Die englische Wikipedia diskutiert über Mohammed-Bilder

Das Spannende an der Wikipedia ist, dass sie mittlerweile eine enorme Meinungsführerschaft entwickelt hat. Sie hat es in etwas über 10 Jahren geschafft, zum globalen Referenzwerk zu werden, zum vielleicht ersten globalen Lexikon überhaupt. Es gibt kaum einen, der Informationen trotz ständiger Warnungen irgendwelcher Professoren nicht zuerst in der Wikipedia nachschlägt. Der überwältigende Google-Suchrank tut sein übriges.

Dadurch entstehen massive Probleme, die sich bisherigen Lexika so nicht gestellt haben, einfach weil völlig verschiedene Weltsichten aufeinanderprallen. Die Diskussion über die Bildfilter bekommt jetzt einen kleinen, aber hitzigen Nachfolger: Die englische Wikipedia diskutiert momentan darüber, ob in Artikeln über den Islam Bilder des Propheten Mohammed angezeigt werden sollen. Wir müssen uns nicht nur an die wilden Diskussionen und Ausschreitungen rund um die dänischen Mohammed-Karikaturen erinnern, um festzustellen, dass dies ein Problem ist, welches kaum zu lösen ist. Und welches auch über eine Abstimmung nicht zu lösen ist, da hier fundamentale Gegensätze existieren und diese eben nicht unbedingt demokratisch zu lösen sind.

Die Diskussion zeigt aber auch, dass die momentane Entscheidungsfindung in der Wikipedia überarbeitungsbedürftig ist: Es wird nicht nur extrem polemisch diskutiert, sondern auch wild durcheinander. Es gibt haufenweise Vorschläge, Gegenvorschläge, Zustimmungen, Ablehnungen und Kommentare, die in dieser Textwüste des Meinungsbildes untergehen. Druckt man die entsprechende Seite als PDF, dann erhält man ein Dokument mit momentan 48 eng bedruckten Seiten. Der „Request for comments“ dauert noch bis zum 19. April, bis dahin dürften noch einige Seiten hinzukommen. Das schreckt ab und daraus wird keiner eine sinnvolle Policy ableiten können.

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