Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan

Mittlerweile sind Politiker, die bei ihrer Doktorarbeit geschummelt haben, ja fast zur Routine geworden: Nach Karl-Theodor zu Guttenberg und Silvana Koch-Mehrin steht nun die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, unter dem Verdacht, größere Teile ihrer Doktorarbeit plagiiert zu haben. Bereits Anfang des Jahres erhob der anonyme Betreiber des Schavanplags heftige Vorwürfe gegen die Ministerin – ihre Doktorarbeit soll demnach auf 92 Seiten Plagiate enthalten:

Insgesamt gibt es 92 Seiten im Textteil der Dissertation von S. 11 bis 335, auf denen Übernahmen aus 44 Quellen nicht oder nicht ausreichend kenntlich gemacht werden.

Als Muster lässt sich erkennen, dass die Verfasserin oft vorgibt, Primärquellen zu rezipieren, während sie tatsächlich mit leichten Abwandlungen aus der Sekundärliteratur abschreibt. In vielen Fällen werden dabei auch Fehler bei Zitaten oder Literaturangaben mit übernommen bzw. – seltener – korrekte Literaturangaben fehlerhaft übertragen.

Nun geht die Affäre in eine neue Runde: Die für die Dissertation zuständige Universität Düsseldorf hat nach den Vorwürfen die Arbeit ebenfalls untersucht und der entsprechende Bericht wurde jetzt an den Spiegel geleakt. Er ist recht verheerend: Das vom Professor für Jüdische Studien, Stefan Rohrbacher, verfasste, 75-seitige Gutachten spricht von einem “charakteristische[n] Bild einer plagiierenden Vorgehensweise“ und kommt zu folgendem Fazit:

„Eine leitende Täuschungsabsicht ist nicht nur angesichts der allgemeinen Muster des Gesamtbildes, sondern auch aufgrund der spezifischen Merkmale einer signifikanten Mehrzahl von Befundstellen zu konstatieren.“

Autsch, das sitzt. So ein Votum kann eigentlich nur zum Entzug des Doktortitels führen. Am Mittwoch tagt dann der Promotionsausschuss und Frau Schavan gibt sich bislang sehr kämpferisch: Sie “lasse es sich nicht bieten”, dass solche Berichte geleakt würden, kenne den Bericht selbst noch nicht und werde erst später Stellung dazu nehmen. Vorzuwerfen habe sie sich natürlich nichts und die “Unterstellung einer Täuschungsabsicht” wiese sie “entschieden zurück”.

Die Fallhöhe ist beträchtlich und Frau Schavan könnte demnächst mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Felix Baumgartner um den Sturz aus der größten Höhe konkurrieren: Als Wissenschaftsministerin ist jemand, der so eklatant gegen die Prinzipien der Wissenschaft verstößt, untragbar. Schon alleine, weil sie einst im Rahmen der Guttenberg-Affäre kräftig gegen diesen gekeilt hatte:

„Als jemand, der selbst vor 31 Jahren promoviert hat und in seinem Berufsleben viele Doktoranden begleiten durfte, schäme ich mich nicht nur heimlich.“

Bislang scheint der Skandal aber noch nicht sehr in der Öffentlichkeit angekommen zu sein: Die Medien von FAZ bis taz berichten eher vorsichtig, zurückhaltend und nur einzelne Blogger spekulieren über die Konsequenzen. Wird ein Entzug des Doktortitels zum Rücktritt führen? Was heißt das für die aktuelle Regierung, die dann entweder einen erneuten Rücktritt zu verkraften hat oder eine Wissenschaftsministerin, die bis zur nächsten Wahl das Problem aussitzt?

Eine Sache ist aber klar: Ehrlich währt dann doch am längsten. Auch 32 Jahre nach unredlichem Verhalten kann es einem um die Ohren fliegen. Das wird so manch einen schlecht schlafen lassen, für ehrliche Wissenschaftler ist dies ein Segen.

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3 Antworten zu Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan

  1. Gebloggt: Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan http://t.co/UO0WJ7Gn

  2. @Erbloggtes sagt:

    RT @MschFr: Gebloggt: Plagiatsvorwürfe gegen Annette Schavan http://t.co/UO0WJ7Gn

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