Elsevier geht gegen „unerlaubte“ Verbreitung vor

Das akademische Publizieren ist funktional kaputt: Wissenschaftler schreiben in ihrer Arbeitszeit oder ihrer Freizeit Artikel, schicken diese an Zeitschriften, die in kommerziellen Verlagen erscheinen, zahlen häufig noch eine Veröffentlichungsgebühr, das Peer Review erfolgt meistens ebenfalls ehrenamtlich durch andere Wissenschaftler und dann dürfen die jeweiligen Universitätsbibliotheken diese Zeitschriften zu horrenden Preisen abonnieren. Die öffentliche Hand zahlt also zweimal für die Forschung und für Menschen ohne Zugang zu einer UB ist die öffentlich finanzierte Forschung dann nur schwer zugänglich.

Kein Wunder, dass einige nach Auswegen suchen. Open Access ist ein Weg, Eine andere Variante ist das Verteilen von Artikeln unter der Hand – kein Tag vergeht auf Twitter, an dem keiner fragt, ob jemand Zugriff auf einen bestimmten Artikel hat. Weitere Wissenschaftler bieten ihre eigenen Artikel einfach auf ihrer eigenen Webseite an.

Doch so einfach ist es nicht – Elsevier, einer der größten Wissenschaftsverlage, ging in den letzten Wochen massiv gegen diese Praxis vor. Mit Hilfe von DMCA-Takedowns (in etwa zu vergleichen mit unseren Abmahnungen, aber kostenlos) wurde zuerst gegen die Plattform Academia.edu vorgegangen. Dort hatten Wissenschaftler auf ihren eigenen Profilen ihre eigenen Arikel angeboten. Ebenfalls wurden Takedown-Notices an Automattic, die Firma hinter WordPress.com, verschickt. Die bemängelte Urheberrechtsverletzung lag auch hier darin, dass Autoren ihre eigenen Artikel online zugänglich gemacht haben.

Besser kann man die Absurdität des wissenschaftlichen Publizierens eigentlich nicht darstellen – und spätestens wenn die Autoren von ihren Verlegern so angegangen werden, sollte man über andere Publikationskanäle nachdenken.

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4 Responses to Elsevier geht gegen „unerlaubte“ Verbreitung vor

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