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Tag Archive for Mittelalter

Die 12 Artikel von Memmingen

1525 – ein Schicksalsjahr für die Bauern im Heiligen Römischen Reich. In Schwaben, am Ober- und Mittelrhein, Franken, Thüringen, Salzburg und Tirol erhoben sich mehrere hunderttausend Bauern gegen ihre Herren. In Memmingen formulieren sie die sogenannten 12 Artikel – die erste Proklamation der Menschenrechte in Europa, über 200 Jahre vor der französischen Revolution. Doch wie […]

Die 12 Artikel von Memmingen

1525 – ein Schicksalsjahr für die Bauern im Heiligen Römischen Reich. In Schwaben, am Ober- und Mittelrhein, Franken, Thüringen, Salzburg und Tirol erhoben sich mehrere hunderttausend Bauern gegen ihre Herren. In Memmingen formulieren sie die sogenannten 12 Artikel – die erste Proklamation der Menschenrechte in Europa, über 200 Jahre vor der französischen Revolution. Doch wie […]

Fundstücke KW 45-46

Walther von der Vogelweide als Vorläufer von Bob Dylan? So sieht das Frieder von Ammon in einem Beitrag der F.A.Z. Was unterscheidet mittelalterliches vom modernen Spinnen? Die Frage beantworten die Sorores historiae in ihrem neuen Blogbeitrag. Dazu pa…

Noch bis 5. Dezember 2017 im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München: Ausstellung „Original! Pracht und Vielfalt aus den Staatlichen Archiven Bayerns“.

„Original! Pracht und Vielfalt aus den Staatlichen Archiven Bayerns“ lautet der Titel einer Ausstellung, die noch bis 5. Dezember 2017 in Räumen des Bayerischen Hauptstaatsarchivs München gezeigt wird. Das Prunkstück im Erdgeschoss der Ludwigstr. 14 ist zweifelsohne die Goldene Bulle von 1356, die in der Ausfertigung…

Oh wie schön ist Regensburg! Zur Ästhetik einer Stadt und ihrer Umgebung – Regensburger Herbstsymposion für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege (24.-26.11.2017)

  Schon Goethe notierte in sein Tagebuch: „Regensburg liegt gar schön. Die Gegend mußte eine Stadt herbeilocken (…).“ Das diesjährige Regensburger Herbstsymposion für Kunst, Geschichte und Denkmalpflege 2017 widmet sich vom 24. bis 26. November der Schönheit und der Ästhetik Regensburgs und seiner Umgebung. Wie gewohnt stehen wieder…

Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit

Zu zahlreichen Referaten der bevorstehenden Bonner Tagung “Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit. Ein Schlüsselthema des Geschichtsunterrichts im interdisziplinären Fokus” (16.–17.11.2017, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn) liegen bereits jetzt Abstracts vor, die einen sehr guten Vorabeindruck von den Zielsetzungen und Inhalten der Veranstaltung ermöglichen. Gemeinsam mit weiteren Materialien werden Mehr »

Fundstücke KW 44

Das AFM Oerlinghausen zieht eine positive Bilanz der vergangenen Saison und hat große Pläne für die Zukunft, wie die NW berichtet. Auch die Freilichtmuseen in Baden-Württemberg scheinen zufrieden, meldet der SWR. Trotz (oder wegen?) der anhaltenden Diskussionen um die „Klosterbaustelle“ … Weiterlesen

Buch: Vor-Romanik in Südtirol

Im Bildband Vor-Romanik in Südtirol (Athesia Verlag) präsentiert der Archäologe und Bauforscher Hans Nothdurfter (😁) auf 248 Seiten unzählige großformatige Fotos, Grundrisse und Texte zu rund 90, größtenteils kirchlichen Gebäuden in Südtirol, die gänzlich oder zumindest teilweise der Vor-Romanik zugeordnet werden; darunter beispielsweise die Kirche St. Benedikt in Mals, die für ihre karolingerzeitlichen Fresken berühmt ist.
Freilich, der gewählte Zeitrahmen wurde vom Autor relativ großzügig interpretiert, denn gemeinhin lässt die Forschung die Vor-Romanik spätestens im 11. Jahrhundert enden, während in diesem Buch auch Bauten besprochen werden, die noch im 12. Jahrhundert entstanden. Der Titel scheint mir daher ein klein wenig irreführend zu sein …
Die Erläuterungen zu den einzelnen Gebäuden umfassen in der Regel eine Beschreibung der Lage, einen Überblick zu Baugeschichte sowie Konstruktionsdetails und mitunter auch nähere Informationen zur Forschungsgeschichte. Generell wurden die einzelnen Texte vom Autor relativ kurz und bündig gehalten. Auch Quellen zu weiterführender Literatur werden angegeben.
Der Kunstgeschichtler und Denkmalschützer Karl Gruber steuerte viele der großformatigen Fotos bei. Darunter befinden sich auch etliche Luftaufnahmen, die er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bei Hubschrauberflügen mit den Carabinieri machen konnte (heute hat man es natürlich wesentlich einfacher, da es Quadrokopter und ähnliche Fluggeräte für vergleichsweise wenig Geld zu kaufen gibt).
Fazit: Vor-Romanik in Südtirol ist ein schönes Buch zum Schmökern. Der Kaufpreis beträgt 35 Euro.
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Inhalt:

Vorwort – ein Streifzug

Einleitung

Aldein, Pfarrkirche St. Helena 

Bozen, Dom Mariä Himmelfahrt

Bozen, Maria in der Au
Bozen, St. Quirinus in Gries
Bozen, St. Virgil am Virgl
Brixen, Dom Mariä Himmelfahrt
Brixen, St. Andrä
Brixen, St. Cyrill in Tils
Brixen, St. Johann in Karnol
Brixen, Elvas – St. Peter und Paul
Bruneck, St. Georgen
Bruneck, Pfarrkirche St. Peter und Paul in Reischach
Deutschnofen, St. Agatha und St. Benedikt
Eppan, Kirchenruine St. Vigilius in Perdonig
Eppan, Schloss Hocheppan
Eppan, Schloss Sigmundskron
Feldthurns, St. Andreas in Garn
Gais, Kehlburg und Schlössl Uttenheim
Glurns, St. Jakob in Söles
Glurns, St. Laurentius
lnnichen, Stiftskirche zu den hll. Candidus und Korbinian
Kaltern, St. Leonhard in Unterplanitzing
Kaltern, St. Peter in Altenburg
Kastelruth, Katzenlocher Bühel
Klausen, Säben
Klausen, St. Sebastian
Kuens, Pfarrkirche St. Korbinian und Mauritius
Laas, Pfarrkirche St. Johann, St. Sisinius und St. Marx
Laas, St. Ottilia in Tschengls
Lajen, St. Bartholomäus in Tanirz
Lana, St. Georg in Völlan
Lana, St. Margareth
Latsch, St. Medardus in Tarsch
Latsch, St. Nikolaus
Latsch, St. Vigilius und Blasius in Morter
Mals, Kloster Marienberg in Burgeis
Mals, St. Benedikt
Mals, St. Johann
Mals, St. Martin
Mals, St. Nikolaus in Burgeis
Mals, St. Stephan in Burgeis
Mals, St. Veit in Tartsch
Meran, Zenoburg
Mölten,St.Georgin Versein
Mölten, St. Valentin in Schlaneid
Montan, Castelfelder
Mühlbach, Pfarrkirche Meransen
Nals, St. Apollonia in Sirmian
Naturns, Pfarrkirche St. Zeno
Naturns, St. Laurentius in Staben
Naturns, St. Prokulus
Neumarkt, St. Florian in Laag
Pfalzen, Pfarrkirche St. Cyriak
Prad, St. Johann
Rasen, Ruine Altrasen
Ritten, St. Lucia in Unterinn
Ritten, St. Ottilia in Lengstein
Rodeneck, Burg Rodenegg
Sand in Taufers, Burg Taufers
Sand in Taufers, Kapelle der Burg Tobl in Ahornach
St. Lorenzen, Kloster Sonnenburg
St. Lorenzen, Pfarrkirche St. Laurentius
Schenna, Alte Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt und St. Martin am Friedhof
Schlanders, Pfarrkirche St. Johann, St. Georg und St. Laurentius in Kortsch
Sterzing und Trens
Taufers, Hospiz St. Johann
Terenten, St. Zeno in Pein
Terlan, St.Kosmas und Damian in Siebeneich
Tirol, Schloss Tirol
Tirol, St. Peter in Gratsch
Tisens, St. Hippolyt
Tisens, St. Jakob in Grissian
Toblach, Aufkirchen St. Peter am Kofel
Tramin, St.Jakob in Kastellaz
Vahrn, Neustift, Michaelskapelle „Engelsburg“
Villanders, Pfarrkirche St. Stephan
Vintl, Alte Pfarrkirche St. Urban
Völs, Pfarrkirche und St. Peter am Bühel
Welsberg, St. Georg in Taisten
Wengen-La Val, Alte Pfarrkirche St. Genesius
Winnebach, St. Silvester auf der Alpe

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Weiterführende Informationen:


Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit.

 „Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit. Ein Schlüsselthema des Geschichtsunterrichts im interdisziplinären Fokus“, Lehrerfortbildung und Tagung, 16./17. November 2017, Haus der Geschichte, Bonn. Die Lehrerfortbildung und Tagung bezieht sich auf das Inhaltsfeld 2 des aktuellen nordrhein-westfälischen Kernlehrplans Geschichte für die Sekundarstufe II und beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen und Herausforderungen des Großthemas Religion in Mehr »

Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit.

