Denkmäler, die rumstehen #2 – Über den Rhein

Es ist immer wieder faszinierend, welch absurde Denkmäler in Deutschland so herumstehen und welch merkwürdige Ereignisse gewürdigt werden. Teil 2 einer losen Serie.

Am Rhein steht dieses wunderbare Denkmal, dass daran erinnert, das Feldmarschall Blücher an genau dieser Stelle den Rhein überquert hat, um dann Franzosen zu töten zur Ehre der deutschen Nation. Das Denkmal ist schon etwas älteren Datums, aber es ist in einwandfreiem Zustand, sauber, frei von Moos und Witterungseinflüssen und die Schrift hat auch anscheinend jemand in den letzten Jahren erneuert. Es muss also irgendwo im Budget einer deutschen Kommune einen Posten zur Erhaltung eines antifranzösischen Monuments geben. Vielleicht gibt es auch eine Bürgerinitiative, die sich um die Erhaltung kümmert oder es wurden Projektgelder zur Renovierung des Denkmals eingeworben. Das ist… schon erstaunlich.

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Ein paar Gedanken zur @die_reklame

Nach einigen Monaten @die_reklame und tausenden Werbeanzeigen haben sich ein paar Erkenntnisse angesammelt. Zuerst die wichtigste: Das Projekt entwickelt sich durchaus erfolgreich und steht momentan bei ca. 1300 Followern auf Twitter. Das sind mehr als wir gedacht haben und es macht auch immer noch richtig Spaß.

1) Die alten Anzeigen kommen wirklich gut an

Wir haben eine erstaunlich hohe Interaktionsrate. Die Nutzer retweeten und liken die Anzeigen mit Begeisterung, kommentieren sie und leiten sie an andere Nutzer per Mention weiter. Wer also für einen Social Media-Auftritt einer etwas älteren Firma oder Institution verantwortlich ist, sollte ruhig mal einen Blick ins Firmenarchiv werfen und ältere Werbung suchen. Sie kommt gut an – ich würde sogar darauf wetten, dass eine Werbekampagne im passenden Retro-Stil richtig einschlagen könnte.

(Das ist jetzt natürlich eine Binsenweisheit: Produkte wie die Retro-Fanta oder diverse Retro-Editions von Niveau oder Persil zeigen, dass das funktioniert. Werbung will Aufmerksamkeit generieren und alles, was sich vom Einheitsbrei und -design abhebt, erregt Aufmerksamkeit)

2) Bodyshaming ist so alt wie Werbung allgemein. 

Nicht nur die Apotheken-Umschauen und Frauenzeitschriften der heutigen Zeit sind voll mit Werbung für zweifelhafte Produkte, welche schlank und gesund machen sollen, sondern früher war es nicht anders. Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Früher gab es auch an Frauen gerichtete Werbung für Gewichtszunahme, die heute praktisch verschwunden ist. Dafür dürfen sich jetzt die Männer ihr Körperbild von tausenden Anzeigen zerfetzen lassen, die behaupten, dass man ohne riesige Muskelberge als kleiner Lauch keine Frauen abbekommt. Es ist anscheinend ein epochenübergreifendes und gut funktionierendes Geschäftsmodell, Menschen Unsicherheiten einzureden und ihnen dann etwas zu verkaufen. Der psychische Flurschaden dieser Werbemasche dürfte enorm sein.

3) Quacksalber schalten fleißig Werbung

Damit eng verbunden: Quacksalber schalten fleißig Werbung und das seit Jahrhunderten. Was heute die ganzen Anzeigen für Diätprodukte in Frauenzeitschriften sind, gibt es schon sehr, sehr lange. Firmen, welche die Lösung verschiedener gesundheitlicher Probleme versprechen, diese aber nicht einhalten können. Firmen, die verschwunden sind ohne eine Spur zu hinterlassen – die hochgepriesenen, angeblich revolutionären Heilmethoden haben es zu aktuell 0 Treffern bei Google gebracht. Heilmethoden, welche den Erfinder reich, berühmt, verehrt und hoch dekoriert gemacht hätten – wenn sie denn funktionieren würden und nicht reine Scharlatanerie wären.

4) Werbung stört sich nicht an Regimewechseln

Firmen hatten keine Probleme, ihre Werbung während des Nationalsozialismus an diesen anzupassen, kriegsbedingte Engpässe zu überspielen und dann nach dem Krieg nahtlos weiterzumachen.

