Westdeutsche Worte: Fremdenzimmer

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Attribution: Colin Smith
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Es gibt einige Worte, die so westdeutsch sind, dass sie mittlerweile fast komplett aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind. Heute: Fremdenzimmer

Der Begriff „Fremdenzimmer“ ist ehrlich. Statt sich mit umschreibenden, schmeichelnden Bezeichnungen wie „Gästezimmer“ oder „Ferienwohnung“ die bittere Wahrheit zu übertünchen, haut das Fremdenzimmer dem Reisenden genau das ins Gesicht, was er eigentlich nicht hören will: Er ist fremd. Er ist nicht von hier. Er gehört nicht dazu. Ein Fremdenzimmer ist für Fremde.

Das ist gewissermaßen eine wohltuende Abgrenzung zu unserem heutigen Tourismus, der das Authentische in den Vordergrund stellen will und dabei das zerstört, was der Tourist sucht. Das Drama des modernen Touristen ist es, dass er in die fremden Kulturen eintauchen will, in der Fremde aber nur ein hohles Schauspiel und ein dreckiges Schmierentheater vorfindet. Der Erste, der fremde Regionen bereist, wird noch gastfreundlich aufgenommen und bekommt einen authentischen Eindruck in die Kultur und Lebensweise der Menschen. Die Menschen vor Ort kommen  aber schnell auf den Kieker, dass Touristen Geld bringen. Dann wird die kleine, urige Kneipe schnell zur Touristenfalle, in die kein Einheimischer mehr geht. Eine leere Kulisse wie eine Piratenbar in einem Freizeitpark. Und das schnuckelige kleine Örtchen wird schnell von einem ganz spezifischen Typ von Unternehmer okkupiert: Postkarten, Souveniers, Nippes, lokal hergestellter Blödsinn und völlig überteuerte Mitbringsel. Die Boutique mit Klamotten, die sich kein Einheimischer leisten kann und schon gar nicht anziehen würde.

Das Fremdenzimmer weist dem Touristen seine Rolle ganz anders zu: Er ist der Fremde. Er kann zwar ein Zimmer mieten, aber er ist nicht Gast. Er ist nicht Besucher. Es wird zwar sein Geld genommen, aber er ist nicht überall willkommen. Du bist fremd, hier kannst du übernachten, lass uns in Ruhe, mach deinen Krams alleine. Das unterscheidet das Fremdenzimmer von den heutigen Gästezimmern, Bed & Breakfasts, Hostels, AirBNBs und wie sie alle heißen, die versuchen den Gast möglichst zu umschmeicheln. Der moderne „Gast“ will eben Gast sein und nicht Kunde, er sucht das Authentische, er sucht den Kontakt zu den Locals und er steht immer vor der Tragik, dass die Locals ihn eigentlich nicht wollen, wenn er in Massen auftaucht. Außer, er zahlt Geld für seine Experience. Aber das wäre wieder nicht authentisch. Daher hasst der Tourist andere Touristen und findet andere Touristen schrecklich. Gleichzeitig ist er auch Teil der Masse der Touristen, macht touristische Digne und hasst sich gewissermaßen selbst.

Das Fremdenzimmer verhält sich zum Gästezimmer wie der Doppelkorn zum Aperol Spritz – statt der modernen Scheinwelt Tourismus ist es einfach ehrlich. Du bist der Fremde. Die Locals wollen dich nicht kennenlernen, sondern deine Kohle. Schönen Urlaub!

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Wenn das Restaurant den Anwalt schickt

In diversen Foren häufen sich momentan die Nutzerbeiträge, in denen berichtet wird, dass sie von einer Anwaltskanzlei zum Löschen einer negativen Bewertung bei Google Maps & Co aufgefordert wurden. Was steckt dahinter?
Negative Bewertungen haben natürlich enorme Konsequenzen für ein Unternehmen – ein Hotel mit einer 2,4 Sterne-Bewertung auf Google Maps, Booking.com oder Yelp wird es schwieriger haben Gäste zu gewinnen als eins mit soliden 5 Sternen. Ein Restaurant, in dessen Bewertungen die Kunden nur so schäumen, weil es dreckig ist oder das Personal unverschämt, wird es auch nicht lange machen.
Und was macht man dann als Besitzer eines dreckigen Restaurants? Putzen? Nein, die Kunden verklagen! 
Es gibt mittlerweile einen ganzen Zoo an LegalTech-Startups und Anwaltskanzleien, die aus der Löschung negativer Bewertungen ein Geschäftsmodell gemacht haben. Die Masche ist simpel: Man verspricht den Bewerteten die Löschung und schickt dann Briefe an die Bewerter, in denen mit der gesamten Gravität der juristischen Sprache Maßnahmen angekündigt werden. Der Bewerter soll nun seine negative Bewertung löschen oder die angekündigten Kritikpunkte mit konkreten Belegen untermauern. Oder erstmal nachweisen, dass er überhaupt in diesem Restaurant war – und natürlich scheitert ein Großteil der Leute daran, nachzuweisen, dass sie irgendwann im Mai 2017 in der Pizzeria Palermo essen waren. Noch schwieriger wird dann der Nachweis, dass das Personal unfreundlich war oder dass es dreckig war. Konnte man diese Ratte, die durch den Gastraum des Gasthauses Bären gehuscht ist, mit der Handykameratechnologie des Jahres 2007 nicht vernünftig fotografieren, wird der geforderte „Beweis“ nur schwer zu erbringen sein.

