Eurozentrismus, visualisiert

Eurozentrismus ist uns ganz, ganz tief eingebaut, so tief, dass wir häufig gar nicht bemerken, wenn wir mal wieder auf ihn reinfallen. Umso interessanter ist es dann, ihn richtig vorgeführt zu bekommen. Das SGI Wikipedia Project hat sich die englische Wikipedia vorgenommen, alle Artikel nach Geodaten und einem Zeitstempel durchforstet und das dann visualisiert:

Loaded into SGI UV 2000, this massive dataset underwent full text geocoding and complete date-coding, using algorithms that identified every mention of every location and every date across the text of every entry on Wikipedia. More than 80 million locations and 42 million dates between 1000 AD and 2012 were extracted, averaging 19 locations and 11 dates per article (every 44 words and every 75 words, respectively). The connections between every date and every location were captured into a massive network representing Wikipedia’s view of history. With this instrumentation, Mr. Leetaru performed near-real time analysis over the entire dataset on the SGI UV 2 to create visual maps throughout space and time to see not only how history unfolded but also the overall tone of the world throughout the last thousand years, and interactively testing a wide array of theories and research questions, all in less than a day’s work.

Während Europa und die USA historisch recht gut vertreten sind, klaffen in vielen Bereichen enorme Lücken. Indien ist noch recht gut vertreten, Japan und China ebenfalls, aber besonders in Afrika klaffen gravierende Lücken. Der angeblich so geschichtslose Kontinent ist zwar gar nicht so geschichtslos wie fast alle Leute in Europa denken sondern besitzt eine reichhaltige, vielfältige und lebendige Geschichte voller großer Imperien, Wanderungen, Entdeckungen, kultureller Leistungen, großer Werke und so weiter. Nur eben nicht in der Wikipedia. Diese besitzt vier große Periodisierungen, welche dem typischen europäischen Muster folgen:

From this analysis, Wikipedia is seen to have four periods of growth in its historical coverage: 1001-1500 (Middle Ages), 1501-1729 (Early Modern Period), 1730-2003 (Age of Enlightenment), 2004-2011 (Wikipedia Era) and its continued growth appears to be focused on enhancing its coverage of historical events, rather than increased documenting of the present. The average tone of Wikipedia’s coverage of each year closely matches major global events, with the most negative period in the last 1,000 years being the American Civil War, followed by World War II. The analysis also shows that the „copyright gap“ that blanks out most of the twentieth century in digitized print collections is not a problem with Wikipedia where there is steady exponential growth in it’s coverage from 1924 to today.

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3 Antworten zu Eurozentrismus, visualisiert

  1. Marcus Cyron sagt:

    Verstehe das alles nicht. Wikipedia bildet das Wissen ab, wie es für die Mitarbeiter

    a) zugänglich ist
    b) von persönlichem Interesse ist
    c) überhaupt ausserhalb der Wikipedia erforscht ist

    In Europa forscht man nunmal weniger zu Afrika als zu Europa. Und das ist kein Eurozentrismus, sondern normal. Man forscht ja auch mehr zu Deutschland als zu Resteuropa. Und in Berlin mehr zu Preußen als zu Bayern. Regionalität ist normal. Und Wikipedia bietet zwar die Möglichkeit, alles abzubilden (so es denn belegbar ist), doch auch nur, wenn es Autoren gibt. Dieses ständige beklagen von Gaps wird irgendwann langweilig. Wem die nicht gefallen, kann, soll und muß eben selbst aktiv werden. Anders geht es nicht. Wikipedia lebt nicht ausserhalb von Realität und Logik, somit kann man auch keine derartigen Ansprüche ans Projekt stellen.

  2. Marcus Cyron sagt:

    Teil vergessen:

    Man forscht ja] in Deutschland [auch mehr zu Deutschland als zu Resteuropa, genauso in Frankreich, Spanien, Russland, Polen oder Griechenland.

  3. admin sagt:

    Das ist klar – diese inhaltliche Schieflage ist eben Resultat einer ungleichen Verteilung der Wikipedia-Beiträger und nicht eines irgendwie gelagerten bösen Willens der Beiträger.

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