Der Brockhaus ist am Ende – befreien wir ihn!

Das war’s dann: Das Traditionslexikon Brockhaus wird endgültig eingestellt und Bertelsmann gibt seine Lexikonsparte auf. Nachdem das Lexikon bereits aufgrund der starken Konkurrenz zuerst von Microsofts Encarta, dann des Internets und vor allem der Wikipedia in arge wirtschaftliche Schieflage geraten ist und bereits einmal den Betreiber wechselte, wird das Projekt jetzt ganz aufgegeben. Bis Mitte 2014 soll der Vertrieb der gedruckten Bände eingestellt werden, Onlineaktualisierungen gibt es noch 6 Jahre.

Das verwundert nicht sonderlich: Der komplette Brockhaus kostet schlappe 2820€ und ist damit ein klares Luxusgut für gutbetuchte Bildungsbürger. Auch die 10 Bände der kleineren Ausgabe schlagen mit 450€ zu Buche – eine Anschaffung, die man sich dreimal überlegt, wenn es die Wikipedia kostenlos gibt und die gedruckten Bände nach wenigen Jahren bereits wieder veraltet sind.

Wirklich interessant ist, was jetzt mit dem Brockhaus passieren könnte:

„Die Zukunft der Marke Brockhaus ist noch unklar“, sagte Pressesprecher Matthias Wulff. Denkbar sei, eine Lizenz für die Marke Brockhaus zu vergeben. „Denn Brockhaus ist ja eine gute Marke.“

Die Marke ist egal, aber die Inhalte sind interessant. Wie wäre es mit einer kollektiven Befreiung des Brockhauses? Warum sollte der Brockhaus an irgendeine weitere Firma gehen, die ihn dann irgendwie verzweifelt versucht weiter zu betreiben oder zu verramschen? Eine Stiftung wäre sicherlich der bessere Weg. Wie wäre es, wenn etwa die Wikimedia Foundation oder der deutsche Verein mit einer Spendenkampagne genügend Geld sammeln, um die Rechte zu kaufen und das Lexikon unter eine freie Lizenz zu stellen? Eine derartige Kampagne dürfte auf einiges Interesse stoßen. Oder wie wäre es, wenn eine andere Stiftung oder Kulturorganisation mal unauffällig bei unserer Regierung nachfragt, ob man irgendwelche Finanztöpfe anzapfen kann? Mehr als ein paar Kilometer Autobahn, eine halbe Eurohawk-Drohne oder die monatlichen Betriebskosten einer Flughafenbaustelle nahe Berlin sollte auch der Brockhaus nicht kosten – und kulturell sinnvoller als demnächst von der Elbe überflutete Philharamoniebaustellen ist das eh. Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, um das bis zur Wikipedia wichtigste deutsche Lexikon zu befreien.

Dieser Beitrag wurde unter Wikipedia abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Der Brockhaus ist am Ende – befreien wir ihn!

  1. Marcus Cyron sagt:

    Bei sehr vielem Richtigen was du schreibst, ärgert mich eine Aussage wie „und kulturell sinnvoller als demnächst von der Elbe überflutete Philharamoniebaustellen ist das eh“. Man kann sicher diskutieren, ob dieses Milliardengrab vernünftig geplant war. Was man aber nie tun sollte – damit spielt man den Politikern und Wirtschaftsmenschen ja in die Karten – ist ein Kulturgut gegen ein Anderes aufzurechnen oder gar auszuspielen.

Kommentare sind geschlossen.