Werbung eines LegalTech-Startups


Dazu kommt dann noch ein Faktor, den die beteiligten Anwälte sicherlich ganz vehement abstreiten würden, aber: Die Nutzer, die in den Foren auftauchen, sind massiv eingeschüchtert. Sie haben keine Ahnung von Juristerei. Sie wurden meistens noch nie verklagt, haben selbst noch keinen verklagt, waren noch nie vor Gericht und der einzige Kontakt mit der bunten Welt der Paragraphen war ein Strafzettel wegen Geschwindigkeitsübertretung. Dann löschen sie wie gefordert die Bewertung und fertig. 
Auch aus genereller Zeitökonomie ist es natürlich die beste Lösung, wenn man einfach löscht – statt die alte Kreditkartenrechnung aus dem Goldenen Adler zu suchen und zu überlegen, wie man nachweisen soll, dass die Bedienung im Vapiano Darmstadt am 3. Februar 2013 pampig und unfreundlich war kann man auch einfach die Bewertung löschen, den Laden auch in Zukunft meiden und ein gutes oder schlechtes Buch lesen.
Google & Co machen sich hier einen schlanken Fuß – die Apps fordern fleißig zum Bewerten auf, aber die Nutzer werden mit dem produzierten Ärger dann alleine gelassen. Die entsprechenden Löschanfragen werden weitergereicht und fertig. Das milliardenschwere Unternehmen zieht sich auf den bequemen Standpunkt zurück, dass man ja eine „Plattform“ sei und daher mit den Inhalten selbst nichts zu tun hätte. 
Was bleibt? Zuerst die Erkenntnis, dass man niemals nie nicht ohne Bezahlung für einen Milliardenkonzern arbeiten sollte. Eine Plattform mit vielen Benutzerbewertungen ist einer ohne deutlich überlegen und es ist gerade die Stärke von Google Maps, dass es dort so viele gibt. Man sollte sich nicht als dummes Klickvieh missbrauchen lassen, das willig kostenlose Inhalte liefert und das sich dann ohne Support mit Anwälten herumärgern muss. Das würde besser gehen.
Und das nächste ist natürlich, dass dies ein massiver Einschnitt in die Meinungsfreiheit ist. Es ist natürlich völlig von ihr gedeckt, wenn man öffentlich verkündet, dass man den Service in einem Restaurant schlecht fand, das Essen fade war oder man eine Bäckerei schmutzig fand. Auch wenn die entsprechenden Anwaltsbriefe etwas anderes vermitteln wollen: Die Grenze zu einer ungerechtfertigten Schmähkritik ist hoch.
Und zum Schluss zeigt dies, dass man einfach nichts auf Bewertungen geben darf. Die anwaltliche Löschung ist ja nur ein Element von vielen, mit denen man Bewertungen beeinflussen kann. Amazon hat ein großes Problem mit Fake-Bewertungen, bei denen entweder mit massenhaft gefälschten Accounts agiert wird oder Leuten Produkte gegen positive Bewertungen angeboten werden. Alle Freunde und Familie bewerten natürlich positiv. Und im eigenen Onlineshop kann man eh agieren wie man will – im Endeffekt haben alle Shopsoftwares Features zum Freischalten und Selbstschreiben von Kommentaren integriert. 

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Fahrrad mit Truchet Lines

Ein Mashup einer alten Fahrradanzeige und truchet lines von TurtleToy.
Was habe ich gelernt?

  • Das gewählte Hatching ist wirklich wichtig – die ansonsten entstehenden „Löcher“ machen den Bildeindruck falsch. Das Hatching kann nicht allgemein einmal erfolgen, sondern muss genau auf die Dicke des gewünschten Stiftes abgestimmt sein. Hier lohnt es sich, mehrere SVGs abzuspeichern und v.a. eins vor dem Hatching-Prozess zu sichern.
  • Gleichzeitig ist ein zu dicker Stift auch nicht ideal für kleine Details, da diese zermatschen. Das erkennt man wunderbar an der Figur auf dem Schutzblech.
  • Das Plotten verbraucht Stifte wahnsinnig schnell – hier ist mir mitten im Plot der Stift leer gegangen und daher habe ich den Plot durch einen Farbwechsel gerade noch retten können
  • Wenn man am Rand Linien vergisst zu löschen, tauchen diese im Plot auf. D’oh
  • Grundsätzlich gefällt mir die Idee, alte Fahrradbilder mit geometrischen Mustern zu verbinden, extrem gut. Da wird es in Zukunft mehr von geben.
  • Die Verbindung geometrischer Muster mit alten Stadtansichten könnte auch extrem interessante Bilder produzieren.
  • Für mehrfarbige Plots benötigt man logischerweise zwei verschiedene Stifte. Hier ist es essentiell, dass man beim Einspannen nicht die Kalibrierung zerlegt. Das aktuelle Bild ist bewusst so gewählt, dass es recht egal ist, ob das Fahrrad jetzt ein paar Millimeter weiter rechts oder links ist. Will man aber präzise zwei verschiedenfarbige Linien nebeneinander zeichnen, wird dies schwieriger und mein aktuelles Setup würde das wirklich schwieriger machen . Hierfür müsste man den Stifthalter verbessern.
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Buch: Adrian Daub – What tech calls thinking

Adrian Daub hat ein höchst kluges Buch geschrieben: „What Tech calls thinking – an inquiry into the intellectual bedrock of Silicon Valley“ macht genau das, was der Titel verspricht. Daub ist Professor für Comparative Literature and German Studies an der Standford University und ist damit in der privilegierten Situation, dass er das Geschehen und Denken im Silicon Valley zugleich sehr direkt und dann auch distanziert betrachten kann. Ein Großteil der Startups und Techfirmen wird von Stanford-Absolventen gegründet, aber natürlich studieren diese zuvor seltener vergleichende Literaturwissenschaften. Er ist also nah dran – aber eben nicht so nah, dass er keine distanzierte Haltung hätte.

