Stralsund: Staatsanwaltschaft beschlagnahmt Bücher

Endlich passiert etwas in Stralsund: Nachdem die Stadt aufgrund der großen Protestkampagne festgestellt hat, was sie da verkauft hat, wie sehr sie über den Tisch gezogen wurde und dass der Verkauf nebenbei auch illegal war, wurde er rückabgewickelt. Aber was heißt das? Der entsprechende Antiquar gab an, die noch nicht verkauften Bücher zurückzugeben. Aber was ist mit den bereits verkauften, unter denen doch einige Prachtstücke der Gymnasialbibliothek waren? Die werden jetzt anscheinend von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt:

Das Raumluftgutachten zum Johanniskloster liegt vor und befindet sich in der Auswertung, so dass Rückschlüsse zum Umgang mit dem Johanniskloster bzw. Stadtarchiv gezogen werden können.

Im Rahmen einer ersten Maßnahme erfolgt seit dem 12. Dezember die Komplettreinigung des Haupthauses des Stadtarchivs bis auf die Magazinräume durch eine Fachfirma. Diese Maßnahme ist am 20. Dezember 2012 abgeschlossen.

Nach einer Prioritätenliste wird festgelegt, welche Buchbestände vordringlich gereinigt werden müssen. Es werden „reine Werkbänken“ eningerichtet, an denen jedes einzelne befallene Buch von Archivmitarbeitern gereinigt werden kann.
Der Bestand der Gymnasialbibliothek wird dabei als einer der ersten Teilbestände gereinigt und in diesem Zusammenhang die notwendigen Bestandsverzeichnisse gefertigt.
Der Lesesaal wird als Arbeitsbereich für die Erfassung und Katalogisierung eingerichtet. Dazu steht Reproduktionstechnik und eine professionelle Archivsoftware zur Verfügung.
Die so geordneten und verzeichneten Bestände werden in geeigneten Räumen der Stadtverwaltung oder in Thermocontainern zwischengelagert. Für die anschließende längerfristige Aufbewahrung wird ein Depot geschaffen. Dazu laufen die erforderlichen Vorbereitungsarbeiten. Parallel wird an der langfristigen Nutzungskonzeption für das Johanniskloster gearbeitet.

Derzeit bemüht sich die Hansestadt Stralsund, bereits durch den Antiquar veräußerte Exemplare zurückzuerhalten und sie wieder in die Bestände der Gymnasialbibliothek einzuordnen. Parallel dazu laufen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, in deren Ergebnis Bücher aus unrechtmäßigem Erwerb beschlagnahmt und an die Hansestadt zurückgegeben werden. Bisher ist eine Reihe von Hinweisen auf entsprechende Angebote eingegangen. Jeder Einzelfall wird geprüft.
Darüber hinaus zeigt sich das Antiquariat kooperativ, indem es versicherte, jene aus Stralsund erworbenen Bücher wieder zurückzugeben, die nachweislich in die Gymnasialbibliothek gehörten. Dazu gehören auch solche Bücher, die Privaterwerber aus diesem Corpus erworben hatten und nun an den Antiquar zurückgegeben haben.

http://www.stralsund.de/hst01/content1.nsf/docname/Webseite_B8D598E4238E4E09C1257ABF00448714?OpenDocument

Dabei bleiben noch einige Fragen offen: Warum etwa spricht der Antiquar nur von Büchern, die nachweislich aus der Gymnasialbibliothek stammen? Immerhin wurde dieser Verkauf vom Stadtrat abgesegnet und stellte sich doch als illegal heraus – für die vorigen Verkäufe ohne offizielle Absegnung dürfte das dann erst recht gelten. Fraglich ist auch, ob und wie die deutsche Staatsanwaltschaft die Bücher von ausländischen Sammlern zurückfordern kann. Ebenfalls fehlt noch eine genaue Bestandsaufnahme sämtlicher Verkäufe des Stralsunder Archives und des Antiquars verkauften Bücher. Eine Liste der entsprechenden Transaktionen wird bei ihm sicherlich vorhanden sein, eine Käuferliste ebenfalls. Ebenfalls noch völlig unerwähnt sind die Kosten des Ganzen – es ist sicherlich mit gewissen Schadensersatzforderungen des Antiquars für Arbeitsleistung, Auktionsgebühren etc. an die Stadt Stralsund zu rechnen. Die Frage ist, ob die Stadt ihm eine goldene Brücke baut, um die Sache möglichst geräuschlos abzuwickeln oder ob sie mit harten Bandagen kämpft.

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