5) Werbung wird visueller

Früher gab die Drucktechnik es nicht her, Bilder in Massen und in Farbe zu drucken. Entsprechend bestanden die Anzeigen komplett aus Text

Aber auch noch in den 1950ern und 1960ern enthielten Anzeigen deutlich mehr Text als heutzutage. 

6) Werbung entfernt sich zunehmend von „Fakten“

Es gibt einen klaren Unterschied zwischen diesen beiden Werbungen:

 

Die eine versucht mit Fakten zu überzeugen, die andere versucht ein Image zu transportieren, welches der kaufende Kunde dann auf sich selbst projizieren kann. (Die „Fakten“ in der Werbung muss man natürlich in Anführungsstrichen schreiben, da die Werber fleißig das Blaue vom Himmel versprechen.) Es hat sich das komplette Vorgehen der Werber gewandelt: So werden etwa Autos nicht mehr mit technischen Eigenschaften beworben, sondern mit Emotionen.

7) Die Gesetze gegen bestimmte Werbeversprechen wirken und sind sinnvoll

Ab und an geistern verschiedene Urteile durch die Presselandschaft, in denen es darum geht, ob man Bier als „bekömmlich“ bewerben darf oder nicht. Hintergrund ist eine EU-Richtlinie, die Werbung mit Gesundheitsversprechen untersagt. Aber auch weitere Einschränkungen der Werbung, etwa in Hinsicht auf Tabakwerbung oder Werbung für rezeptpflichtige Medikamente, wirken. Im Rückblick ist es schon erstaunlich, wie und für was früher geworben wurde. An Jugendliche gerichtete Zigarettenwerbung mit Gratisspielen in PC-Zeitschriften? Werbung für Heroin? Zigarettenwerbung mit Gesundheitsversprechen? Was heute einen breiten Proteststurm verursachen würde, war früher normal. Und in anderen Ländern ist es auch heute noch Normalität.

8) Werbung wird größer und mehr

In den Anfängen waren die Anzeigen in vielen Zeitungen ganz am Ende und erinnerte etwas an Kleinanzeigen. Häufig war sie auch mit privaten Kleinanzeigen vermischt zu finden. Dann werden die Anzeigen größer, werden visueller und damit auffälliger und sie dringt immer weiter nach vorne. Mittlerweile ist sie auf den Titelseiten zu finden oder überdeckt diese gar. Es wäre eine schöne Bachelor-Arbeit, einfach mal nachzuzählen, wie sich Menge und Platzierung der Werbung in länger laufenden Zeitschriften und Zeitungen verändert hat. Wieviel Prozent einer Spiegel-Ausgabe von 1952 ist Werbung und wieviel von einer Ausgabe 2018?

9) Werbung verlinkt, verkauft aber nicht mehr direkt

Früher war es Standard – ein Händler schaltet eine Produktliste mit Preisen und auszuschneidendem Bestellformular als Anzeige. Das ist bis auf wenige Nischenbereiche mittlerweile vollkommen verschwunden. Der Kunde wird auf die Webseiten der Händler gelockt, was für die Zeitschriftenverlage natürlich ein riesiges Problem darstellt. Sie sind nicht mehr Zeitschrift und „Warenkatalog“ gleichzeitig, sondern haben diese Position als Gatekeeper zu den kaufenden Kunden größtenteils verloren.

10) Ich erzähle Quatsch

Es ist natürlich absoluter Blödsinn, solche hochtrabenden Erkenntnisse aus einzelnen Anzeigen diverser unsystematisch zusammengesuchter Zeitungen abzuleiten und dabei noch nicht mal die Publikationen der Reklameforschung gelesen zu haben. Glaubt mir kein Wort!
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Denkmäler, die rumstehen #1 – Nothweiler

