Des Führers Toilette

hitler_toilet_012513_620px

1999 fand eine Tauchexpedition das Wrack des Kreuzers Undine auf dem Grund der Ostsee vor Rügen. Dieser gehörte zur Kaiserlichen Kriegsmarine. Bei der Schiffstaufe und auf der Jungfernfahrt war auch Kaiser Wilhelm II an Bord. Anscheinend klauten Raubtaucher (Ja, Raubtaucher!) irgendwann ein Urinal aus dem Wrack. Daraufhin titelte eine große Boulevard-Zeitung mit der denkwürdigen Überschrift “Wo ist das Klo von Willi Zwo?” Die Geschichte des gestohlenen Klos des zwirbelbärtigen Monarchen ging um die Welt.

Auch ansonsten ist die Faszination mit Toiletten, die von berühmten historischen Personen benutzt wurden, ungebrochen.  Auf praktisch jeder mittelalterlichen Burg wird stolz das an der Burgmauer hängende Toilettenloch präsentiert. 2004 öffnete das frisch renovierte Schloss von Versailles und präsentierte… richtig, “das Klo des Königs”. Luthers Klo ist in Wittenberg zu besichtigen. Stalins Toilette kann man auch besuchen. Wie wäre es mit einem YouTube-Video der Toilette von Kaiser Wilhelm dem Zweiten dem seine Frau? Und es gibt mit der Seite Toilet-Guru.com gar eine ganze Internetseite, die minutiös die besuchbaren Toiletten berühmter Menschen aufzählt. Wie wäre es mit Eisenhowers hübschen grünen Klodeckelwärmer? Trotskys stillem Örtchen? Oder Churchills Chamber Pot? Oder Agamemnons Donnerbalken? Die Seite bietet nebenbei einen Überblick über historische Toilette, MP3-Downloads (ich trau mich nicht, die herunterzuladen), einen Überblick über Toiletten in der Kunst und die Kategorie “Toilets around the World”, in der man sich vor einem potentiellen Rumänien-Urlaub schon mal geistig darauf einstellen kann, was einen erwarten könnte.

Bei so viel Toilettenbegeisterung und Unfug  darf natürlich ein Mann nicht fehlen: Der Österreicher mit der Klobürste unter der Nase, der Mensch, der die Farbe Braun für sich gepachtet hat. Nicht nur der Holocaust-Leugner David Irving berichtet davon, dass er den Ort, an dem Hitlers Klo auf dem Obersalzberg stand, besuchte*, sondern vor einigen Tagen gab es die große Sensation: Hitlers Klo wurde gefunden! In New Jersey! In einer Autowerkstatt! Eine Seite namens Tabletmag hat die Hintergrundinformationen recherchiert und adelt diesen Lokus in der wunderbar passenden Kategorie “Jewish News and Politics” zu einer gar exorbitanten kulturellen Bedeutung:

It’s hard to be jaded or unimpressed by items of historical significance, especially ones that aren’t in museums, or ones that were very personal. And yet if anybody is capable of this, it is the residents of Florence. Perhaps this is because the fragments of Hitler’s Grille have been seen for so long not as historical artifacts, but instead as functional objects used in daily routines. Or perhaps it is because it is easy to see Hitler’s uniform or decorative knives in a museum because we see him strictly as a historical being, but the moment we see his bathrobe or silverware—let alone wear it and eat with it—we stop believing that it belonged to Hitler. While we know he existed, it is still difficult to see such a broad historical figure as someone who lived outside of his speeches and parades. In fact, Kohfeldt’s toilet is a thing worth flying to London or a sight worth driving across the country to see precisely because even when standing before it we are unable to concretize in our minds the image of Hitler sitting on it. If we do that, we have to imagine which of his psychotic fantasies he was thinking about, or what the temperature of the cabin was, or even stranger, what it must have been like to sit there as Hitler. And so even when presented with the fact—the hard, white, glassy truth that is Hitler’s toilet—it is nearly impossible to accept the reality of what the object is simply because the notion of Hitler doing normal things feels apocryphal. Almost as apocryphal as the story of his toilet sitting for the last half-century in New Jersey garage.

Ein wirkliches Stück Geschichte!

Greg repeatedly referred to his relic as „a working toilet,“ and it’s easy to see why. It’s encrusted as only a toilet can be that is never, ever, used by women. „I’m not a good housekeeper,“ Greg admitted. „It’s not pristine or anything.“ Looking at the toilet, one can’t help but wonder whether sinister Hitler DNA is festering beneath its crusty layers — but what genetic researcher would want to attempt the extraction?

Hitler geklont aus seiner eigenen Toilette? Eine bekannte UFO-Sekte wollte es ja vor einer weile laut Vierbuchstabenzeitung bereits tun, damit die Gaga-Sektierer den Diktator endlich vor ein Gericht stellen können. Aber ist das auch wirklich das richtige Scheißhaus? Die britische Qualitätszeitung “The Sun” (in etwa mit unserer FAZ zu vergleichen) berichtet darüber, dass ein anderer behauptet, ebenfalls Hitlers private Wolfsschanze zu besitzen. “Was tun?” fragte Lenin auf dem Lokus – und damit kein Gespenst durch Europa geht, brauchen wir jetzt definitiv dringend den DFG-Exzellenzcluster “Von Tiefspülern und Flachspülern. Die Herrschertoilette im Wandel der Zeit. Eine Hygienegeschichte von Dschingis Khan bis Hitler”. Vielleicht tut es auch eine eigene Gedenkstätte mit integrierter Museumspädagogik, bei der jeder Mensch sich auf Hitlers Klo setzen darf und die braunen Massen einmal mehr in den Untergang führen kann.

* Ich verlinke den Irving jetzt absichtlich nicht.
**Hitlers Klo ist übrigens erstaunlich schmutzig.
***Und die Fotomontage des Gothamist ist einfach grandioser Schwachsinn.

Dieser Beitrag wurde unter Fundstücke abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Des Führers Toilette

  1. RT @MschFr: Es ist 1:26 nachts und ich habe über Hitlers Klo gebloggt. Bitte schickt mir Hilfe ;) http://t.co/tiU3Y56W #hitler #klo

  2. ellebil sagt:

    Vielleicht beschäftigt sich ja der Universitäre Rat zur interdisziplinären Analyse von Latrinen, kurz URINAL damit. Den gibt es wirklich:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=20087

  3. @Erbloggtes Wo wir schon beim Thema Diktatorenklo sind: http://t.co/rJ8XLGCSsg

Kommentare sind geschlossen.