Wird der Großteil der Startups wirklich von Stanford-Absolventen gegründet? Von wegen, denn natürlich gehört es zur richtigen Heldenerzählung eines erfolgreichen Firmengründers, dass er seine Firma bereits während des Studiums gegründet und dann das Studium abgebrochen hat. Doch was hat man als Student überhaupt gelernt bis zum typischen „Gründungsabbruch“? In welchem Semester erfolgt dieser? Wie greift dies die klassischen Aussteiger-Erzählungen der Gegenkultur der 60er Jahre auf? Wo sind die Zusammenhänge? Und woher kommt diese Faszination des Silicon Valley mit dem „Genie“? Das Silicon Valley gibt ja nichts auf die klassisch-deutsche Gründungsbiographie: Erst irgendwie Studium oder Ausbildung fertig zu bekommen und dann mehrere Jahre Berufserfahrung zu sammeln und dann auf Basis dieser eine eigene Firma gründen. Die klassischen Tech-Gründer sind jung, ehrgeizig und in der Selbstdarstellung „Genies“ oder „Wunderkinder“ oder „Wizz Kids“. Überflieger, die durch die pure Kraft ihrer Fähigkeiten milliardenschwere Firmen aus dem Nichts erschaffen. Im Wohnheimszimmer, neben dem Studium.

Oder nehmen wir diese Dualität der Techkonzerne: Sie gelten zum einen als die besten Firmen, für die man arbeiten kann und sie gelten auch als brutale Ausbeuter und Firmen, für die man definitiv nicht arbeiten will. Der Entwickler in der Amazon-Zentrale wird fürstlich, gar königlich bezahlt, bekommt ein Büro der Luxusklasse gestellt mit kostenlosem Fitnessstudio, mehreren kostenlosen Mensen und vielleicht auch dem Klischee-Kickertisch. Der arme Tropf im Amazon-Lager hingegen ist einer stetigen Leistungskontrolle ausgesetzt und darf noch nicht mal auf die Toilette gehen. Bei anderen Firmen ist es ähnlich: Oben eine gehätschelte und verwöhnte Elite, unten ein ausgebeutetes Klickprekatiat. Wo kommt dies her? Und was hat das mit den Theorien von Marshall McLuhan zu tun? Daub erklärt es.

Und nicht nur das: Was ist eigentlich diese „Disruption“, welche die Startups betreiben wollen und was für Ideen stecken dahinter? Was sagt der Slogan „Fail better“ aus und was hat er mit Karl Marx zu tun? Daub schlägt messerscharfe Analysen in den Nebel der Corporate-PR, die täglich aus dem Silicon Valley herüberprasselt. Das macht das Buch höchst lesenswert.

Es ist allerdings ein schmaler Band mit etwas über 100 Seiten – an einigen Stellen hätte ich mir mehr „Fleisch“ gewünscht, denn es ist doch ein Buch für Insider. Wer sich bislang mit dem Silicon Valley weniger beschäftigt hat, der wird höchstwahrscheinlich eher etwas verloren durch die Seiten schwimmen. Zu viele Firmen, Ideen, Personen und intellektuelle Konzepte branden in wenigen Seiten auf einen ein. Und wer im 3. Semester sein Studium abgebrochen hat, um eine Firma zu gründen, wird umgekehrt auch nicht den geistesgeschichtlichen Background haben, um jetzt eine kurze Zusammenfassung dieser komplexen Theorien ergründen zu können, auf denen sein Denken basiert. Hier wäre ein etwas dickeres Buch wünschenswert gewesen.

Aber auch so: Da das Buch recht schmal ist, liest es sich schnell und es erweitert den Geist, wenn es um diese Tech-Ideen geht. Und da diese nicht nur im Silicon Valley gefeiert werden, sondern aufgrund dessen Erfolg so nach und nach in noch verdrehterer Form auch in unsere Arbeitsleben sickern, lohnt sich die Lektüre. Denn wenn dein Chef plötzlich einen Kickertisch in den Aufenthaltsraum stellt und sich trotzdem nichts ändert, dann kommt das aus dem Silicon Valley.

Danke an Helen für diesen Buchtipp!

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Freiburg im Breisgau, nach dem Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus 1549

Freiburg im Breisgau, nach dem Holzschnitt von Hans Rudolf Manuel Deutsch aus 1549. Geplottet mit einem Platinum Preppy 0.2 und Mont Blanc Royal Blue.

Hier die nächste Stadtansicht nach einem alten Holzschnitt aus Sebastian Münsters Cosmographia. Was habe ich gelernt?

  • Wenn man den Plotter nicht perfekt ausrichtet und auch das SVG nicht perfekt in der Mitte des Blattes platziert, dann wird der Druck schief. Das ist jetzt nicht besonders schlimm, außer man möchte das Bild rahmen
  • Bei wirklich wichtigen Elementen wie dem Turm des Freiburger Münsters, die direkt in der Bildmitte liegen, lohnt sich eine manuelle Nachbearbeitung. Denn der Turm ist nicht perfekt gelungen und leider halt das zentrale Element des Bildes
  • Die Konvertierung mittelalterlicher Städteansichten steht und fällt mit der verfügbaren Auflösung des Scans – hier ist sie doch etwas zu niedrig gewesen. Eine Auflösung von 1900px Kantenlänge ist bei so vielen filigranen Details einfach zu wenig. Dann bekommt auch der Plot in der Detailansicht Schwächen
  • Das gilt gerade für kleine Schriften – der Holzschnitt benennt bestimmte Gebäude, das ist aber im Plot nicht mehr zu lesen.
  • Hochauflösende Freiburger Stadtansichten sind im Internet schwer zu finden. Wer welche hat, darf sich gerne bei mir melden.
  • Eine Optimierung und Verschlankung des Drucks ist dringend nötig – das hat jetzt satte 11 Stunden benötigt.
  • Der Platinum Preppy 0.2 ist wirklich ein feiler Füller zum Plotten. Die gemalten Details sind aufgrund der dünnen Strichstärke richtig toll.
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Warendorf. Zwei PenPlots nach dem Kupferstich von Johannes Gigas aus dem Jahr 1616

Zwei PenPlots der historischen Stadtansicht nach dem Kuperstich von Johannes Gigas aus dem Jahr 1616.

