Doktorbetrug mal anders

Antje L., Leiterin PR & Interne Kommunikation der Deutschen Bahn, lässt ihren Doktortitel ruhen. Diesmal geht es nicht um einen weiteren Plagiatsfall, sondern die Umstände sind bemerkenswert: Frau L. hat ihre Promotion auf höchst ungewöhnlichem Wege erlangt. Statt den üblichen Weg direkt über die Universität und einen persönlich bekannten Doktorvater zu gehen, beauftragte sie eine Promotionsberatung. Diese stellte den Kontakt zu einem Doktorvater her, sie schrieb eine Dissertation und ihr wurde in Räumlichkeiten der Hamburger Universität von diesem dann nach der üblichen Disputation der Doktortitel verliehen.

Oder auch nicht: Anscheinend war alles erstunken und erlogen. Der angeblich verantwortliche Professor weiß von nichts und kennt die werte Frau nicht. Die Dissertation wurde niemals veröffentlicht und bei der „Verleihung“ des Doktortitels hat sich anscheinend jemand anderes als dieser Professor ausgegeben. Die gesamte Promotionsagentur war anscheinend ein lange und clever eingefädelter Betrug mit gehöriger krimineller Energie – und Frau L. ist nicht die erste, die darauf hereinfiel. Bereits 2009 flog ein genau gleich laufender Betrug auf, damals zahlte der Doktorand der Agentur 5000 DM und auch ihm wurde von einem Professoren-Double ein Titel verliehen.

Wobei „hereinfallen“ wohl der falsche Begriff ist: Es ist schwer zu glauben, dass Leute eine Doktorarbeit schreiben und es für völlig selbstverständlich halten, dass sie ihren eigenen Doktorvater das erste Mal bei der Verleihung des Titels sehen. Ist es glaubwürdig, dass Doktoranden nicht eine Mail mit dem angeblichen Doktorvater mit Fragen oder ähnlichem austauschen? Dass sie nicht einmal in eine Sprechstunde gehen und zu keinem Kolloquium auftauchen? Und sollte man nicht eigentlich stutzig werden, wenn die Arbeit auch nach Jahren nicht veröffentlicht ist?

[via Archivalia]

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3 Antworten zu Doktorbetrug mal anders

  1. @hskzoom sagt:

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  2. @kunstbiss sagt:

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