich Preussischen 25sten Infanterie-Regiments

Geschichte des Königlich Preussischen 25sten Infanterie-Regiments Das Lützowsche Freikorps war ein Freiwilligenverband der preußischen Armee und wurde von Major Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow 1813 errichtet. Obwohl das Freikorps im Krieg gegen Napoleon eher glücklos war, entwickelte es aufgrund seiner … Weiterlesen

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Krimskrams: Pseudo-Rezensionen bei Amazon — Stoffe für Beutel und frühmittelalterliche Mütze — Frühmittelalterdorf Unterrabnitz

Es geht langsam los: Stoffe für Beutel und Mütze


Letzte Woche habe ich ja davon geschrieben, dass ich nach einer halben Ewigkeit wieder einmal etwas nähen möchte: Und zwar einen Leinenbeutel sowie eine Phrygische Mütze für meine ottonenzeitliche Ausstattung.  Zum Glück hatte ich noch noch passende Textilreste auftreiben können. 
Für den Beutel werde ich einen ziemlich robusten, weißen Leinenstoff verwenden (linkes Bild), der bereits für eine meiner Thorsberghosen benutzt wurde (Blogbeitrag). 
Die Mütze wird aus grünem Schurwollstoff genäht (rechts), aus dem auch meine „Übertunika“ ist (Blogbeitrag). Gefüttert wird die Kopfbedeckung mit weißem Leinen, das von einem alten Leintuch stammt (in Deutschland überwiegend „Bettlaken“ genannt 😉). Alte bzw. lange benutzte Leintücher sind nämlich schön weich (aber aufpassen, dass das wirklich Leinen ist, und nicht Baumwolle oder irgend ein modernes Mischgewebe!). Den unteren Mützenrand besetze ich mit einem gelben Leinenstoff, der schon seit ein paar Jahre in meiner Näh-Kiste liegt. Ursprünglich wollte ich zwar roten Stoff verwenden, aber Gelb passt meiner Ansicht nach doch besser zu dem Grün der Mütze. Außerdem überlege ich mir noch, besagten Besatz dezent zu besticken – und zwar mit Fäden aus dem grünen Wollstoff der Mütze. Das sollte an sich ganz gut hinhauen, denn beispielsweise auch beim Teppich von Bayeux wurde mit Wolle auf Leinen-Untergrund gestickt. Doch ist es sinnvoll, den Besatz vor dem Anbringen an die Mütze zu besticken oder erst hinterher? 
Bezüglich des Schnittmusters werde ich mich an meiner anderen phrygischen Mütze orientieren (Blogbeitrag), aber diesmal mit den Abmessungen etwas großzügiger sein.
In den kommenden Tagen wird alles zugeschnitten und dann beginne ich (seeeehr) langsam, die Einzelzeile zusammenzunähen. Wobei ich zuerst die Mütze und später die Beutel angehe.
Das Nähgarn werde ich direkt aus den verwendeten Stoffen gewinnen, indem ich bei diesen am Rand Fäden heraustrenne. Das ist besonders beim Besatz von Vorteil, weil hier aufgrund der Gleichfarbigkeit von Stoff und Garn die Nähte so gut wie unsichtbar sein werden.

Einen ausführlichen Blogbeitrag zum Mützenprojekt – inklusive historischen Quellen, Fotos usw. – gibt es dann, wenn alles fertig ist. Ob ich über die simplen Leinenbeutel auch etwas schreibe, weiß ich noch nicht. Es zahlt sich ja fast nicht aus.

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Frühmittelalterdorf Unterrabnitz
Auf das kleine, aber schön gelegene burgenländische Frühmittelalterdorf Unterrabnitz habe ich hier vor wenigen Monaten schon einmal hingewiesen, Nun findet dort vom 5. bis zu 13. August 2017 eine Dorfbelebung durch die Frühmittelalter-Gruppe Solibacher statt.  Am 5. und 6. August wird überdies die Austrian Longbow Society vorbeischauen und Einblicke ins Hochmittelalter geben.
Eintritt: freie Spende zur Erhaltung des Dorfs.

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Pseudo-Rezensionen bei Amazon

Ich habe im Rahmen des Blogs ja schon mehrmals auf kuriose bzw. auffällige Rezensionen bei Amazon hingewiesen. Auch die folgende verdient hier zweifellos Erwähnung. 
Den Screenshot habe ich gemacht, nachdem das betreffende Buch gerade einmal zwei Tage im Handel erhältlich war. Und schon 79 Rezensenten wollen bereits zu diesem Zeitpunkt die 256 Seiten gelesen haben? Sehr fleißig … ^^
Nicht, dass ich den Autor – einen in seinem eigenen Zensur- und Ideologiewahn abgesoffenen Irrwisch – verteidigen möchte, allerdings sagt mir meine Erfahrung, dass die meisten Rezensenten das Buch gar nicht gelesen haben, sondern hier bloß ihren Ärger über die Politik dieses Herren zum Ausdruck bringen wollten – u.a. daran abzulesen, dass sich bei den Rezensionen der Anteil an verifizierten Käufen meilenweit unterhalb des üblichen Niveaus bewegt (das gilt mehr oder weniger auch für die vereinzelten positiven Rezensionen). Weiters ist bei den von mir stichprobenartig gelesenen Rezensionen kaum je ein klarer Bezug zum Buchinhalt feststellbar. Einer dieser Nicht-Leser schreibt sogar ganz offen: „Endlich mal ein Buch, von dem ich bereits den Inhalt kenne, ohne es lesen zu müssen.“
Wieso wird so etwas nicht entfernt? Der Rezensionsbereich von Amazon ist schließlich nicht zum Ablassen von politischem Frust da. Dafür gibt es längst eine viel geeignetere Einrichtung: Ihre Bezeichnung: Wahlzelle!