Es ist immer wieder faszinierend, welch absurde Denkmäler in Deutschland so herumstehen und welch merkwürdige Ereignisse gewürdigt werden. Teil 1 einer losen Serie.
In Nothweiler hängen diese Infotafeln am Dorfgemeinschaftshaus. Nothweiler ist ein kleines Dörfchen im Pfälzer Wald direkt an der französischen Grenze. Geht man nur wenige hundert Meter von dieser Tafel, kommt man an einem alten Zollhäuschen vorbei und steht dann direkt im Nachbarland. Hier erinnert die Dorfgemeinschaft an eine Aktion im deutsch-französischen Krieg 1870, bei der ein Adeliger über die Grenze ritt, in Frankreich u.a. einen Postboten ausraubte, sich ein paar Scharmützel lieferte und dann hier in Nothweiler wieder über die Grenze kam. Die Wikipedia bezeichnet dies als “ ausgedehnten Erkundungsritt“. Der Beitrag der Nothweilerer zu dieser *hust* Sternstunde der deutschen Militärgeschichte ist, dass sie dem siegreichen Helden dann ein Frühstück serviert haben nachdem er all die Franzosen vermöbelt hat. Das wirklich irritierende an dieser Infotafel ist aber, dass sie nicht aus der Zeit der glühenden Franzosenfeindschaft stammt, sondern recht neu ist. Hier hat dann irgendwer entschieden, dass es eine gute Idee wäre, diese ruhmreiche Episode der deutsch-französischen Beziehungen groß herauszustellen.
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Kochbücher aus dem Ersten Weltkrieg

Interessiert sich noch jemand für den Ersten Weltkrieg? Oder ist das Interesse mit dem Hype zum 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs 1914 erloschen? Erinnert sich noch jemand an „Die Schlafwandler“ von Clarke? Oder steht das immer noch ungelesen im Regal? Interessiert sich jemand noch für die 100. Jahrestage irgendwelcher Schlachten? Aktuell wohl eher kaum, dabei trat der Weltkrieg vor 100 Jahren in eine sehr interessante Phase, die dann mit dem Zusammenbruch der deutschen Armee endete.
In der öffentlichen Debatte und im öffentlichen Gedenken wurde viel über den Kriegsausbruch diskutiert, es gab hunderte Ausstellungen mit Lokalbezug und natürlich ein großes offizielles Gedenken mit dem Fokus, dass jetzt die Europäische Einigung einen solchen Krieg unmöglich macht. Und es gab eine völlig überzogene und überhitzte Debatte, dass die Welt jetzt aufgrund des Ukraine-Konfliktes wieder in einen neuen Weltkrieg schlafwandle. Wir leben immer noch.
Die Leiden der einfachen Leute, der Soldaten und der hungernden Zivilisten an der „Heimatfront“ blieben meiner Meinung nach etwas zu sehr im Hintergrund. Die Frage ist, wie man sich diesen Erfahrungen nähern kann. Daher habe ich in den letzten Monaten jede Menge Kochbücher aus dem Ersten Weltkrieg gesammelt. Diese zeigen anschaulich, wie sich die Versorgungslage zunehmend verschlechtert. 1914 oder 1915 sind es noch normale Kochbücher, die zum Sparen aufrufen. Dann kippt die Lage dramatisch und es endet mit dünnen Rezeptheftchen, in denen solch „schmackhafte“ Rezepte enthalten sind.
Eigentlich war der Plan, einige dieser Rezepte hier nachzukochen und zu berichten, wie sie schmecken. Dafür reicht aber gerade die Zeit und Muße nicht. Und wenn man sich schon die Zeit zum Kochen nimmt, dann ist fade Kriegskost aus dem Ersten Weltkrieg eindeutig nicht die erste Wahl. Es hat einen Grund, warum es so selten Mehlsuppe auf den Speisekarten dieser Republik gibt.
Daher ist aus der Idee nichts geworden. Aber die Sammlung der Kochbücher gibt es immer noch und sie ist hier in meinem privaten Wiki verfügbar.
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Die_Reklame

Hier im Blog ist es in der letzten Zeit etwas ruhiger geworden. Das liegt vor allem daran, dass sich bei mir gerade viel ändert – am 1. August geht es mit einem neuen Job in einer neuen Firma in einer neuen Stadt los. Zudem sind mir gerade andere Projekte wichtiger geworden. Eines davon ist @die_reklame. Hier sammeln Charlotte,
Moritz und ich Anzeigen aus alten Zeitungsdigitalisaten.

