Das langsame Sterben der Wikipedia-Konkurrenz

Google ist erstaunlich konsequent: Gescheiterte Projekte werden nicht ewig weiter betrieben, sondern eingestellt. Neben dem glücklosen Wave hat es jetzt auch Knol erwischt. Damit endet ein weiterer Versuch, eine Alternative zu Wikipedia aufzubauen. In Knol sollte ein Artikel nicht von mehreren Autoren verfasst werden, sondern ein einzelner sollte die Oberhoheit über ihn besitzen und dafür an den Werbeeinnahmen beteiligt werden.

Jimmy_jacket_forestStarrt dich ab sofort auch von dieser Webseite an: Jimmy Wales 

Es kam, wie es kommen musste: Das Projekt wurde zu Anfang schnell zum Ziel von Spammern, die mit wild aus dem Web und Wikipedia kopierten Artikeln Geld verdienen wollten. Und die erhofften Experten, die ihr Fachwissen auf Knol ausbreiten sollten, kamen nie. Google hätte mehr daraus machen können, etwa mit einem strikteren Kampf gegen Spam oder einer prominenteren Platzierung in den Suchergebnissen, aber so geriet das Projekt schnell ins Abseits.

Fast zeitgleich mit Knol starb auch das wohl bekannteste deutsche Gegenprojekt: Ulrich Fuchs WikiWeise ist nach einer Hackerattacke offline. Der Hacker versetzte dem Projekt allerdings nur den lange verdienten Gnadenstoß, denn aktiv war es lange nicht mehr. Abzusehen ist auch, dass bei Larry Sangers groß gehypten Citizendium demnächst die Lichter ausgehen. Es arbeitet nur noch eine winzige Community an den Artikeln und die Finanzierung der Serverkosten reicht nur noch bis Januar. Dann könnte auch dieses Projekt begraben werden. Vermissen wird es wohl keiner.

Ist damit das Wiki-Prinzip tot? Natürlich nicht – Wikis blühen in Nischenbereichen. Es gibt kaum eine TV-Serie ohne eigenes Wiki, in dem die Fans minutiös alles über Charaktere, Folgen, Hintergründe und Schauspieler sammeln. Jedes populäre Computerspiel besitzt mindestens ein Wiki. Kein Open Source-Projekt kommt ohne aus. Die Piratenpartei nutzt eins mit großem Erfolg. Interne Wikis für Organisationen verbreiten sich. Wikis sind quicklebendig und etabliert – alle Versuche, eine Wikipedia-Alternative aufzubauen, können allerdings als gescheitert gelten.

Gleichzeitig klagt auch die Wikipedia seit Jahren über einen Autorenschwund. Immer weniger Autoren arbeiten an dem Projekt, viele langjährige Autoren geben frustriert auf und immer weniger neue Nutzer finden den Weg durch das Regelgestrüpp. Auffällig ist, dass alle gescheiterten Wikipedia-Konkurrenten es versucht haben, durch noch mehr Kontrolle, Überprüfung, Peer Review und Regeln die Artikelqualität zu verbessern. Und dabei gescheitert sind. Auch die Wikipedia entstand bekannterweise ja eigentlich als Vorfeldwiki für die Nupedia, einem ebenfalls stärker kontrollierten Wiki mit höherem Qualitätsanspruch.

Hier tut sich ein Widerspruch auf: Wikis leben von ihrer Spontanität. Kleinere Wikis zu Fernsehserien, Spielen oder Kochrezepten können ohne große Regeln und Konflikte agieren, ein Moloch wie die Wikipedia benötigt aber klare Vorgehensweisen, Regeln, Kompetenzen und steht damit dem Wiki-Prinzip fundamental entgegen.

    • A wiki invites all users to edit any page or to create new pages within the wiki Web site, using only a plain-vanilla Web browser without any extra add-ons.
    • Wiki promotes meaningful topic associations between different pages by making page link creation almost intuitively easy and showing whether an intended target page exists or not.
    • A wiki is not a carefully crafted site for casual visitors. Instead, it seeks to involve the visitor in an ongoing process of creation and collaboration that constantly changes the Web site landscape.

Oder um es kurz zusammenzufassen: Es muss Spaß machen. Bürokratie und Kontrolle machen keinen Spaß.

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