Wer am aktuellen Stand der Bewertung interessiert ist, der klicke bitte hier.
Übrigens, wie ich einen Tag nach dem Erstellen des Screenshots gelesen habe, soll das Rezensieren mittlerweile nur noch Nutzern erlaubt sein, die das inkriminierte Buch bei Amazon gekauft haben (= verifizierte Käufe). Bezeichnenderweise wurden seit dieser Teilsperre kaum noch Rezensionen veröffentlicht.

Ach ja, wer Zeit hat, kann sich durch die hochgeladenen Kundenbilder des Buch klicken. Sehr lustig 😃

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Fiction und Faction – ein Gespräch

Eine unfassbare Fülle von Lebensgeschichten steckt in den Dossiers der Fremdenpolizei, wie sie die aktuelle Ausstellung Magnet Basel zeigt. Stoff für Geschichtsbücher – und für Romane? Was für Inspiration schöpft eine Schriftstellerin aus Akten, wie geht sie mit Fakten um, wo liegen allfällige Grenzen der literarischen Freiheit? Wo und wie unterscheiden sich literarisches Schreiben und…

The post Fiction und Faction – ein Gespräch appeared first on Blog des Staatsarchivs Basel-Stadt.

Buch: Einführung in die antike Ikonographie

Wer die Antike möglichst gut verstehen möchte, kommt nicht drumherum, sich näher mit den in dieser Epoche entstandenen Bildwerken bzw. deren Deutung auseinanderzusetzen. Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Ikonographie. Der Begriff setzt sich zwar aus den altgriechischen Wörtern eikon (=Bild) und graphein (=schreiben, beschreiben) zusammen, stammt jedoch – wie man vorschnell annehmen könnte – nicht aus der Antike, sondern ist modernen Ursprungs.
Im Buch Einführung in die antike Ikonographie (Wissenschaftliche Buchgesellschaft) erläutert der Archäologe Patrick Schollmeyer die inhaltliche Bedeutung bzw. Aussagekraft antiker, von Menschenhand geschaffener Bildwerke. Dazu zählen unter anderem Statuen, Reliefs, Wandgemälde, Vasenmalereien usw. 
Wohl weil es sich um ein Einführungswerk handelt, beschränken sich die Ausführungen des Autors fast ausschließlich auf die Blütezeit der griechischen und römischen Welt (wobei ich meine, eine gewisse „Griechen-Lastigkeit“ festgestellt zu haben).
Da sich viele antike Darstellungen auf die Mythologie bzw. die Götterwelt beziehen, nimmt diese Thematik einiges an Raum ein: Welche bedeutenden Götter gab es? Was war ihre ‚Aufgabengebiete‘ und was ihre Attribute? 
Neben den Göttern sind uns aus der Antike vor allem Darstellungen der Eliten und Herrschenden überliefert, sodass auch auf sie ein genauerer Blick geworfen wird: Welche Funktion sollten beispielsweise in der Öffentlichkeit aufgestellte Statuen erfüllen? Welche Schlüsse lassen sich aus Kleidung und Gestik der Dargestellten ableiten? Usw.

Unterm Strich sind die Erläuterungen allgemein verständlich formuliert. Will heißen, auch wenn es punktuell sicher nicht schadet, so muss der Leser über kein einschlägiges Vorwissen verfügen. Der Sinn und Zweck einer Einführung in das weite Feld der Ikonographie wird damit erfüllt. Zwei kleinere Kritikpunkte gibt es aus meiner Sicht aber: 1. Man hätte von Abbildungen etwas großzügigeren Gebrauch machen können, was mir gerade in Anbetracht des Buch-Themas sinnvoll erscheint. 2. Die mittlerweile als bewiesen geltende Buntheit antiker Bildwerke wird so gut wie nicht berücksichtigt; das ist schade.


Inhaltsverzeichnis:

Vorwort
I. Einführung in Gegenstand, Fragestellung und Methoden
II: Themen
  1. Mythos versus. Lebenswelt
  2. Mythische Einzelgestalten
   2.1 Göttinnen und Götter
   2.2 Personifikationen
   2.3 Göttliche Trabanten
   2.4 Mythische Mischwesen und Ungeheuer
   2.5 Heroinnen und Heroen
  3. Der Mensch und seine Rolle
   3.1 Allgemeine Körper und Verhaltensideale
   3.2 Spezifische soziale Rollen und ihre Handlungszusammenhänge
  4. Darstellungen von Tieren, Landschaft und Architektur
III. Fubnktion
  1. Repräsentation der herrschenden Eliten
  2. Gegenbilder und Traumwelten
  3. Magische Funktion
  4. Trost- und Trauerbilder
  5. Feier und Memoria historischer Ereignisse
  6. Bild-Räume
  7. Erotische Aspekte
IV. Bilddetails
  1. Körperbilder
  2. Alterstufen
  3. Mimik
  4. Gestik
  5. Klidung
  6. Frisuren
  7. Attribute und Insignien
  8. Waffen
  9. Pferde und Wagen
 10. Möbel, Gefäße und Geräte
 11. Kompositorische Gestaltungsmittel
 12. Formen des Erzählens
V. Kontexte 
  1. Tempel und Heiligtümer
  2. Öffentliche Plätze: Agora und Forum
  3. Öffentliche Bauten
  4. Palast, Haus und Villa
  5. Grabanlagen
VI. Auftraggeber, Künstler Publikum
Epochen der griechischen und römischen Kultur
Bibliographie
Abbildungsnachweis
Register
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Weiterführende Informationen:

Krimskrams: Satyricon — Mittelaltermarkt oder seriös? — Kleines Nähprojekt — Diebstahl in Pompeji — Unachtsame Archäologin

Satyricon
Im Laufe der Jahre ist mir in Sach- und Fachbüchern über die Antike eine Quelle auffällig oft untergekommen: Petrons Schlemenroman Satyricon bzw. die darin enthaltene Episode „Das Gastmahl des Trimalchio“.
Der antike Text ist vollgepackt mit Detailinformationen zum römischen Alltagsleben – ganz besonders zur Esskultur. Ich werde daher die von mir kürzlich gelesene Reclam-Übersetzung (die gewisse ‚Eigenheiten‘ aufweist) hier in den kommenden Monaten noch detailliert besprechen.