 „Christen und Muslime in Mittelalter und Frühneuzeit. Ein Schlüsselthema des Geschichtsunterrichts im interdisziplinären Fokus“, Lehrerfortbildung und Tagung, 16./17. November 2017, Haus der Geschichte, Bonn. Die Lehrerfortbildung und Tagung bezieht sich auf das Inhaltsfeld 2 des aktuellen nordrhein-westfälischen Kernlehrplans Geschichte für die Sekundarstufe II und beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragen und Herausforderungen des Großthemas Religion in Mehr »

Fundstücke KW 43

Im Interview mit der taz äußert sich Ute Drews, Direktorin des Wikingermuseums Haithabu, u.a. zur Vereinnahmung der Wikinger und ihrer Symbole durch die rechte Szene. Mit der Verifizierung schriftlicher Quellen mit Hilfer von DNA-Analysen am Beispiel der Grablege der Babanberger … Weiterlesen

Videos: Staat zockt junge Schatzfinder ab — Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr — Kritik an übereifrigen Archäologen


Kinder finden in Ettlingen (BW) mittelalterlichen Münzhort – und werden umgehend abgezockt | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD | Stream & Info

Der Wert der vom Staat einkassierten Silbermünzen aus dem Spätmittelalter beträgt angeblich rund 2000 Euro – was aber, wie in Deutschland nicht unüblich, auch einfach nur viel zu niedrig angesetzt worden sein kann. Doch wie auch immer: Würden die Finder im Vereinigten Königreich leben, dann wären sie jetzt um mindestens 1000 bis 2000 Euro reicher – je nachdem, ob sie mit einem Grundstückseigentümer hätten teilen müssen. In ihrem deutschen Heimatbundesland freilich, wurden sie jeweils mit vergleichsweise läppischen 100 Euro Finderlohn und ein paar Kinogutscheinen abgespeist …
Was also dürften die nicht übermäßig glücklich wirkenden Kinderlein aus dieser Episode fürs weitere Leben gelernt haben – und zwar abseits des Gelabers aus dem Off? Vermutlich: Ehrlich währt am längsten, wer stiehlt, der lebt am schönsten…😉

Bayerns Bodendenkmäler in Gefahr | Spieldauer 2 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

10 Millionen Jahre alte Zähne: Kritik an übereifrigen Mainzer Archäologen | Spieldauer 2 Minuten | SWR/ARD| Stream & Info | Direkter Download
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 Mehr Videos

Hörbares: Öffentlich-rechtliche Luther-Beweihräucherung — Die mittelalterliche Sekte der Guglielmiten — Archäologen erforschen Bronzezeit im Nordirak — usw.


Martin Luther – Thesen, die die Welt verändert haben | Spieldauer 32 Minuten | Deutschlandfunk Nova | Stream & Info | Direkter Download

Wem die Luther-Beweihräucherung in obigem Audiobeitrag zu viel wird, der kann sich als Alternative dazu ein aktuelles Video ansehen, in dem ein gelernter Archäologe Martin Luther kritisch, aber locker unter die Lupe nimmt. Grundlage dafür sind dessen überlieferte Aussagen zu Frauen, Hexen, Juden und dem einfachen Volk. Das in die Abbildung von mir eingefügte Zitat zählt übrigens noch zu den harmloseren ‚Sprüchen‘ des Reformators …

Ketzerische Sekte: Die Guglielmiten im Mittelalter | Spieldauer 28 Minuten | SRW | Stream & Info | Direkter Download

Archäologie: Lost Places – „Verlorene Orte“ zwischen Zerfall und Erinnerung | Spieldauer 21 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
Ausgrabungen Tübinger Archäologen im Nordirak: Nachrichten aus der Bronzezeit | Spieldauer 7 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Reise ins Frühmittelalter und Grabungen in politisch umstrittenem Gelände | Spieldauer 15 Minuten | Deutschlandfunk Nova | Stream & Info
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Aktionswoche 13.11-17.11. – mobile Schreibwerkstatt des MPZ zu Gast im Bayerischen Hauptstaatsarchiv

  Vom 13.11.-17.11.2017 macht die mobile Schreibwerkstatt des MPZ Station im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Begleitend zur Ausstellung „Original! Pracht und Vielfalt aus den Staatlichen Archiven Bayerns“ haben Schüler der Jahrgangsstufen 3-7 die Möglichkeit, das Schreiben mit einer Gänsefeder und anderen historischen Materialien auszuprobieren. Das Angebot ist kostenlos,…

Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Fundstücke KW 42

Über die Tagung „Odin mit uns!“ zu Wikingerkult und Rechtsextremismus berichtet ausführlich Miss Jones und knapper das Portal „Blick nach rechts„. Auf der Begräbniskleidung eines Wikingers soll in arabischen Schriftzeichen der Name „Allah“ entdeckt worden sein. Darüber schreiben (u.a.) National … Weiterlesen

Tagung: En Route to a Shared Identity III: Perspectives, New Sources and Unknown Networking Groups in Past and Present on the History of Central Europe (20. und 21. 11. 2017, Wien)

Das internationale virtuelle Urkundenarchiv Monasterium.net, das Institut für Geschichte, das Institut für Österreichische Geschichtsforschung sowie die Diözesanarchive St. Pölten und Passau veranstalten am 20. und 21. November 2017 an der Historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität…

Call for Articles: Themenheft „Digitale Mediävistik“ – Zeitschrift „Das Mittelalter“ des Mediävistenverbandes

