Brutale Architektur in Mekka – die Abraj Al Bait Towers


Betrachtet man den Denkmalschutz, dann steht Deutschland trotz einiger Sünden recht gut da. Größere Bauprojekte kommen selten darum herum, ihn in die Planungen einzubeziehen – oder die Bürger demonstrieren wie gerade in Stuttgart erbittert gegen die Planungen. Nur Nachkriegsgebäude haben (noch?) nicht die ihnen zustehende Lobby.
In anderen Ländern sieht dies allerdings ganz anders aus. Ich bin zufällig auf dieses Bauprojekt in Mekka gestoßen. Direkt neben dem heiligsten Ort des Islams wird dieses monumentale Gebäude errichtet, dessen Stil irgendwo zwischen Disneyland und Hauptquartier eines Comicbösewichtes schwankt.

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Auch wenn man es kaum glauben mag – das Gebäude mit dem Flachdach ist die Al-Haram-Moschee, die wichtigste Moschee des Islams. Dieser schwarze Kubus in der Mitte der offenen Fläche ist die Kaaba, das zentrale Heiligtum der Moslems und dieser Wolkenkratzer wird direkt daneben gebaut. Das 95-stöckige Hotel mit einer Höhe von knuffigen 601 Metern und 1,5 Millionen Quadratmetern Nutzfläche kostet die Bauherren die bescheidene Summe von 3 Milliarden US-Dollar, wird das zweithöchste Gebäude der Welt werden und verspricht natürlich auch immense Profite. Es soll den Besuchersturm bändigen helfen, der jedes Jahr ansteigt und die saudi-arabische Regierung vor einige Planungsschwierigkeiten stellt. Und natürlich werden die Zimmer mit Blick auf die Kaaba wohl unbezahlbar werden.

Ich kenne kein Beispiel eines neueren Gebäudes, das eine religiöse Stätte dermaßen umformt. Einzig die wilden Baumaßnahmen der Renaissance-Päpste im Vatikan kommen dem nahe. Umso erstaunter war ich, dass dies anscheinend nicht öffentlich diskutiert wird. Saudi-Arabien ist zwar ein autokratischer Staat, in dem Kritik an solchen Projekten schwierig oder unmöglich zu äußern ist, aber ich hätte zumindestens Kritik aus dem Ausland oder von der UNESCO erwartet. Wenn eine Brücke über das Elbtal zur Aberkennung des Welterbestatus führt, dann müsste diese Bausünde zum Rauswurf aus der UNESCO führen. Schon alleine wegen der scheußlichen 45x43m großen Uhr. Und weil für diese Monstrosität eine alte osmanische Festung abgerissen wurde.

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Der Stand im März 2011 (Bild: Rubeel, CC-BY 3.0)



Recherchiert man etwas weiter, findet man noch weitere unglaubliche Planungen, bei denen man einfach den Kopf schütteln muss. Wie wäre es mit gigantischen, nach Satellitenschüsseln aussehenden Sonnenschirmen direkt über der Kaaba?

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Und dann gibt es noch das Jabal Omar-Projekt, welches ebenfalls gerade gebaut wird, auch wenn die entwickelnde Firma gerade finanziell etwas angeschlagen ist:

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Das ist so hübsch und dezent, dass mir einfach die Worte fehlen.

Ein weiterer Bau, der Mekka brutal umgestaltet, ist die Jamarat-Brücke, Ort der traditionellen Steinigung des Teufels. Erbaut wurde sie nach mehreren Massenpaniken während der Hadsch mit vielen Toten und diese Konstruktion soll den stetig wachsenden Besuchersturm lenken. Das ist ein begrüßenswertes Anliegen und war auch wohl nötig, aber ästhetisch ist sie eine absolute Katastrophe. Manche Parkhäuser sehen hübscher aus…

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