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Mittelaltermarkt oder seriöse Museumsveranstaltung?

Was meinen die Leser; handelt es sich beim jüngsten Event der Klosterbaustelle Campus Galli um eine seriöse Veranstaltung (von einem Lokalmedium als „Historischer Markt“ bezeichnet) oder haben wir es hier unterm Strich eher mit einer mittelaltermarkt-mäßigen Histotainment-Lärmerei zu tun? Klick mich
Mit dabei war übrigens auch wieder die legendäre gürtellose Arbeitsanleiterin, über deren Beweggrüde für den Verzicht auf einen Gürtel auch nach bald 5 Jahren modischer Eigenwilligkeit keinesfalls spekuliert werden darf 😉

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Kleines Nähprojekt

Ich habe schon länger nichts mehr für meine beiden Living-History-Ausstattungen genäht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass ich vom Nähen relativ leicht Kopfschmerzen bekomme (wegen der gebückten Haltung). Wenn ich allerdings nicht wesentlich mehr als 20 Minuten am Stück nähe, dann geht es. 

Geplant sind zwei Beutel aus naturfarbenem Leinen und eine phrygische Mütze aus Wolle mit Leinenfutter; ich habe übrigens zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt keine Ahnung, wie man das Futter sauber in die Mütze hineinfummelt (die Naht mit der das Futter befestigt wird, sollte mehr oder weniger verdeckt sein),
Außerdem brauche ich für besagte Mütze noch einen passenden roten Schurwollstoff, aus welcher der aufgenähte Saum gemacht werden soll. Mal sehen, ob ich irgendwelche Stoffreste dafür auftreiben kann. Weil extra etwas zu bestellen lohnt sich sich bei der minimalen Menge nicht, die ich benötige.
Im Sommerurlaub, wenn das Blog für einen Monat pausiert, soll es losgehen. Bei meinem üblichen Schneckentempo bin ich vermutlich irgendwann knapp vor Weihnachten damit fertig 😊. Auf jeden Fall möchte ich dann auch einen Beitrag über die Arbeiten an Beuteln und Mütze verfassen, in dem Arbeitsschritte, Schnittmuster, verwendete Nähstiche usw. genau und leicht nachvollziehbar dargelegt werden.
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Diebstahl in Pompeji


Ein wertvolles Bronzeobjekt – genauer gesagt ein Türbeschlag – wurde in der antiken Ruinenstadt Pompeji entwendet, schreibt die Zeitung der Standard: Klick mich
Interessant, dass es eine solche Meldung überhaupt in die Zeitung schafft. Mir hat nämlich eine gute Freundin mit besten Verbindungen nach Pompeji erzählt, dass dort und im Archäologischen Nationalmuseum von Neapel (wo viele Funde aus Pompeji ausgestellt sind) immer wieder Objekte verschwinden. Das hätte sich innerhalb der letzten 100 Jahre dermaßen summiert, dass man mit all dem Diebesgut eine stattliche Ausstellung bestücken könnte …

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Unachtsame Archäologin

Die vorangegangene Meldung erinnerte mich an eine andere Geschichte. Dieselbe Freundin, die mir berichtete, dass das Abhandenkommen von Funden in Pompeji eine gewisse Tradition besitzt, war vor nicht allzu langer Zeit in Wien unterwegs. Wie es der Zufall so wollte, kam sie beim Shoppen an einer archäologischen Ausgrabung vorbei und stellte sich zu ein paar Schaulustigen, die das Treiben beobachteten. Da meinte jemand neben ihr, dass eine der Ausgräberinnen in der Grube ständig über etwas Schmutzig-Weißes latscht, und ob das nur ein Stein oder ein Knochen sei?
Als gelernte Archäologin schaute meine gute Freundin nun genauer hin und erkannte, dass es sich dabei eventuell um das mehr oder weniger kugelförmige Ende (Epiphyse) eines Langknochens handelt. Sie rief daher die Ausgräberin, die keinen Meter daneben kniete an, dass da etwas sei. Doch die junge Frau hörte nichts, da sie Ohrhörer in den Ohren hatte; als nächstes stand sie auf und trat wieder genau auf die Stelle mit dem Knochen, woraufhin dieser teilweise zerbröselte. Jetzt wurde die Freundin unrund; am liebsten wäre sie in die Grube hinuntergesprungen. Stattdessen knüllte sie ein Prospekt aus ihrem Einkaufssack zusammen und warf es dem Mädel in der Grube direkt vor die Nase. Endlich nahm diese die Ohrhörer heraus und blickte auf. 
Wie sich daraufhin bald herausstellte, war das weiße Objekt im Boden tatsächlich ein Kochen. 