Der Mediävistenverband e.V. veröffentlicht seit 1996 die halbjährlich erscheinende Zeitschrift „Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung“. Für 2019 ist ein Themenheft mit dem Titel „Digitale Mediävistik“ vorgesehen, das gemeinsam von Roman Bleier (Zentrum für Informationsmodellierung, Universität Graz), Franz Fischer (Cologne Center … Weiterlesen

Fundstücke KW 41

Beim Abbau eines der ältesten Bauernhäuser im Land Salzburg zur Überführung in ein Freilichtmuseum kommen spannende Fundstücke zutage, meldet meinbezirk.at (mit Video). In Menden im Sauerland haben Archäologen möglicherweise die Grablege des um 1200 verstorbenen Klostergründers Graf Heinrich I. von … Weiterlesen

Videos: Kannibalen im Herzen Europas — Richard Löwenherz — Tatorte der Reformation

Archäologie: Kannibalen im Herzen Europas? | Spieldauer 2 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Tatorte der Reformation: Münster & Köln | Spieldauer 30 Minuten | MDR | Stream & Info

Interview mit Prof. Stefan Weinfurter über Richard Löwenherz | Spieldauer 8 Minuten | SWR | Stream & Info
Apropos Richard Löwenherz: Sozusagen als begleitende Maßnahme zu der im Video erwähnten Ausstellung über diesen berühmten englischen König ist kürzlich ein neues Buch erschienen. Zurzeit lese ich es noch, allerdings irgendwann diesen Herbst werde es hier im Blog besprechen.
Der Kaufpreis beträgt zwar 35 Euro, aber teuer ist das eigentlich nicht, wenn man bedenkt, um was für eine dicke, großformatige Schwarte es sich dabei handelt: Nähere Infos
Foto: Hiltibold | Cover: (C) Historisches Museum der Pfalz Speyer
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 Mehr Videos

Hörbares: Musik des Mittelalters — Cäsars "deutsches" Römerlager — Leben wie Ötzi — Buchmalerei im Mittelalter — Graben in Olympia — Das Kirchenlied — Orlando di Lasso



Marc Lewon und die Musik des Mittelalters (inkl. Hörbeispielen) | Spieldauer 115 Minuten | SWR | Stream & Info
Cäsars „deutsches“ Römerlager | Spieldauer 3 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Eine Woche im Steinzeitpark: Leben wie Ötzi | Spieldauer 9 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Gespräch mit Prof. Anja Grebe: Buchmalerei – Domäne der Mönche im Mittelalter | Spieldauer 11 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download

Die Archäologen Hirschfeld und Boetticher graben in Olympia | Spieldauer 4 Minuten | SWR | Stream & Info | Direkter Download
Das Kirchenlied – Klang und Botschaft | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download
1557: Orlando di Lasso – Musikerfürst am Münchner Hof | Spieldauer 22 Minuten | BR/ARD | Stream & Info | Direkter Download

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Fundstücke KW 40

Markus Junkelmann ist ein Pionier der experimentellen Archäologie und der Geschichtsdarstellung in Deutschland. Im Interview mit Hiltibold kritisiert er u.a. die zunehmene Kommerzialisierung, Billig-Reenactments und „junk-living history„. Nahe der Elbmündung haben Archäologen eine bislang unbekannte Siedlung mit Hafenanlage ausgegraben, die … Weiterlesen

Buch: Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden

Im Buch Von der Kupfersteinzeit zu den Seltenen Erden (Verlag Springer Spektrum) zeichnet der Mineraloge Florian Neukirchen die sich über viele Jahrtausende erstreckende Geschichte der Metallgewinnung nach.
Gleich zu Beginn weist der Autor darauf hin, dass die in Schulen undifferenziert vermittelte Abfolge der verschiedenen Metallzeiten – nämlich Kupfersteinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit – für viele Regionen nicht zutreffend ist. Auch wären die zeitlichen Eingrenzung der einzelnen Metallzeiten problematisch. So wurde beispielsweise gediegenes Kupfer, das an der Erdoberfläche aufgelesen werden konnte, bereits zu Beginn (!) der Jungsteinzeit verwendet. 
Weiters heißt es, die Entdeckung der Metalle sei für die menschliche Kultur keineswegs so revolutionär gewesen, wie lange Zeit angenommen wurde. Die Vorstellung, Kupfer und Bronze hätten unmittelbar zu radikalen gesellschaftlichen Umbrüchen geführt, wird als unzutreffend bezeichnet. Die frühesten Metallobjekte sind nämlich fast niemals Werkzeug oder Waffen, sondern vor allem kleine Schmuckstücke und Kultobjekte. Die bereits vorhandenen nichtmetallischen Materialien herrschten demgegenüber noch lange vor. Es dauerte Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, bis das Metall im Alltag der Menschen angekommen war.
Mehr noch als dem kulturhistorischen Aspekt, widmet sich der Autor dem naturwissenschaftlichen bzw. technischen: In welcher Form kommen die jeweiligen Metalle in der Natur vor? Wie wurden sie abgebaut und verhüttet? Welche chemischen Reaktionen spielten sich dabei im Metall ab? Warum standen Öfen zur Verhüttung häufig an Bergabhängen? Welche Stoffe wurden schon sehr früh zum Legieren und Verbessern von Werkstoffeigenschaften eingesetzt? Welche wichtigen Informationen können Archäologen aus den Überresten von Schlacke ziehen? Mit welchen Methoden ist es heute möglich, Metall einem bestimmten Abbaugebiet zuzuordnen? Wie alt sind die ältesten von Menschen gemachten Eisenobjekte (Antwort: mindestens 6000 Jahre alt!)? Was steckt hinter der hethitischen Bezeichnung „gutes Eisen“? Was sind die ältesten Objekte aus Stahl? Wie viele tausend Tonnen Blei bliesen die Römer in Form von Abgasen bei der Silber- und Bleiverhüttung jährlich in die Luft? Usw. usf.