Das Ganze ist mit voller Absicht streng unwissenschaftlich gehalten und befriedigt eher den Hang zu Kuriositäten als die wissenschaftliche Erkenntnis. Wir wählen die Anzeigen einfach nach persönlichem Interesse aus. Wir verzichten auf eine statistische Analyse. Wir machen uns den Spass, auch in absoluten Nischenzeitschriften zu suchen. Es ist erstaunlich, welch abseitige Zeitungen und Zeitschriften digitalisiert vorliegen. Und das vielleicht wichtigste: Es macht richtig, richtig Spass. Es ist manchmal schwer, die neu gefundenen Anzeigen nicht direkt zu twittern, weil sie so toll sind. Es ist schwer, nicht jede Anzeige im eigenen Account direkt zu retweeten.

@die_reklame lebt vor allem auf Twitter. Wer will, kann uns aber auch auf Facebook und Instagram folgen.

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Digitalisierter Werbemüll aus der Vergangenheit und für die Zukunft

Ted Nelson’s Junkmail Cartons gehören zu den wohl interessantesten Sammlungen auf archive.org. Ted Nelson füllte über Jahre die Antwortkarten in Magazinen aus, mit denen man mehr Informationen über Produkte von Firmen anfordern konnte. Und damit geriet er natürlich in so ziemlich jeden Werbeverteiler der amerikanischen Tech-Industrie.

Ted hat also im Laufe der Jahre jede Menge Werbung bekommen. Diese hat er aber nicht weggeworfen, sondern in Kartons gelagert und aufbewahrt. Diese Kartons sind irgendwann in die Hände des Internet Archive geraten, welches sie einfach eingescannt und online gestellt hat.

Das Ergebnis ist eine umfassende Sammlung, die einen detaillierten Einblick nicht nur in die technische Entwicklung, sondern etwa auch in Werbestrategien, die Ästhetik der Technologiewerbung und damit auch in Zukunftsvorstellungen und das damals Mögliche. Denn man kann es mittlerweile kaum glauben: So manches, was mittlerweile völlig selbstverständlich war, war vor 20, 30 Jahren noch Zukunftsmusik. Oder halt extrem teure Technik für Firmenkunden. Und wo sonst findet man einen Katalog mit altem Druckerwerkzeug? Einen zu alten Frankiermaschinen? Von Filmkameras? Oder einen alten Werbegeschenke-Katalog?  Ted Nelson hat die Prospekte davon gesammelt, die sonst wohl für immer verloren wären.

Denn kaum eine Technologiefirma aus den Anfängen des Computerzeitalters hat überlebt. Bei der schnellen Entwicklung der Technik genügte häufig eine falsche Entscheidung, ein falsch platziertes Produkt oder das setzen auf das falsche Pferd/die falsche Computerplattform, um eine Firma in die Insolvenz schlittern zu lassen. Außerdem hat kaum eine Firma das Firmenarchiv wirklich gepflegt.

Für den deutschsprachigen Raum gibt es eine entsprechende Sammlung meines Wissens nicht. Vielleicht haben einige Museen etwas Vergleichbares im Depot, aber deutsche Museen und große Scanprojekte auf urheberrechtlich wackeligem Terrain funktionieren nicht zusammen.

Aber wie würde man selbst ein entsprechendes Projekt aufbauen? Man könnte es machen wie Ted und einfach eine gigantische Menge Werbepost an die eigene Hausadresse schicken lassen und erstmal in Kartons lagern. Das ist aber natürlich nicht nur für Leute mit Mitbewohnern wenig ideal. Es ist auch wenig wahrscheinlich, dass man die Kartons dann jemals einscannen wird.

Man könnte auch regelmäßig die erhaltene Post scannen und dann entsorgen, aber dann quillt nach dem Urlaub der Briefkasten trotzdem über. Und ich wage es zu bezweifeln, dass man ernsthaft jeden Werbebrief dann auch scannt, wenn man abends müde von der Arbeit kommt. Dafür bräuchte man einen wirklich guten Workflow.

Eine wirklich interessante Alternative wären externe Dienstleister, welche Briefe scannen. Diese richten sich an Leute, die wirklich viel unterwegs sind oder an Firmen, die keine Lust auf Zettelwirtschaft haben und komplett digital arbeiten. Das Prinzip ist einfach: Man lässt seine Mail zu einem dieser Dienstleister umleiten und dieser öffnet die Briefe, scannt sie ein, schreddert das Original und leitet einem die Scans weiter.