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Bier zum Inhalieren 😂

Hinterpommern Vergessene Dörfer – Kleine Städte – Große Namen

Neuerscheinung: Hinterpommern Vergessene Dörfer – Kleine Städte – Große Namen Elsbeth Vahlefeld „Wo bist Du geboren?“ „In Muttrin, Kreis Stolp, Pommern!“ Etwas später fragte meine Mutter wieder: „Wo bist Du geboren?“ Meine Antwort: „In Muttrin, Kreis Stolp, Pommern!“ „Ja, richtig. … Weiterlesen

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Buch: Chronik des Campus Galli 2017 – Von "Mohamedanern" und lässig verteiltem Steuergeld

Im baden-württembergischen Meßkirch soll in den kommenden Jahrzehnten mit dem Campus Galli ein Kloster nach dem Vorbild des karolingerzeitlichen Klosterplans von St. Gallen errichtet werden. Wie wenig ich von diesem medial gehypten Vaporware-Projekt halte, dürfte hinlänglich bekannt sein.
Einer meiner zentralen Kritikpunkte ist dabei seit jeher die extrem dürre Dokumentation der Arbeiten, sodass für Außenstehende eine Überprüfbarkeit nach wissenschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten schwierig bis unmöglich ist (ein Schelm, wer dahinter Absicht seitens der Verantwortlichen vermutet 😉).
Neben den überwiegend nicht sehr detailfreudigen Blogbeiträgen auf der Homepage des Projekts, wird jährlich eine knapp hundertseitige Chronik veröffentlicht. Nun sollte man eigentlich annehmen dürfen, in diesem Heft würden die Betreiber vor allem das vergangene Arbeitsjahr Revue passieren lassen, um das (wenige) Erreichte zu dokumentieren. Doch Pustekuchen, die angebliche Chronik entpuppt sich als verkappte Anthologie; will heißen, es handelt sich um ein Sammelsurium aus größtenteils wenig relevanten Allerwelts-Informationen. Ich habe das ja bereits bei meiner kurzen Rezension der 2013er-Chronik kritisiert. Doch sehen wir uns die Beiträge diesmal etwas genauer an.
➤ Das Heft beginnt mit einem Vorwort des ehemaligen Landrats Dirk Gaerte, der sich in seiner politisch aktiven Zeit an der Errichtung jenes Förderdickichts beteiligte, ohne dessen beständige Unterstützung der ‚pseudo-private‘ Verein Campus Galli wahrscheinlich längst in die Insolvenz geschlittert wäre. Dem Vernehmen nach wirkt Herr Gaerte auch als Vorsitzender des Freundeskreises der Karolingischen Klosterstadt bis heute eifrig daran mit, die defizitäre Mittelalterbaustelle mit Geldern aus dem Topf des Steuerzahlers zu alimentieren.
65 755 Besucher hätten den Campus Galli 2016 besucht, jubelt der gute Mann. Er ‚vergisst‘ dabei freilich, dass es laut der ursprünglichen Prognose – mit welcher man der Lokalbevölkerung das Projekt einst schmackhaft gemacht hatte – rund 150 000 hätten sein sollen…

➤ Nachdem man sich durch die schöngefärbte Alternativrealität des Altpolitikers gelesen hat, gelangt man zum Beitrag eines gewissen Herrn Wolff, der 2014 in der ‚klösterlichen‘ Schmiede das Ruder übernahm, nachdem sein Vorgänger der Möchtegern-Klosterstadt fluchtartig den Rücken gekehrt hat – wie übrigens auch einige andere Mitarbeiter der ursprünglichen Kernmannschaft längst kündigten, da sie wohl von den Arbeitsbedingungen und/oder der Bezahlung wenig angetan waren: Darunter eine Steinmetzin sowie ein den Medien gerne als Vorzeigemitarbeiter präsentierter Ochsenführer, der bei mehreren Gelegenheiten behauptete, die Anstellung beim Campus Galli sei ein Job fürs Leben. Tja, so kann man sich täuschen.
Doch zurück zum aktuellen Schmied des Projekts: Der berichtet davon, wie er an seinem neuen Arbeitsplatz unzählige Werkzeuge vorfand, die aus historischer Sicht größtenteils völlig unpassend für eine karolingerzeitliche Schmiede waren. 90 Prozent davon mussten deshalb im Laufe der Zeit aussortiert werden – darunter jener moderne Amboss, der manch Beobachter des Projekts noch in unguter Erinnerung sein dürfte. Schon fast symbolhaft stand nämlich dieser überdimensionierte Metallklotz für das umfangreiche Geschluder der Verantwortlichen, die treuherzig versprochen hatten, es würde nur mit Werkzeugen des 9. Jahrhunderts gearbeitet werden.
Einiges an Hirnschmalz scheint in die Konstruktion von Blasebälgen geflossen zu sein, deren Aufgabe es ist, das Schmiedefeuer mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Es dauerte laut Herrn Wolff geraume Zeit, bis man eine möglichst effiziente und haltbare Konstruktion entwickelt hatte. Freilich, ob hier echte Experimentalarchäologie betrieben oder lediglich das Rad neu erfunden wurde ist eine durchaus berechtigt Frage, denn gut funktionierende Rekonstruktionen von mittelalterlichen Blasebälgen wurden anderenorts schon vor vielen Jahren gebaut.
Neben Werkzeug und Blasebalg bereitete aber vor allem die als Grubenhaus errichtete Schmiede selbst Probleme, sodass diese bereits nach wenigen Jahren radikal renoviert werden musste. Details dazu wurden hier keine genannt, lediglich auf das Konstruieren einer neuen Esse ging man noch näher ein.

➤ Es folgt ein längerer Beitrag des Archäologen Tilman Marstaller, der seine Ideen zum schon lange angekündigten, aber von den Projektverantwortlichen immer wieder verschobenen Bau einer (mit viel Steuergeld finanzierten) Scheune darlegt. Hierzu sei übrigens angemerkt, dass dieser Text auch auf der Homepage des Campus Galli abgerufen werden kann.