Was habe ich gelernt?

  • Die Stiftauswahl ist enorm wichtig und beeinflusst das Ergebnis massiv. Auf dem oberen Bild ist es ein normaler Stabilo Fineliner 0.4, auf dem unteren Bild ein Platinum Preppy 0.2 Füller. Man sieht deutlich, wie der dickere Stift die Details verschwinden lässt, dafür die Flächen besser füllt. Auf dem Füller-Bild erkennt man ganz deutlich die Hatchet-Füllung – das sind diese geschwungenen Linien, welche diese Flächen füllen. Ein PenPlotter kann ja keine Flächen malen, sondern nur Linien. Daher kann man so ein Muster einfügen, aber wenn der Stift zu fein ist und die Tinte nicht ins Papier gesaugt wird, dann ist entsteht ein ganz eigener Bildeindruck
  • Und ganz basal: Die Vorlage ist entscheidend. Hier gibt es noch viel in der SVG-Konvertierung alter Holzschnitte zu erforschen – denn es sind nicht alle Details der Vorlage im Plot angekommen. Hier gibt es wohl das größte Optimierungspotential – nach viel Bastelei funktioniert der Eleksmaker jetzt zuverlässig und er zieht auch die filigransten Linien. Jetzt geht es daran, diese filigranen Linien zu erstellen.
  • Und wenn man im Jahr 2006 einen Kupferstich scannt und auf die Commons lädt, dann ärgert man sich im Jahr 2021 dass man keine höhere Auflösung verwendet hat.
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Pen Plotter

Pen Plotter sind eigentlich völlig veraltete Hardware: Sie bewegen einen Stift mit der Hilfe von Motoren über Papier, um eine Zeichnung zu erstellen. In der Frühzeit der Computertechnik waren sie häufig das einzige Mittel, um z.B. berechnete Funktionen und Graphen „auszudrucken“. Im Gegensatz zu einem normalen Ausdruck haben die Erzeugnisse der Stiftplotter eine ganz andere Charakteristik: Sie sind mit einem echten Stift gezeichnet worden – dafür aber mit einer übermenschlichen, fast unheimlichen Genauigkeit. Oder umgekehrt gesagt: Die Maschine gleicht die Unfähigkeit des Menschen aus – wo ein Zeichner hunderte Stunden üben müsste, um das gleiche, exakte Ergebnis zu schaffen, kann man mit einem Plotter Dinge erschaffen, die einfach toll sind.

Pen Plotter sind das perfekte Spielzeug für Nerds: Es handelt sich um uralte Technik aus der Steinzeit der Computertechnik. Man verwendet entweder Retro-Technik oder Nischenprodukte, die man sich selbst zusammenbauen muss und die man mit Hilfe obskurer Dateiformate bespielt. Sie benötigen Vektorgrafiken, die eine Wissenschaft für sich sind. Und sie verbinden auf wunderbare Weise das Analoge mit dem Digitalen.

Die Wahl fiel auf den EleksMaker A3 Pro. Das Gerät ist eigentlich ein Lasergravierer, man kann ihn aber auch mit einem optionalen Aufsatz zum Stiftplotter machen. Ich habe für den Start auf den Laserkopf verzichtet und mir nur das rohe Gerät bei Banggood besorgt. Der große Vorteil bei diesem Gerät ist, dass es bis zu A3 plotten kann – die meisten preislich vergleichbaren Geräte schaffen nur A4 und die anderen A3-Plotter sind dann deutlich teurer.
Der optionale Laserkopf ist so eine Sache: Mit einem Lasergravierer kann man coole Sachen machen – Holz und je nach Stärke andere Materialien gravieren und sogar weichere Materialien schneiden. Der A3 Pro ist aber diversen Berichten zufolge eher auf der unsicheren Seite – es gibt keine Abschirmung, es gibt keine Absaugung und entsprechend kann man sich ernsthaft schwer verletzen. Laser können auch als Reflektion die Augen schwer schädigen und beim Lasern werden natürlich auch diverse Schadstoffe freigesetzt – wer etwas aus einem Stück Plastik lasert, hat halt Plastikdämpfe in der Bude. Wer mit Lasern herumspielen will, sollte wissen, was er tut – und ich weiß es definitiv nicht und daher verzichte ich für den Start auf den Laserkopf.

Das Gerät kommt in Einzelteilen, aber der Zusammenbau hat wunderbar geklappt. Nach ca. 1-2 Stunden hat man alles zusammen – wenn man einen Schraubenzieher mit dem passenden Bitset hat und schonmal größere Legosets gebaut hat, geht das trotz der etwas spartanischen Anleitung eigentlich ganz gut. 

Ein erster Test mit noch nicht perfekten Einstellungen

Die wichtigste Erkenntnis nach Inbetriebnahme: Die mitgelieferte Software ist scheiße. Und zwar so richtig – man kann mit ihr zwar den Schreibkopf bewegen, wenn man ihn manuell steuert, aber wenn man ein Bild zeichnen will, passiert nichts. Und wenn man einen Text oder ein Bild importieren will, bekommt man nur einen Haufen chaotischer Striche. 
Die Lösung nach längerem Herumfrickeln: Die EleksCAM kann keine Kommata als Dezimalstellen verarbeiten. Der offizielle Bugfix? Das gesamte Windows auf Englisch umstellen! Der Hersteller erdreistet sich sogar ein Tool namens „EleksCAM Auto Fix“ zum Download anzubieten, das nur die Windows-Spracheinstellungen öffnet. Und nachdem ich dann die Spracheinstellungen gewechselt hatte, wollte das Tool dann den Plotter gar nicht mehr ansprechen.