So weit so gut, nun zu den (wenigen) Kritikpunkten: Der Autor gibt zwar sehr brav seine Quellen an, allerdings nicht einfach in Form von Fuß- oder Endnoten, sondern er fügt sie direkt in den Text ein. Das ist zwar nicht völlig unüblich, stört aber, wenn es zu oft vorkommt, den Lesefluss . 
Ebenfalls weniger gefallen hat mir der Umstand, dass die Geschichte der mittelalterlichen Metallerzeugung vergleichsweise kurz behandelt wird – es dominieren stattdessen die Vorgeschichte und die Antike. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Gewichtung zwar verständlich, aber dass etwa speziell das Frühmittelalter mit fast nur einem einzigen Satz abgehandelt wird, hat mich dann schon ein bisschen gewurmt. Hier hätte es definitiv mehr zu erzählen gegeben.
Fazit: Punktuell wird der eine oder andere Leser vielleicht ein wenig mit den dargebotenen Detailinformationen aus der Metallurgie überfordert sein. Allerdings ist der Text im Großen und Ganzen so formuliert, dass man den Ausführungen wohl auch als absoluter Laie relativ leicht folgen kann. Mit hat das Buch jedenfalls gefallen: Es ist gut strukturiert und – trotz kleinerer Auslassungen – äußerst informativ.

Inhaltsverzeichnis:

Einleitung
– Montanarchäologie und Archäometallurgie
– Grundlegende Eigenschaften von Metallen und Legierungen
– Metallverarbeitung
– Metalle und ihre Erze
– Drei Lagerstättentypen
– Literatur

Das erste Kupfer
– Die Anfänge in der Steinzeit
– Verhüttung von Kupfererzen
– Kupferzeit in Osteuropa und im Nahen Osten
– Arsenbronze und Fahlerzkupfer
– Gold aus dem Kaukasus
– Literatur

Bronzezeit
– Frühe Bronzezeit im Nahen Osten
– Zinnbronze
– Woher kam das Zinn?
– Mittlere und Späte Bronzezeit im Nahen Osten und am Mittelmeer
– Kontamination und Krankheiten
– Kupfer und Bronze in Mitteleuropa
– China
– Literatur

Vom ersten eisen zur Antike
– Die ältesten eisenobjekte
– Rennofen, Eisen und Stahl
– Frühe Eisenzeit
– Afrika
– Kelten in Mitteleuropa
– Krösus und das erste Geld
– Blei und Silber
– Zink und Messing
– Metalle in der Antike
– Literatur

Mittelalter und Renaissance
– Metalle im Mittelalter
– Johannes Gutenberg und die beweglichen Lettern
– Renaissance im Bergbau
– Georgius Agricola
– Alchemisten und Wünschelruten
– Die Fugger – Der erste Bergbaukonzern
– Saigerhütten und Vitriole
– Holzverbrauch und Entwaldung
– Eldorado: Metalle aus der Neuen Welt
– Krieg und Krise
– Literatur

Industrielle Revolution und Hightech
– Frühkapitalismus und Manufakturen
– Dampf und Eisen
– Kupfer und Elektrizität
– Aluminium
– Stahlgewitter und Eiserner Vorhang
– Titan und andere Supermetalle
– Computer, Mobiltelefone und Akkus
– Seltene Erden
– Literatur

Glossar

Sachverzeichnis

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Weiterführende Informationen:


Weitere interessante Themen auf diesem Blog:

Fundstücke KW 39

Auf Sylt wurde ein gewaltiger Silberschatz aus der WIkingerzeit entdeckt. Die Meldung findet sich u.a. beim Standard, im Abendblatt und beim Spiegel. Tolkien, Mittelerde und die Merowinger – über diese unerwartete Kombination schreibt Karl Banghard im Blog des AFM Oerlinghausen. … Weiterlesen

Mächtige Kaiser und ihre starken Frauen

Den ganzen Sommer ist die Ottonenzeit zu kurz gekommen. Natürlich nicht die Geschichtsdarstellung, denn wir haben alle sehr viel gemacht, aber die Berichte hier im Blog sind sehr vernachlässigt worden. „Das machen wir im Winter“, gut, zumindest machen wir mit einem Veranstaltungstipp, den ich bereits im HalleSpektrum veröffentlicht habe, den herbstlichen Neuanfang: Den mächtigen Frauen […]