 Der St. Galler Klosterplan und das Gozbertmünster lautet die Überschrift eines Beitrages, für den der St. Galler Stiftsbibliothekar Cornel Dora verantwortlich zeichnet. Obschon inhaltlich durchaus nicht uninteressant, so ist dergleichen in einer Chronik eher deplatziert.

➤ Es folgen einige Foto-Collagen mit Impressionen von der Baustelle – dies passt nun endlich wieder einmal zu einer Chronik. Einleitend heißt es jedoch:

„2016 konnte mit der Holzkirche das erste Bauwerk der karolingischen Klosterstadt fertiggestellt werden.“
In Wirklichkeit ist die Kirche selbst jetzt – Mitte 2017 – noch nicht fertiggestellt, wie man anhand verschiedenster Quellen problemlos feststellen kann. Werden wir hier möglicherweise mit dem Dunning-Kruger-Effekt konfrontiert? So bezeichnet man nämlich eine kognitive Verzerrung, bei der relativ inkompetente Menschen unter anderem dazu tendieren, das eigene Können massiv zu überschätzen …
Eventuell hat die obige ‚Postfaktizität‘ aber auch andere Gründe. Benötigt man etwa verzweifelt ein vermeintliches Erfolgserlebnis, um in den Augen der Öffentlichkeit nicht als träger Haufen von ‚Steuergeld-Schnorrern‘ dazustehen? Man darf nämlich keinesfalls außer Acht lassen, dass es besonders in der Lokalbevölkerung Kritiker gibt, denen die immer wieder in die Verlängerung gehende Bezuschussung des Campus Galli längst gehörig gegen den Strich geht.
➤ Als nächstes kommt der Leser in den Genuss eines Beitrages des Historikers Matthias Becher, der den Lebensweg und das Wirken Karls des Dicken nachzeichnet. Wer keinen Computer bedienen und beispielsweise Wikipedia aufrufen kann, der dürfte aus Herrn Bechers Einlassungen einen gewissen Nutzen ziehen …
➤ Ähnlich deplatziert wie der vorangegangene Text ist jener über die heilige Scholastika (ja, die Frau wird von der Kirche tatsächlich so genannt).
➤ Nun wird es wieder etwas interessanter: Drei Gästeführer des Campus Galli berichten von ihren überwiegend positiven Erfahrungen. Eine Dame schränkt dabei allerdings ein:

„Es gibt jedoch auch Gruppen, in denen jemand negativ oder zweifelnd gegenüber Campus Galli eingestellt ist. Da kommen bereits an der Kasse negative Bemerkungen.“

Wenn der Gästeführerin dieser Umstand eine Bemerkung wert ist, dann legt dies den Schluss nahe, dass negatives Feedback weitaus häufiger vorkommt, als die Geschäftsleitung der Öffentlichkeit gerne weismachen möchte.
An anderer Stelle berichtet ein Kollege der Frau sinngemäß, sogar eine ganze Gruppe von Besuchern hätten bei der Führung über das Gelände des Campus Galli ein großes Maß an offenkundigem Desinteresse gezeigt. Verständlich, bei dem bescheidenen Angebot, das noch am ehesten kleine Kinder und Senioren auf Kaffefahrt zu beeindrucken vermag. 
➤ Vor allem für jene, die mit den hohe Kosten des Projekts wenig Freude haben, ist der Text von Rüdiger Semet – seines Zeichens Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Werkstättle – interessant. Das Werkstättle stellt nämlich einen wichtigen Aspekt des weiter oben erwähnten Förder- und Abpumpdickichts dar: Wird nämlich in den Medien über die vom Campus Galli eingestreiften Zuschüsse  berichtet, dann bezieht sich dies zumeist auf Gelder, die direkt von der Stadt Meßkirch beigesteuert werden (sogenannte Betriebskostenzuschüsse). Unerwähnt bleibt hingegen, dass sich freilich auch hinter der Hilfe des Werkstättle hohe Summen aus dem Topf des Steuerzahlers verbergen. So wird beispielsweise von Herrn Semet berichtet, dass das Jobcenter Sigmaringen dem Werkstättle bereits zu Beginn seines Campus-Galli-Engagements finanziell massiv unter die Arme griff (=Steuergeld). Darüberhinaus wurden und werden Förderungen aus dem Europäischen Sozialfond lukriert (=Steuergeld).
Die Beteiligung des Werkstättle am Campus Galli sei aber eine Erfolgsgeschichte. Neun Langzeitarbeitslose – acht davon nach der ersten Saison – wurden vom Campus Galli in ein festes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis übernommen. Und in der Tat wirkt das auf den ersten Blick positiv. Schaut man hingegen genauer hin, dann stellt sich die Frage, wie viele Langzeitarbeitslose dem gegenüber nach Ablauf ihrer befristeten Anstellung (1-Euro-Jobs) nicht behalten, sondern schnurstracks zum Jobcenter zurückgeschickt wurden? Es dürften in den letzten vier Jahren etliche gewesen sein.
Und wurde eigentlich je eine seriöse Projekt-Evaluierung vorgenommen, in der prozentuell aufgeschlüsselt ist, wie viele dieser Langzeitarbeitslosen aufgrund ihres vom Campus Galli erhaltenen Arbeitszeugnisses zumindest anderenorts eine Anstellung fanden bzw. in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden konnten (was nämlich das angebliche Ziel ist)? Nein, dazu gibt es bisher nichts, nada, nihil.
Es entsteht daher aus meiner Sicht der unschöne Verdacht, dass beim als ‚teil-kommunal‘ zu bezeichnenden Campus Galli vor allem das Ausnutzen der Arbeitskraft von Langzeitarbeitslose im Vordergrund steht; ermöglicht durch eine Art ‚public-privat partnership‘.

