Planet History

Tag Archive for Mittelalter

Spielerisch Geschichte erzählen – ein Spiel zur Förderung narrativer Kompetenz im Geschichtsunterricht

Über ein Jahr intensive Arbeit und Testen in verschiedenen Klassen und Kursen steckt hinter dem folgenden Unterrichtskonzept. Basierend auf einer Idee von Ronald Hild haben wir ein Spiel zur Förderung des Erzählens im Geschichtsunterricht entwickelt. Das Spiel haben wir „Textura“ getauft, weil beim Spielen ein dichtes Netz, eine Art Erzähl-Gewebe entsteht. Textura hat einen modularen […]

PDFs: Wikinger-Kleidung (Klappenrock, Kappen usw.)

Making a Viking Age Dublin Cap | Kirstina Williams | Academia.edu
A Viking Belt based on the Skjoldehamn Find | Susan Verberg | Academia.edu
Viking Jewellery from the island of Gotland, Sweden | Dan S B Carlsson | Academia.edu
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Zeitschrift "Bayerische Archäologie": Sondengänger führt private ‚Notgrabung‘ durch — Die Bajuwaren waren ‚Warriors‘ — Fragwürdiger Denkmalschutz

Viermal jährlich erscheint im Verlag Friedrich Pustet die Zeitschrift Bayerische Archäologie. Die einzelnen Ausgaben haben unterschiedliche Schwerpunkte, enthalten daneben aber auch Beiträge zu diversen weiteren Themen.

Die Bajuwaren waren ‚Warriors‘

Das aktuellen Heft (3/2017) trägt den Titel Zeitenwende II: Das Ende der Antike – und was kam dann? Dementsprechend handeln mehrere Texte von den im heraufziehenden Frühmittelalter zum ersten Mal ins Rampenlicht der Geschichte tretenden Bajuwaren (auch Baiuvaren, Baiovaren, Baioari, usw. geschrieben). Beispielsweise geht der Germanist Peter Wiesinger jener schon lange umstrittenen Frage nach, woher die Bezeichnung dieses Stammes überhaupt herrührt.  Gut möglich ist -wie erläutert wird – dass die ursprünglich von den keltischen Boiern (Bojern) besiedelte Landschaft Böhmen sowie das germanische Wort warjoz (=Wehrmänner; siehe auch das englische Wort warrior!) namensgebend waren. Bei den ersten Bajuwaren handelte es sich also möglicherweise um germanische Krieger, die aus dem von den keltischen Boiern schon lange verlassenen Böhmen kamen und sich als Söldner in den Dienst Ostroms stellten, das Ende des 5. Jahrhunderts – nach der Auflösung des Weströmischen Reichs – daran interessiert war, die an Böhmen grenzende Provinz Noricum militärisch abzusichern.

