Autonome Drohnenserver

Oemichen2Historischer Quadcopter

Es muss irgendwo einen Science Fiction-Roman geben, der genau dieses Szenario enthält: Eine verfolgte Gruppe nutzt Mobilität und modernste Technologie, um sich der Verfolgung zu entziehen.
The PirateBay hat angekündigt, dass sie die Möglichkeit untersuchen, unbemannte Drohnen mit dem Raspberry Pi zu fliegenden Servern zu machen. Richtig gelesen: Fliegende Server und leistungsfähige Funktechnologie sollen das große Problem der Piratenbucht lösen: Physikalisch greifbare Server. Die können beschlagnahmt werden, die können abgeschaltet werden, die können aus dem Internet gekickt werden. Eine billige, unerkannt fliegende Drohne ist für die Strafverfolger und Contentindustrie deutlich schwerer zu greifen. Und selbst wenn sie mal erwischt wird: Dann startet man einfach eine neue, unbemannte Drohne von einem unbekannten Ort.

TPB LOSS

We were down a few hours earlier today. There’s no need to worry, we haven’t been raided this time. We’re only upgrading stuff since we’re still growing.

One of the technical things we always optimize is where to put our front machines. They are the ones that re-direct your traffic to a secret location. We have now decided to try to build something extraordinary.

With the development of GPS controlled drones, far-reaching cheap radio equipment and tiny new computers like the Raspberry Pi, we’re going to experiment with sending out some small drones that will float some kilometers up in the air. This way our machines will have to be shut down with aeroplanes in order to shut down the system. A real act of war.

We’re just starting so we haven’t figured everything out yet. But we can’t limit ourselves to hosting things just on land anymore. These Low Orbit Server Stations (LOSS) are just the first attempt. With modern radio transmitters we can get over 100Mbps per node up to 50km away. For the proxy system we’re building, that’s more than enough.

But when time comes we will host in all parts of the galaxy, being true to our slogan of being the galaxy’s most resilient system. And all of the parts we’ll use to build thatsystem on will be downloadable.

Quelle

Das Ganze ist natürlich noch Zukunftsmusik, ein technologischer Traum, der wohl kaum sinnvoll für die PirateBay umsetzbar sein wird. Dafür fehlt etwa noch die passende Stromversorgung, um Drohne und Server längere Zeit in der Luft zu halten – die im Modellbau üblichen Lithium-Ionen-Akkus sind schwer und erstaunlich schnell leer und Verbrennungsmotoren benötigen ebenfalls eine Menge Sprit. So interessant so ein Drohnennetzwerk wäre, es wird extrem wartungsanfällig und nebenbei auch witterungsabhängig sein. Ebenso ist fragwürdig, ob ein Raspberry Pi die Rechenleistung besitzt, um eine große Webseite wie die PirateBay zu hosten. Die Idee ist aber trotzdem reizvoll: Solche Drohen wären etwa ein mächtiges Werkzeug für die Opposition in Diktaturen. So könnten sich die syrischen Rebellen besser vernetzen und die staatliche Zensur umgehen oder es wäre machbar, Informationen nach Nordkorea zu schmuggeln. Für kleinere, lokale Vernetzungsaktionen, Demonstationen, Protestcamps etc. könnte so eine Technik jedenfalls interessant sein.

(Das Vorbild für diese Drohnenflotte ist natürlich kein Science Fiction-Roman: Freunde des schlechten Kinos wissen natürlich, dass Thomas Gottschalk und Mike Krüger in  „Piratensender Powerplay“ mit ihrem in einem Wohnmobil eingebauten Piratensender der Bundespost und ihren Peilsendern jedes mal ein Schnippchen schlagen.)

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