Die weitere Softwaresuche erwies sich dann als recht nervtötend: Da es sich ja eigentlich um einen Laser-Gravierer handelt, gibt es es jede Menge Software, die aber entweder einen höchst zweifelhaften Eindruck macht (Benbox) oder dann wieder Geld kostet (T2Laser). Die Rettung war dann LaserGRBL, welches genau die nötigen Features mitbringt.

Eigentlich sollte dies ein symetrisches Muster sein – wenn die Kalibration und die Einstellungen aber nicht passen, dann geht dies nur eine Weile gut.

Dann folgte eine gewisse Phase des Frustes – der Stift fuhr über das Papier, aber die Kalibration war falsch. Bzw. malt der Plotter eine ganze Weile vernünftig und dann vermalt er sich. Geometrische Muster, die nebeneinander liegen sollten, wurden ineinander gemalt.
Die Lösung waren andere Einstellungen in LaserGRBL, die natürlich nirgends online dokumentiert waren. Mit etwas ausprobieren und experimentieren hat es funktioniert. Und was soll man sagen? Jetzt läuft es zuverlässig und es macht richtig Laune den Stift über das Papier sausen zu sehen. 

So soll es sein: Technische Zeichnungen kommen perfekt heraus, man erkennt aber, dass die Zeichnung gemalt und nicht gedruckt ist. Genau so soll es sein.

Was ist der nächste Schritt? Nachdem der Plotter jetzt eingerichtet ist und läuft, geht es nun daran, die passenden Vorlagen zu erstellen. Ich habe jetzt bis jetzt v.a. geometrische Muster vom großartigen TurtleToy gedruckt, aber natürlich gibt es auch noch jede Menge andere Ideen in meinem Kopf, was man damit malen kann. Und es gibt auch eine ganz wunderbare Welt der analogen Medien zu erkunden – mal schauen, wie sich unterschiedliche Stifte verhalten. Sind Stabilos besser als ein Füller? Wie sehen Bleistiftzeichnungen aus? Kann man Zeichenkohle verwenden? Oder gar Pinsel? Muss man immer nur auf Papier malen? Es wird ein großartiger Spaß und ich werde euch hier berichten.

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Das Werkzeug fehlt

Der Kapitalismus ist nicht in der Lage zwischen sinnvollen und völlig schwachsinnigen Anwendungen zu unterscheiden. Das fällt besonders in der Klimakrise auf: Hier gibt es noch die Ressourcen, die aber nicht verwendet werden sollten. Das Erdöl ist da, aber wenn wir es alles verfeuern, dann haben wir demnächst ein gigantisches Problem.

Uns fehlen einfach die Werkzeuge, um die sinnlose Nutzungen zu unterbinden und daher hauen wir mit stumpfen Knüppeln drauf und treffen im Zweifelsfall die Falschen.

Eine Benzinpreiserhöhung trifft alle – sowohl den Autoposer, der Freitagnacht hunderte Kilometer zu schnell mit seiner getunten Karre durch die Gegend fährt als auch die Krankenschwester, die aus dem Dorf ohne gute ÖPNV-Anbindung zur Arbeit muss. Sie trifft Menschen, die mit dem Auto 500 Meter zum Bäcker fahren und sie trifft den Menschen in der Fernbeziehung, der einfach nicht den Arsch zum Umzug hochbekommt.

Eine CO2-Steuer auf Flüge trifft sowohl den lange ersehnten und seltenen Familienbesuch in der alten Heimat als auch die B-Jugend des SV Oer-Erkenschwick 09, die nach Malle fliegen, um sich dort richtig die Kante zu geben. Sie trifft den Business-Kasper, der jedes Jahr zig Mal um die Welt fliegt, um dann in einem muffigen Meetingraum PowerPoint-Folien zu zeigen und sie trifft die Familie, die nach langen Corona-Monaten mal wieder urlauben will.

Eine Steuer auf Strom, Gas oder Heizöl trifft die arme Familie im Mietshaus mit den undichten Fenstern und sie trifft das Vorstadtviertel mit den klimatisierten Pools. Sie trifft den Geringverdiener und sie trifft das Business-Viertel, in dem auch nachts die Lichter in den leeren Büros brennen. Sie trifft Hartmut, der im Keller noch kistenweise 100W-Glühbirnen bunktert, weil LEDs ja ein so schlechtes Licht produzieren und sie trifft den Menschen, der sich eigentlich Mühe gibt, dessen Vermieter den Nachtspeicherofen aber nicht austauschen will.

Das hat soziale Härten: Während es am unteren Ende finanziell eng wird, kann am anderen Ende weiter sinnlos geprasst werden. Wer es sich leisten kann, der kann auch weiterhin sinnlos verschwenden und konsumieren. Was juckt es den Milliardenkonzern, wenn nachts die Lichter im Büro brennen und das im Jahr 4000€ kostet? Warum sollte ein Unternehmen nicht den Außendienst zum Sales Pitch zu diesem wichtigen Kunden nach Kuala Lumpur fliegen auch wenn es jetzt 700€ extra kostet? Interessieren den Millionär die paar zusätzlichen Euro für die Pool-Klimatisierung dann wirklich so, wenn es im Sommer heiß ist? Und den Typen, der sich für seinen getunten Audi übermäßig verschuldet hat, weil dieser Teil seiner Identität ist, hält auch ein 16 Cent höherer Benzinpreis nicht vom Cruisen ab.