Sondengänger führt private ‚Notgrabung‘ durch 

Kurios ist der in einem anderen Beitrag beschriebene Fall von einem anonym abgegebenen, aus 89 Einzelobjekten bestehenden Bronzehort (siehe obiges Bild). Ein Sondengänger grub ihn in einem Wald bei Hemau in der Oberpfalz aus und schickte ihn daraufhin ans Landesamt für Denkmalpflege – inklusive eines Briefs, in dem er nicht nur den Fundort genau beschrieb, sondern auch seine Handlungsweise begründete: Die Objekte hätten sich neben einem stark frequentierten Wanderweg, jedoch auf keinem ausgewiesenen Bodendenkmal, befunden. Es bestand hier angeblich die dringende Gefahr, dass Wanderer den Hort zufällig entdecken und mopsen würden. Der Sondengänger initiierte deshalb eine Art private ‚Notgrabung‘ 😉. Außerdem verwehrte er sich in seinem Schreiben quasi vorsorglich dagegen, als „krimineller Raubgräber“ abgestempelt zu werden. Anonym wolle er bleiben, weil er den Behörden nicht vertraut. Deren genereller Umgang mit Sondengängern führe in eine Sackgasse, die für keine Seite einen Gewinn bringen würde. Seinen Finderanteil an dem Hort möge man einem gemeinnützigen Zweck zuführen, bittet er dann noch.
Das Denkmalamt führte an der beschriebene Stelle eine Nachgrabung durch und entdeckte noch drei weitere bronzezeitliche Metallobjekte. Allerdings ist man von der Eigenmächtigkeit des Sondengängers naturgemäß wenig begeistert. Wichtige Fundzusammenhänge seien durch die undokumentierte Bergung verlorengegangen. Dieses Argument halte ich bei einem Hortfund wie diesem jedoch für etwas überzogen, denn die Lage der Objekte zueinander wird hier – im Gegensatz zu einem Grab – kaum etwas von echter Bedeutung verraten. Trotzdem wäre es wahrscheinlich besser gewesen, der Sondengänger hätte sofort die Behörden verständigt. Nur wenn diese tatsächlich nicht zeitnah ihren Hintern hochbekommen hätten, wäre es moralisch vertretbar gewesen, in Eigenregie tätig zu werden. Und selbst in so einem Ausnahmefall ist es sicher sinnvoll, wenn man die Ausgrabung halbwegs vorsichtig durchführt, alles mit Fotos dokumentiert und nicht versucht, die zutage geförderten Objekte zu säubern, da hierbei die Gefahr besteht, dass z.B. eventuell vorhandene Textilanhaftungen am korrodierten Metall beseitigt werden.
Interessant wäre übrigens aus meiner Sicht noch gewesen, wenn man die für diesen Fall relevante bayerische Gesetzeslage in dem Artikel etwas näher erläutert hätte. Nicht jeder Leser wird diese kennen.
Fragwürdiger Denkmalschutz: Der Abbruch der Eselbastei 
Über den umstrittenen Abbruch der sogenannten Eselbastei in Ingolstadt schreibt Roland Gschlössl, der Herausgeber der Zeitschrift.  Konkret geht es hier darum, dass das erst 2012 unter Denkmalschutz gestellte renaissancezeitliche Mauerwerk in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen wurde. Grund: Es war einem Hotel mit Tiefgarage im Weg. Eine Konservierung wurde nach Rücksprache mit dem Bauherren von einer Mehrheit des Stadtrates als zu kostspielig eingestuft.
Die Gegner des Abrisses argumentieren, dass hier ein sehr wichtiges Stück Stadtgeschichte leichtfertig zerstört wurde. So sei beispielsweise laut Überlieferung von der Eselsbastei aus dem schwedischen König Gustav Adolf bei einem Erkundungsritt das Pferd direkt unter dem Hintern weggeschossen worden, woraufhin dieser von einer Belagerung der stark befestigten Stadt absah. Übrigens, das damals getötete Pferd wurde als Trophäe nach Ingolstadt gebracht und ist dort heute im Stadtmuseum zu sehen; es gilt als ältestes Tierpräparat Europas – siehe das nachfolgende Bild.
Ich kann den Ärger der Kritiker verstehen, bin aber zwiegespalten. Die bisher schon nicht sichtbaren Mauern wären nach ihrer Dokumentation ohnehin wieder zugeschüttet worden, wenn es sich um eine normale archäologische Grabung gehandelt hätte und an der betreffenden Stelle keine Tiefgarage errichtet worden wäre. 
Abschließend noch eine kleine Randbemerkung zum Vorwort in diesem Heft. Darin schreibt der Herausgeber eingangs: „Liebe Leserin, lieber Leser, …“. Sehr brav, dafür gäbe es normalerweise die Note Eins im Fach Geschlechtergerechte Sprache. Doch leider, nur ein paar Zeilen weiter ist bereits unverzeihlicherweise vom „Zeitalter der Baiovaren“ die Rede; gerade so, als ob es damals keine Baiovarinnen gegeben hätte. Aber so ist das eben, diesen sprachlichen Schmarrn hält fast niemand konsequent durch. Daher verzichte zumindest ich komplett darauf 😊

Fazit: Alles in allem wieder ein interessantes Heft, mit thematisch gut durchmischten Beiträgen. Der Kaufpreis beträgt knapp 9 Euro.

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Weitere interessante Themen:

CFP: Die Handschriften der Hofschule Kaiser Karls des Grossen (Trier, 10.-13. Oktober 2018)

CFP: Die Handschriften der Hofschule Kaiser Karls des Großen – individuelle Gestalt und europäisches Kulturerbe/The manuscripts of Charlemagne’s Court School – Individual creation and European cultural heritage – Trier 10/18 Organisation: Prof. Dr. Michael Embach (Stadtibliothek Trier); Prof. Dr. Claudine Moulin (Universität…

Fundstücke KW 37

Der Volksfreund berichtet über die archäologischen Untersuchungen frühmittelalterlicher Gräber im Kreis Mayen-Koblenz. Die Wikingerkriegerin aus Birka hat es nun auch zu SZ Online, derstandard.at und in Die Welt geschafft. Je nach Gemüt dürfte dieser Beitrag in der SHZ über ein … Weiterlesen

Hörbares: Richard Löwenherz — Heraklit — So klingt das Spätmittelalter — Das Hundetragen — Die Völlerei — Geschichte des Bettelns — Kaiser Barbarossa erobert die Peterskirche

