Wikivoyage ist gestartet

Es gibt gleich drei Sachen zu feiern im Hause Wikimedia: Zum einen den 12. Geburtstag der Wikipedia, der mit gleich zwei weiteren Neuerungen begangen wird: WikiData geht in der ungarischen Wikipedia in den Liveeinsatz und zum anderen ist heute seit langer, langer Zeit endlich mal wieder ein neues Projekt gestartet worden: Wikivoyage, ein Reiseführer unter freier Lizenz. Das Portal soll diverse Reiseempfehlungen, Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte, Restaurants und Geheimtipps sammeln.

Das kommt einem natürlich bekannt vor – Wikivoyage ist ein Fork des altbekannten, 2004 gegründeten WikiTravel, dessen Community sich so heftig mit der Betreiberfirma InternetBrands zerstritten hat, dass sie jetzt unter das Dach der Wikimedia Foundation geflüchtet ist. Entsprechend gut gefüllt ist der Reiseführer auch schon – die deutsche Ausgabe besitzt ca. 12.000 Artikel, die englische 26.500. Inhalte gibt es also schon – Der Artikel über Freiburg im Breisgau etwa ist durchaus brauchbar, damit kann man die Stadt problemlos erkunden und wird alles wichtige sehen. Auch andere Städte, in denen ich mich auskenne, besitzen ordentliche Tipps. Die Artikelqualität schwankt allerdings auch sehr stark – so würde ich etwa der Feststellung über die syrische Stadt Aleppo so nicht zustimmen:

„Aleppo ist eine sehr sichere und saubere Stadt. Der Straßenverkehr mit seinen Autos ist das gefährlichste an der Stadt.“

Etwas traurig ist, dass der Neustart nicht benutzt wurde, um wirklich etwas frischen Wind in das Projekt zu bringen. Reiseführer leben ja auch von einer aufwändigen grafischen Gestaltung mit vielen Bildern, die einen „Da will ich hin“-Effekt auslösen. Die Wikivoyage-Seiten sind hingegen eher triste Textwüsten, die es auch wieder einmal in zig verschiedenen Sprachversionen gibt. Diverse Seiten bestehen nur aus den jeweiligen Vorlagen ohne viel Inhalte. Da könnte man sicherlich etwas besser machen.

Ich würde mir für die nächste Zeit auf jeden Fall eine Wiederbelebung der Wikimedia-Seitenprojekte wünschen. Wikisource läuft mit kleiner Besatzung relativ gut, das Wiktionary ist auch sehr brauchbar, aber Wikinews, Wikibooks oder Wikiversity sind praktisch tot. Alle drei starteten mit dem Ziel, wichtige Dinge frei verfügbar zu machen – und sind dabei mehr oder weniger gescheitert. Jahre später zeigt es sich aber auch, dass das Anliegen wichtig war – in Zeiten eines Leistungsschutzrechtes etwa könnte ein funktionierender Bürgerjournalismus eine interessante Sache sein. Freie, kollektiv geschriebene Bücher sind gerade in Zeiten des Kindle und iPads auch eine interessante Sache und Wikiversity nahm die Idee der momentan gehypten MOOCs voraus. Eine Wiederbelebung wäre wünschenswert.

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3 Kommentare zu Wikivoyage ist gestartet

  1. Marcus Cyron sagt:

    Dem kann ich so nur zustimmen.

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  3. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (3.KW’12) « Lesewolke

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