Hörbares: Die Ständegesellschaft im Mittelalter — Der deutsche Bauernkrieg — Die Kabbala — Wanderung der Frauen vor 4000 Jahren — Die Stadt des Affengottes — Die Bibel als Tagebuch der Menschheit



Die Ständegesellschaft im Mittelalter – Beten, kämpfen, arbeiten | Spieldauer 23 Minuten | BR/ARD  | Stream & Info | Direkter Download
Der deutsche Bauernkrieg – Aufstand des gemeinen Mannes | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Die Kabbala: Religiöse Mathematik | Spieldauer 8 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Urzeitliche ‚Frauenbewegung‘ – Studie enthüllt Wanderung vor 4000 Jahren | Spieldauer 6 Minuten | DF | Direkter Download
„Die Stadt des Affengottes“ – Gefährliche Spurensuche im Dschungel | Spieldauer 6 Minuten | DF |  | Stream & Info | Direkter Download
Die Bibel als Tagebuch der Menschheit | Spieldauer 22 Minuten | DF |  Stream & Info | Direkter Download

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Fundstücke KW 38

Archäologen auf der Insel Guernsey erwarteten bei der Öffnung eines Grabes die sterblichen Überreste eines Mönchs zu finden. Stattdessen kam ein Schweinswal zum Vorschein … Der Standard weiß mehr. Die Reste eines mittelalterlichen Hauses wurden bei Bauarbeiten in Duisburg entdeckt, … Weiterlesen

Krimskrams: Vom Campus Galli auf Facebook gesperrt (*LOL*) — Fauler (Fake-)Rezensent bei Amazon



Kritik an Junk-Living-History: Vom Campus Galli auf Facebook gesperrt 

Die Mittelalterbaustelle Campus Galli hat wieder einmal zugeschlagen: Sowohl auf der Projekt-Homepage wie auch bei Facebook bezeichneten die Verantwortlichen eine Veranstaltung, bei der nachfolgendes Foto geschossen wurde, wortwörtlich als „Living History“ und verwiesen überdies ausdrücklich auf die angebliche Kompetenz der Darsteller: Foto
Im Angesiecht der Schuhe, die der Herr in der Mitte des Fotos trägt, kann man eigentlich nur darüber lachen, wenn hier hochtrabend mit Begriffen wie „Living History“ hantiert wird. Und gelacht bzw. diesen Käse kritisiert haben dann auch tatsächlich mehrere Beobachter bei Facebook. Woraufhin der Campus Galli in üblicher Manier versucht hat, sich mit halbwahrem Wortgeknatter bzw. einer erfundenen Kausalität aus der Affäre zu ziehen. Siehe die nachfolgenden Screenshots, die ein paar Beispiele der auf mehrere Diskussionsfäden verteilten Kommentare zeigen.

Quelle: Facebook-Seite des Campus Galli

Quelle: Facebook-Seite des Campus Galli

Selbstverständlich wäre es möglich gewesen, dem Baustellenmitarbeiter für seine schauspielerische Einlage vorübergehend ein Paar historisch wenigstens halbwegs authentische Schuhe aus dem Fundus zu spendieren. Zumindest hätte es dergestalt ein seriöses Museum gehandhabt, dem bewusst ist, dass im Rahmen der Wissensvermittlung solche Details wichtige Bedeutungsträger sind. Doch entweder wurde dies von den grenzintelligenten Verantwortlichen des Campus Galli nicht bedacht oder es war ihnen schlicht und ergreifend wurscht. Als routinierter Beobachter der Möchtegern-Klosterstadt gehe ich ausdrücklich von letzerer Möglichkeit aus.

Weil man es nun aber beim Campus Galli nicht so mit Kritik hat, wurde ich nach obigem Posting, bei Facebook blockiert 😆.

Quelle: Facebook-Seite des Campus Galli

Soso. Er selbst war andererseits ganz froh, als ich ihm in diesem Blog eine Plattform gab, um in einem Gastbeitrag den Kritikern seine Sicht der Dinge darzulegen. Der undankbare Herr Napierala misst offenbar mit zweierlei Maß. Oder ist er immer noch beleidigt, weil ihn damals mehrere Leser im Kommentarbereich für seine schwammigen Wischiwaschi-Aussagen ‚abwatschten‘?

Selbstverständlich habe ich mich noch in einer E-Mail beim Geschäftsführer für die erwiesene Nettigkeit persönlich bedankt. Man weiß schließlich, was sich gehört:

Danke für die Sperre bei Facebook, Herr Doktor,

so etwas motiviert selbstverständlich ungemein, das ambitionslose Geschichts-Voodoo des Campus Galli auch weiterhin der verdienten Lächerlichkeit preiszugeben. 😊

Mit vorzüglichen Grüßen,

Ihr Lieblingsblogger

Übrigens: Trotz mehrfacher Ankündigungen wurde vom Campus Galli auch dieses Jahr noch keine einzige vernünftige wissenschaftliche Dokumentation der als „Experimentelle Archäologie“ bezeichneten Arbeiten veröffentlicht.
Anstatt endlich – nach gutem wissenschaftlichen Brauch – die Quellen offenzulegen, die etwa für das angeblich fertiggestellte Holzkirchlein Grundlage waren, schwadroniert der Geschäftsführer in befreundeten Medien lieber über zukünftige Pläne wie den mit 500.000 Euro (sic!) Steuergeld subventionierten, aber schon mehrfach verschobenen Bau einer Scheune. Man beachte hier auch unbedingt die ‚begeisterten‘ Kommentare der Eingeborenen unter dem verlinkten Artikel des Lokalblattes 😉.