Richard Löwenherz: Ritter, Abenteurer und Gefangener | DF | Spieldauer 22 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod
Alles fließt – Das Weltbild des antiken Denkers Heraklit | BR/ARD | Spieldauer 22 Minuten | Stream & Info Direkter Downlaod
So klingt das Spätmittelalter | RBB/ARD | Spieldauer 15 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod
Hier noch der Link zu jener im Beitrag erwähnten Internetseite, auf der sich etliche schöne Hörbeispiele spätmittelalterlicher Musik finden (jene Lieder mit mittelhochdeutschem oder frühneuhochdeutschem Text gefallen mir besonders gut): musical-life.net  
Das Hundetragen – eine Strafe des Mittelalters | BR/ARD | Spieldauer 3 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod

Die Völlerei – Das große Fressen | BR/ARD | Spieldauer 22 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod

Bettelei – Aus der Geschichte einer Lebensform | BR/ARD | Spieldauer 23 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod
Der 29. Juli 1167 – Kaiser Barbarossa erobert die Peterskirche | WDR/ARD | Spieldauer 15 Minuten | Stream & Info | Direkter Downlaod
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Videos: Archäologische Knochenjagd mit Spürhund — Wie viel Neandertaler steckt in uns? — Historisches Heerlager — Jan Hus — Luther

Archäologische Knochenjagd mit Spürhund | Spieldauer 3 Minuten | BR | Stream & Info
Urmensch – wie viel Neandertaler steckt in uns? | Spieldauer 59 Minuten | SWR | Stream & Info
Historisches Heerlager bei der Burg Münzenberg: Zu Tisch im Mittelalter | Spieldauer 30 Minuten | BR | Stream & Info
Das ist genau die Art von Veranstaltung, die ich auch als Besucher meide wie der Teufel das Weihwasser. Trotzdem ist es ganz unterhaltsam, sich so etwas in Form einer TV-Sendung mal anzuschauen. Bei vielem was hier zu sehen ist, läuft mir ein wohliger Schauer den Rücken hinunter. Ich brauche keinen Stephen King, solange es solche Veranstaltungen gibt 😊

Reichsstadt-Festtage für Mittelalter-Fans | Spieldauer 5 Minuten | BR | Stream & Info
Jan Hus – verbrannt in Konstanz | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info
Luther – verdächtigt in Erfurt | Spieldauer 15 Minuten | SWR | Stream & Info
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 Mehr Videos

Krimskrams: Haben Archäologen den Schädel von Plinius dem Älteren entdeckt? — Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte

Haben Archäologen den Schädel von Plinius dem Älteren entdeckt?

Es wär schon eine kleine Sensation, wenn es zutreffend ist, dass sich unter den sterblichen Überresten der Opfer des im Jahr 79 n. Chr. ausgebrochenen Vesuvs auch der Schädel von Plinius dem Älteren befindet: Klick mich

Freilich, im Gegensatz dazu geht der Archäologe Alberto Angela in seinem hier von mir besprochenen Buch “Pompeji – Die größte Tragödie der Antike” davon aus, dass der Leichnam des älteren Plinius NICHT im vom Vulkan fast vollständig zerstörten Stabiae zurückgelassen wurde, sondern mit der von ihm ursprünglich kommandierten Rettungsflotte in den Stützpunkt Misenum zurückkehrte.

Was mir nicht unlogisch erscheint, denn die, die den Tod von Plinius als Augenzeugen miterlebten, kehrten ja ebenfalls zurück und konnten vom Erlebten sehr detailliert berichten. Entsprechend heißt es in einem Brief des jüngeren Plinius (hier von mir zitiert), der Leichnam seines Onkels (=der ältere Plinius) sei am Tag nach dem Vulkanausbruch ohne äußere Zeichen von Verletzungen am Strand gefunden worden. Warum hätte man damals den hochrangigen Verstorbenen dort einfach liegenlassen sollen?

Ich bin daher skeptisch, dass der entdeckte Schädel tatsächlich einst dem älteren Plinius gehörte.

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Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte

Im Kulturmagazin Unser Lübeck erschien kürzlich ein Beitrag über Heribert Illig, seine Fantomzeit-These und den ‚erfundenen‘ Scharlöömanje – der komplette Titel lautet: Für Historiker eine Unperson – Der Verschwörungstheoretiker und Karlsleugner Heribert Illig nervt Prof. Sowieso und alle Studienräte 

Liest sich irgendwie ganz lustig 😊

Auch die Tageszeitung Die Presse brachte kürzlich einen Artikel über Heribert Illig. Darin scheint es darum zu gehen, dass angeblich auch Teile der Antike frei erfunden sein sollen (^^). Allerdings verbirgt sich der Großteil des Textes hinter einer Bezahlmauer.