Mit  Hilfe dieser Anbieter könnte man ein entsprechendes Projekt problemlos umsetzen: Die Werbepost wird direkt zum Anbieter bestellt, dieser öffnet und scannt sie ein. Die Scans landen dann bereits digital aufbereitet bei einem. Wenn man das noch mit einem DMS mit Texterkennung koppelt, hat man ein fast vollständig automatisiertes Archivierungssystem gebaut.

Preistabelle eines Anbieters

Wohlgemerkt: Könnte. Denn die Dienstleister lassen sich Ihre Dienste gut bezahlen. Die Privatkundentarife sind bei Grundgebühren von um die 20 Euro monatlich meistens mit 20-30 Inklusivbriefen ausgestattet. Weitere Briefe kosten dann gerne mal über einen Euro pro Stück. Bei einem entsprechenden Werbevolumen geht eine entsprechende Lösung schnell ins Geld. So reizvoll ein entsprechendes Projekt auch klingt, mit den entsprechenden Nebenkosten ist das als Hobbyprojekt nur schwer umzusetzen. Größere Institutionen mit ordentlichem Budget oder Firmen können sich sowas leisten – der Aufbau einer Datenbank über die Werbeaktivitäten der Konkurrenz ist auf jeden Fall ein paar Euro wert.

Mittlerweile ist der Versand von Werbung per Post völlig out und wird zunehmend von Mailnewslettern und Social Media verdrängt. Es wäre kaum ein Problem, ein entsprechendes Archiv an Newslettern anzulegen. Das ist jetzt völlig uninteressant – aber in 20 oder 30 Jahren ist das sicherlich höchst spannend.

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Selbstverteidigung

Es sind zwei Nachrichten, die aufhorchen lassen:

  • Tausende Webseiten nutzen sogenannte „Session replay-Scripte„, welche jede Eingabe, jede Mausbewegung und jeden Klick aufzeichnen und im Nachhinein wieder „abspielbar“ machen. Dabei werden auch Daten aufgezeichnet, die der Nutzer zwar eingegeben, aber nicht abgesendet hat. Die Interaktionen mit der Webseite sind lückenlos nachvollziehbar.
  • Tracking-Skripte klauen E-Mailadressen aus Webbrowsern. Zwei Werbefirmen haben Skripte entwickelt, die Mailadressen aus den Passwortmanagern der üblichen Browsern klauen und diese zum Tracking missbrauchen.

Das ist nur die Spitze des Eisbergs – die Werbeindustrie hat bereits einige weitere „nette“ Tools im Angebot. Wie wäre es etwa mit Handyspielen, die ständig das Mikro laufen lassen, um herauszufinden, welche Sendungen und welche Werbung im Fernsehen ihr gerade schaut? Nebeneffekt ist natürlich, dass der Werbeanbieter einfach mal ständig eine Wanze in eurer Hosentasche laufen hat.

Was technisch machbar ist, wird auch gemacht. Egal, ob es moralisch verwerflich ist, ob es für böse Dinge missbraucht werden kann und auch völlig egal, ob es sinnvoll ist. Werbetreibende gieren nach Daten über die von ihnen beglückten Kunden und die Werbeindustrie stellt diese bereit.

Für den einzelnen Nutzer bleibt neben einer wagen Hoffnung auf eine gesetzliche Regulierung aktuell nur die digitale Selbstverteidigung: Man sollte sich nicht von den freundlich formulierten Bitten diverser Webseiten erweichen lassen und den Adblocker ausschalten. Denn das wird dann gnadenlos ausgenutzt.

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Storify macht dicht und löscht alles

Auch tot: Dinosaurier

Genauso tot wie Storify: Dinosaurier

Storify ist/war ein nettes Tool, mit dem man Beiträge aus Sozialen Medien sammeln und mit ihnen eine Geschichte erzählen konnte. Gerne genutzt wurde es zum Beispiel, um die Tweets zu einer Konferenz oder Tagung zu sammeln. So konnte man einen Rückblick anbieten und auch nicht twitternden Teilnehmern einen guten Eindruck der Online-Debatte vermitteln.

Doch damit ist jetzt Schluss: Storify macht dicht. Am 16. Mai 2018 wird alles abgeschaltet und gelöscht. Nutzer können bis dahin Ihre Inhalte exportieren. Es ist aber abzusehen, dass dies nicht alle Nutzer machen. Selbst wenn sie es machen und die Daten als HTML-Datei auf der eigenen Festplatte speichern, werden diese wohl nur noch selten wieder ins Internet gestellt werden.