An diesem Punkt wird die Debatte dann giftig und gerät in Schieflage: Statt sich darauf zu einigen, dass einige Nutzungen überproportional Ressourcen verwenden, wird dann auf die Extreme gezeigt und wilde Strohmann-Argumente aufgeführt. Bestes Beispiel war das Argument während der Debatte um Dieselfahrverbote, dass dann ja auch die Feuerwehr mit ihren Dieselfahrzeugen nicht zum Brand fahren dürfe. Auch Plastik hat seine sinnvollen Einsatzzwecke und sollte nicht komplett verbannt werden, aber der Supermarkt muss jetzt nicht die Bananen in Plastik einschweißen.

Es wäre schon viel geholfen, wenn wir für den Start erstmal die schlimmsten Auswüchse der Energie- und Ressourcenverschwendung angehen. Aber das kann unser aktuelles System nicht, weil uns die Werkzeuge dafür fehlen. Verteuerung hilft nicht, wenn bestimmte Dinge auch für Geringverdiener noch möglich sein sollen, denn dieser Preis schreckt dann die Normal- und Gutverdiener nicht ab. Ein höherer Preis schreckt auch nicht ab, wenn der Konsum der entsprechenden Ware notwendig ist. Wenn die Nudeln im Supermarkt plötzlich 2€ kosten, müssen wir trotzdem essen. Gerade Mobilität ist in diesem Bereich sehr inflexibel – die Leute müssen zur Arbeit, völlig egal, was der Sprit oder das Busticket kostet und die Leute müssen ihre Wohnung heizen. Ein System, das die Beheizung der Wohnung ermöglicht ohne es gleichzeitig zu ermöglichen, dass Leute im tiefsten Winter den Außenwhirlpool heizen, ist aber nicht realistisch umzusetzen.

Was hilft? Leider gar nichts – in einer Demokratie ist es nicht umzusetzen, dass man den einfachen Leuten den Weg zur Arbeit oder liebgewonnene Freizeitaktivitäten unmöglich teuer macht während die Reichen sich diese gönnen können. Es ist auch nicht realistisch möglich ein individuelles Budget für bestimmte Aktivitäten aufzustellen. Jeder darf nur x mal im Jahr fliegen und y Kilometer Auto fahren, denn am Ende braucht man eine Gelbe Sack-Vorratsdatenspeicherung gegen in Plastik eingeschweißte Bananen. Und es ist anscheinend leider auch nicht möglich bestimmte umweltzerstörende Produkte und Verhaltensweisen einfach zu verbieten – zum einen führt man dann einen Kampf gegen Windmühlen und immer neuen Blödsinn, den sich irgendein Produktmanager ausgedacht hat. Dann verbietet man nach einem langjährigen Prozess Einwegbesteck aus Plastik und die Hersteller drucken stumpf „Mehrwegbesteck“ auf die gleiche Verpackung und kommen auf die Idee, dass es eine total tolle Idee wäre, Plastiksichtfenster in Brötchentüten einzubauen. Der Fußballverband lobbyiert fleißig auf höchster Ebene, weil seine Mitglieder für ein Schweinegeld bundesweit Grasflächen durch Plastikflächen ersetzt haben und diese jetzt wie bescheuert Mikroplastik in die Umwelt abgeben und zur größten Quelle von Plastikverschmutzung geworden sind. Statt dass es eine ganz klare Ansage gibt, dass eine derartige Umweltsauerei nicht geht und sofort einzustellen ist, werden jetzt auf Übergangsfristen gefordert. Als ob weitere 8 Jahre Plastikverschmutzung irgendwie akzeptabel wären.

Kombiniert man das mit einer Kultur, in der radikalisierte Konservative ständig von „Verbotsparteien“ und „Cancel Culture“ schreien, wenn es um entsprechende Maßnahmen geht und damit große Wahlerfolge feiern, dann sind wir im Eimer. Genau wie bei Corona, wo ein hartes Gegensteuern immer erst passiert ist, wenn die Welle schon richtig lief und nie frühzeitig als man sie mit leichten Maßnahmen hätte brechen können. Richten wir uns auf eine 2 Grad-oder-schlimmer-Zukunft ein – denn es wird unmöglich, dem Kapitalismus den Unterschied zwischen sinnvollen und verschwenderischen Handlungen beizubringen.

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Fridolin Freudenfett und warum Lustige Taschenbücher nicht immer lustig sind

Die FAZ bringt einen Artikel darüber (gleicher Autor, gleiches Thema, keine Paywall im Standard), dass der Egmont-Verlag in der Lustige Taschenbücher Classic-Edition einige Übersetzungen geändert hat. Der Autor Achim Hölter ergießt sich lang und breit darüber, dass der Charakter Fridolin Freudenfett jetzt Fridolin Fröhlich heißt. Und dann folgt halt die alte Leier über Zensur, Political Correctness, Cancel Culture und alle sonstigen Totschlagargumente, mit denen Konservative alle Diskussionen totschlagen. Leider führen wir aktuell von konservativer Seite aus keine Debatten, sondern leider nur Scheingefechte. Man kann natürlich darüber streiten, ob der Name „Fridolin Freudenfett“ für einen dicken Menschen angebracht ist oder nicht. Wenn es nur das wäre – die Comics sind natürlich ein Kind ihrer Zeit und die Zeiten verändern sich natürlich. Ein Gag, der in den 60ern noch ok war, kann heute grob daneben liegen und natürlich birgt daher eine Neuauflage älterer Werke immer die Gefahr, dass sie halt den Zeitgeist nicht mehr treffen. Werte verändern sich, auch wenn die WerteUnion dies nicht verstehen will. Die älteren LTBs enthalten so einige Klopper, die man heutzutage so nicht mehr Kindern vorsetzen sollte. Ich habe einen Großteil der älteren LTB gelesen und sie sind nicht mehr wirklich kindgerecht. Warum?