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Fauler (Fake-)Rezensent bei Amazon

Schon wieder ein extrem auffälliger Fake-Rezensent bei Amazon! Man scrolle einmal durch dessen erstaunliche Bewertungen und beachte nicht nur die immer gleiche Anzahl der vergebenen Sterne; der Rezensent ist nämlich sogar zu faul, seine Rezensionstexte wenigstens pro forma ein bisschen dem jeweiligen Produkt anzupassen.
Oder sollte man hier nicht von Faulheit, sondern vielmehr vom ökonomisch klugen Minimieren des Arbeitsaufwandes sprechen? ^^  Klick mich

Was mich wirklich ärgert ist, dass Amazon in solchen Fällen einfach die Hände in den Schoß legt. Wenn nämlich jemand massenhaft ausschließlich 5-Sterne-Rezensionen mit dem immer gleichen Text veröffentlicht, dann sollte das Grund genug sein, den betroffenen Nutzer einer Überprüfung zu unterziehen. Ein entsprechender Automatismus wäre softwareseitig kinderleicht zu implementieren. Stattdessen nutzt man solche Funktionen lieber, um das laut Fernabsatzgesetz festgeschriebene Rücktrittsrecht zu unterminieren und sperrt in mehr als nur fragwürdiger Weise einfach die Konten von Kunden, wenn diese nach Ansicht von Amazon zu viel bestellte Ware retournieren. Wobei „zu viel“ mitunter sehr eigenwillig interpretiert wird! Klick mich

Spielerisch Geschichte erzählen – ein Spiel zur Förderung narrativer Kompetenz im Geschichtsunterricht

Über ein Jahr intensive Arbeit und Testen in verschiedenen Klassen und Kursen steckt hinter dem folgenden Unterrichtskonzept. Basierend auf einer Idee von Ronald Hild haben wir ein Spiel zur Förderung des Erzählens im Geschichtsunterricht entwickelt. Das Spiel haben wir „Textura“ getauft, weil beim Spielen ein dichtes Netz, eine Art Erzähl-Gewebe entsteht. Textura hat einen modularen […]

PDFs: Wikinger-Kleidung (Klappenrock, Kappen usw.)

Making a Viking Age Dublin Cap | Kirstina Williams | Academia.edu
A Viking Belt based on the Skjoldehamn Find | Susan Verberg | Academia.edu
Viking Jewellery from the island of Gotland, Sweden | Dan S B Carlsson | Academia.edu
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Zeitschrift "Bayerische Archäologie": Sondengänger führt private ‚Notgrabung‘ durch — Die Bajuwaren waren ‚Warriors‘ — Fragwürdiger Denkmalschutz

Viermal jährlich erscheint im Verlag Friedrich Pustet die Zeitschrift Bayerische Archäologie. Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedliche Schwerpunkte, enthalten daneben aber auch Beiträge zu diversen weiteren Themen.

Die Bajuwaren waren ‚Warriors‘

Das aktuellen Heft (3/2017) trägt den Titel Zeitenwende II: Das Ende der Antike – und was kam dann? Dementsprechend handeln mehrere Texte von den im heraufziehenden Frühmittelalter zum ersten Mal ins Rampenlicht der Geschichte tretenden Bajuwaren (auch Baiuvaren, Baiovaren, Baioari, usw. geschrieben). Beispielsweise geht der Germanist Peter Wiesinger jener schon lange umstrittenen Frage nach, woher die Bezeichnung dieses Stammes überhaupt herrührt.  Gut möglich ist -wie erläutert wird – dass die ursprünglich von den keltischen Boiern (Bojern) besiedelte Landschaft Böhmen sowie das germanische Wort warjoz (=Wehrmänner; siehe auch das englische Wort warrior!) namensgebend waren. Bei den ersten Bajuwaren handelte es sich also möglicherweise um germanische Krieger, die aus dem von den keltischen Boiern schon lange verlassenen Böhmen kamen und sich als Söldner in den Dienst Ostroms stellten, das Ende des 5. Jahrhunderts – nach der Auflösung des Weströmischen Reichs – daran interessiert war, die an Böhmen grenzende Provinz Noricum militärisch abzusichern.