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Weitere Interessante Themen auf diesem Blog: 

Fundstücke KW 36

Es war die Meldung der Woche auf skandinavischen und englischsprachigen Seiten: Neue Untersuchungen an einem Wikingerkrieger, der im 8. Jahrhundert in Birka bestattet worden war, scheinen „zweifelsfrei“ ergeben zu haben, dass es sich bei „dem“ Bestatteten um eine Bestattete handelt. … Weiterlesen

Fundstücke KW 35

Diese Woche widmet sich auch die Süddeutsche Zeitung der arabischen Belagerung Konstantinopels vor 1300 Jahren. SRF Kontext hat einen Audiobeitrag zum Thema „Historische Kunstwerke als Quellen der Geschichtsforschung“. Der Standard meldet, dass London der gewalttätigste Ort im mittelalterlichen England gewesen … Weiterlesen

Fundstücke KW 34

Die Badischen Neuesten Nachrichten schreiben über die Zähringer und Erinnerungsorte des Mittelalters am Oberrhein. Wie bezeichnete man im Mittelalter die Wochentage? Das erklärt Daniel Ossenkop in seinem Blog. Für Die Presse widmet sich der Byzantinist Johann Preisser-Kepeller der Belagerung Konstantinopels … Weiterlesen

Fundstücke KW 34

Die Badischen Neuesten Nachrichten schreiben über die Zähringer und Erinnerungsorte des Mittelalters am Oberrhein. Wie bezeichnete man im Mittelalter die Wochentage? Das erklärt Daniel Ossenkop in seinem Blog. Für Die Presse widmet sich der Byzantinist Johann Preisser-Kepeller der Belagerung Konstantinopels … Weiterlesen

mediaevum.net: Martin von Troppau: Chronicon Pontificum et Imperatorum, neu hrsg. v. Anna-Dorothee von den Brincken

http://www.mgh.de/ext/epub/mt/ Die Neu-Edition der Papst- und Kaiserchronik des Martin von Troppau (GND118782223) wurde 1981 in das Programm der MGH aufgenommen. Mit ihren vorbereitenden Studien hatte sich Anna-Dorothee von den Brincken als geeignete Herausgeberin angeboten. Mit der vorliegenden Online-Edition kann nun ein gesicherter Text dieser im Spätmittelalter weit verbreiteten Chronik vorgelegt werden. Zudem bietet diese neue […]

Vavra/Bauer (Hgg.): Die Kunst des Fechtens

Fecht- und Ringbücher – mittelalterliche und frühneuzeitliche Schriftwerke zu Kampfkunst und Selbstverteidigung – sind in den vergangenen Jahren nicht nur verstärkt in den Fokus engagierter Praktiker geraten, sondern auch zu einem ernstzunehmenden Forschungsfeld historischer Disziplinen avanciert. Die Zahl wissenschaftlicher Publikationen … Weiterlesen

Fundstücke KW 33

Was (zur Hölle!) sind æstel? Glücklicherweise das Thema des aktuellen Beitrags von Christoph Gwisdeck auf kurz!-Geschichte! Hakenkreuze everywhere! In den Fundstücken der vergangenen Woche hatte ich einen Artikel auf Spiegel Online verlinkt, in dem Museumsdirektor Karl Banghard vom AFM Oerlinghausen … Weiterlesen

Die Namen der Wochentage im Mittelalter – Ein Ausflug in die Chronologie

Montag bis Sonntag – dass die Namen der heutigen Wochentage ihre Ursprünge in der Antike haben, ist recht bekannt. Doch wie wurden die Wochentage im Einzelnen genannt? Die Kenntnis hierüber ist zentraler Bestandteil der Chronologie und unverzichtbar für die richtige zeitliche Einordnung von Schriftquellen. Unternehmen wir also eine kleine Zeitreise und werfen einen Blick auf […]

Fundstücke KW 32

Es ist eindeutig Ferien-/Sommerlochzeit … Wikinger handelten bereits vor 1.000 Jahren über weite Strecken mit Stockfisch, melden Der Standard und etwas ausführlicher Der Spiegel. Mit dem Thema „Die Wikinger und Alfred der Große“ meldete sich nach längerer Pause Daniel Ossenkop … Weiterlesen

Fundstücke KW 31

Die SVZ berichtet über die Bergung mittelalterlicher Schiffswracks vor der Küste von Wismar. Das AFM Oerlinghausen und sein Leiter Karl Banghard positionieren sich seit Jahren erfreulich deutlich gegen Rechsextreme und deren Versuche, Geschichte für sich zu vereinnahmen. Dafür wurden und … Weiterlesen