➤ Der nächste Beitrag stammt aus der Feder des Mineralienhändlers Schinko. Er betreibt auf dem Gelände des Campus Galli eine kleine Verkaufsbude, in der allerlei Nippes auf Steinbasis angeboten wird. Und so sinnfrei seine Anwesenheit auf einer frühmittelalterlichen Baustelle ist, so sinnfrei sind größtenteils auch seine oberflächlichen Einlassungen zu Mineralien in diesem als „Chronik“ bezeichneten Heft.
Darüber hinaus unterliefen Herrn Schinko Fehler, wie etwa auf Seite 82, wo er die karolingische Epoche zwischen dem 9. und 11. Jahrhundert ansiedelt – vermutlich eine Verwechslung mit der Wikingerzeit …
So weit, so schlecht. Doch dann – beim Barte des Propheten! – wird’s spannend! Der gute Mann schreibt nämlich folgendes:
Große religiöse Bedeutung erlangte Bernstein bei […] den Mohammedanern für die Fertigung von Gebetsschnüren (Teshbi).“
Mohammedaner„? Was für ein schlimmer Fauxpas, ist doch dieser Begriff laut offiziöser Sprachpolizei abwertend konnotiert und sollte daher tunlichst vermieden werden (fast schon handelt es sich dabei um ein Äquivalent zum „Neger(kuss)“).
Freilich, von mir aus kann der Verfasser Mohammedaner oder wahlweise auch gerne Muselmanen schreiben, so viel er will. Mich stört das nicht im Geringsten. Doch auf der anderen Seite ist der quasi staatsnahe Campus Galli selbstredend Teil der politisch korrekten Blase, in der man für gewöhnlich großen Wert auf derlei Feinheiten legt. Was mögen demnach die Mitglieder der Geschäfts- und Vereinsleitung für Gesichter gemacht haben, als ihnen beim erstmaligen Durchlesen des Hefts diese Wortwahl ins Auge sprang? 
Nachdem der Autor mit seinen Ausführungen zu einem Ende gelangt ist, zieht er folgenden Schluss.

„Zusammenfassend kann gesagt werden, dass viele der heute beliebten Edelsteine bereits im frühen Mittelalter gehandelt und bearbeitet wurden.“ 

Wow, wer hätte das gedacht?! 😊

➤ Natürlich darf der Aufruf, Mitglied des Freundeskreises der Karolingischen Klosterstadt (=Campus Galli) zu werden, nicht fehlen. Für 36 Euro pro Jahr erwarten einen: ermäßigter Eintritt, regelmäßige Informationen über das Fortkommen der Arbeiten sowie – kein Scherz – ein gutes Gefühl …
Wer mag, so heißt es weiter, kann auch einfach nur so drauflos spenden. Ja dann …

➤ Den Abschluss des Hefts bildet der Bericht über ein Treffen des Freundeskreises, bei dem mittelalterartiges Brot gebacken wurde. Kein übermäßig spannendes Event, aber zumindest ‚on-topic‘.

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Wie bereits eingangs erwähnt, ist dieses Heft keine Chronik, sondern vielmehr eine verkappte Anthologie. Empfehlenswert allenfalls für Vereinsmitglieder und Hardcore-Fans des Projekts. Wobei erstere das Heft ohnehin kostenlos erhalten (bzw. mit ihrem jährlichen Beiträge bezahlen ^^).
Übrigens, vom Freundeskreis wurde in den Medien bejammert, dass es schwer fällt, kompetente Autoren für diese Publikation zu finden. Äußerst schwach und eigenartig will mir daher erscheinen, dass hier weder der Geschäftsführer des Projekts – Hannes Napierala – noch der Haushistoriker – Erik Reuter – einen Texte beisteuerten. Man sollte schließlich annehmen, dass gerade diese beiden Herren einiges darüber zu berichten hätten, was sich 2016 auf der Klosterbaustelle tat. Freilich, gerade letzerer ist aufgrund seiner reduzierten rhetorischen Fähigkeiten nicht gerade dafür prädestiniert, sich als Autor zu betätigen. So nimmt es auch nicht Wunder, dass er möglicherweise in nicht allzu ferner Zukunft seines Jobs verlustig geht – wie mir zugeflüstert wurde. Für diesen Fall steht mit Matthias Hofmann ein möglicher Nachfolger in den Startlöchern. Er ist bereits seit einiger Zeit als Gästeführer für den Campus Galli tätig und soll auch gute Beziehungen zur Vereinsleitung unterhalten.

Ich vergebe für die vorliegende Pseudo-Chronik zwei statt nur einen Sterne, weil nicht alle Beiträge eine Themenverfehlung darstellen. Außerdem zeige ich mich für jede gute Gelegenheit erkenntlich, den Campus Knalli und seine Living-History-Legastheniker in die Pfanne zu hauen 😏