Gewalt

In der Welt der LTBs ist Gewalt ein Mittel zur Lösung. Es ist nicht nur Onkel Dagobert, der Bittsteller mit einem ausgeklügelten System an Fallen aus seinem Büro befördert. Donald Duck selbst wendet ständig körperliche Gewalt gegenüber seinen Neffen an. Die körperliche Züchtigung wird als Normalfall und logische Konsequenz des Verhaltens der Neffen dargestellt – damals war das normal, aber zum Glück ist Gewalt gegenüber Kindern mittlerweile untersagt. Wenn die Kleinen jetzt über alte LTBs lernen, dass elterliche Züchtigung etwas Normales ist, dann haben sie etwas falsches gelernt.

Das gilt auch generell für allgemeine Gewaltanwendung: In diversen Stories tauchen Grobiane auf, die zwar als unsympathisch dargestellt werden, die aber ohne Konsequenzen einfach ihre Mitmenschen verprügeln. Auch in der faszinierend dysfunktionalen Familie Duck haut Donald nicht nur seine Neffen, sondern wird auch in wirklich jedem LTB mehrfach von seinem Onkel verdroschen. Das gehört natürlich irgendwie dazu und ich will mich auch nicht darüber beschweren, dass Asterix sich einen Spaß draus macht, die Römer zu vermöbeln, aber dieser Wert ist nur noch bei der WerteUnion anschlussfähig.

Frauenbild

Auch das Frauenbild lässt arg zu wünschen übrig: Daisy Duck und Minni Maus emanzipieren sich zwar stark in den neueren Ausgaben, werden dann aber extrem dominant und haben ihre Männer völlig unter dem Pantoffel. Eine wirkliche Beziehung auf Augenhöhe führt in Entenhausen keiner – und keine Figur zeigt dies besser als Gitta Gans. Die unglücklich in Dagobert Duck verliebte Gans versucht alles, um dessen Liebe zu erwecken und scheitert dabei natürlich in jeder Geschichte seit 1967. Auch Gitta entwickelt sich: Die älteren Geschichten spielen meist aus Sicht von Onkel Dagobert, der von einer furchtbaren Schreckschraube terrorisiert wird. Erst nach und nach gewinnt Gitta etwas an Profil und eigenständigem Charakter jenseits der verschmähten Liebhaberin. Das mag ein beziehungs- und liebeserfahrener Erwachsener anders lesen als ein Kind, aber Gitta ist kein Vorbild, das man seiner Tochter mitgeben möchte.

Ausländer

Die LTBs sind voll mit problematischen Darstellungen außereuropäischer Kulturen. Regelmäßig tauchen etwa Kannibalen auf, welche die Hauptcharaktere fressen oder in Vulkane werfen wollen. Das ist übrigens kein Phänomenen aus längst vergangenen Zeiten – noch LTB 372 aus dem Jahr 2008 enthält Eingeborene, welche sich nur mit Grunzlauten verständigen, eine primitive Religion pflegen und Donald Duck und Gustav Gans in einen Vulkan werfen wollen. Ich habe nicht alle neueren LTBs gelesen, aber es würde mich nicht wundern, wenn entsprechende Topoi auch dort auftauchen würden. Ein Verlag steht hier bei Neuauflagen vor dem gewaltigen Problem, dass es natürlich mittlerweile extrem problematisch ist, solche Darstellungen zu drucken. Wenn sie in den alten LTB vom Flohmarkt enthalten sind, dann kann man sich nicht beschweren. Aber als Neuauflage in 2021?

Sonstiges

Diese Darstellung könnte man noch fast ewig weiterführen – Gerd Strohmeiers APuZ-Beitrag zur Politik bei Benjamin Blümchen und Bibi Bocksberg wird zwar auch 15 Jahre nach Erscheinen gerne belächelt, hat aber einen wahren Kern, der auch für die Disney-Comics gilt. Politik und Polizei kommen schlecht weg. Der Bürgermeister ist gerne einfach mal ein dickes Schwein, die Bürokratie ist unfähig, Steuereintreiber werden als raffgierige Geier dargestellt und von Dagobert Duck ernsthaft mit Reichsbürgermethoden bekämpft, indem er einen eigenen Staat gründet (LTB 737 Flucht nach Duckland). Die Polizei bekommt nichts auf die Kette und wäre ohne Privatdetektiv Micky Maus oder Superheld Phantomias den Panzerknackern hilflos ausgeliefert. Die LTBs sind natürlich grundsätzlich satirisch ausgelegt, aber

Die Änderungen des Egmont Ehepa-Verlages erscheinen zudem etwas inkonsequent: Es ist ja sicherlich nicht verkehrt, dass man kein Bodyshaming betreiben will und daher den Namen „Fridolin Freudenfett“ für eine dicke Person ändert. Aber wenn die Person halt als dickes, tolpatschiges und unsportliches Schwein gezeichnet wird, dann hilft es auch nicht einfach nur den Namen zu ändern. Genau wie es wie man oben im eingebetteten Tweet sieht auch nur so mittel hilfreich ist, wenn man einfach nur die schlimmsten rassistischen Panels aus einer Story entfernt, die halt einfach nur so trieft vor rassistischen Klischees.

Die einzige Antwort kann dann eigentlich nur sein, die entsprechenden Stories einfach nicht mehr neu zu verlegen. Es gibt genügend Comics und auch zigtausend Seiten modernere Lustige Taschenbücher und sonstige Disney-Comics. Egmont Ehepa hat hier das gigantische Problem, dass Carl Barks natürlich einer der Kultautoren ist, dessen Werk von Donaldisten verehrt wird wie wohl kaum ein anderes. Auch die Übersetzung von Erika Fuchs wird glühend verehrt und eine Neuübersetzung ist bei der Fanbase dann schwierig. Und eine Neuauflage der Carl Barks-Comics als LTB Classic Edition ist natürlich ein sicheres Ding. Das verkauft sich.