Fundstücke KW 30

Die Wetterauer Zeitung porträtiert den Archäologen Sascha Piffko, der Hessens größte Grabungsfirma gründete und entgegen dem Branchentrand mit Fest- statt mit Werkverträgen Erfolge und Gewinne erzielt. Am Neudegger Hausberg suchen Archäologen nach einem untergegangenen Adelssitz. Die ersten Funde – u.a … Weiterlesen

Schnabeliger Schutz gegen die Pest

Schnabeliger Schutz gegen die Pest

Menschen in weißen Schutzanzügen, die sich vorsichtig durch eine abgesperrte Zone bewegen, in der ein tödlicher Virus wütet – nein, dies ist nicht der Anfang eines postapokalyptischen Horrorszenarios oder einer Dystopie. Solche Bilder sind uns spätestens seit der Ebola-Epidemie bekannt. Doch auch bereits vor einigen hundert Jahren waren solche Anzüge im Einsatz – zum Schutz gegen die damals wütende Pest und anderen Krankheiten. In unserer Rubrik „Wozu das denn?“ stellen wir Ihnen vor, welche Funktion die Pesthaube im Kampf gegen verheerende Krankheiten hatte.

Schnabeliger Schutz gegen die Pest

Schnabeliger Schutz gegen die Pest

Menschen in weißen Schutzanzügen, die sich vorsichtig durch eine abgesperrte Zone bewegen, in der ein tödlicher Virus wütet – nein, dies ist nicht der Anfang eines postapokalyptischen Horrorszenarios oder einer Dystopie. Solche Bilder sind uns spätestens seit der Ebola-Epidemie bekannt. Doch auch bereits vor einigen hundert Jahren waren solche Anzüge im Einsatz – zum Schutz gegen die damals wütende Pest und anderen Krankheiten. In unserer Rubrik „Wozu das denn?“ stellen wir Ihnen vor, welche Funktion die Pesthaube im Kampf gegen verheerende Krankheiten hatte.

Berufe im Mittelalter

Zwischen 2007 und 2016 erschienen fast 50 Beiträge meiner Reihe „Berufe im Mittelalter“ in der Zeitschrift „Karfunkel“. Auf knappem Raum (ca. 8.000-9.000 Zeichen) bieten sie einen ersten informativen Einblick in verschiedene typische oder auch ungewöhnliche mittelalterliche Arbeitsfelder in Handwerk, Handel … Weiterlesen

Fundstücke KW 29

Der in den Fundstücken der KW 27 erwähnte Bohlenweg von Schorndorf wurde inzwischen in das 17. Jahrhundert datiert, wie die Stuttgarter Zeitung meldet. Der Archäologe Klaus Haller, den ich vor Jahren noch als Studenten, Mittelalterdarsteller und Schmied im AFM Oerlinghausen … Weiterlesen

Buch: Im Paradies des Alphabets – Die Entwicklung der lateinischen Schrift

Vorweg: Nach Klaus Grewes Aquädukte – Wasser für Roms Städte wird hier nun zum zweiten Mal ein Buch besprochen, dessen Autor/Herausgeber dem wissenschaftlichen Beirat der medial belobhudelten Mittelalterbaustelle Campus Galli (pro forma) angehört. 
Im Paradies des Alphabetes – Die Entwicklung der Lateinischen Schrift wurde von Cornel Dora – Stiftsbibliothekar des Klosters St. Gallen – herausgegeben. Es handelt sich hierbei um eine Begleitschrift zur gleichnamigen Ausstellung im Jahr 2017.
In verschiedenen Kapiteln wird anhand von handschriftlichen Beispielen aus der umfangreichen Stiftsbibliothek des Schweizer Klosters St. Gallen die Entwicklung der lateinischen Schrift von der Spätantike bis zum Spätmittelalter veranschaulicht (4.-15. Jh.). Man beginnt mit der sogenannten Capitalis quadrata und arbeitet sich bis zur Humanistischen Kursive vor. Darüber hinaus werden auch Sonderformen wie die eher verwirrend wirkende Ogham-Schrift und das angelsächsische Runen-Alphabet behandelt. Weiters enthält das Buch großformatige Musteralphabete, die vor allem für jene interessant sein dürften, die sich selbst in der Praxis mit Kalligraphie auseinandersetzen wollen.
Der Titel ist leider etwas überoptimistisch bzw. irreführend. Die Entwicklung der lateinischen Schrift beginnt nämlich nicht erst im 4. Jahrhundert. Über das Davor erfährt man hier aber kaum etwas. 
Der Einband dieses fadengebundenen, schön gestalteten Buchs ist aus einem Karton mit einer rauen, empfindlichen Oberfläche. Wenig überraschend musste ich bereits beim Auspacken an der rechten unteren Ecke eine Beschädigung feststellen (siehe Bild). Hier hat man nach meinem Dafürhalten an der falschen Stelle geknausert. Ein folierter Karton hätte, wenn überhaupt, nur ein paar Cent mehr gekostet. 
Fazit: Inhaltlich handelt es sich um ein weitestgehend gelungenes Buch, das besonders in Bezug auf die verschiedenen Varianten der lateinischen Schriften des Mittelalters einen anschaulichen und allgemein verständlichen Überblick bietet. Der Kaufpreis beträgt 25 Euronen.
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort
Zur Einführung: Schreiben im Mittelalter
Antike und Spätantike
Vorkarolingische Vielfalt
Insulare Schriften
Karolingische Minuskel
Gotische Schriften nördlich der Alpen
Italienische Schriften in Spätmittelalter und Renaissance 
Skriptorium und Bibliothek auf dem St. Galler Klosterplan
Initiallkunst
Die Schriften der Urkunden
Musteralphabete 
Ogham
Anhang
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Weiterführende Informationen: 

