Vom Museum ins Kino

Das Britische Museum überträgt heute einen Rundgang durch seine neue Ausstellung „Life And Death In Pompeii And Herculaneum“ live in 280 Kinos. Die Aufzeichnung soll danach in weiteren 1000 Kinos und diverse Schulen weltweit gezeigt werden.

Was auf den ersten Blick völlig abstrus klingt, ist eigentlich nur der nächste, logische Schritt in einer zunehmend globalisierten Eventgesellschaft. Bereits jetzt locken die großen Ausstellungen in den großen Museen ein internationales Publikum an, das durchaus von London nach Berlin fliegt. Das sorgt dann schnell für enorme Kapazitätsprobleme – Vorbestellungen, lange Schlangen und Zeitslots für die Besucher sind die Folge. Auch der Genuss der Ausstellung wird arg getrübt, wenn man vor jeder Vitrine siebenundzwanzig andere Besucher zur Seite drängeln muss.

Auch die Infrastruktur steht – bereits jetzt werden nicht nur Fußballspiele live in den Kinos gezeigt, sondern auch Opernübertragungen aus New York erfreuen sich großer Beliebtheit. Kultur im Kino funktioniert.

Das Paradoxe daran ist, dass man zwar nicht direkt vor Ort ist, diese Virtualität allerdings dafür sorgt, dass man die Ausstellung besser erleben kann. Genau wie ein Fußballspiel im Fernsehen dank verschiedener Kameraeinstellungen und Zeitlupe eben anders ist und man bei einer Konzertübertragung direkt auf der Bühne mitschauen kann und nicht in der hintersten Reihe die Musiker nur als kleine Punkte erkennt, bietet auch die Kinoversion ein anderes Ausstellungserlebnis.

See the wonders of the exhibition from the comfort of the cinema, introduced live by British Museum Director Neil MacGregor, presented by Peter Snow and Bettany Hughes and featuring Mary Beard, Rachel de Thame, Giorgio Locatelli, Andrew Wallace-Hadrill and exhibition curator Paul Roberts who bring extraordinary objects to life in this unique event.

Plus, you’ll see specially made films of Pompeii and Herculaneum today, and go behind the scenes of the exhibition to explore the stories of these famous Roman cities.

Das Museum dürfte durch die zusätzlichen Ticketverkäufe und die definitiv folgende DVD-Version einige Extraeinnahmen erwirtschaften, tausende Leute erhalten die Gelegenheit, eine Ausstellung zu sehen, die sie sonst nicht besucht hätten und auch die Kinos dürften sich über derartige Events freuen. Problematisch könnte dies allerdings für die kleineren Museen vor Ort werden, die nicht die Mittel für derartig spektakuläre Ausstellungen besitzen. Genau wie die Übertragungen der Metropolitan Opera den lokalen Häusern potentielles Publikum abgraben, könnten vor allem die großen Museen von derartigen Aktionen profitieren. Wir dürfen gespannt sein, welche Häuser diese Aktion demnächst ebenfalls aufgreifen und uns auf das neue Genre der verfilmten Ausstellungen freuen – wenn nicht im Kino, dann später auf DVD.

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