Und ist Fridolin Freudenfetts „Schlachtung“ (so die FAZ) jetzt eine Ausgeburt einer verachtenswerten Political Correctness? Mitnichten. Es zeigt aber schön auf, wie Agendasetting funktioniert: Statt über die oben aufgeführten problematischen Elemente der Comics zu reden, wird hier einfach nur ein Randaspekt problematisiert. Damit kann man natürlich wunderbar Stimmung gegen diese ominöse „Political Correctness“ machen, denn natürlich ist diese Umbenennung nicht sehr sinnvoll. Damit hat man dann die Debatte geprägt und Onkel Heinz hat mal wieder was, um sich Abends beim Bier aufzuregen. Die wirklich interessante Debatte um die Inhalte in den Lustigen Taschenbüchern wird leider nicht geführt – und da geht es ja darum, die Inhalte kritisch zu reflektieren. Man muss seine Sammlung nicht verbrennen, man darf sie weiter lesen, aber man darf dann auch überlegen, welche Inhalte alte LTB an Kinder vermitteln können, wenn man als Eltern das nicht entsprechend begleitet.

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Der Publikationsort

Man lernt es im Tutorat des ersten Proseminars und es ist fest verankert in diversen Zitationsregeln: Die Angabe des Publikationsortes. Berlin. Leipzig. München. New York. Aber ist das nicht eigentlich Quatsch?

Bei den meisten Angaben gibt es wenig zu kritisieren: Den Namen des Autoren benötigt man. Titel und Untertitel des Werkes sind auch höchst hilfreich. Die Auflage erscheint auch sinnvoll, da sich ja zwischen Auflagen inhaltlich etwas ändern kann, auch wenn sich das natürlich etwas mit dem ebenfalls höchst sinnvollen Erscheinungsjahr überschneidet. Die Angabe eines Verlages, die übrigens nicht in allen Zitiervorgaben Pflicht ist, erscheint auch sinnvoll, da man so natürlich gerade in vordigitalen Zeiten wusste, wo und wie man ein Buch bestellen kann und Verlage natürlich immer eine gewisse Ausrichtung besitzen. Es macht einen Unterschied, ob ein historisches Buch im C.H. Beck-Verlag oder bei Propyläen erschienen ist, in der Edition Ost oder im Kopp-Verlag.

Nur der Publikationsort: Zum einen doppelt es sich mit dem Verlag. Der Verlag sitzt natürlich so oder so an einem Ort. Der Ort sagt einem grob, in welchem Land ein Buch erschienen ist, wenn man unbekannte Kleinstädte Ländern zuordnen kann. Mittlerweile gibt es auch global agierende Verlage mit mehreren Firmensitzen, was dann zu Quatschangaben wie „New York, Dubai, Delmenhorst“ führt. Der sonstige Erkenntnisgewinn ist gering: Ich kann nicht wie früher als berittener Buchhändler in den Publikationsort reiten und mich dann in der örtlichen Taverne zum jeweiligen Verleger durchfragen. Das würde zwar ein sehr unterhaltsamer Trip nach Berlin, aber wirklich praxistauglich ist ein derartiges Vorgehen nicht. Ich kann auch auf Basis der Ortsangabe eine Liste der örtlich ansässigen Verlage durchforsten, aber logischerweise finde ich den Verlag natürlich schneller, wenn man einfach den Verlagsnamen angibt und dann googlet.

Ansonsten kann der Ort grob als „ideologischer Filter“ im Zeitalter der Extreme dienen: Ein Text mit der Ortsangabe „New York 1972“ ist etwas anderes als einer mit „Berlin 1937“, „Moskau 1951“ oder „Pjöngjang 2021“. Aber – der gute Wissenschaftler bewertet eine Quellenangabe natürlich erst nach dem Lesen der Quelle und nicht nach dem Publikationsort dieser. Ein Beleg ist ein Beleg und er taugt entweder etwas oder nicht, aber ein untauglicher Beleg ergibt sich nicht zwangsläufig aus dem Publikationsort.

Dann gibt es noch Spezialfälle wie etwa den Reclam-Verlag, den es in Zeiten der deutschen Teilung zweimal gab. Aber auch dieser ist jetzt seit drei Jahrzehnten wieder vereint und es macht natürlich keinen Sinn, aufgrund solcher Spezialfälle jede Quellenangabe mit dem Ort zu versehen. Bei namensgleichen, nicht zusammengehörigen Verlagen ist eine entsprechende Zusatzangabe natürlich sinnvoll.

Und dann gibt es noch etwas, das gerne vergessen wird: Es gibt mit der ISBN eine international standardisierte Buchidentifikationsnummer und mit der ISSN eine international standardisierte Identifikationsnummern für fortlaufende Sammelwerke. Will man also ein Buch als Quellenangabe exakt angeben, würde eine ISBN-Angabe deutlich sinnvoller sein als Ort oder Verlag. Die üblichen Bibliotheks- und Buchhandelskataloge erlauben natürlich eine Suche nach dieser Nummer, denn genau dafür wurde sie in den 1960er Jahren geschaffen.

Der einzige Grund, der mir spontan einfällt: „Das haben wir schon immer so gemacht“. Auch Tradition genannt. Klar ist es schwierig, die gesamte Zitiertradition eines Faches zu ändern. Zeitschrift für Zeitschrift. Verlag für Verlag. Und das passiert natürlich nicht. Dank moderner Bibliotheksdatenbanken findet man verfügbare Literatur ja auch problemlos, selbst wenn man nur Autor und Jahr angeben würde oder nur den Titel. Oder gar nur den Verlag und den Untertitel.

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