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22. April 2014: Die  Zahlenmagier vom Campus Galli
29. April 2014: Der Campus Galli – Ein pseudowissenschaftliches Laientheater
02. Juni 2014: Campus Galli: The show must go on!
04. August 2014: Hannes Napierala – Der neue Geschäftsführer des Campus Galli
10. September 2014: Der Campus Galli ist kein wissenschaftliches, sondern ein touristisches Projekt!
12. Dezember 2014: Der Campus Galli und seine Mittelalterversteher – Ein Fass ohne Boden
26. Jänner 2015: Gastbeitrag von Hannes Napierala: Zum Selbstverständnis des Projekts Campus Galli
30. Jänner 2015: Campus Galli: Nachbetrachtungen und neuer Unsinn von einem alten Bekannten
23. März 2015: Des Klosters neue Kleider – außen hui, innen pfui
12. Oktober 2015: Das potemkinsche Dorf Campus Galli – Ein kritischer Jahresrückblick
25. Oktober 2015: Weltsensation – Campus Galli rekonstruiert mittelalterlichen Traktor!
01. November 2015: Kauf dir ein paar Kritiker: Die fragwürdigen Jobangebote des Campus Galli
10. April 2016: Campus Galli: Offener Brief an den Geschäftsführer Hannes Napierala
28. August 2016: Der Campus Galli – Ein tolldreistes Medienmärchen
20. November 2016: Finanzmarode Mittelalter-Baustelle Campus Galli wird Prognosen wieder nicht erreichen!
19. Mai 2017: Chronik des Campus Galli 2017 – Von „Mohamedanern“ und lässig verteiltem Steuergeld

Alle meine Beiträge über den Campus Galli – inkl. der hier nicht gelisteten Kurzmeldungen


Ausgewählte externe Beiträge und Artikel:

Karfunkel: Causa Galli – Was ist los am Bodensee? – OFFLINE
Aachener Zeitung: Dunkle Wolken über der Klosterstadt – Klick mich

Bund der Steuerzahler: Kommt die Kloster-Katastrophe? – OFFLINE
Zollern-Alb-Kurier: Meßkirch muss nachschießen – OFFLINE
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs):  Die Akte Campus Galli – Klick mich
Agis kritischer Bildbericht vom Campus Galli: Klick mich
Tribur.de (Geschichte und so Zeugs): Spiegel Geschichte und der Campus Galli – Klick mich

Badische Zeitung: Mittelalter-Stadt „Campus Galli“ – Weniger Besucher, mehr Kritik – Klick mich

Krimskrams: Kassian, der prügelnde Heilige — Mein Kaiser, mein Herr — Fernsehprogramm à la ZDF — usw.

Kassian, der prügelnde  Heilige

Kassian von Imola war nicht nur Schulmeister, sondern dürfte auch ein echter Sympathieträger gewesen sein. Der christliche Heilige wurde, nachdem er im Zuge spätantiker Christenverfolgung seiner Religion nicht abschwören wollte, zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe überließ man seinen eigenen Schülern, die ihn erbost mit ihren metallenen Schreibgriffeln marterten. Kassian soll sie als Lehrer körperlich oft gezüchtigt haben …
Nun war das Verprügeln von Schülern freilich fester Bestandteil antiker Pädagogik. Allerdings dürfte es der heilige Kassian damit ordentlich übertrieben haben, wenn ihn seine Schüler deshalb gleich mit Freude abstachen. Jedenfalls würde der gute Mann heutzutage wohl nicht mehr so ohne Weiteres die Kriterien zur Heiligsprechung erfüllen. ^^

Übrigens: Der beinahe zeitgleich mit Kassian lebende Augustinus berichtete mit Abscheu und Unbehagen von seiner eigenen Erfahrungen als Schüler. Prügel wurden von den Alten zwar gelobt, meinte er, aber durch diese Erziehungsmethoden „vervielfachte man nur die Mühe und Not der Kinder Adams.“ 


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Mein Kaiser, mein Herr (Zufälle gibt es …)

Ich lausche seit ca. einer Woche dem Hörbuch Mein Kaiser, mein Herr, das vollständig auf dem gleichnamigen Roman von Siegfried Obermeier beruht. Der Leser/Hörer begleitet darin Gerold – den fiktiven illegitimen Sohn des bayerischen Herzogs Tassilo – durch sein langes, abwechslungsreiches Leben, das er vor allem im Dienste Karls des Großen verbringt. Dabei übernimmt Gerold verschiedene Aufgabe, wie die des Soldaten, des Lehrers, des Dolmetschers oder des Gesandten.
Irgendwann im Verlauf der Geschichte büxt Gerold mit seiner Geliebten Hildtrud – einer Tochter Karls des Großen – aus. Um nicht erkannt zu werden, verkleiden sich die beiden. Gerold mimt dabei einen zur Pilgerfahrt verdonnerten Händler, während Hildtrud ihr Haare schert und sich als Diener ausgibt, der  – man glaubt es kaum – den Namen Hiltibold trägt 😊.
Ein wirklich lustiger Zufall, denn ich habe mir genau diesen Namen ja ursprünglich deshalb ausgesucht, weil er vor allem in dieser Schreibweise recht selten ist.

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Fernsehprogramm à la ZDF

Hmmm, handelt es sich bei der folgenden Zusammenstellung, die einen Ausschnitt aus lediglich sechs Tagen ZDF-Programm zeigt, um ein starkes Indiz für einen veritablen Dachschaden der Verantwortlichen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens? Klick mich
Im Angesicht dieser immensen Schlagseite ist es jedenfalls kein Wunder, dass große Teile der Menschheitsgeschichte im deutschen Fernsehen nur unter ferner liefen abgehandelt werden. Freilich, der ORF ist da noch viel schlimmer! Abseits von Natur-Dokus bekommen die Fernsehmacher auf dem Küniglberg so gut wie nichts auf die Reihe. Am besten man meldet den ORF ab und spendet die eingesparten Gebühren guten Alternativmedien der eigenen Wahl.

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Forscher entdecken in österreichischem Kloster ältestes Schriftstück auf Deutsch …

… schreibt die Berliner Zeitung: Klick mich

Übrigens, am 14. Mai hat auch die Kronenzeitung in ihrer Druckausgabe dazu einen Beitrag gebracht. Da heißt es in einem Interview unter anderem:
Frage: Warum ist dieser Fund so einzigartig?
Antwort: Es handelt sich um die erste Verschriftlichung der deutschen Sprache.
Nein, richtigerweise müsste es heißen, dass es sich um die bis dato älterste entdeckte Überlieferung handelt …

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Das fetzt

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

    Herzlichen Glückwunsch, Herbert W. Franke !