Selbst wenn das Archiveteam angekündigt hat, dass sie die Inhalte retten wollen, zeigt dieser Vorgang mal wieder die Fragilität von Onlinediensten. Storify war immerhin 7 Jahre online. Andere Dienste haben nicht diese Lebensdauer erreicht, aber irgendwann erwischt es wohl jeden Dienst. Nach und nach hat es jeden von Historikern gerne und viel genutzten Dienst erwischt. Der Social-Bookmarking Dienst Del.icio.us, welcher für viele User die erste Begegnung mit dem Web 2.0 bedeutete, wurde mehrfach verkauft und ist mittlerweile gut, aber abgeschaltet in den Händen von Pinboard gelandet. Flickr ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Bei Blogspot wartet man eigentlich nur noch darauf, dass Google es abschaltet. Das Interesse daran hat der Konzern schon lange verloren. Yahoo hat Pipes und natürlich auch Geocities abgeschaltet. TwitPic ist tot und damit alle Bilder in euren frühen Tweets. Und wenn wir ehrlich sind, riecht Twitter auch schon etwas komisch.

Wer also seine Inhalte nicht nach einer Weile verlieren will, sollte sich überlegen, ob er nicht seine Inhalte selbst hosten will. Statt einem Storify hätte man auch ein normales Blog mit eingebundenen Tweets nutzen können. Dann ist man nicht von einem Dienstleister abhängig, der je nach wirtschaftlicher Lage den Dienst einfach einstellt. Wer seinen Krams selbst hostet und darauf aufpasst, wird keine bösen Überraschungen erleben. Gebt nicht die Kontrolle über eure Inhalte ab, denn kein Anbieter hat sich dieses Vertrauen verdient!

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Neues für PlanetHistory

PlanetHistory ist um ein paar weitere Geschichtsblogs gewachsen. Neu hinzugekommen sind folgende Blogs:

Wer selbst ein Blog betreibt und mit aufgenommen werden will, darf sich gerne melden.

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Baut die Synagogen wieder auf!

Umriss der alten Synagoge in Freiburg, 2017 als Brunnen rekonstruiert und höchst umstritten

Der aktuelle Trend in der Innenstadtgestaltung beinhaltet häufig die Rekonstruktion von kriegszerstörten Gebäuden. Sei es das Stadtschloss in Berlin, die Frauenkirche in Dresden, das Residenzschloss in Braunschweig, Schloss Herrenhausen in Hannover, das Stadtschloss und die Garnisionskirche in Potsdam oder Teile der Frankfurter Altstadt: Rekonstruktion ist in, die alten Gebäude sind nicht nur bei Stadtplanern, sondern auch in der Bevölkerung beliebt. In den letzten Jahren wurden wohl in Deutschland mehr Schlösser errichtet als jemals zuvor.

Dazu kommen die ganzen Gebäude, die bereits im Nachgang des Weltkrieges wieder aufgebaut wurden. Von Würzburger Residenz über die Freiburger Altstadt hin zum Münsteraner Prinzipalmarkt wurde vieles zerstört und dann mehr oder weniger originalgetreu wieder aufgebaut.

Der SPD-Politiker Rahed Saleh schlägt in der FAZ nun vor, die in der Reichspogromnacht zerstörten Synagogen ebenfalls wieder aufzubauen. Es ist ein Vorschlag, der einen gewissen Charm hat. Zum einen gehörten auch die Synagogen zum damaligen Stadtbild und prägten dieses enorm. Wer Freiburg kennt und den Platz der alten Synagoge vor seiner Umgestaltung kennt, der darf sich gerne hier anschauen, wie die alte Synagoge auf dem Platz gewirkt hätte. Bei der Neugestaltung hätte man an Stelle des sehr merkwürdigen Brunnens in Form der Synagoge, der dann bei heißen Wetter zum Plantschen benutzt wird, auch auf eine Rekonstruktion setzen können.

Von daher gefällt mir der Vorschlag sehr, sehr gut. Wer Burgen, Schlösser, Kirchen und Rathäuser historisierend wieder aufbaut, sollte die Synagogen nicht vergessen. Denn ohne sie fehlt ein Teil der Stadt.

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