Krimskrams: Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli — Spannende Facebook-Vorschläge

Der infantile Rechtschreibguru vom Campus Galli 

Die in Baden-Württemberg beheimatete Mittelalterbaustelle Campus Galli ist ein beständiger Quell des unfreiwillig Komischen. Siehe etwa den folgenden Wortwechsel, der sich kürzlich unter einem Beitrag über den Bau einer eher sinnfreien Obstgartenmauer des Möchtegern-Klosters entspann (zum Vergrößern auf das Bild klicken).
Zum Vergrößern auf das Bild klicken | Quelle: Campus-Galli.de
Hinter dem Pseudonym „Campus Galli“ verbirgt sich Hannes Napierala, der Geschäftsführer des Projekts, wie ein kurzer Blick in den Quelltext der Seite zeigt (comment byuser comment-author-hannes). Diese überempfindliche Mimose erschnüffelt im obigen Kommentar also (Mikro-)Aggressionen …
Aber mehr noch: Wie ein Zwölfjähriger reibt er der Kommentatorin einen winzigen Tippfehler unter die Nase, um sie öffentlich bloßzustellen. Peinlich!
Den Vogel schießt Herr Napierala freilich ab, indem er selbst umgehend einen Fehler produziert – und zwar ausgerechnet in jenem letzten Satz, in dem er über die Rechtschreibung seines Gegenüber herzieht. Das Anredepronomen „Ihrer“ wird nämlich groß – und nicht etwa klein – geschrieben. 😊

Irgendetwas von „Versteinerung der Architektur veranschaulichen“ blubbert der selbsternannte Rechtschreibguru dann noch. Versteinert ist allerhöchstens sein Oberstübchen, wenn er ernsthaft glaubt, dieses hohle Sprachartistik würde nicht umgehend durchschaut werden. Aber Hannes Napierala kann es eben nicht lassen: Anstatt kurz und offen einzugestehen, dass beim Campus Galli das momentane Handwerkerangebot nicht mit den vorhandenen Fähigkeiten, Geldmitteln und Plänen konform geht, fühlt sich dieser notorische Dampfplauderer bemüßigt, zusätzlich eine pseudowissenschaftliche Rechtfertigung nachzuschieben.
Um die „Beschaffung der Rohmaterialien“ ginge es beim Bau der Obstgartenmauer, behauptet er – und erweckt gezielt den Eindruck, als handle es sich um ein ausgetüfteltes, vielgliedriges wissenschaftliches Experiment. Lachhaft, werden die verbauten Steine doch gar nicht von den Mitarbeitern des Projekts aus ihren Lagerstätten gebrochen, sondern einfach per LKW aus einem benachbarten Steinbruch angeliefert!
Im Übrigen konnte man beim Campus Galli bereits mit dem Fundament der Holzkirche und dem dazugehörenden Altar ausgiebig Erfahrungen im Steinbau sammeln. Auch das hat dieser auf Halbwahrheiten spezialisierte Schmähtandler wohlweislich verschwiegen.
Und überhaupt: Was wäre wohl aus dem – im Gegensatz zum Campus Galli – finanziell erfolgreichen Burgbau-Projekt Guédelon geworden, wenn sich die Verantwortlichen dort selbst nach rund fünf Jahren (so lange existiert der Campus Galli schon) noch immer nicht die nötigen Kenntnisse im Bauen mit Steinen erarbeitet hätten?

