Uruk – 5000 Jahre Megacity in Herne

IMG_20131116_155624

Da wie immer in der Ausstellung das Fotografieren verboten ist, hier ein Bild der nicht ganz so alten Megacity Herne

Die menschliche Zivilisation ist alt. So alt, dass manch einer nicht daran glaubt, dass sie überhaupt so alt sein kann. Fundamentalistische Christen behaupten, dass die Erde 6000 Jahre alt ist. Die alten Sumerer oder Ägypter hätten sich jedoch stark gewundert, wenn plötzlich ein Gott aufgetaucht wäre, der das Licht anknipst und Himmel und Erde erschaffen will – damals gab es bereits die ersten Hochkulturen.

Im LWL-Museum für Archäologie in der Megacity Herne findet noch bis zum 21. April die Ausstellung „Uruk – 5000 Jahre Megacity“ statt. Vor 5000 Jahren entwickelten sich im heutigen Südirak die ersten Städte, welche Arbeitsteilung, Fernhandel, ausgeklügelte Infrastruktur, große Verteidigungsbollwerke, mehrstöckige Tempel und … eine enorme Bürokratie besaßen. Auf Lehmtafeln wurde mit Keilschrift alles das aufgezeichnet und verwaltet, was auch uns heute nervt: Lieferscheine, Verträge, Verfügungen und so weiter – in Uruk zeigt sich, dass die Bürokratie das drittälteste Gewerbe der Menschheit sein muss.

Die Ausstellung versammelt hochkarätige Ausstellungsstücke und wurde mit allen Methoden der modernen Ausstellungsdidaktik inzeniert. Es gibt Videos, 3D-Rekonstruktionen, Touchpads, was zum Basteln und trotzdem bleibt vieles recht blaß und begeisterte nicht.

Die Darstellung der Religion

Zum einen störte mich die Darstellung der Religion. Stellen wir das Christentum einmal folgendermaßen dar:

Gott schuf Himmel und Erde und die Menschen und diese lebten im Paradies bis sie vom Apfel aßen und aus dem Paradies vertrieben wurden. Dann sandte Gott seinen Sohn, der Teil von ihm ist, auf die Erde und dort wurde er gekreuzigt, vergab mit seiner Kreuzigung aber die Sünden der Menschen und dann kam der Heilige Geist zu Pfingsten auf die Erde.

Das ist formal richtig, beschriebt aber das Christentum nur unzureichend. Wenn man Religionen auf eine derartig abstrakte Weise betrachtet, werden sie unverständlich oder wirken völlig bizarr. Erst die religiöse Praxis füllt diese Mythen mit Leben und ohne sie wird die Religion in einer Ausstellung nicht greifbar. Im Falle der 5000 Jahre alten Stadt Uruk wissen wir aber extrem wenig über diese religiöse Praxis und daher blieb auch in der Ausstellung eine gewisse Lücke bestehen. Ich weiß auch nicht, wie man antike Religionen mit Leben füllen kann, aber die reine Widergabe der antiken Mythen ist nicht zielführend.

Die Ausstellungsstücke

An dieser Stelle muss ich mich als Barbar outen. Die Ausstellung zeigte einige der ältesten bekannten menschlichen Kulturgüter. Uruk war bereits Hochkultur als in Sibirien noch Mammuts lebten. Und doch… ist das alles irgendwie unspektakulär. Die ersten Tontafeln aus Keilschrift schaut man sich fasziniert an, die nächsten dann nicht mehr so begeistert. Man kann sie nicht lesen und so bleibt nur ein Stück Ton mit Einkerbungen übrig. Und wenn sie übersetzt wurden, behandeln sie spannende Dinge wie die Lieferung von mehreren Fässern Fisch an den Palast. Auch die jahrtausendealten Tonvasen sind… Tonvasen. Der Barbar in mir hat allerdings nur eine eingeschränktes Interesse gegenüber alten, schmucklosen Tonvasen.

Am Ende bleibt so trotz des tollen Themas ein etwas gemischtes Gefühl übrig – so wirklich deutlich wurde das Leben in Uruk trotz aller Bemühungen der Ausstellungsmacher nicht. Das ist natürlich auch dem Forschungsstand geschuldet – Archäologie kann zum einen viele Dinge nicht beleuchten und zum anderen ist Forschung im heutigen Irak seit Jahrzehnten schwierig bis unmöglich. So blöd wie es klingt – unter Umständen ist bei diesem Thema eine Ausstellung das falsche Medium und die Lektüre eines Buches oder des Ausstellungskataloges, welche mehr in die Details gehen können, empfehlenswerter.

Dieser Beitrag wurde unter Ausstellungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Uruk – 5000 Jahre Megacity in Herne

  1. @KulturWelt sagt:

    RT @biblioblogs: Uruk – 5000 Jahre Megacity in Herne http://t.co/AjXqsMHGh1

  2. [http://t.co/gdHHHZAe3W] Uruk – 5000 Jahre Megacity in Herne http://t.co/uQ1FdbqOG8

Kommentare sind geschlossen.