    Schöpfer und Sammler von Computerkunst, Medien- und Höhlenforscher, Physiker und Futurologe, Verfasser und Herausgeber von Science-Fiction: Die Biographie von Herbert W. Franke sprengt die Dimensionen der normalen Welt. Vor 90 Jahren, am 14. Mai 1927, wurde er in Wien geboren. Seit sechs Jahrzehnten lebt er südlich von München, und er ist immer noch höchst aktiv….

    Die Pommerschen Leute Sommer 2017

    Die Pommerschen Leute Sommer 2017 Die neueste Ausgabe der „Die Pommerschen Leute“ Sommer 2017 ist erschienen. Der Leitartikel stammt von unserem Mitglied David Krüger : „Mein Vorfahre, eine Selbstmörder?“ über Christian David Hess aus Katzow. * Abonnement über http://www.pomeranianews.com/pomeranian_subscription.html Ähnliche BeiträgeDer … Weiterlesen

    Der Beitrag Die Pommerschen Leute Sommer 2017 erschien zuerst auf Blog Pommerscher Greif e.V..

    Krimskrams: Antike Mode — Attila, der Menschenfreund – Wikipedia und die Quellen

    Antike Mode


    Der eine oder andere Leser dürfte den Autor Ritchie Pogorzelski kennen. Von ihm stammen beispielsweise die beiden bei Nünnerich-Asmus erschienen Bücher „Die Prätorianer. Folterknechte oder Elitetruppe?“ sowie „Der Triumph: Siegesfeiern im antiken Rom – Ihre Dokumentation auf Ehrenbögen in Farbe“. Letzteres Buch habe ich kürzlich mit Interesse gelesen und werde es in nicht allzu ferner Zukunft im Blog besprechen.

    Nun hat Ritchie Pogorzelski ein neues Projekt in Angriff genommen, das den Titel „Antike Mode“ trägt. Es soll diesmal – abseits eines Verlages – mittels Crowdfunding finanziert werden (siehe hier den bisherigen Fortschritt). Explizit wird darauf hingewiesen, dass auch Reenactors zur Zielgruppe dieser wohl mehrteiligen Publikation gehören.

    Mein persönliches Resümee zu diesem Video lautet folgendermaßen 😉  Klick mich

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    Wikipedia und die Quellen


    Im Wiki-Watch-Blog widmet man sich der Frage, wie sorgfältig bei Wikipedia mit Quellen umgegangen wird. Es ist beispielsweise fraglich …

    „…wie viele Wikipedia Autoren tatsächlich vorrangig nach möglichst neutralen, aktuellen und fachlich hochwertigen Buchveröffentlichungen als Belege für ihre Artikel suchen.“ 

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    Attila, der Menschenfreund

    Eines der Hauptprobleme der offiziösen Geschichtsforschung ist seit jeher ihr Hang, dem jeweils herrschenden Zeitgeist nach dem Mund zu reden. Unter anderem äußert sich das durch den Versuch, für ein in der Gegenwart beheimatetes Anliegen Belege in der Vergangenheit zu finden. Quellen, die das erhoffte Bild nicht bestätigen, werden zuerst relativiert und im Laufe der Zeit aussortiert. Beispielsweise wird Nero seit einigen Jahren zum missverstandener Pazifisten umgemodelt und selbst die große Völkerwanderung in der Spätantike soll in Wahrheit nur den Charakter einer etwas außer Kontrolle geratenen Strand-Party gehabt haben (demzufolge dürften die unzähligen Brandhorizonte jener Zeit bloß von übergroßen Barbecues herrühren).
    In dieselbe Kerbe schlägt nun ein Artikel des Online-Standard, in dem es unter der beschönigenden Überschrift Hunnen brachten einen neuen Lebensstil wie folgt heißt:

    „Der Einfall der Hunnen ließ das spätrömische Reich erzittern. Ihre Begegnung mit der Bevölkerung der Grenzregionen war aber nicht nur von Gewalt geprägt.“ […] Dies ging sogar so weit, dass Angehörige der lokalen Bevölkerung hunnische Bräuche aufgriffen. Wie die Forscher […] berichten, besaßen einige pannonische Bauern einen künstlich verlängerten Schädelknochen, eine Praxis, die unter zentralasiatischen Reiterstämmen weit verbreitet war. Während römische Schriften fast ausschließlich Konfrontationen mit den Hunnen schildern, zeigen unsere Funde, dass es in Grenzgebieten offenbar bis zu einem gewissen Grad auch zur Koexistenz und Kooperation gekommen sein muss“ […]. In den dunklen Zeiten am Rande des Untergangs dürften viele Menschen die plötzliche Wahlfreiheit zwischen zwei Lebensstilen als neue Chance angesehen haben.“

    Diese sogenannte „Wahlfreiheit“ stand freilich unter dem Motto: Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein. Entweder man biederte sich an die neuen Machthaber an oder man war – wenn schon nicht sofort tot – so doch zumindest ein Art Mensch zweiter Klasse mit geringen Aufstiegschancen und zumeist rechtlich minderem Status. Dieser soziale Mechanismus war bereits ein zentraler Aspekt der antiken Romanisierung. Zig andere Kulturen liefern dafür ebenfalls Beispiele.
    Ein Leser kommentiert und entlarvt die naive Relativiererei des Artikelautors mit folgenden Worten:

    😆

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