Sondengänger führt private ‚Notgrabung‘ durch 

Kurios ist der in einem anderen Beitrag beschriebene Fall von einem anonym abgegebenen, aus 89 Einzelobjekten bestehenden Bronzehort (siehe obiges Bild). Ein Sondengänger grub ihn in einem Wald bei Hemau in der Oberpfalz aus und schickte ihn daraufhin ans Landesamt für Denkmalpflege – inklusive eines Briefs, in dem er nicht nur den Fundort genau beschrieb, sondern auch seine Handlungsweise begründete: Die Objekte hätten sich neben einem stark frequentierten Wanderweg, jedoch auf keinem ausgewiesenen Bodendenkmal, befunden. Es bestand hier angeblich die dringende Gefahr, dass Wanderer den Hort zufällig entdecken und mopsen würden. Der Sondengänger initiierte deshalb eine Art private ‚Notgrabung‘ 😉. Außerdem verwehrte er sich in seinem Schreiben quasi vorsorglich dagegen, als „krimineller Raubgräber“ abgestempelt zu werden. Anonym wolle er bleiben, weil er den Behörden nicht vertraut. Deren genereller Umgang mit Sondengängern führe in eine Sackgasse, die für keine Seite einen Gewinn bringen würde. Seinen Finderanteil an dem Hort möge man einem gemeinnützigen Zweck zuführen, bittet er dann noch.
Das Denkmalamt führte an der beschriebene Stelle eine Nachgrabung durch und entdeckte noch drei weitere bronzezeitliche Metallobjekte. Allerdings ist man von der Eigenmächtigkeit des Sondengängers naturgemäß wenig begeistert. Wichtige Fundzusammenhänge seien durch die undokumentierte Bergung verlorengegangen. Dieses Argument halte ich bei einem Hortfund wie diesem jedoch für etwas überzogen, denn die Lage der Objekte zueinander wird hier – im Gegensatz zu einem Grab – kaum etwas von echter Bedeutung verraten. Trotzdem wäre es wahrscheinlich besser gewesen, der Sondengänger hätte sofort die Behörden verständigt. Nur wenn diese tatsächlich nicht zeitnah ihren Hintern hochbekommen hätten, wäre es moralisch vertretbar gewesen, in Eigenregie tätig zu werden. Und selbst in so einem Ausnahmefall ist es sicher sinnvoll, wenn man die Ausgrabung halbwegs vorsichtig durchführt, alles mit Fotos dokumentiert und nicht versucht, die zutage geförderten Objekte zu säubern, da hierbei die Gefahr besteht, dass z.B. eventuell vorhandene Textilanhaftungen am korrodierten Metall beseitigt werden.
Interessant wäre übrigens aus meiner Sicht noch gewesen, wenn man die für diesen Fall relevante bayerische Gesetzeslage in dem Artikel etwas näher erläutert hätte. Nicht jeder Leser wird diese kennen.
Fragwürdiger Denkmalschutz: Der Abbruch der Eselbastei 
Über den umstrittenen Abbruch der sogenannten Eselbastei in Ingolstadt schreibt Roland Gschlössl, der Herausgeber der Zeitschrift.  Konkret geht es hier darum, dass das erst 2012 unter Denkmalschutz gestellte renaissancezeitliche Mauerwerk in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen wurde. Grund: Es war einem Hotel mit Tiefgarage im Weg. Eine Konservierung wurde nach Rücksprache mit dem Bauherren von einer Mehrheit des Stadtrates als zu kostspielig eingestuft.
Die Gegner des Abrisses argumentieren, dass hier ein sehr wichtiges Stück Stadtgeschichte leichtfertig zerstört wurde. So sei beispielsweise laut Überlieferung von der Eselsbastei aus dem schwedischen König Gustav Adolf bei einem Erkundungsritt das Pferd direkt unter dem Hintern weggeschossen worden, woraufhin dieser von einer Belagerung der stark befestigten Stadt absah. Übrigens, das damals getötete Pferd wurde als Trophäe nach Ingolstadt gebracht und ist dort heute im Stadtmuseum zu sehen; es gilt als ältestes Tierpräparat Europas – siehe das nachfolgende Bild.
Ich kann den Ärger der Kritiker verstehen, bin aber zwiegespalten. Die bisher schon nicht sichtbaren Mauern wären nach ihrer Dokumentation ohnehin wieder zugeschüttet worden, wenn es sich um eine normale archäologische Grabung gehandelt hätte und an der betreffenden Stelle keine Tiefgarage errichtet worden wäre. 
Abschließend noch eine kleine Randbemerkung zum Vorwort in diesem Heft. Darin schreibt der Herausgeber eingangs: „Liebe Leserin, lieber Leser, …“. Sehr brav, dafür gäbe es normalerweise die Note Eins im Fach Geschlechtergerechte Sprache. Doch leider, nur ein paar Zeilen weiter ist bereits unverzeihlicherweise vom „Zeitalter der Baiovaren“ die Rede; gerade so, als ob es damals keine Baiovarinnen gegeben hätte. Aber so ist das eben, diesen sprachlichen Schmarrn hält fast niemand konsequent durch. Daher verzichte zumindest ich komplett darauf 😊

Fazit: Alles in allem wieder ein interessantes Heft, mit thematisch gut durchmischten Beiträgen. Der Kaufpreis beträgt knapp 9 Euro.

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