Datenschutz in Bibliotheken?

Roland Reuß keilt in der FAZ ganz fleißig gegen Bibliotheken und ihren Umgang mit dem Datenschutz. Und ihre Kooperation mit amerikanischen Dienstleistern. Und noch viel mehr. Auch wenn der Artikel von Reuß zu verschwurbelt ist, zu viele Aspekte vermischt und zu alarmistisch ist: Im Kern hat er Recht. Datenschutz in Bibliotheken ist ein zu selten beachtetes Thema.

Das wirklich Problematische ist, dass ich als Nutzer häufig nicht weiß, was die Bibliothek über mich speichert. Ich habe einfach mal geschaut, wie dies an der UB Freiburg aussieht. Auf der Webseite selbst findet sich keine eigene Rubrik zum Thema Datenschutz. Es gibt auch im FAQ keinerlei Hinweise, was und wie lange gespeichert wird. Auch die Suche nach „Datenschutz“ auf der gesamten Seite der Bibliothek spuckt nur wenig Substanzielles aus:

„(5) Bei der Antragstellung sind folgende personenbezogenen Daten anzugeben: Name, Vorname, Titel, Anschriften, ggf. Art der Mitgliedschaft in der Universität oder der PH Freiburg und Matrikelnummer.
Der Benutzer hat gemäß dem Landesdatenschutzgesetz in der jeweils geltenden Fassung darin einzuwilligen, daß die Bibliothek auf seine Person bezogene Daten im EDV-System verarbeitet. Er hat das Recht der Auskunft über die zu seiner Person gespeicherten Daten. Der Benutzer hat der Bibliothek jede Änderung des Namens oder der Anschriften unverzüglich mitzuteilen. „

Ich stimme also zu, dass meine Daten verarbeitet werden. Ok, das geht nicht anders, aber ich erfahre keine Details. Das erwähnte Landesdatenschutzgesetz ist wie alle Datenschutzgesetze für Laien praktisch unverständlich und enthält auch keinerlei weitere Informationen zu Bibliotheken.

Der Antrag zur Erstellung eines Bibliotheksausweises enthält folgende Klausel:

„Mit der Verarbeitung der oben angegebenen Daten in der EDV-Anlage der Universitätsbibliothek Freiburg für die Führung eines Ausleihkontos bin ich einverstanden.“

Diese Daten umfassen Name, Adresse, Heimatanschrift, Benachrichtigungsadresse, Geburtsdatum, Hochschulzugehörigkeit. Ghostery klärt mich noch auf, dass im Hintergrund Piwik als Analysetool läuft. Eine Datenschutzerklärung dazu im Impressum gibt es nicht. Gleichzeitig kooperiert die Bibliothek mit einer Vielzahl von weiteren Anbietern und elektronischen Datenbanken, die im Zweifelsfall eigene Bestimmungen haben.

Das war es – mehr findet man nicht zum Thema Datenschutz auf der Seite der Universitätsbibliothek. Ich erfahre also nicht, ob und wie ausgeliehene Bücher gespeichert werden. Es kann also sein, dass meine Ausleihe nur solange gespeichert wird, bis ich sie zurückgebe. Es kann aber auch sein, dass meine Ausleihe vermerkt bleibt, bis irgendjemand anderes sie ausgeliehen und feststellt hat, dass ich alle Bilder von Willy Brand mit Bildern von Barbara Bush überklebt habe. Es kann auch sein, dass einfach alle meine Ausleihen gespeichert bleiben. Ich weiß es einfach nicht, weil es nicht kommuniziert wird.

Reuß hat leider auch Recht, wenn er über die OPACs schreibt, die etwa Büchercover von Amazon integrieren:

Wer also bei einer Recherche nacheinander zwanzig Bücher sucht, hinterlässt innerhalb dieser Katalogsitzung eine genaue Spur seiner Suche. Den Benutzern hat man das, weil sie auf diese Suchgeschichte zurückgreifen können, als großen Fortschritt vorgegaukelt (und zugleich unterstellt, sie wären unfähig, ihren Browsercache selbsttätig zu benutzen). Man hat ihnen aber verschwiegen, wie zielgenau sie sich in den dahinterliegenden Datenbanken verewigen könnten. Und das sind eben nicht nur solche, über die Bibliotheken die Souveränität des Waltens haben. Die Gefahr des Abgriffs der Suchanfragen durch Drittanbieter ist völlig unter die Aufmerksamkeitsschwelle geraten.

Vor ein paar Monaten hätte ich das auch noch für unangebrachte Aufregung gehalten, nach den ganzen Snowden-Enthüllungen rechne ich sogar damit, dass entsprechende Geheimdienste versuchen, Studierende zu finden, die gleichzeitig Bücher über den Islam und Flugzeugsteuerung ausleihen. Deutsche Bibliothekare haben schlicht und einfach keine Möglichkeit herauszufinden, ob solche Daten bei nachgelagerten, ausländischen Dienstleistern abgegriffen werden.

Es ist allerdings leider so, dass Ronald Reuß Artikel aufgrund seiner verschwurbelten und unstrukturierten Aufmerksamkeit nicht ernstgenommen wird – die Grundfrage des Datenschutzes in Bibliotheken ist aber trotzdem wichtig. Sie sollte bei der Konstruktion digitaler und analoger Bibliotheksdienste mitgedacht werden und vor allem offen kommuniziert werden. Ist es wirklich so schwer, zu erläutern, was und wie lange gespeichert wird?

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9 Antworten zu Datenschutz in Bibliotheken?

  1. Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/lCDATcBsAN #bibliothek

  2. Charlotte Jahnz sagt:

    Wenn du mal Langeweile hast: stellst du bei der UB Freiburg mal einen Antrag auf Auskunft, welche Daten sie von dir gespeichert haben? Das müssen sie dir ja auf Anfrage mitteilen… und dann bitte bloggen ;).

  3. RT @UltraBiblioteka: Lesen: „@MschFr: Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/e5BeeVHkQ6 #bibliothek“ und dann die Reußattacke w…

  4. RT @UltraBiblioteka: Lesen: „@MschFr: Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/e5BeeVHkQ6 #bibliothek“ und dann die Reußattacke w…

  5. Pingback: → Datenschutz in Bibliotheken: Sie nennen es Service, dabei ist es Torheit | arabesken

  6. Ich hoffe, dass hier hat niemand übersehen: „@MschFr: Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/e5BeeVHkQ6 #bibliothek“ #nervnerv

  7. @IPN_Library sagt:

    RT @UltraBiblioteka: Ich hoffe, dass hier hat niemand übersehen: „@MschFr: Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/e5BeeVHkQ6 #b…

  8. @OPL_Tante sagt:

    RT @UltraBiblioteka: Ich hoffe, dass hier hat niemand übersehen: „@MschFr: Gebloggt: Datenschutz in Bibliotheken? http://t.co/e5BeeVHkQ6 #b…

  9. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (46.KW’13) | Lesewolke

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