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Spannende Facebook-Vorschläge: „Personen, die du kennen könntest“

Schön wärs 😄

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Weitere interessante Themen auf diesem Blog: 

Wissenschaftsblogs als Publikationsorte – Ein von den Geisteswissenschaften noch zu wenig genutztes Potential?

Die Bekanntmachung der neuen Förderrichtlinie „Freier Informationsfluss in der Wissenschaft – Open Access“ des BMBF hat mich als Geisteswissenschaftlerin, aktive Bloggerin und Mitglied der Redaktionen von de.hypotheses.org und von Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte…

Fundstücke KW 28

Tote Katzen, die bei der archäologischen Untersuchung von Abfallgruben in Spanien entdeckt wurden, dienten wohl als Felllieferanten, schreibt Jörg Römer im Spiegel. Ein toter Hund aus dem Frühmittelalter wurde bei Grabungen in Ascheberg (NRW) gefunden, meldet der Westfälische Anzeiger. Tipps … Weiterlesen

PDF: Germanische Kriegerinnen? Leider nein.

Vielleicht erinnern sich einige Leser noch an den Versuch seitens neofeministisch angehauchter Archäologen und Innen, einige germanische/bajuwarische Bestattungen in Richtung eines weiblichen Kriegertums im merowingerzeitlichen Mittelalter zu interpretieren. Eine der Vertreterinnen dieser These hat mittlerweile eingeräumt, dass dem doch nicht so ist (ich habe darauf bereits in meinem Beitrag Feministische Archäologie: In Östrogen gegossenes Wunschdenken hingewiesen). 
Nun hat mich ein Leser freundlicherweise auf eine aktuelle Arbeit aufmerksam gemacht, in der das Thema von den angeblichen germanischen Kriegerinnen ebenfalls behandelt wird; auch hier bestätigt sich, dass ein regelrechtes weibliches Kriegertum im Frühmittelalter nicht belegt werden kann: Klick mich

Zitat:

Normalerweise wurden Individuen im frühen Mittelalter mit geschlechtsspezifischen Beigaben bestattet, so werden Männer und Jungen häufig mit Waffenbeigaben, Frauen und Mädchen meist mit Schmuckbeigaben bestattet (BRATHER, 2008, GÄRTNER, 2013). In der Regel können die Bestatteten dabei auch über ihre Beigaben relativ sicher geschlechtsbestimmt werden (Anm.: Eine Tatsache, mit der manch Neofeministin absolut keine Freude hat – siehe mein Beitrag zur feministischen Archäologie). In dieser Beigabensitte ist wohl auch die klassische Rollenverteilung der beiden Geschlechter im Frühmittelalter widergespiegelt. Während Männer physisch anstrengende Arbeiten verrichteten, Handel trieben, Krieg führten und politische sowie Rechtsgeschäfte tätigten, war es Frauen vorbehalten, zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich um Haus, Hof und die Familie zu kümmern (BITEL, 2002). Dennoch gibt es immer wieder Fälle, in denen sich die archäologische und die anthropologische Geschlechtsbestimmung widersprechen (GÄRTNER, 2013, GÄRTNER ET AL., 2014, HAAS-GEBHARD, 2013). In vielen Fällen handelt es sich dabei um Frauen, die mit Waffenausrüstung bestattet wurden und damit Anlass zur Postulierung frühmittelalterlicher „Amazonen“ gegeben haben (z. B. GÄRTNER, 2012, SCHNEIDER, 2008). Ein Absatz der Lex Baiuvariorum, der das Strafmaß für den Angriff auf eine Frau verringert, wenn diese selbst zur Waffe greift, wird häufig auch dahingehend gewertet, dass (bajuwarische) Frauen durchaus als „Kriegerinnen“ fungiert haben könnten, wenngleich vermutlich nur in Familienfehden und nicht in kriegerischen Auseinandersetzungen mit anderen Stämmen (HAAS-GEBHARD, 2013). Befeuert wurde diese Diskussion zusätzlich durch eine mittlerweile widerlegte molekulare Geschlechtsbestimmung einer vermeintlichen Frau, die in Niederstotzingen zusammen mit 2 Männern in Rüstung begraben wurde (WAHL ET AL., 2014, ZELLER, 2000). 

