Wie könnt ihr eigentlich so arbeiten? Teil 2: Ergonomie

In den letzten Monaten haben mir gleich zwei Leute erzählt, dass sie sich beim Schreiben ihrer wissenschaftlichen Arbeiten eine Sehnenscheidenentzündung zugezogen haben. Wissenschaftler sitzen viel am Rechner. Das Schreiben von Texten erledigen auch sehr analog arbeitende Historiker nicht mehr per Hand oder per Schreibmaschine. Recherche und Lektüre erfolgen zunehmend am Rechner. Zeit, sich sein Arbeitswerkzeug einmal anzugucken!

PCs sind „Bildschirmarbeitsplätze“, deren Gestaltung in der normalen Arbeitswelt durch die Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit an Bildschirmgeräten reglementiert werden. Die hilft euch natürlich nur wenn ihr einen Arbeitgeber habt (Tipp am Rande: Unis sind Arbeitgeber, wenn euer HiWi-Arbeitsplatz miese eingerichtet ist, könnt ihr durchaus drauf pochen). Bei einer Abschlussarbeit seid ihr aber in dem Sinne eure eigenen Arbeitgeber. Ihr seid für eure Arbeitsumgebung verantwortlich und keine staatliche Stelle kommt bei euch vorbei und kontrolliert in eurer Wohnung, ob ihr die BildscharbV einhaltet. Die hat aber den Sinn, Arbeitnehmer zu schützen und daher solltet ihr als freischaffende Studis/Doktoranden/Wissenschaftler euch selbst schützen.

Ein sogenannter Bildschirmarbeitsplatz besteht im Kern aus folgenden Komponenten:

Bildschirm
Über die Vorteile mehrerer Bildschirme hatte ich bereits gesprochen, wichtiger ist aber, dass man seinen Bildschirm richtig einstellt. Ein LCD-Display ist recht hell und gerade wenn man nachts in einem abgedunkelten Raum sitzt, zu hell. f.lux kann da Abhilfe schaffen, aber auch der Griff zu den bislang von euch noch nicht beachteten Einstellungsreglern am Monitor. Laptops haben meistens eine Tastenkombination, um die Bildschirmhelligkeit einzustellen. Auch die richtige Platzierung der Bildschirme ist extrem wichtig.

Tastatur/Maus/Eingabegeräte
Tastatur und Maus sind die Schnittstellen zum PC. Wenn euch irgendwann die Pfoten weh tun, dann liegt das – Überraschung! – an ihnen. Eine Zusammenfassung, wie eine ideale Tastatur aussehen soll, findet ihr etwa hier. Und wartet bitte nicht, bis sich Schmerzen einstellen, dann ist das Kind nämlich schon in den Brunnen gefallen.
Laptops sind im Prinzip grundsätzlich völlig unergonomisch und sind daher zum längeren Arbeiten gänzlich ungeeignet. Genauer gesagt ist das längere Arbeiten an Laptops ohne Zusatzausrüstung wie Dockingstationen oder externe Tastaturen sogar aus Arbeitsschutzgründen in Deutschland verboten.  Wenn ihr einen Laptop habt, schließt für längeres Arbeiten eine externe Tastatur und eine externe Maus an. Auch wenn ihr einen Desktop habt, fummelt nicht mit schrottigen und siffigen Uraltgeräten herum, sondern besorgt euch was feines – immerhin haltet ihr eure Maus im Zweifelsfall mehrere Stunden am Tag in der Hand. Und reinigt sie ab und an mal – im Zweifelsfall ist sie dreckiger als eure Klobrille, selbst wenn ihr in einer Zwölfer-WG wohnt.

Schreibtisch
Der PC steht normalerweise auf einem Tisch. Vor diesem Tisch steht ein Stuhl. Und jeder Mensch ist unterschiedlich groß. Passen Tischhöhe und Stuhlhöhe nicht zusammen, arbeitet man ständig gebückt mit krummem Rücken oder schaut mit dem Kinn gerade so über die Tischplatte. Beides ist schlecht und führt irgendwann zu Verspannungen im Rücken und Nacken.
In Bibliotheken lässt sich leider nur wenig an Stühlen und Tischen verändern, wer allerdings im eigenen Heim arbeitet, sollte sich ein paar Minuten Zeit nehmen und die Tischhöhe entsprechend anpassen. Viele Schreibtische sind höhenverstellbar. Wenn nicht, helfen auch ein paar Holzklötze.

Stuhl
Im Studium sitzt man tausende Stunden auf dem eigenen Schreibtischstuhl. Spätestens wenn man Verspannungen im Rücken bemerkt, sollte man über einen ordentlichen Stuhl nachdenken. Mein Geheimtipp hier ist, sich gebraucht professionelle Bürostühle abzugreifen. Firmen bauen gerne mal ihre Standorte um oder schließen und dort lassen sich für bezahlbares Geld richtig gute Stühle abgreifen.

Umgebung
Auch die Umgebung ist wichtig – so schick es ist, im Café zu arbeiten, es kann ablenken. Wenn die Sonne auf das Display scheint und man kaum etwas erkennt, leidet die Arbeit. Auch muffige oder laute Räume schaden. Hier stößt man schnell an die grundsätzlichen Probleme des Studentenlebens: Das WG-Zimmer ist winzig, aber teuer und für einen ordentlichen Arbeitsplatz ist kaum Platz. Außerdem hört der Mitbewohner ständig viel zu laut K-Pop. Die Tische und Stühle in der Bibliothek sind für Hobbits gebaut. Die Arbeitsräume in der Uni sind muffig und schlecht belüftet. Im Café ist die Hölle los. Irgendwie muss man aber trotzdem einen vernünftigen Arbeitsort finden.

Das waren jetzt kurz die Grundlagen der Ergonomie. Das ist natürlich auch eine eigene Wissenschaft und man könnte noch viel mehr darüber schreiben. Man kann richtig viel Geld in die Hand nehmen, sich neue Schreibtische- & -stühle, teure Hardware und diversen anderen Krams holen oder man nimmt es etwas lockerer: Mit einer externen Tastatur, einem passend eingestellten Schreibtisch und f.lux hat man schon einiges erreicht. Wichtig ist aber eins: Wenn ihr irgendwann ein Ziehen im Handgelenk verspürt, euer Nacken ständig verspannt ist oder eure Augen brennen, dann schaut euch mal euer Arbeitsgerät an.

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10 Responses to Wie könnt ihr eigentlich so arbeiten? Teil 2: Ergonomie

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  7. Zeddi sagt:

    Ich kann dem zum größtenteil nur zu 100% zustimmen … und nicht nur auf das Akedemische Umfeld bezogen, sondern auf alle Menschen.

    k.A. Wie die meisten zurechtkommen.

    Einzig bei der Tastatur bin ich bewusst etwas „Vintage“

    http://de.wikipedia.org/wiki/IBM_Model_M

    Sehr angenehm drauf zu schreiben ;)

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  9. viola sagt:

    ich kann zum thema „tastatur & maus“ sehr empfehlen, statt maus einen trackball zu nutzen. (http://de.wikipedia.org/wiki/Trackball)
    man bewegt dann nur mit dem daumen die kugel, anstatt mit der ganzen hand das ganze gerät über den schreibtisch zu bewegen.
    wenn man sich zudem noch ein kabelloses funkmodell gönnt, ist man in der positionierung noch flexibler und kann damit der hand und dem arm auch mal andere positionen und abwinklungen gönnen.
    der wechsel von einer maus zu einem trackball benötigt war etwas eingewöhnungszeit, aber es lohnt sich auf jeden fall!

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