Man glaubt es kaum – Wikipedia testet WYSIWYG-Editor

Auf G+ und Twitter herrschte gestern ein Ton leicht ironischer Begeisterung: Wikimedia hat den ersten Prototypen des lange geplanten WYSIWYG-Editors für die Wikipedia vorgestellt. Das ist der erste Schritt zu einer wirklichen technischen Weiterentwicklung der Plattform seit – naja – eigentlich seit ihrer Gründung. Das bislang zum Editieren verwendete Wikitext-System ist in seinen Grundzügen zwar nicht so kompliziert, benötigt aber trotzdem eine gewisse Einarbeitungszeit. Um etwa einen Artikel zu verlinken, setzt man den [[Namen]] in zwei eckige [[Klammern]]. Das ist, wenn man es einmal weiß, recht effektiv – ich nutze das sogar mittlerweile etwa in Vorlesungsmitschriften, um Dinge zu markieren, die ich später nochmal nachschlagen will. Für neue oder technisch nicht erfahrene Autoren ist das System aber recht kompliziert – vor allem, da sich der Komplexitätsgrad schnell erhöht. Eine simple Tabelle sieht etwa so aus:

{| class="wikitable"
|-
! Header text !! Header text !! Header text
|-
| Example || Example || Example
|-
| Example || Example || Example
|-
| Example || Example || Example
|}

Viel Spaß beim Einfügen der passenden Daten in jede Zelle. Kombiniert man dies mit Vorlagen, mathematischen Funktionen und Einzelnachweisen, wird der Quelltext eines Wikipedia-Artikels schnell unübersichtlich. Ein Blick in den Quelltext des tollen Artikels Hurwitzquaternion lohnt sich. Wer das (und den Artikel ;) ) versteht, darf sich als Experte bezeichnen – der Normalnutzer wird dort aber selbst bei der Korrektur eines simplen Rechtschreibfehlers scheitern.

Die Hoffnung ist natürlich, dass durch den WISIWYG-Editor endlich die heiß ersehnten neuen Autoren in die Wikipedia strömen. Diesen kann man hier ausprobieren, man sollte aber nicht in allzu große Begeisterung verfallen. Der Funktionsumfang ist noch relativ gering: So lassen sich etwa noch keine Einzelnachweise setzen, Tabellen sind ebenfalls noch manuell zu setzen und andere simple Pflichtfunktionen (Kategorisierung, Unterschrift, Umgang mit Vorlagen, etc.) fehlen ebenfalls. Trotzdem – es ist ein Schritt in die richtige Richtung, der schon seit mindestens 5 Jahren überfällig ist.

Als nächstes würde ich mir dann einen vereinfachten Uploader für die Wikimedia Commons wünschen. Deren System ist nämlich so dermaßen umständlich, selbst wenn man Tools wie den Commonist nutzt, dass ich mittlerweile kaum noch Bilder hochlade. Tragischerweise ist es nämlich einfacher, Bilder etwa bei Flickr hochzuladen und dann von freundlichen Bots auf die Commons spiegeln zu lassen als sie dort direkt hochzuladen.

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2 Antworten zu Man glaubt es kaum – Wikipedia testet WYSIWYG-Editor

  1. Erik Moeller sagt:

    Den vereinfachten Uploader gibt es schon. Nennt sich UploadWizard und hat mittlerweile mehr als 500,000 Mediendateien hochgeladen.

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Special:UploadWizard

    http://commons.wikimedia.org/wiki/Commons:Upload_Wizard

  2. Pingback: Lesetipps für den 16. Dezember | Netzpiloten.de - das Beste aus Blogs, Videos, Musik und Web 2.0

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