[…] In der vorliegenden Arbeit wurden Bestattungsphänomene, die regelmäßig auf frühmittelalterlichen Reihengräberfeldern angetroffen werden können, aus einer molekularbiologischen Sicht untersucht und beurteilt. Zu diesen Phänomenen zählen neben den sogenannten „Amazonen“, also Frauen, die in Waffenausrüstung bestattet wurden, auch Mehrfachbestattungen in allen denkbaren Variationen. […]. Durch die erneute Untersuchung von Frauen in Waffen konnte gezeigt werden, dass es diese Art der Bestattung nicht gab, wie auch die übrigen Bestattungen, deren Geschlechtszuweisung von anthropologischer und archäologischer Seite widersprüchlich war (IMMLER, 2013, GÄRTNER ET AL., 2014). […]. Vor allem vermeintlich spektakuläre Ergebnisse bedürfen hier immer einer unabhängigen Reproduktion, Anwendung verschiedener Verfahren und kritischen Betrachtung, wie der ursprüngliche Fall einer vermeintlichen Amazone aus Niederstotzingen (WAHL ET AL., 2014, ZELLER, 2000) zeigt.  

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 Mehr PDFs

Fundstücke KW 27

Andreas Fasel beschreibt für Die Welt die Arbeit eines Luftbildarchäologen – hört sich nach einem Traumjob an! Sind „Mittelaltermärkte“ reenactment? Und was ist der Unterschied zur living history? Das Hobby Mittelalter hat heutzutage viele verschiedene Facetten mit unterschiedlichen Ansprüchen, Ansichten … Weiterlesen

Reichlich Funde bei Ausgrabung auf Burg Falkenstein (Flintsbach)

Bei Ausgrabungen auf der Burg Falkenstein bei Flintsbach am Inn nahe Rosenheim öffnete sich ein Fenster in das Leben auf einer Burg im Mittelalter und der Frühen Neuzeit. Die Archäologen fanden Reste von Keramikgefäßen und Ofenkacheln aus dem 12. bis zum 18. Jahrhundert. Die Grabungen ergaben zudem, dass das Bodenniveau im Innenhof der Burg früher … Reichlich Funde bei Ausgrabung auf Burg Falkenstein (Flintsbach) weiterlesen

Der Beitrag Reichlich Funde bei Ausgrabung auf Burg Falkenstein (Flintsbach) erschien zuerst auf Burgerbe.de.

Diana-Tempel in Nürnberg?

„Abriß des uralten Dianen-, nachmals aber zu St. Margareth benannten Tempels, nächst an dem kaiserlichen Schloß auf der Reichs-Vesten zu Nürnberg“ – wer die Unterschrift dieses Kupferstichs liest, traut seinen Augen nicht. Hielt man den „Heidenturm“ der Kaiserburg tatsächlich, wie der Name es ja andeutet, für einen später christianisierten römischen Dianatempel? Aber war mit „Diana“ hier überhaupt die römische Göttin gemeint? Die Sagen über eine römische Gründung Nürnbergs sind eine Frucht des 15. Jahrhunderts, als Nürnberg die alten Römerstädte Augsburg und Regensburg endgültig eingeholt und überholt hatte und sich jetzt, verstärkt durch die Begeisterung des Humanismus für klassische Kultur, eine […]

Hörbares: Museum für Stauferkaiser Friedrich II — Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur — usw.

Museum für Stauferkaiser Friedrich II. – Im Dauer-Clinch mit der Kirche | Spieldauer 7 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Georg Friedrich Händel – Gute Geschäfte und ein „Halleluja“ | Spieldauer 22 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Georg Philippp Telemann – Der Vielschreiber | Spieldauer 21 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download

Tafelmusik | Spieldauer 4 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Ich bin ein Kopist – Über das Abschreiben als Grundlage unserer Kultur | Spieldauer 54 Minuten | BR | Stream & Info | Direkter Download
Zitat aus der Sendung: „Was wir heute noch von Antiken Autoren kennen, ist dem Abschreiben (in Klöstern) zu verdanken. Wobei nicht alles gleichermaßen beachtet wurde. Ingenieurstechnik interessierte die Mönche offenbar nur wenig. Wie sonst konnte das römische Verfahren zur Betonherstellung einfach in Vergessenheit geraten.“

Nein, mit Verlaub, so unglaublich dämlich können die Sendungsmacher doch nicht sein. Oder glauben sie diesen pauschalisierenden Blödsinn, den sie da verzapfen, tatsächlich? Was ist denn z.B. mit den Werken von Vitruv (De architectura libri decem) und Faventinus (Artis architectonicae privatis usibus adbreviatus liber)? Dort wird die Herstellung des römischen ‚Betons‘ nämlich erläutert. 
Aus Sicht der kopierenden Mönche handelte es sich dabei auch keinesfalls um überflüssiges Wissen; das belegt der Umstand, dass mehrere Abschriften der obigen Bücher überliefert wurden. Außerdem war antikes Ingenieurswissen auch im Mittelalter für den Bau von großen Kirchen und Klöstern unerlässlich. 
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